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Full text of "Archiv für Naturgeschichte"

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ARCHIV 

FOR 

NATURGESCHICHTE. 



GEGRÜNDET VON A. F. A. WIEGMANN, 
FORTGESETZT VON W. F. ERICHS ON. 



N VERBINDUNG MIT 



PROF. DR. GRISEBACH IN GÖTTINGEN , 

PROF. DR. VON SIE BOLD IN MÜNCHEN, PROF. DR. A.WAGNER 

IN MÜNCHEN UND PROF. DR. LE UCK ART IN GIESSEN. 



HERAUSGEGEBEN 



YOH 



Bb. f. H. TZtOSCHEI.y 

PROFESSOU AN DER FRlEDRICH-WiLHELMS-UHIVERSITÄT Zu BONN. 



ZWANZIGSTER JAHRGANG. 

Erster Band« 



BERLIIN, 1854. 

VERLAG DER NICOLAPSCHEN BUCHHANDLUNG, 



Vi 



Inhalt des ersten Bandes. 



Monographie der Ostracoden. Von Dr. Zenker. (Hierzu 
Taf. 1-VI.) 

üeber die Cyciopiden des süssen Wassers. Von Demselben 
(Hierzu Taf. VI. Fig. 8—14.) 

lieber Asellus aquaticus. Von Demselben. (Hierzu Taf. VI 
Fig. 3-6.) 

System der Crustaceen. Von Demselben 



Beiträge zur Kenntniss der Pteropoden. Vom Herausgeber. 
(Hierzu Taf. VIII— X.) . . . . 



Seile 
1 

88 

103 
108 



Critik der Erichson'schen Gliedmassentheorie. Von Demselben 118 

Beiträge zur Kenntniss der Vegetationsverhältnisse oberhalb der 

Schneelinie. Von Adolph Schlagintweit . . 139 

üeber eine neue Familie von Fischen aus Californien. Von L. 

Agassiz. Uebersetzt vom Herausgeb er . . . 149 

üeber die systematische Stellung der Gattung Embiotoca. Be- 
merkung zur vorigen Abhandlung. Vom Herausgeber 163 

üeber die Schw^immblase in der Familie Gymnolini. Von J. 
Reinhardt. Aus dem Dänischen übersetzt vom Her- 
ausgeber . 169 

Beschreibung zw^eier neuer Siphonostomen-Gattungen. Von Dr. 

A. Gerstaecker in Berlin. (Hierzu Taf. VII.) . . 183 



196 



IV Inhalt. 



Seite 



Einiges über die Mundlheile der saugenden Insecten. Resultate 
aus Gerstfeld's Abhandlung über diesen Gegenstand. Von 
Prof. Dr. E. Grube 242 

riachträge zu den „Bemerkungen über die PiiyHopoden/«- Von 

Demselben 247 

Zur nähern Kenntniss der Siphonophoren von Wizza. Von Rud. 

Leuckart in Giessen. (Hierzu Taf. XI— XIll.) . . 249 



]IIoiiog:rapliie der Oistracodeu. 

Von 
Dr« Zenker. 

Hierzu Taf. I— VI. 



Einleitung^. 



Erste Kenntniss. Die erste Cypris, dieLinne in 
seinem „Systema nalurae« aufführte, nannte er Monoculus con- 
cha pedata und in diesem Namen drückte er völlig den Ein- 
druck aus, den der erste Anblick eines solchen Thierchens 
auf denBeschauer macht. Wir sehen einThiervor uns, von 
2 Schalen eingeschlossen wie eine Muschel , und an Gestalt 
oft nicht unähnlich den Unionen undAnodonten unserer süs- 
sen Gewässer. Nur ein schwarzer Fleck, den wir sogleich 
als Auge erkennen , könnte uns Misstrauen gegen die Mu- 
schelnatur des Thierchens einflössen. Da plötzlich öffnen 
sich seine Schalen und statt der Athemröhren bricht unge- 
stüm eine Anzahl langer verschieden gekrümmter Gliedmassen 
hervor, arbeitet mit einer Geschwindigkeit, der unsere Au- 
gen kaum folgen können, scheinbar regellos hin und her und 
bewegt dabei den kleinen Körper mit Leichtigkeit in schnur- 
gerader Richtung vorwärts. 

So wunderbar und seltsam dieser Anblick jedem Laien 
erscheint, so ganz gewöhnlich ist er dem Zoologen, der in 
Gräben und Teichen nach wirbellosen Thieren sucht. Ja 
diese Thierchen sind so zahlreich in unsern stehenden Ge- 
wässern und dabei so gefrässig , dafs oft manche andere 
Thierart von zarterer Körperbedeckung ganz von ihnen aus- 
gerottet und dadurch manche Erwartung des Zoologen zer- 

AtcUv f. Naturgescb. XX. Jahrg. Bd. 1. l 



2 Zenker 

stört wird. Später freilich steht es auch um die armen Cy- 
priden schlimm, die sich selbst ihrer Nahrung- beraubt haben. 
Sie sinken vom Höhepunkt ihrer quantitativen Enlwickelung 
schnell herab und oft stirbt so die ganze Generalion völlig 
aus. Dann ruht allein auf dem Boden des Gewässers in den 
Eiern , welche an den Blättern der Wasserpflanzen haften, 
der Keim für die Enlwickelung neuer Generationen , welche 
bald von der Sonnenwärme erweckt, ohne irgend ältere Thiere 
ihrer Art zu sehen, ein neues Leben beginnen. 

Stellung und Einlheilung. lieber den ungefäh- 
ren Platz dieser so häufigen Thierchen im Systeme desTliier- 
reichs war man bald klar geworden. Schon Linne stellte 
sie zu denKrustenlhieren, wenn auch mit fremdartigen Thie- 
ren (Daphnoiden und Cyclopiden) in eine Galtung Monoculus 
vereinigt. 

Dem fleissigen Durchsucher „des süssen und salzigen 
Wassers,« dem ruhmvollen Dänischen Zoologen 0. F. Mül- 
ler gelang es, Thiere von nahe demselben Körperbau auch 
im Meere wiederzufinden. Aber sie waren nicht wie die 
munteren Muschelkrebse des süssen Wassers, die mit ihren 
Armen und Beinen so unermüdlich arbeiteten und so behen- 
de herumschwammen: sie hallen schwere Schalen und matte 
Gliedmassen, die nur zum Anklammern und Kriechen dienen 
konnten. Sie schleppten sich wie Schildkröten im Miniatur- 
maassstabc langsam von Ort zu Ort, von Zweig zu Zweig 
an den Wasserpflanzen entlang oder die Wände des Glases 
hinauf. So in der Lebensart und entsprechend im Gliedma- 
fsenbau unterschieden, trennte 0. F. Müller die Muschel- 
krebse in die beiden Gattungen Cypris und Cythere und be»- 
schrieb dieselben in seinem schönen Werke „Entomostraca 
seu Insecta testacea* 1785. 

Zu diesen ist, aus fernen Oceanen hergeführt, in neuerer 
Zeit noch eine Reihe lebender Gattungen hinzugefügt, als 
Cypridina (M. Edvv.), Lepidurus (Leach), Conchaecia (Dana), 
Candona (Baird), Asterope (Philippi) O- Wenn auch die 



1) Milne Edwards Histoire naturelle des Crustaees 1840. 
Tome JIL pag.409. pl.36. Dana in den Proceedings of the Ameri- 



Monographie der Ostracoden. 3 

Anatomie dieser seltneren Galtungen noch durcliaus nicht 
genügend aufgelilärt ist , so scheinen sie doch wohl den 
Cytheren näher zu stehen, als den Cypriden. Es lassen sich 
mithin die Ostracoden, unter welchem Namen wir mitMilne 
Edwards die sämmtlichen Muschelkrebse zusammenfassen, 
in 2 Abiheilungen bringen, die durch Körperbau, Aufenhalt 
und Lebensweise getrennt sind: 

1) die Cypriden oder Süfswasser-Ostracoden und 

2) Cytheriden oder See-Ostracoden. 

Wir bezeichnen diese Abtheilungen einstweilen als Fa- 
milien, ohne dadurch die Bildung von Unterfamilien verhin- 
dern zu wollen, die bei näherer Kennlniss der jetzt lebenden 
Ostracoden gewiss als wünschenswerth hervortreten wird. 
Die Cypriden, bisher als einzige Galtung Cypris bekannt, 
Iheilcn wir in die beiden Gattungen Cyprois und Cypris, 
letzlere in die Untergattungen Cypris und Cypria. Die nä- 
here Erörterung und Begründung dieser Eintheilung wird 
im 2ten Theile dieser Abhandlung ihren Ort finden. 

Die nur fossilen Gattungen Cytherina (Bronn.) ; Cyprella 
u. Cypridella (De Konink.) ; Cytherella, Bairdia u. Cytheridea 
(Bosquet) gehören, scheint es, alle zu den Cytheriden. 

Geologische Verbreitung. Die Cytheriden fin- 
den sich in ununterbrochener Reihe von dem ältesten 
Kohlenkalke an in den Ablagerungen jedes Alters wieder; 
auch die Cypriden sind schon in den ältesten Süsswasserbil- 
dungen des Wälderthons vorhanden. Bosquets i) erfolg- 
reiche Untersuchungen der Maestrichter Kreide und der ter- 
tiären Ablagerungen Frankreichs und Belgiens hat uns mit 



can Academy of Arts and Sciences 1847. 1849. Vol. II. W. Baird 
Description of several new species of Entomostraca iu den Annais 
and Magazine of natural history 1852. Ser, II. Vol. X. p. 56. Phi- 
lip p i und L e a c h unbekannt. 

1) Bosquet, Description des Entomostracees fossiles de la 
craie de Maestricht in den Memoires de la Societe royale des Scien- 
ces de Liege Tome IV. 1847. u. Descript. d.Entoin. foss. des terrains 
tertiaires de la France et de la Belgique in den Mem. d. Savans etr. 
publ. p. l'Academie royale des sciences des lettres et des beaux-arts 
de Belgique T. XXIV. 1850-51. pag. 1. Pl.I-VL 



4 Zenker: 

einer so grossen Zahl neuer Arten und Gattungen wahrhaft 
überrascht , dass wir daran sehen , wie lückenhaft unsere 
Kenntniss der fossilen Formen noch dasteht. Es ist daher 
unmöglich, den Zeitpunkt der höchsten Artenentwickelung 
für die Ostracoden anzugeben; dagegen scheint es, als ob 
im Allgemeinen die Ostracoden früher grösser gewesen wä- 
ren, als jelzt. Die lebenden kommen nicht überLinsengrösse 
hinaus, während die Cylherina baltica unserer Norddeutschen 
Geschiebe schon einer Bohne gleicht und in den Böhmischen 
Gebirgen, nach einer mündlichen Aeusserung des berühmten 
Geognosten Barande, Ostracoden von 1 72 Zoll Länge vor- 
kommen. 

In wie weit die fossilen Galtungen in ihrer Organisa- 
tion von den lebenden abweichen, ist nur an solchen Exem- 
plaren genauer zu erkennen , deren Gliedmassen noch wohl- 
erhalten in der Schale eingeschlossen liegen. Ich halte 
die Auffindung solcher Exemplare für sehr möglich, da ich 
wenigstens in einem Sehleswigschen Thon jüngster Bildung, 
den mir Hr. Prof. Beyr ich zur Untersuchung gab, in meh- 
reren Exemplaren der Cylh. lutea Müll, noch manche Glied- 
massen völlig erhalten fand. Ich empfehle für Untersuchun- 
gen in dieser Bichtung wie für die lebender Arten und be- 
sonders für die Aulbewahrung der erhaltenen Präparate die 
Anwendung des Glycerins, welches in der That fast in allen 
Theilen der Mikroskopie die kühnsten Erwartungen noch 
übertrifft. 

Anatomische Kenntniss. Die anatomische Un- 
tersuchung der Ostracoden bietet viele nicht geringe Schwie- 
rigkeiten. Der Körper derselben , wenn auch für mikrosko- 
pische Untersuchung allein geeignet, ist doch so undurchsich- 
tig und so dick, dass für die blosse Beobachtung die anato- 
mischen Verhältnisse durchaus unzugänglich bleiben. Um 
also zu meinem Besultate zu gelangen, mufs man diese win- 
zigen Thierchen von V^"' — 1 'A'" Länge einer eigentlichen 
Section unterwerfen, bei welcher durchschnittlich die Schärfe 
des Besultats mit der Schärfe des Messers in Proportion steht. 
Durch Tödtung der Thiere in kochendem Wasser oder Es- 
sigsäure erhält man die Schalen geöffnet und leicht ablös- 
bar. Ebenso werden durch kochendes Wasser alle Muskeln 



Monographie der Ostracoden. 5 

erschlafft und daher alle erectionsfähigen Organe erigirt. 
Wichtiger aber als alle Untersuchung präparirter Exemplare 
ist die häufige Seclion der lebenden , die allein ein klares 
Bild des inneren Zusammenhangs der einzelnen Theile giebt. 
Bei einer solchen Section muss sich der Anatom erst mittelst 
des Mikroskops und oft mit den stärksten Objeclivlinsen auf 
dem Objectivglase über die Lage der einzelnen auseinander- 
gezerrten Theile des Thierkörpers orientiren, ehe er nun mit 
blossem Auge oder höchstens unter einer Loupe den sichern 
Schnitt führen kann. Besonders viel Mühe habe ich in die- 
ser Beziehung bei den so complicirten Begattungsgliedern 
gehabt, sowie bei manchen andern Körpertheilen. 

Wegen der eben erwähnten grossen Schwierigkeiten 
ist es nicht auffallend , dass die Anatomie der Ostracoden 
nur von wenigen Forschern und mit verschiedenem Erfolg 
bearbeitet worden ist. 

Die ersten Beobachtungen hierüber stellte 0. F. Mül- 
ler an, welcher fand, dafs die Cypriden 1 P. Antennen und 
3 P. Füsse, die Cytheren dagegen 1 P. Antennen und 4 P. 
Füsse hatten. 

Die Resultate der anatomischen Untersuchungen von 
Ramdohr, Treviranus und Jurine sind von keiner 
Bedeutung, 

Erst S trau SS 2) gab eine vollständigere Darstellung von 
der Organisation der Cypris fusca, beschrieb die Gliedmassen 
vollständig und grösstentheils richtig und lehrte zuerst die 
Weichtheile ihres Körpers kennen; diese jedoch ziemlich un- 
vollständig. Er erklärte die Ostracoden für wahrscheinlich 
hermaphroditisch, weil er nie ein Männchen gesehen hatte. 
Zwar ist schon die von ihm nicht verschmähte Annahme der 



1) Ramdohr Beiträge zur Naturgeschichte einiger deutschen 
Alonocnlusarten in seinen „Mikroskopischen Beiträgen zur Entomolo- 
gie und Helminthologie" 1805. Treviranus Abhandlungen über den 
inneren Bau der ungeflügelten Insecten in seinen „Vermischten Schrif- 
ten, anatomischen und physiologischen Inhalts«* 1816. 17. Jurine Hi- 
sloire des Monocles 1820. 

2) Strauss Memoire sur les Cypris in den Memoires du Mu- 
seum d'histoire naturelle 1821. Tom. VII, pag.33. pl. 1. 



6 S5enk6r: 

Selbstbefruchtung ein Zeichen, dass die Kenntniss der Ge- 
schlechtsverhältnisse noch sehr in der Jugend war. Dennoch 
war diese Autorität so gewaltig, dass sie sogar die Wahr- 
heitsliebe des ehrlichen Ledermüller '), der die Cypri- 
den in der Begattung gesehen haben wollte, in Verdacht 
brachte. 

Einen Beitrag zur Kenntniss der Cypriden lieferte R. 
Wagner 2) durch Auffindung des Zoosperms, dessen erstaun- 
liche Grösse er mit Recht bewundert. Jedoch ist zweifel- 
haft, ob dies Zoosperm aus dem Hoden des Männchens oder 
der Samentasche des Weibchens kam. 

InjüngsterZeit hatSeb. Fi scher 3) die seit Strauss 
so gut wie ruhenden Untersuchungen wieder aufgenommen. 
Seine Resultate sind jedoch zu verwirrt und naturwidrig, um 
sie einen Fortschritt nennen zu können. Oft sind richtige 
Abbildungen vorhanden^ nur mit den abenteuerlichsten Deu- 
tungen der verschiedenen Organe. Er hält die Cypriden für 
„vorherrschend (!) hermaphroditisch'^ und bezeichnet nicht 
weniger als 3 verschiedene Organe mit dem Namen „Hode"; 
die wirklichen Hodenschläuche aberhält er für einen 4fachen 
Eierstock. Die bei den Crustaceen so verbreiteten Leberschläu- 
che, die hier in den Schalen liegen, erklärt er für Circula- 
tionsorgane u. dgl. m. Die Verdienste seiner Arbeit um die 
Darstellung mehrerer Species werden durch solche Irrlhümer 
wahrhaft verunstaltet. 

Für die Cytheren und Cypridinen haben W. Baird^) 



1) Ledermüller Mikroskopische Gemüths- und Augen-Ergöt- 
zung. I. S. 141. Taf. 43. Fig. d. Er sagt: d stellet die Art vor, wie 
sie sich zu paaren pflegen und häufig also aneinander hängend im Was- 
ser gefunden werden , wovon das Weibchen allemal auf dem Rücken 
schwimmend von dem Männchen lortgezogen wird, 

2) R. Wagner Beiträge zur Kenntniss der Samenflüssigkeit der 
Thiere und in Wiegm. Archiv. 1836. ßd. I. p. 369. 

3) Seb. Fischer lieber das Genus Cypris in den Mem, des 
Savans etrangers de i'Academie de St. Petersbourg 1851. Tom. VII. 
p. 129. pl. I-XI 

4) W. Baird History of British Entomoslraca im Magazine of 
Xoology and Bolany 1834. Voll. p. 514. pl, XVI. u. 1838. Vol. II. 
p. 132. pl.V. 



Monographie der Ostracoden 7 

und Milne Edwards die Gliedmassen vollständig darge- 
stellt, ohne jedoch die Weichlheile oder harten Geschlechts- 
apparate zu beachten. Sie haben in dieser Beziehung nur 
die Str auss'schen Resultate adoptirt. 

Eine frühere Arbeit von mir bewies schon, dass die 
Gatt. Cypris getrennten Geschlechts sei und stellte die beiden 
Geschlechlsapparate dar. Manche Unvollkommenheit der da- 
maligen Darstellung veranlasst mich, in meiner jetzigen Ar- 
beit dieselben Punkte noch einmal ganz und gar mitabzu- 
handeln und nur in wenigen Fällen mich auf die frühere 
zuruckzubeziehen. 



y^natomiscBier TJieil« 



I. Die Schalen. 

Die beiden Schalen, deren grosse Aehnlichkeit mit 
Muschelschalen in Bezug auf Gestalt, Verschluss, Beweglich- 
keit und Zweck den Namen Ostracoden oder Muschelkrebse 
rechtfertigt, stossen, wie jene der Acephalen, längs der Mit- 
tellinie zusammen und umschliessen den ganzen Körper un- 
serer kleinen Thierchen. Im mittleren Drittel des Rückens 
sind sie aneinander geheftet durch ein zartes elastisches Band 
(Taf. I. Fig. 10 &, Taf. IV. Fig. 10), welches sich aussen von 
einer Schale zur andern schlägt, zu dessen Anheflung auf 
den Buckeln derselben besonders kleine Leisten (//) ange- 
bracht sind. Am stärksten ist dies Band an beiden Enden, 
wo die ursprünglich weitere Distanz der Schalenbuckel eine 
stärkere Wirkung seiner Contraction erklärt. Eine feinere 
Structur in diesem Bande habe ich nicht erkennen können. 
Durch die Contraction desselben werden selbstverständlich 
die Schalen geöffnet. 

Ihm entgegenwirkend und die Schalen schliessend, fm- 



1) W. Zenker, über die Geschlechtsverhällnisse in der Gattung 
Cypris in iMüllers Archiv 1850. p. 193. pl, V. und meine Dissertation: 
De natura sexuali generis Cypridis 1850, 



8 Zenker: 

den wir, wie bei den Muscheln, besonders den einmuskligen, 
einen zweiköpfigen Schliessmuskel (Taf. I. Fig. 12 m), der von 
einer Schale zur andern geht und sich mit mehreren Bündeln 
an deren innere Fläche ansetzt. Man bemerkt seine An- 
salzstellen auch äusserlich bei den Cypriden und unterschei- 
den sich dieselben in ihrer Stellung wesentlich von denen 
der Cytheren ; so dass diese Galtungen aus blossen etwa ver- 
steinerten Schalen wohl unterschieden werden können, so- 
bald noch diese Muskeleindrücke erhalten sind *). Sogar 
für die einzelnen Species ist die Stellung der Muskelbündel 
oft charakteristisch und es ist zu bedauern^ dass die Dar- 
stellungen derselben an vielen Species von Baird und Fi- 
scher durchaus unzuverlässig und offenbar ohne besondere 
Beachtung nur hingeworfen sind. Wegen der Unterschiede 
selbst verweisen wir hier auf die Abbildungen. 

In der Mittellinie begegnen sich die Sehnen der beiden 
Muskelköpfe. Diese Stelle bezeichnet so ziemlich den Schwer- 
punkt des ganzen Thiers und ist für die Lagerung der Theile 
von grösster Wichtigkeil. Oberhalb geht der Darmkanal fort 
und bildet die Einschnürung, die ihn in zwei Hälften theilt. 
Bis hieher erstrecken sich höchstens die Schleimdrüse des 
männlichen und die Samenblase des weiblichen Geschlechls- 
apparates. Hier biegt der Eierstock nach hinten zurück und 
hier trennen sich die hinteren Hodenschläuche von den vor- 
deren , um sich nach hinten zurückzubiegen. Hier ist end- 
lich der Anfang des grossen Raumes, in welchem die Kie- 
menplalte des zweiten Kieferpaars in steten Schwingungen 
sich befindet. 

Die R ä n d er der Schalen (Taf. I. Fig. 1 1 , Taf. IV. Fig 9) 
sind von feslerem , härterem Chitin als die übrigen Theile 
derselben; auch sind sie durchsichtiger. An manchen Stel- 



1) Die Schalen der Cytheriden unterscheiden sich von denen der 
Cypriden ausserdem noch durch die dünnen Stellen, welche die Stelle 
der zwei seitlichen Augen bezeichneu. Es ist übrigens sehr möglich, 
ja sogar wahrscheinlich, dass öfters die Anheftungsstellen der Aluskel- 
bündel für Augen gehalten worden sind und dass man daher zusam- 
mengesetzte Augen zu finden geglaubt hat. Es ist merkwürdig , dass 
in den fossilen Gattungen die Augen stets angegeben werden, nie aber 
die Angatzslellen des Schliessmuskels. 



Monographie der Oslracoden. 9 

Jen , besonders in der Mundgegend , sind sie gegeneinander 
umgekippt , an anderen parallel , so dass sie sich theils an- 
einanderlegen , theils übereinanderschieben. Dazu wechseln 
verdickte Stellen (a) und Lücken miteinander ab und zwar 
so, dass die Ränder schlossartig ineinander passen. Zur Be- 
festigung dienen noch einige dort hervorspringende steife Haare 
(c), die bei Cypris sehr regelmässig am Rande entlang ste- 
hen , bei Cylhere dagegen zerstreut, ohne dass jedoch hier- 
durch der Verschliessbarkeit der Schalen Eintrag geschähe. 
In manchen Species (C. pubera, C. ornata, C. monacha), be- 
finden sich noch besondere knopfartige Erhabenheiten längs 
des Vorder- und Hinterrandes, auch öfters zahnartige Be- 
waffnungen, besonders (C. pubera, C. monacha) an der Ecke 
des unteren und hinteren Randes. An Cyth. lutea ist dieser 
Rand so fest und stark, dass er in den oben erwähnten Ver- 
steinerungen oft allein erhalten war und dabei ziemlich voll- 
ständig , während die eingeschlossene Schale zerstört war. 
Der Rand ist vorn und hinten am stärksten, weniger an der 
Mundseite und nach dem Schalenbande hin verschwindet er 
mehr und mehr, endlich unter demselben vollständig. 

Denkt man sich den Durchschnitt einer Cypris 
rechtwinklig auf die Mittellinie in der Gegend des Schliess- 
muskels, so treten die Schalen vom Rücken aus buckelför- 
mig gewölbt auseinander und wenden sich erst später und 
ziemlich plötzlich nach unten um und zur Mittellinie zurück. 
Sie bilden dabei meist auch am Bauche eine Wölbung nach 
oben, aus der nur die Mundgegend als Wölbung nach unten 
hervortritt. In den verschiedenen Species, besonders aber 
in den verschiedenen Altersstufen, wird der Bauchrand 
daher im Allgemeinen bald nach oben gewölbt, bald 
g r a d e j bald auch nach unten gewölbt erscheinen 
können. 

Die Gestalt der Schalen entwickelt sich erst allmäh- 
lich gemäss der Ausbildung des übrigen Körpers. Bei jun- 
gen Thieren, deren Geschlechtsapparate noch nicht entwickelt 
sind, cTaf. II. C. Fig. 4) ist die Schale hinten sehr niedrig, 
vorn hoch und es ist dies ein sicheres Zeichen für ein jun- 
ges Thier. Bei den allerjüngsten Thieren (Taf. IV. Fig. 17}, 
wo noch so gut wie gar kein Abdomen vorhanden ist, steigt 



10 Zenker: 

sie dagegen steil zu der Höhe des Auges an , ähnlich der 
Schale eines alten Thieres. Im Aller nimmt der mächtig 
entwickelte Geschlechtsapparat den Raum des nun erhöhten 
und erweiterten Hinterlheils ein. Dann liegt die grösste Höhe 
und Breite der Schale immer hinter der Mitte. Die Arten, 
deren Diagnose die Schalen vorn höher nennt als hinten, sind 
daher jedenfalls nach geschlechtsunreifen Exemplaren aufge- 
stellt und von allen am wenigsten zuverlässig. Es gilt dies 
auch von Cythere. 

Die Schalen sind ein Product der Chitinhaut, die vom 
Bauch her den ganzen Körper umhüllt. Sie schlägt sich in 
der Gegend des Schliessmuskels nach aussen um (Taf. I. Fig. 
12. ö) und dringt nach allen Richtungen bis zur Mittellinie 
vor, schlägt sich dort wieder nach aussen um (a), indem sie 
den harten Rand bildet und kehrt nun zurück bis zur Ver- 
einigung mit der von der anderen Seite kommenden Chilin- 
haut, wobei das elastische Schalenband (/) die Brücke ist. 
Zwischen die so entstehenden Blätter der Chitinhaut schiebt 
sich eine zweite Membran (c) von zelliger Structur, die ih- 
nen längs ihrer ganzen Ausdehnug folgt , in ihren Zellen 
Pigmentkörnchen^ violett, blau, grün oder blau absondert und 
der blauen Rückenhaut des Flusskrebses durchaus ähnlich 
sieht (Taf. 1. Fig. 19). 

Unter dieser Pigmenthaut liegen die Eingeweide und 
zwar nicht bloss in dem von den Schalen umschlossenen 
Körper, sondern auch innerhalb der Schalen selbst zwischen 
ihren inneren und äusseren Blättern. An der Umschlagstelle 
der Chitinhaut neben dem Schliessmuskel drängen sich vorn 
Leberschläuche (<;) und Hodenschläuche (Ä), hinten Eier- 
stock und Hoden in die Schale hinein, um blind in ihnen zu 
enden. Bei den Cytheren gilt dies nur für den Eierstock. 
Diese Organe bleiben innerhalb der Pigmenthaut; der Schliess- 
muskel dagegen durchbohrt dieselbe und setzt sich unmittel- 
bar an die äussere Schalenhaul. 

Die äussere Schalenhaut ist anfangs dünn und zart 
und besteht aus Zellen; allmählich aber verdickt sie sich und 
erhärtet, weil sie von der Pigmenthaut Chitin und Kalk zu- 
geführt erhält. Bald treten an den Zellenscheidewänden, senk- 
recht darauf kleine hornige Wülste hervor (Taf. II. C. Fig. 4. 



Monographie der Ostracoden. 11 

5) , die stark das Licht brechen und bald ein ganzes Netz- 
werk bilden. Der Anblick solcher Schalen verändert sich 
fast jeden Tag durch die fortwährende Zufuhr neuer theils 
organischer, theils unorganischer Masse, bis endlich durch 
die Anhäufung derselben alle früheren Zellengrenzen ver- 
wischt werden und eine oft ganz glatte Oberfläche herge- 
stellt wird. Bei einigen bleiben die Zellen der Schale ab- 
gegrenzt (Cyth. gibba, Cyp. vidua), färben sich in verschie- 
denen Farben und zeigen nicht das erwähnte netzartige An- 
sehen, wie bei den Cypriden. Es scheint dies alles auf ein 
Verwachsen der Chitin - und Pigmenlhaut hinzudeuten. Die 
Schalen der Cylheren sind überhaupt härter, dicker, fesler 
und reicher an kohlensaurem Kalke als die der Cypriden, 
wesshalb auch die Eindrücke des Schliessmuskels weniger 
deutlich hervortreten. Die Schalen mancher alten Exemplare 
von C. punctata haben eine gestreifte Oberfläche, die von C. 
monacha eine punklirte. 

Ursprünglich steht an den Punkten, wo drei Schalenzeflen 
zusammenstossen, immer ein Haar. Diese Haare fallen jedoch 
mit der Erhärtung der Schalen mehr und mehr ab und blei- 
ben am Vorder- und Hinterrande am zahlreichsten. Die Be- 
haarung ist abhängig von dem Alter, dem Wohnort, der 
Individualität und der Species des Thieres, mithin immer nur 
ein relativ sicherer Charakter. 

Häutungen scheinen bei den Ostracoden nicht statt- 
zufinden, denn nie fand ich abgeworfene Chitinskelete. Die 
Schalen sicherlich werden niemals abgeworfen. 

Die Schalen der Ostracoden gleichen denen der Deka- 
poden durch ihre Härte und Kalkhalligkeit, so wie darin, 
dass sie ihre Masse aus einer darunter liegenden drüsigen 
Haut erhalten. Sie gleichen denen der Branchiopoden in 
ihrer ursprünglichen histiologischen Zusammensetzuug aus 
Zellen und in ihrer Entwickelung aus der Eischale selbst 
(Daphnoiden). Sie gleichen denen von Nicothoc und Argu- 
lus, indem sie wichtige weiche Organe zwischen ihre Schich- 
ten aufnehmen. Doch unterscheiden sie sich von den Scha- 
len aller Crustaceen und gleichen darin allerdings den Mu. 
schelschalen , dass sie an demselben Thiere bis zum Tode 
ausdauern , dass sie in der Mittellinie des Rückens beweg- 



12 Zenker: 

lieh aneinanderstossen, und dass sie in ihrem gezahnten 
Rande das Mittel zu einem lange dauernden festen Verschluss 
besitzen. 



II. Gliedmassen. 

S trau SS und Baird haben uns zuerst die Gliedma- 
fsen der Cypriden und Cytheren bekannt gemacht. In beiden 
Familien finden sie sich zu 8 Paaren, darunter 2 Paar An- 
tennen und ein paariger Schwanz. Von den übrigen 5 Paaren 
dienen bei den Cypriden 3, bei Cytheren 2 dem Munde , so 
dass wir entsprechend 2 und 3 Paar Abdominalfüsse finden. 

A. Cypriden (Taf. 1. Fig. 1-9 u. Fig. 18). 

I) Die Antennen des ersten Paares (Fig. 1.^. I, 
Fig. 2) entspringen dicht unter dem Auge , durch Gelenke 
und starke Muskeln zu grosser Beweglichkeit geeignet. Sie 
bestehen aus 7 Gliedern. Das erste ist stark und muskelreich 
und fest verbunden mit dem dreieckigen kleinen 2tenGIiede, 
das einer Gelenkkapsel ähnlich sieht. Die grosse Beweglich- 
keit des 3ten erlaubt es, die Antennen bald weit nach oben 
überzubiegen , bald sie nach unten einzuklappen und in die 
Schalen zurückzuziehen. Die folgenden 5 Glieder werden 
nach dem Ende zu kleiner und bilden eine Geissei, welche 
dem Thier zum Rudern dient. Während nach unten nur 
kurze Borsten aus ihnen entspringen, so tragen nach oben 
das 4te Glied 2, das 5te 4, das 6te und 7te 8 lange, bis- 
weilen gefiederte Haare, welche zusammen einen ganzen 
Büschel bilden. Wenn nun das Thier schwimmt, so stehen 
dieselben nach oben und werden abwechselnd über den Rücken 
nach hinten geschlagen und wieder vorgezogen. Beim Zu- 
rückschlagen bietet die Antenne selbst den nöthigen Wi- 
derstand, beim Vorziehen dagegen geben die Haare nach und 
schwächen die vorbewegende Wirkung des Zurückschiagens 
sehr wenig. In dieser Art wirken die beiden oberen Anten- 
nen als Schwimmorgane. Strauss und Fischer haben 
die Borsten fälschlich an der unleren Seite dargestellt , wo 
sie nur wirken könnten, wenn die Antennen auf der Bauch- 
seite nach unten peitschten, W^enn Baird 8 Glieder her- 



Monographie der Ostracoden. 13 

auszählt, so ist dies wohl veranlasst durch eine optische 
Täuschung , die an solchen Stellen leicht eintritt , wo zwei 
Glieder übereinandergreifen. 

2) Die Antennen des 2ten Paares (Fig. 1.^.11, 
Fig. 3) inseriren sich dicht unter denen des ersten Paares an 
der Vorderseite des Körpers mit starken Muskeln. Sie sind 
reich an Gelenken und sehr beweglich , dabei kräftig und 
wohl geeignet zum Ergreifen von allerlei Gegenständen. Sie 
sind es auch vorzugsweise, mit denen sich das Thier an 
Wasserpflanzen oder Gefässwänden anklammert und mit de- 
nen es verwundete Inseclenlarven u. dgl. festhält, um sie zu 
verzehren. Sie bestehen aus 6 Gliedern, von denen das erste 
nach unten, das 2te rechwinklig nach vorn und das 3te wie- 
der nach unten gerichtet ist. Die folgenden 3 Glieder sind 
schwach, so das 4te und 5te, die bei sehr alten Thieren bis- 
weilen verwachsen und besonders das 6ste, das jedoch biswei- 
len mit Klauen versehen ist. Alle Glieder tragen kürzere 
Borsten, aus dem 3ten jedoch entspringen vorn etwa 8 lange 
Borsten, welche oft weit über die Klauen des Endgliedes 
hinausreichen. Das erste Stück ist steif, nachher aber wer- 
den sie mehr geisselartig und lassen sich wohl nach hinten 
biegen, nicht aber nach vorn. So werden sie ebenfalls ge- 
eignet, beim Rudern zu helfen, indem sie abwechselnd unter 
den Bauch zurück geschlagen und wieder vorgezogen wer- 
den. Sie wirken auf der Unterseite des Körpers wie die 
Geissein des ersten Antennenpaars auf der Oberseite und 
stehen auch rücksichtlich der quantitativen Entvvickelung mit 
jenen in auffallender Beziehung. Bei Cypris ornata, Candida 
sind beide Borstenbüschel kurz, das des 2ten Anlennenpaars 
fehlt im Alter ganz. Bei Cypria ovum, punctata sind sie beide 
von bedeutender fast gleicher Länge. Bei Cyprois monacha 
sind die Büschel des ersten Antennenpaars lang und die des 
2ten scheinen unverhältnissmässig kurz zu sein; doch sieht 
man sie bei genauerer Beobachtung mit Fiedern besetzt, wie 
die Schwimmfüsse von Notonecfa u. a. , um das Gleichge- 
wicht zu erhalten. Ohne diese Borsten würde das Thier durch 
die Arbeit des ersten Antennenpaars nur im Kreise herum- 
getrieben werden wie ein Dampfschiff, an welchem nur ein 
Rad arbeitet. Mit der Grösse dieser Borstenbüschel und der 



14 Zenker: 

von den oberen Antennen steht die Beweglichkeit des Thiers 
in nächster Verbindung; denn während Cypria ovum, punctata 
munter umherjagen und auch Cyprois an der Oberfläche her- 
umschwimmt, kriechen C. Candida, ornala langsam im Schlamm 
und an den Wasserpflanzen umher, nur in der Jugend mun- 
teren Spielen zugethan. 

3) Es folgt nun in weiterem Abstände das erste Kie- 
ferpaar (Fig. 1. Ji. I. Fig. 4). Ich halte es für unzweck- 
mässig, diese Kiefer besonders als Mandibeln zu unterschei- 
den. Sie sind fussartige Organe , denen ihre Stellung eine 
besondere Function und daher besondere Form anweist. Dass 
sie im Gliederlhierreich auch ganz fehlen können oder we- 
nigstens völlig fussähnlich werden können, sehen wir an den 
Arachniden und besonders deutlich an den Pycnogoniden ')• 
Dasselbe gilt auch von den beiden andern Kieferpaaren oder 
Kaufüssen. 

Die Kiefer des ersten Paares bestehen aus 5 Gliedern, 
von denen das erste besonders stark entwickelt und als Kau- 
organ mit Zähnen versehen ist. Es besteht aus einem ke- 
gelförmigen oberen Theil, welcher sich mit seiner Spitze an 
das Chitinskelet befestigt und durch einen breiten Muskel (m) 
herumgerollt wird, und aus einem hakig gekrümmten mit 
starken Zähnen (d) besetzten unteren Theil. In der Mitte 
des ersten Gliedes etwa befindet sich das Loch, worin sich 
das 2te Glied einfügt, an welches sich die 3 übrigen kleine- 
ren anhängen. Letzlere sind cylindrisch und reich mit Haa- 
ren besetzt. Das 2le Glied ist nach unten winkelig gekrümmt 
und auf seinem Winkelvorsprung trägt es ein dreieckiges 
Kiemenblättchen (6), welches mit 6 gefiederten breiten Haa- 
ren besetzt ist. 

Strauss und Fisch er stellen nur 4 Glieder dar, in- 
dem sie die Trennung des 2ten und 3ten Gliedes übersahen. 

4) Das zweite Kieferpaar (Fig. 1. iliH., Fig. 5.) ist 
dasjenige, welches von der fussartigen Gestalt am meisten ab- 
weicht und sich nur schwer durch theoretische Betrachtung 
auf dieselbe zurückführen lässt. Es trägt an seinem drei- 



1) S. meine Untersuchungen über die Pycnogoniden in Müll. Arch. 
1852. S. 379. Taf. X. 



Monographie der Oslracoden. tß 

eckigen Basalglied ein grosses halbmondförmiges Kiemen- 
blatt (6), das an seinem ganzen hinleren Rande ') mit gefie- 
derten Haaren besetzt ist. Dies Basalglied ist durch Chitin- 
leisten von den vier zum Munde gerichteten Vorsprüngen die- 
ses Kiefers getrennt. Diese Vorsprünge sind parallel und 
tragen an ihrem Ende einige nach unten gekrümmte Häär- 
chen, welche dem Munde durch Abputzen der Speisen dienst- 
bar sind. Bei genauerer Betrachtung ist man geneigt , den 
äusserslen dieser Vorsprünge für das 2te Glied anzusehen, 
das nur durch die Anordnung des Ganzen so seitlich fort- 
gedrückt wäre; so folgend die mittleren für das 3te und 4te 
Glied und endlich den innersten zweigliedrigen Vorsprung 
für das 5te 6ste. Diese Auffassung muss allerdings gewagt 
erscheinen, so lange man sich auf die Cypriden und Cythe- 
ren beschränkt, bei welchen letzteren ganz dasselbe Verhält- 
niss stattfindet. Auch die Section jüngerer Thiere giebt über 
die ursprüngliche Gestalt dieses Kieferpaares nicht den er- 
wünschten Aufschluss. Wenn man dagegen die Mundlheile 
der Isopoden mit denen der Ostracoden vergleicht, so erkennt 
man eine unläugbare Analogie im Bau der zweiten Kiefer- 
paare z. B. des Asellus und der Cypriden. Hier sieht man 
ebenfalls aus dem Basalglied vier parallel gerichtete, aber 
lamellöse Fortsätze entspringen und erkennt sie als die Aus- 
läufer von vier besonderen Gliedern. Denkt man sich aber 
bei demCypriskiefer die Kieme kleiner und die andern Theile 
weniger zusammengedrängt, so tritt die Aehnlichkeit deullich 
hervor. Die Kiemenplatte, ist wie die der andern Kieferpaare, 
fortwährend in schwingender Bewegung. 

Von Strauss und Baird ist der Bau und die Func- 
tion dieses Kieferpaares richtig erkannt worden, Fischer 
dagegen ist durch eine ungeeignete Präparalion zu ganz fal- 
schen Resultaten geführt. 

5) Das dritte Kieferpaar (Fig. 1. üi HI. , Fig. 6.) 
liegt versteckt hinter dem 2ten und besteht aus zwei Abthei- 
lungen. Die erste, das Basalglied, ist nach unten, vorn und 
innen gerichtet von oblonger Form. Es endet nach vorn in 



1) Strauss stellt sie irrthümlich am Vorderrande dar. 



16 Zenker: 

ein horizontal liegendes Blatt, dessen abgestutzter Vorderrand 
mit steifen nach unten gekrümmten Häärchen (rf) besetzt ist 
und beim Beputzen der Speisen thätig zu sein scheint. Da 
die Lamelle senkrecht auf der Profilebene des Körpers steht, 
so erkennt man sie nur als solche , wenn man den Kiefer 
isolirt, besonders unter einem Deckgläschen betrachtet. Wei- 
ter oben entspringt aus dem Basalglied ein Kiemenblätlchen 
(&) mit gefiederten Haaren. 

Die 2te Abiheilung besteht scheinbar nur aus einem 
Gliede, das nach hinten konisch zuläuft und am Ende beim 
Weibchen mit 3 ringsum gefiederten Borsten besetzt ist , 
beim Männchen jedoch einen gekrümmten Haken trägt. An 
gehörig jungen Thieren, ich sah es an C. monacha, sieht man 
jedoch, dass diese zweite Abtheilung ursprünglich aus drei 
Gliedern besteht (Taf.I. Fig. 18). Statt des Hakens sieht man 
hier zwei miteinander verwachsene, aber doch noch erkenn- 
bare Glieder , die an ihrem Ende eine starke und zwei 
kleinere Borsten tragen. Bei den Weibchen verschmelzen 
allmählich diese Glieder mit dem grossen 2ten Gliede und die 
3 Borsten rücken an dessen Spitze. Bei den Männchen ver- 
wandeln sich das 3te und 4le Glied allmählich auch in Chitin 
und nehmen an der Bildung des Hakens Theil. Hier fallen 
die Borsten fort. An diesem Präparate erkannte man auch, 
wie die allmähliche Erhärtung der Chitinhaut vor sich geht. 
Die erhärtende Substanz lagert sich nämlich zuerst sternför- 
mig an die Kerne der Zellen, aus welchen ursprünglich die 
Haut besteht. Es ist hier also umgekehrt wie bei den Ab- 
lagerungen in den Zellen der Pflanzen, die vom Rande nach 
innen vorschreitend, nur sternförmige Lücken lassen. 

6) Das erste Fusspaar (Fig. I.P. I, Fig. 7) besteht 
aus 5 Gliedern, jedoch nicht in der Ordnung wie es Strauss 
angiebt, wohl aber Fischers Darstellung entsprechend. Die 
ersten beiden Glieder sind stark und gelenkig, das erste nach 
unten, das 2te nach hinten gerichtet. Die 3 andern Glieder, 
unter sich wenig beweglich, richten sich, das 3te und 4te 
nach unten, das 5te nach vorn. Dies letzte trägt eine starke 
lange Klaue, die öfters mit kurzen Häärchen besetzt ist. 

7) Das zweite Fusspaar (Fig. I.P. IL Fig. 8) be- 
steht aus 5 Gliedern und biegt sich nach hinten und oben, 



Monographie der Ostracoden. 17 

SO dass Sir au SS meinte, es müsse dort die Eier festhalten. 
Die ersten 4 Glieder sind ziemlich von gleicher Grösse, lang 
und dünn, das 5te trägt eine bisweilen gezahnte nach hin- 
ten gebogene Klaue. Strauss stellt sie irrthümlich nach 
vorn gebogen dar, wohl durch seine vorgefassle Meinung 
über die Function dieser Füsse getäuscht. Die Eier aber 
brauchen keine Unterstützung, da sie von der Wandung des 
Eileiters und ausserdem noch von der Chitinhaut bedeckt sind. 
Mir scheinen die Füsse bestimmt, die grosse Kiemenplalte 
mit ihren gefiederten Haaren zu reinigen, wozu sie durch 
ihre bewegliche und weit verschiebbare Klaue sehr geeignet 
wären und wozu auch keine grössere Kraft erfordert würde, 
als in ihren dünnen Muskeln liegen mag. 

8) Nach einem Zwischenraum, der dem Geschlechtsappa- 
rate gewidmet ist, folgt nun der Schwanz (Fig. 1. C, Fig. 9), 
der stets paarig und sehr beweglich in das Chitinskelet ein- 
gelenkt ist. Starke Muskeln bewegen ihn und machen ihn 
zu einem kräftigen Bewegungsorgane, das besonders bei Be- 
wegungen an festen Gegenständen gebraucht wird. Er be- 
steht aus zwei völlig symmetrischen Schwanzslacheln, die 
wohl ursprünglich zwei bald miteinander verwachsende Glie- 
der gehabt haben mögen. Jeder Stachel trägt 4 Borsten, 
von denen die beiden mittleren die grössten sind. Die Stel- 
lung und Beschaffenheit derselben variirt nach den Arten. 
Bei den Weibchen, nicht bei den Männchen, von Cyprois 
monacha sind die beiden Schwanzstachel symmetrisch in 
einen verschmolzen, der nun die doppelte Anzahl Borsten 
trägt. 

Im Allgemeinen finden wir die Gestalt und Verhältnisse 
der meisten Gliedmassen durch die ganze Familie wenig ver- 
ändert wieder. Bei den älteren Thieren findet man oft zwei 
Glieder verwachsen, die bei jüngeren noch getrennt sind. 
Am stärksten variirt das 3te Kieferpaar, besonders des Männ- 
chens, wobei sogar der linke Kiefer vom rechten abweicht. 
Es eignet sich daher oft zu Artenbeslimmungen und ist aus- 
serdem dadurch wichtig, dass es ausser dem Genitalapparat 
bei den meisten Species das einzige äussere Organ ist, in 
dem sich die Geschlechtsverschiedenheit ausdrückt. 

Archiv f. Naturgesch. XX. Jahrg. Bd. 1. 2 



|§ Zenker: 

B. Cythcreii (Taf. IV. Fig. 1—7). 

Die Gliedmassen der Cylheren sind den entsprechen- 
den der Cypriden sehr ähnlich, doch findet man oft ein Glied 
weniger. Nimmt man bei dem ersten Antennenpaar eine Ver- 
schmelzung des Isten und 2ten Gliedes, beim 2len Antennen- 
paar des Isten und 2ten , so wie des 4ten und 5ten Gliedes 
an, so erkennt man im Uebrigen eine analoge Bildung. 

Die Antennen des ersten Paares (Fig. 1. a. 
Fig. 2) haben also 6 Glieder, die beiden ersten stärkeren ar- 
liculiren untereinander , die übrigen 4 heften sich , weniger 
beweglich , an das 2te Glied und tragen nur kurze Borsten. 
Die Antennen des zweiten Paares (Fig. 1. b, Fig. 3) 
haben nur 4 Glieder, das 2te bildet ein Gelenk, worauf nach 
unten das lang ^gestreckte 3te Glied folgt und endlich das 
kleine Endglied, das bei Cylh. lutea eine Kralle, übrigens 
aber auch Borsten trägt. In das 3te Glied ist noch ein gros- 
ser Chilinhaken mit einer breiten Basis eingefügt, der sich 
nach vorn biegend , weit über das Endglied hervorragt und 
lebhaft an die Schwimmborsien des 2fen Antennenpaars der 
Cypriden erinnert. Dieser Haken (h) (Fig. 3. A^ ist nahe 
seinem Ende gelenkarlig geknickt und enthält einen Canal, 
der an seinem fein zugespitzten Ende (i) ausmündet und der 
von einer zwischen den Muskeln des Vorderleibes liegenden 
Blase (^f) herkommt. Das Sekret derselben ist gelb und of- 
fenbar giftig, so dass dieser Stachel zu gleicher Zeit als Be^ 
wegungsorgan und als AVafTe dient. 

Das erste Kiefer paar (Fig. I.e. Fig. 4) ist öglied- 
Xig und dem der Cypriden ganz ähnlich. Das 2te Glied trägt 
statt des Kiemenblatts nur einen kleinen Höcker (6) mit zwei 
einfachen Haaren. Die Haare, die einzeln an den übrigen 
Gliedern stehen, sind wie Widerhaken gebogen und dienen 
oft zum Anklammern und Ergreifen. Das zweite Kiefer- 
paar (Fig. l.d Fig. 5) gleicht dem der Cypriden völlig, nur 
ist verhältnissmässig die Athemplatle (6) etwas kleiner und 
ihr Rand mit weniger Haaren besetzt. 

Die nächstfolgenden 3 Paar Gliedmassen sind wirkliche 
Beine (Fig. l.eee, Fig. 6), unter sich nur durch die vom 
Isten zum 3len zunehmende Grösse verschieden, dem 2ten 



Monographie der Ostracoden. 19 

Fusspaar der Cypriden ähnlich. Da die Kralle ein besonde- 
res Glied zu bilden scheint, so bestehen sie aus 5 Gliedern, 
ziemlich gleich lang, dünn, deren erstes stärker, das letzte 
aber mit der Kralle verschmolzen. Die Beine richten sich 
gewöhnlich nach hinten und unten und dann ist die Kralle 
auch nach hinten gerichtet. 

Die Schwanzhälften (Fig. 1./". Fig. 7) sitzen auf 
einem gemeinsamen Basalstück (a) , bestehen aus 2 Gliedern, 
einem bauchigen grösseren und einem nach aussen gerichte- 
ten viel kleineren, welches kurze Borsten trägt. Auch bei 
den Cytheren sitzt der Schwanz eigentlich hinter den Ge- 
schlechtsorganen; da dieselben jedoch sehr weil von der 
Mittellinie entfernt befestigt und oft ganz und gar nach hin- 
ten gerichet sind, so kommt öfters der Schwanz auch vor 
ihnen zum Vorschein. Zwischen den beiden Schwanzhälften 
nach unten liegt der After. 

Eine solche Anordnung der Gliedmassen führt offenbar 
eine andere Lebensweise herbei als die der Cypriden. Die 
Cytheren schwimmen nicht wild im Wasser umher, dazu feh- 
len ihnen die langen Haarbüschel an den Antennen ; sondern 
sie kriechen an den Wasserpflanzen fort, sich 'mit ihren ha- 
kigen Borsten und Klauen überall anklammernd, mit ihren 
langen Beinen von hinten anstämmend und mit dem langen 
Haken des 2ten Antennenpaars sich befestigend. Man findet 
daher die Cytheren stets zwischen den Tangen, von welchen 
man sie abspülen muss. Auch in den Gläsern sind sie meist 
unten und arbeiten sich nur mit Mühe einmal an den Wän- 
den bis zur Oberfläche empor. 

Die Gliedmassen der Gattung Cypridina M. Edw. , wie 
sie von M. Edwards dargestellt werden, schliessen sich 
dem allgemeinen Familientypus an. 

Vergleichen wir nun die Gliedmassen der Ostracoden 
mit denen anderer Crustaceen, so finden wir viele Beziehun- 
gen, aber auch viele eigenthümliche Abweichungen. 

Bei den Cyclopiden sind die Antennen des ersten Paa- 
res, bei den Daphnoiden die des zweiten Paares Hauplbewe- 
gungsorgane geworden, hier sind es beide Paare. Als Tast- 
organ scheint keins von ihnen zu dienen. Von den Maxil- 
len 1 cMandibeln) ist bei den Branchiopoden nur das Basal- 



20 Zenker: 

glied erhalten, bei den übrigen Crustaceen bilden die ande- 
ren Glieder eine Palpe und nur bei den Ostracoden findet sich 
noch ein Kiemenanhang. Die Maxillen II bestehen auch bei 
den Malacoslraceen aus 3 — 4 Blättern, die nach dem Munde 
gerichtet sind. Die Kiemenplatte aber findet sich dort nicht 
an ihnen. Bei den Branchiopoden und Cyclopiden sind sie 
sehr viel weniger zusammengesetzt. Die Maxillen III der Cy- 
priden erinnern ganz auffallend an das dritte Kieferpaar der 
Isopoden, welches ebenfalls aus 2 Aesten besteht, von denen 
der eine beim 'Kauen gebraucht wird und dazu mit einer 
Reihe von Zähnen versehen ist, der andere aber frei her- 
vorsteht und an seiner Spitze drei allseits gefiederte Borsten 
trägt. Der einzige Unterschied ist, dass bei Asellus beide 
Aeste einen sehr kleinen Winkel einschliessen, während der- 
selbe bei den Cypriden 180° erreicht. Die Füsse der Cythc- 
ren gleichen durchaus denen der Isopoden, wenn sie auch 
aus weniger Gliedern bestehen , die der Cypriden mehr de- 
nen der Dekapoden und errinnert das 2te Fusspaar beson- 
ders an die Abdominalfüsse der Macruren. Der Schwanz 
endlich entspricht ganz und gar den Stacheln am Hinterleibe 
des Asellus, so wie den zweitheiligen Schwanzanhängen der 
Oniscoden und übrigen Isopoden, Amphipoden , Dekapoden; 
ferner den borstentragenden Warzen oder Fortsätzen am Hin- 
terleibe der Phyllopoden, Daphnoiden, Cyclopiden und Para- 
siten, so wie auch der Insectenlarven ; endlich dem einfachen 
Schwanzstachel des Limulus , an den ganz besonders der 
einfache Schwanzstachel erinnert, der bei dem Weibchen von 
Cyprois monacha durch Verwachsung der beiden Schwanz- 
hälften entsteht. 



HI. Chitinskelet. 
Muskelsyslem. Nervensystem. 

Die inneren Organe des Ostracodenkörpers werden ge- 
stützt wie von Knochen durch die erhärteten Chitinleisten, 
welche sich in der Körperhaut vorfinden und zu einer Art Ske- 
let verbunden sind, ähnlich wie bei den Insecten, Dekapo- 
den u. a. Die einfachsten Formen derartiger Skeletbildung 



Monographie der Ostracoden. ül 

werden wir weiter unten bei den Cyclopiden behandeln, die 
zusammengesetztesten finden wir bei den Insecten. Bei un- 
seren Thieren ist das Bauchskelet wichtig, nicht etwa weil 
hier ein tiefer Blick in den Anlageplan dieses Skelcfs sich 
öffnete, sondern vielmehr weil in dem Skelet sich der An- 
lageplan des ganzen Oslracodenkörpers abspiegelt. Bei Thie- 
ren, die so von dem allgemeinen Typus ihrer Klasse abwei- 
chen, wie die Ostracoden, Daphnoiden, Cirrhipedien u. a. von 
dem Typus der langgestreckten Crustaceen : da ist es wich- 
tig, Kennzeichen der ursprünglichen Körperanlage aufzufin- 
den und diese sind vorzugsweise: die Gliedmassen, das Mus- 
kelsystem und das Nervensystem und , als deren Stütze , das 
Skelet. Auch bei den Wirbelthieren lässt sich der gemein- 
same Plan des Körperbaues am deutlichsten aus diesen Organ- 
systemen erkennen. 

Vor dem Munde finden wir (Taf. I. Fig. 13) die Chilin- 
haut helmartig gewölbt (^), eine Stirn bildend, gestützt 
durch zwei gerade nach oben aufsteigende Doppelleisten (c), 
deren nach vorn abgeschickte Zweige sich dort in der Mit- 
tellinie verbinden. Auch quer hindurch sind sie durch zwei 
Brücken verbunden, zwischen denen der Pylorus des Darm- 
kanals (bei b) sich befindet und an deren oberster zugleich 
das Hirngestell (a) angebracht ist. Vorwärts sind die An- 
tennen eingelenkt. Nach dem Munde zu geht dieser Helm 
in eine schmalere mit Haaren besetzte scharfe Kante aus, die 
wir als Oberlippe (ß) analog der Oberlippe der Insecten 
bezeichnen müssen. 

Durch den Helm steigt der Oesophagus empor. Er ent- 
hält ganz nahe dem Munde einen Zalmapparat (d) , der bei 
den Cypriden der Oberlippe, bei den Cytheren (Taf. IV. Fig. 8. c) 
der Unterlippe näher liegt, den wir aber erst weiter unten 
näher beschreiben werden. 

Hinter dem Munde beginnt das eigentliche Bauchskelet 
mit einer Art Brustbein (!>), von Gestalt eines Dreiecks, das 
seine Spitze nach hinten kehrt. Die Grundlinie des Dreiecks 
bildet den hinteren Mundrand und verbindet sich an dessen 
Endpunkten gelenkartig elastisch mit den Haiiplleisten der 
Oberlippe. Das vorderste Stück des Brustbeins (C) nennen 
wir Unterlippe, fern von aller Beziehung zur Unterlippe 



22 Zenker: 

der Insecten. In der Mittellinie wölbt sich das Brustbein 
nach unten heraus, sogar kielförmig, und trägt in dieser 
Höhlung (n) das erste Bauchganglion. 

In demselben Winkel, wie beim Zusammentreten, gehen 
die Chitinleisten am hinteren Ende des Brustbeins nunmehr 
auseinander und bilden ein zweites kleineres Dreieck (i). 
Von dessen Winkeln entspringen seitlich , wie weiter vor- 
wärts schon die des Isten (e) und 2ten (f) Kieferpaars, hier 
die Stützen des 3ten (^), deren Verlängerung auch das Iste 
Fusspaar trägt. Die beiden Fusspaare sind ausserdem noch 
durch Leisten gestützt, die quer zwischen den zusammenge- 
hörigen Füssen herüberlaufen. Bei den Cylheren sind diese 
Querleisten (gf) zu 3 und werden durch eine starke bogen- 
förmige Chitinleiste (f) vom Brustbein gelrennt gehalten. 

Es folgt nun das Gerüst für die Geschlechtstheile und 
endlich für den Schwanz. Ersteres wird bei den Geschlechts- 
organen erwähnt werden, der Schwanz aber hat bei den Cy- 
theren gar kein besonderes Gerüst weiter, bei den Cypriden 
aber dient das vorhandene stark verzweigte Paar von Chitin- 
leislen cTaf. I. Fig. 9. a) nur den zahlreichen Muskeln zum 
Ansatz , welche den Schwanz bewegen. Bei C. acuminata 
allein , deren Hintertheil so sehr entwickelt ist , ist es von 
bedeutender Ausdehnung. 

Viele innere Theile des Chitingerüstes, die zum Schutze 
einzelner Organe dienen, mögen mir noch entgangen sein. 
Bei Vergleichung dieses Gebildes in beiden Familien sieht 
man, wie die nähere oder fernere Beziehung eines Fusspaars 
zur Function des Kauens sich auch im Baue dieses Gerüstes 
ausdrückt. 

An die Stücke des Chilinskelets heften sich nun vor- 
zugsweise die Muskeln, welche den Körper und die Glied- 
massen bewegen. Die grosse Zahl dieser Muskeln hat mich 
indess abgeschreckt, ihre Anordnung genauer zu verfolgen. 
Auch auf dem Rücken sieht man einige Muskeln laufen und 
einige derselben gehen in die Augengegend und scheinen 
das Auge zu bewegen. Die Muskeln innerhalb der Gliedma- 
fsen haben eine ganz entsprechende Anordnung wie bei Asel- 
lus u. a. grösseren Crustaceen. Auch hier bilden sich nahe 
den Gelenken und Muskelansätzen gern Verdickungen und 



Monographie der Oslracoden. ^ 

Leisten in der Chilinhaut und bilden so ein Skelet für jede 
Extremität. Bei sehr schwachen Gliedmassen z. B. dem 2ten 
Fusspaar der Cypriden finden sich Muskeln^ die nur aus ei- 
nem Faserbündel bestehen und daher hisliologisch interes- 
sant sind. Man erkennt in ihnen noch eine feine Längs- 
streifung (0,0006'" br.), daneben aber eine sehr grobe 
Querstreifung. Die Querstreifen sehen vielmehr einer Zick- 
zackbildung wie einer Spiralbildung ähnlich und haben 0,002'" 
Breite, am Anfange und Ende aber bis gegen 0,0025'". Ue- 
berhaupt lässt sich hier erkennen, dass die weniger ange- 
strengten, also weicheren Muskeln eine engere Querstreifung 
haben als die härteren, mehr gebrauchten. Es ist dies aus 
den Gesetzen derElasticität leicht verständlich. Denn wenn man 
durch Biegung bei Stäben von ungleicher Härte und Elastici- 
tät mit der gleichen Kraft eine gleiche relative Näherung der 
Endpunkte erzielen will, so muss die Länge derselben um- 
gekehrt proportional sein ihrer Elasticität. Bei den meisten 
Faserbündeln liegt die ganze Zickzackreihe in einer und der- 
selben Ebene; treten dagegen mehrere Bündel zu einem Mus- 
kel zusammen, so sind die Zickzackebenen gegeneinander 
geneigt. Nur in den benachbarten Bündeln bleibt sie biswei- 
len parallel, dann aber tritt die Zickzackbildung im entge- 
gengesetzten Sinne hervor. Glatte Muskelfasern habe ich bei 
den Ostracoden nicht gesehen. Die stärksten Muskeln sind 
die der Antennen und des Sckwanzes, die zartesten die der 
grossen Kiemenplatte. 

So stark und deutlich die Muskeln hervortreten , so zart 
und unzugänglich bleiben die Nerven. Bei lebenden Thieren 
durchsichtig, bei todten von harten Gliedmassen und Schalen 
verborgen, gelingt es nur selten, etwas von ihnen zu sehen. 
Bei den Cypriden habe ich nur das Gehirn mit dem Auge 
deutlich gesehen und undeutlich innerhalb des Brustbeins ein 
grosses Ganglion, welches wahrscheinlich aus drei kleineren 
zusammengesetzt war. 

Deutlicher erschien mir das Nervensystem an einem 
Exemplar der Cyth. lutea und ich habe es gelreu (Taf. IV. 
Fig. 11) so dargestellt, wie ich es fand. Vor dem Munde 
liegt ein grosses Gehirnganglion, welches einige Fäden nach 
oben ausschickt zum Auge, die dort noch zu einem Augen- 



54 Zenker; 

gehirn fo) anschwellen. Andere Fäden , die aus dem Ge- 
hirn entspringen , gehören jedenfalls den beiden Antennen- 
paaren an Der Schlundring war zerstört ; dagegen erkannte 
ich mit grösserer Deutlichkeit als bei Cypris in dem Innern 
des Brustbeins eine gangliöse Nervenmasse (iW), deren ur- 
sprüngliche Zusammensetzung aus zwei Ganglien hervortrat. 
Die Fäden, die von hier entsprangen , Hessen sich theils als 
Verbindungsstränge, theils als Nerven für die beiden Kiefer- 
paare auffassen. Wiederum nach einer Lücke folgten nun 
drei herzförmige kleine Ganglien (P. J, II, III) für die Fuss- 
paare und endlich ein halbmondförmiges (c), dessen Spitzen 
nach hinten gekehrt waren, und das den Schwanz und viel- 
leicht auch den Gesclilechtsapparat beherrschte. Eingewei- 
denerven habe ich nicht gesehen. 

Aus dem Obigen geht hervor, dass, obwohl die Gestalt 
der Ostracoden von der anderer Crustacecn sehr abweichend 
ist, doch keineswegs eine Verzerrung der Art stattgefunden 
hat, dass etwa ein Gliedmassenpaar nach vorn gerückt wäre, 
dessen Stelle ursprünglich weiter hinten gewesen wäre, ein 
Resultat, das uns bei Besprechung der Eric hson'schen Glied- 
massentheorie wichtig sein wird. 



IV. Sinnesorgane. 

Es ist mir nicht gelungen , ausser dem Auge noch an- 
dere Sinnesorgane zu entdecken. Ich zweifle nicht, dass die 
Ostracoden Geschmack haben, der wohl bis zu einem be- 
stimmten Grade keinem Thiere abgeht, am wenigsten den in 
ihrer Nahrung so wählerischen Crustaceen. Auch scheinen 
sie Geruch zu haben , denn nicht lange liegt ein verwunde- 
tes Thier im Wasser, so sammeln sich dort die Cypriden von 
allen Seiten her. Auch ist es wohl möglich , dass sie Ge- 
hör besitzen, wie dies ja für die Malakostraceen schon von 
mehreren Seiten wahrscheinlich gemacht ist; doch konnte ich 
niemals durch irgend ein Geräusch oder einen Ton, wobei 
nicht auch das Glas mechanisch erschüttert wurde, eine Wir- 
kung auf sie hervorbringen. 

Der schwarze Fleck , der sich in der Gattung Cypris 



Monographie der Ostracoden. d5 

vorn an der Slirn da befindet, von wo an die Schalen ge- 
öffnet werden können, ist der Augapfel (Taf. I. Fig. 17), 
welcher aus zwei nach den Seiten und vorn gerichteten Ein- 
zelaugen besteht. Jedes Einzelauge ist von einer becherför- 
migen Hülle eingeschlossen, die ich bei C. ornata aus drei 
Schichten zusammengesetzt fand. Die äussersle (a) (Sclero- 
tien) bildet den Becher, welcher das ganze Organ umschliesst 
und dem Auge vorzugsweise die Farbe giebt. Sie ist me- 
tallisch glänzend, gelblichweiss bei C. Candida und C. acu- 
minata, dunkelbraun bei Cypria, schwarz bei Cyprois, C. pu- 
bera und den Cytheren. Die Cyclopen endlich haben den- 
selben Bau des Auges^ aber mit rothem oder rothbraunem 
Pigment. Aus diesem Becher hervor sieht ein schmaler Ring 
(&) von scharf unterschiedenem nicht glänzendem Schwarz, 
etwa der Chorioidea zu vergleichen. Von dieser steht aber 
wieder die dritte Schicht (c) (Iris) hervor;, die ebenfalls me- 
tallisch glänzend ist und eine Pupille begrenzt, aus der der 
lichtbrechende Körper hervorquillt. Durch diesen hindurch 
zeigt sich die Retina, bei den meisten Species weisslich oder 
bläulich, so dass mindestens 4 Schichten hier übereinander 
liegen. Beim Zerreissen lassen sich neben Pigment und Zel- 
len auch wohl faserige Elemente erkennen; es ist jedoch 
nicht zu bestimmen, welchen Schichten sie angehören. 

Der lichtbrechende Körper ist überdeckt von ei- 
ner zarten , structurlosen Haut und besteht aus Zellen mit 
farblosem glashellem Inhalt. Bei Berührung mit Wasser quillt 
er schnell auf und zerlliesst. Seine Refractionskraft steht 
hinter der des Glases zurück. Die Weite der Pupille variirt 
nach den Arten und ist bei den Cytheren und Cyprois mo- 
nacba besonders eng. Bei letzterer, deren Augen leicht zu 
isoliren sind, bemerkte ich an einem in Spiritus conservirlen 
Exemplare innerhalb des lichtbrechenden Körpers eine Kugel 
von noch etwas stärkerer lichtbrechender Kraft, die also we- 
nigstens funktionell der Linse des Wirbelthierauges ent- 
spricht. 

Dies , der Becher und die lichtbrechenden Körper sind 
die Bestandtheile des Auges, das nur von dem Blute des 
Thieres umspült und von der Körperhaut bedeckt wird. Ei- 
nige Muskeln , die von dem Rücken nach der Augengegend 



^ Zenker: 

laufen, scheinen dasselbe vor- und rückwärts zu bewegen; 
diese Bewegung ist jedoch nicht mit der bei dem Auge der 
Daphnoiden zu vergleichen. 

Die eben beschriebenen Einzelaugen stehen bei Cypris 
eng aneinander, so dass sich das Pigment nur wenig zwi- 
schen ihnen ausbreitet; bei Cypria ist der Augapfel breiter 
und das Pigment massenhafter; bei Cyprois treten die seit- 
lichen Augen weit auseinander, nur durch schwarze Stiele 
mit dem medianen Augengehirn verbunden und so sind es 
zwei gelrennte einfache Augen. Bei Cythere erreichen die 
Augen seitlich die Schalen und verwachsen mit ihnen, so 
dass deren äussere Fläche als Hornhaut dienen muss. Bei 
Cypridina endlich rücken diese Augen von der Kantengegend 
der Schale bis mitten auf den Buckel und sind dort ihre 
Hornhauteindrücke an lebenden und fossilen Exemplaren be- 
kannt. Niemand aber hat diese Augen, wie es Dana in 
seinem Conspectus Crustaceorum nur ganz beiläufig Ihut, für 
zusammengesetzte erklärt , und ich lasse diese Sache dess- 
halb dahingestellt sein. In der ersten Jugend sind bei allen 
von mir beobachteten Cypriden und Cytheren die Augen in 
einen Augapfel verwachsen und trennen sich bei Cyprois 
und Cythere erst allmählich, aber sehr früh. 

Wir dürfen nicht glauben, den Bau dieser Augen ver- 
standen zu haben, wenn wir nicht zuvor eine vergleichende 
Betrachtung der einfachen, ja sogar auch der zusammenge- 
setzten Augen anderer Gliederthiere angestellt haben. Der- 
gleichen Betrachtungen sind jn unserem Falle zugleich von 
physiologischem, vergleichend -anatomischem und zoologi- 
schem Werlhe. 

Zuvörderst finden wir ganz denselben Bau des Auges 
bei der weiter unten näher abgehandelten Familie der Cyclo- 
piden so wie bei den Cirrhipedien und Parasiten. Auch hier 
sind die Einzelaugen theils eng vereinigt (Süsswasser-Cope- 
poden), theils in zwei deutliche Augen getrennt (Cetochilus, 
Pontia u. a.). An Cyclops gewahrt man auch, was bei den 
Ostracoden wohl nur zu schwierig zu beobachten ist, näm- 
lich dass der lichtbrechende Körper erst allmählich aus dem 
Pigmentbecher sich zu einer Halbkugel erhebt und ebenso 
auch dann erst allmählich in lichlbrechender Kraft zunimmt 



Monographie der Ostracoden. 27 

von der des Wassers elwa bis zu der des Glases. Man miiss 
daher annehmen, dass vor der völligen Ausbildung des licht- 
brechenden Körpers die gewölbte Oberfläche der Haut und 
die lichtbrechende Kraft der Körpersubstanz denselben er- 
setzen. In solchem Zustande finden wir diese Augen bei 
den Cirrhipedien und Parasiten , bei denen sie die völlige 
Ausbildung nie erreichen. 

Ebenso sehen wir sie bei den jungen Branchiopoden 
als anfangs einziges Sehorgan. Bei diesen entwickeln sich 
entweder die lichtbrechenden Körper gar nicht (Daphnoiden) 
und dann treten neben den einfachen schon in den Embryo- 
nen zusammengesetzte Augen hervor; oder sie quellen her- 
vor, wie bei den Cyclopiden, behalten aber die anfängliche 
geringe lichtbrechende Kraft bei. Im letzteren Falle befinden 
sie sich bei Branchipus, Artemia und Argulus, wo sie als so- 
genannter ^dreilappiger Gehirnfleck« bekannt sind '}. In an- 



1) Bei Argulus foliaceus erklärten Jurine (Mem. s. I'Argule 
foliace in den Annales d. Museum d'hist. nat. Tome YIl 1806. p. 431. 
pl. 26.) und C. Vogt (Beitr. z. Naturgesch. d. Schweizer. Crustaceen 
in den Neuen Denkschr. d. allgem. Schweizer. Gesellsch. f. d. ge- 
sammten Naturwissenschaften Bd. YII. 1845. p. 1. Taf. I.) dies Organ 
für das Gehirn. F. Leydig (Ueb. Arg. foliaceus in der Zeitschr. f. 
wissensch. Zool. Bd. II. 1850. p. 323. Taf. XIX. und. XX.) erwies je- 
doch, dass das eigentliche Gehirn nnter diesem kleeblattartigen Fleck 
läge und nannte es daher „oberer Hirnlappen«. In seiner Abhand- 
lung über Artemia salina und Branchipus stagnalis (Zeitschr. f. wiss. 
Zool. Bd. III. 1851. p. 280. Taf. YIII.) bespricht er dasselbe Organ 
(p. 296) mit folgenden AVorten: „Wollte man sagen, dass es ein ver- 
kümmertes Auge sei 5 so ist auch dies unrichtig, denn in Artemien- 
larven, deren seitliche Augen noch mangeln, die aber fraglichen 
Stirnfleck besitzen, ist er ebenfalls nur ein Haufen vonPigmentkügel- 
chen und hat keine brechenden Medien.« Dass man es dennoch für ein 
verkümmertes Auge halten muss, glauben wir, beweist sein Verhal- 
ten und seine allmählige Ausbildung zum vollkommenen Auge bei 
den Cyclopiden mit voller Klarheit. Ob es wirklich, wo es verküm- 
mert alle optische Thätigkeit ganz verliert, oder ob es mit Hülfe der 
lichtbrechenden Körpersubstsnz noch immer zum Sehen brauchbar ist, 
selbst dies wäre noch eine schwebende Frage. (S. auch meine „phy- 
siologischen Bemerkungen über die Daphnoiden in Müll. Arch. 1851. 
S. 112. Taf. III.). Was übrigens die dreilappige Gestalt anbetrifft, die 
mehr ein verkümmertes Auge von drei als von zwei Linsen erwarten 



28 Zenker: 

deren Crustaceen (Apus, Liinulus) sind sie als Nebenaugen 
hinlänglich bekannt geworden. 

Diese einfachen Augen haben nun entweder eine be- 
sondere Hornhaut (Cythere , Apus, Limulus u. a.) oder die 
Körperhaut läuft einfach über sie hinweg (Cypris, Cyclops, 
Argulus u. a.). Den Bau der letzleren Augen haben wir so 
eben beschrieben, die ersteren aber bilden einen Uebergang 
zu den Augen der Isopoden , Myriapoden und Arachniden. 
Bei diesen nehmen mehr und mehr die Hornhaut und ihre 
Gebilde Antheil an der lichtbrechenden Thätigkeit. Wenn 
bei Apus und Cythere die Hornhaut eben nur glatt die Au- 
gen überzieht, so verdickt sie sich bei den Isopoden schon 
etwas nach der Mitte, so dass sie wie ein Sammelglas selbst 
ein Bild wirft. Eine deutlich abgegrenzte rundliche Erhe- 
bung zeigt sich schon bei den Scolopendren, gering nur bei 
den einfachen Augen der von mir untersuchten Inseclcn; aber 
die bedeutendste Verdickung zeigt die Hornhaut der Arach- 
niden und besonders der Scorpioniden. Bei ihnen wächst 
durch Verdickung der Hautschichten eine vollkommene Kry- 
stalUinse nach innen hervor und bleibt nur durch einen ziem- 
lich dünnen Stiel mit der eigentlichen äusserlich glatten Horn- 
haut verbunden. Deutlich erkennt man beim Durchschnitt 
die Schichten, von denen auch die Linse des Skorpions ge- 
bildet wird, und die, wie die Schichten in der Linse der 
Wirbelthiere, aus meridionalen Fasern, aber mit glatten Rän- 
dern, bestehen. Die Sehlinse des Skorpions bietet 
genau den Zustand dar, wie die noch nicht völ- 
lig von der Hornhaut abgelöste Linse eines Wi r- 
bellhier-Embryos und ist ganz mit ihr zu parallelisiren. 



Hesse, so bekenne ich", dass ich auch in Betreff der Ostracoden und 
Cyclopiden lange zweifelhaft gewesen bin, ob zwei oder drei Augen 
vorhanden waren. Endlich kam ich zu dem Resultat, besonders durch 
Cyprois monacha, dass das, was ich für ein drittes unpaares Auge 
gehalten hatte, wahrscheinlich nur die Anschwellung des Sehnerven 
sei, und dass also nur 2 Augen vorhanden seien. So ist auch wohl 
der mittlere, nach vorn und nnten gerichtete, Lappen des dreilap- 
pigen GehirnQecks aufzufassen , ebenso wahrscheinlich das dritte 
Auge, welche Dana bei einigen Copepoden-Gattungen hat erkennen 
wollen. 



Monographie der Ostracoden. 29 

Die grossen Augen auf dem Kopfschilde des Skorpions 
sind überhaupt die grössten und vollkommensten Einzelaugen 
im ganzen Gliederlhierreich. In ihnen findet sich ausser der 
Hornhaut und Linse (den exogenen Bestandlheilen des 
Auges) noch ein Glaskörper und die Augenhülle (endogene 
Beslandtheile). Die Augenhülle ist offenbar von demselben 
Baue wie bei den Ostracoden und Cyclopiden; hier aber 
zeigt sich erst ihre complicirte Structur »)• Sie besteht viel- 
leicht aus nicht weniger Schichten wie die der Wirbelthiere, 
wenn auch ihr Bau noch nicht völlig und besonders nicht an 
frischen Exemplaren erforscht ist. Sie bildet dicht hinter 
der Hornhaut eine Pupille, durch welche der Stiel der Seh- 
linse tritt. Der Glaskörper ist von zelliger Structur wie der 
der Wirbelthiere, so dass diesem Auge nur der optisch 
höchst unbedeutsame Humor aqueus fehlt, um dem der Wir- 
belthiere ganz und gar zu gleichen. 

Wenn wir nun, entsprechend den Principien der Ent- 
wickelungsgeschichte, die endogenen optischen Medien des 
Auges wie bei den Wirbelthieren als „Glaskörper^^ bezeich- 
nen, so müssen wir auch die lichtbrechenden Körper der Cy- 
clopiden, Ostracoden u. a. als solche auffassen. Die lichlbre- 
chenden Körper der Augen mit glatter Hornhaut müssen also 
nicht „Linsen," sondern „Glaskörper* genannt werden. So- 
gar Linsen müssen wir unterscheiden, endogene, wie bei 
Cyprois und exogene, wie bei den Arachniden. 

Vergleichen wir ferner die Augen mit glatter Hornhaut 
(Ostracoden etc.), denen mit optisch mitwirkender Hornhaut 
(Isopoden , Myriapoden , Arachniden) , so tritt uns der be- 
merkenswerthe Gegensatz entgegen, dass in diesen der ei- 
gentlich lichlbrechende Körper ein exogenes Gebilde (Linse), 
in jenen ein endogener (Glaskörper) ist; dass in diesen der 
Glaskörper zur Verminderung , in jenen zur Erzeugung der 
Convergenz der Lichtstrahlen bestimmt ist. 

Dasselbe, was wir hier bei den einfachen Augen finden, 
gilt nun auch für die zusammengesetzten. Auch in 
ihnen findet sich der Unterschied, dass bald die exogenen, 



1) J. Müller , zur vergleich. Physiol. des Gesichtssinns und in 
Meckels Archiv. 1828. p. 60. Taf. I. 



so Zenker: 

bald die endogenen Augenlheile die Convergenz der Strah- 
len bewirken. Denn wie bei Cyclops der zellige Glas- 
körper von innen hervorwächst ^ so auch der lichtbrechende 
Körper im zusammengesetzten Auge der Daphnoiden. Auch 
er besteht, wie bei Cyclops, aus Zellen, welche be- 
sonders deutlich durch Behandlung mit kaustischem Kali 
hervortreten. Die Körperhaut dagegen geht glatt darüber 
fort und ist ohne lichtbrechende Kraft. Wenn Burmeister 
von Branchipus eine kugelförmige Linse und einen pyrami- 
dalen Glaskörper abbildet, so muss erstere doch sehr schwach 
lichtbrechend sein, da Leydig nur den birnförmigen Glas- 
körper als lichtbrechendes Organ darstellt; hier ist der Glas- 
körper Hauptorgan der Lichtbrechung. Ebenso bei Apus, 
Argulus und Limulus. Bei allen diesen geht die Hornhaut, 
wenn sie vorhanden ist, glatt über das Auge weg oder trägt 
wenigstens nicht zur Convergenz der Lichtstrahlen bei. Bei 
den Asseln und Dekapoden dagegen liegt die Ursache der 
Convergenz in der Hornhaut, welche in der Mitte dicker ist 
als am Rande. Dasselbe findet bei vielen Insecten statt, z. 
B. bei Dyticus, wo die Hornhaut innerhalb jeder Facette eine 
Wölbung von löO"^ macht. Der dahinter liegende Glaskör- 
per, der sogenannte lichtbrechende Körper, dient nur dazu, 
die Convergenz der Strahlen bis zu seiner Spitze zu verzö- 
gern. Im Dyticus hat die gewölbte Hornhaut eine Refrac- 
tionskraft von 1,50, während der Glaskörper nur etwa 1,40 
hat. Daher liefert auch die blosse Hornhaut eines Insecten- 
auges für jede Facette ein besonderes Bild, weil die Horn- 
haut einer jeden Facette selbst als Linse betrachtet werden 
kann. 

Ich habe nicht genug Material und Zeit gehabt, um das 
Verhältniss von Hornhaut und Glaskörper in den Insectenau- 
gen umfassender zu studiren und leider zerstört Weingeist 
oft die wichtigsten Theile und greift sogar den Glaskörper 
beträchtlich an, Frische Augen wären zu diesen Untersu- 
chungen sehr wünschenswerth. Ueberhaupt, glaube ich, ist 
auch der übrige Bau des Einzelauges im zusammengesetzten 
Auge zurückzuführen auf den des einfachen Auges. Die 
Pigmenthülle muss natürlich ihre Gestalt wegen der gedräng- 
ten Stellung der Augen modificiren; dennoch findet sich an 



Monographie der Ostracoden. 3l 

ihr in beiden Augenarten eine ganz ähnliche histiologische 
Beschaffenheit und sogar die Bildung einer Pupille zunächst 
unter den Hornhautgebilden, auch in zusammengesetzten 
Augen. 

Endlich ist das Verhallen der Augen nerven in bei- 
den Augenarten ganz analog. Wie Newport ^) naturge- 
treu darstellt, bildet im Skorpion der Nerv für jedes Auge 
vor seinem Eintritt in dasselbe ein einfaches Ganglion und 
so lange die Augen selbst noch nicht unmittelbar aneinan- 
derstossen, bleiben auch die Ganglien getrennt. Dies Verhal- 
ten kehrt im Gliederthierreich wieder. Die Existenz eines 
Nervs mit gangliöser Anschwellung neben einem dunklen Fleck 
ist ein anatomischer Beweis, dass dieser Fleck ur- 
sprünglich ein Auge ist. So sehen wir zu dem unentwickel- 
ten Auge der Lepadeen zwei Nerven treten mit gangliöser 
Anschwellung vor ihrem Eintritte in dasselbe; so hat schon 
Seh öd 1er an Acanthocercus rigidus und später Lievin an 
Sida crystallina die beiden Nerven dargestellt, die von bei- 
den Seiten aus dem Gehirn zu dem „schwarzen Fleck«* tre- 
ten und neben ihm zwei gangliöse Anschwellungen bilden» 
Bei den Seitenaugen des Skorpions findet schon eine Ver- 
schmelzung der Nerven an ihrem Ursprünge statt, der bei- 
läufig für die Sehnerven immer über oder vor allen übri- 
gen Nerven am Gehirne zu suchen ist. Sobald aber die 
Ocellen sehr nahe aneinanderstehen, so verschmelzen auch 
die Ganglien zu einem gemeinschaftlichen Augengehirn, aus 
dem dann die Fäden wieder zu den Ocellen herantreten. Dies 
fanden wir oben bei den Cytheriden und dies gilt ebenso 
für die zusammengesetzten Augen sowohl der Crustaceen 
(Malacostraceen , Branchiopoden, Xiphosuren), als der In- 
secten. 

Ein zusammengesetztes Auge ist daher nur 
als eine Aggregation einfacher Augen zu be- 
trachten, die sich, veränderten Verhältnissen gemäss, um- 
gebildet haben; ein specifischer anatomischer Unterschied be- 
steht nicht. Auch muss desshalb die Art und Weise des 
Sehens dieselbe sein. Die umgekehrten Bilder in den be- 



1) Philosophical Transactions 1843. p.260. pl.XII. 



39 Zenker: 

nachbarten parallelgerichteten unbeweglichen einfachen 
Randaugen des Skorpions können nur dadurch vereinigt 
werden, dass der Ort des gesehenen Gegenstandes in der 
Richtung des einfallenden Lichtstrahls nach aussen projicirt 
wird, und dass da, wo für je zwei Augen die Projections- 
richtungen sich kreuzen, der Körper selbst gesehen wird. Es 
ist hier gleichgültig, ob diese Bilder aus 2 oder 3, 4 und 
mehr Augen projicirt werden; die Kreuzungsstelle wird im- 
mer nur der Gegenstand selbst sein können. Durch die 
zahlreichen Ocellen des zusammengesetzten Auges wird also 
eine eben so klare Anschauung des Gegenstandes erreicht 
werden, wie in jeden zwei gleichgerichteten unbeweglichen 
einfachen Augen. Wenn also Gott sehe ') die Ansicht 
ausspricht, dass das in den Ocellen des zusammengesetzten 
Auges entstehende umgekehrte Bild eine nochmalige Um- 
kehrung , d. h. eine Wiederaufrichtung erfahren müsse, um 
ein einmaliges zusammenhängendes Bild des Gegenstandes 
zu erhalten: so würde dies ebenso für die einfachen Augen 
auf dem Rücken der Spinnen und am Kopfrande des Skor- 
pions gelten müssen, in denen aber ein dazu geeigneter op- 
tischer Appanit anerkannter Weise völlig fehlt. Auch wäre 
es kaum denkbar , dass die Insecten mit ihren Nebenaugen 
umgekehrte , mit ihren zusammengeselzlen Augen dagegen 
aufrechte Bilder sehen sollten. Es darf aus dem Vorgange 
des Sehens mit beweglichen Augen kein Schluss gezogen 
werden für die Theorie der unbeweglichen. 



Y. Organe der Ernährung, Absonderung, 
Athmung und des Kreislaufs. 

Die Gliedmassen, welche dem Munde Nahrung zuführen 
und überhaupt an dem Geschäft des Kauens theilnehmen, ha- 
ben wir schon oben aufgeführt. Strauss und seine Nach- 
folger betrachteten sie als die einzigen Kauorgane und über- 
sahen die merkwürdigen Apparate im Innern der Mundhöhle, 



1) Müllers Archiv 1852. 



Monographie der Ostracoden. 33 

denen dies Attribut wohl mit viel grösserem Rechte beizule- 
gen wäre. 

Der Mund ist eine Querspalte, bei den Cypriden nahe, 
bei den Cytheren an dem Winkel der Bauch- und Vorder- 
seite gelegen, die vorn von der helmartigen Oberlippe, hin- 
ten von der Unterlippe, d. h. dem vordersten Rande des Brust- 
beins begrenzt wird. Durch den Mund geht die Chilinhaut 
der äusseren Körperbedeckung über in die der innersten Darm- 
wandung und erzeugt auf diesem Wege noch in der Mund- 
höhle Chilingebilde , die an Härte und Festigkeit den stärk- 
sten Gelenkkapseln der Gliedmassen nicht nachstehen. 

Die Lippen (Taf. I. Fig. 13. B. C.) selbst sind hart und 
besonders die Oberlippe scharf. Sie lassen sich nicht weit 
öffnen, aber fest verschliessen. Ihre Bewegungen sind nicht 
gross und es müssen daher die Speisen schon einen gewis- 
sen Grad von Feinheit haben, um in den Mund zu kommen. 
Die Lippen sind übrigens , da diese Gegend des Körpers kiel- 
förmig nach unten vortritt, ähnlich den menschlichen gebo- 
gen. Um ihnen beim Festhalten der Beute behülflich zu 
sein, stehen auf jeder Lippe eine Menge gegen den Mund 
gerichteter Häärchen. Nach innen schliessen die Lippen eine 
Mundhöhle ein , die sich nach vorn zu mit der eigentlichen 
Speiseröhre verbindet. 

In dem Winkel , den diese Mundhöhle bei den Cypri- 
den nach oben, bei den Cytheren nach hinten zu bildet, be- 
finden sich nun 2 eigenthümliche rechenartige Kauor- 
gane (Taf. L Fig. 14) aus hartem Chitin und ziemlich be- 
weglich. Die Basis jedes Rechens bildet ein rechtwinklig 
geknickter Chitinstab (a), der den bewegenden Muskeln zur 
Anheftung dient. Mehrfach gestützt erhebt sich aus ihm 
gegen die MundöfTnung zu ein Stab (6), der an seinem Ende 
rechtwincklig aufsitzend eine Reihe starker Zähne (c) trägt. 
Die Zähne beider rechenartigen Organe sind einander zuge- 
kehrt und können in einander greifen. Bei C. ornata sind 
es 9 Zähne, die hier rechenartig gereiht stehen und die fast 
die ganze Breite des Schlundes einnehmen. In dem freiblei- 
benden Räume desselben befindet sich ein bewegliches zun- 
genarliges mit Haaren besetztes Läppchen (e) , welches die 
Speisen immer wieder zwischen die Zahnreihen treibt. An 

Archiv f. Najurgesch. XX.Jftbrg. l.Bd. 3 



34 Zenker! 

den Stielen der Rechen ist die Schlundwand ((f) befe^igt 
und diese ist mit dichtgedrängten Häärchen beselzt in der 
Breite der Zahnreihen. Indem die Häärchen nun mit den 
Spitzen aneinanderreichen, so können sie alle gröbere Speise, 
die von den Zahnrechen herkommt, wieder zu ihnen zurück- 
führen und brauchen nur dasjenige durchzulassen, was schon 
die gehörige Feinheit besitzt. 

Bei den Cytheren ist dieser Apparat auch vorhanden 
(Taf. IV. Fig. 8); nur fehlen den rechenförmigen Organen (c) 
die Zähne und die Haare stehen hinter ihnen nicht so dicht; 
so dass mehr ein Zerquetschen erzielt zu sein scheint. 
Ausserdem bleibt der Apparat in der Präparation bei den 
Cypriden in der Oberlippe , bei den Cytheren in der Unter- 
lippe. Dies kommt aber nur davon her, dass die beiden 
Lippen bei den Cypriden einen stumpfen , bei den Cytheren 
aber einen spitzen Winkel einschliessen, und dass desshalb 
die Mundhöhle sich tief in die Wölbung der Unterlippe hinein- 
erslreckt. Der Apparat ist an das Chitinskelet da befestigt, 
wo Ober- und Unterlippe einander berühren und reicht stets 
in die Mundhöhle hinab. Er wird also beim Zerreissen ein- 
mal der Oberlippe , das andere Mal der Unterlippe anhaf- 
ten. Stets ist er als Gebilde der Chitinhaut zu betrachten 
und keineswegs etwa mit den Gliedmassen zu parallelisiren. 

Mit einer Wendung nach vorn geht der Weg der Spei- 
sen nun in den eigentlichen Darmkanal (Taf. I. Fig. 15. 
Taf. iV. Fig. 13). Derselbe besteht, nach Strauss's Dar- 
stellung, aus einem hellen dünnen Theil, einem weiteren drü- 
sigen mittleren Theil, der in zwei Unterabiheilungen einge- 
schnürt ist , und aus einem durchsichtigen engeren End- 
slücke, welches zum After führt. Ohne Rücksicht auf Ana- 
logie der Benennungen mit denen des menschlichen Darm- 
kanals besteht er allerdings aus diesen drei Theilen, die ich 
als Speiseröhre {ab), Darm (c dj und Mastdarm 
(e) bezeichnen will. Die ersteren beiden sind durch eine 
pylorusarlige Einschnürung Q?) geschieden, die letzteren ge- 
hen in einander über. Die Speiseröhre reicht mit einem 
Bogen nacii vorn hinauf bis in die Gegend des Auges, der 
Darm aber geht mit einer kleinen Biegung nach oben zurück 
in die Schwanzgegend. 



Monographie der Ostracoden. 35 

Bei genauerer Untersuchung zeigt sich gegen das Ende 
der Speiseröhre ein aus Chitinblätlern gebautes dunkleres 
Organ (Taf. I. Fig. 16. Taf. IV. Fig. 14), welches äusserlich 
einem menschlichen Kehlkopf, in seinem inneren Baue dage- 
gen wesentlich dem Mafien der Isopoden gleicht. Dieser 
M a gen apparat besteht bei den Cypriden aus einem unte- 
ren Chitinring von der Gestalt des Ringknorpels (ß); 
auf diesem sitzt eine grössere Chitinwand (Cj auf, welche 
einem längs der Axe durchschnittenen Becher gleicht und 
nur an einer Stelle hornig ringförmig geschlossen ist , an 
den Lücken aber von einer weicheren dehnsamen Haut (&) 
überspannt wird. Aus diesem Halbbecher, den wir der Kürze 
und seiner äusseren Aehnlichkeit halber den Schildknor- 
pel nennen wollen, erhebt sich ein Körper (2>) , und zwar 
von dem Chilinring aus, welcher seine convexe Seile gegen 
die concave Seite des Schildknorpels drückt , so dass zwi- 
schen beiden Flächen nur ein schmaler halbmondförmiger 
Raum übrig bleibt. Auch dieser Raum ist nicht frei, son- 
dern von Haaren ausgefüllt, welche sich von beiden Flächen 
aus nach oben richten. Am Schildknorpel sind dieselben 
über die ganze innere Oberfläche verbreitet, an dem Reibe- 
zeng aber, wie jener Körper wohl zu nennen wäre, stehen 
sie in parallelen Reihen angeordnet. Dieses Reibezeug 
besteht nämlich aus Chitinlamellen, welche von unten nach 
oben schuppenartig übereinander greifen und deren letzte 
sich endlich wieder zum Schildknorpelring zurückbiegt. Auf 
der äusseren freien Fläche dieser Schuppen (rf) sitzen nun 
die Haare des Reibezeugs und können sammt dem ganzen 
Reibezeug gegen die innere Fläche des Schildknorpels hin 
und her bewegt werden. Von vorn betrachtet, zeigt dieses 
Reibezeug in der Mitte eine Vertiefung; dorthin werden die 
Speisen von den Seiten zusammengedrängt, und dort ist der 
Heibeapparat am stärksten. Bei den Cytheren treten nicht 
bedeutende Veränderungen ein; nur dass der Ringknorpel 
(6) höher ist und dass das Reibezeug (d) nicht den Schild- 
Jinorpel (c) überragt , sondern von ihm überragt wird und 
aus weniger schuppenartigen Lamellen aufgebaut ist. 

Wie mir scheint, dient die weiche Haut am Schildknor- 
pel (6) dazu, die Speisen vorläufig aufzunehmen; der Ring» 



36 Zenker: 

knorpel, gegen den der Schildknorpel auch einen ganz ei- 
genthümllchen (wahrscheinlich ventilartigen) Ansatz (a) hat, 
die Speisen am Zurücktreten zu verhindern; und endlich der 
Schildknorpel und das Reibezeug , sie zu zerreiben. Eine 
kurze Strecke werden die Speisen nun noch im häutigen Oe- 
sophagus (e) fortgeführt und treten dann durch den Pylorus 
(p) in den Darm. 

Man wird sich wundern, dass ich jenseits dieses Ma- 
gens noch von einem Oesophagus rede und das Stück bis 
zum Darme nicht vielmehr Duodenum nenne. Es würde 
allerdings so bezeichnet werden können und man unterschiede 
dann Oesophagus, Slomachus, Duodenum, Colon und Rectum; 
ich halte es aber für richtiger, nur zwei Hauptabiheilungen 
zu machen und Alles vor dem Pylorus und der Einmündung 
der Leberschläuche als Oesophagus, dahinter als Intestinum 
und Rectum zu bezeichnen, wie es bei Cyclops einfach her- 
vortritt. Nun tritt bald im Oesophagus, bald im Intestinum 
eine magenarlige Erweiterung ein, im Oesophagus bei den 
Malacostraceen und Oslracoden, im Intestinum bei vielen 
Branchiopoden, den Cirrhipedien, Parasiten und wieder den 
Ostracoden. Der Magen der letzteren liegt hinter dem Pylo- 
rus an oder hinter der Einmündungsstelle für die Galle. 
Wenn man nun jede magenartige Erweiterung ohne weite- 
res Magen nennt, so confundirt man ganz ungleichartige Or- 
gane. Man thut daher besser die Eintheilung festzuhalten, 
die für die Cyclops das Schema giebt: Schlund und Speise- 
röhre einerseits, Darm und Mastdarm andererseits, und 
die besonderen Erweiterungen als Speise röhrenmagen, 
Darmmagen oder in dieser Art zu bezeichnen. 

Hinter dem Pylorus kommen wir an den Darm (Taf. I. 
Fig. 15. c. Taf. IV. Fig. 13. c), dem Theil des Verdauungska- 
nals, welcher von Strauss als Magen bezeichnet wurde 
und der durch seine Weite und Abrundung allerdings dazu 
veranlassen kann. So lange der Darm noch eine zellige 
Wandung hat, nenne ich ihn Darm, wenn aber die Wandung 
nur noch muskulös ist, Mastdarm. Der erste Theil ist durch 
eine Einschnürung (m) in der Gegend des Schliessmuskels 
in zwei Theile gelheilt und zeichnet sich durch seine Weite 
aus. Seine Wandungen bestehen aus einer äusseren slruc- 



Monographie der Ostracoden. 3? 

lurlosen Membran, einer darunterliegenden Schicht von Ouer- 
und Längsmuskeln, einer inneren Zcllenschicht und einer in- 
nersten Chilinhaut. 

In die erste Abtheilung des Darmes, unmittelbar neben 
dem Pylorus mündet bei allen Cypriden jederseits ein Le- 
berschlauch (h) ein, der denen der fsopoden und Am- 
phipoden histiologisch ganz ähnlich ist. Die Wandungen die- 
ser Schläuche (Taf. L Fig. 21) enthalten nämlich, wie die 
Darmwände (Fig. 20), so weit sie zur Verdauung beitragen, 
Zellen (a) , in denen das Gallenfett sich allmählich in Form 
kleiner Kügelchen anhäuft, bis es durch Zerplatzen der Zel- 
lenwandung in die Höhlung (c) ergossen wird. Dann kommt 
der Zellenkern (6) , der bisher verborgen war, wieder deut- 
lich zum Vorschein. Die so abgesonderten Fetttröpfchen sind 
bald glashell, bald gelb. S t r a u s s bezeichnete diese Schläuche 
als vaisseaux coniques et aveugles und liess es zweifelhaft, 
ob sie Speicheldrüsen oder Hoden seien. Fischer will 
rhythmische Contractionen an ihnen bemerkt haben und hält 
sie desshalb für Herzen. 

Bei manchen Arten sind die Leberschläuche nur kurz 
und verstecken sich zwischen den Organen der vorderen 
Körpergegend, bei anderen dagegen (C. ornata, C. pubera) 
(Fig. 15. h) sind sie lang und laufen neben dem Eierstock in 
der Duplicalur der inneren Schalenhaut quer über die Schale 
fort, als gelber Streif neben dem rolhen schon von aussen 
erkennbar. Ausser diesen Schläuchen finden sich oft noch 
kleine Darmzellen, welche Galle absondern und in der er- 
sten Jugend die Leberschläuche vertreten. So findet sich in 
den Cypriden eine Stufenleiter der Ausbildung galleabson- 
dernder Organe, die sich über die ganze Klasse der Crusta- 
ceen fortsetzen lässt. Denn die Cyclopen haben nicht einmal 
mehr Zellen, sondern nur die Darmwände selbst als Organe 
der Gallabsonderung ; wogegen die Isopoden uns die stär- 
kere Enlwickelung der Leberschläuche zeigen und die Ab- 
sonderung in den Dekapoden ihren Gipfel erreicht. 

Von dieser Leberbildung weicht die verästelte Leber 
mancher Phyllopoden, wie z. B. des Apus und die Leber der 
Cylheren ab. Bei den Cylheren findet man keine Leberschläu- 
cho, sondern nur (Fig. 13 /i. Fig. 14. h) zwei runde Blasen, 



38 Zenker: 

welche stets mit braungelber Flüssigkeit gefüllt sind und die- 
selbe durch ihre kurzen Ausführungsgänge in den Darm 
fliessen lassen. Ob die Blasen selbst die Galle absondern 
oder ob sie ihnen von einem andern Organe zugeführt wird, 
blieb mir dunkel. 

Ueberall bei den Crustaceen müssen wir die Punkte des 
Darmkanals, wo der Gallerguss slaüfindet, für aequivalent 
halten. Darnach entspricht dem Oesophagus der Cyclopiden 
die Speiseröhre und der Magen der Ostracoden, Dekapoden 
und Isopoden, die Speiseröhre der Branchiopoden: und dem 
Darm der Cyclopiden entspricht der Darm der Ostracoden, 
Dekapoden und Isopoden, dagegen der Magen und Darm zu- 
sammen der Branchiopoden. 

Der Darm der Ostracoden verrichtet in seinen beiden 
Abtheilungen die Function des Verdauens und verläuft sich 
allmählich verengend durch den Mastdarm (e) zum After. 
Der After ist eine Verticalspalte zunächst dem Schwanzsla- 
chel. lieber die Beschaffenheit der Nahrungsmittel giebt der 
Darminhalt wenig Aufschluss, der auch wohl dazu schon eine 
zu grosse mechanische Zerstückelung erfahren hat. Denn 
nach dreimaligem Zerbrechen, durch die Kiefer, die Lippen 
und die Rechenzähne werden die Speisen noch zweimal durch- 
gebürstet, zuletzt in dem Speiseröhrenmagen. Diese Zerbür- 
stung der Speisen , die wohl am ausgebildesten bei den Fy- 
cnogoniden vorkommt, ist bei den Malacostraceen ebenfalls 
ganz allgemein, da auch aus dem Magen des Flusskrebses von 
Oesterlen ') ein ganz ähnlich gestaltetes blättriges Reib- 
zeug beschrieben ist. 

Von Absonderungs Organen haben wir schon oben 
die Leber erwähnt, die sich bei allen Ostracoden vorfindet. 
In der Gegend desPylorus ebenfalls finden sich bei den Cypri- 
den noch andere lappig verzweigte Drüsenmassen (Taf. L 
Fig. 22). Ich habe nie einen Ausführungsgang entdecken 
oder eine Thätigkeil nach einer Richtung hin erkennen kön- 
nen. Nennen wir sie einstweilen „Milz.** In ein äusserst 
feinzelligcs Parenchym eingestreut liegen zahlreiche Fett- 
tröpfchen von verschiedener Grösse und meist von gelblicher 



1} Müll. Arch. 1840. p. 387. Taf. XII. 



Monographie der Ostracoden. 30 

Farbe. Vielleicht sind diese drüsigen Gebilde der letzte Rest 
von der im ganzen Gliederthierreich sich vielfach dort vor- 
findenden Drüse, die wir bei den Cytheren deutlicher aus- 
gebildet linden. Wir haben schon oben erwähnt, dass sich 
zwischen den Muskeln der unteren Antennen (Taf. IV. Fig 3.g} 
eine beuteiförmige Blase befinde, deren Ausführungsgang bis in 
die Spitze des grossen Hakens zu verfolgen sei. Eine drü- 
sige Structur Hess sich an dieser Blase nicht erkennen , ob- 
wohl sie von hellgelbem Inhalt strotzte. Ueber die Function 
wie über die anatomischen Beziehungen dieser Drüse kann 
wenig Zweifel sein. VTas soll eine solche Drüse, die sich 
durch einen kräftigen Stachel ergiesst , wenn es nicht eine 
Giftdrüse ist? und wer kann die Beziehung verkennen, in 
der sie mit der Giftdrüse im Basalgliede der unteren An- 
tennen (Kiefertaster) der Spinnen steht? Wir werden bei 
Cyclops und Apus unten noch mehrere diesen entsprechende 
Drüsen kennen lernen; gewiss sind auch die von Leydig 
an ßranchipus und Artemia beschriebenen , so wie off*enbar 
die Giftdrüsen des Argulus hiemit verwandt ; endlich bewei- 
sen die sorgfältigen Untersuchungen des Dr. C. A. Strahl 
über das grüne Organ des Flusskrebses , wie mir derselbe 
mündlich miüheilte, dass auch dieses drüsige Gebilde in näch- 
ster Verwandtschaft mit den angeführten Drüsen steht. Dass 
dieselben darum nicht alle Gift abzusondern brauchen, wird 
Jeder wissen. 

Eine Absonderung, welche ich merkwürdigerweise nur 
bei den Cypriden beobachtet habe , ist die von festem oder 
doch ziemlich festem Fett. Es findet sich vorzugsweise 
zwischen den Blättern der inneren Schalenhaut und oft in 
ziemlich grossen Quanliläten. Die chemische Natur eines 
solchen Fetts näher zu bestimmen wäre nicht unthunlich, 
aber doch sehr schwer. Wundersam ist es, dass dieses Fett, 
in Wasser gebracht, allmählich mehr und mehr auseinander 
geht, dabei höchst abenteuerliche Figuren bildet und endlich 
in kleinere Theile auseinanderplalzt. Es ist sogar wohl 
möglich, dass diese Substanz nicht zu den eigenilichen Fet- 
ten gehört; doch sprach für diese Deutung das Aussehen 
und doch auch das Vorkommen mehr als für jede andere. 

Im Geschlechtsapparate erscheinen noch einige Abson- 



40 !2enkeri 

derungen. Bei jungen Thieren ist nämlich das Knäuel des 
zur Samenblase führenden Canals rings von einer zelligen 
Masse (Taf. 11.^1. Fig. 4. c) umgeben und diese sondert eine 
gelbliche feinkörnige Masse ab , welche gegen Säuren und 
Alkalien sehr unempfindlich ist und ganz dem Secret gleicht, 
welches wir bei Asellus noch näher besprechen werden. 
Dass übrigens dasselbe chemisch doch nicht ganz unempfind- 
lich ist, zeigt der Umstand, dass es später verschwindet, also 
doch wohl aufgelöst sein muss. Ich habe es am öftesten bei 
C. ornata und C. pubera beobachtet. 

Das zweite Absonderungsorgan des Genitalapparals ist 
die Schleimdrüse der männlichen Cypriden, die aber mit dem 
übrigen Geschlechtsapparat zugleich abgehandelt werden soll. 

Wir kommen zu den Organen der A thmu n g und des 
Kreislaufs. Schon Strauss erkannte die stets schwin- 
gende Platte des zweiten Kieferpaars (Taf. I. IV. Fig. 5. 6) 
mit Recht als das Hauptwerkzeug der Athmung. Jedenfalls 
dienen die ganz analog gebauten Platten am Isten und 3len 
Kieferpaar der Cypriden denselben Zwecken. Die Athem- 
platten gleichen in ihrem Baue denen an den Füssen der 
Branchiopoden; sie enthalten eine zellige Membran und ihr 
Rand ist mit breiten zweiseitig gefiederten Borsten besetzt. 
Die Branchiopoden treiben mit diesen Borsten das Wasser 
heran und dies umspült die dünnen Platten, in denen eine 
reiche Menge Blutes umkreist. Bei den Ostracoden aber findet 
man auch beim eifrigsten Suchen weder Herz noch Blutkör- 
perchen noch bei der Section Eiweissgerinnsel. Wie soll 
man es also verstehen , wenn solche Platten arbeiten , ohne 
dass man einen Blutstrom in ihnen, ohne dass man überhaupt 
einen Blutstrom bemerkt? Es wäre wohl möglich, dass hier 
eine Athmung ohne Kreislauf stattfände, und dass die Athem- 
platten nur das Wasser heranschaffen. Dies schlägt gegen 
den Körper und gegen die innere Seite der Schale, hinter 
welcher die Absonderungs- und Geschlechtsorgane versteckt 
liegen. Wohl möglich , dass es an diese seinen Sauerstoff 
abgiebt, der dann auf diesem Wege auch in den Darm und 
den übrigen Geschlechtsapparat dringen könnte. Eine ge- 
wisse Unempfindlichkeit der Ostracoden gegen die Art des 
sie umgebenden Wassers (Ostsee oder süsses Wasser) ist 



Monographie der Ostracoden. 41 

dabei wohl einigermaassen bemerkenswerlh und zeugt viel- 
leicht für die Geringfügigkeit des Athemprocesses. 



VI. Geschlechtsorgane. 

Ledermüller erzählt von den kleinen Muschelkreb- 
sen, die er zu seinen Gemülhs- und Augen -Ergötzungen 
zählte, dass er sie oft im Begattungsacle schwimmend gese- 
hen habe, das Männchen vom Weichen nachgezogen. Diese 
Erscheinung, die übrigens gar nicht selten vorkommt, aber 
schwer genauer zu beobachten ist, wurde von den späteren 
Beobachtern nicht gesehen und daher Led erm üller's Notiz 
für irrthümlich gehalten. W. Baird bekennt sogar dasselbe 
beobachtet zu haben , hält es aber aus Hochachtung für 0. 
F. Müller, De Geer, Jurine und Strauss nicht für 
eine eigentliche Begattung und nimmt lieber einen Irrlhum 
von Seiten L e d erm ül ler's an. Der Grund hiezu lag in 
der durch Strauss verbreiteten Meinung, die Cypriden seien 
hermaphroditisch und bedürften keiner Begattung. Ich erwies 
zuerst in meiner Dissertation : De natura sexuali generis Cy- 
pridis und in Müll. Arch. 1850. p. 191 die Richtigkeit der 
Ledermüller'schen Angabe und die Existenz getrennter 
Geschlechter bei der Gattung Cypris. Auch Fischer be- 
stätigte seitdem die Angabe von Ledermüller, ohne je- 
doch die Trennung der Geschlechter zu erkennen. 

Die Cypriden sind allerdings getrennten 
Geschlechts und ebenso die Cytheriden. Ein 
Weibchen legt ohne vorherige männliche Begattung niemals 
reife Eier ab; aber da sie eine Samentasche haben, so reicht 
eine Begattung für mehrere Geburten hin. Die Cypriden sind, 
so weit ich sie kenne, durchweg eierlegend; unter den Cy- 
theren kenne ich mehrere lebendigg-ebärende und vielleicht 
sind sie es alle. Aeusserlich unterscheiden sich die Männ- 
chen von den Weibchen bei den Cytheriden nur durch die 
Anwesenheit eines grossen Penis, bei den Cypriden auch 
durch einen grösseren Körper (Taf. I. Fig. 24) und eine ab- 
weichende Gestalt des 3ten Kieferpaars (Taf. II. D. Fig. 2). 
Die Männchen finden sich zu jeder Zeit des Jahres, freilich 



4t Zenker: 

in geringerer Zahl, neben den Weibchen; scheinen jedoch 
nach der Abgabe der Zoospermien nicht mehr lange zu le- 
ben, denn zeitweise findet man in einzelnen Tümpeln nur 
samenführende Weibchen. Andrerseits glaubt man oft die 
Männchen völlig zu vermissen, wenn die vorhandenen Thiere 
noch geschlechtlich unreif sind und sich der Geschlechlsap- 
parat der Weibchen, dem der Männchen voraneilend entwik- 
kelt hat. 

Wohl bei wenig anderen Thieren ist der Genilalapparal 
in gleicher Kraft ausgebildet, wie bei den Ostracoden. Er 
füllt bei den Cypriden etwa die Hälfte des ganzen Leibes 
aus und erstreckt sich in alle Theile desselben. Fast das 
ganze Abdomen ist zu geschlechtlichen Functionen ausge- 
bildet. Auch die Schönheit und bedeutende Grösse der Zoo- 
spermien ist ein Zeichen dafür. Bei den Cytheren finden 
diese Verhältnisse zwar nicht in demselben Grade stall, sind 
aber doch besonders im weiblichen Geschlechle sehr hervor- 
tretend. 

Der weibliche Geschlechtsapparat, der für die Cypriden 
theilweise schon vonStrauss dargestellt ist, besteht in bei- 
den Familien jederseits aus einer Eierröhre (Fabrica ovo- 
rum) (theils Eierstock, theils Eileiter, theils endlich Gebär- 
mutter), einer Scheide (Vagina) und einer Samen blase 
(Receptaculum seminis). Der Geschlechtsapparat der männ- 
lichen Cylhcren besteht nur aus einem Samen bereiten- 
denOrgan (Fabrica seminis) und aus einem Begattungs- 
apparat (Penis). Bei den Cypriden kommt noch eine höchst 
characleristische Schleimdrüse (Glandula mucosa) hinzu. 

A. Weiblicher Geschlechtsapparat. (Taf I. Fig.15). 

Wir kennen die Ei er röhre aus Strauss's naturge- 
treuer Darstellung. Sie liegt (c) mit ihrem blinden Ende 
zwischen den Schalen, bald im hinleren unteren Winkel ein- 
fach (C. ornala, C. pubera) oder mit einer Anschwellung 
(C. acuminata) endend, bald nach hinten (C. Candida), bald 
erst nach vorn , dann nach hinten (C. punctata , C. Ovum) 
sich herumbiegeiul. Sie steigt quer über die Schale zwi- 
schen deren beiden inneren Blättern, stet« an Weite zunehmend, 



Monographie der Ostracoden. 43 

bis zur Umschlagstelle der Chitinhaut in der Nähe des Schliess- 
muskels (wi) auf und wendet sich dann, über den Darm ent- 
lang- laufend, zur Schwanzgegend, woselbst die Eierröhren 
beider Seiten nebeneinander getrennt ausmünden. Bei den 
lebendig gebärenden Cytheren ist dieser letzte Theil schon 
als Gebärmutter aufzufassen. 

Dicht vor der Ausmündungsstelle dieser Eierröhren be- 
finden sich die beiden hornigen Scheiden (Vaginae) (Taf. 
I. Fig. 15, ??.Taf. IV. Fig. 15), die in den verschiedenen Arten 
ziemlich abweichend angetroffen werden. Sie bestehen aus ei- 
nem becherförmigen Napf, welcher von einem langen horni- 
gen Bogen aus bewegt werden kann , so dass er zur Auf- 
nahme und Abgabe der Zoospermien geeignet ist. Er ver- 
engt sich in seinem Grunde zu einem Ganal (fe) , der von 
festen starklichlbrechenden scheinbar structurfosen Wandun- 
gen umgeben, sich in zahlreichen Schlingungen knäuelförmig 
aufrollt und endlich in eine weite Tasche ausmündet, in die 
von zarten aber elastischen und festen Wandungen umgebene 
Samentasche, welche zur Aufnahme der Zoospermien wäh- 
rend und nach der Begattung dient. Diese gleicht der Urin- 
blase der Säugethiere an Gestalt, ist bald birnförmig, bald 
rund und durch die elastischen Zoospermien in ihrem Innern 
stets gespannt. Der Mündungsstelle des Ausführungsganges 
gegenüber hat sie einen Pol (?^3, eine 6—8 slrahlige Narbe, 
die Endstelle des Schlauchs, aus dem sich Blase und Canal 
entwickelt haben. 

Die Ostracoden sind meines Wissens die ersten Cru- 
staceen, von denen mit Sicherheit ein Receptaculum seminis 
erkannt worden ist. Strauss hatte diesen Apparat ganz 
und gar übersehen; Fischer aber hat ihn sehr irrthümlich 
aufgefasst. Zuerst findet er sich beschrieben in meiner Dis- 
sertation und in Müller's Archiv. 1850. 

B. Männlicher Geschlechtsapparat. 
(Taf. I. Fig. 23. Taf. 11.^. Fig. 1). 

Der männliche Geschlechtsapparat der Cypriden besteht 
jederseits aus einem samenbereitenden Organ (fa- 
brica seminis) , einer Schleimdrüse (Glandula mucosa) 



44 Zenker: 

und einem Begattungsapparate (Penis). Bei den Cy- 
theren fehlt die Schleimdrüse. Diese Organe entsprechen 
nach ihrer Lage und Entwickelung ganz denen des weibli- 
chen Geschlechtsapparats und zwar der Samenschiauch der 
Eierröhre, die Schleimdrüse der Samentasche und der Penis 
der Scheide. In den meisten Arten erkennt man das Männ- 
chen von aussen an den Hodenschläuchen und der Schleim- 
drüse, welche am ersten hindurchschimmern^ so wie an dem 
Fühlen der Eier. 

1. Der Samenschlauch. 

An der Stelle, wo bei bem Weibchen das blinde Ende 
der Eierröhre mit noch durchsichtigen Eikeimen angefüllt 
liegt, finden wir bei den Männchen vier parallel neben ein- 
ander liegende Schläuche (6), deren blinde Enden ebenfalls 
mit Zellen angefüllt sind. Diese Zellen sind aber nicht Ei- 
keime, sondern Zoospermienkeime und die Schläuche Ho- 
den. Ihre blinden Enden sind bald nach hinten längs dem 
Schalenrande umgebogen (C. Candida, acuminata), bald zu- 
erst nach vorn (C. punctata). Diese vier hinteren Hoden- 
schläuche laufen, wie der Eierstock der Weibchen, quer über 
die Schale der Gegend zu, wo sich beim Schüessmuskcl die 
Chilinhaut umschlägt. Dort treffen sie mit zwei andern vor- 
deren (a) zusammen, die gleich ihnen zwischen den Scha- 
len, aber am Vorderrande, verlaufen und längs des ßauch- 
randes fast auch bis in den hinteren Schalenwinkel dringen. 
Um die Hoden in situ zu präpariren , muss man das Thier 
zuvor in heissem Wasser tödten und dann die Schalen vor- 
sichtig ablösen. 

Diese 6 Schläuche (0, die sich oberhalb des Schliess- 
muskels einander berühren, laufen noch lange miteinander 
fort und um die Schleimdrüse (^f) herum, crgiessen sich aber 
endlich in einen gemeinsamen Samen leit er (Vas deferens) 
(rf), der den Samen mit einigen Windungen um die Schleim- 
drüse weiterführt und der endlich in d(^n Begatlungscanal 
übergeht. Oelters werden die znrlen zelligen Wände des 
Samenleiters durch strotzende Samenfülle ausgedehnt und er- 
scheint es dann, als ob er mit einer Samenblase endete. Der 
Begaltungscanal, dessen Wände fest^ stark lichtbrechend und 



Monographie der Ostracoden. 45 

von nicht erkennbarer Slructur sind , tritt nunmehr in das 
Begallungsglied (p) ein und wird als ein Theii desselben 
mit abgehandelt werden. 

Bei den Cylheren linden sich auch 5 oder 6 Hoden 
jederseits vor, dieselben sind aber kugelförmig und liegen 
nicht in der Schale. Die Zoospermien bewegen sich in die- 
sen Säckchen an den Wänden in spiraler Linie entlang (Taf. 
IV. Fig. 19), die beiden Samenleiter sind nicht so lang und 
münden in eine unpaare Samenblase. Die histiologische Struc- 
tur dieser Theile ist von der bei den Cypriden nicht ver- 
schieden. Die Samenblase liegt bereits innerhalb der Penes 
und wird bei deren Beschreibung mit abgehandelt werden. 

Die Anordnung der Hodenschläuche erinnert am mei- 
sten an die bei den Isopoden, bei denen auch jederseits meh- 
rere Hoden ihren Inhalt in einen Samenleiter entleeren. 

2. Die Schleimdrüse. (Taf. VI. Fig. 2). 

Von den Windungen der Hodenschläuche und des Sa- 
menleiters umschlossen, liegt bei den Cypriden zu beiden 
Seiten des Darmes die merkwürdige cylindrische Schleim- 
drüse (Glandula mucosa), die den Cytheren fehlt und un- 
ter den Absonderungsorganen aller Thierklassen sich durch 
ihre wunderbare Form und ihren zusammengesetzten Bau 
auszeichnet. Sie erreicht wohl ein Dritftheil der ganzen Kör- 
perlänge des Thiers und ist bei durchsichtigen Schalen schon 
von aussen, so wie auch bei der Section leichter als alle 
andere Organe zu erkennen. Sie eignet sich daher vorzüg- 
lich zur Unterscheidung des männlichen Geschlechts und in 
demselben der verschiedenen Species. 

Bei genauerer Untersuchung zeigt sich dieselbe aus drei 
Cylindern zusammengesetzt, die eine gemeinschaftliche Axe 
haben. Der innerste Cylinder (c) ist von einer Haut um- 
schlossen , bei der starke Chitinringe mit häutigen Ringen 
abwechseln. Nach dem einen Ende ist er durch eine eigen- 
Ihümlich sternarlige Narbe (n) geschlossen , oder bisweilen 
noch durch eine sackartige Fortsetzung verlängert ; nach dem 
andern Ende geht er in einen engen Ausführungscanal (fc) 
über, der ganz dem der weiblichen Samenlaschc ähnlich 



46 Zenker: 

sieht. Des äusseren Cylinders Wandungen (a) sind durch 
ein System von Chitinstreifen parallel der Axe gestützt und 
verfestigt und bestehen aus Drösenzellen , denen oft noch 
kleine drüsige Schläuche anhängen , so weit die herumge- 
wickelten Genilalorgane dazu Raum lassen. Diese Zellen und 
Schläuche sondern den Schleim ab , welcher nun , wie es 
scheint, in den Cylinder eindringt und dessen ganzes Innere 
ausfüllt. 

Zwischen dem äusseren und dem innersten Cylinder liegt 
noch der mittlere , umschlossen von einer äusserst zarten, 
scheinbar structurlosen Haut (6), welche sich nur als feine 
Linie kenntlich macht und welche, wie die des inneren Cy- 
linders , nur bestimmt scheint , den Schleim, wie durch Fil- 
tration zu reinigen. 

Das ganze Organ ist gestützt durch ein Chitingerüst, 
welches auf den Chillnringen des inneren Cylinders aufsitzt 
und aus 7 scheibenförmigen maschigen Chitinkränzen, 2 ex- 
tremen (e) und 5 mittleren (^d) besteht, die in zahlreichen 
Radien nach der Peripherie ausstrahlen. Zwischen den Chi- 
tinmaschen und Chitinstrahlen spannt sich eine feste durch- 
sichtige Haut aus, so dass hiedurch die beiden äusseren Cy- 
linder in 6 Abtheilungen gelheilt werden. 

In Cyprois monacha und ebenso in der von Fischer 
beschriebenen Cyprois dispar finden sich gegen 24 Chilin- 
kränze ohne Zwischenräume , welche aber nur aus wenig 
Strahlen bestehen. Auch habe ich hier nie einen mittleren 
Cylinder wahrnehmen können. 

Durch die beschriebene Anordnung von Chilinstäben 
und Chitinringen erhält das Organ neben grosser Festigkeit 
auch eine gewisse Biegsamkeit. Bei der Section lebender 
Thiere sieht man die Schleimdrüsen stets gekrümmt durch 
die Einwirkung des Wassers , während sie im Leben ganz 
gestreckt sind. Ihr Bau befähigt diese Organe, als Schleim- 
drüsen und Schleimbehälter zugleich zu fungiren und eine 
grosse Masse Schleim fertig zu enthalten, was vielleicht für 
die Begattung von grosser Wichtigkeit ist. Welchen Ein- 
fluss vermuthlich der Schleim auf die Zoospermien ausübt, 
werden wir unten anführen. Er ist zähe, wasserhell und von 



Monographie der Ostracoden. 47 

wenig stärkerer Refraclionskraft als das Wasser, daher sehr 
schwer sichlbar. 

Die Schleimdrüse ist für die Unterscheidung der Arten 
von der höchsten Wichtigkeit. Die einfachste Form mit kur- 
zem Ausführungsgang findet sich bei C. Candida und C. acu- 
minala; C. punclata zeichnet sich durch helmartige Ansätze 
an beiden Polen aus, von denen der am blinden Ende auch 
stets mit einer strahligen Narbe versehen ist, entsprechend 
der an der Samenblase der Weibchen. Auch diese Narbe 
ist oft characterislisch. Die Schleimdrüse von C. Ovum zeich- 
net sich durch ihren langen Ausführungsgang aus. 

Bei den Cytheren findet sich kein Aequivalent dieser 
Drüse, dagegen bei den Insecten, wo aber diese eigenthüm- 
liche Form nicht vorkommt. 

3. Begattungsap parat (Penis). (Taf. VI. Fig. 1). 

Unter allen Crustaceen finden wir nirgends einen so 
ausgebildeten Begattungsapparat , wie bei den Ostracoden ; 
denn er erreicht hier contrahirt ein Viertel, erigirt wohl ein 
Drittel der Körperlänge. Er liegt dicht vor dem Schwänze 
an der Bauchseite und ist vollkommen symmetrisch, so dass 
sogar die ßegattungscanäle getrennt ein- und austreten. Er 
besteht aus hornigem Chitin, besitzt jedoch eine grosse Ela- 
sticität und Beweglichkeit, besonders bei denCypriden. Um 
den Bau des Penis irgend einer Cypridenart genau zu erklä- 
ren, dazu bedarf es sehr genauer und mühseliger Beobach- 
tungen und Zeichnungen, die zum Theil nur ein mechanisches 
Interesse haben würden. So vollkommen und so complicirt 
die mechanische Einrichtung desselben ist, so darf sie uns 
hier doch nur insoweit fesseln, als zum allgemeinen Ver- 
ständniss des Begaltungsactes oder zur etwaigen Artenunter- 
scheidung nothwendig ist. 

Die wichtigsten Bestandtheile sind: 

1) der ßasalkörper zur Verbindung der inneren und 
äusseren Geschlechtsorgane; 

2) das Begallungsrohr; 

3} der Apparat zum Festhalten der weiblichen ßegat- 
tungsorgane. 



4B Zenker: 

Der Basalkörper (yl) ist nur durch dünne Bänder 
mil dem übrigen Körper des Thieres verbunden, so dass sich 
der Penis bedeutend (um 90° nach jeder Seite) hin und her 
drehen kann. In der Mitte treten nebeneinander die beiden 
Begattungscanäle (C) ein, die nach kurzem Laufe 
sich rechtwinklig in die beiden konischen Hälften des Penis 
wenden, von denen sie fernerhin umiiüllt bleiben. Anfangs 
dünn, schwellen sie bald trichterförmig an und in der Ge- 
gend der grössten Breite des Penis werden auch ihre Wände 
stark und fest und biegen sich in mehreren gelen karligen 
Winkeln. Von der nach hinten und innen liegenden trich- 
terförmigen Erweiterung (o) biegt sich nämlich der Canal 
plötzlich nach vorn und aussen (b), dann nach oben (c) und 
dort wieder als enger Canal (C) nach unten um. Alle diese 
Gelenkstücke sind vielfach eingedrückt und gekrümmt, um 
eine leichte Beweglichkeil herzustellen. Zugleich sind sie 
mit den Theilen der Chilinumhüllung verwachsen, die durch 
ihre gleichzeitige Bewegung die Anheftungsorgane in Thä- 
ligkeit setzen. 

Wie wir die Gelenkstücke beschrieben haben , sind sie 
im Zustande der Ruhe. Bei der Erection des Penis bleibt 
das erste Stück unbewegt, das zw^eite wird nach hinten zu- 
rückgezogen und gerade nach unten ausgestreckt und hie- 
durch endlich das drille geradezu umgeklappt , so dass der 
enge Canal nun nicht von seinem oberen , sondern von sei- 
nem unteren Ende nach unten weilergeht. Dieser Canal 
schliesst sich mit seinen Krümmungen den umgebenden 
Theilen an und tritt bei erigirtem Penis aus demselben her- 
vor. Sein Ende ist auch noch sigmoidisch gebogen, sodass es 
sich den Krümmungen der weiblichen Vagina anschmiegt und 
der Same unmittelbar in den Befruchtungscanal überge- 
hen kann. 

Den drillen Theil bilden also die Organe, welche in 
der Ruhe zum Schulze des Begaltungsrohrs, bei der Begat- 
tung aber zum Festhalten der weiblichen Organe 
qBB) dienen. Sie bestehen bei den Cypriden nur aus der 
Chilinhaut, die wir als Umhüllung des ganzen Penis bereits 
kennen gelernt haben, und welche bei contrahirtem Penis 
sich eng ineinander legt in vielfach verschlungene Fallen, 



Monographie der Ostracoden. 49 

durch die stürmischen Bewegungen der Ereclion aber sich 
so auseinanderklappt, dass das ganze Organ verändert scheint. 
Eben hier liegt für das Verständniss des mechanischen Vor- 
gangs bei der Begallung die grösste Schwierigkeit und ich 
kann nicht behaupten, das Ineinandergreifen der einzelnen 
Tiieile völlig durchschaut zu haben. Das hauptsächlichste 
bewegende Moment scheint mir das Umklappen der dritten 
Abtheilung des erweiterten Begattungscanais zu sein , denn 
in seiner Nähe zeigen sich auch noch sonst zwei höchst anf- 
allende llügelförmige Umklappungen (p, q) , deren eine be- 
sonders ein starkes inneres Gerüst erkennen lässt. Andrer- 
seits iinden sich die beim Festhalten selbst wichtigsten Theile 
ausser einem sehr starken Greifer ((/) an dem unteren Rande 
der Umhülking, so z. B. Fallungen in der Chitinhaut, welche 
von der Seite öfters hakenförmig (Ji) oder knopfförmig aus- 
sehen, besonders aber dient eine Spalte (/"), die dort längs 
der inneren vorderen Seiten von unten nach oben empor- 
steigt, dazu, der Umhüllung jede beliebige Weite zu geben 
und sie an die mit ihr umfassten Theile nachher fest anzu- 
schmiegen. Diese Vorrichtungen werden noch unterstützt 
durch den Haken am dritten Kieferpaare, welcher bestimmt 
ist, die Schale des Weibchens offen zu halten. 

So wenio- diese Darstellung für sich ein Bild dieser 
Organe giebt, so wird sie doch mit der Zeichnung zusam- 
mengehalten, ein besseres Verständniss eröffnen, als eine noch 
so detaillirte Beschreibung der einzelnen Stücke. Dass der 
Vorgang der Erection hier ein rein mechanischer ist, er- 
kennt man deutlich , wenn man einen herausgeschnittenen 
Penis durch ein Glasblättchen zusammendrücken lässt. Er 
wird alsdann so völlig erigirt, dass sogar der Begattungsca- 
nal aus ihm hervortritt. Durch welche Muskeln eine solche 
Wirkung hervorgebracht wird, ist übrigens bei den Cypriden 
darum schwer zu sagen, weil im Penis derselben gar keine 
mehr vorkommen. Sollten sich noch innerhalb des Körpers 
Muskeln an denBegattungscanal heften? Sollte ein Druck auf 
die Begattungstaschen hinreichen , diese mächtige Erection 
zu bewerkstelligen? Oder sollten endlich vielmehr nur Mus- 
keln vorhanden sein, die Contraction zu bewirken? 

Die Begattung habe ich niemals, wohl aber einmal 

Archiv f. Naturgescb. XX. Jahrg. i.Bd. 4 



ÖÖ Zenker: 

die Erection genau beobachtet. Ich hatte 2 Thierchen noch 
während der Begattung unter das Mikroskop gebracht , sie 
jedoch schon getrennt gefunden und legte sie nun zwischen 
zwei Gläschen, von denen das eine hohl geschliffen war und 
deren Höhlung ich mit Wasser anfüllte. Zufällig war beim 
Auflegen des Planglases ein Luftbläschen mit hineingekom- 
men und hatte sich dicht an das Männchen gelegt. Sei es 
aus Irrthum oder wegen des noch andauernden geschlecht- 
lichen Reizes, das Männchen fing an, gegen diese Luftblase 
zu erigiren. Die Falten der Chitinumhüllung sprangen aus- 
einander , der Samencanal trat hervor. Der Penis schien 
noch zu suchen, denn er drehte sich um volle 180<^ schnell 
hin und her. Alle Kraft des Thieres schien auf diesen einen 
Punkt concentrirt, keine Muskel mehr zu wirken. Die Scha- 
len klafften weit auseinander, die Füsse waren unbeweglich, 
ja sogar die Kiemenblättchen standen still. Erst allmählich, 
nachdem sich der Penis zusammengefaltet hatte , kam Leben 
auch wieder in die Kiemenblättchen, die Füsse und endlich 
in die Schalen zurück. Dies wiederholte sich mehrmals hin- 
tereinander. 

Der Penis der verschiedenen Cypris- Arten variirt nur 
in den Dimensionen der einzelnen Theile; der Anlageplan 
ist bei allen derselbe. Abweichender ist der der Cyprois 
monacha (Tat. IIL Fig. 7.), der noch manche besondere Ha- 
ken u. dgl. enthält. Auch konnte ich ihn niemals durch 
Druck oder kochendes Wasser zur Erection bringen. Aehn- 
lich scheint auch der von Cyprois dispar zu sein. 

Das Begattungsorgan der Cytheren ist ebenso 
merkwürdig complicirt, wie das der Cypriden. Auch hier 
herrscht völlige Symmetrie, doch sind die Basalkörper bei- 
der Seiten in grösserer Ausdehnung miteinander und mit 
dem übrigen Körper verbunden. In der Miltelpartie befindet 
sich eine Samenblase in welche sich die beiden Samenleiter 
ergiessen und von der die Begattungscanäle nach den bei- 
den Seiten abgehen. Ausserdem enthält der Basalkörper 
starke Muskelmassen , welche zur Bewegung der festhalten- 
den Werkzeuge dienen. Dieselben bestehen hier nur selten 
aus Chitinlamellen, meist aus sonderbar geformten Ha- 
ken und Zangen. Auch hier ist das Begaltungsrohr von ei- 



Monographie der Ostracoden. 5i 

ner hornigen Scheide eingeschlossen und variirt ausseror- 
dentlich in seiner Länge. Wenn auch das Princip seiner 
Befestigung wohl dasselbe ist wie bei denCypriden, so sind 
die Dimensionen und Nebenverhältnisse doch so abweichend, 
dass wenig Aehnlichkeit aufzufinden ist. Besonders aber va- 
riiren die Haftwerkzeuge in den einzelnen Species so sehr, 
dass eine allgemeine Schilderung dieser Theile nicht mög- 
lich ist. Um so wichtiger ist es daher zur sicheren Bestim- 
mung von Arten, diese Verhältnisse genau aufzufassen, ohne 
deren Berücksichtigung so wenig sichere Anhaltspunkte zu 
finden sind. 

Vergleichen wir diese beiden Genilalapparate in ihrer 
Gesammtheit miteinander, so finden wir bei den Cypriden 
dieselben in zwei fast völlig von einander unabhängige Sei- 
ten getrennt , bei den Cylheriden dagegen eine Vereinigung 
der beiden Seiten in der Samenblase und überhaupt im Pe- 
nis. Bei den Cypriden bleibt der Same der rechten Seite 
von dem der linken Seite völlig getrennt, von seiner 
Entstehung in den Hodenschläuchen des Männchens bis zu 
seiner Thätigkeit in der Samentasche und Eierröhre des 
Weibchens: ebenso wie die Eier der rechten Seite von de- 
nen der linken innerhalb des Thieres stets getrennt bleiben. 
In solchen Fällen könnte ein völlig entwickelter krankhafter 
Hermaphroditismus gedacht werden, so dass die eine Hälfte 
weibliche die andere männliche Geschlechtstheile besässe. 



VII. Leben der Zoospermien (Taf. IL if). 

Wir haben so eben die beiden Geschlechtsapparate be- 
schrieben, ohne den Inhalt derselben näher zu berücksichti- 
gen; denn dieser bedarf einer besonderen Behandlung und 
besitzt für eine beiläufige Erwähnung zu complicirte und in- 
teressante Verhältnisse. Dies gilt sowohl von den Eiern, 
deren Entwickelung ja in allen Thierklassen von grösster 
Wichtigkeit ist, als besonders von den Zoospermien, die 
durch Grösse und Geslaltenwechsel denen aller anderen Thiere 
weit vorangehen. 



5$ ' Zenker! 

Zwar haben R. Wag-ner und ich selbst die Spermato- 
zoen von Cypris bereits beschrieben und abgebildet; doch 
haben sich mir erst später so viel wichtige Verhältnisse auf- 
geklärt, dass ich sie ganz von Neuem beschreiben werde. 
Zuvörderst aber nehme ich meine frühere Bezeichnung Sper- 
matophoren zurück, zu der mich nur ihre unverhällnissmässige 
Grösse und ihre den Samensäcken des Cyolops nicht ganz 
unähnliche Gestalt verleitet hallen. Die Zoospermien der 
Cypriden sind meines Wissens die absolut grösslen Zoosper- 
mien der Thierwelt, denn sie erreichen bei C. ovum die 
Länge von %'" — 1'"; im Verhältniss aber zur Grösse des 
Thiers ist es slaunenswerth, sie über 3mal länger als das 
Thier selbst zu finden. 

Erste Periode. Zellenform (Fig. 1—7). Die Enl- 
wickelung der Zoospermien beginnt bei den Cypriden in den 
blinden Enden der Hodenschläuche. Hier erzeugen sich 
Zellen (Fig. 1) von 0,006'" Durchmesser und mit einem ein- 
fachen etwas stärker lichtbrechenden Kern. Während sie sich 
bis 0,012'" vergrössern, wächst auch der Kern, zeigt eben- 
falls (Fig. 2) einen Kernkern und erhält schliesslich ein kör- 
niges Ansehen (Fig. 3). 

Nach diesem Stadium dehnt sich die Zelle ziemlich 
plötzlich bis gegen 0,022"' in die Länge; das gekörnte 
Ansehn verschwindet und stall dessen zeichnen sich im In- 
nern (Fig. 4. u. 5) zwei längsliegende breite Streifen aus. 
Es sind dies die ersten Anlagen des bandförmigen Zoosperms, 
dessen späterer Mittelnerv schon hier deutlich hervortritt. Der- 
artige Streifen zeigen sich bald 4—5 (Fig. 6), aber kürzer 
und stets an der Peripherie. Sie sind Theile eines mehrfach 
herumgeschlungenen Bandes, welches aber nicht mit einer 
einzigen Einstellung des Mikroskops übersehen werden kann. 
Geht dies Band endlich 3 — 4mal um die Peripherie herum 
(Fig. 7), so zerplatzt die Zelle und ihre Wandung wird all- 
mählich in der Ernährungsflüssigkeit der Zoospermien aufge- 
löst. Dies geschieht noch auf der ersten Hälfte des Weges 
bis zum Schliessmuskel hinauf. 

Zweite Periode. Umbildungsform (Fig. 8— 10). 
Das herausgetretene Zoosperm (Fig. 8) erscheint als ein Band, 
(0,140"'lang, 0,002'"breiO mit einer kurzenSpilze (0,040"' 



Monographie der Ostracoden. 53 

lang) und einem etwas verdickten steifen Mittelnerv, der 
sich sogleich gerade ausstreckt. Der häutige Saum und be- 
sonders sein Rand wachsen schnell; aber noch bleibt der 
Miltelnerv ungedehnt und daher schlägt der Saum wellige 
Falten, die mit dem Wachsen des Ganzen zahlreicher werden 
(Fig. 9). 

Nun scheint der Mittelnerv plötzlich zu erweichen, denn 
es verschaffen sich die Ränder der Hautplatlen Raum , in- 
dem sie den Mittelnerv herumdrillen und sich selbst um ihn 
wickeln. So verändert plötzlich das Zoosperm ganz und gar 
sein Aussehen, es sieht jetzt (Fig. 10) glatt und schlank aus 
und nur mit Mühe erkennt man noch die Ränder der häuti- 
gen Spiralplatlen, wie sie um den Körper des Zoosperms 
herumlaufen. Zugleich hat sich das ganze Zoosperm ausser- 
ordentlich verlängert, besonders auch die Spitze. Wir finden 
diese Form in der Gegend des Schliessmuskels. Die Spitze 
des Zoosperms geht stets voran und zeichnet dem Zoosperm 
seinen spiralen Weg an den Wandungen des Samenschlauchs 
vor. Die Samenfäden schieben sich stets wild durcheinan- 
der, und als ich dies zuerst in den Hodenschläuchen am Vor- 
derrande beobachtete, war ich zweifelhaft, ob ich ein Wim- 
perorgan, oder einen Blutstrom vor mir hätte. Dies gewährt 
einen hübschen Anblick, wie deren die Zoospermien derCy- 
priden gar viele darbieten , ist jedoch nicht so aufzufassen, 
als wären die Zoospermien selbst das Bewegende, vielmehr 
sind sie nur das Bewegte. 

Dritte Periode. Definitive Form. Ihre definitive 
Gestalt (Fig. 1 1) erhalten die Zoospermien durch weitere 
Drehung und immer grössere Geschmeidigkeit des Cenlral- 
fadens. Derselbe wird nicht nur immer stärker gedrillt, 
sondern bildet selbst eine cylinderförmige Spirale, so wie 
ein sehr stark gedrillter Faden sich auch schraubenför- 
mig heraiifschiebt. Hiedurch werden die Windungen be- 
deutend enger, das Zoosperm dicker und zugleich kürzer: 
nur die Spitze verkürzt sich nicht , nimmt sogar an Länge 
zu. Die Randspiralplatten stehen nun auf den Windungen 
des Centralfadens fast winkelrecht und ragen mit ihren freien 
Enden nach aussen und unten hervor. Allmählich verkürzt 
sich nun noch die Spitze, welche übrigens auch von einer 



04 «o^A-^«" -Jfenker: .,,>^^ofTof/ 

etTvas schmaleren Spiralplatte umgeben ist und dadurch fast 
wie mit Widerhäkchen besetzt erscheint. Sie scheint von 
geringerer Bedeutung zu sein, denn ihre Länge bleibt bis 
zuletzt höchst ungleich und ihre Verkürzung scheint durch 
Abbrechen zu geschehen. 

In solchem Zustande werden die Zoospermien bei der 
Begattung in die weibliche Samentasche übergeführt. Sie 
haben keine Spur selbstlhätiger Bewegung; elastisch nur 
schnellen sie auseinander, sobald sie nicht mehr beengt sind. 
Sie sind jetzt begattungsreif, nicht befruchtungs- 
reif. Dies scheinen sie erst durch die Einwirkung des 
Schleims aus der männlichen Schleimdrüse zu werden. Wir 
treffen die Zoospermien in der Samentasche des Weibchens 
(Fig. 12) an, unverändert an Gestalt, aber dicker und länger 
geworden. Die Spitze bricht immer kürzer ab. Der Cen- 
tralfaden theilt sich allmählich in zwei Fäden, die nun eben- 
falls umeinander gedrillt sind. Endlich sehen wir bei den 
ältesten Zoospermien, dass sie eine Haut (Fig. 13) von ihrem 
Körper abstreifen, die ihren Windungen folgend sie umhüllte. 
Dies alles deutet darauf hin , dass der Schleim, der bei der 
Begattung mit übergeführt wird, einestheils in die Masse 
des Zoosperms eindringe und dieselbe aufquellen mache, an- 
derntheils aber auch die äussere Fläche desselben überziehe 
und auf derselben erhärtend eine anschliessende Haut bilde. 
Das Abstreifen derselben geschieht immer in der Richtung 
der Spiralplatten d. h. von oben nach unten. Es war in der 
That nur mit dem grössten Staunen, dass ich den ersten An- 
blick dieser in Häutung begriffener Zoospermien hatte. Kennt 
man die Einschliessung von Samenmassen in eine harte Um- 
hüllung und deren endliches Freiwerden auch bei andern 
Thieren, so ist doch diese Umhüllung des einzelnen Zoo- 
sperms eine bisher in der Thierwelt einzig dastehende That- 
sache. 

Wie die Abwerfung der spiralen Hülle innerhalb der 
Samentasche vor sich geht, habe ich nicht beobachten kön- 
nen. Bringt man die Zoospermien in Wasser , so bleiben 
sie anfangs unbewegt; nach einiger Zeit aber fangen die 
freien Ränder der Spiralplatten eine heftige wellenförmige 
Bewegung an, welche von oben nach unten herum zu laufen 



Monographie der Ostracoden* Öd 

scheint. Nach einiger Zeit nimmt sie mehr und mehr ab, 
spielt zuletzt nur noch um den untersten Theil des Zoosperms 
und erlischt dann ganz. Eine Wiederkehr dieser Flimmer- 
bewegung habe ich nie an ein und demselben Zoosperm be- 
obachtet. Dagegen ist die Zeit zur Erregung der einzelnen 
Zoospermien eine sehr verschiedene. Bei der grossen Zahl 
von Zoospermien in derselben Samentasche ist es schwer zu 
controlliren, ob eins oder das andere derselben etwa über- 
haupt nicht wimpert, und wenn es uns auch so erscheint, 
sind wir wegen der verschiedenen Empfindlichkeit der ein- 
zelnen Körper doch oft Irrthümern ausgesetzt. Mir schei- 
nen diese undulirenden Spiralplatten das Werkzeug zu sein, 
womit die spirale Hülle abgeworfen wird. Es müssle wohl 
zu diesem Ende innerhalb der Samentasche eine langsamere 
ündulation fortwährend stattfinden. 

Die Spirale Hülle ist ein treues Bild der äusseren 
Oberfläche des Zoosperms und bleibt, wo die Spitze anfängt, 
oben offen. Sie bleibt in der Samentasche und findet sich dort 
bei älteren Weibchen massenhaft abgelagert. Es wird auf- 
fallen, dass während die Zoospermien selbsl, conchyliologisch 
gesprochen , rechts gewunden dargestellt sind , die spirale 
Hülle sich im entgegengesetzten Sinne dreht. Beides sind 
Copien meiner Zeichnungen nach der Natur und mir selbst 
war der Widerspruch auffallend. Nach langen Bemühungen, 
darüber in's Reine zu kommen , habe ich endlich die Ver- 
muthung bestätigt gefunden, dass die Zoospermien der beiden 
Körperhälften nicht congruent, sondern symmetrisch sind, 
dass die einen rechts-, die andern linksgewunden 
sind. Offenbar wird der Sinn ihrer Spiraldrehung dadurch 
bestimmt, in welchem Sinne sie sich an den Wänden der 
Hodenschläuche entlang ziehen und hier war mir die Sym- 
metrie längst aufgefallen. Ich kann jedoch nicht bestimmen, 
ob die Drehung nach der gleichnamigen oder entgegenge- 
setzten Seile hin stattfindet; ich sah nur die Zoospermien der 
isolirten Samenblasen eines Weibchens von C. acuminata, die 
einen rechts, die andern links gewunden. Will übrigens 
Jemand , wie es sehr wünschenswerlh wäre , an grösseren 
Species, vielleicht C. ornala oder C. pubera, diese Unter- 
suchung wiederholen y so hüte er sich sehr vor optischen 



56 ,>:Mi'8i Zenker: 

Täuschungen, die nur durch Auf- und Abbewegen des Mi- 
kroskops vermieden werden können. 

In der Gestalt gleichen diese Zoospermien , die wegen 
der Spiralplalten Niemand mehr für Spermatophoren halten 
wird, am meisten denen von Asellus , Gammarus , Porcellio 
etc. Bei diesen habe ich jedoch nie eine Spiralplalte ent- 
decken können. Die undulirende Bewegung dieser Platte ist 
in meiner Dissertation noch nicht erwähnt, ich wurde viel- 
mehr selbst erst durch meinen Freund Max Schnitze auf 
dieselbe aufmerksam gemacht, der, angeregt durch F. Czer- 
maks Beobachtung einer ähnlichen undulirenden Membran 
an den Zoospermien der Salamander und Tritonen , sie so- 
gleich erkannte, als wir einst gemeinsam unsere Thierchen 
beobachteten. 

Die ganze Entwickelung lässi sich am besten an den 
Zoospermien der C. Candida, C. acuminala und C. ornata 
ihrer grösseren Dicke wegen beobachten. Ich habe aber 
auch an denen der übrigen Cypriden alle obigen Angaben 
bestätigt gefunden. Wie aber die Befruchtung der Eier 
schliesslich vor sich gehe, wieviel Zoospermien auf ein Ei 
kommen und wie sie sich dort verhallen, darüber fehlen mir 
leider alle Beobachtungen. 

Die Zoospermien der Cytheren entwickeln sich etwa in 
derselben Weise , jedoch zu sehr abweichenden Gestalten. 
Bei Cyth. gibba (Taf. IV. Fig. 21) C0.040'" 1., 0,0007'" d.) 
erreichen sie die Gestalt der lelzten Stufe in der zweiten 
Periode und haben auch noch ausserhalb der Zelle eine ent- 
sprechende Umgestaltung; bei Cyth. viridis (Taf. IV. Fig. 20) 
d agegen gehen die Zoospermien nur als Miniaturbilder der 
reifen aus den Bildungszellen hervor und bleiben auf der 
ersten Stufe der zweiten Periode stehen. Sie haben eine 
banförmige Geissei (0,006'" 1., 0,002'" br., 0,0002'" d.) mit 
einem scharf abgeschnittenen, breiten Ende und einem spit- 
zeren , an welches sich unter einem rechten Winkel ein Slil 
(der Spitze des Cypridensamens entsprechend) heftet , der 
von wenig grösserer Länge (0,008'" lang, 0,0005'" breit, 



1) Zeilschr. f. wigsensch, Zool. Bd. II. Heft 2.. 



Monographie der Ostracoden. 57 

0,0002'" dick) und auch bandförmig ebenfalls Vjmal um seine 
Axe gedreht erscheint. 

Beide Formen von Zoospermien sind ganz und gar 
unbeweglich, sowohl im Männchen wie im Weibchen. Die 
Enlwickelung aus der Zellenform geschieht ganz ähnlich wie 
bei den Cypriden und wird erläutert in den Abbildungen 
(Taf. IV. Fig. 19. 20. 21). 



VIII. Entwickelung der Eier und Jungen. 

Die Eier wachsen im blinden Ende der Eierröhre aus 
den drüsigen Wänden hervor, sogleich versehen mit einem 
hellen scharf conlourirten Keimbläschen und einem deutlichen 
Keimfleck. Alle drei Bläschen sind unipolar , sodass der 
Keimfleck den Punkt bezeichnet , wo sich das Ei von der 
Wandung ablöst. Nach einiger Zeit erhält der Keimfleck 
ein körniges Ansehen (Taf. II. C. Fig. 1) , das sich von ihm 
aus auch bald dem Keimbläschen miltheilt (Fig. 2). Dann 
erst häuft sich der Dotter in grösserer Menge an, trübt sich 
und wird entweder weiss (Cythere, Cyprois^ Cypria), gelb 
(C. Candida, acuminata) oder roth (C. pubera, ornala). Als 
Product der Absonderung aus den drüsigen Wandungen des 
Eileilers bildet sich eine Haut um das Ei , die wie bei den 
Eiern der Spinnen viele hohle Räume enthält. Bringt man 
ein solches Ei in Wasser (Fig. 3), so quillt diese Haut be- 
deutend auf und die Hohlräume (6) füllen sich mit Wasser, 
bis endlich die Haut zerplatzt. 

Ueber das Verhalten des Eies und des Mutterthicres 
beim Eierlegen und über die folgende weitere Entwickelung 
im Eizustand vermag ich für die Cypriden keine eigenen Be- 
obachtungen anzuführen. Sie sollen ihre Eier an Wasser- 
pflanzen in grösserer Menge auf einmal ankleben und die 
Eihaut soll sich zur Schale umbilden. In Betrefi* der Cythe- 
ren dagegen habe ich Cyth. viridis , lebendige Jungen her- 
umtragend, gefunden. 

Die allerersten Anfänge der Körperbildung Hessen sich 
nicht wohl beobachten , dagegen zeigte sich bald (Taf. IV. 



96 r..(,. . Zenker: 

Fig. 16) eine Sonderung der Dottermasse in drei Theile, die 
verschiedenen Körpergegenden bezeichnend. Auch das Auge 
war schon durch eine kleine Pigmenlanhäufung (o) angedeu- 
tet. Als erste schon ausgeprägte Form fand ich einen Em- 
bryo (Fig. 17) mit zwei zarten Schalen, die hier allerdings 
als aus der Dollerhaut hervorgegangen erschienen , und mit 
einem braunen Auge (o) , dessen beide Hälften noch einen 
einzigen Körper ausmachten. Die Antennen des zweiten Paa- 
res waren schon fast völlig entwickelt (a) und traten zwi- 
schen den Schalen hervor, während sonst keine Gliedmassen 
zu erkennen waren. Dagegen waren in den obigen Abthei- 
lungen der Doltermasse der Mund (m) und der Darm (i) 
durch dunklere Stellen angedeutet. Ob die Antennen des 
ersten Paares nur verstekt oder überhaupt noch nicht vor- 
handen waren, blieb ungewiss. 

Bei der Geburt sind sie schon viel weiter entwickelt 
(Fig. 18). Sie sind länger geworden , das Auge (o) , der 
Schliessmuskel (spÄ), der Mund werden deutlicher. Von 
Gliedmassen sind die beiden Antennenpaare (a I, a II) und 
Kieferpaare (m\, m II) vorhanden. Das Abdomen selbst ist 
noch sehr unaus^ebildet und träfft statt Gliedmassen nur drei 
kleine Anhänge (p). Der Magen und der Geschlechtsapparat 
fehlen noch. Die Cytheren und daher wahrscheinlich die 
Oslracoden überhaupt entwickeln also von ihren Gliedmas- 
sen die vorderen früher als die hinteren und schliessen sich 
hierin den Cyclopiden und Branchiopoden an. Auch junge 
Cypriden habe ich übrigens gefunden mit sehr rudimentärem 
Abdomen und schon ziemlich ausgebildetem Thorax. 

Die weitere Entwickelung des bereits lebenden Thieres 
habe ich wiederum an den Cypriden besser beobachten kön- 
nen (Taf. II. C. Fig. 4). Allmählich bildet sich mehr und 
mehr das Abdomen aus, sowohl was die Gliedmassen betrifft, 
als die Geschlechtsapparate und das Volumen. Die hiemit 
in Verbindung stehenden Veränderungen in der Gestalt der 
Schalen haben wir schon oben angeführt. Bei den Thieren, 
deren drei Augen getrennt stehen , fängt bereits die Tren- 
nung an, die schnell bis zu ihrer normalen Weite vorschrei- 
tet. Bei der Geburt existiren derMagen und vielleicht auch 
die zahnarlige Mundbewaffnung noch nicht, doch habe ich 



Monographie 4w Ostracoden. ö9 

dieselben in den nächsten Altersstufen stets schon fertig aus- 
gebildet angetroffen. Die Leberschläuche entstehen ebenfalls 
schnell bei schon etwas grösseren Thicren und haben von 
vorn herein dieselbe feinere Structur, wie nachher. 

Wenn auch unvollkommen, Hess sich doch Einiges über 
die geschlechtliche Entwickelung erkennen. Die Eierröhre 
und der Samenschlauch entstehen zuerst, erstere verhältniss- 
mässig noch früher. Die zwei vorderen Hodenschläuche 
scheinen sich später zu entwickeln , als die vier hinteren, 
Aber ehe noch von irgend andern Geschlechtstheilen eine 
Spur vorhanden ist, sieht man die Eierröhre und Hoden durch 
die Schale schimmern. Die erstere producirt unreife Eier, 
die sich bei zunehmendem Alter immer mehr der Reife nä- 
hern; die letzteren Zoospermien im ersten und später im 
zweiten Stadium der zweiten Periode. Ob diese Producte 
auch ausgestossen werden, oder bis zur geschlechtlichen 
Reife im Inneren bleiben , ist zweifelhaft. Die Hoden ver- 
längeren sich durch Zuwachs in der Gegend zunächst dem 
Samenleiter. 

Die Samentaschen (Taf.H.J^. Fig. 4) und Schleimdrusen 
entstehen aus dem Canal, der sich beim weiblichen Ge- 
schlechle weil stärker, als beim männlichen in die Länge 
entwickelt. Eine drüsige Masse (c), deren Zellen gegen die 
Mitle gerichtet sind , nimmt ihn auf und liefert ihm wahr- 
scheinlich den StofF zurBildung seiner harten Wandung. Die 
Zellen sind gekernt und sondern ausserdem noch den gel- 
ben körnigen Stoff ab , dessen wir schon oben (S. 40) er- 
wähnten. Bald erkennt man innerhald dieser Drüse das stark 
lichtbrechende Knäuel der Canalwindungen (6), deren letztes 
Ende sich in die noch schlauchförmige Samentasche (a) er- 
weitert und mit einer 6— 8strahligen Narbe schliesst. 

Beim Männchen wird die drüsige Masse zur Bildung 
der Schleimdrüse verwandt. Ich habe dieselbe nur an Cy- 
prois monacha (Taf. 11. A. Fig. 2) beobachtet. Der innere Cy- 
linder (a, 6) tritt zuerst deutlich hervor mit seinen Chilin- 
ringen, aus denen nach und nach die Chitinstrahlen hervor- 
sprossen. Die Drüsenmasse (</) liegt rings herum und hat 
inwendig ein längsgestreiftes Ansehn (f), die Andeutung der 
späteren Chitinlängsstreifen. In dem innersten Cylinder l^e- 



ÖO • ' "'Zenker: 

merkt man (e) noch eine frei dort endende Haut , die an 
derNarbe (rf) befestigt ist. Sie deutet an, doss sicirder ur- 
sprungliche Canal nach innen umgestülpt hat und dass die 
Narbe die Stelle gewesen ist , bis zu welcher die Umstül- 
pung gekommen ist. Diese innere Hülle wird später auf- 
gelöst. 

Zu der Zeit, wo noch grosse Drüsenmassen den weib- 
lichen Samencanal umgaben, ist die Vagina nur eine Chitin- 
scheibe mit der Mündung des Canals. Verschwindet jedoch 
die Drüsenmasse mehr und mehr, so wachsen allmählich die 
Chitinbogen hervor, mittelst deren die Scheibe später regiert 
wird. Vom Penis habe ich leider niemals die erste Ent- 
wickelung beobachten können. Sie fällt in eine etwas frühere 
Zeit, als die der Schleimdrüse. 

Die allmählige Erhärtung der äusseren Chitinhaut durch 
strahlenförmige Stoffablagerung an die Zellenkerne habe ich 
schon oben (S. 16) erwähnt. 

Ich habe hier das Wenige und sehr Lückenhafte ge- 
geben , was ich über die Entwickelung der Ostracoden in- 
nerhalb und ausserhalb der Eischale beobachtet habe. Wie- 
viel Interessantes hier noch zu beobachten bleibt, wird je- 
der Kundige durchschauen. Sicherlich wird eine vollständige 
Verfolgung der Vorgänge von der Befruchtung der Eier an 
bis zur völligen Ausbildung des Thiers noch manche merk- 
würdige Aufklärungen zu geben im Stande sein. 



Zoologischer Theil. 

Eintheilung in Familien und Gattungen. 

Schon in der Einleitung (S. 3) haben wir die beiden 
grossen Abtheilungen genannt , in welche die Ostracoden 
sehr natürlich zerfallen. Die Cypriden oder Süsswasser- 
Ostracoden haben leichte Schalen, Schwimmfösse, drei Paar 
Kiefer , eng zusammengedrängte Augen und eine Schleim- 
drüse im männlichen Geschlechtsapparat. Die Cytheriden 
oder See-Ostracoden haben schwere Schalen, Klammerfüsse, 
zwei Paar Kiefer , weit entfernt stehende Augen und keine 



Monographie der Ostracoden. 61 

Schleimdrüse. Sollte Cypridina wirklich zwei zusammenge- 
setzte Augen haben , so würde noch eine dritte gleichste- 
hende Familie für die Cypridinen errichtet werden müssen. 
Ist dies aber nicht der Fall, so steht Cythere den übrigen 
lebenden und fossilen marinen Gattungen gar nicht so fern, 
wie man bisher meinte, da sich der aus der Augenstellung 
entnommene unterschied als irrlhümlich erwiesen ist. 

Unsere Artenkenntniss hat für die Cypriden vorzugs- 
weise 0. F. Müller begründet. Dieselbe wurde durch Ju- 
rine, Zaddach, Baird und Seb. Fischer erweitert. 
Die Cypriden sind meines Wissens nicht weiter in Gattungen 
zerfällt. Ich aber halte es für angemessen , nach durch- 
greifenden Vershiedenheiten des Körperbaus sie in zwei Gat- 
tungen Cypris und Cyprois zu zerfallen und in der erste- 
ren wieder die Untergattungen Cypris und Cypria zu unter- 
scheiden. Characterisirt wird Cyprois durch das weit ge- 
theilte Auge und die abweichend construirte Schleimdrüse 
des männlichen Geschlechtsapparats und enthält die Arten 
C. monacha Müll, und C. dispar Fisch. Die Untergatttung 
Cypria unterscheidet sich von den eigentlichen Cypris durch 
ein breiteres Auge , schlankere Gliedmassen mit längeren 
Haaren und daher durch grössere Munterkeit, durch sack- 
förmige Verlängerungen der Schleimdrüse , durch längere 
dünnere Zoospermien und dadurch, dass der Eierstock zwi- 
schen den Schalen zuerst nach unten statt nach oben her- 
umgebogen ist. Sie enthält die Arten: C. punctata, C. Jo- 
anna , C. vidua, C. semilunaris (?) und C. ovum. 

Die Cytheren könnten vielleicht nach der verschiede- 
nen Form ihrer Zoospermien in zwei Gattungen getrennt 
werden; dieser Character steht jedoch bis jetzt so vereinzelt 
da, dass wir vorziehen, erst zahlreichere anatomische Dar- 
stellungen der verschiedenen Arten abzuwarten. 

Familie der Cypriden. 

1. Critik der Speciescharactere. 
Ehe wir auf die Beschreibung der einzelnen Arten 
selbst eingehen , müssen wir zuvor einen Blick werfen auf 
die Art und Weise, in welcher die bisher aufgestellten un- 



6i2 Zenker: 

terschieden worden sind und auf die Resultate dieser Unler- 
scheidungsweise. 

Schon aus der bisher so oberflächlichen Kennlniss der 
Anatomie derCypriden lässt sich schliessen, dass bei Unter- 
scheidung der Arten auf die inneren Theile wenig Rücksicht 
genommen worden ist. In der That waren es seit jeher al- 
lein die Schalen, welche bei Speciesbestimmungen in Betracht 
gezogen wurden und deren Gestalt, Färbung und Oberfläche 
die Hauptkennzeichen abgaben. Die wenigen Angaben über 
das Auge sind natürlich unbestimmt, da erst Fischer eine 
auch noch unvollständige Beschreibung seines Baues gab. 
Dass Fischer die Gliedmassen als Charactere mit heran 
zieht, ist sehr verdient; doch leider kann man sich auch hier 
nur auf bedeutendere Unterschiede mit Sicherheit verlassen; 
denn nicht selten kommen bei zunehmendem Alter Verschmel- 
zungen von Gliedern und andre kleinere Veränderungen vor. 
Den Vorzug vor allen Gliedmassen verdient in dieser Bezieh- 
ung das dritte Kieferpaar des Männchens, durch welches al- 
lein fast schon alle Species sicher unterschieden werden 
können. 

Die UnZuverlässigkeit der Schalen als einzigen Cha- 
racters geht aus ihrer Natur hervor. Ihre Gestalt ist sehr 
veränderlich und daher die Unterscheidung: ob der unlere 
Rand nach unten gebogen, gerade oder nach oben einge- 
drückt sei, ob der obere Rand vorn oder hinten höher oder 
von gleichbleibender Höhe sei , ob die grösste Dicke hinten 
oder vorn oder in der Mitte liege: eine durchaus falsche. Bei 
erwachsenen Thieren sind die Schalen stets hinten höher 
und breiter als vorn ; bei jungen ohne Ausnahme umgekehrt. 
Dazwischen liegen nun die Entwickelungsslufen, die begreif- 
lich bald mit geradem, bald mit eingedrücktem Bauchrand 
erscheinen können, je nach Alter und Geschlecht. Die Ge- 
stalt der Schalen ist wohl an erwachsenen Thieren ein Kenn- 
zeichen , welches aber nicht der obigen Eintheilung unter- 
worfen werden kann. 

Die Farbe der Schalen ist auch veränderlich durch Nah- 
rung und Aufenthalt in farbstoff'reichen Gewässern, sie ist 
also nur mit Vorsicht brauchbar. Besonders sind geflieckle 
Schalen characteristisch : weniger die farbigen Bänder und 



Monographie der Ostracoden. 63 

Streifen, welche oft nur erzeugt sind durch innere hindurch 
schimmernde gefärbte Organe z. B. den Magen, die Leber 
und besonders den Eierstock. Männchen weichen daher we- 
senllich von den Weibchen derselben Art ab , ebenso ganz 
junge Thiere. Die Oberfläche der Schalen ist auch variabel. 
Bei der allmählichen Erhärtung der Schalen entsteht anf ih- 
nen das (S. 11) erwähnte Netzwerk und zugleich oft eine 
Art Furchung, welche beide zur Aufstellung der Arten C. 
striata J., C. reticulata Z. und C. tessellala F. veranlasst ha- 
ben. Auch die Behaarung wechselt einigermaassen mit dem 
Aller und nach der Individualität der Exemplare. Sicherer 
ist die Bestimmung, wenn die Schale punktirt ist oder der 
Rand Eigcnthiimlichkeiten darbietet. 

Im Allgemeinen sind die Schalen ein gutes Erken- 
nungszeichen, aber nicht Unterscheidungszeichen; 
letzteres nicht, weil bei einziger Rücksicht auf sie jede Spe- 
cies in eine ganze Reihe zerissen würde , wie dies leider 
nur zu vielfach geschehen ist. Es müssen daher neue Cha- 
raclere herangeschafft werden , so dass sie sich gegenseitig 
controlliren und diese können nur in der Beachtung der 
gesanimten Organisationsverhältnisse bestehen. Zuvörderst 
müssen die Exemplare , nach denen eine Species aufgestellt 
wird , geschlechtsreif sein und dann das Auge , die Glied- 
massen, die Leberschläuche, die männlichen und weiblichen 
inneren und äusseren Geschlechtsorgane und ihre Producte, 
endlich ihre Lebensweise und Eigenheiten nach allen Rich- 
tungen hin beachtet werden. Als sehr brauchbare Charac- 
tere empfehle ich besonders das dritte Kieferpaar des Männ- 
chens, die zweite Antenne, die Schleimdrüse des männlichen 
Geschlechtsapparals, die sowohl für die geschlechtliche Reife 
des Exemplars Gewähr leistet, als auch bei ihrer complicir- 
ten Organisation sehr in die Augen fallende Unterschiede 
darbietet; endlich die Ansalzslellen des Schalenschliessmus- 
kels, besonders auch für fossile Arten anwendbar, die aber 
in den Abbildungen von Baird und Fischer nur ungenau 
dargestellt sind. Arten, bei deren Characteristik diese An- 
gaben unterlassen werden, sind, wenn nicht gerade die Schale 
sehr ausgezeichnete Merkmale darbietet , durchaus nicht als 
festgestellt zu betrachten. 



64 Zenker: 

Man wird mich tadeln, dass ich so frisch weg die bis- 
her angewandten Characlere verwerfe und die darauf ge- 
gründeten Arten verdächtige. Bei aller Hochachtung für die 
Autoren derselben muss ich dennoch darauf bestehen, dass, 
so lange nicht völlig geschlechtsreife Exemplare und diese 
nach allen Seiten hin anatomisch genau dargestellt werden, 
ein andrer Forscher sich nur selten mit Sicherheit auf die 
aufgestellte Species beziehen kann. Auch bin ich nicht der 
Erste, der diese Unzuverlässigkeit gefühlt hat. Fischer 
klagt ebenfalls mit Recht über die Unklarheit, welche in der 
Synonymie der Entomostraceen herrsche. Auch Fischer 
sieht sich veranlasst , auf die Anatomie näher einzugehen 
und wenn ihm irriger physiologischer Auffassung halber man- 
cher Fehler aufzuweisen ist, so ist es eben die Aufgabe der 
Wissenschaft, diese Fehler ferner zu vermeiden, auf dem sonst 
richtigen Wege aber fortzuschreiten. Möge mir dies zur 
Entschuldigung dienen , wenn ich bei dem Versuch, etwas 
aufzuräumen, hie und da Fehlgriffe thue, und wenn ich viel- 
leicht die grosse Zahl der unterschiedenen Arten auf 
eine allzu geringe Zahl vorhandener Arten zurückführe. 
Die noch lebenden Forscher werden mit leichler Mühe et- 
waige Irrthümer meinerseits zurückweisen und die von ih- 
nen aufgestellten Arten in ihr von mir bestrittenes Recht 
wiedereinsetzen können, wenn sie dieselben auch durch 
anatomische Merkmale als besondere Arten rechtfertigen. Im 
Geiste der Wissenschaft mögen sie daher meine darauf be- 
züglichen Betrachtungen auffassen. 



2. Critik der bisher unterschiedenen Arten. 

Bei der Durchsicht der bisher unterschiedenen Arten 
beginnen wir bei 0. F. Müller, als dem Begründer un- 
serer Kenntnisse. Seine Arten sind : 

C. detecta, C. ornata, C. laevis , C. fasciata, C. stri- 
gata (a u. b) C. vidua, C.pubera, C. pilosa, C, monacha, C. 
crassa, C. Candida. 

Die C. laevis wird im Text als puncti magnitudine be- 
zeichnet und bei der kleinen C. vidua heisst es: Paulo maior 
Cypre laevi. Dagegen ist sie nach der lebensgrosscn Abbil- 



Monographie der Ostracoden. 65 

dung gar nicht so klein und grösser als C. vidua. Nach der 
Grössenangabe des Textes und der Gestalt Hesse sich anMon. 
Ovum Jur. denken; doch dem widerspricht die grüne Farbe 
der Schale wieder. Jedenfalls ist die Species zweifelhaft, 
um so mehr, daMüller selbst zweifelte, ob sie nicht mit der 
braunen C. pilosa identisch sei. 

C. pubera ist offenbar noch jung; man sieht es an ih- 
rem niedrigen Hintertheil. Wir finden diese grosse grün- 
schalige Cypris bei Jur ine wieder als Mon. ovatus J. und 
Mon. puber. M. ; bei Baird als C. gibbosa B. und G. pubera 
M. ; bei Zaddach als C. pubera M. und C. ovata J. ; bei 
Fischer als C. pubera M. , ausserdem noch ihre jüngeren 
Entwickelungsformen als Mon. striatus bei Jurine; als C. 
striata, C. reticulata und G. insignis bei Zaddach; als G. 
VVestwoodii und G. strigala bei Baird und als G. tessellala 
bei Fischer. Schliesslich erwähne ich noch, dass ich die- 
selbe im Greifswalder zoologischen Museum unter dem sehr 
passenden Namen G. armata Grepl. aufgestellt fand , wel- 
cher sich auf eine von Greplin zuerst bemerkte, von Fi- 
scher ebenfalls angeführte zahnartige Bewaffnung des hin- 
tern Schalenrandes bezieht. Auch hat Zaddach wohl 
Recht, wenn er C. slrigata M. mit Mon. unifasciatus J. pa- 
rallclisirt, wenigstens Müllers variatio secunda Tab. VI. 
Fig. 3. 4. 

Auch die G. ornata M. finden wir unter vielen Benen- 
nungen. Zuerst als Mon. onialus J., dann als G. ornata und 
G. Jurinii bei Zaddach und Fischer, und als G. clavata 
bei Baird. Da Müller seine G. ornata l'/^'^Iang angiebt, 
so müssen die von Zaddach und Fischer verglichenen 
Thiere von 0,92"' und V?'" Länge jüngere sein und sind so 
die Abweichungen erklärlich. So scheinen G. ornata und 
G. Jurinii als verschiedene Altersstufen derselben Species 
anzugehören , da durchaus keine wesentlichen Unterschiede 
bisher angeführt worden sind. Als noch jüngere Entwicke- 
lungsstufen gehören wahrscheinlich dahin : G. fasciala M. und 
vielleicht auch G. crassa M; Mon. virens J., Mon. villosusJ. ; 
G. reptans B.; G. flava Z. ; G. dromedaria F. (crassa M. ?) und 
C. hirsuta F. 

Was die G. detecta M. betrifft, so bildet Fischer als 

Archiv f. Naturgcsch. XX. Jahrg. Bd. 1. 5 



66 Zenker: 

Synonym unter dem Namen C. fabaeformis das Männchen 
ab, zu welcher seine Specics C. acuminala als Weibchen ge- 
hört. Da letzterer Name nun so ausserordentlich bezeich- 
nend ist und die dazu gehörige Abbildung so gut , so stehe 
ich nicht an , diese drei Benennungen als C. acuminala F. 
zusammenzufassen. Der Jurine'sche Monocle blanc-Iisse, 
(Mon. conchaceus L. als Synonym von C. detecta M.) stimmt 
mit seiner ^Via'" Länge dazu freilich wenig und scheint 
auch anderswohin, dagegen die C. elongata vonßaird hie- 
her zu gehören. 

Die C. Candida M. kommt nur als C. pigra und C. pel- 
lucida bei Fischer vor. 

C. monacha und C. vidua sind characteristische Formen. 

Gehen wir nun zu Jurine, so finden wir schon viele 
seiner Arten besprochen: Mon. ornatus, Mon. ovalus , Mon. 
puber, Mon. monachus, Mon. virens, Mon. vidua, Mon. can- 
didus , Mon. unifascialus, Mon. striatus, Mon. villosus. Es 
bleiben mithin noch : 

Mon. conchaceus, Mon. ruber, Mo7i. aurantius, Mon. 
fuscaius, Mon. piinctatuSf Mon. unifasciatus, Mon. bistrigatus, 
Mon. ophthalmicus, Moii. ovum. 

Der Name Mon. conchaceus L. ist von sehr zweifel- 
hafter Synonymie und grosser Unbestimmtheit. Müller 
bezeichnet seine C. pubera als Mon. conchaceus L. 

Mon. ruber und Mon. aurantius halte ich für identisch. 
Die dargestellten sind allesammt, nach ihrer Gestalt zu urlhei- 
len, noch nicht völlig geschlechtsreif, auch nicht das in pl. 
XVIII. Fig. 12.; doch muss man wohl die Art anerkennen, 

Mon. fuscatus ist noch sehr jung; ich selbst habe diese 
Art einigemal, aber auch nur jung gefunden. Sie ist wahr- 
scheinlich die C. fusca von Strauss und die G. fusca F., 
welche letztere freilich von Fischer mit Mon. conchaceus 
J. und Mon. ruber J. parallelisirt wird. Vielleicht gehört 
auch Mon. unifasciatus J. hierhier. 

Mon. punctatus J. ist eine schöne und sehr häufige Spe- 
cies, welche B a i r d als C. compressa, Z a d d a c h , wie mir 
scheint, als C. auranlia J. und Fischer als C. elegantula 
aufi'ührt. 



Monographie der Ostracoden. ^7 

Mon. bislrigatus und Mon. ophthalmicus sind offenbar 
junge Thiere; welcher Species sie jedoch angehören, lässt 
sich nicht mit Sicherheit sagen. 

Mon. Ovum ist eine sehr häufige schöne Art, welche 
Zaddach als C. vulgaris, Baird als C. minuta, Fischer 
als C. panlherina wieder vorbringen. Jurine giebt ihre 
Grösse auf 0,16'" an, Zaddach auf 0,22'" und Fischer 
auf V/"— 72'", was jedenfalls eine sehr unbestimmte Schät- 
zung ist. 

BeiBaird haben wir folgende Arten schon besprochen: 
C. pubera M., C. delecla M., C. strigala M., C. vidua M., C. 
monacha M., C. Candida M., C. fusca Str., C. reptans B., C. 
compressa B., C. minuta B. , C. elongata B. , C. Westwoodii 
B., C. gibbosa B., C. clavata B. Es bleiben noch: C. hispida 
ß. und C. Joanna ß. 

Cypris hispida ist sicherlich ein junges Thier , seine 
Species jedoch nicht zu bestimmen. C. Joanna scheint mir 
identisch mit C. rubida Z. und C. sculigera F. und allerdings 
eine eigene Species zu sein, für die der Baird'sche Name 
seine Geltung behalten muss. 

Bei Zaddach finden sich ausser den schon erwähn- 
ten : C. insignis Z. , C. monacha M. , C. fuscata J., G. striata 
J., C. ornata M., C. pubera M., C. reliculata Z., C. fasciata 
M., C. vidua M. , C. virens J. , G. vulgaris Z., G. pilosa M., 
C, Jurinii Z. , G. ornata J., G. bislrigata J. , G. rubida Z. , G. 
aurantia J. , G. Candida M. : noch die folgenden Arten auf- 
geführt: 

G. flava Z. , G. incana Z. , welche beides junge Thiere 
sind, da ihre „Pars antica allior quam postica." Zu welcher 
Species sie gehören kann ich nicht angeben , doch deutet 
ihre Grösse 0,65'" und 0,56"' darauf hin, dass sie zu einer 
der grösseren Species G. pubera , ornata , fuscata oder au- 
rantia gehören. 

Bei F i s c h e r finden wir schon erwähnt : G. fabaeformis 
F., G. monacha M., C. acuminata F., G. pellucida F., G. fas- 
ciata M. , G. Jurinii Z., G. dromedarius F., G. pubera M. , G. 
fusca Str., G. ornata M, , G. pigra F., G. tessellata F., G. 
hirsuta F., C. elegantula F., G. vidua M., G. scutigera F., C. 



68 Zenker: 

panlherina F. Es bleiben noch : C. dispar F. , C. compressa 
Koch , C. pellucida Koch, C. biplicala Koch, C. affinis F., C. 
semihinaris F. 

C. dispar ist offenbar eine gute Species , die mit C. 
monacha zusammen in die Galt. Cyprois geliört. Wenigstens 
deutet die gleiche Bildung der Schleimdrüse und des Penis 
auf diese Verwandtschaft hin. 

C. compressa erscheint als das Männchen von C. 
Candida. 

C. affinis hat zuviel Aehnlichkeit mit C. hirsula als 
dass sie nicht bloss eine andere Allerstufe derselben Art 
sein sollte. 

C. semilunaris ist offenbar jung, kann jedoch vielleicht 
eine eigne Species bilden. 

Darnach ') erhielten wir die ganze Artenreihe reducirt 
auf folgende: 



1) Erst nach Bearbeitung der von den obigen Autoren aufge- 
führten Speciesreihen gelang es mir, mir Ko c h's „Crustaceen, Myria- 
poden und Arachniden Deutschlands« zu verschaffen. Ich halte es 
nicht für unangemessen, die Leistungen dieses Werkes für die klei- 
neren Crustaceen hier überhaupt zu characterisiren. Von Cyclopiden, 
Daphnoiden und Cypriden werden darin zahlreiche neue Arten auf- 
gestellt, die jedoch wegen des Mangels haltbarer Charactere gros- 
sentheils als völlig werthlos erscheinen. Hrn. Koch gelingt es z.B., 
der C. monacha, die noch gar kein Synonym besass , deren gleich 4 
zu verschaffen. Die hervorgehobenen Charactere bezeichnen weit 
sicherer das Alter, den Sältigungszusland und die geschlechtliche 
Thätigkeit des Thieres, als seine Species. Ich will hier versuchen, 
die aufgestellten Arten von kleineren Crustaceen auf ihre richtigen 
Kamen zurückzuführen, wobei ich mich jedoch über die Eintheilung 
des Cyclops quadricornis M. in die Species Cyclops dentatus, bistria- 
tu5, signatus, vulgaris, pictus, phaleratus, lucidulus, annulicornis, 
quadricornis, agilis, pulchellus, obsoletus jedes näher eingehenden 
Urtheils enthalte. 

a) Cyclopiden. 

Doris minula = Cyclopsine staphylinus J. 

Glaucea rubens = Cyclopsine Castor J. Männchen und Weibchen. 

— hyalina =: C. Castor fem. ohne Spermatophoren. 

T— coerulea, caesia, ovata ;= C* castor mit Spermatophoren. 



Monographie der Ostracoden. 69 

C. pubera M., C. ornala M., C. fuscala J. ; C. auranlia J., 
G. acuminata F., C. Candida M.; C. punctata J.^ C. Joanna B., 
C. vidua M. , C. semilunaris F., C. ovum J. ; C. monacha M., 
C. dispar F.; in Summa 13 Species , 11 von Cypris, 2 von 
Cyprois. Hiervon sind mir vorgekommen C. pubera, C. ornala, 
C. fuscala, C. acuminata, C. Candida, C. punctata, C. Joanna, 
C. Ovum, C. vidua, C. monacha; geschlechtsreif: C. ornala, 
C. acuminata, C. Candida, C. punctata, C. Joanna, C. ovum, 
C. monacha. Wenn bei den übrigen meine Characterislik 



b) Daphnoiden. 

D. pulex, ephippiata, media, longispina, ramosa = D. pulex M. 
D. exspinosa, sima, congener, serrulata (?j = D. sima M. 
D. quadrangula , mucronata, ventricosa , angulosa = D. quadran- 
gula J. 

Die Arten Eunica longirostris, Pasithea rectirostris und gibba, 
Lynceus lamellalus, truncalus, trigonellus, spliaericus, quadrangularis 
haben ihre Richligkeit. Lync. leucocephalus und rostralus sind Lync. 
strialus J. und L. macrurus M. ; Daphnia bispinosa ist Jurine's D. 
mucronata. Folyphemus oculus M. ist als Scalicerus pediculus auf- 
geführt. Bei Limnadia Hermanni ist zu bemerken , dass das darge- 
stellte Exemplar , nach den Klauen des ersten Fusspaares und des 
Schwanzes zu urtheilen, wahrscheinlich ein Männchen ist. 

c) Cypri den. 

Es sind 28 Species. Ich setze: 

C. pubera M. = C. villosa. 

C. ornata M. = C. tricincta, parabolica, lutaria. 

C. fuscata J. = C. conchacea. 

C. aurantia J. = C. lucida. 

C. Candida M. = C. pellucida, pubescens, compressa. 

C. punctata J. = C. punctata. 

C. Joanna B. = C. serena. 

C. ovum J. = G. ophthalma, fuscata, brunnea, lepidula. 

C. vidua M. = C. maculata, laevis. 

C. monacha M. = C. variabilis, leucomela, bimuricata, nubilosa, mo- 
nacha. 
Ganz junge Thiere sind C. adusta , biplicata , galbinea , gibbe- 

Tula, strigata. 



70 Zenker: 

lückenhaft bleibt, so kann diese später ergänzt werden, da 
das äussere Ansehn der meisten andern Formen sehr kennt- 
lich ist. 

Es ist übrigens sehr wahrscheinlich , dass ich manche 
von den als Art aufgestellten Jugendformen zu einer falschen 
Allersform gezählt habe und dass somit ein grosser Theil 
der Synonyma für meine nachfolgenden Species unsicher ist. 
Irrthümer können bei so ungenau bestimmten Formen sehr 
leicht vorkommen; ich hielt es aber für gut, meine An- 
sicht über die Zusammengehörigkeit der Formen bestimmt 
und möglichst ausführlich darzustellen. Wegen der Belege 
für dieselben muss ich den geneigten Leser auf die Charac- 
teristiken der Species durch die erwähnten Autoren selbst 
verweisen. 



3. Oatt. Cypris. 

Untergattung C y p r i s. 

1) C. puher Müll. 

Synonyma. 

C. pubera M., J., B., Z., F., 1,0"'— 1,2'"; Mon. ovatns 
J. 1,0'"; C. gibbosa B. 1,0"'; C. Westwoodii ß. 0,8'"; C. 
strigata M. ; C. insignis Z. 0,5"'; C. retkulata Z. 0,4'"; C, 
tessellata F. Va— 'A'": Mon. striatus J. 0,35'". 

Die Abbildungen der C. pubera bei Müller und Fi- 
scher sowie des Mon. ovatus bei Jurine sind characteri- 
stisch genug, um darnach die Species zu erkennen. Fi- 
scher hat zuerst auf die zahnartige Bewaffnung der Scha- 
lenränder, besonders des hinteren aufmerksam gemacht, wor- 
auf schon früher Hr. Dr. Creplin in Greifswald den Na- 
men C. armala gründete. Ich habe ihn nicht unter den 
Synonymen aufgeführt , weil seiner nirgends öffentlich er- 
wähnt ist. 

Die C. pubera fand ich im Frühjahr 1851 bei Greifs- 
wald in einzelnen Gräben , die im Sommer austrockneten. 
Ich fand Siö in allen Altersstufen und in grosser Menge; nur 



Monographie dev Oslracoden. 7't 

geschlechtsreife Individuen habe ich nie gesehen und finde 
sie auch nirgends beschrieben oder abgebildet. Die gross- 
ten Thiere , deren Schalenrücken hinten so hoch war wie 
vorn, halten wohl Eier, aber stets eine noch ungefüllte Sa- 
menblase. Niemals traf ich Thiere, die auch nur erst Ru- 
dimente von Hodenschläuchen gezeigt hätten, vermulhe da- 
her, dass die Männchen verhältnissmässig sehr selten sind 
und zur Befruchtung einer grossen Zahl von Weibchen 
ausreichen. An Hermaphrodilismus ist aber gar nicht zu 
denken. 

Die C. pubera ist die grösste von allen bekannten Ar- 
ten. Sie erreicht über 1,25'" Länge und ist etwa 1,0'" hoch 
und 0,7'" dick. Die Schale ist eiförmig, von grüner Farbe 
und ziemlich stark behaart , der Rand mit knopfähnlichen 
Höckern und in der hinteren Ecke mit zahnarliger Bewaff- 
nung versehen. Durch die Schale hindurch erblickt man den 
Eierstock mit den rothcn Eiern, von vorn oben nach hinten 
unten streichend , neben und vor ihm einen Leberschlauch 
von gelblicher Farbe. Das Auge ist klein und schmal und 
hat schwarzes Pigment. Die Gliedmassen stimmen mit de- 
nen der C. Candida im Allgemeinen überein , nur trägt das 
dritte Glied der zweiten Antenne an der vorderen Seile acht 
steife Ruderborsten , etwa von der Länge der Borsten an 
der ersten Antenne. 

Die Entwickelung der Schalen aus zelligen Häuten lässt 
sich hier schöner wie bei andern Arten verfolgen. Die Zel- 
len gruppiren sich zuerst reihenweise zu muschelähnlichen 
Anwachsstreifen (Mon. striatus J,, Z. ) , dann verschwinden 
diese und die abgelagerten Chitin - und Kalktheilc bilden 
statt der Zellen ein maschiges Netzwerk (C. reticulata Z., C. 
lessellataFO, allmählich verwischt sich auch dieses, ist aber 
noch bei ziemlich grossen Thiercn kenntlich. Während bei 
den jüngsten Thieren der Abdominallheil der Schale noch 
gar nicht vorhanden ist, so zeigt sich nun das niedrige Hin- 
tertheil sehr deutlich , es entwickeln sich Diagonalstreifen 
der Schale und wir haben C. slrigata M., C. insignis Z. , C. 
Westwoodii B. In diesem Zustande sind die Thiere noch 
sehr beweglich und munter, bald aber hält ihre Kraftzunahme 
nicht mehr gleichen Schritt mit ihrer Gewichtszunahme , da 



72 Zenker: 

sich besonders der Eierstock jetzt in grösserer Kraft ent- 
wickelt. Dann werden sie träge und halten sich mehr am 
Boden des Glases auf. Sie sind sehr gefrässig und vernich- 
teten bald alle übrigen Thiere im Graben , sodass sie durch 
den nachher eintretenden Mangel anlNahrungsmilteln zu Grunde 
gingen. 

2) C. ornata Müll. 

Synonyma. 
C. ornata M. 1,25'"; C. clavaia B. 1,6'"; C. Jnnnü 
Z. 1,25'"; C. ornata Z. 0,93'"; C. reptans B. 1,0'"; CJu^ 
rinii F. 2^^3—1'"; C. ornata F. V*— y?'"; Man. virens J. 
0,92'"; Eon. villosus J.; C.fasciata M. 0.7'"; C. crassa M.; 
C. flava Z. 0,65'"; C. dromedaria F. %'"; C.fasciata F. Va 
— Yj,'"; C.hirsuta F. Va — V,'". 

Diese schöne Art ist neben der vorigen die grösste 
unter unsern einheimischen Cypriden. Ihre Schalen sind län- 
ger und niedriger als die der vorigen Art und haben nur 
die knopfähnlichen Höcker, nicht die Zahnfortsätze. Sie zei- 
gen eine eigenlhümlich schöne roth und gelbe Zeichnung 
auf dem Rücken, von dem aus mehrere Bänder sich nach 
vorn und hinten über die Seiten fortsetzen. Die Färbung 
des Rückens rührt von dem Magen und den rolhcn Eiern 
her. Die Bänder bezeichnen einestheils die Lage des Eier- 
stocks und Leberschlauchs, anderntheis den freien Raum, in 
dem sich die Antennen bewegen. An den Rändern dieser 
Bezirke ist die Bildung des grünen Farbstoffs in den Zellen 
der mittleren Schalenhaut vorzüglich gross und erscheinen 
diese daher im schönen Gegensatz gegen die Bänder lebhaft 
grün , während die übrige Schale eine mattere Färbung be- 
hält. Solche Verhältnisse sind einer gewissen Veränderlich- 
keit, je nach Alter, Aufenthalt und Individualität unterworfen 
und können daher Verschiedenheiten in dieser Zeichnung 
keinen sicheren Anhalt gewähren für die Zertheilung der 
Art in zwei Species, G. ornata und C. Jurinii. 

Die Behaarung der Schalen ist bei Weitem geringer als 
bei C. pubera , die Erhärtung derselben bietet dieselben Er- 
scheinungen dar. Es lässt sich daher nicht immer bestimmt 



Monographie der Oslracoden. 73 

ang^ebcn, ob eine als besondre Species aufgeführte Jugend- 
form zu C. ornata oder C. pubera oder auch zu andern nahe 
stehenden Arten gehört. Die mehr längliche Gestalt und 
die deutlichere Zeichnung auf blasserem Grunde der Schale 
von C. ornata geben allein dabei einen Fingerzeig. Andre 
Unterscheidungszeichen fehlen bei jungen Thieren völlig, da 
Auge und Gliedmassen in beiden Species fast ganz gleich 
gestaltet sind. Diese sind durch Fischer dargestellt und 
zeichnen sich dadurch aus, dass die Klauen mit kurzen Häär- 
chen besetzt sind. 

Die C. ornata habe ich öfters bei Greifswald zahlreich 
gefunden, sparsam auch im Berliner Thiergarten. Geschlechls- 
reif fand ich nur ein Exemplar imDecember 1850, ein Weib- 
chen mit völlig gefüllter Samenblase. Leider unlerliess ich 
es, in der Hoffnung auf zahlreicheren Fund, die vvünschens- 
werthcn Zeichnungen und Messungen an den Zoospermien 
zu machen. Sie hatten ganz die Gestalt derer von C. acu- 
minata, nur grössere Dimensionen und zeigten das Schwin- 
gen der Spiralplalten schöner , als ich es je wieder gese- 
hen habe. 

3) C. fuscata Jur. 

Syno nyma. 

31o7i fuscafus J. 0,65'"; Mon. conchaceusJ. (?) 1,1'"; 
C. ßisca Strauss 0,8'"; Mon. unifasciatus 0,33"'. 

Ich habe diese Art nur in jungen Exemplaren gefun- 
den wie Jurine und Strauss. Sie ist kleiner als die 
vorigen Arten , hoch, eiförmig und entschieden braun. Der 
Eierstock ist roth. Leberschläuche sind vorhanden. Das 
Auge ist schwarz und, glaube ich, grösser als in den vori- 
gen Arten. Ich fand sie im Frühling und Sommer. 

4) C. aurantia Jur. 

Diese Species nehme ich nur nach Jur ine's Abbildung 
und verweise auf dessen Characterislik. Ich weiss nicht, 
ob eine ähnliche Form von 0,70'" Länge, die ich in Was- 
serfässern geschlechtlich unausgebildel fand , etwa hieher 
gehört. 



74 Zenker: 

5) C. acuminata Fisch. (Taf. II. D.) 
Synonyma. 

C. detecta M.; C. eJongata B. 0,8'"; C. fabaeformis F. 

Vs— V2'"i <^- acuminata F. J^— V4'". 

Die Characlere , welche diese Species auszeichnen, 
wurden zuerst von Fischer erkannt. Sie bestehen in ei- 
nem Paar rückwärts gerichteter starker Stacheln, die neben 
der Geschlechtsöffnung des Weibchens entspringen , in der 
starken Krümmunng desSchAvanzes, der zwischen ihnen hin- 
durchreicht und (Fig. 1. c) in der Zuspitzung des hinteren 
Schalentheils zur Aufnahme des an seinem Blindende erwei- 
terten Eierstocks. 

Diese Charactere sind sehr entschieden , aber leider 
nicht constant; vielmehr ist die ganze Species eine Reihe 
zusammengefügter Varietäten. In einem Exemplare, wo die 
obigen Charactere (Fig. 5) recht entschieden hervortraten, 
fand sich auch noch die Schale, da wo sie den erweiterten 
Eierstock bedeckte, eigenthüinlich verändert, indem sie dort 
einer länglichen Schuppe (Fig. 6) mit Längsstreifen und 
Randspitzen glich. In andern längst geschlechtsreifen Exem- 
plaren (Fig. 3 u. 4) hingegen findet man die Abdominalsta- 
chel klein, sogar rudimentär, den Schwanz entsprechend 
weniger gebogen, den hinteren Schalenrand mehr und mehr 
abgerundet und den Eierstock, der zwar schon eine Erwei- 
terung hat, noch mit seinem blinden Ende nach oben umge- 
bogen. 

Schwerlich sind diese Abweichungen durch das Le- 
bensalter bedingt, da sie an schon längst geschlechtsreifen 
Exemplaren beobachtet wurden und da in einem Fundort 
meist nur ein und dieselbe Form sich vorfindet. Man muss 
sie vielmehr als Racenunterschiede ansehen und findet dann 
eine Reihe, die von der Form der nahe verwandten C. Can- 
dida ausgehend, sich in mehr und mehr abweichende For- 
men endet. Als Schlussform ist einstweilen die zu betrach- 
ten, die ausser den von Fischer aufgestellten Characteren 
noch die schildähnliche Schuppe über dem Eierstock halte. 



Monographie der Ostracoden. 75 

Die Männchen haben im Allgemeinen eine mehr abgerundete 
Schale. Sie haben statt der Stacheln das Begallungsglied und 
statt des Eierstocks die vier Hoden, die sich stets nach oben 
umbiegen. Obgleich also jeder Grund einer Zuspitzung des 
Abdomens fehlt, so findet sich dieselbe bisweilen dennoch 
vor, wenn auch gering, wahrscheinlich durch blosse Verlän- 
gerung des Abdomens selbst veranlasst. In den meisten 
Fällen dagegen wird man den hinteren Schalenrand des Männ- 
chens rund und hoch finden, wie in der von Fischer als 
C. fabaeformis dargestellten Form. Von einem Päärchen, 
das ich aus der Begattung nahm, gehörte das Männchen der 
Form (Taf. I. Fig. 23) von C. fabaeformis F., das Weibchen 
der typischen von C. acurainala F. an. 

Der Unterschied der Varietäten zeigt sich bei den Männ- 
chen nur in den verschiedenen Grössenverhältnissen, und 
dieser tritt — höchst auffällig! — sogar in der Grösse der 
Zoospermien hervor. Bei den entschiedensten Formen der 
C. acuminata , die zugleich auch die grössten sind , finden 
sich in der Samenblase des Weibchens grössere Zoosper- 
mien als bei den kleineren Formen, die sich mehr der C. 
Candida nähern. Sie variiren zwischen 0,320'" und 0,280"' 
Länge und zwar so, dass dieselben schon in den erzeugen- 
den Männchen von verschiedener Grösse gewesen sein müs* 
sen. Sei es nun unmöglich , oder nur ungewöhnlich, dass 
sich Männchen und Weibchen von verschiedenen Varietäten 
begatten; ich habe in den Weibchen stets die ihrer Gestalt 
und Grösse entsprechenden Zoospermien wiedergefunden. 
Können aber überhaupt Racenverschiedenheiten die Gestalt 
der Zoospermien verändern, so kommt es nur auf die Grösse 
der Racenunterschiede an, welchen Grad von Veränderung 
die Zoospermien erleiden. Dieser Grad könnte mithin sogar 
ein so hoher werden, dass die Zoospermien endlich ihre 
normale zeugende Kraft für andre Racen ganz und gar ein- 
büssten und nur eine Zeugung unfruchtbarer Bastarde übrig 
bliebe. Mit einem Wort: der Speciesbegriff, der sich vor- 
zugsweise auf Idenliiät der wesentlichen Zeugungsorgane 
gründet, wird erschüttert, da sich zeigt, dass schon zwischen 
Racen eine Verschiedenheit dieser Organe hervortritt, eine 
Verschiedenheit j die also durch künstliche oder natürliche 



76 Zenker: 

Einflüsse bis auf einen nicht wohl bestimmbaren Grad ge- 
trieben werden kann. 

Dennoch glaube ich , dass man die C. acuminata nicht 
zu eng mit C. Candida verbinden darf; denn es besteht zwi- 
schen ihnen, besonders auch in den Grössenverhältnissen, 
immer noch eine bedeutende Lücke. Die inneren und äus- 
seren Organe stimmen zwar völlig überein, und finden bei 
der C. Candida ihre Erwähnung. 

6) C, Candida Müll. 

Synony ma. 
C. Candida M. 0,5'"; C. compressa , C. pellucida , C. 
puhescensK. (c. 0,5'"); C- pellucida F. V's— 72'"; C. pigra 
F. y^'"; C. compressa F. V5 — Va'". 

Die Verwandtschaft dieser Art mit der vorigen ist sehr 
gross. Sie hat mit ihr den Vorzug grösserer Durchsichtig- 
keit, die sogar die innersten Geschlechlsapparate schon von 
aussen erkennen lässt, ein Umstand der zur Unterscheidung 
der Geschlechter von grossem Nulzen ist. Der Rand ihrer 
Schalen ist nicht bewaffnet wie von G. pubera und ornata. 
Ihre Gliedmassen sind sehr hell und durchsichtig. Der 
Schwanz ist ziemlich gerade. Die Ruderborslen der ersten 
Antenne sind im Verhältniss zum Körper des Thieres kurz, 
an der zweiten Antenne fehlen sie ganz. Sie leben daher auch 
mehr am Boden des Gefässes oder klimmen an den Wänden 
und Gewächsen empor. Das dritte Kieferpaar des Männchens 
sowie die Eindrücke des Schalenschliessmuskels gleichen de- 
nen bei C. acuminata , von der sie (II. D, Fig. 1. m u. 2) 
dargestellt sind. Ebenso die Leber, die hier nicht aus zwei 
langen Schläuchen, sondern aus vielen flockigen Anhängen 
von lebhaft gelber Farbe besteht. Das Auge enthält auch 
gelbes Pigment, ist klein und gedrängt, aber sehr glänzend. 
Die Eier haben einen gelben Dotter, der Eierstock endet mit 
einer Umbiegung nach oben. Der Canal zur Samcnblase ist 
kurz und bildet kein Knäuel. DieZoospermien sind verhält- 
nissmässig kurz und dick , in beiden Species nur durch 
Grösse verschieden , sehr geeignet zur Beobachtung der 
schwingenden Spiralplalten. Die Schleimdrüse ist von der 



Monographie der Oslracoden. 77 

einfachsten Conslruclion (Taf. VI. Fig. 2), ohne Helmansälze 
oder sternförmige Narben, in beiden Species nur verschieden 
gross. Der Auslührungscanal ist kurz und fast gestreckt. 
Das Begattungsglied , auch in beiden Arten von demselben 
Bau, ist (Taf. VJ. Fig. 1) dargestellt. Die Behaarung der Scha- 
len variirt einigermassen und sind desshalb mehrere unhalt- 
bare Species entstanden. Die Schalen zeigen, während das 
Wasser von ihnen abtrocknet, Ringe von perlmutlerähnlichem 
Farbenspiel. Die Thierchen sind sehr verbreitet, leben im 
Schlamm und erhalten oft von der Menge des dunklen Darm- 
inhalts, sowie von anhaftenden Infusorien, ein weit dunkleres 
Ansehen. 

Untergattung Cypria. 
7) C. punctata, Jur. (Taf. III. A.)- 
Synonyma. 
C. punctata J. 0,40'"; C. compressa B. ; 6\ punctata 
K. (c. 0,37"O; C. elegantula F. %— V/". 

Ich fand diese schöne Art in zwei Varietäten, die eine 
von 0,44'" Länge , 0,32"' Höhe und 0,24'" Dicke, die an- 
dere nur 0,33'" lang in entsprechenden Verhältnissen. Sie 
unterschieden sich auch noch dadurch, dass die äussere 
Schalenhaul der ersleren C^^ig. 2) von vielfach abgesetz- 
ten Längsslreifen gefurcht, die der lelzteren aber glatt er- 
schien. Ihren äusseren Grössenverhällnissen entsprachen die 
ihrer inneren Organe , ihrer Eier und ihrer Zoospermien. 
Es wäre möglich, ist mir aber keineswegs wahrscheinlich, 
dass die gestreiften Thiere schon sehr all waren, da ich sie 
stets nur in ausgewachsenem Zustande gefunden habe. 

Die Schale der C. punctata (Fig. 1) ist durchsichtig 
braun , übersäet mit dunklen braunen Flecken, besonders 
ausgezeichnet durch den sehr breiten, klaren, farblos durch- 
sichtigen Rand, der vorn und hinten sehr auffallend hervor- 
tritt. Die Behaarung ist massig. Das Auge ist breiter als 
in den früheren Arten und schwarz. Die Gliedmassen sind 
schlank und beweglich, die Ruderborsten an beiden Antennen 
(Fig. 3. s) von grosser Länge und daher die Bewegungen 
des Thiers von grosser Munterkeit und Ausdauer. Die Ein- 



78 Zenker: 

drücke des Schliessmiiskels (Fig. 1. 7W) gleichen mehr denen 
der nachfolgenden als der vorangehenden Arten. Die Le- 
ber besteht nur aus kurzen Drüsenanhängen und liegt im 
vorderen Theil des Körpers. Der Eierstock (Fig. 1. o) ist 
vor seinem Ende nach vorn, dann aber wieder nach hinten 
umgebogen und enthält Eier mit weissem Dotter. Der Ca- 
nal zur weiblichen Samenblase bildet ein Knäuel; aber nicht 
der Canal zur Schleimdrüse des Männchens. Diese (Fig. 6) 
gleicht der von C. Candida , nur hat der innere Cylinder 
vorn und hinten einen helmartigen Ansatz (a, 6), von denen 
der vordere sich in den Ausführungscanal verlängert , der 
hintere durch eine zwölfstrahlige Narbe (c) schliesst. Die 
Zoospermien sind viel länger und dünner als die von C. Can- 
dida und bilden den Uebergang zu denen von C. Joanna 
und C. Ovum. Die vier hinteren Hodenschläuche sind eben- 
falls zuerst nach unten umgebogen. 

Die Art findet sich ziemlich zu allen Jahreszeiten in 
klaren Gewässern , wo sie lebhaft herumschwimmend, Jagd 
zu maciien scheint. Sie ist sehr eilig bei der Hand, wo ir- 
gend ein grösseres Thier verwundet liegt und verzehrt es 
mit grosser Gewandtheit. Von allen Species scheint diese 
und die C. ovum die klügste zu sein, wie sie die lebendig- 
sten sind. Sie entfliehen oft sehr geschickt, wenn man sie 
aus dem Gefässe holen will und wenn sie gar in einem Was- 
serlropfen auf eine Glasplatte oder in ein anderes Gefäss 
kommen , so untersuchen sie sogleich den ganzen Umkreis 
des neuen Wohnorts und zeigen eine grosse Unruhe, wenn 
sie gesehen haben , dass sie in einem kleinen unwohnlichen 
Tropfen ihrem Lebensende entgegen gehen. 

8) C. Joanna Baird. 
Synonyma. 

C. Joanna B.; C. scutigera F. '/^ — V3'"; C rubida 
Z. 0,34"'. 

Das Hinlertheil sehr breit und ziemlich hoch, läuft der 
von den Schalen eingeschlossene Raum fast pyramidenartig 
nach vorn in eine Spitze zusammen. Die Schale ist dunkel 
mit helleren Binden und Flecken auf dem Rücken. Das 



Monographie der Qslracoden. 79 

Auffe ist noch breiter als in C. punctata. Die Gliedmassen 
sind kräftig und lang behaart, die Bewegungen munter. Le- 
berschläuche sind nicht vorhanden, die Eier sind weiss, der 
Eierstock und die Hoden biegen nach unten um. 

Die C. Joanna oder wenigstens die Art, die ich dafür 
halle und die bei Fischer (Taf. XI. Fig. 3—5) unter dem 
Namen C. scutigera ganz gut abgebildet ist, kommt seltener 
vor und meist in etwas schmutzigen Gewässern. Auch scheint 
sie in der Farbe etwas zu variiren. 

9) C. vidua Müll. 

Von dieser Species habe ich nur Weibchen und diese 
im Spätherbst gefunden. Sie ist etwa 0,3"' lang, fast ebenso 
breit und sehr wenig hoch. Die Zeichnungen von Müller 
und Jurine lassen sie deutlich erkennen. Die Schale ist 
weiss und behält ihre ursprüngliche Zellenstruclur. In man- 
chen Zellen lagert^ sich schwarzes Pigment ab und geht in 
drei Binden über den Rücken. In Betracht der Gliedmassen 
und des Auges gleicht sie sehr den Arten C. Joanna und C. 
Ovum. Der Canal zur Samenblase des Weibchens bildet ein 
kleines Knäuel. Die Leber besteht in kurzen Schläuchen, 
die neben dem Darm nach vorn gelagert sind. Zoospermien 
habe ich nicht gefunden. Fischer hat die C. vidua auch 
auf der Insel Madeira gefunden. 

10) C. semilunaris Fisch. 

scheint hieher zu gehören ; ich verweise aber in Beziehung 
auf diese Species durchaus auf Fis c h er's Angaben (S. 161) 
und Abbildungen (Taf.X. Fig. 5— 17). 

11) C. omm Jur. (Taf. III. JB). 

Synonyma. 

C. Ovum J. 0,17'"; C. vulgaris Z. 0,22'"; C. minuta,; 
C. pantherina F. y^ — y2 



/// 



Zaddach nennt diese Species mit Recht eine gewöhn- 
liche. Sehr verbreitet ist sie nach demselben in Preussen, 
ebenso nach Jurine in Genf, nach Fischer bei Peters- 
burg und nach meinen Beobachtungen in der Mark und in 



80 Zenker: 

Pommern , ein Zeichen , dass die Cypridenfauna nicht sehr 
empfindlich gegen klimatische Unterschiede ist. 

Sie erscheint im Glase schwimmend als brauner lebhaft 
bewegter Punkt und wird leicht mit einem kleinen Lynceus 
verwechselt. Ihre Schalen sind platt und bei näherer Un- 
tersuchung durch viele braune dunkle Flecke gefärbt , die 
kaum einen Zwischenraum lassen. Auf dem Rücken und 
den Seiten ist sie weniger stark behaart, mehr dagegen am 
Vorder- und Hinterrande. Das Auge (Fig. 2) ist sehr breit 
und bildet den Uebergang zu der völligen Trennung der Ein- 
zelaugen von einander. Die Gliedmassen sind kurz, kräftig 
und lang behaart, die Muskeleindrücke (Fig. l.m) wie in den 
letzten Arten. Der Eierstock und die Hoden sind zuerst 
nach unten gebogen. Die Schleimdrüse (Fig. 4) ist kurz und 
dick mit einem vorderen helmähnlichen Ansatz und der zvvölf- 
strahligen Narbe und ist ausgezeichnet durch einen sehr 
langen knäuelförmig gewundenen Ausfühfungsgang (Ä). Die 
Zoospermien sind mehrmal länger als das Thier und sehr 
dünn. Die Eier sind von weissem Dotter. Leberschläuche 
sind nicht sichtbar. 



. 4. GaiU CyproVs. 

1) C. monacha Müll. (Taf.HI.C). 

Keine Species ist so leicht nach ihren Schalen zu er- 
kennen wie diese. Nur Koch hat es bisher vermocht, auch 
hier Verwechselungen anzubringen. Sie ist (Fig. 1) sehr 
hoch und breit und fast würfelförmig gebaut. Nur in der 
Mitte des Rückens finden sich einige helle gelbe und braune 
Stellen, die sich bis zu dem Schliessmuskel (7n) erstrecken, 
die Peripherie der Schalen aber ist schwarz. Nur der ei- 
gentliche Rand ist glashell. Derselbe ist ausserdem mit knopf- 
artigen Hervorragungen besetzt wie bei C. pubera und hat 
an der unteren hinteren Ecke (Fig. l.c) zwei Zähne, die 
nach hinten gerichtet und von Koch und Fischer abge- 
bildet sind. Die ganze übrige Schalenoberfläche ist von klei- 
nen Erhabenheiten und Vertiefungen voll, Reste der frühesten 
zelligen Struclur. Die Schale ist kräftiger als sonst bei den 



Monographie der Ostracoden. 81 

Cypriden und die Eindrücke des Schliessmuskels stehen in 
durchaus abweichender Anordnung. 

Auch die Gliedmassen weichen von denen der übrigen 
Cypriden bedeutend ab. Die zweite Antenne (Fig. 3) trägt 
5 — 8 Borsten (s), deren Anfang steif, deren Ende aber bieg- 
sam und gefiedert ist. Die dritten Maxillen tragen keineKie- 
menblättchen und die des Männchens (Fig. 4. r und /} sind 
sehr verschieden von einander. Besonders merkwürdig ist, 
dafs die beiden Schwanzstacheln der Weibchen in einen 
(Fig. 5) verschmolzen sind, der nun die doppelte Zahl von 
Borsten trägt. 

Das Auge ist schon oben umständlich besprochen wor- 
den. Es zerlheilt (Fig. 2) sich in zwei Einzelaugen , wie 
dies Koch auch darstellt, die weit auseinander stehen, je- 
doch noch nicht mit den Schalen verwachsen. Sie haben 
deutliche Pupillen, sind schwarz und die ganze Anordnung 
bildet den Uebergang zu den Cylheriden , die sich übrigens 
auch in der Dicke der Schalen und der Anordnung der 
Schliessmuskeleindrücke ausspricht. 

Auch der Geschlechtsapparat hat seine Eigenthümllch- 
keiten. Der Penis (Fig. 7) ist gedrungener als bei Cypris 
und zeigt eine noch complicirtere Ausbildung der mechani- 
schen Werkzeuge. In der Schleimdrüse (Fig. 6) stehen die 
Chitinborsten längs des ganzen Cylinders in zahlreichen Krän- 
zen nebeneinander, wobei etwa fünf immer einen Kranz aus- 
machen. Die Zoospermien stehen in Länge und Dicke zwi- 
schen denen von Cypris und Cypria. Eierstock und Hoden 
biegen sich nach oben um. Die Leberschläuche sind nur 
kurz und sehr durchsichtig. 

Ich habe die C. monacha nur im Spätsommer und Herbst, 
und zwar in sehr verschiedenartigen Localitäten gefunden. 
Sie schwimmen gern an der Oberfläche herum, jedoch nicht 
mit der Lebendigkeit wie C. punctata oder C. ovum ; viel- 
mehr werden ihre Bewegungen durch das Volum und Gewicht 
ihres Körpers und ihrer Schale etwas schwerfällig. Die jun- 
gen Thiere sind auch schon von Anfang an schwarz. 

2) C. dispar Fisch. 
Ich selbst kenne diese Species nur aus Fischer'sAb- 

Archiv f. Naturgesch. XX. Jahrg. l.Bd. ß 



82 ^ienker: 

handlang. Das dött abgfebildeleTMer ist ein geschlechlstei- 
fes Männchen, dessen Schleimdrüse und Penis nach Analo- 
gie de*r G. monacha gebaut sind. Eben desswegen habe 
ich auch diese Art hieher gestellt, wenn der generelle Cha- 
racter auch nicht gerade hierin begründet liegt. Ich habe 
aber über die Aehnlichkeit der Augen um so weniger Ge- 
wissheit erlangen können, als Fischer dieselben aueh bei 
C. monacha durchaus unrichtig abbildet und das Wesentli- 
che unbeachtet lässt. Ich glaubte daher, guten Mulhes der 
angedeuteten Verwandtschaft nachgehen und die Cyprois mo- 
nacha von ihrem Einsiedlerthum in der neuen Gattung erläsen 
zu dürfen. 

Familie der Cytheriden. 
1. Critik der Speciescharaclere und Species. 

Bei den Cytheriden sind ebenfalls wie bei den Cypri- 
den die Gestalt, Behaarung und Farbe der Schale die ein- 
zigen Erkennungszeichen gewesen. Auch können sie es 
hier mit grösserem Rechte sein, da die verschiedenen Alters- 
stufen ein und derselben Species sich leicht erkennen lassen. 
Die Schalen der Cytheriden sind verhällnissmässig weit dik- 
ker und fesler als die der Cypriden und oft von characleristi- 
scher Gestalt und Zeichnung. Mit wie viel mehr Zuverlässig- 
keil jedoch aus der feineren Structur als aus der Gestalt der 
Schalen Charactere zu entnehmen sind, zeigt schon die Cyth. 
gibba , bei welcher Männchen und Weibchen in der Gestalt 
der Schalen schon so bedeutend abweichen. Behaarung fehlt 
nach meinen Erfahrungen niemals ganz und sind daher die 
hierauf gegründeten Unterscheidungen (wie z. B. von Cyth. 
lutea und Cyth. reniformis B.) keineswegs anzuerkennen. In 
der Anatomie der Cytheriden und besonders in der Bildung 
des Begattungsgliedes finden wir eine vortreffliche äusserst 
wichtige Controlle für die Verwandtschaft zweifelhafter For- 
men. Für fossile Arten sind auch die Eindrücke des Scha- 
lenschliessmuskels wohl zu beachten. 

0. F. Müller stellte von Cytheren 5 Arten auf, die 
ich selbst allesammt, theils in der Ostsee, theils im Kattegat 
wiedergefunden habe; davon sind jedoch Cylh. gibba und 
Cyth. gibbera als Weibchen und Männchen in eine Species 



Monographie der Oslracoden. 83 

ZU vereinigen. Mit den übrig bleibenden 3 Arten Cyth. lu- 
tea, flavida und viridis correspondiren bei Baird die Arten 
Cylh. reniformis , flavida und variabilis. Die Cyth. alba, ni- 
grescens und albomaculata B. erscheinen als wenig genau 
bestimmte Arten, vielleicht sogar als Jugendformen. Baird, 
Jones und Dana haben noch manche Nachträge geliefert, 
die mir leider nur zum kleinsten Theil bekannt geworden 
sind. Fossile Arten in grosser Zahl aus der tertiären und 
Kreide -Formation hat uns Bosquet kennen gelehrt; doch 
wäre die Darstellung derSchalenstructur, wenn möglich, eine 
sehr erwünschte Controlle für die Selbstständigkeit aller dort 
aufgeführten Formen. 

Von Cypridinen wurde die erste vonReynaud im In- 
dischen Ocean gefunden und von Milne Edwards beschrie- 
ben. Seitdem sind mehrere verwandte Arten und Gattungen 
sowohl in der lebenden wie in der fossilen Welt bis hinab 
zu den ältesten Schichten aufgefunden. Sie unterscheiden 
sich von den Cylheren durch die Stellung der Augen , wel- 
che hier nahe dem Buckel mit der Schale verwachsen sind. 
Es wäre jedoch beachtenswerlh , ob hier nicht schon Ver- 
wechselungen mit den Eindrücken des Schliessmuskels vor- 
gekommen sind. 

3. Oaitung^ Cytiiere Müll. 

1) Cijlh. lutea Müll. (Taf. V. C). 
S y n n. Cyth. reniformis B. 

Der beste Characler dieser Species gegenüber allen 
anderen ist der, dass hier alle Gliedmassen gelb, bei den 
andern wasserhell sind. Die Schalen (Fig. 1) sind stark, nie- 
renförmig, röthlich gelb mit breitem hellen Rand und massi- 
ger Bauschung, die Oberfläche (Fig. 2) mit kleinen Verlie- 
fungen übersäet und mit zerstreut stehenden Haaren besetzt. 
Die Gliedmassen sind kräftiger als in den andern Species. 
Die Abdominalfüsse (Fig. 3) tragen behaarte Klauen. An 
der hintersten Körperecke sieht man einen unpaaren Zapfen 
(Fig. 4.1/) von festem gelben Chitin, den man leicht für den 
Schwanz halten kann. Der eigentliche paarige Schwanz je- 
doch sowie der After liegen zwischen den beiden Penishälf- 



84 Zenker'. 

ten und dieser Zapfen ist nur als ein Chitinhaulgebilde, als 
ein eigcnthümlicher Fortsalz zu bctrachlen. 

Der Penis (Fig. 5) besteht aus einem Querjoch (a), 
welches jederseits einem starken trapezischen Gliede (6) als 
Basis dient. Dicht neben dem letzteren entspringt ein zwei- 
gliedriges Zäpfchen (s) , welches zwei Borsten trägt. Das 
trapezische Glied hat nach innen vier Anhänge: das Begat- 
tungsrohr, zwei mit Gelenkköpfen eingelassene Greifer und 
das dritte Glied. Das Begattungsrohr Ccc} ist hornig hart, 
mit einer Art Spirale eingefügt und Spiral gebogen bis ge- 
gen das Ende, wo plötzlich eine kleine Biegung im entgegen- 
gesetzten Sinne eintritt. Von den beiden Greifern {gg} ent- 
springt der obere in der Höhe des Begattungsrohrs und ist 
kurz und slylförmig; der untere aber ist grösser, biegt in 
der Mitte winkelförmig nach oben und endet mit einer ga- 
belförmigen Theilung. Das dritte Penisglied (f) endlich ist 
sehr breit und nach aussen und innen in zwei Spitzen aus- 
gezogen, von denen die innere längere (/) mit einem löffel- 
lörmigen Knopfe endigt. In der Ruhe reichen die unleren 
Greifer beider Penishälften übereinander; die Bewegung be- 
werkstelligen starke Muskeln , welche von den Chilinleisten 
und Chitinwänden rings herum entspringen. 

Ich habe die Cylh. lutea nicht in der Ostsee, sondern 
nur im Kattegat gefunden, dort besonders an Ceramium. 
Ausserdem fand ich sie in einem tertiären Thon aus Schles- 
wig, welchen mir Hr. Prof. Beyrich zur Untersuchung gab. 
Dort war bei manchen Exemplaren die ganze übrige Schale 
zerstört und nur der Rand stückweise oder vollständig erhal- 
ten. Bei andern dagegen waren nicht nur die Schalen sammt 
den Eindrücken des Schliessmuskels zu erkennen, sondern es 
Hessen sich sogar noch einzelne Gliedmassen stückweise 
herauspräpariren , welche die gelbe Färbung noch vollkom- 
men frisch zeigten. 

2) Cyth, gibba Müll. (Taf. V. D) 0,25'" 1., 
0,15'" (mas.)— 0,18'" (fem.) br. 

S y n n. Cyth. gibbera M. 

Die Schale ist in scharf begrenzte Felder (Fig. 3 u. 4) 



Monographie der Ostracodetl. 85 

abgelheilt, deren einige gelb , die andern mehr oder weni- 
ger dunkel, sogar schwarz sind. Die gelben Felder bilden 
die Mitte und fallen beim Weibchen mehr in'sAuge als beim 
Männchen; desshalb weil die Schale des Weibchens (Fig. 2) 
scillich dort zwei starke plötzliche Ausbauchungen hat, wäh- 
rend dieser Theil beim Männchen (Fig. 1) gerade etwas ein- 
gedrückt ist, so dass die gelben Felder mehr versteckt lie- 
gen. Darum nennt Müller, welcher wegen der verschie- 
den gestalteten Schalen aus dem Männchen die Species Cylh. 
gibbera gebildet halte, dessen Schale virescens, die des 
Weibchens pallida. Nach hinten enden die Schalen in eine 
zapfenartige Spitze (Fig. l.c). Ihr Rand ist sehr breit, hell, 
aber auch in Felder eingetheilt. Haare sitzen zerstreut auf 
der Oberfläche. 

Das Weibchen bringt lebendige Junge zur Welt und 
zu ihrer Entwickelung ist der Raum ihres Hinlerleibes durch 
die beiden Ausbuchtungen vermehrt. Die Zoospermien (Taf. 
IV. Fig. 21) sind denen der Cypriden ähnlich (0,040'" 1., 
0,006'" d.) mit drei Windungen und einer besonderen Spitze. 

Der Penis dieser Species (Fig. 5) ist meines Erachlens 
der complicirteste, der in der Ordnung der Ostracoden vor- 
kommt , mithin der complicirteste in der Klasse der Crusta- 
ceen und vielleicht im ganzen Gliederlhierreiche. Das Be- 
gaUungsrohr (c c) ist sehr lang und vor seinem Ende auch 
im entgegengesetzten Sinne eingeknickt. Von den Greifern 
des zweiten Penisgliedes scheint der obere,, den wir bei Cyth. 
lutea finden, zu fehlen. Der untere (g) dagegen macht wie 
dort ein Knie nach unten , ist auf seiner ersten Hälfte auf 
der Oberfläche gefurcht , am Ende aber in einen feinzuge- 
spilzten Haken umgebogen. Das zweite Penisglied (6) hat 
zur Befesligung dieser Organe vortreffliche Gelenkverrich- 
tungen, die wohl in der Zeichnung angedeutet werden konn- 
ten, nicht aber näher erörtert werden, da ihr Zusammenwir- 
ken wiederum ein mechanisch sehr verwickelter Vorgang ist. 
Das ganze Glied ist abgerundeter als in der vorigen Art. 
Das dritte Penisglied (f) trägt ausser dem löfl'elförmigen 
Fortsatz (/) noch eine aus zwei Gliedern bestehende Klaue 
(v), das zweite Glied auf das erste wieder zurückgeschlagen 
und mit einer Jtleinen Kralle versehen. Ausserdem «ind wei- 



86 Zenker: 

ter oben noch blaltarlige Fortsätze (t), welche offenbar bei 
der Begattung dazu dienen , klappenartig irgend ein Organ 
festzuhalten. 

Die Cyth. gibba kommt ziemlich reichlich an den fla- 
chen Pommerschen Küsten vor und lebt zwischen den in der 
Tiefe von einigen Füssen wachsenden zarteren Tangen. 

3) Cyth. flavida Müll. cTaf.V.J?). 

Diese Species (Fig. 1) ist besser durch die rhomboidi- 
sche Gestalt als durch die nicht immer constante Farbe ih- 
rer Schale characterisirt. Die äussere Schale (Fig. 2) ist 
gelb , von der inneren Zellenhaut (Fig. 3) scheinen jedoch 
die Stellen hindurch, in denen blaues Pigment netzförmig ab- 
gelagert ist. Bei älteren Thieren ist dies massenhafter und 
erscheinen daher die Thiere , je älter desto dunkler. Die 
Schale ist nur dünn, ihre Gliedmassen zart. 

Der Penis (Fig. 4) gleicht mehr dem der Cypriden, da 
weniger bestimmte Greifer ig) u. dgl. hervortreten, sondern 
die Falten der häutigen Umhüllung die Functionen derselben 
übernehmen. Das Begattungsrohr (c) ist zum Theil von 
sehr festen Wandungen (r) umschlossen, die dem ganzen 
Organ zur Stütze dienen. 

Diese Species ist an den Küsten der Ostsee selten; häu- 
figer findet sie sich an den Tangen des Kattegats. 

4) Cyth. viridis Müll. (Taf.V.il) 0,225'" 1., 
0,166'" br., 0,120'" d. 

Synon. Cyth. variabilis B. 

Der Name viridis passt nur auf diejenigen Individuen 
dieser Art, welche sich von grünen Algen genährt haben, 
oder welche mit grünen Gewächsen bedeckt sind. Ebenso 
giebt es gelbliche , röthliche , bräunliche und die ursprüng- 
liche Farbe ist die weissliche. Die Schalen sind nämlich sehr 
dünn und durchsichtig und es wäre daher der Name Cyth. 
pellucida passender als viridis und variabilis. 

Die Schalen dieser Art laufen vorn spitzer aus als hin- 
ten. Die Gliedmassen haben der Darstellung im anatomischen 
Theil dieser Abhandlung zu Grunde gelegen. Die Weibchen 
sind vivipar, die Zoospermien (Taf. IV. Fig. 20) geisselförraig. 



Monographie der Ostracoden. 87 

Der Penis (Fig. 2) ist ziemlich einfach. Die Basis (a &) 
ist breit und enthält die Samenblase. Das Begatlungsrohr 
(c) bleibt im Penis versteckt. Der obere Geifer Qg) ist 
blallförmig, der untere (^) löffeiförmig. Letzterer steht ge- 
wöhnlich nach unten, kann aber auch nach innen umgelegt 
werden und ist vielleicht besser als Rudiment eines dritten 
Pcnisgliedes aufzufassen. 

Diese Art ist von allen baltischen die kleinste und 
häufigste. Im Kaltegat habe ich sie auch gefunden, jedoch 
in verhällnissmässig viel geringerer Zahl. Im süssen Was- 
ser vermag sie mehrere Tage zu leben. 



lieber die Cyclopideii des süssen Wassers. 

Von 
Dr* Zenker* 

(Hierzu Taf. VI. Fig. 8-14). 



Die kleinen Cruslaceen, welche dieser zweite Aufsalz 
behandelt, finden sich in unsern süssen Gewässern neben 
den Cypriden und Daphnoiden so zahlreich, dass sie fast in 
jedem Glase als unvermeidliches Uebel mitaufgeschöpft wer- 
den. Sie wurden schon von 0. F. Müller')? später von 
Jurine 2) beschrieben als Monoculus quadricornis , Castor 
und staphylinus. NachDana's^) werlhvoller Ansicht sind die 
Copepoden überhaupt in fünf Familien, Cyclopidae, Harpacti- 
dae, Calanidae, Corycaeidae und Miracidae zu theilen und 
unsere 3 Arten wären Repräsentanten der 3 ersten. Ich 
kann mich einer weiteren Trennung" derselben von einander 
durchaus nur anschliessen und führe sie daher mit Dana 
als Cyclops quadricornis , Harpacticus staphylinus und Cy- 
clopsina Castor auf Eine dem H. staphylinus nahe verwandte 
Süsswasserart der Schweizerischen Hochgebirge ist von C. 
Vogt^) als Harp. (Cyclops) alpestris beschrieben worden. 
Eine auf sicheren Characteren beruhende Zertheilung des Cy- 



1) 0. F. Müller, Entomostraca. 

2) Jurine, Histoire des Monocles. 

3) Dana, Conspectus Crustaceorum in den Proceedings of Ihe 
American AcademyofArts and Sciences. Series II. Vol. I. 1847. p. 227. 
Vol. II. 1849. p. 1. 

4) C. Voigt in den Denkschriften der allgem. Schweizer. Ge- 
sellschaft für d. gesammten Naturwissenschaften. Bd. VII. 1843. 



Zenker: Ueber die Cyclopiden des süssen Wassers. 89 

clops quadricornis in mehrere Species erwarte ich in näch- 
ster Zeit von einem meiner zoologischen Freunde. 

Den allgemeinen Körperbau und die Gliedmassen dürfen 
wir in dieser nur ergänzenden Darstellung als bereits bekannt 
übergehen und wollen wir nur bemerken, dass die Mund- 
theile von Jurine gegenüber Milne Edwards richtig 
dargestellt sind 0- ^^ derselben Weise übergehen wir die 
Entwickelungsgeschichte unsrer Thiere. Schon Müll er bil- 
dete als Amymone und Nauplius die jungen unentwickelten 
Thiere ab und Jurine gab das richtige Verständniss dazu 
und die fehlenden Zwischenstufen. Mit Jurine's Darstel- 
lung stimmt die von H. Rathke^) völlig überein und neue 
Beobachtungen würden nur Specialitäten hinzuzufügen haben. 
Die Entwickelung stimmt bekanntlich mit der der Phyllopo- 
den und vieler andern Crustaceen darin überein , dass der 
aus dem Ei kriechende junge Cyclope nur die drei vorder- 
sten Gliedmassenpaare besitzt und dass diese, obwohl später 
zum Theil Tast- und Kauorgane , jetzt alle als Bewegungs- 
organe dienen. 

Setzen wir einerseits Obiges als bekannt voraus, so ist 
es anderseits der Zweck dieses Aufsatzes , die Lücken , die 
in der Kenntniss und namentlich auch im Verständniss der 
einzelnen Organsysteme noch bestehen, möglichst auszufüllen, 
sodass wir unter steten Beziehungen auf die bereits erlang- 
ten Resultate früherer Forschungen uns fortbewegen. 

I. Die Haut. 

Die Körperbedeckung besteht aus Chitin , ebenso die 
innere Darmhaut und alle härteren Theile in und an dem 



1) Jurine beschreibt 2 Paar Antennen, 3 Paar Kiefer und 4 
Paar Beine ; während MilneEdwards, Hist. nat. des Crustaces T. III. 
p. 411. angiebt: Leur bouche parait etre armee d'une paive de man. 
dibules ordinairement palpigeres, d'une ou deux paires de mächoires 
foliacees et peu developpees et de 2 ou 3 paires de pates-mächoires 
dont les posterieures sont cn general tres grandes et garnies de soies 
pluineuses. Ich kann mich nur der Jurine'schcn Darstellung an- 
schliessen. 

2) H. Rathke, Abhandinngen zur Bildungs- und Entwicke- 
lungsgeschichte des Menschen und der Thiercr Bd. II. 



90 Zenker: 

Körper dieser Crustaceen. Ob die harten Höllen der Sper- 
nialophoren auch aus Chitin bestehen, ist noch zweifelhaft. 

Die Chitinhaut ist nur an den Stellen zwischen den 
Segmenten weich und biegsam , sonst steif und lederarlig, 
obwohl durchsichtig. Auf dem Rücken ist sie glatt, an den 
Seiten hängt sie etwas über die Gliedmassen herab, wie die 
Schale am Schwanz der Krebse; an der Unterseite aber bil- 
det sie ein Skelet und erreicht dort ihre grösste Dicke 
und Härte. Dies Skelet dient dreifach: zum Schutze des 
Nervensystems, zur Einlenkung der Gliedmassen und zur 
Bewaffnung des Mundes. Es beginnt schon beim Auge, wo 
dicht hinter einem stirnartigen Vorsprung ein Gerüst zum 
Schulz des Gehirns und zur Einlenkung der Antennen sich 
findet, geht dann zu beiden Seiten um den Mund herum 
und setzt sich in einer Art von Bauch Wirbelsäule fori 
bis zum Ansatz des Schwanzes. 

Ein solcher Bauch wirbel besteht (Fig. 11) aus ei- 
nem Körper (^) und zwei seitlichen Flügeln (J5 B) , erste- 
rer zum Schulz des Nervensystems , letztere zur Einlen- 
kung der Füsse. Der Körper ist etwas länger als breit und 
dick. In der Mitte findet sich eine tiefe Rinne (r) nach vorn 
zur Aufnahme des vorderen Wirbels erweitert, seitlich von 
gleich breiten kräftigen Wülsten («ü) eingeschlossen und nach 
hinten durch eine trapezische schiefe Fläche (^) von der 
Breite des ganzen Wirbelkörpers begrenzt. Die letztere er- 
hebt sich so hoch wie die Wülste und endet in zwei paral- 
lel auslaufende Zapfen (z i5), die durch eine Membran mit dem 
Vordertheil des nächsten Wirbels verbunden sind. Zwischen 
ihnen und in dieser Membran liegt beweglich ein unpaarer 
Zapfen (?/), der allzu starke seitliche Bewegungen der Wir- 
bel verhindert. Inwendig (Fig. 12) findet sich am Vorder- 
theile des Wirbelkörpers eine Aushöhlung, welche den Ner- 
venknoten aufnimmt, während die Stränge über den Sei- 
tenwülsten entlang laufen (nri). Diese Theile sind ausser- 
ordentlich hart und etwa ebenso stark lichtbrechend wie 
Glas. Die Flügelfortsätze bestehen aus einem kleineren festen 
hinteren (n) und einem grösseren dünnen vorderen Stück 
(m). Beide schliessen zusammen das Loch (/) ein , worin 
sich der Fuss bewegt. 



lieber die Cyclopiden des süssen Wassers. 91 

Die Modifikationen , die diese Form an den verschie- 
denen Körperstellen der verschiedenen Arten erhält , sind 
zahlreich und von geringem Interesse. Bei den parasitischen 
Crustaceen sind die Chilingerüsle des Mundes und der Stirn 
auch schon vielfach ») dargestellt und stimmen ungefähr mit 
denen bei den Cyclopiden überein. 

Es ist dagegen interessant, sie als Fussgestell und Ner- 
venhülle so weit verbreitet und so vielfach verändert zu fin- 
den. Bei den Insecten erkennen wir sie kaum als dieselben 
Gebilde. Bei den Krebsen und allen anderen Dekapoden sind 
die einzelnen Wirbel miteinander verwachsen ^) , nicht so 
beweglich wie bei unseren Thieren. Bei den Branchiopoden, 
Cirrhipedien, Isopoden und Amphipoden ist dagegen diese 
Wirbelformation sehr unausgebildet. 

An die Chitinhaut, besonders an die harten Ränder, 
setzen sich Muskeln, die histiologisch denen der Oslracoden, 
morphologisch denen der Dekapoden gleichen, und geben ihr 
dadurch ein zelliges Ansehen. Die übrigen Chitinhaufgebilde 
sind Borsten , oft gewimperte , ferner spitze Stachel , wie an 
der Stirn von C. Castor und endlich Zähne wie am Munde von 
C. quadricornis. Häutungen finden, nach Jurine, mehrfach 
statt, doch nur in der Jugend. 

2. Nervensystem. 

Das Nerversystem ist schwer zu erkennen, da es theils 
durch die überliegenden Organe, theils durch das dicke Bauch- 
skelet , Iheils durch die Füsse und deren Borsten verdeckt 
wird. Bei einigen schönen C. Castor (Fig. 13) gelang es mir 
endlich dasselbe vollständig zu beobachten, wie bei einem 
grossen C. quadricornis , es zu präpariren. Es besieht aus 
einem grossen breiten Gehirnknoten {g c) , aus 5 den Fuss- 
paaren entsprechenden ßauchganglien {g I — V.) und einigen 



1) V. Nordmann, Mikrographische Beiträge. Bd. II. 1832. 
Burmeister, Beschreibung einiger Schmarotzerkrebse in Nov. Acta 
Acad. Leop. Carol. Vol. 19. 1835. 

%) ßiandt und Katzeburg medic. Zoologie £d. IL 



92 Zenker: 

kleineren Schwanzganglien Qgg'). Die Stränge zwischen den- 
selben liegen einander dicht an und sind viel schmäler als 
die Ganglien. Sie sind beim ersten Fusspaar etwas breiter 
als beim letzten. Die Ganglien selbst sind durch die Bauch- 
wirbel sehr versteckt und erscheinen nur als eine verdickte 
Stelle des Stranges. Auch Nerven habe ich in der Richtung 
zu den Füssen davon abgehen gesehen. Die Augennerven 
scheinen ausserordentlich zart und kurz zu sein. Ein Paar 
zarte Nerven (n) schien aus dem letzten Bauchganglion zu 
entspringen, in den Schwanz zu gehen und dort nahe dem 
After noch ein Ganglion oberhalb des Darmes zu bilden. 
Auch in die Arme dringen Nerven, bei deren weitester Ver- 
folgung man jedoch vielen Täuschungen ausgesetzt ist. 

Der Nervenstrang des C. Castor ist gelb, des C. qua- 
dricornis glashell, in beiden Fällen so durchsichtig, dass er 
sehr wenig kenntlich ist. Doch liess sich in dem lebenden 
Thiere sehr deutlich das Ueberwiegen der Fasern über das 
Neurilem und die Ganglienkugeln erkennen. 

Interessant ist es , die Einwirkungen äusserer Einflüsse 
auf die Thäligkeit des Ncrvensystenjs zu beobachten. Thut 
man z. B. einen C. Castor auf längere Zeit in klares Wasser, 
wo er keine Nahrung findet, so bleibt er zuletzt mit ausge- 
breiteten Armen stehen und verfällt in einen lethargischen 
Zustand , in welchem er unter dem Mikroskope betrachtet 
werden kann. Die Bewegungen des Darins und des Herzens 
werden bedeutend langsamer und die Wahrnehmung schwin- 
det fast völlig. Durch längeres Pressen mit einem aufgeleg- 
ten Glasplätlchen wird dieselbe Wirkung hervorgebracht, 
nur dass die willkührlichen Muskeln stärker bleiben. So z. 
B. nimmt der Mastdarm hefligere Bewegungen an , während 
die des übrioren Darms mehr und mehr abnehmen. 

Nachts schläft C Castor und zwar fest und in dersel- 
ben Stellung wie oben. Man kann ihm alsdann bei Licht ein 
Messer nähern, ihn anrühren und eine kleine Weile fortschie- 
ben, ohne dass er aus seinem Schlaf erwacht. Bei Tage da- 
gegen flieht er schon von fern vor jedem ihm genäherten 
Gegenstand und stürzt wild im Glase herum. Ebenso auch, 
wenn er endlich aufgewacht ist. Es ist allerdings nicht wun- 
derbar, dass ein solches Thier schläft und geschieht dies 



J 



Ueber die Cyclopiden des süssen Wassers. 93 

vielmehr wahrscheinlich allgemein in der ganzen Thierwelt; 
aber dass es so fest schläft, ist allerdings auffallend und auch 
C. quadricornis habe ich nie so fest eingeschlafen gefunden. 

3. Die Sinnesorgane. 

Als Sinnesorgan ist bei unserem Thierchen bisher nur 
das Auge erkannt, dem sie ihren Namen verdanken. Das von 
Jurine und Vogt als einfacher schwarzer Fleck bezeich- 
nete Auge (Fig. 8. o. und Fig. 13. o) besteht jedoch aus zwei 
Einzelaugen, die nach den Seiten zu gerichtet sind. In frü- 
hester Entwickelungszeit schon , ehe von anderen Organen 
nur eine Andeutung vorhanden ist, zeigt sich ein zweilhei- 
liger rolher Fleck. Er besteht aus zwei napfförmigen Pig- 
mentbechern ohne lichtbrechende Körper. Nach der Geburt 
quillt der lichlbrechende Körper allmählich hervor, anfangs 
kaum erkennbar, weil seine lichtbrechende Kraft der der um- 
gebenden Theile ziemlich gleich ist. Bei weiterer Entwicke- 
lung wölbt er sich halbkugelförmig und seine Refraclions- 
kraft nimmt zu, bis sie bei alten Thieren der des Glases gleich- 
kommt. Er ist von zelliger Struclur und entspricht dem Glas- 
körper der VVirbelthiere, nicht der Linse. 

Um die Refraclionskraft der Linse zu ermitteln, suchte 
ich mir eine möglichst kugelförmige aus, isolirte das Auge 
und legte es unter Wasser. Nun stellte ich den Focus des 
Instruments auf die Aequatorebene der Linse und hob, bis 
ich das durch den Planspiegel hergeworfene Bild des Fensler- 
kreuzes im Focus der Linse wiederfand. Die Distanz der 
Linse von ihren Brennpunkt war also gleich der Hebung, 
deren Grösse durch eine bei den neueren Schieck'schen 
Mikroskopen angebrachte sehr feine Schraube zu messen war; 
eine Umdrehung derselben bewirkte Hebung um Vs"''. Ebenso 
Hess sich die Entfernung des Brennpunkts aus der Grösse des 
entstandenen Bildes berechnen, da beide in demselben Ver- 
hältnisse zu einander stehen, wie die Entfernung des wirk- 
lichen Fensterkreuzes zur Grösse des Fensterkreuzes. Beide 
Messungen correspondirten nach den nöthigen Reductionen 
der scheinbaren Werthe auf die wirklichen (wegen des Zu- 
sammenwirkens der wässerigen und luftigen Umgebung) bis 
auf sehr geringe Differenzen. Da ich den Durchmesser der 



94 Zenker: 

kugelrunden Linse kannte^ so Hess sich die lichtbrechende 
Kraft berechnen und ergab sich in runder Zahl zu 1,50, dem 
Refractionscoefficienten des Glases 0- ^" ju"g[Gn Thieren 
übertrifft sie nur wenig die des Wassers und nimmt daher 
von etwa 1,36 — 1,50 mit dem Alter zu. 

Ob die Cyclopiden auch Geschmack, Geruch und Ge- 
hör haben, lässt sich bis jetzt nur vermulhen. Ein Experi- 
ment, mir über die letztere Frage Gewissheit zu verschaffen, 
ist mir leider erst zu spät eingefallen. Man könnte nämlich 
versuchen, ob die C. Castor auch wohl ohne Licht oder An- 
stoss durch blosses Geräusch aus ihrem Schlafe zu erwek- 
ken wären. 

4. Circulation und Respiration. 

In Bezug auf Blut und Respiralion sind unsere Cyclopi- 
den sehr vernachlässigt. Nur C. Castor und C. alpesiris ha- 
ben ein Herz; bei den beiden andern Arten ist weder von 
mir noch Andern ein solches aufgefunden worden. Es ist 
dies um so merkwürdiger, als die ihnen sonst so naheste- 
henden parasitischen Crustaceen alle ein Herz zu besitzen 
scheinen. Halten wir uns zuvörderst an C. Castor. 

C. Castor hat zwar ein Herz (Fig. 13. h) und dasselbe 
pulsirt etwa 150mal in der Minute; es ist sackförmig, ähn- 
lich dem der Daphnoiden und hat ein Ostium venosum un- 
ten und ein Ostium arteriosum vorn. Der Blutlauf ist sehr 
schwer zu beobachten, weil sich in dem Blute merkwürdiger 
Weise meist gar keine Blutkörpernche vorfinden. Als ich vor 
3 Jahren sehr viele Thiere dieser Art beobachtete, fand ich 
nur eins , dessen Blut Blutkörperchen in genügender aber 
keineswegs etwa bedeutender Menge enthielt. Da sah ich 
denn, wie der Strom aus dem Ostium arteriosum hervor- 



1) Bei dem Auge von Dylicus marginalis fand ich die Hornhaut 
in jeder Facette nach innen gewölbt um 80» mit dem Radius 0,011"'. 
Die Refractionskraft war ebenfalls etwa 1,50. Der konische Glas- 
körper dahinter hatte dagegen nur 1,40 bei der Länge von 0,028'" 
und der Dicke von 0,010'"— 0,004'". Die Refractionskraft des letzte- 
ren ergab sich durch directe Beobachtung und bei angestellter Be- 
rechnung ergab sich der Bildpunkt als an der Spite des Kegels auf 
der I^ervenausbreitung befindlich. 



Ueber die Cyclopiden des süssen Wassers. 95 

schiessend, sich gleich in mehrere Theile trennte. Der Haupt- 
strom ging" vorwärts in den Kopf, zwischen Auge und Ge- 
hirn hindurch, bog sich um auf die Bauchseite und verlief 
sich zwischen den Kiefern und Füssen in der Miüellinie hin- 
durch in einen Sinus abdominalis, dem der grösseren Cru- 
staceen entsprechend. Seilliche Ströme zweigen sich im 
Cephalothorax von ihm ab, wo es der Raum zulässt und ver- 
einigen sich bald wieder mit ihm. Der andere arterielle 
Strom, gleichsam die Aorta descendens , wird durch die vor 
dem Herzen liegenden Theile des Geschlechts - oder Ver- 
dauungsapparats alsbald nach hinten herumgelenkt und tritt, 
den Darm umspülend , am hinteren Ende des Leibes in den 
Strom des Sinus abdominalis. Dieser geht, wenn auch ein- 
zelne Zweige schon früher zwischen den Muskelmassen unter 
der Haut empordringen , doch zum grössten Theil erst am 
Ende des Abdomens wieder auf die Rückseite über in den 
starken Strom des Sinus dorsalis, in welchem das Blut zum 
Herzen zurück und von Neuem in den Kreislauf geführt 
wird. 

Niemals sah ich ein Blutkörperchen in den Schwanz, 
die Ruderarme oder sonstige Gliedmassen dringen ; es kann 
daher höchstens ein sehr schwacher Blutwechsel in denselben 
stattfinden. Indem ich ein und dasselbe Blutkörperchen län- 
gere Zeil mit den Augen verfolgte, sah ich wie dasselbe bei 
drei Umläufen hinter einander immer wieder mit in den Kopf 
geführt wurde , und schliesse daraus , dass der Kopfslrom 
bei weitem den grössten Theil der Blutmasse fortführt. Zu- 
gleich zeigte sich dabei die Umlaufszeit gleich einer halben 
Minute. Darf man nun annehmen^ dass während dieser 75 
Herzschläge fast das ganze Blut hindurchgegangen ist , so 
füllt dasselbe etwa den achten Theil des ganzen Körpers aus. 
Die ganze Circulation geschieht nur mit Hülfe des Herzens; 
sonst kommt kein Blutgefäss weiter vor. 

Bei C. quadricornis kommt kein Herz vor. Dass er 
überhaupt Blut hat, lässt sich nur daraus schliessen, dass man 
zwischen den inneren Theilen keine Hohlräume erblickt, viel- 
mehr eine bewegliche Flüssigkeit dort existiren muss mit 
etwa derselben Refractionskraft wie das Wasser. Blutkörper- 
chen aber habe ich niemals wahrgenommen. Obgleich ohne 



96 Zenker: 

Herz scheint C. quadricornis doch eine gewisse Circulation zu 
haben und zwar diese hervorgebracht durch die eigenthürn- 
lich grossartigen Bewegungen des Darmkanals. Bei C. Castor 
hat zwar der Darm auch seine peristaltischen Bewegungen und 
die Contractionen desselben schreiten in regelmässigen Wellen 
vom Alter bis zum Oesophagus vor. Bei C. quadricornis 
aber zeigen sich ausser diesen kleineren schnelleren Con. 
tractionen , die offenbar durch Ringmuskeln hervorgerufen 
werden, noch langsamere grössere, die den ganzen Darm 
vor- und zurückschieben und wahrscheinlich von Längsmus- 
keln verursacht sind. Diese Bewegungen sind so bedeutend, 
dass ohne dieselben etwa gerade noch ein zweiter Darm von 
derselben Grösse vorhanden sein könnte. Der Darm wird 
dabei erst gehoben, dann nach vorn gestossen und endlich 
wieder nach hinten und unten zurückgezogen. Derselbe Vor- 
gang tritt auch in C. staphylinus auf und es scheint mir da- 
her nicht unslatlhaft, hierin einen Ersatz für die pulsatorische 
Bewegung eines eigentlichen Circnlationsorgans zu suchen. 
Dass durch solche Bewegungen das Blut in bedeutende Wal- 
lung gerathen muss, ist klar und da diese Bewegungen drei- 
mal in einer Minute wiederkehren, so ist die Blutvermischung 
vielleicht ebenso vollständig als bei C. Castor. Man möchte 
fast glauben, dass dieselben vegetativen Nerven, welche in 
dem einen Thiere das Herz pulsiren lassen, in dem ande- 
ren mit ihrer Thätigkeit auf den Darm angewiesen sind und 
die Schwingungen desselben veranlassen. 

Besondere Athemorgane hat Niemand bisher auffinden 
können. Nirgends zeigt sich eine blattarlige Ausbreitung der 
Haut, wie bei andern Crustaceen , oder ein anderes Organ, 
welches man als Alhemorgan ansprechen könnte. Entwe- 
der dient die ganze Hautoberfläche zur Sauersloffaufnahme 
oder es ist hier eine ganz andere Art von Athmung als bei 
anderen Thieren. 

Der Alhmungsprocess ist, allgemein aufgefasst, die Auf- 
nahme von Sauerstoff als Gegengewicht gegen das Ueber- 
maass von Kohlenstoff, welches der Körper auf anderem Wege, 
besonders durch die Nahrung erhält. Wo ein starker Ath- 
mungsprocess nöthig ist, muss daher auch in dem vom Darm 
ftssimilirten Nahrungssaft ein grosser Ueberschuss von Koh- 



Ueber die Cyclopiden des süssen Wassers. 97 

lenstofF vorhanden sein, d. h. dieser Nahrungssaft muss weit 
mehr Kohlenstoff in seiner procenlischen Zusammensetzung 
enthalten als das normale Blut. Wo dieser Ueberschuss ge- 
ringer ist, wird auch die Athmung geringer werden. Da 
aber der Zweck der Athmung nur die Abgabe des über- 
schüssigen Kohlenstoffs ist, so kann diese aucli auf andere, 
als die gewöhnliche Weise, bewirkt werden, in den Lun- 
gen erfolgt ein Abgabe von Kohlensäure gegen Sauerstoff, 
oder subfrahirt: eine Abgabe von Kohlenstoff. Ein Organ 
also, welches ein an Kohlenstoff überreiches Product abson- 
dert , leistet im Wesentlichen denselben Dienst und wird 
ebenso wohl die Athmung befördern als eine Lunge. Bei 
geringem Bedürfniss wird daher die Athmung auf einem an- 
deren als dem gewöhnlichen Wege stattfinden können, sei es 
durch ein Absonderungsorgan , sei es durch die Oberfläche 
der Haut. 

Welcher von beiden Fällen hier vor uns liegt , wage 
ich nicht zu entscheiden. Vermulhlich sind beide nicht streng 
von einander geschieden. Es diene diese Betrachtung nur 
dazu, den Mangel von Athemorganen verständlich zu machen 
und ein vergebliches Suchen darnach zu verhindern. 

5. Ernährung und Absonderung. 

Die Mundöffnung ist eine Querspalte, die von der Ober- 
und Unterlippe begrenzt und in der Regel von den kieferar- 
ligen Gliedmassen völlig verdeckt wird. Das Chitingerüst 
beider Lippen bildet einen Theil des Skelets. Die Lippen 
sind bei den jüngsten Larven die einzigen Kauorgane, da die 
späteren Kiefer jetzt noch zum Rudern dienen. Die Unter- 
lippe ist fest und mit den Brustsegmenten verwachsen , die 
Oberlippe beweglich und häutig, bei C. Castor (/) helmförmig 
und aussen mit Haaren besetzL Dieser Helm rollt aus der 
Mundöffnung hervor und in sie zurück, im Aussehen den 
Schneckenkiefern ähnlich, und nimmt die Speisen mit hin- 
ein. Die harten Theile der Oberlippe enden hier mit einem 
einfachen Knopf, bei C. quadricornis mit einem stark ge- 
zahnten Vorsprung (Flg. 10. a). Im Innern des Schlundes 
befinden sich einige kleine Chilinslückchen (Fig. 10. ö), die 

Archiv f. Naturgesch. XX. Jahrg. l.Bd. 7 



^8 Z enliVr: 

der eigenlhümlichen SchlundbeAvaffnnng der Ostracoden als 
'Rüdimenle zu entsprechen scheinen. 

Der After liegt am äussersten Ende des Schwanzes. Der 
Darmkanal ist in seinem Verlauf nur wenig gebogen und zer- 
fällt in Speiseröhre, Darm und Mastdarm; erstere beide durch 
einen Pylorus getrennt, letzlere beide ineinander übergehend. 
Nur in dem Darm findet die Verdauung statt und sind dess- 
halb die Wandungen mit einer mittleren Zellenschichl ver- 
sehen. Der Darm erstreckt sich vom Auge bis zum Schwanz, 
ist sehr weit und wurde von Jurine Magen genannt. In 
der Abhandlung über die Ostracoden (S. 36) habe ich je- 
doch die Gründe entwickelt, die mich bewegen, dies Stück 
jjDarm^* zu benennen, lieber die peristaltischen Bewegungen 
des Därmkanals wie über eigenthümlich grosse Undulalior.en 
desselben ist im vorigen Capitel gehandelt. Histiologisch be- 
steht er aus einem inneren Chilinhäutchen , einer miftlertin 
Drüsenzellenischicht und den Muskelschichten. Die grosse 
endosmotische Kraft der Drüsenzellen zeigt sich , wenn sie 
"fns Wasser kommen : sie schwellen auf uud platzen. Fn die- 
ser Weise scheint aueh die Speiseaufnahme vor sich zu gehen. 

Das in kleinen Körnchen abgeschiedene Fett wird durch 
den ganzen Körper umhergeschütlelt, bis es endlich zu grös- 
seren Tropfön zusammentllesst und wo Platz ist, meist im 
vorderen Theile des Körpers, liegen bleibt. 

Leberschläuche existiren nicht, nur die Darmwandungen 
versehen die Function der Leber. 

Eines Absonderungsorganes ist hier noch zu erwähnen, 
'das an den Seiten des Kopfs liegt und als ein mehrfach ge- 
wundener Canal (Fig. 14) von ziemlich stark lichlbrechenden 
Wandungen sich darstellt. Eine drüsige Structur erkennt man 
'weder um denselben noch an dessen blindem Ende; dennoch 
sah ich bei einem Exemplar von C. quadricornis den ganzen 
Canal mit lebhaft gelber Flüssigkeit erfüllt, offenbar das Pro- 
iJÜct einer Absonderung. Gewöhnlich ist sein Inhalt farblos. 
Der Canal scheint in der Nähe des Mundes nach aussen zu 
münden, der Ort lässt sich jedoch nicht genau dafür'^ange- 
ben. Dies Organ kommt sowohl in C. Castor wie in C. qua- 
dricornis vor , jedenfalls auch wohl in H. staphylinus, bei 
dorn ich es jedoch bisher nicht zu finden vermochte. 



Ueber die Cyclopiden des süssen Wassers. 99 

Entsprechende Absonderungsorgane habe ich auch in 
den meisten anderen Crustaceenformen gefunden. Bei Bran- 
chipus und Arlcmia hat F. Leydig ») auf ein rälhselhaftes 
Organ an den Seilen des Kopfes aufmerksam gemacht, wel- 
ches ebenfalls aus einem mehrfach verschlungenen Canal be- 
steht. Bei Apus liegt die bezügliche Drüse in der Schale, da 
wo der Blutslrom eintritt, und verursacht die eigenlhümliche 
Zeichnung dieser Schalengegend. Sie besteht aus grossen 
Zellen, die von der Wandung aus nach innen ragen, einen 
Canal jedoch zwischen sich frei lassen und Kerne von trü- 
bem körnigen Ansehen enthalten. Der Ausführungsgang die- 
ser Drüse ist sehr zart und konnte desshalb nicht bis zu 
seiner Ausmündung verfolgt werden , die indess jedenfalls 
am Kopfe liegen muss. Auf den Schalen der Daphnoiden 
befindet sich in der Gegend des ersten Fusspaars eine ganz 
ähnliche Zeichnung, die meist etwas lang gestreckt und von 
zackigen Conluren ist. Sie zeigt jedenfalls auch hier die 
Anwesenheit einer solchen Drüse an. Das grüne Organ des 
Krebses ist nach Mittheilungen des Dr. Strahl, die wohl 
bald zur Publikation kommen werden, ein durchaus entspre- 
chendes Absonderungsorgan. 

Welcher Art das Secret sei, lässt sich in den obigen 
Fällen nicht entscheiden; deutlich zeigt es sich als Gift bei 
den Cytheren , deren kräftigster Stachel zugleich den Aus- 
führungsgang dieser Drüse enthält. Die Mündung liegt dort 
und wohl bei den anderen Crustaceen ebenfalls im zweiten 
Anlennenpaar und finden wir ebenso in dem zweiten Anlen- 
nenpaar der Spinnen (Schcerenfühler) eine Giftdrüse gele- 
gen, die offenbar den obigen analog ist und deren Vorhan- 
densein zu gleicher Zeit mit anderen Thatsachen beweist, 
dass dies Gliedmassenpaar als zweites Antenneiipaar betrach- 
tet werden muss. 

6. Weiblicher Geschlechlsapparat. 
Dass Trennung des Geschlechts stattfindet, wusste schon 



1) F. Leydig, Ueber Branchipus stagnalis und Artemia sa- 
lina, Zeitschr. f. wiss. Zool. Bd. 111. 1851. p. 286. Taf. VIII. Fig. 3. c. 
Fig. 4. f. 



-ibO Zenker: 

0. F. Müller und bildete C. qiiadricornis in der ßegallung 
ab. Jurinc wies nach, dass Müller's C. coeruleus und 
C. ruber nur Weibchen und Männchen derselben Species C. 
Caslor seien. Acusserlich sind die Weibchen oft an dem 
Sack kenntlich, in dem sie ihre Eier mit herumschleppen. 

Der weibliche Geschlechtsapparat ist symmetrisch und 
besteht jederseits aus Eierschlauch und Kiltorgan. Die Eier- 
schläuche öffnen sich beiderseits vor dem Schwänze und 
ziehen durch den Körper, bei H. staphylinus einmal, bei C. 
quadricornis und C. Castor dreimal umgebogen. Bei jenem 
laufen sie getrennt neben einander und erstrecken sich lief 
in den Schwanz hinein, bei diesen bleiben sie im Thorax und 
berühren einander längs des Rückens innig. 

Gegenüber den weiblichen Geschlechtsöffnungen liegen 
in den Höhlen der von Jurine sogenannten Vulva (am 
Bauch des ersten Schwanzsegments) die Mündungen der Kilt- 
organe, deren Gestalt mir unbekannt geblieben ist. Die 
Eierschläuche entleeren ihre Eier in einen Sack, der zu glei- 
cher Zeit von den Kiltorganen um sie herum gebildet wird 
und in dem sie weiterhin ausgebrütet werden. Solcher Säcke 
hat C. quadricornis 2, C. Castor und H. staphylinus dagegen 
nur einen und ist dies Verhalten ein charakteristisches für 
die bezüglichen Familien, denen sie angehören. 

Die Enlwickelung der Eier im Eierschlauch bietet nichts 
Bemerkenswerthes dar, die im Eiersack und die der freige- 
wordenen Jungen haben schon Jurine und H. Rathke be- 
schrieben. 

7. Männlicher Geschlechtsapparat. 

Der männliche Geschlechtsapparat ist zwar in allen drei 
Species nach ein und demselben Typus gebaut; jedoch wie- 
der so abweichend in den Besonderheiten, dass wir ihn ein- 
zeln bei den einzelnen Species beschreiben müssen. 

a) Cyclops quadricornis. 

Wie der Eierschlauch so besteht auch der Hoden jeder- 
seits nur aus einer einzigen gewundenen Röhre, die zugleich 
Samenleiter ist (Fig. 8. t, e, d). Sie macht drei Umbiegungen 
und besteht daher aus vier Abtheilungen. Nahe dem blinden 



üeber die Gyd spielen des süssen- Waää^rs. - 101 

Ende laufen die Hoden (0 parallel der Mittellinie oberhalb 
des Darmes nach vorn , wenden sich dann nach innen (e) 
zurück und nähern sich einander bis zur innigen Berührung 
(nicht Verschmelzung). Nachdem sie etwa y^ des Weges 
wieder zurückgelaufen sind, werden sie plölzlich dünner, ge- 
hen so nach vorn bis an den Kopf, wenden nun wieder (rf) 
nach hinten, unten und aussen um und erreichen wenig ge- 
schlängelt die Geschlechtsöffnungen. Das letzte Stück liegt 
frei unter der Rückenschale , dagegen scheinen die andern 
in einer Duplicatur zu liegen , da sich von der ersten zur 
dritten Wendestelle eine Haut spannt. Die Wände des Ho- 
dens scheinen am Blindende sehr dick zu sein, nur ein enger 
Canal zur Production der Samenkeime übrig zu bleiben. Bald 
findet man Zellen mit aufgesetzten Kernen (Fig. 9. a), dann 
mit vollkommen körnigem Inhalte (Fig. 9. 63, endlich mit 
stachelförmig hervorstehenden, bereits entwickelten Zoosper-^ 
mien (Fig. 9. c). Ausgebildet sind diese (Fig. 9. c/) 0,005'" 1., 
0,00035'" d., stabförmig, zweimal herumgedreht und unbeweg- 
lich. So erscheinen sie in der Erweiteruno- bei der zweiten 
Biegung; im weiteren Verlaufe des Hodens werden sie in 
Ballen (Fig. 9. e) gebracht, die von einer zarten Haut um. 
schlössen sind. Bei der Begattung scheinen dieselben in die 
Vulva oder in den Eierstock selbst geschoben zu werden. 

b} Cyclopsina Castor (Fig. 13). 

Der einseitige Hoden der C. Castor so wie die von ihm 
producirten Samenflaschen sind durch v.. Sieb Id's ') vor- 
treffliche Darstellung ein Gegenstand allgemeinerer Aufmerk- 
samkeit geworden. Der grosse birnförmige Hoden (0 liegt 
dicht vor dem Herzen, scheinbar schon dort völlig entwickel- 
ten Samen führend. Mit einer Art Ventil entspringt von des- 
sen vorderer Seite der Samenleiter (c), erst nach hinten und 
unten gehend, dann nach vorn und endlich noch einmal nach 
hinten zur GenitalöfTnung umbiegend. Auf diesem Wege wird 
der Same durch einen s^hr einfachen Frocess in die sonder- 
baren Samenflaschen gebracht. Vor der ersten Umbiegung 
des Samenleiters sind nämlich dessen Wände aufgetrieben (m) 



1) V. Siebold, Beitr. z. Naturgeschichte wirbell. Thierc. 1839, 
S.35. Taf.ll. Fig.41-4-L 



102 Zenker: lieber die Cyclopiden des süssen "Wassers. 

und zu einer Schleimdrüse umgebildet. Von diesem Schleim 
durchdrungen kommt nun die Samenmasse durch alle Win- 
dungen bis an eine pylorusartige Zuschnürung des Hodens 
nahe seiner Ausmündung. Es entsieht eine Stauung bis 
nahe an die Scheimdrüse selbst und eine Iheilweise Er- 
weiterung der Wände in dieser Ausdehnung. So entsieht 
zuerst die flaschenarlige Form (p). Eine solche unenlwik- 
kelte Flasche ist viel grösser als eine völlig entwickelte, weil 
ihre Wände noch aufgequollen und weich sind. Sobald aber 
die vorangegangene Flasche aus dem letzten Stück des Sa- 
menleiters ausgeleert ist, so tritt die neue Flasche dort hin- 
ein. Hier erhärtet der Schleim mehr und mehr und die 
Flasche verkleinert sich (^), der Inhalt fängt an, sich mehr 
und mehr zu sondern in die drei Elemente, die in v, Sie- 
b 1 d's Abhandlung aufgeführt werden. Von dort geht end- 
lich die Begattung aus, indem diese Samenflasche (die übri- 
gens oft bei gelindem Druck aus der Genitalöffnung hervor- 
tritt) mittelst des letzten Fusspaars dem Weibchen an die 
Vulva geklebt wird. Die Wände derselben , zuvor erhärtet 
durch Wasserverlust, dehnen sich bei der Berührung mit 
dem Wasser wieder aus und pressen den Samen durch den 
Hals der Flasche in die Genitalien des Weibchens. Die Zoo- 
spermien haben zu dieser Zeit noch dieselbe Gestalt, wie beim 
Ausgang des Hodens. Sie sind durch v. Siebold dargestellt. 

c) Harpacticus staphylinus. 

Der Hoden des H. staphylinus scheint im Ganzen dem 
von C. Castor zu gleichen; denn er producirt ähnliche Sper- 
matophoren. Es sind jedoch symmetrisch zwei derartige Ho- 
den vorhanden. Die Zoospermien habe ich weder in den 
Hoden noch in den Spermatophoren je erkannt. 



Ueber Asellus aquaticus. 

Von 
»r« Kenker. 

(Hierzu Taf. VI, Fig. 3-6). 



Durch V. Siebold's und F. Leydig-'s Untersuchun- 
gen ') ist die merkwürdige Thatsache festgestellt worden, 
dass die Paludina vivipara zwei Arten von Zoospermien pro- 
ducirt, welche in Enlwickelung und definitiver Form durch- 
aus von einander verschieden sind. Dies interessante Ver- 
hältniss findet sich in einer sehr fernstehenden Gruppe des 
Thierreichs und, wie ich glaube, in weit grö^sewr Verbrei- 
tung wieder, nämlich bei den Crustaceen. 

Untersucht man die Hoden des Asellus aqualicus zur 
Zeit der Geschlechtsreife, so sieht man, durch die Einwirkung 
des Wassers hervorgetrieben, Samenmassen von grosser 
I^änge, i^ der Axe lange haar form ige ZoospermjejQ enir 
haltend, zwischen die sich von aussen her kürzere, dickere 
keulenförmige eindrängen und sich mit dem Schwanz 
befestigen. Nimmt ma^ einWeibphen auS; de^ Begattung, so 
findet man an ihren Füssen oft noch den weissen Samen des 
Männchens haften und dieser besieht ebenfalls aus den bei- 
flen Arten von Zoospermien. Es unterliegt daher keinem 
Zweifel, dass beide Arten zur Befruchtung erforderlich sind, 
dass beide Fo?*men selbstständige ausgebildete Zoospermien 
sind und dass vq(i eiflei^ et>yaigen Uebergang der einen 



1) V. Sicbold, üb. die Sainenflüssigkeit wirbelloser Thicrc in 
Müll. Areh. 1836. p. 245. Taf. X. F. Leydig, üb. Paludina vivi- 
para in d. Zeitschr. f. wiss. Zool. Bd. II. 1850. p. 182, 



104 Zenker: 

Form in die andre durch forlschreitende Entwickelung nicht 
die Rede sein liann. Vielmehr zeigt sich ihre Verschieden- 
heit, wie in dem reifen Samen, so seit ihrer ersten Anlage. 

Die sechs Hoden des Asellus aqualicus sind feigenför- 
mige Blindsäcke , deren immer drei durch enge Oeffnungen 
in ihren stumpfen Enden in ein gemeinsames weites Vas de- 
ferens einmünden. In dem spitzen Ende jedes Hodens er- 
zeugen sich kleine gekernte Zellen , deren Kern bald ver- 
schwindet und in denen die Bildung der Zoospermien vor 
sich geht. Diese Zoospermien-Mutlerzellen nehmen (Fig. 4) 
allmählich an Grösse zu, werden nach einem Pole zu (Fig. 4. a) 
spitzer und endlich ganz in die Länge gezogen, so dass sie, 
wenn endlich die Haut zerplatzt , die Form einer spitzen 
Tüte annehmen (Fig. 5). 

Indess sondert sich der Inhalt dieser Zellen in zwei 
Hälften ab. Diejenige zunächst dem Pole (a) enthält viele 
Kügelchen (rf), die sich nach dem Pole zu in einen dünne- 
ren Theil verlängeren und sich damit an die Wandung an- 
heften. Der Inhalt des antipolarcn (6) Theiles ist mehr von 
gleichmässiger Beschaffenheit und es markirt sich dort nur 
ein öfter durch die ganze Zelle sich schlingender Faden, 
durch dessen Zunahme an Grösse undElaslicität endlich die- 
ser Theil der Zellenwandung zerrissen wird. 

Nun tritt Alles deutlicher hervor (Fig. 5). Der elasti- 
sche Faden (c) streckt sich in seiner ganzen Länge (etwa 
0,140'") aus. Er besteht aus 5—15 Einzelfäden von höch- 
stens 0,0002'" Dicke, welche aus dem polaren Theil der Zel- 
lenwandung entspringen und sich so eng umeinander schlin- 
gen, dass sie bis zum Ende wie e i n Faden erscheinen und 
nur durch Anwendung aufblähender oder zusammenziehen- 
der Agentien (Glycerin, Chromsäure) weiterhin kenntlich 
werden. In der Zellenhaut dagegen erkennt man die oben 
erwähnten nun sehr zahlreichen geschwänzten Kügelchen (d) 
jetzt als die Anlage der andern Art von Zoospermien. Sie 
zeigen sich (Fig. 6) als Bläschen (von 0^003"' Durchmesser), 
die an Fäden (0,012"' I., 0,0004'" d.), vielfach miteinander 
verschlungen, von der Wandung herabhängen. Bei manchen 
(d, e) erkennt man noch, dass diese Fäden durch Verlänge- 
rung des Zellenken'is. entstanden, sind, bei den meisten ver^ 



Ueber Asellus aqualicus. 105 

schwindet jedoch schon die ihn gegen die eigentliche Zelle 
abgrenzende Haut. 

Im weiteren Verlauf derSamencntwickelung (/", ö') ver- 
längert sich dieser Faden (bis auf etwa 0,016'") und die 
Zelle bildet sich zu dem Kopf des Zoosperms (von etwa 
0,020'" L. und 0,001'" D.) aus. Zugleich wächst die licht- 
brechende Kraft dieser Organe, die zwar schon in der ersten 
Anlage (er, 6, c) die der umgebenden Masse überlraf. Die 
haarförmigen Zoospermien verändern sich nicht weiter, son- 
dern verbinden sich nur noch zu grösseren Bündeln mitein- 
ander und sind dann in ihrer ganzen Länge, wie wir sie zu- 
erst beschrieben, mit anhängenden keulenförmigen Zoosper- 
mien umgeben. Kommen solche Samenmassen in das Was- 
ser y SO quellen sie auf, die haarförmigen Bündel isoliren 
sich mehr und mehr, lösen sieh sogar in die einzelnen Zoo- 
spermien auf; die keulenförmigen dagegen (&) schwellen in 
der Mitte ihres Kopfes blasenförmig an und bezeichen da- 
durch wahrscheinlich die Stelle, wo noch der alte weiche 
Zelleninhalt vorhanden ist, und wo sich daher eigentlich Kopf 
und Schwanz des Zoosperms berühren. Beweglichkeit fehlt 
beiden Arten von Zoospermien ganz und gar. 

In dieser Entwickelung aus gemeinsamer Quelle auf 
verschiedenem Wege zu gemeinsamer Verrichtung ist recht 
deutlich ausgesprochen, wie der Keim zu aller befruchten^ 
den Kraft in der Zoospermien -Multerzelle verborgen liegt, 
möge sie nachher diese Kraft in Gefässe einer oder meh- 
rerer Formen einhüllen. Wer vermag auch zu sagen, ob 
nicht noch in vielen andern Thieren so wie hier eine Thei^ 
lung der Befruchtungsarbeit zu finden wäre, wenn auch die 
Formen vielleicht in weniger scharfem Gegensatz zu einan- 
der stehen. 

Soviel von den Zoospermien des Asellus aquaticus. Auf- 
fallend ist aber die Aehnlichkeit der Gestalten, welche man 
hier findet, mit denen, welche Fr ey und L eu ck art ') an dem 
Samen der Mysis flexuosa gefunden haben. Die Figuren 1 — 
14 in No. 16 ihrer Taf. II. stimmen ganz mit der Entwicke- 
lungsgeschichte der keulenförmigen Zoospermien des Asellus 

' t) Frey u. Lcuckart, Bcilr, z. Kcnnlniss wirbelloser Thiere. 



Wß Zenker: 

Überein und die Figuren 15—17 passen ganz gut auf die 
haarförmigen. Frey und Leuckart leiten zwar die Bildung 
des haarförmigen Zoosperms aus der keulenförmigen Form 
her, wissen aber nicht bestimmt anzugeben, ob der Schwanz 
der letzteren aus oder nur an dem Kopfe sich verlängert 
und zwar von etwa 0,12'" bis auf 0,33'". Es drängt sich 
hiebei und namentlich auch bei Vergleichung der Figuren 
15 und 16 die Vermuthung auf, als ob die zusammengefal- 
lene Zellenhülle für den Kopf des alten Zoosperms genom- 
men wäre. Ich kann diese Vermuthung übrigens nur als 
solche hinstellen , da ich Mysis nicht untersucht habe. In 
verschiedenen Species von Gammarus habe ich immer nur 
die haarförmige Art gefunden, die in der Ordnung der He- 
driophthalmen sehr verbreitet zu sein scheint , die sich je- 
doch stets innerhalb grosser Mutter-Zellen, niemals aus keu^ 
lenförmigen Entwickelungsformen hervorbildel. 

Gäbe auch die genauere Darstellung des Asellus aqua- 
ticus noch manches Interesse ab, so will ich doch nur noch 
auf ein Organ aufmerksam machen , dessen noch nirgends 
Erwähnung geschehen ist und das dem Asellus aqualicus ei- 
genthümlich zu sein scheint. Es ist dies ein Absonderungs- 
organ, welches sich in beiden Geschlechtern findet und sich 
jederseits von etwa dem vierten ßrustringe bis in das äus- 
sersle Ende des Schwanzes erstreckt. Bei jungen Thieren 
(Fig. 3./2) sieht man in dieser Gegend zu beiden Seiten des 
Darms sechs Flecke, die bei auffallendem Lichte weissglän- 
zend sind. Mit vorrückendem Alter nimmt die Masse der- 
selben mehr und mehr zu , die Flecke verbinden sich mit 
einander zu einer fortlaufenden Röhre, diese schwillt zu be- 
trächtlicher Stärke an und auf ihrer Wandung malen sich 
dunkle Streifen ähnlich denBlufgefässverästelungen bei Thie- 
ren von vollkommnerem Kreislauf. Endlich wird auch noch 
eine kurze Röhre mit dieser weissen Masse erfüllt, gleichsam 
injicirt, die aus der Mitte des Schlauchs in die Gegend der 
Geschlechlsöffnung führt. Ob dort eine Oeffnung wirklich 
vorhanden ist und ob wirklich hier diese Masse ausgeslossen 
wird, blieb mir zweifelhaft. 

Die Masse selbst besteht aus durchsichtigen farblosen 
Körnchen von ausserordeRtlicber Kleinheit und stark lichtbre- 



Ueber Asellus aquaticus. 107 

chender Kraft. Salpetersäure, Schwefelsäure, Kali, Ammo- 
niak, Spiritus, Chromsäure vermochten nicht die geringste 
Wirkung auf die fragliche Masse auszuüben. Versuche, sie 
zu glühen, gaben wegen der zu geringen Ouantität keine si- 
cheren Resullale. Mögen spätere Untersuchungen über die 
eigentliche Natur dieser Absonderung Aufschluss geben, je- 
denfalls ist es eine einstweilen isolirt dastehende. Denn 
Niere ist doch ein Organ nicht zu nennen, das weder Harn- 
stoff noch Harnsäure absondert und zu den geschlechtlichen 
Absonderungsorganen scheint es doch auch nicht zu gehö- 
ren. Eine gewisse Aehnlichkeit hiemil hat die Masse , wel- 
che in den jungen Individuen von C. armata und C. ornata 
behufs der Bildung der männlichen Schleimdrüse oder des 
Canals zur weiblichen Samentasche abgesondert wird. Sel- 
bige sieht jedoch gelb aus und verschwindet mit zunehmen- 
dem Aller. In andern Crustaceen habe ich niemals ein ana- 
oges Gebilde gefunden. 



iSystein der Crustaceeii. 

Von 
Dr» Zenker« 



1. Als Hauptresultat meiner anatomischen Untersuchun- 
gen über die Klasse der Crustaceen fuge ich hier ein System 
derselben an, wie es mir mit allseitiger Berücksichtigung 
des Körperbaues und der Entwickelung am natürlichsten er- 
scheint. Dasselbe beschränkt sich jedoch meist auf die An- 
ordnung der grossen Gruppen , da ein näheres Eingehen in 
dieselben bis zur Critik der Familien und Gallungen in den 
meisten Fällen als zu zeitraubend und erfolglos erscheinen 
musste. 

2. Es befinden sich gegenwärtig noch zwei Systeme 
für die Crustaceen in Geltung, das eine von Latr eilte, 
das andre von Milne Edwards. 

Das System vonLatreill e •), wie es sich seither durch 
die neueren Forschungen gestallet hat, thcilt die Crustaceen 
in Malacoslraca und Enlomoslraca. Erstere zerfallen in Po- 
dophthalma (Dekapoden, Stomapoden) und Hedriophlhalma 
(Laemodipoden, Amphipoden , Isopoden , Trilobilen). Die 
Enlomoslraca zerfallen in Phyliopoda , Lophyropoda (Daph- 
nia, Cyclops, Cypris), Parasita, Cirrhipedia und Xiphosura. 

Das System von Milne Edwards macht drei Unter- 
klassen: Maxilies, Succurs und Xiphosures. Die Maxilies 
zerfallen in Malacostracees (Pod., Hcdr.)jTrilobiles, ßranchio- 
podes (Phyllopodes, Daphnoides) und Entomostracees (Cy- 
clops , Cypris). Die Suceurs zerfallen in Siphonostomes, 



1) Latreille im Regne animal von Cuvier. 



Zenker: System der Crustaceen. 109 

Lerneodes und Pycnogonides. Die Xiphosures endlich ent- 
halten die einzige Galtung Limulus. 

3. Zuvörderst muss der Umfang der Thierklasse be- 
stimmt werden und ich schliesse mich darin an das obige 
Latreille'sche System an, indem ich wie Burmeister') 
und Martin St. Ange 2) es fordern, dieCirrhipedien zu den 
Crustaceen ziehe, dagegen die Pycnogoniden gegenüber 
Milne Edwards 3) und Quatr e fages ^) zu denArach- 
niden zähle. 

Ich habe am Schluss meiner „Untersuchungen über die 
Pycnogoniden'^ in Müller's Archiv 1852. S.379. Taf. X. fol- 
gende Zeichen ihrer Verwandtschaft mit den Arachniden 
hervorgehoben: die Anwesenheit von paarigen einfachen 
Augen und der vier Fusspaare, den Mangel eigentlicher Kie- 
fer und die besondre Function der antennenartigen Schee- 
renfühler und Taster , endlich die merkwürdige Bewaffnung 
des Schlundes durch borstentragende Chilinleisten und die 
Erweiterung des Magens in fünf Paar Blindsäcke. Das Feh- 
len von Alhemorganen , welches Milne Edwards, das 
rudimentäre Abdomen ^ welches Quatrefages bewog, sie 
zu den Crustaceen zu stellen , sowie endlich die Entwicke- 
lung aus anders gestalteten Larven ^) finden sich theils bei 
den Acarinen theils bei den Tardigraden wieder. Es ist 
daher die Stellung zwischen diesen beiden Arachniden-Grup- 
pen, wie sie v. Siebold^} ihnen giebt, gewiss die natur- 
gemässe. 

4. Die Cirrhipedien stehen allerdings den übrigen Cru- 



1) Burmeister, Beiträge zur Naturgeschichte der Ranken, 
füsser. 1834. 

2) Martin St. Ange, Mem. sur l'organisation des Cirripe- 
de» 1835. 

3) Milne Edwards, Hist. nat. des Crustaces. T. III. p. 

4) Quatrefages, Mein, sur l'organisation des Pycnogonides 
in den Ann. des sciences natur. T. IV. 1845. p. 69. pM. II. 

5) Kröyer, Katurhistorisk Tidsskrift Bd. III. 1840. S. 299. 
Taf. III. 

6) V. Siehold und Stannius, vergleichende Anatomie 1848. 
Bd.I. S.506. 



tlO Zenker: 

slaceen durch das überraschende Vorkommen des Hermaphro- 
dilismus bei ihnen ziemlich fern. Seitdem Max Schnitze') 
in den ßalanen neben den Eiern alle Entwicklungsstufen 
der Zoospermien gefunden hat, ist sein Vorkomnien uube- 
zweifelbar und auch das durch Darwin 2) verbürgte Vor- 
kommen eingeschlechllii her Individuen in einer sonst her- 
maphrodilischen Art rückt sie den übrigen Crustaceen nicht 
näher; sondert sie vielmehr von allen übrigen Thieren in 
physiologisch eigenthümlicher Weise ab. Dennoch findet 
sich in dem Bau des Auges, des Darms und der stets dicho- 
tomischen Füsse, besonders aber in derEntwickelung ^) eine 
so auffallende Aehnlichkeil mit den Cyclopiden und andern 
Crustaceen, dass ohne den Hermaphroditismus kein Zweifel 
über ihre Zusammengehörigkeit bliebe. Die hermaphroditi- 
schen Tardigraden stellt man aber allgemein zu den sonst 
eingeschlechtlichen Arachniden; also können wir entsprechend 
auch die Cirrhipedien als einzige hermaphrodilische Gruppe 
bei den Crustaceen lassen, zumal da ihnen sonst eine ganz 
neue Thierklasse eingeräumt werden müsste. 

5. Die Hauptveränderung, die mit den übrigen Ab- 
theilungen der Cruslaceenklasse vorzunehmen ist, besteht in 
der völligen Auflösung der Ordnung Entomostraca Müll., 
. Lophyropoda Lair., Monoculus Jur., in welche bisher die drei 
Familien der Cyclopiden, Daphnoiden und Cyproiden zusam- 
mengezwängt wurden. Die Verwandtschaft dieser Thierfami- 
lien ist so gering, dass sie uns vielmehr als Repräsentanten 
von drei verschiedenen Hauptgruppen der Crustaceen dienen 
werden. Die Oslracoden wollte schon Strauss aus dieser 
Ordnung entfernen und Milne Edwards nahm die Daph- 
noiden daraus fort, sodass die bisherigeErhallung der Gruppe 
nur der Ungewissheit zuzuschreiben ist, wohin man die ein- 
zelnen Familien zerstreuen sollte. 



1) Max Schultz e in der Zeitschrift für wissenschaftliche 
Zoologie Bd. IV. 1852. 

2) Darwin, On Cirrhipeds 1852. Ich habe dies AVerk nicht 
selbst kennen. gelernt, :;ondern nur einige Resultate daraus erführen 

3) S. Burmeister a. a. 0.; Thompson, zoologipal rege- 
arches p. 62. pl.IX. Goodsir, Edinburgh new philos, Journal July 
1843. Ko.69. p.97. pl.III.lV. 



System der Crustaceen. Hl 

6. Die Daphnoiden erlialten schon bei Mi Ine Ed- 
wards den ihnen gebührenden Platz neben den Phyllopoden. 
In beiden Familien finden sich drei Augen, ein einfaches und 
zwei zusammengesetzte mit nicht faceltirter Hornhaut und 
mit birnförmigen Linsen. Die mit Athemplalten versehenen 
schwingenden Füsse, die Zahl der Kiefer (wovon nur Apus ') 
mehr hat als die übrigen), die ganze innere Organisation 
bestätigen die Verwandtschaft. Die Schalen, welche sich in 
beiden Familien finden, haben ganz dieselbe Struktur und in 
allen diesen Beziehungen sind es vorzüglich die Galtungen 
Hedessa 2) und Limnadia 3) ^ welche den Uebergang vermit- 
teln und fast den Daphnoiden näher zu stehen scheinen, als 
den eigentlichen Phyllopoden. Die geringere Fusszahl der 
Daphnoiden entfernt sie nicht von den Phyllopoden , da in 
beiden Familien die Fusszahl variabel ist. Ein wichtigerer 
Unterschied liegt dagegen in der Entwickelung, indem die 
Phyllopoden erst allmählich ihre ganze Fusszahl erlangen, 
die Daphnoiden hingegen völlig ausgebildet aus dem Ei 
schlüpfen. Freilich kennen wir die Entwickelungsgeschichte 
von Limnadia und Hedessa noch nicht und dann findet sich 
wieder in der Zeugungsgeschichte beider Familien die merk- 
würdige Analogie, dass sie sich Iheils durch Knospung, theils 
durch Zeugung, theils durch lebendige Junge, Iheils durch 
Eier vermehren und dass die Männchen meist nur gewissen 
Jahreszeiten anzugehören scheinen "♦). Ausserdem finden 



1) Zaddach, De Apodis caucriformis an^tome nee non hi- 
sloria evolulionis. 

2) Lievin, Hedessa Sieboldii in den Branchiopoden der Dan- 
ziger Gegend Taf. I. II. 

3) Brongniart, Mein. s. la Limnadia Hermanni in den Mem. 
du Museum d'hist nalur. T. VI. 1820. p.83. 

4) In meinen „Physiologischen Bemerkungen über die Daph- 
noiden« Müll. Arch. 1851. S. 112. Taf. III. stellte ich die Meinung 
auf, dass mit der kälteren Jahreszeit die Eier der Daphnoiden sich 
eher zu männlichen Individuen entwickelten als im Sommer. Ich 
hatte dies geschlossen aus dem Verhalten von acht einheimischen 
Arten. Diese Anschauungsweise auch auf die Phyllopoden übertra- 
gend, suchte ich in der Greifswalder Saline nach den Männchen der 
Arlemia snlina. Im "NVintcr wurde die Soole abgelassen; aber in der 



112 Zenker: 

wir in beiden Familien den Dann ohne Oesophagus-Magen, 
theils mit einer eigenlliclien Leber, Iheils nur mit oder auch 
ohne Leberblindsäcke; einen sehr ausgebildeten Blutlauf mit 
grossen zahlreichen Blutkörperchen und zellenförmige Zoo- 
spermien '). 

So stellen wir denn die Gruppe derBranchiopodcn hin, 
wie sie Milne Edwards gegründet hat und möchten sie 
Iheilen in Phyllopoden (mit Metamorphose) und Daphnoiden 
(ohne Metamorphose), wobei also Limnadia und Hedessa noch 
zweifelhaft blieben. In der weiteren Eintheilung finden wir 
nichts zu ändern, schliesscn uns vielmehr völlig der von 
Milne Edwards an. 

7. Auch für die zweite Familie der Lophyropoden, 
die Cyclopiden oder Copepoden , hat schon M. E d w. und 
noch entschiedener C. Vogt 2) die richtige Stelle angedeu- 
tet, nämlich die neben den Parasiten. Im Aller zwar zu 
den bizarrsten Gestalten aufgetrieben, zeigen die Parasiten 
doch in den Männchen und Larven noch die reinere Form, 
die allein zur Anknüpfung zoologischer Vergleichungen ge- 
eignet ist. So lange sie überhaupt fussartige Organe am 
Bauche haben, sind diese in zwei Aeste gespalten und stim- 



ersten neuen Generation fand ich 3 Männchen unter etwa 200 Weib- 
chen ; später unter Tausenden nicht ein einziges. Dies geschah frei- 
lich erst am 18ten Juli 1851 ; aber die Entwickelung der Eier war 
doch noch während der lialten Frühjahrswilterung geschehen, so dass 
dieser Fund wohl als Bestätigung gelten kann. Bald darauf brachte 
die Zeitschr. f. wiss. Zool. 1851 den schönen Aufsatz von Leydig 
über Branchipus und Artemia, in welchem derselbe ebenfalls die Auf- 
findung der männlichen Artemia salina bei Cagliari und zwar im De- 
cember 1850 anzeigte. In ähnlicher Weise fand ich auch neuerdings 
am Ende des Octobers das ölännchen von Lynceus striatus, welches 
sich beiläufig von dem Weibchen vorzüglich durch das Fehlen der 
Helmkante, durch das engere Anliegen der Schale und durch den Ha- 
ken am ersten Fusspaare unterscheidet. 

1) Bei Branchipus stagnalis, Artemia salina, Lynceus lamel- 
latus, macrurus, striatus, sphaericus, Sida crystallina, Daphnia pulex, 
sima, Eunica longirostris habe ich ellipsoidisch zellenförmige Zoo- 
spermien gefunden. Für die ersten beiden Gattungen ist diese Zoo- 
spermienforra schon durch Leydig bekannt geworden (a. a. ü.). 

2) Vogt, Ocean und Mittelmeer. S. 100. 



System der Crustaceen. 1 13 

men in ihrer Zahl mit denen der Cyclopiden überein. Ihr 
Auge, so lange es vorhanden ist, zeigt denselben Bau, wie 
bei den jungen Cyclopen. Die Eintheilung in Kopf, Brust 
und Schwanz lässt sich bei den meisten noch erkennen und 
besonders bei gcschlechtsreifen Weibchen durch die langen 
Eiersäcke , welche neben dem Schwänze herabhängen und 
in denen sich die Jungen zu der Form der Müll er'schen 
Nauplius und Amymone entwickeln. Tritt die Verwandtschaft 
mit den Cyclopiden jetzt schon klar hervor, so zeigt sie sich 
noch besser in dem allmählichen Uebergang, der von den 
Copepoden durch die Ergasiliden zu den übrigen Parasiten 
stattfindet. Der Unterschied zwischen Cyclops und Ergasilus 
ist so gering, dass Burmeister ^ gesteht, „nicht einmal 
einen generellen Character zwischen beiden aufzufinden, aus- 
ser dem der Lebensweise.^ 

Und dennoch trennt M. Edw. die Copepoden von den 
Parasiten wegen der Verschiedeneeit , der dort zum Kauen, 
hier zum Saugen eingerichteten Mundorgane und bildet so- 
gar aus den „saugenden Cruslaceen« eine eigne Unterklasse. 
Aber kann die Gestalt der Mundorgane hier von so grosser 
systematischer Wichtigkeit sein, hier, wo durch die parasi- 
tische Lebensweise eine bestimmte zweckmässige Form ver- 
langt und hervorgebracht wird? Wären dieThiere nun auch 
verwandt oder nicht, so würden sich doch ihre Mundbildun- 
gen ähnlich sehen. Verhältnisse also, die durch die Lebens- 
weise modificirl sein müssen, sind kein Zeichen für ursprüng- 
liche natürliche Verwandtschaft; bessere Zeichen sind sol- 
che, die sich möglichst unabhängig von der Lebensweise 
erhalten. Von der Art sind aber in unserm Fall die Ent- 
wickelung aus Cyclopenformen, das Auge, die Eiersäcke und 
die Dichotomie der Füsse. Darnach bilden die parasitischen 
Crustaceen mit den Copepoden wiederum eine grosse Ord- 
nung, für die wir den vielgebrauchten Namen Entomostraca 
erhalten wollen. Sie würden zerfallen in Copepoden, Sipho- 
nostomen und Lernaeoden , die ersteren in die von Dana 
angegebenen fünf Familien , die anderen wie bisher. Nur 
Argulus nehmen wir ganz von hier fort und werden ihm 



1) Burmeister, Naturgeschichte S. 555. 
Archiv f. Naturgescb. XX. Jahrg. Bd. 1. 



114 Zenker: 

weiter unten seine Stellung im System anweisen. Die grosse 
Verwandtschaft der Cirrhipedien mit den Entomostraceen 
haben wir schon oben hervorgehoben. 

8. Die dritte Familie aus den Lophyropoden, die der 
Ostracode?i, hat uns zwar oben schon ausführlicher beschäf- 
tigt ; hier jedoch sollen erst die systematischen Schlüsse aus 
den anatomischen Daten gezogen werden. Sie schliesst sich 
durch die beiden muschelartigen Schalen, die sich nur bei 
jungen Balanen in ähnlicher Art wieder finden, völlig von 
den übrigen Crustaceen ab; ebenso durch die geringe Glied- 
massenzahl, über deren Conslanz durch alle lebenden und 
fossilen Galtungen wir freilich noch unwissend sind. Das 
Vorkommen einfacher Augen verbindet sie mit den nun von 
uns so benannten Entomostraceen und den Cirrhipedien. Die 
Gliedmassenbildung sowie der Oesophagusmagen und die Le- 
berschläuche erinnern an die 31alacostraceen, vorzüglich die 
Isopoden. Bei den letzleren finden sich ebenso fadenförmige 
Zoospermien und zahlreiche Blindsäcke des Hodens. Die 
Abwesenheit eines Herzens und ßlullaufs weist dagegen wie- 
der mehr auf die Cyclopiden hin. Durch diese vielseitige 
Verwandtschaft wird bewiesen , dass die Ostracoden zu kei- 
ner bisherigen Gruppe gehören und eine eigene Ordnung 
bilden müssen , deren vorzüglichster Character die Schale 
ist. Ist es wahr, was Dana kurz angiebt, was ich aber 
sonst nirgends bestätigt finde ^ dass Cypridina zwei seitliche 
zusammengesetzte Augen hat, so zeigt sich darin nur noch 
mehr, wie innerhalb dieser Ordnung auch bedeutende Unter- 
schiede auftreten können, ohne den gemeinsamen Typus zu 
verdrängen. 

Die nächsten Verwandtschaften zeigen die Ostracoden 
einerseits mit den Malacostraceen, besonders den Isopoden, 
andrerseits mit den Entomostraceen und Cirrhipedien, beson- 
ders den Balanen; äusserst geringe aber mit den Branchio- 
poden, deren einige ihnen äusserlich so ähnlich sind, lie- 
ber ihre fernere Einthcilung haben wir schon oben ge- 
sprochen. 

9. Die Ordnung der Malacostraca fassen wir ganz 
wie Latreille und Milne Edwards und finden sie^ cha- 
racterisirt durch die zwei zusammengesetzten Augen, mit fa- 



System der Crustaceen. 115 

cettirler Hornhaut und die regelmässige Segmentzahl, durch 
den Oesophagusmagen und die Leberschläuche , durch den 
stark ausgebildeten Circulationsapparat und das Herumtragen 
der Eier an den Füssen. Die Podophlhalmen bieten dann 
noch vielfache Unterschiede von den Hedriophthalmen und 
vorzuglich letztere schliessen sich nahe an die Trilobiten 
an, deren Stellung wir hier sogleich erörtern wollen. 

10. Die Merkmale^ welche uns die fossilen Reste der 
Trilobiten erkennen lassen , bestehen in zwei seitlichen zu- 
sammengesetzten Augen mit facettirter Hornhaut, einer Reihe 
von unter sich gleichen Segmenten, mit langen seitlichen 
Fortsätzen, von denen sich nur Kopf und Schwanz durch 
grössere Schilder abzeichnen , und in dem Mangel jeglicher 
Art von Gliedmassen. Ueber die Gliedmassen lässt sich daher 
nur vermulhen, sie seien blattförmig gewesen; ebenso gut 
können sie lang und dünn gewesen sein wie die der Iso- 
poden, die auch bei der Verwesung leicht abfallen. Alles 
Uebrige finden wir ebenso bei den Isopodcn wieder: Augen, 
Segmente mit seitlichen Fortsätzen sammt Kugelungsvermö- 
gen (Sphaeroma), das grosse Kopf- und Schwanzschild, aus 
je vier Segmenten bestehend; nur nicht die variable Anzahl 
der Segmente. Hierin liegt der Character, der die Trilobi- 
ten doch wohl den Malacostraceen entziehen muss und der 
sie den Phyllopoden einerseits, den Myriapoden andrerseits 
nähert, mit welchen beiden sie auch die Art zu wachsen 
gemein haben. Dennoch stehen sie, meiner Ansicht nach, 
den Malacostraceen sehr viel näher als den Branchiopoden. 
Innere Theile kennen wir noch nicht. Die Eintheilung in 
Familien und Gattungen wage ich hier, wie bei den Malaco- 
straceen, nicht zu besprechen. 

11. Uns fehlen noch die beiden Gattungen Argulus 
und Limulus. 

Argulus ') wird mit Unrecht unter die Siphonoslomen 
gestellt, da sein Stachel nach C. Vogt und F. Leydig 
keineswegs den Mund trägt, sondern nur oberhalb des Mun- 
des sich befindet. Noch weniger aber gehört er zu den 
mit Cyclops verwandten Formen , denn er hat neben dem 



1) Citate auf S. 27 Anm. 1. 



116 Zenker: 

einfachen Auge auch zusammengeselzle Augen mit nicht fa- 
celtirter Hornhaut , ferner bedeutende Magenanhänge , ähn- 
lich denen der Daphnoiden , eine grosse blutreiche Rücken- 
schale, die mit der des Kopfs zusammen das Thier fast ganz 
einhüllt, ein sehr entwickeltes Circulalionssystem und keine 
Eiersäcke. Nur in der Zahl der Gliedmassen stimmt Argu- 
lus mit Cyclops, indem er 2 Paar Antennen , 4 Paar aller- 
dings auch gelheilte Ruderfüsse hat, und die 3 Paar Glied- 
massen neben dem Munde des Cyclops den Saugnäpfen, dem 
sogenannten ersten Fusspaar und, nach Leydig, dem Horn- 
gerüsl des Mundes entsprechen. Mit den Daphnoiden geht 
die Parallelisirung aber ganz ebenso gut in der Zahl der 
Gliedmassen und auch deren Füsse sind oft ästig. 

In den übrigen Characleren, dem Auge, der Schale, 
dem Darmkanal, der Circulation stimmen sie völlig mit ihm 
überein und wenn sie auch im Geschlechtsapparat von ihm 
abweichen , so steht in Beziehung auf Gestalt und Producl 
desselben der Argulus auch den übrigen Cruslaceen ziemlich 
fern und nähert sich noch am meisten den Oslracoden durch 
fadenförmige Zoospermien und die Existenz einer männlichen 
Schleimdrüse und einer weiblichen Samentasche» Die Enl- 
wickelung aus einer anders gestalteten Jugendform giebt 
keine Andeutung näherer Verwandtschaft nach irgend einer 
Seite hin. So muss denn Argulus entweder eine eigne Ord- 
nung bilden oder mit den Branchiopoden vereinigt werden. 
Die hieraus entstehende Ordnung nennen wir der schildarti- 
gen Schale wegen, welche die meisten haben: Aspidostraca, 
und würde dieselbe also durch die Augen, die Schalen, den 
Darmkanal und das Circulalionssystem characterisirt sein. 

12. Limulus ^ steht noch vielfach räthselhaft da. Die 
Füsse und Athemplatten gleichen am meisten denen derMa- 
lacostraceen, die Augen und Schale denen der Branchiopo- 
den ; ebenso das Herz und der Darm , dessen Oesophagus 
nur wenig erweitert ist. Der schwertförmige Schwanzsta- 
chel gleicht dem der Cyprois monacha; durch den Mangel 
deutlich unterschiedener Kiefer entfernt er sich aber von 



1) \an der Hoeven, Recherches sur l'histoire naturelle et 
Panatomie des Limules 1838. 



System der Cruslaceen. 117 

allen übrigen Criislaceenordnunoren. Wir stellen also die 
Poecilopoda als eigne Ordnung zwischen die Malacoslraceen 
und Aspidoslraceen näher den letzteren und unter ihnen 
zunächst dem Argulus. Vielleicht wäre es sogar hesser, 
diese beiden Gattungen in eine Unterordnung zusammenzu- 
ziehen und so aus ihnen und den Branchiopoden eine Ord- 
nung zu bilden. 

13. Bei der Gruppirung des ganzen Systems , das wir 
nun in seinen einzelnen Theilen durchgenommen haben, zei- 
gen die einzelnen Gruppen durch die verschiedenen Organe 
so viele verschiedenartige Beziehungen zu einander, dass eine 
einfache lineare Aneinanderreihung nicht als genügend er- 
scheint. Vielmehr giebt eine kreisförmige Zusammenstel- 
lung einen besseren Ucberblick, wie etwa folgende: 

1. Malacoslraca. 
Trilobita 2. 7. Ostracoda. 

Poecilopoda 3. 5. Entomostraca. 6. Cirrhipedia» 
(Argulina a.) 4. (b. Branchiopoda). 
Aspidostraca. 

Wir glauben, dass in diesen Gruppen die Verbindung 
und Trennung der verschiedenen Galtungen naturgemässer 
geschieht, als in den Systemen von Latreille und Mi Ine 
Edwards. Dass eine kreisförmige Anordnung einer linea- 
ren vorzuziehen wäre, finden wir nicht bei den Crustaceen 
allein, sondern bei sehr vielen Thierklassen, ja ich möchte 
sogar sagen den meisten, wenn wir die Anatomie und Ent- 
wickelung derselben allseitig in's Auge fassen. Wir erkennen 
darin nicht einen Fehler jener allseitigen Betrachtung, son- 
dern vielmehr den Ausdruck eines Naturgesetzes und die 
Bedeutung, welche den Eintheilungen der organischen Schö- 
pfung in grössere und kleinere Gruppen überhaupt zukommt. 



Critik der Erichs on'schen Gliedmassen* 
tlieoric« 

Von 
Ilr* SKenker« 



Es ist hier der Ort, auf eine Prüfung der vielfach ange- 
nommenen Erichs on'schen Gliedmassentheorie einzugehen, 
welche bei allen Gliederthieren die an den Insecten auftre- 
tenden 6 Gliedmassenpaare des Mundes und der Brust wie- 
derfinden will. Bei den Arachniden, meint Erichson, sei 
das dritte Kieferpaar, die Unterlippe der Insecten, an die 
Brust gerückt und bilde dort das erste Fusspaar; so dass 
also 4 Fusspaare und entsprechend 2 Kieferpaare („Anlennes- 
pinces^ und jjPalpes" nach Latreille) herauskommen. Bei den 
Asseln, deren Mund mit 4 Kieferpaaren bewaffnet ist , nennt 
schon Savigny das letzte pätes-mächoires, um zu bezeich- 
nen, dass dies ursprünglich ein Fusspaar, nur funktionell ein 
Kieferpaar sei. Die ersten 2 Fusspaare entsprechen darnach 
dem 'iten und 3ten der Insecten, die folgenden 5 bezeichnen 
das Praeabdomen und endlich die 4 Paar Alhemplatten des 
Schwanzes das Postabdomen. Beim Flusskrebs , welcher 6 
Kieferpaare hat, sind alle 3 Brustfüsse an den Mund gerückt 
und wird der Kopf des Krebses daher als Cephalothorax be- 
zeichnet. Es folgen noch die 10 eigentlichen Lauffüsse am 
Praeabdomen und die 4 Paar eiertragenden Füsse am Posl- 
abdomen. Bei den Ostracoden, Daphnoiden und Cyclopiden 
endlich soll das erste Fusspaar nicht an, sondern vor den 
Mund gerückt sein und hier als Buderorgan fungiren; so dass 
die Cypriden dann auch 3 Paar Kiefer und 3 Paar Füsse hät- 
ten, bei den Daphnoiden (denen Er ich so n irrthümlich auch 
3 Paar Kiefer zuschreibt) und Cyclopiden aber die ersten 2 



Zenker: Critik der Erichson'schen Gliedmassentheorie. 119 

locomotorischen Füsse dem Thorax, die folgenden dem Ab- 
domen angehörten. Durch die Annahme dieses Vorrückens 
der Füsse glaubte Erichson die Schwierigkeiten zu heben, 
die bei den kleineren Crustaceen seiner Anschauungsweise 
entgegentreten. 

Um näher auf die Würdigung einer derartigen Theorie 
eingehen zu können, versuchen wir erst, das systematisch 
Wesentliche an den Gliedmassen von dem Accidentellen zu 
sondern und die Bedingungen einer zoologischen Gleichwer- 
thigkeit aufzufinden. Die Frage ist: macht Gestalt, Function 
oder Lage 2 Gliedmassen gleichwerthig? 

1) Ist die gleiche Gestalt eine Bedingung 
oder ein Zeichen der Gleich werthigkeit von 
Glied massen? Keinesw^egs. 

Die Kiefer und Saugapparate der verschiedenen Insec- 
tcnordnugen sind überall als zoologisch gleichwerthig aner- 
kannt und doch sehr verschieden gestaltet. Die Schwanzan- 
hänge der Isopoden und Amphipoden sind zwar sehr unähn- 
lich an Gestalt , aber doch zoologisch entsprechend. Die 
Kaubfüsse der Manlis gleichen den Füssen der meisten an- 
dern Insecten sehr wenig und doch erkennt man sie als gleich- 
werlhige Gebilde an. 

Bedingung ist also die gleiche Gestalt nicht für die 
Gleichwerthigkeit von Gliedmassen, aber auch nicht Zeichen. 
Denn die grossen Antennen des Flusskrebses gleichen dem 
ersten Fusspaar von Telyphonus ungemein, sind aber durch- 
aus nicht gleichwerthig. Die Scheerenfühler des Skorpions 
und das erste Fusspaar des Flusskrebses sind einander sehr 
ähnlich, aber zoologisch durchaus nicht gleichwerthig. 

2) Ist die gleiche Function eine Bedingung 
oder ein Zeichen der Gleichwerthigkeit von 
Glied massen? Keineswegs. 

Cypris und Cythere haben beide ohne den Schwanz 7 
Paar Gliedmassen, aber das 5te Paar von Cypris dient dem 
Munde, das von Cythere ist ein Paar echter Lauffüsse. Sie 
sind also bei verschiedener Function dennoch offenbar gleich- 
werthig. Die Anhänge auf der Bauchseite am Schwanz der 
Krebse und Asseln sind jedenfalls gleichwerthig und doch 
dienen sie diesen zum Athmen , jenen zum Festhalten der 



120 Zenker: 

Eier. Das erste Fusspaar von Phrynus und Telyphonus ist 
jedenfalls gleichwerthig dem von Epeira und doch dient die- 
ses zum Laufen , jenes zum Tasten. Dasselbe Fusspaar ist 
jedenfalls nicht zoologisch gleichwerthig mit dem Antennen- 
paar der Insecten und doch dienen beide dem Tastsinn. 
Die Antennen von Cyclops quadricornis und Ergasilus Sie- 
boldii sind offenbar gleichwerthig, doch ist das eine ein Ru- 
derorgan, das andere ein Klammerorgan. 

Ja sogar ein und dasselbe Gliedmassenpaar kann in 
verschiedenen Lebensaltern des Thieres ganz verschiedene 
Functionen haben. So sind bei Apus und Branchipus die 
Antennen in frühester Jugend Schwimmorgane, bei erwach- 
senen Thieren aber sind sie Tastorgane. 

Wir können somit die Thesis aufstellen, dass im Reiche 
der Gliederthiere jedes Gliedmassenpaar die Verrichtung je- 
der Art von Gliedmassen und mit ihr die entsprechende Ge- 
stalt annehmen kann. Bei Aufsuchung gleichwerthiger Glied- 
massen müssen wir daher jede Rücksicht auf Gestalt und Ver- 
richtung fallen lassen und uns dieselben in ihren primitiven 
Zustand als stielformigeSlummel zurückverselzt denken. Dann 
sind Antennen, Kiefer, Füsse, und Alhemplatten nicht mehr 
zu unterscheiden. Als Zeichen der Gleichwerthig- 
keit bleiben dann nur noch der Ort und die ana- 
tomische Eigen thümlichkeit. 

Gliedmassen, die von entsprechenden Ganglien ihre 
Nerven erhalten, entsprechen einander. Gliedmassen, die 
an entsprechenden Stellen des Körpers eingefügt sind , sind 
ebenfalls gleichwerthig. Es kommt daher theils auf anato- 
mische Untersuchung, theils auf die Feststellung analoger 
Punkte am Körper der Gliederthiere an. Wir werden dabei 
öfters eine relative Gleichwerthigkeit anerkennen müssen, wo 
von einer absoluten nicht die Rede sein kann ; fassen jedoch 
zuvörderst nur die Fälle der absoluten Gleichwertigkeit in's 
Auge. 

Solcher festen Punkte giebt es am Körper der Glie- 
derthiere drei ; die Augengegend, den Mund und den After. 

Die Augen bilden immer die vorderste Grenze, bis zu 
welcher fussarlige Gebilde reichen liönnen; über sie hinaus 
nach dem Rücken zu kommen höchstens noch llügelartige vor. 



Critik der Erichson'schen Gliedmassentheorie. 121 

Sie liegen auf der Slirn , seitlich oder nahe der Mittellinie 
und werden stels von den obersten Nervenstämnien des Ge- 
hirnganglions versorgt. Sie scheinen zwar bei den Arachni- 
den und besonders bei den Pycnogoniden auf dein Rücken 
zu liegen; doch ist der Augenhügel daselbst in Wahrheit die 
Stirn, welche nur durch den rüsselarlig angeschwollenen 
Mundapparat nach oben gedrängt ist. 

Der zweite feste Punkt ist der Mund. Er ist darum 
eine so wichtige Scheidegrenze, weil die durch ihn getrenn- 
ten Organe nicht bloss örtlich, sondern auch anatomisch un- 
terschieden sind. Ihn urnfasst der Nervenschlundring, von 
dem aus die drei Züge des Nervensystems der Gliederthiere 
entspringen. Nach hinten entspringt daraus die ganze Reihe 
der Bauchganglien , welche sich bis zum After fortsetzt. In 
der Mitte neben dem Munde entspringen die paarigen Darm- 
nerven, welche bei den Insecten wenig, bei den Crustaceen 
aber vorzugsweise hervortreten. Nach vorn endlich geht 
der Schlundring über in die Kette der Gehirnganglien, wel- 
che ihrerseits, wie auch die Bauchganglien, wiederum Zweige 
zu den Eingeweiden schicken, die bei den Insecten sogar 
den so eben erwähnten Darmnervenslamm an Grösse über- 
treffen. 

Jedenfalls erkennt man hieraus, wie zwischen den Ge- 
hirn- und Thoraxnerven kein Uebergang, sondern eine schnei- 
dend bestimmte Trennung stattfindet, und dass es daher durch- 
aus unstatthaft ist, Gliedmassen zu parallelisiren , von denen 
das eine vom Gehirn , das andere von einem Bauchganglion 
versorgt wird. Diese scharfe Trennung tritt auch äusserlich 
hervor; denn alle Gliedmassen, die vor dem Munde, respective 
der Speiseröhre, eingelenkt sind, erhalten ihre Nerven aus 
den Gehirnganglien, alle hinter dem Munde aus den Bauch- 
ganglien. Wo also keine Verzerrung stattgefunden hat, die 
aus der Anordnung der Nerven und Muskeln ersichtlich sein 
müsste, da kann niemals ein Gliedmassenpaar vor dem Munde 
mit einem hinter dem Munde eines andern Thieres paralle- 
lisirt werden. 

Der dritte feste Punkt ist der After, der stets die 
Stelle des letzten Abdominalsegments angiebt. Bei den Cru- 
staceen und den Larven der Insectea finden- wir --üb^r dem- 



122 Zenker: 

selben ein Paar meist zweigliedriger Fortsätze, die bald blalt-, 
Stachel- oder bald borsten -förmig werden. Es sind diesel- 
ben, welche bei Limulus und der weiblichen Cyprois mona- 
cha in einen unpaaren festen Stachel verwachsen. 

Die Gliedmassen zwischen dem Auge und dem Munde 
heissen Antennen, die zwischen dem Munde und dem After 
sind zum Theil Kiefer (so lange sie dem Kaugeschäft die- 
nen), zum Theil Füsse (zum Laufen) , zum Theil werden sie 
zum Geschäft des Athmens oder des Ausbrütens der Eier be- 
sonders metamorphosirt. Das eine Gliedmassenpaar hinler 
dem After bezeichnen wir als Schwanzstachel oder Schwanz- 
borsten, je nach ihrer jedesmaligen Gestaltung. Als Anten- 
nen bezeichnet desshalb Latreille die sogenannten Mandi- 
beln der Arachniden , und zwar mit Recht , da sie vom Ge- 
hirne ihre Nerven erhalten. Als Antennen sind aber auch 
die Scheerenfühler der Arachniden zu bezeichnen, da auch 
sie vom Gehirne ihre Nerven erhalten. Lässt sich dies auch 
an den zusammengedrängten Nervencenlren der übrigen Arach- 
niden und selbst des Skorpions nicht deutlich erkennen 0» 
so tritt es doch in einigen der langgestreckteren Pycnogoni- 
den 2) mit grösster Klarheit hervor. Auch bestätigt sich die 
Analogie der Scheerenfühler mit dem zweiten Antennenpaar 
der kleineren Crustaceen durch das ziemlich constante Vor- 
kommen einer kleinen (Gift?-) Drüse an der Basis dersel- 
ben (Ostracoden S. 39 ; Cyclopiden S. 98). Darnach sind 
bei allen Arachniden (Tardigraden?) und Crustaceen 2 Paar 
Antennen aufzuführen , bei den Insecten hingegen entschie- 
den nur eins. Bei den Arachniden werden wir also keine 
Kiefer finden, sondern nur den Gegensatz zwischen Antennen 
und Füssen. 

Lassen nun auch die gleichnamigen Gliedmassen in 
summa sich vergleichen und so die Gegenden „zwischen 



1) Newports D.irstellung vom Nervencentrum des Skorpions 
(Philosophical Transactions 1843. p. 260. PI. XV.) giebt in dieser Be- 
ziehung keine ganz richtige Anschauung. Man vergleiche sie mit der 
von J. Müller (Meckels Archiv 1828. p. 60. Taf. I. Fig. 5 u. 7) ge- 
gebenen und wird sehen, wie gerade der fragliche Punkt von beiden 
Forschern ganz entgegengesetzt aufgefasst ist. 
2). Siehe meine Abhandlung ?i, a. 0. 



Critik der Erichsoö'schen Gliedmassentheorie. 123 

Mund und Aiige,^ „zwischen Mund und After," „hinter dem 
Afler'^ sich parallelisiren , so gilt dies doch keineswegs für 
beliebige Gliedmassenpaare daraus. Das erste Paar hinter 
dem Munde entspricht sich nicht durchaus in allen Glieder- 
Ihieren. Denn zählte man vom After an, so würde es hier 
das löte (Krebs), dort das 5te (Cypris) vor dem After heis- 
sen. Nur dann sind 2 Gliedmassenpaare von gleicher Num- 
mer zoologisch gleichwerlhig , wenn zwischen den beiden 
festen Punkten in beiden Thieren eine gleiche Anzahl von 
Gliedmassenpaaren , oder im Falle , dass einige davon nur 
rudimentär oder gar nicht vorhanden wären , eine gleiche 
Anzahl von Segmenten sich vorfindet. 

Die Insecten, Malacostraceen und Skorpione haben nun 
sämmtlich 15 Segmente zwischen Mund und After und sind 
daher die gleichviellen Gliedmassenpaare und Segmente ein- 
ander entsprechend. Seien die Kiefer mit M, die Füsse mit 
P, die Afterfüsse mit p , die fusslosen Segmente mit — be- 
zeichnet, so erhalfen wir: 





1 


2 


3 


4 


5 


6 


7-11 12-15 


Insect. 


MI 


MII 


MIII 


PI 


PIl 


Pill 


— — 


Skorpion, 


PI 


PlI 


Pill 


PIV 


— 


— 


— — 


Assel. 


Ml 


MII 


MIII 


MIV 


PI 


PIl 


PlII-VII pI-IV 


Krebs. 


MI 


MII 


MIII 


MIV 


MV 


MVI 


PI-V pI-IV. 



Zwischen diesen Gliedmassen herrscht eine absolute Gleich- 
werthigkeit. 

Bei Vergleichung der Skorpione mit den übrigen Arach- 
niden , sehen wir das beiderseitige Vorkommen von 2 Paar 
Antennen und 4 Paar Füssen. Nur das gliedmassenlose Ab- 
domen ist verschieden, denn seine Segmente verschmelzen 
bei den Spinnen und Acarinen mehr und mehr, bei den Py- 
cnogoniden am meisten, während sie beim Skorpion deutlich 
gesondert hervortreten. Ein solches Verschmelzen der Seg- 
mente, ein derartiges Zurückbleiben eines Organs ist aber 
nur etwas Accidentelles, Antitypisches, und daher sind die 
Spinnen dennoch in die Reihe absoluter Gleichwerthigkeit 
mit einzureihen. Ob dies auch mit den Tardigraden gesche- 
hen kann , wage ich nicht zu entscheiden , da mir in Be- 
zug auf diese Ordnung leider alle eigene Anschauung fehlt. 
Wir haben also die 8 Beine der Spinnen als Aequiv^lentc^ 



124 Zenker: 

nicht eines Kieferpaars und der 3 Fusspaare der Insecten, 
sondern eines Fusspaars und der 3 Kieferpaare. 

Soweit von der absoluten oder zoologischen Gleich- 
werlhigkeit. Neben ihr müssen wir eine, so zu sagen, re- 
lative Gleichwerlhigkeit anerkennen, die mehr von physiolo- 
gischer Bedeutung ist. Nicht allein die ganzen Thiergestalten 
lassen sich miteinander vergleichen, sondern auch die ein- 
zelnen Abtheilungen des Thierkörpers : der Kopf, die Brust, 
der Schwänz. Wenn auch nicht, wie oben, durch feste Punkte 
getrennt, so sind sie doch durch anatomische Eigenthümlich- 
keiten unterschieden. 

So enthält z. B. der Kopf der Crustaceen stets den 
Schlund und die Speiseröhre, den Oesophagusmagen mit ein- 
geschlossen, bei den meisten die Giftdrüse des zweiten An- 
tennenpaars, ferner die Sinnesorgane und Kauwerkzeuge. 
Für alle Kauwerkzeuge giebt es entweder gar keine oder 
nur eine einzige Ganglienmasse, während die Füsse der Brust 
für jedes Paar ein Ganglienpaar haben. So sind die Glied- 
massen des Kopfs in ähnlich bestimmter Weise von den übri- 
gen abgegrenzt und unter sich vergleichbar wie die Glied- 
massen „zwischen Auge und Mund" u. s. w. Die Gleichwer- 
lhigkeit aber, die unter diesen hervortritt , nennen wir eine 
relative. 

Recht auffallende Beziehungen zu einander zeigen z. B. 
die zwei Kieferpaare der Phyllopoden und Daphnoiden , die 
an Gestalt sich so ähnlich sehen /ferner die der Ostracoden 
und Isopoden, deren Vergleichung zum Verständniss dersel- 
ben so vörderlich ist, überhaupt die gleichvielten Kiefer auch 
der anderen Crustaceen. Denn auch hier ist die Zahl von 
Wesentlichkeit, wenn auch natürlich nicht ohne Schwan- 
kungen. 

Die Brust ist eine ebenso gut bezeichnete Körperabthei- 
lung, wie der Kopf. Sie enthält den Darm vom Pylorus bis 
zum Mastdarm, die Geschlechtstheile, Circulationsorgane, und 
die locomotorischen Füsse. Wo sie am Anfang des Schwan- 
zes aufhört, liegt bei den meisten (nicht bei allen) Crusta- 
ceen die Geschlechtsöffnung, welche also beinahe auch als 
fester Punkt angesehen werden kann. Hinter der Brust folgt 
deF- Schwanz , meist beweglich, von Eingeweiden nur den 



Crilik der Erichson'schen Gliedmassentheorie. 125 

Mastdarm enthaltend. Er trägt entweder gar keine Glied- 
massen oder verkümmerte (Eierfüsse, Athemplatten u. dgl.) 
und endet mit den Schwanzborsten. Zwischen dem Krebs 
und der Assel nicht allein , sondern auch zwischen diesen 
und Cyclops oder Apus wird man die Analogie im Baue des 
Schwanzes auffinden. Eine Vergleichung der Gliedmassen 
dieser Körperabiheilungen an verschiedenen Thieren würde 
also eine gewisse Gleichwerthigkeit, wenn auch nur eine re- 
lative, herausstellen. 

Eine solche relative Gleichwerthigkeit kann oft der ab- 
soluten widersprechen , wie dies ja bei Betrachtungsweisen 
von verschiedenen Standpunkten aus stets geschehen kann. 
Oft kann sie aber auch zur Auffindung einer absoluten Gleich- 
werthigkeit führen (wie z. ß. oben bei den Arachniden ge- 
schah) , noch öfter zum Verständniss der abweichenden Or- 
ganisationstypen. In ihr Bereich werden vorzüglich die Cru- 
staceenfamilien fallen, die nicht, wie die meisten, 15 Seg- 
mente besitzen, sondern entweder mehr oder weniger. 

So vorzugsweise die Branchiopoden , die Entomostra- 
ceen, Ostracoden und Myriapoden. Darauf jedoch specieller 
einzugchen, ist die „Critik« einer Theorie nicht der Ort. 



Resultate. 

!• Ostracoden» 

Anatomischer Theil. 

Die Schalen werden niemals abgeworfen. (S. 11.) 

Die Schalen der Cytheren entwiciieln sich aus der Ei- 
haut. (S. 58.) 

Die hinleren Gliedmassen enlwickeln sich später als die 
vorderen. (S. 58.) 

Das Sehorgan der Oslracoden besteht aus zwei einfachen 
Augen, die einander bald näher bald ferner stehen. (S. 25). 

Diesem Auge analoge Gebilde kommen bei sehr vielen 
Crustaceen vor. (S. 27.) 

Die Ocellen der zusammengesetzten Augen im Glieder- 
thierreiche haben wesentlich denselben Bau wie die einfachen 
Augen. So bringen auch beide Augenarten nur umgekehrte 
Bilder zu Stande. (S. 30.) 

In Beziehung auf den lichlbrechenden Körper zerfallen 
die Gliederlhiere in zwei Abiheilungen. Bei der einen ist 
er ein endogenes Gebilde, Glaskörper (Oslracoden, Enlomo- 
straceen, Branchiopoden); bei den andern ein exogenes, Linse 
(Malacoslraceen, Myriapoden, Arachniden). Von den Jnsecten 
gehören einige in diese, andere in jene Abtheilung» (S. 29.) 

Jeder Sehnerv bildet vor seinem Eintritt in das Auge 
bei den Gliederlhieren ein Ganglion; bei zusammengesetzten 
Augen entstehen daraus die Bulbi optici. (S. 31.) 

Der Darmeanal der Crustaceen besteht aus zwei Hauptab- 
iheilungen; die vor dem Pylorus umfasst den Schlund und 
die Speiseröhre, die hinter dem Pylorus den Darm und Mast- 



Zenker: Monographie der Oslracoden, Cyclopiden etc. 127 

darm. In beiden Theilen können magenarlige Erweiterungen 
vorkommen. Die Verdauung findet in dem zweiten Theile 
statt, deren Anfang durch die Einmündung der Galle abson- 
dernden Organe bezeichnet wird. (S. 36.) 

Bei vielen Gliederthieren sind die Hauptkauorgane Ge- 
bilde des Mundrandes. (S. 33.) 

Blut scheint in den Ostracoden weder zu circuliren noch 
zu existiren. Als Alhemorgane sind die schwingenden Plat- 
ten an den Kiefern zu betrachten. (S. 40.) 

In der Gegend des zweiten Antennenpaars liegt bei den 
meisten Crustaceen und Spinnen eine Drüse , die bei vielen 
Gift absondert. (S 39.) 

Die Oslracoden sind getrennten Geschlechts. Die Ge- 
schlechtsapparate sind völlig symmetrisch und sehr volumi- 
nös. Es sind die ersten Cruslaceen^ bei denen ein deutliches 
Receptaculum seminis bekannt wird. (S. 41.) 

Die Zoospermien der Cypriden sind die grössten und 
schönsten aus der ganzen bekannten Thierwelt. Sie errei- 
chen bei Cypris ovum die 3 — ofache Länge des Thieres 
selbst. QS. 51.) 

Die selbsithätige Bewegung der Zoospermien geschieht 
durch eine welliinschlagende Wimperplalte, die ähnlich wie 
bei den Tritonen spiral herumläuft. Die Bewegung fängt erst 
im Weibchen an. (S. 56.) 

Die Zoospermien der beiden Körperhälften sind nicht 
congruent, sondern symmetrisch. Die einen sind rechts, die 
anderen links gewunden. (S. 55.) 

In der Samenblase des Weibchens werfen die Zoosper- 
mien eine aus erhärtetem Schleim gebildete Hülle ab. (S. 54.) 

Die Zoospermien der Cytheren sind klein und bewe- 
gungslos und kommen in den verschiedenen Arten in zwei 
verschiedenen Formen vor. (S. 56.) 

Die Cypriden legen Eier. Die von mir daraufhin un- 
tersuchten Cytheren sind vivipar. (S. 57.) 

Durch die Entwickelung (\es Geschlechtsapparats wird 
das bei jungen Thieren niedrige Abdomen imnier höher und 
breiter. (S 59.) 



128 Zenker: 

Zoologischer Theil. 

Die Ostracoden zerfallen in zwei Familien: Cypriden 
und Cytheriden. Die von den Augen entnommene und in 
der Paläontologie güllige Unterscheidung von Cytherc und 
Cypridina ist falsch. (S. 60.) 

Die bisherigen Charactere für die Cypris-Arlen genü- 
gen nicht. Eine möglichst allseitige anatomische Verglei- 
chung führt hier allein zu sicheren Resultaten. (S. 62.) 

Wegen Unsicherheit der Charactere ist die Synonymie 
sehr gross und müssen zahlreiche Species fortfallen. (S. 64.) 

Bei einigen Cypridenspecies finden sich Varietäten , in 
denen sogar die Zoospermien von verschiedener Grösse sind. 
(S. 75. S. 77 .) 

Die Cypris monacha Müll, und Cypris dispar Fisch, sind 
als Gattung Cyprois von den übrigen abzutrennen. (S. 61.) 

Die Cythere gibba und Cylhere gibbera Müll, sind Männ- 
chen und Weibchen derselben Species. (S. 85.) 

II. Cyelopiden* 

Unsere Süssvvasser-Copepoden gehören zu drei verschie- 
denen Familien. (S. 88.) 

Nur Cyclopsine Castor hat ein Herz und einen Kreislauf. 
Blutkörperchen fand ich nur in einem Exemplare. (S. 94.) 

Bei Cyclops quadricornis scheinen die Bewegungen des 
Darmes die Pulsationen eines Circulationsorgans zu ersetzen. 
CS. 96.) 

Respirationsorgane werden vermisst. (S. 96.) 

Auch Cyclops quadricornis hat Spermatophoren; dieselben 
sind aber denen von Cyclopsine Castor und Harpacticus 
staphylinus unähnlich. (S. 101.) 

In den Cyelopiden zeigt sich die Bauchskelelbildung in 
der einfachsten Form. (S. 90.) 

III« Asellus aqnatictis* 

Bei Asellus finden sich zwei Arten von Zoospermien, 
die in Gestalt und Entwickelung verschieden sind. Sie ent- 
stehen innerhalb derselben Mutterzelle und werden gemein- 
schaftlich ausgestossen. Selbstthätige Bewegung haben sie 
nicht. (S. 104.) 



Monographie der Ostracoden, Cyclopiden etc. 129 

Im Hinterleib von Asellus findet sich ein nierenähnliches 
Absonderungsorgan. (S. 106.) 

IV. System. 

Die Pycnogoniden gehören zu den Arachniden. (S.109.) 

Die Daphnoiden müssen mit den Phyllopoden eine Ord- 
nung (Branchiopoden) bilden. Ihnen reiht sich Argulus an 
(Aspidostraceen). (S. 111. S. 116.) 

Die Cyclopiden sind mit den Parasiten zu vereinigen 
(Entomostraca). Ihnen nahe stehen die Cirrhipedien. (S. 113. 
S. 110.) 

Die Ostracoden bilden eine eigene Ordnung wie dieMa- 
lacostraceen, Entomoslraceen etc. (S. 114.) 

V. €Kliedinasseii.t]ieorie« 

Die Erich so n'sche Theorie ist nur in sehr beschränk- 
ter Weise anwendbar. (S. 120.) 

Die Arachniden und Crustaceen haben 2, die Insecten 
1 Paar Antennen. (S. 122.) 

Man kann eine absolute und eine relative Analogie der 
Gliedmassen unterscheiden. (S. 124.) 



Einige Grössenangaben in Pariser Linien. 

1) Cypris ornata. 

Schale 1,18'" 1. 0,54'" h. 0,50'" br. 
Auge 0,067'" br. 0,048"' h. 

2) Cypris acuminata. 

Schale 0,65'" 1. 0,30'" h. 
Auge 0,024'" br. 0,020'" h. 
Schleimdrüse 0,25'" 1. 0,11'" d. 
Innerer Cylinder . . . 0,018'" d. 



Archiv f. Naturgesch. XX. Jahrg. Bd. 1. 



130 



Zenker: 



3) Cypris punctata, striata. 
Schale 0,44'" I. 0,33'"h. 0,24'"d. 
Auge 0,042'" 1. 0,030'" h. 
Schleimd. 0,092'" 1. 0,052'" d. 
Inn.Cylind. 0,060'" 1. 0,015'" d. 
Canal — 0,0025'" d. 

Schwimmborsten 0,25'" 1. 



non striata. 
0,34'"]. 0,24"' h. 0,17'" d. 
0,036'" br. 0,024'" h. 
0,064'" 1. 0,038'" d. 
0,040'" I. 0,010'" d. 
0,002'" d. 
0,25'"]. 



Streifen der Schale 0,0016'"— 0,002'" br. 



4) Cypris Joanna. 

Schale 0,271. 0,18 h. 0,20 d. 

Auge 0,030 br. 0,020 h. 

Schleimdr. 0,0801. 0,036 d. 

Inn. Cyl. ... 0,011 d. 

Canal 0,003 d. 

6) Cyprois monacha. 
Schale 0,55 1. 0,40 h. 0,30 d. 

Auge 0,10 br. 0,03 h. 

Schleimdr. 0,291. 0,13 d. 
Inn. Cyl. 0,025 d. 



5) Cypris Ovum. 
0,191. 0,12 h. 0,11 d. 
0,032 br. 0,020 h. 
0,0751. 0,028 d. 
0,0501. 0,012 d. 
sehr lang 0,002 d. 

Schwimmborsien der 
Autenna I. 0,235 1. 
Antennall. 0,1901. 



Zoospermien. 

Körper. Spitze. 

Imas. 0,1681. 0,0024 d.; 0,1201. 
acuminataj^^^ 0,2121. 0,0030d.; 0,112 1, 

jmas. 0,1201. 0,0024 d.; 0,0601. 0,0006d. 

/fem. 0,1601. 0,0030 d.; 0,0451. 

Imas. 0,9101. 0,0013d.; ? 

/fem. ? ? ? 

Vmas. ? ? ? 

non striata/fem. 0,4861. 0,0010 d.; ? 

\mas. 0,3201. 0,0015 d.; 0,120 1. 

/fem. 0,4801. 0,0015 d.; 0,0841. 0,0003d. 

Jmas. 0,4801. 0,0008 d. ; 0,2121. 0,0002 d. 

/fem. 1,0001. 0,0008 d; ? incl. 

mas. 0,4701. 0,0013 d.; 0,2401. 0,0002 d. 

fem. 



Art. 



C. Candida 

C. punctata 

striata 
C. punctata 



C. Joanna 



C. Ovum 



G. monacha 



incl. 



incl. 



Monographie der Ostracoden, Cyclopiden etc. 131 



Erklärung der Tafeln. 



Taf. T* 

Fig. 1. Cypris Candida. Gliedmassenfigur. 

AI, All Antennen vom Isten und 2ten Paar; MI, M II, MIII 
Kiefer ; P I, P II Füsse ; C Schwanz ; o Auge. 

Fig. 2. Antennen des Isten Paars. 

(Die Ziffern bezeichnen hier und weiter unten die Zahlen, 
welche den einzelnen Gliedern zukommen) s. Raderborsten. 

Fig. 3. Antennen des 2ten Paars. 

Fig. 4. Kiefer des Isten Paars. 

6. Kiemenanhang, d. Zähne, m. Ansatzslelle der Kaumuskeln. 

Fig. 5. Kiefer des 2ten Paars. 

Fig. 6. Kiefer des 3ten Paars. 

Fig. 7. Fuss des Isten Paars. 

Fig. 8. Fuss des 2ten Paars. 

Fig. 9. Schwanz. a. Chitingerüst zum Ansatz der Muskeln, h. 
Schwanzstachel mit den vier Borsten. 

Fig. 10. Schalenschlossband. v. Schalen. 6. Band. l. Leisten. 

Fig. 11. Schalenrand aus der Mundgegend von Cypris ornata. 
f). Schale, m. Rand. a. Erhabenheiten, c. Haare. 

Fig. 12. Schematische Darstellung der Schalenstructur. 

a. Aeussere harte Chitinhaut. h. Innere dünne Chitinhaut. 
c. Auskleidende zellige Haut. c. Körpermasse, f. Darm. g. 
Leberanhänge. h. Hodenschläuche. /. Schalenschlossband. 
m. Schliessmuskel. 

Fig. 13. Chitinskelet im Profil von Cypris ornata. 

A. Stirn. B. Oberlippe. C. Unterlippe. D. Brustbein. £. 
Magen, a. Gehirnslütze. h. Magenstütze, c. Vordere Haupt- 
leiste, d. Zahnreihen, e. f. g. Stützen für die drei Kiefer- 
paare, h. Kielförmiger Yorsprung des Brustbeins, i. Drei- 
ecksbildung. Anfang des Abdomens, h. Fussstütze. n. La- 
ger des Bauchganglions. 

Fig. 14. Rechenförmiges Kauorgan von Cypris ornata. 

a. Ansatzstück, b. Stiel, c. Zahnrechen, d. Haarige Stelle 
der Schlundwandung, e. Seitenlappen zum Zuführen der Spei- 
sen, f. Andeutung der gleichen Gebilde links. 



132 Zenker: 

Fig. 15. Darmkanal und Genitalien einer weiblichen Cypris ornata. 

a. Speiseröhre, h. Magen, c d. Darmabtheilungen, e. Mast- 
darm, f. Pylorus. s. Schwanz, h. Leberschlauch, o. Eier- 
rohr, r. Samenblase (Receptaculum seminis). h. Kanal zu 
derselben, v. Scheide (Vagina), m. Sehne des Schliessmuskels. 

Fig. 16. Speiseröhren-Magen von Cypris ornata. 

A. Speiseröhre. B. Ringlmorpel. C. Schildknorpel. D. Rei- 
bezeug, a. Ansatzstück des Schildknorpels, h. Weiche Haut 
als Kropf, d. Reibende Seite des Reibezeugs. 

Fig. 17. Auge von Cypris ornata. 

' a. Aeussere becherartig'e Hülle (Sclerotica) ; 6. Schwarzer 

Ring (Chorioidea) ; c. Metallisch glänzender Ring (Iris); d. 
Lichtbrechender Körper (Humor vitreus). 

Fig. 18. Kiefer des 3ten Paars einer jungen Cyprois monacha masc. 

Fig. 19. Zellen der auskleidenden Schalenhaut. Die Theilung der 
Kerne leitet die Vermehrung der Zellen durch Theilung ein. 

Fig. 20. Zellen aus der Darmwand. 

a. Mit Fettkügelchen erfüllt. h. Nach Auflösung der Fett- 
kügelchen. 

Fig. Hl. Blindes Ende eines Leberschlauchs. 

a. Fett absondernde Zellen, c. Canalhöhlung. 

Fig. 22. Follikel der Milz. a. Fettkügelchen. 

Fig. 23. Männliche Cypris acuminata. 

a. Vordere Hodenschläuche; h. hintere; g. Schleimdrüse; m. 
Schliessmuskel ; o. Auge. 

Taf. II. 

A. Genitalapparat. 

Fig. 1. Männlicher Geschlechtsapparat von Cypris acuminata. 

1 1. Hodenschläuche : a. vordere , h. hintere ; d. Samenleiter 
(Vas deferens) ; g. Schleimdrüse (Glandula mucosa) ; c. Aus- 
führungsgang der letzteren, p. Begattungsglied (Penis). 

Fig. 2. Schleimdrüse einer jungen männlichen Cyprois monacha. 

a. Innerer Cylinder; 6. Uebergang zum Ausführungscanal (c) ; 
d. Polare Narbe, als Uraschlagsstelle. e. Nach innen umge- 
schlagenes Ende des häutigen Rohrs, g. Umgebende Drü- 
senmasse (äusserer Cylinder). f. Längsstreifen auf dessen 
innerer Oberfläche. 

Fig. 3. Ein Stück vom Hodenschlauch. 

Darin die Spiral herumlaufenden Zoospermien (zs). 



Monographie der Oslracoden , Cyclopiden etc. 133 

Fig. 4. Samenblase und Samen canal einer jungen Cypris ornata. '' 
ö. Samenblase, b. Samencanal. c. Drüsenzellen. 

B. EntWickelung des Samens von Cypris acuminata. 
1—7. Erste Periode. Zellenform. 380fach. 

Fig. 1. Zelle mit einfachem Kern. 

Fig. 2. Zelle mit Kern und Kernkern. 

Fig. 3. Der Kern erhält durch eine Art Furchung ein körniges An- 
sehen. 

Fig. 4. Erste Spur bandartiger Gebilde (s) neben kugligen Molecü- 
len (m). 

Fig. 5. Zwei Zoospermienbänder (z-z"). 

Fig. 6. Das Zoosperm (sss) öfter herumgeschlagen. 

Fig. 7. Die Zelle (C. C) platzt. Heraustreten des Zoosperms (s) 
und der kugligen Molecüle (m). 

8—10. Zweite Periode. Uebergangsformen. Länge 190f. 
Breite 380f. 

Fig. 8. Erste Form mit hellem Hautrande. 

a. Spitze, b. Hautrand. c. Mittelnerv (Körper). 

Fig. 9. Zweite Form mit welligem Hautrande. 

Fig. 10. Dritte Form, platt und gedreht. 

11 — 13. Dritte Periode. Definitive Form. Länge 190f. 
Breite 380f. 

Fig. 11. Begattungsreifes Zoosperm aus dem Männchen. 

Fig. 12. Befruchtungsreifes Zoosperm aus der Samenblase des Weib- 
chens. 

Fig. 13. Abgeworfene Hülle des Zoosperms ebendaher. 
a. Riss, wo früher die Spitze hindurchtrat. 

Fig. 14. Ein Stück des reifen Zoosperms. Darstellung seiner Structur 

2500 f. 

C. Entwickelung der Eier, 

Fig. 1. Ei mit Keimbläschen und bereits körnigem Keimfleck. 
Fig. 2. Ei mit bereits körnigem Keimbläschen. 
Fig. 3. Reifes Ei, im Wasser aufgequollen. 

a. Dotter; bb. Aufgequollene Räume der Eihaut. 
Fig. 4. Schale einer jungen Cypris ornata (133 f.). a. vorn. 

Fig. 5. Schalenstructur. a. für die in Fig. 4. dargestellte Altersstufe; 

b. für eine etwas ältere (300 f.). 

D. Cypris acuminata Fischer. 
Fig. 1. Schale der gewöhnlichen Form. 

a. Auge. b. Vorderer Schalenrand. c. Zugespitzter hinte- 
rer Rand. m. Schliessmuskel. o. Blindes Ende des Eier- 
stocks, t. Dunkle Stelle wegen Durchscheinens des Darms. 



134 Zenker: 

Fig. 2r Drittes Kieferpaar des Männchens, r. rechts, l. links. 
Fig. 3. Hintertheil einer wenig ausgeprägten Form. 

a, Abdominalfortsatz, b. Abdominalskelet. c. Schwanz. 
Fig. 4. Hinterleib der gewöhnlichen Form. 

Fig. 5. Hinterleib eines Individuums von ungewöhnlicher Ausbildung. 
Fig. 6. Schuppenartiges Gebilde im Hintertheil der Schale desselben 

Individuums. 
Fig. 7. Cypris Joanna Baird. Schale, a. Auge, «t. Muskel. 

Taf. Uli 

A. Cypris (Cypria) punctata Jurine. 

Fig. 1. Schale der gestreiften Varietät. Weibchen. 

a. Auge. b. Rand. m. Muskeleindrücke, o. Eierstock. 

Fig. 2. Structur der Schale dieser Varietät. 

Fig. 3. Antenna II mit den langen Ruderborsten (s). 

Fig. 4. Drittes Kieferpaar des Männchens, r. rechts. /. links. 

Fig. 5. Schwanzstachel der einen Seite. 

Fig. 6. Schleimdrüse des männlichen Geschlechtsapparats. 

fl, 6. vorderer, hinterer Helm; c. Karbe. e e. Extreme Bor- 
stenkränze. 

B. Cypris (Cypria) ovum Jurine. 
Fig. 1. Schale Qa,b,m wie oben). 

Fig. 2. Auge. n. Eintrittsstelle des Sehnerven, oo. Einzelaugen. 
Fig. 3. Ein Kiefer vom dritten Paar des Männchens. 
Fig. 4. Schleimdrüse (a, c, ee wie oben), k. Knäuel des Canals. 
Fig. 5. Schlussfläche des inneren Cylinders dieser Schleimdrüse. 

a. Peripherie des inneren Cylinders. b. Grundfläche, in 18 

Felder getheilt. c. Zwölfstrahlige Narbe. 

C. Cyprois monacha Müller. 
Fig. 1. Schale eines Weibchens. 

(a, 6, m wie oben) c. Zähne am hinteren Schalenrande. 
Fig. 2. Auge. n. Eintrittsstelle des Sehnerven, oo Einzelaugen. 
Fig. 3. Antenna II mit Rudenborsten (s). 
Fig. 4. Drittes Kieferpaar des Männchens, r. rechts. L links. 
Fig. 5. Einfacher Schwanz des Weibchens. 

a. Schwanzskelet. e. Schwanzstachel, s. Schwanzborsteti. 
Fig. 6. Schleimdrüse des männlichen Geschlechtsapparats. 

fl. Wandung des äusseren Cylinders. c. Innerer Cylinder. d. 

Innere Borstenkränze, e. Extreme Borstenkränze, h. Aus- 

führung/icanal. 



Monographie der Osiraeoden, Cyclopiden etc. 135 

Fig. 7. Begattungsglied (Penis). 

A. Basalkörper. C. Begaltungscanal. «, 6, c dessen Erwei- 
terungen, f. Spalte, g, Greifer, l^m^riy eigenthümliche 
Haftorgane. 

Taf, IV* 

Fig. 1. Cythere viridis, Gliedmassenfigur. 

rt, h. Antennen I und II; c, d. Kiefer I und II; eec. Füsse; 

f. Schwanz; o. Auge. 
Fig. 2. Antennen des Isten Paars. 

(Die Ziffern zeigen hier und weiter unten die theoretische 
Zählung der Glieder an den Gliedmassen an.) 
Fig. 3. Antennen des 2ten Paars. 

g. Giftdrüse; /*. Chitinstachel am 2ten Glied. Ä. Dessen En- 
digung. Man sieht darin den Giftcanal, der an der Spitze («) 
ausmündet. 

Fig. 4. Kiefer des Isten Paares {h,d,m wie Taf. I. Fig. 4). 

Fig. 5. Kiefer des 2ten Paars. 

Fig. 6. Fuss. 

Fig. 7. Schwanz, a. Ansatzstück, letztes Segment ; h. Schwanzhäiften. 

Fig. 8. Bauchskelet von Cythere Fulea. 

a. Brustbein. Kielförmige Vertiefung. Lager des Bauchgang- 
lions. 6. Vorderer haariger Rand. Unterlippe, c. Zahnappa- 
rat; rf, e. Einfügungssteilen der Kiefer, f. Grosse Querleiste. 
g. Abdominalsegmente, h. Schwanz. 

Fig. 9. Schalenrand von Cythere viridis. 

a. Erhabenheiten, b. Streifige Zone. c. Haare, d. Körnige 
Schalenhaut. 

Fig. 10. Schalenschloss von Cythere viridis. 

a. Vordere Schlosszähne, b, Uebergreifender Vorsprung der 
rechten Schale, c. Hintere Zahnreihe. 

Fig. 11. Nervensystem von Cythere lutea. 

A, Gehirn. M. I, II. Brustganglien. P. I, II, III. Abdominal- 
ganglien. 

aa. Stränge des Schlundrings; Jft. Verbindungsstränge zwischen 
M. II und P. I. 

ff. Grosse Querleiste (Fig. 8. ff) ; o. Anschwellung der Seh- 
nerven. 

Fig. 12. Auge von Cythere viridis. 

a. Eintrittsstelle des Sehnerven, oo. Einzelaugen. 
12 a, Auge eines jungen Thiers, noch wenig getrennt. 



13Ö Zenker: 

Fig. 13. Darmcanal von Cythere viridis. 

a. Speiseröhre, b. Oesophagusmagen. c, d. Darmabiheilungen. 
c. Mastdarm, h. Gallenblase; m. Sehne des Schliessmuskels ; 
p. Pylorus. 

Fig. 14. Speiseröhrenmagen von Cythere viridis. 

a. Speiseröhre zunächst dem Munde, b. Ringknorpel, c. Schild- 
knorpel, d. Reibezeug. e. Fortsetzung der Speiseröhre, h, 
Gallenblase. t. Andeutung der ersten Darmabtheilung, p. 
Pylorus. 

Fig. 15. Scheide (Vagina) von Cythere viridis, a. Oeffnung. b. Canal. 

Fig. 16. Ei aus Cythere viridis 0,042'" 1., 0,032"' h. o. Augenfleck. 

Fig. 17. Embryo aus Cythere viridis 0,043"' 1. 0,036'" h. 

0. Auge. i. Darm. m. Mundgegend, a. Antenne des 2ten 
Paars. 

Fig. 18. Fast reifer Embryo aus Cythere viridis. 

0. Auge; a I, all, Antennen; m I, II, Kiefer; sph. Schliess- 
muskel. t. Darm. p. Fussstummel. 

Fig. 19. Ein Hode von Cythere gibba. 

a. Bildungsstätte der Zoospermienzellen. b. Weitere Ausbil- 
dung derselben, c. Hervortreten fadenförmiger Zoospermien. 

Fig. 20. Zoospermien von Cythere viridis. 

a. Stiel, b. Geissei. c. Mutterzelle. 

Fig. 21. Zoospermien von Cythere gibba. 

a, b, c, d. Entwickelungsslufen. e. Reifes Zoosperm. 

A. Cythere viridis. Müller. 

Fig. 1. Schale, a. Auge. b. Rand. c. Oberer Muskeleindruck, m. 
Schliessmuskel. 

Fig. 2. Penis. 

a. Basis mit der Samenblase, b. Hauplglied. cc. Begaltungs- 
rohr. gg. Oberer und unterer Greifer. s. ßorslentragende 
Warzen. 

B. Cythere flavida. Muller. 
Schale (a, b, c, m wie oben). 

Oberfläche der Schale, h. Knöpfe, ursprünglich mit Haaren. 
Innere Schalenhaut mit abgelagertem (blauen) Pigment. 
Penis. 

(a, b, c, g wie oben), f. Drittes Penisglied. r. Hartes Rohr 
zur Aufnahme des Begattnngscanals. 



Fig. 


1. 


Fig. 


2. 


Fig. 


3. 


Fig. 


4. 



Monographie der Ostracoden, Cyclopiden etc. 137 

C. Cythere lutea. Müller. 
Fig. 1. Schale (a, b, m wie oben). 

Fig. 2. Ein Stück der Schale (a) und des Randes (6). 

Fig. 3. Abdominalfuss mit gefiederter Endklaue. 

Fig. 4. Oberes hinteres Körperende. Der unpaare Chitinzapfen (i/) 

darf nicht als Schwanz betrachtet werden. 
Flg. 5. Penis. («, 5, c, /, g, s wie oben). 

l. Löffeiförmiges Ende des dritten Penisgliedes. 

D. Cythere gibba. Müller. 
Fig. 1. Schale des Männchens. 

a. Auge. h. Rand. c. Verlängerung des Hinterlheils. e. Mitt- 
lere Eindrückung. 

Fig. 2. Schale des Weibchens. 

a. Augen, e. Ausbauchung an der unteren Seite. 

Fig. 3. Ein Stuck der Schale (o) und des Randes (6). h. Haar- 
knöpfe. 

Fig. 4. Ein Feld der Schale, stark vergrösserl. 

a. Feld. b. Zwischenstäbe, faserig abgebrochen. 

Fig. 5. Penis. («, 6, c, f, g, l wie oben). 

t,z. Accessorische Greiforgane, «.blattförmig, z. klauenförmig, 

Taf. VI. 

Fig. 1. Penis von Cypris acuminata. 

A. Basalkörper. B. Organe zum Festhalten ; unterer Theil. C. 
BegattungscanaL a, h, c. Dessen Erweiterungen, f. Längs- 
spalte, g. Greifer, h. Haken, p, q. Flügeiförmige Fortsätze 

Fig. 2. Schleimdrüse von Cypris acuminata. 

a. Wandung des äusseren Cylinders. 6. Mittlerer Cylinder. c. 
Innerer Cylinder. d. Chitinkränze, mittlere, c. extreme, ft. 
Ausführungscanal. n. Polare Narbe. 

Fig. 3. Asellus aquaticus. Körper. Junges Thier. 
n. Nierenähnliches Absonderungsorgan. 

Fig. 4. Zoospermien-Mutterzelle aus Asellus aquaticus. 

a. Polarer, b. antipolarer Theil. d. Anfang der Zoospermien- 
bildung. 

Fig 5. Zoospermien-Mutterzelle nahe der Reife, zerplatzt. Asellus. 

a. Spitzer polarer Theil. b. Antipolarer Theil , unten aufge- 
rissen, c. Hervorgetretene haarförmige Zoospermien. d. Noch 
eingeschlossene keulenförmige Zoospermien. 

Fig. 6. Entwickelungsformen der keulenförmigen Zoospermien. Asellus. 
a. Zelle mit Kern ; b, c, d, e. Verschwinden des Kerns, Her- 
vortreten des Schwanzes; f. Kernloses Zoosperm. g. Ausgebil- 
detes Zoospenu- h. Durch Wasser aufgeblähtes Zoosperra. 



f38 Zenker: Monographie der Ostracoden, Cyclopiden etc. 

Fig. 7. Ein Stück der Schalendrüse von Apus prod actus. 

Fig. 8. Cyclops quad ricornis. Müller, Männchen. Ganze Figur. 
0. Auge. t. Hoden, e. Windungen der Hodenschläuche (Ne- 
benhoden), d. Samenleiter, v. GeschlechtsölTnung. 

Fig. 9. Samen von Cyclops quadricornis. 

a. Zelle mit aufsitzendem Kern. b. Zelle ohne Kern. c. Her- 
auswachsende Zoospermien. d. Ausgebildetes Zoosperra. c. 
Spermatophor. 

Fig. 10. Bewaffnungen des Mundes von Cyclops quadricornis. 

a. Zahnreihe an der Kante der Oberlippe, b. Zahngeröst im 
Schlünde. 

Fig. 11. Ein Wirbel aus dem Bauchskelet von Cyclops quadricornis. 
A. Wirbelkörper. BB. Seitenflügel, r. Rinne, w. Wülste. 
q. Schief ansteigende Endfläche, zz. Zapfen nach hinten, y. 
Unpaarer Zapfen, m. Vorderer, n hinterer Flügelfortsatz. l. 
Loch zur Einlenkung des Fusses. 

Fig. 12. Ein Bauchwirbel im Durchschnitt. 

r. Rinne, w w. Wülste, »n m. Seitenflügel, nn. Lager für 
die Nervenstränge, pp. Raum für die Fussmuskeln. s, Lei- 
beshöhle. Sinus abdominalis. 

Fig. 13. Cyclopsine Castor Milne Edwards. Männchen. GanzeFi- 
gur. 0. Auge, gl — </V Ganglien des Bauchnervenstrangs. g, 
Schwanzganglien, g c. Gehirnganglion, n. Nerven für die 
Schwanzborsten. /. Oberlippe. d. Gi*'tdrüse (Fig. 14). h. 
Herz (Die Pfeile bezeichnen den Blutlauf), t. Hode. c. Sa- 
menleiter, m. Schleimdrüse, p. Unfertiges Spermatophor. 
q. Fertiges Spermatophor. v. Geschl€chtsöfi"nung. 

Fig. H. Drüse zu den Seiten des Mundes aus Cyclopsine Castor. 



Beiträgfe zur Keiintiiiss der Vegetationsver- 
liältiiisse oberhalb der IScSineeliiiie. 

Von 
Adolpli §c]tlagrini^veii *>• 



Die folgende Liste enlhält eine Zusammenstellung der 
Arten von Phanerogamen und von Moosen und Flechten, 
welche wir im Jahre 1851 in den westlichen Alpen an 
einzelnen Punkten noch weit über der mittleren Schneegrenze 
auffanden. Diese Beobachtungen schliessen sich an die Be- 
merkungen an, welche ich in unseren früheren Untersuchun- 
gen über die physicalische Geographie der Alpen 1850 (Cap. 
XXI S. 584 — 596v) über die Vegetationsverhällnisse der sub- 
nivalen und nivalen Region, zwischen 7000 und 12000', für 
die östlichen Alpen mitgetheilt habe. 

Die sorgfältige Bestimmung der gesammelten Pflanzen 
verdanke ich Herrn Prof. Alex. Braun in Berlin für die 
Moose und Flechten, und Herrn Prof. Karl Koch in Berlin 
für die Phanerogamen. Es sei mir gestattet, diesen beiden 
Herren meinen verbindlichsten Dank hier auszudrücken. 

Ich muss noch bemerken, dass die Aufzählung der Pflan- 
zen für die Umgebungen der Vincenthütte ebenso wie für 
die übrigen einzelnen Standpunkte nicht auf absolute Voll- 
ständigkeit Anspruch machen kann. In den Felsenritzen und 



1) Mitgetheilt aus den „Neuen Untersuchungen über die phy- 
sicalische Geographie und die Geologie der Alpen von Adolph 
Schlagintweit und Hermann Schlagintwei t. Leipzig. T. 0. 
"Waigel 1854. 4. mit einem Atlas von 22 Tafeln.« 



140 Schlagintweil: 

an den steilen Wänden entgeht leicht eine Pflanze der Beob- 
achtung; auch erlaubten uns unsere übrigen Beschäftigungen 
nur verhällnissmässig wenige Zeit auf das Sammeln der Pflan- 
zen zu verwenden. Die Vergleichung der verschiedenen 
Standpunkte lässt jedoch mit ziemlicher Sicherheit die Summe 
der characteristischen Arten erkennen. 

In den Umgebungen des Monte-Rosa reichen die Pha- 
nerogamen vorzugsweise zu sehr grossen Höhen hinauf; ihr 
Gedeihen wird durch die grosse absolute Erhebung dieser 
Gebirgsgruppe und durch die südliche Lage ^) derselben be- 
günstigt. Man trifl't hier noch ziemlich allgemein vereinzelte 
phanerogamische Pflanzen bei llOOO Fuss, während im Maxi- 
mum eine dieser Pflanzen (Cherleria sedoides) noch bei 11700 
P. F. gefunden wurde. In den Centralalpen von Tyrol und 
im Berner Oberlande treten einzelne Phanerogamen noch 
zwischen 10000 und 10500 F. auf. In der nördlichen Ne- 
benzone der Alpen, in der Schweiz, in Südbayern und in 
Oesterreich, sind die Berge meistens nicht hoch genug, um eine 
sichere Bestimmung der äussersten Phanerogamengrenze zu- 
zulassen. Jedenfalls können dort phanerogamische Pflanzen 
noch bei 9000 P. F. und wohl etwas darüber gedeihen. In 
folgender Zusammenstellung sind die Pflanzen angegeben, 
welche wir an verschiedenen hohen Punkten gefunden haben. 

SBag^spitze 

in den bayerischen Kalkalpen, 2954 Met. 9094 P. F. Auf 
hellem oberen Alpenkalke.-' 

Die Phanerogamen fanden sich etwas unterhalb des Gi- 
pfels zwischen 9000 und 8900 P. F. Die Moose sind von der 
obersten Felsenkuppe selbst. 



1) Um Wiederholungen zu vermeiden, erlaube ich mir auf die 
vergleichende Darstellung der physicalischen Verhältnisse der Alpen 
in der vierten Abtheilung unseres oben angeführten Buches zu ver- 
weisen. Wir haben uns dort bemüht, den Einfluss, welchen die cli- 
matischen Verhältnisse und die Bodengestaltung auf die Vertheilung 
der Vegetation in verschiedenen Höhen des Alpengebirges ausüben, 
specieller zu betrachten. Vcrgl. auch die Beobachtungen über die 
Temperatur der oberen Bodenschichten imd über ihren Einfluss auf 
das Gedeihen der Hochalpen-Pflanzen in Cap. Vi. S. 207. u. s. w. 



Beiträge zur Kenntn. d. Vegetationsv. oberhalb d. Schneelinie. 14 1 

Phanerogamei). 
Draba tomentosa Wahlenb. 
Saxifraga slenopctala Gaud. 
Saxifraga androsacea L. var. pygmaea. 

Moose. 
Andraea rupestris Hedw. 
Barbula tortuosa Vi 11. 
Didymodon capillaceus Sehr ad er. 
Didymodon flexicaulis? steril. 
Hypnum julaceum Schw. 
Hypnurn uncinatum. 

Flechten waren auf dem höchsten Gipfel selbst unge- 
mein wenig entwickelt. Es fanden sich nur einige nicht 
näher bestimmbare Anflüge einer Lecidea und einer Verrucaria. 
Umg^eliung^en tler Vincentliiitte , 
auf der südlichen Abdachung des Monte -Rosa in Piemont; 
zwischen 9500 und 9800 Par. Fuss. Auf Gneiss. 

Phanerogamen. 
D icotylen. 

Achillea hybrida Gaud. 
Androsace glacialis Hoppe. 
Artemisia mutellina Vill. 
Artemisia spicata Wulf. 
Aster alpinus L. 
Cardamine alpina Willd. 
Cerastium latifolium L. 
Cherleria sedoides L. 
Chrysanthemum alpinum L. 
Erigeron uniflorus L. 
Eritrichium nanum S c h r d. 
Gentiana imbricata Froel. 
Gentiana verna L. 
Hutschinsia petraea R. Br. 
Linaria alpina Mill. 
Oxyria digyna Campd. 
Potentilla alpestris Hall. Fil. 
Primula Dinyana La gg. 
Phyteuma pauciflorum L. 



142 Schlagintweit: 

Ranunculus glacialis L. 
Salix herbacea L. 
Salix reticulata L. 
Saxifraga aizoides L. 
Saxifraga bryoides L. 
Saxifraga biflora All. 
Saxifraga exarata Vi 11. 
Saxifraga muscoides Wulf. 
Saxifraga oppositifolia L. 
Saxifraga retusa Gouan. 
Saxifraga stellaris L. 
Senecio uuiflorus All. 
Silene acaulis L. 
Thlaspi cepeaefolium Koch. 
Thlaspi corymbosum Gaud. 
Thlaspi rotundifolium Gaud. 
Veronica alpina L. 

Monocolylen. 

Agroslis rupestris All. 

Avena subspicata Clairv. 

Carex nigra All. 

Elyna spicata Sehr ad. 

Festuca Halleri All. 

Fesluca ovina L. y violacea Gaud. 

Koeleria hirsuta Gaud. 

Luzula spicata DC. 

Poa alpina L. 

Poa laxa Haenke. 

Poa minor Gaud. 

Cryptogamen. 
Moose. 

Bartramia ilhyphylla Schwaegr. 

Bryuin turbinatum Hedw. 

Didymodon capillaceus Sehr ad. 

Grimmia obtusa Schwaegr. 

Gymnomitrium concinnatum Corda. 

Gymnostomum rupestre Schwaegr. 

Hypnum julaceum S c h w. (Isotheciunj pioniliforme Hüb.) 



Beiträge zur Kenntn. d. Vegetationsv. oberhalb d. Schneelinie. 143 

Polylrichiim septentrionale S w a r z. (P. sexangulare 

Flörke.) 
Trichostomum lalifolium Schwaegr. CDesmalodon la- 

tifolius Brid.) 
Weisia crispula H e d w, 

Flechten. 

Cetraria cucullata Bell. 

Cetraria islandica Ach. 

Cetraria nivalis L. 

Cladonia gracilis L. 

Cornicularia ochroleuca Ach. 

Lecidea conglomerata Ach. 

Lecidea geographica L. 

Lecidea pulchella Schaer. 

Lepra incana Wahl. 

Parmelia ceratophylla var. multipuncla Schaer. 

Parmelia fahlunensis « vulgaris Schaer. 

Parmelia fahlunensis S lanata Schaer. 

Parmelia saxatilis Ach. 

Pelligera canina Schaer. var. minor. 

Solorina ^crocea Ach. 

Stereocaulon alpinum Laur. 

Thamnalia vermicularis Schaer. 

Umbilicaria polymorpha a cylindrica Schaer. 

Umbilicaria polymorpha s mesenteriformis Schaer. 

Ilmg^ebiiiigen des monte-Rosa. 

St. Theodul-Pass oder Matterjoch. 

3353 Met. 10322 P. F. 

P hanero gamen. 

Androsace gladalis Hoppe. 
Erilrichium nanum Sehr ad. 
Gentiana verna L. 
Linaria alpina Mi 11. 
Ranunculus glacialis L. 
Salix herbacea L. 
Saxifraga oppositifolia L. 



144 Schlagintweit: 

Thlaspi cepeaefolium Koch. 

Die Nase; ein Felsenkamm, welcher aus dem Lys- 
gletscher hervorragt. 

A. Zweiter Gipfel 3570 M. 10990 F.F. 

Cherleria sedoides L. 

Chrysanthemum alpinum L. 

Erigeron uniflorus L. 

Eritrichium nanum Sehr ad. 

Juniperus nana Willd. Ein einzelner Strauch; der 
höchste Stand, an welchem diese Pflanze in den 
Umgebungen des Monte-Rosa beobachtet wurde. 

Primula Dinyana La gg. 

Ranunculus glacialis L. 

Saxifraga bryoides L. 

Saxifraga oppositifolia L. 

Senecio uniflorus All. 

Foa laxa Haenke. 



Didymodon capillaceus Sehr ad. 
Jungermannia. 
Polytrichum alpinum L. 
Racomitrium lanuginosum Brid. 
Weisia crispula Hedw, 

B. Erster Gipfel. 3630 Met. 11176 F. F. 
Cherleria sedoides L. 
Chrysanthemum alpinum L. 
Ranunculus glacialis L. 
Saxifraga bryoides L. 
Silene acaulis L. ß. exscapa All. 
Foa laxa Haenke. 



Didymodon capillaceus Sehr ad. 
Weisia crispula Hedw. 
Weisia crisp. Hedw. var. atrata. 
Lecanora flava ß chlorophana Schaer. 
Lecanora muralis Schaer. var. ? 



Beiträge zur Kenntn. d. Vegetationsv. oberhalb d. Schneelinie. 145 

Lecidea conglomerata Ach. 

Lecidea geographica L. 

Parinelia slygia var. lanata Meyer. 

(Cornicularia lanata Ach.) 
Solorina crocea Ach. 
Stereocaulon condensatum Hoffm. 
Umbilicaria anthracina Sc ha er. 
Umbilicaria vellea y spadochroa Sc ha er. 

W e i s t h r , Pass über den Hauptkamm des Monte-Rosa. 
3618 Met. 11138 F. F. 

Chrysanthemum alpinum L. 

Eritrichium nanum S c h r a d. 

Gentiana imbricata Froel. 

Ranunculus glacialis L. 

Saxifraga muscoides Wulf. « compacta. (S. acaulis 

Gaud.) 
Saxifraga muscoides Wulf. £ moschata. (S. moschata 

Wulf.) 
Senecio uniflorus All. 
Poa alpina L. 
Poa laxa Haenke. 



Racomitrium. 

Lecidea geographica L. 

Parmelia fahlunensis var. lanata Sc ha er. 

Umbilicaria polymorpha var. 

Firninsel amWestabhange des Monte-Rosa, 
gegen den Gornergletscher. 3723 Met. 11462 P.F. 

Cherleria sedoides L. 



Lecidea conglomerata Ach. 
Lecidea geographica L. 

Es war hier die letzte Spur phanerogamischer Pflanzen, wel- 
che wir auf der nordwestlichen Seite des Monte-Rosa beobachteten. 



Archiv f. Naturgesch. XX. Jahrg. 1. Bd. 10 



146 Schlagintweit: 

Felsen auf der südlichen Abdachung der 
Vincentpyramide. 3823,5 Met. 11770 P. F. 

Cherleria sedoides L. 

In einigen kleinen Exemplaren. Es ist dieses der höchste 
Standpunkt phan e r o ga mischer Pflanzen, wflcherbis jetzt 
in den Alpen beobachtet wurde. 

Andraea rupestris Hedw. 

Grimmia. 

Stereocaulon. 

Weisia crispula Hedw. 

Lecidea armeniaca Sc ha er. 

Lecidea conglomerata Ach. 

Lecidea geographica L. 

Umbilicaria vellea a hirsuta Schaer. 

ümbilicaria polyphylla a glabra Schaer. 

Gipfel desMonte-Rosa. 
4640 Met. 14284 P.F. 

Lecidea conglomerata Ach., in kümmerlichen Anfängen. 
Lecidea geographica L. 

„ „ var. a contigua Schaer. 

„ „ var. ß atrovirens Schaer. 

Spuren einer Parmelia und einer Umbilicaria, die nicht 
näher bestimmbar waren. 

Gipfel des Mont-Blanc'}- 
4810 Met. 14809 P.F. 

Lecidea confluens Ach. 
Parmelia polylropa Schaer. 

' Hemer Alpen. 

Gaulipass; zwischen dem Gauligletscher und dem Unler- 
aarglelscher. 3274Met. 10080 P.F. 

Androsace glacialis Hoppe. 



1) Bestimmt von Schaer er, nach den von Saussure am 
Mont-Blanc gesammelten Exemplaren. Linnaea 1842. Bd. XYL S.66. 



Beiträge zur Kenntn. d. Vegetationsv. oberhalb d. Schneelinie. 147 

Chrysanthemum alpinum L. 
Genliana imbricata Froel. 
Potenlilla grandiflora L. 
Ranunculus glacialis L. 
Saxifraga biyoides L. 
Saxifraga oppositifolia L. 
Silene acaulis L. 
Poa laxa Haenke. 



Barbula (Syntrichia) ruralis Hedw. 

Bryum (Ludwigii? Spreng.) 

Jungermannia. 

Polytrichum seplentrionale Swarz. (F. sexangulare 

Flörke.) 
Racomitrium (fasciculare? Brid.). 
Lecidea geographica L. 
Umbilicaria polyphylla ß flocculosa Schaer. 

Felsen auf der südwestlichen Abdachung 
des Finsteraar hornes, gegen den rechten Zufluss des 
Yieschergletschers. 3350 Met. 10313 F. F. 

Chrysanthemum alpinum L. 

Draba frigida Saut. 

Linaria alpina Mi 11. 

Saxifraga bryoides L. 

Saxifraga muscoides Wulf, a compacta. 

Silene acaulis L. 

Poa laxa Haenke. 



Didymodon capillaceus Sehr ad. 

Hypnum cypressiforme L. 

Cladonia neglecla Flörke. 

Lecidea geographica L. 

Lepra incana Wahl. 

Parmelia elegans Ach. 

Parmelia fahlunensis var. lanata Schaer. 

Gipfel desEwigschneehorneSj neben dem Gau- 
lipasse. 3400,5 Met. 10468 F. F. 

Androsace imbricata Lam. 



148 Schlagintweit: Beiträge zur Kennln. d. Vegetationsv. etc. 
Poa laxa Haenke. 



Didymodon capillaceus Sehr ad. 

Grimmia (uncinata? Kaulf.). 

Lecidea geographica L. 

Lecidea confervoides Schaer. 

Parmelia elegans Ach. 

Umbilicaria polymorpha ß deusla Schaer. 

Gipfel der Jungfrau *) 
4167 Met. 12828 P.F., nach Eschmann. 

Lecidea conglomerata Ach. 
Lecidea confluens var. steriza Ach. 
Parmelia elegans a miniata Schaer. 
Umbilicaria alro-pruinosa y reliculata Schaer. 
Umbilicaria Virginis Schaer. 



1) Bestimmt von Schaerer, nach den von Agassiz auf der 
Jungfrau gesammelten Exemplaren. Linnaea 1842. Bd. XVI. S.66. 



lieber eine iBeiae Familie von Fischen aus 
Californien. 

Von 
li« A g- a s s i z« 

Aus Silliman's Amer. Journ. Vol. XVI. p. 380, übersetzt. 

Vom 

Herausg-elici** 



Vor etwa fünfzehn Monaten empfing* ich einen Brief von 
Herrn A. C. Jackson, bald nach seiner Rückkehr von San 
Francisco in Californien, in welchem er mir anzeigte, dass 
er beim Fischen in der Bai von San Salifa einen Fisch aus 
der Barschfamilie gefangen habe, der lebende Junge in sich 
hatte. Die Angabe schien mir so auffallend, dass ich, trotz 
einer beigelegten Zeichnung des beobachteten Exemplars, doch 
ein Missverständniss argwöhnte , und Herrn Jackson auffor- 
derte mir weitere Mitlheilung über das, was er gesehen habe, 
zu machen, und wo möglich mir Exemplare in Weingeist zu 
senden. Darauf erhielt ich folgende Antwort: 

„Ich bedaure sehr, dass meine neuliche Mittheilung Ih- 
nen ohne Vorlegung des Fisches und der Jungen so wenig 
genügt hat; ich habe aber Massregeln getroffen^ sie zu er- 
halten, und hoffe in einigen Monaten Ihnen wenigstens Exem- 
plare des Weibchens, wenn auch nicht der Jungen verschaf- 
fen zu können. Ich würde zu der Zeit, wo ich den Fisch 
fing, ihn in Weingeist aufbewahrt haben , aber damals hatte 
ich die nöthigen Vorrichtungen nicht zur Hand. Ich habe 



150 Agassiz: 

Aufträge nach Californieii gegeben, für mich einige von den 
Fischen zu fangen, und wenn in jetziger Jahreszeit (16. Sep- 
tember 1852) die Weibchen tragend seien (was nicht wahr- 
scheinlich ist), aus einem den Sack mit den Jungen zu neh- 
men, und Mutler und Junge in das Gefäss mit Weingeist zu 
legen, auch einige andere Weibchen unverletzt hinzuzufügen. 
Die Untersuchung dieser Exemplare wird, selbst wenn sie nicht 
tragend sind, die Wahrheit und Genauigkeit meiner letzten 
Angabe bestätigen. Es wird dann leicht sein, während des 
nächsten Frühlings und Sommers Exemplare in allen Stadien 
der Trächtigkeit zu erhalten. Ich glaube, wenn ich in der 
Gegend bleibe, Ihnen im nächsten Jahr hinreichendes Mate- 
rial verschaffen zu können. Der in Rede stehende Fisch 
scheint in den Gewässern derSanSalita Bai nicht eben häufig 
zu sein, denn die beiden, welche ich fing, waren die einzi- 
gen, welcher ich habhaft wurde, obgleich ich an derselben 
Stelle wohl viermal fischte. Vielleicht kam mir ein beson- 
derer Umstand bei dem Fange zu Statten. Ich hatte vorher 
meine Ruthe und Schnur, wie erwähnt, viermal versucht, und 
hatte immer Groppen, Barsche u. dergl. gefangen, ohne eine 
Spur von unserem seltsamen Fisch. Einige Tage , vielleicht 
eine Woche darauf, am 7ten Juni, brach ich früh Morgens 
auf um ein Gericht Fische zum Frühstück zu fangen, ging an 
den gewohnten Ort, köderte mit Krabben, und begann zu 
fischen, als der Wind zu stark für voiA heilhaftes Angeln blies ; 
dennoch fing ich beim ersten und ztreilen Auswerfen die 
beiden Fische, Männchen und Weibchen, über die ich schrieb, 
und ihre Lebhaftigkeit und Stärke waren so gross, dass meine 
schwache Angelrulhe in Gefahr kam. Es gelang mir beide 
in Sicherheit zu bringen, aber in einer halben Stunde wollte 
kein Fisch mehr anbeissen. Ich beschloss den Köder zu 
wechseln, ein Stück von den eben gefangenen Fischen an 
den Haiken zu stecken. Ich schnitt daher ein Stück von dem 
Bauch des grössten ab, und war überrascht, aus der gemach- 
ten Oeffnung einen kleinen lebenden Fisch hervor- 
kommen zu sehen. Anfangs glaubte ich, der Fisch möge 
ihn verschluckt haben, aber mein Erstaii:cn sli'^g, als ich 
bei weiterem Oeffnen des Fisches dicht am Rücken des Fi- 
sches und schwach daran angeheftet einen langen hell vio- 



Ueber eine neue Familie von Fisclien aus Californien. 151 

leiten Sack fand, so durchscheinend, dass ich schon durch 
ihn hindurch die Gestalt, Farbe und Bildung einer Menge klei- 
ner Fische, alle einander gleich, erkennen konnte, mit de- 
nen der Sack angefüllt war. Als ich den Sack öfTuete, nahm 
ich noch achtzehn junge Fische heraus, die ganz dem ersten 
zufällig daraus hervorgegangenen an Grösse, Gestalt und Farbe 
glichen. Die Mutter war sehr dick um ihre Mitte, und von 
sehr dunkel brauner Farbe, am Rücken und an den Flossen 
fast schwarz, ein besonders kräftiger Fisch. Die Jungen, 
welche ich heraus nahm , glichen der Mutter vollständig in 
der allgemeinen Form, nur war die Alte, vermulhlich in Folge 
ihrer Trächtigkeit, viel breiter und umfänglicher zwischen Rük- 
ken und Bauchflossen. An Farbe glichen sie durchaus der Mut- 
ter, nur waren sie etwas heller. Kurz , sie waren in allen 
Beziehungen der Mutter und unter sich gleich , derselbe ei- 
genthümliche Mund, dieselbe Lage und Gestalt der Flossen, 
dieselben Augen und Kiemenspalteu , so dass nicht der ge- 
ringste Zweifel darüber stattfinden kann, dass es die Brut des 
Fisches war, aus dem ich sie genommen habe, und dass diese 
Fischart lebendige, vollkommen ausgebildete, und sich selbst 
ihre Nahrung im Meere zu suchen befähigte Junge zur Welt 
bringt. Die Zahl der Jungen in dem Sacke war neunzehn, 
und alle waren so flink und munter und so heimisch in ei- 
nem Eimer mit Salzwasser, als w^enn sie seit Monaten an das 
Wasser gewöhnt wären. Der gefangene männliche Fisch war 
nicht ganz so gross wie das Weibchen, weder in Länge noch 
Umfang und überhaupt schlanker. Ich denke wir können 
darauf rechnen , anfangs December die Exemplare zu erhal- 
ten. Aber ich kann kaum hoffen solche Exemplare mit Jun- 
gen zu verschaffen als in derselben Jahreszeit, nämlich im 
Juni. Dann wird gewiss die Thatsache entschieden, und die 
Resultate nach ihrer Wichtigkeit gewürdigt w^erden." 

In einem ferneren Briefe (dalirt vom 31. Januar 1853) 
meldete mir Herr Jackson, dass er den Capitain Gase, 
welcher eine Kriegs-Schaluppe in San Francisco commandirt, 
und der auch den Fisch gesehen hat, augefordert habe, mei- 
nem Freunde, Herrn T. G. Gary jun. in San Francisco, Exem- 
plare dieses Fisches mitzutheilen, wenn es ihm gelingen sollte, 
deren zu fangen. 



152 Agassiz; 

Elwa vor vierzehn Tagen wurde ich in einem Briefe 
des Herrn Gary aus San Francisco vom 10. August 1853 
benachrichtigt, dass nach einigen Monaten vergeblichen Be- 
mühens es ihm gelungen sei, einige Exemplare von diesem 
sonderbaren Fisch aufzubringen, und dass er drei davon di- 
rect an mich gesandt habe (die inzwischen angekommen 
sind), während eine grössere Anzahl um Cap Hörn schiffen 
werde. Nach einer sorgfältigen Untersuchung der Exemplare 
habe ich mich von der vollständigen Genauigkeit in den An- 
gaben, wie sie in dem Briefe des Herrn Jackson vom Fe- 
bruar 1852 enthalten sind, überzeugt, und ich habe ferner 
die Freude gehabt, festzustellen, dass unter den Exemplaren 
von Herrn Gary zwei sehr bestimmt unterschiedene Species 
dieses merkwürdigen Fischtypus enthalten sind. Ich schlage 
dafür die generische Benennung Embioto ca vor, um auf 
ihre eigenthümliche Fortpflanzungsweise anzuspielen. 

Ich trage einiges Bedenken in Beziehung auf den Fa- 
miliennamen für diesen Typus. Es ist wahrscheinlich, dass 
alle Mitglieder dieselbe Eigenthümlichkeil in ihrer Fortpflan- 
zungsweise zeigen werden , und dass der Name Embiotoca 
passend in Embiotocoidae modificirt werden könnte, wie 
Didelphis ihren Namen für eine zahlreiche Familie, Didelphi- 
dae hergegeben hat, nachdem es lange Zeit nur ein Gattungs- 
name gewesen war. Sollte sich jedoch ergeben, dass an- 
dere Typen dieser Familie verschiedene ModiGcationen in ih- 
rer Fortpflanzungsart darböten, wodurch der Name Embioto- 
coidae verwerflich würde, so würde ich vorschlagen, einen 
Familiennamen nach einer anderen Eigenthümlichkeil im Bau 
dieser Fische, die noch bei keinem andern beobachtet ist, zu 
bilden, nämlich nach dem nackten, furchenartigen Raum pa- 
rallel der Basis der hinteren Rückenflosse, welcher die Schup- 
pen, mit denen die Basis der Strahlen bedeckt ist, von de- 
nen an den Seiten des Körpers trennt, und sie Hole onoti 
nennen. 

Die Beharrlichkeit und Sorgfalt, mit der die Herren 
Jackson und Gary während längerer Zeit jede Gelegen- 
heit wahrgenommen haben, um das nöthige Material für eine 
wissenschaftliche Untersuchung dieser wunderbaren Fische 
herbeizuschaffen, hat mich veranlasst^ dem Dienst den sie 



Ueber eine neue Familie von Fisclien aus Californien. 153 

dadurch der Zoologie geleistet haben, ein Denkmal zu set- 
zen, und ihre Namen den beiden Arten beizulegen , welche 
sich jetzt in meinen Händen befinden, und welche in meinem 
Museum in Cambridge als Emb. Jacksoni und Emb. Caryi 
etiquettirt sind. 

Eine Gegend, welche in unseren Tagen solche Neuig- 
keiten bietet, verspricht die Wissenschaft mit vielen anderen 
unerwarteten Thatsachen zu bereichern , und was im höch- 
sten Grade von Californien wahr ist, gilt auch einigermas- 
sen von allen unsern Gewässern. Möge dies nicht nur un- 
sere Naturforscher, sondern auch alle Liebhaber der Natur 
und der Wissenschaft in diesem Lande zu erneuten Nach- 
forschungen anspornen. 

I^iimiSie Holconoti oder lEanbiotocoidae« 

Das allgemeine Ansehen der Fische , auf welche diese 
Familie gegründet ist, ist das unserer grösseren Arten von 
Pomotis, oder vielmehr das der breiteren Typen der Sparoi- 
den. Ihr Körper ist zusammengedrückt, oval ^ bedeckt mit 
Schuppen von mittlerer Grösse. Die Schuppen sind Cycloid- 
schuppen, und dadurch sind diese Fische weit von denen 
verschieden^, denen sie im äusseren Ansehen gleichen. Die 
Deckelstücke sind ohne Dornen oder Zähnelungen. Kiemen- 
hautstrahlen sechs. Der Mund ist von ziemlich dicken Lip- 
pen umgeben; die Zwischenkiefer bilden den ganzen Rand 
des Oberkiefers. Zvvischenkiefer und Oberkiefer sind etwas 
vorstreckbar. Zähne nur an dem Zwischenkiefer, Unterkiefer 
und Schlundknochen, keine Zähne am Gaumen und am Vo- 
mer. In dieser Rücksicht, wie auch in der Abwesenheit der 
Zähnelung an den Kiemendeckelstücken , weichen sie mehr 
von den Percoiden als von den Sparoiden ab; aber die Cy- 
cloidschuppen entfernen sie sogleich von den letzteren, bei 
denen die Schuppen überall Ctenoidschuppen sind. Die dik- 
ken Lippen möchten an die Labroiden erinnern , aber die 
Schuppen von Embiotoca sind weder länglich, noch besitzen 
sie die charakteristischen verzweigten Röhren dieser Familie. 

Eine lange Rückenflosse, deren vorderer Thcil durch 
Stachelstrahlen, deren hinterer durch zahlreiche gegliederte 
und verzweigte Strahlen gestützt ist, welche an der Basis 



154 Agassiz: 

mit einer Scheide von zwei oder drei Scliiippenreihen ver- 
sehen sind, die von den Schuppen des Körpers durch eine 
ziemlich breite und tiefe schuppenlose Furche getrennt sind. 
Diese letzte Eigenthüralichkeit ist, soviel ich weiss, noch bei 
keinem Fisch beobachtet worden. Es befindet sich ein deut- 
licher länglicher Raum parallel dem weichen Theil der Rük- 
kenflosse, etwa von der Breite einer einzelnen Schuppenreihe, 
welcher völlig nackt, und wohl umgrenzt ist, und der gleich- 
sam eine Furche zwischen den Schuppen des Rückens und 
denen an der Basis der Flossenstrahlen bildet. Obgleich so 
von einer Art Scheide beschützt, kann nur der vordere Theil 
der Rückenflosse nach hinten niedergelegt, und ganz zwischen 
diesen Schuppen verborgen werden , wie bei vielen Sparoi- 
den; der hintere Theil kann dies nur theilweise. Ferner sind 
die Schuppen der Scheide nur längs der Basis des weichen 
Theils der Rückenflosse durch eine Furche von denen des 
Rückens getrennt. Die ersten Strahlen der Afterflosse sind 
kurz, verhältnissmässig klein und stachlig. Die Basis dieser 
Flosse ist seltsam gebogen und ebenso wie die Rückenflosse 
mit einer Schuppenscheide versehen ; wenn die Afterflosse 
niedergelegt ist, sind die Stachelstrahlen vollständiger in der 
Scheide verborgen als die weichen Strahlen. 

Die Bauchflossen sind an der Brust befestigt, wie bei 
den Sparoiden, und mit einem kräftigen Dorn und fünf wei- 
chen Strahlen ^versehen. 

Vier Kiemenbogen , deren jeder vier vollständige Kie- 
men, jede mit zwei Reihen von Kiemenblättern trägt. Die 
OefFnung hinter dem letzten Bogen ist sehr klein und ganz 
über der Basis der Brustflossen. Die Pseudobranchien sehr 
gross, und aus sechzehn bis siebzehn Lamellen bestehend. 
Der Nahrungskanal ist auffallend gleichmässig weit in der 
ganzen Länge. Er verläuft zuerst an der linken Seite nach 
hinten bis zu den Bauchflossen , wendet sich dann vorwärts 
und aufwärts nach rechts, folgt dann der Mittellinie, längs 
'der grossen Schwimmblase, bis zum zweiten Drittel der 
Leibeshöhle, neigt sich dann längs der rechten Seite abwärts 
und schwach vorwärts bis fast zur ersten Biegung , wo er 
sich wieder nach hinten wendet, und in geradem Laufe im 
After endet. Der Magen kann äusserlich durchaus nicht von 



Üeber eine neue Familie von Fischen aus Californien. 155 

dem engen Darm durch seine Grösse und Gestalt unterschie- 
den werden. Blindsäcke sind nirgends am Darmkanal vor- 
handen. Der ganze Nahrungsschlaiich enthielt viele Schal- 
stücke von kleinen Mytili. Die Leber hat zwei Lappen , ei- 
nen kurzen an der linken Seite, und einen langen längs der 
Mittellinie des Körpers. 

Der weibliche Generations-Apparat besteht im Zustande 
der Trächtigkeit aus einem grossen Sack, der am lebenden 
Thier von Herrn Jackson beschrieben worden ist; an sei- 
ner Oberfläche sieht man grosse Gefässverzweigungen, und 
er ist im Innern in eine Anzahl von Taschen eingetheilt, die 
sich durch weite Spalten in den unteren Theil des Sackes 
öffnen. Dieser Sack scheint nichts als das erweiterte untere 
Ende des Ovariums zu sein, und die Taschen darin durch 
die Falten des Ovariums gebildet zu werden. In jede dieser 
Taschen ist ein Junges wie in ein Betttuch eingehüllt, und 
alle sind zur Raumersparniss in öconomischer Weise so ge- 
packt, dass die einen ihren Kopf nach vorn, die andern nach 
hinten richten. Dies ist also eine normale Ovarial- 
Schwangerschaft. Die äussere Geschlechtsöffnung liegt 
hinter dem After, auf dem Gipfel und in der Mitte eines ke- 
gelförmigen, durch einen kräftigen Sphincter gebildeten Vor- 
sprunges , der in seiner Lage durch zwei starke Quermus- 
keln gehalten wird, die an den Abdominalwänden angeheftet 
sind. Die Zahl der in dem Sack enthaltenen Jungen scheint 
zu variiren. Herr Jackson zählte neunzehn; ich habe in 
den von Herrn Gary eingesandten Exemplaren nur acht oder 
neun gesehen, aber da sie geöffnet waren , als ich sie em- 
pfing, so können möglicherweise schon einige herausgenom- 
men sein. Uebrigens ist ihre Grösse im Verhältniss zur Mut- 
ter sehr bemerkenswerth. In einem Exemplare von Emb. 
Jacksoni, 10y2 Zoll lang und 4'/, Zoll hoch, waren die Jun- 
gen fast drei Zoll lang und einen Zoll hoch; und in einem 
Exemplar \on Emb. Caryi , acht Zoll lang und 3'/^ Zoll 
hoch, waren die Jungen 2% Zoll lang und yg Zoll hoch. 
Nach ihrer Grösse zu urtheilen, glaubte ich anfänglich , dass 
die Jungen sich wie junge Apossum's in und aus dem Sack 
begeben könnten , aber bei sorgfältiger Untersuchung der 
Lage der Jungen in den Taschen, und durch den contrahir- 



156 Agassiz; 

ten Zusland des Sphincter an der äusseren Oeffnung der 
Geschlechtsorgane, habe ich mich überzeugt, dass dies nicht 
der Fall sein könne, und dass die Jungen, welche Herr Jack- 
son so munter fand, als er sie in einen Eimer mit Seewas- 
ser setzte, damals zum erstenmal in freie Berührung mit dem 
Elemente kamen, in dem sie bald leben sollten; zugleich kann 
es aber kaum bezweifelt werden, dass das Wasser in den 
Marsupialsack dringe, da diese Jungen vollkommen entwickelte 
Kiemen haben. Die Grösse der Jungen im Vergleich zur 
Mutter ist sehr bemerkenswerth , da sie bei der einen Art 
ein volles Drittel der Länge haben, und ein solches bei der 
andern Art beinahe erreichen. Wirklich sind diese Jungen 
Embiotocae vor ihrer Geburt drei bis vier mal grösser als 
die Jungen einer Pomotis (von derselben Grösse) in einem 
Alter von einem Jahre. In dieser Beziehung unterscheiden 
sich diese Fische von allen übrigen bisher bekannten leben- 
dig gebärenden Fischen. Ein anderer Punkt von grossem 
Interesse ist es, dass, während die beiden Eltern sich in der 
Färbung merklich unterscheiden^ die Jungen dieselbe Farbe 
haben, hell gelblich olivenfarbig mit dunkleren und helleren 
Querbinden, ähnlich wie die jungen Forellen und Lachse in 
ihrer Parr-Tracht. Die Art mit Querbinden kann also als nie- 
driger entwickelt als die andere betrachtet werden, da sie das 
Farbensystem des Embryonenzustandes während des ganzen 
Lebens beibehält. 

Es wird ein Gegenstand von höchstem Interesse sein, 
die frühzeitigen Grössengrade dieser Fische zu erforschen, 
die Structur des Ovariums und der Eier vor der Befruchtung 
zu untersuchen u. s. w. Der Zustand der Conservation mei- 
ner Exemplare liess solche Untersuchung nicht zu. 

Obgleich ich bisher nur ein Genus dieses Typus kenne, 
so halte ich es doch nicht für recht, die Galtungscharaktere 
mit denen der Familie zu vereinigen , wie dies in solchen 
Fällen gewöhnlich geschieht, wie ich auch gegen das Ver- 
fahren Einspruch thue, dass man die specifischen Charaktere 
übergeht, wo nur eine Art einer Gattung bekannt ist. Dies 
zeioft ein völüofes Missverstehen des relativen Werlhes und 
der Unterordnung der Charaktere der Thiere. Ich charak- 
terisire also die Gattung folgendermassen : 



Ueber eine neue Familie von Fischen aus Californien. 157 

Embiotoca Agass. 

Körper sehr comprimirt und hoch. Kopf klein, nur an 
den Wangen und Kieinendeckelstücken beschuppt. Zähne in 
beiden Kiefern kurz^ konisch, in einer Reihe, und schwach 
gekrümmt. Die Schlundzähne viel kürzer und stumpfer als 
die der Kiefer, und pflasterartig. Rückenflosse mit neun oder 
mehr Stachelstrahlen. Die ersten drei Strahlen der After- 
flosse Stachelstrahlen, und viel kürzer als die folgenden ge- 
gliederten Strahlen, welche immer feiner und zahlreicher sind 
als die entsprechenden Strahlen der Rückenflosse. Die Sei- 
tenlinie verläuft ununterbrochen bis zur Schwanzflosse. Ob 
die besondere Forfpflanzungsart Familien- oder Gatlungscha- 
rakter ist, bleibt ferneren Beobachtungen zu entscheiden. Es 
ist jedoch wahrscheinlich, dass dieselbe mit einigen geringen 
Modificationen bei allen Mitgliedern der Familie gefunden 
werden wird. 

Einige Diff"erenzen zwischen den beiden beobachteten 
Species machen es zweifelhaft , ob sie als ebenso viele Ge- 
nera betrachtet werden müssen oder nicht. Aber wir wis- 
sen, dass in Gattungen, die beträchtlich von anderen ab- 
weichen, auch die Grenze für die specifischen Unterschiede 
weiter ist als in Gattungen mit vielen Arten; daher werde 
ich die beiden Arten , bis ich eines besseren durch neue 
Beobachtungen belehrt bin, in eine und dieselbe Gattung set- 
zen. Solche Zweifel können kaum bei Familien mit vielen 
Gattungen entstehen, wo man leicht eine Richtschnur für die 
Schätzung ächter generischer Charaktere hat. 

1. Embiotoca Jacksoni Agass. 

Der Körper ist sehr hoch, von ovaler Gestalt, stark 
comprimirt, und oben und unten gleichmässig gebogen. Der 
obere Bogen reicht bis zum hinteren Ende der Rückenflosse, 
von wo er sich in horizontaler Linie bis zur Basis des Schwan- 
zes fortsetzt. Der ventrale Bogen des Körpers gleicht dem 
des Rückens. Das Profil von der Rückenflosse bis zur Schnau- 
zenspitze ist ziemlich steil und regelmässig gebogen, ausge- 
nommen schief über und vor den Augen, wo es schwach 
concav ist. Die grösste Höhe des Körpers mit Einschluss 
der Rückenflosse ist gleich der Entfernung der Schnauzen- 



158 Agassiz: 

spitze von der Brustflosse. Die grösste Dicke des Körpers 
beträgt ein Viertel seiner Höhe. Der Kopf ist von massiger 
Grösse, seine Länge, bis zum hinteren Winkel des Kiemen- 
deckels gemessen, nimmt ein Viertel des ganzen Fisches ein. 
Der Mund ist ganz klein , das Hinterende des Zwischenkie- 
fers und Oberkiefers reicht nur bis zum vorderen Augen- 
rande. Nur ein kleiner Theil des Oberkiefers erreicht den 
Mundwinkel. Der vordere Rand des Schnauzentheiles, wel- 
chen der Zwischenkiefer bilden hilft, ist eine horizontale Li- 
nie, die dicht unter dem Auge vorbeigeht. Der Oberkiefer 
springt ein wenig mehr vor als der Unterkiefer, die Zähne 
des letzteren fügen sich innerhalb der Oberkieferzähne ein. 
Im Oberkiefer stehn 14 bis 15 Zähne, im Unterkiefer 2 — 3 
weniger. Alle sind an der Spitze ein wenig verdickt, und 
nicht spitz, sondern stumpf. Sie reichen nicht über die Mund- 
winkel hinaus, sondern lassen einen zahnlosen Raum an je- 
dem Kiefer. Die Oberkieferzähne sind nur wenig grösser 
als die des Unterkiefers. Die Schlundknochenzähne sind viel 
kürzer als die Kieferzähne, stellen zwei ganz bewegliche Plat- 
ten oben und eine dreieckige unten dar. An jedem oberen 
Schlundknochen stehn nicht mehr als 30, meist am Gipfel 
abgestutzte Zähne; die vier oder fünf Zähne , welche den 
inneren Rand jedes Knochens bilden, stehen vor den andern 
ein wenig hervor , und sind etwas zugespitzt. Die Zähne 
des unteren Schlundknochens sind den oberen ähnlich, aber 
die der hintern Reihe sind länger und spitz. Die Lippen sind 
ziemlich fleischig und verhüllen die Zähne ganz. Hinter der 
Unterlippe ist jederseits eine längliche Grube, die sich bis 
zum Mundwinkel erstreckt ; sie ist von einem dünnen Lip- 
pensaum bedeckt. Die Entfernung der Schnauzenspitze vom 
vorderen Augenrande ist um ein Drittel grösser als ein Au- 
gendurchmesser. Der untere Rand des Auges liegt auf der 
mittleren Längslinie des Körpers, und der Hinterrand des 
Auges liegt in der Mitte der Entfernung der Schnauzenspitze 
von dem hintern W^inkel des Kiemendeckels. Die Deckel- 
stücke sind gross. Am Praeoperculum sind vier concentrische 
Schuppenreihen; die beiden inneren sind die längeren. In 
der dem Auge nächstgelegenen Reihe sind vierzehn Schup- 
peuj in den andern vermindert sich die Zahl allmählich. Zwi- 



Ueber eine neue Familie von Fischen aus Californien. 159 

sehen diesen Schuppen und dem Auge ist ein nackter Raum, 
in welchem Poren liegen, die strahlig vom Augenrande aus- 
gehen. Der hintere und untere Rand des Praeoperculums ist 
dünn, häutig und ohne Schuppen^ aber mit zahlreichen Poren 
oder Röhren, wie die um das Auge, strahlenförmig von in- 
nen nach aussen. 

Das Operculum, Suboperculum und Interoperculum sind 
mit Schuppen bedeckt^ welche an Grösse von dem ersteren 
nach dem letzteren abnehmen. Am Operculum ist ein schma- 
ler häutiger Saum, der sich von seinem hinteren Winkel 
bis zur Höhe des Endes der Seitenlinie erstreckt. Der Ein- 
schnitt zwischen dem Suboperculum und Interoperculum liegt 
senkrecht unter dem hintern Rande des Praeoperculums. Un- 
mittelbar über der oberen Anheftung des Praeoperculums ist 
ein kleiner Haufen von neun bis zehn Schuppen. Die Rük- 
kenflosse erstreckt sich über etwa ^5 der oberen Krümmung 
des Körpers j ihr hinterer Theil ist Yg höher sowohl wie län- 
ger als der vordere. Der stachlige Theil enthält neun oder 
zehn Strahlen, von ihnen sind die letzten drei mal so lang 
wie die ersten. An der Spitze jedes Stachels scheint die 
Flosse sich in einen freien Faden nach hinten auszudehnen. 
Die Flosse enthält ferner lOy^ gegliederte Strahlen; die obere 
Linie dieses Theils ist ähnlich der des Rückens, obgleich 
die Strahlen der ersten Hafte die längsten, und fast gleich 
lang sind. Die Furche jederseits reicht nach vorn bis zur 
Basis des ersten weichen Strahles, wo drei Schuppenreihen 
die Scheide bilden; die Reihen reduciren sich aber auf eine 
am hintern Ende der Flosse. 

Die Brustflossen sind ziemlich gross, und unter der Mit- 
tellinie und unter dem hinleren Rande des Operculums an- 
gefügt. Sie reichen, wie die Bauchflossen, fast bis zur Af- 
terflosse. Der zweite Strahl der Brustflosse ist nur schwach 
gekrümmt gegen sein Ende. Die Brustflosse enthält 21 Strah- 
len. Die Insertion der Bauchflossen ist genau vor der Mitte 
dieses zweiten Brustflossenstrahls. Der Stachel der Bauch- 
flosse nimmt 2/5 der Länge des folgenden weichen Strahles 
ein. Zwischen den Bauchflossen ist eine lange Schuppenplatte. 
Die Afterflosse ist breit und hauptsächlich aus feinen schlan- 
ken Strahlen zusammengesetzt. Der hinterste und längste 



160 Agassi z: 

ihrer Stachelstrahlen ist viermal in der Länge des folgenden 
weichen Strahles enthalten, welcher letztere dem entsprechen- 
den Strahl der Rückenflosse gleich ist. Der letzte Strahl 
der Afterflossse steht der Schwanzflosse näher als der der 
Rückenflosse. Die Flosse selbst reicht näher an die Basis 
des Schwanzes. Die Schwanzflosse ist tief gegabelt; sie ent- 
hält 14 Strahlen ausser den kürzeren. Zwischen der Seiten- 
linie und dem slachh'gen Theil der Rückenflosse sind acht 
Schuppenreihen , und achtzehn Reihen unter der Seitenli- 
nie in derselben Gegend. Auf der Seitenlinie liegen 60 
Schuppen. 

Die Farbe ist einfarbig dunkel olivenbraun längs dem 
Rücken, an den Seiten etwas verschossen ; Rückenflosse schwarz 
mit weissen Flecken; Schwanzflosse schwärzlich, heller an 
der Basis; Afterflosse tief schwarz mit einer hellen Längs- 
binde; Brustflossen weiss; Bauchflossen schwarz mit heller 
Basis. 

Nach dieser Beschreibung muss es einleuchten, dass dies 
die von Herrn A. C. Jackson zuerst beobachtete Species ist, 
oder wenigstens eine ihr sehr nahe verwandle. Es über- 
rascht mich nur die Thatsache, dass, während er am 7. Juni 
reife Junge darin beobachtete, Herr T. G. Gary sie noch im 
Anfang des August mit Jungen gefunden haben sollte. Fer- 
ner sah Herr Jackson neunzehn Junge darin , während in 
den Exemplaren des Herrn Gary ich nur acht bis neun Junge 
fand, die quergebändert waren wie Emb. Garyi. Sollten es 
zwei so nahe verwandte Arten sein^ dass sie leicht verwech- 
selt werden könnten ? Ich muss hinzufügen, dass Herr Jack- 
son der gefleckten Rückenflosse und der hellen Binde auf 
der Afterflosse seines Fisches keine Erwähnung Ihut; was 
die Vermuthung wahrscheinlicher macht, dass es nicht bloss 
zwei, sondern mehrere Arten dieser merkwürdigen Gattung 
um San Francisco giebt. Ich wollte jedoch die Gelegenheit 
nicht vorübergehen lassen, den Namen des Herrn Jackson 
mit dieser interessanten Entdeckung zu verknüpfen, und habe 
daher die eine der beiden von Herrn Gary an mich gesand- 
ten Arten, welche am meisten auf seine Beschreibung passt, 
Emb. Jacksoni genannt, und überlasse es künftiger Entschei- 
dung, ob dies wirklich die zuerst von ihm gesehene Art ist, 



i 



Ueber eine neue Familie von Fischen aus Californien. 161 

ein Umstand der ganz unwesenllich ist, seil wir schon zwei 
Species dieses merliwürdigen Typus kennen. 

2. Enibiotoca Caryi Agass. 

Der Körper ist viel mehr verlängert als bei Embiotoca 
Jacksoni, jedoch gleichfalls comprimirt. Seine Höhe mit Ein- 
schluss der Rückenflosse ist geringer als die Entfernung der 
Schnauzenspilze vom Ende der Brustflosse, und geringer als 
die halbe Länge des Fisches. Das Profil ist viel weniger 
steil, die Schnauze vorstehend, und der Kopf länger als hoch. 
Der hintere Rand des Auges ist dem Winkel des Operculums 
näher als der Schnauze. Die obere und untere Krümmung 
des Körpers sind gleich, und indem sie sich gegen den Schwanz 
mehr nähern, wird der Schwanz niedriger als bei voriger 
Art. Die Schuppen des Rückens gehen am Kopf nur bis zur 
Hälfte der Entfernung des ersten Rückenflossenstrahls von der 
Schnauzenspitze herab. Die Stirn ist schwach concav wie 
bei Emb. Jacksoni. Das hintere Ende des Zwischenkiefers 
reicht nicht bis zum vorderen Augenrande nach hinten. Die 
Beschaff'enheit der Lippen und die Ausdehnung des Oberkie- 
fers ist sehr ähnlich wie bei der anderen Art, aber der Vor- 
derrand der Dille des Zwischenkiefers liegt über der Linie 
des unteren Augenrandes. Eine senkrechte Linie durch das 
Auge ergiebt, dass die Kopfhöhe hier um ein Drittel gerin- 
ger ist als bei E. Jacksoni. Die Mundöff'nung ist mehr schief 
aufwärts gerichtet. Die Zähne sind schlanker, haben aber 
sonst dieselbe Gestalt. Im Oberkiefer stehn zwölf, im Unter- 
kiefer acht Zähne. Die Naslöcher sind massig gross, eins 
vor dem andern gelegen und vor dem Auge, aber etwas un- 
ter der Linie seines oberen Randes. Der senkrechte Durch- 
messer des Auges ist kleiner als der Längsdurchmesser. Das 
Praeoperculum ist bei dieser Art weniger rechtwinklig als bei 
der vorigen. Der unlere abgerundete Winkel seiner Leiste 
liegt vor dem hinleren Augenrande. Die Schuppen des Prae- 
operculums sind auch viel kleiner und weniger deutlich. 
Röhren strahlen vom Augenrande und von der Leiste des 
Praeoperculums aus, wie bei E. Jacksoni. Der hintere Haul- 
rand des Operculums ist schmaler : der Einschnitt zwischen 
dem Suboperculum und Interoperculum liegt in der senk- 

Archiv f. Naturgescli. XX. Jahrg. 1. Bd. J { 



162 Agassis: Ueb. eine neue Familie von Fischen aus Californien. 

rechten Linie des Hinlerrandes des Praeoperculums. Ein Hau- 
fen von Schuppen liegt über der oberen Anheftung des Prae- 
operculums. Die Rückenflosse unterscheidet sich sehr wenig 
von der vorigen Art, erstreckt sich aber etwas weiter nach 
vorn, indem ihr erster Stachel unmittelbar über dem hintern 
Winkel des Operculums steht. Die Entfernung dieses Sta- 
chels von der Schnauzenspitze reicht von ihm rückwärts bis 
zum neunten weichen Strahl. Die hinteren Strahlen des 
weichen Theiles sind kürzer als bei der ersten Species, aber 
sie sind um drei Strahlen zahlreicher. Die Rückenflosse hat 
ein und zwanzig Strahlen; sie ist vielleicht länger als bei der 
anderen. Die Bauchflossen unterscheiden sich wenig. Die 
Afterflosse unterscheidet sich dagegen bedeutend: sie ist sehr 
klein und zusammengezogen, und liegt weit hinter den Bauch- 
flossen. Die Schuppen an ihrer Basis von welligem Umrisse 
sind viel mehr markirt als bei E. Jacksoni. Die Stachelstrah- 
len sind sehr kurz, indem der letzte weniger als halb so 
lang ist wie der folgende weiche Strahl; die Basis dieses 
letzteren liegt genau unter der des fünfzehnten entsprechen- 
den Strahles der Rückenflosse. Ihre hintere Basis und ihre 
Endigung sind wie bei der ersten Species, Die Schwanzflosse 
ist schlanker und liefer ausgeschnitten. Die Schuppen des 
Körpers sind entschieden nicht so gross. Die Seitenlinie 
folgt dem Umrisse des Rückens, wie bei E. Jacksoni; sie ent- 
hält fünf und siebzig Schuppen. 

Farbe hellolivenfarbig, dunkler längs dem Rücken, hell- 
braune Längsbinden verlaufen zwischen den Schuppenreihen, 
und dunklere Querbinden reichen vom Rücken bis zu den 
Seiten des Körpers, und überragen im vorderen Theile des 
Rumpfes die Seitenlinie nicht, während sie am Schwänze mehr 
ausgeprägt sind und fast bis zur Afterflosse reichen. Kopf 
schwarz und weiss scheckig. Rücken- und Schwanzflosse 
schwarz und weiss gefleckt. Afterflosse mit einer ausgebreite- 
ten schwarzen Zeichnung auf hellerem Grunde. Brustflossen 
weiss. Bauchflossen weiss am Grunde, schwarz an der Spitze. 

Es ist nur ein Weibchen beobachtet worden , welches 
acht Junge in sich halte. Diese Art wurde durch Herrn T. 
G. Gary in der Bai von San Francisco, Anfangs August 1853, 
entdeckt. 



lieber die systematische Stellung^ der Glat- 
tung^ Cinbiotoca. 

Bemerkung zur vorigen Abhandlung. 

Vom 

Heransg^elver« 



Es ist in den meisten Fällen ungemein schwer, nach 
blossen Beschreibungen ein solches Bild von einem Thiere 
zu gewinnen, dass man ein sicheres Urtheil darüber zu fäl- 
len im Stande wäre, ob die Species neu , oder etwa mit ei- 
ner irgend wo beschriebenen identisch sei. Ja selbst wenn 
Abbildungen beigegeben sind, bleiben oft Zweifel übrig. Der 
beste Beweis für die Schwierigkeit solcher Kritik liegt wohl 
darin, dass selbst geschickte Bearbeiter von Monographien, 
trotz allem angewandten Fleiss und Scharfsinn, Missgriffe thun. 
Es ist leicht durch eine unbestimmte Phrase gegen den Werth 
einer Art Zweifel zu erregen, z. B. ,,dieseArt des Verfassers 
scheint von der oder jener nicht verschieden;" solche Aeus- 
serungen helfen jedoch eigentlich wenig, können aber sehr viel 
schaden, wenn sie irrthümlich sind, und auf Autorität ange- 
nommen werden. Ich enthalte mich daher in der Regel sol- 
cher Aussprüche in den Jahresberichten, welche ich in diesem 
Archiv über einige Thierklassen veröffentliche. Bei der grossen 
Zahl als neu beschriebener Arten würde sogar die gründli- 
che Vergleichungmit den bereits bekannten, und eine Entschei- 
dung über ihre Berechtigung eine Arbeit und einen Zeitauf- 
wand erfordern , der alle anderweitige Thätigkeit fast aus- 
schliessen würde; abgesehen davon, dass dazu eine sehr 
vollständige und wohlbestimmte Sammlung unerlässiich noth- 



164 Troschel: 

wendig wäre. Es ist die Aufgabe der Monographen, von Zeit 
zu Zeit Alles in ihren Bereich Fallende zu sichten, und zur 
Klarheit zu bringen. 

In manchen Fällen jedoch , und namentlich in solchen, 
wo die Beschreibung solche Vollständigkeit erreicht hat, dass 
dem Leser keine etwa gestellte Frage unbeantwortet bleibt, 
ist es möglich mit grosser Bestimmtheit zu entscheiden, ob 
der Verfasser aus seinem Material die richtigen Resultate 
gewonnen habe. In solchem Falle , und darin befinden wir 
uns hier, ist es gewiss von grossem Nutzen, sogleich einen 
Irrlhura zu berichtigen, bevor derselbe sich weiteren Eingang 
verschafft. 

Ohne Zweifel gewährt die eben beschriebene Gattung 
Embiotoca von der Californischen Küste ein grosses Inter- 
esse , und durch vollständige üebersetzung dieses Artikels 
unseres berühmten , jetzt in Amerika lebenden Landsmannes, 
dem kein geringer Anlheil an dem mächtigen Aufschwung 
gebührt, den dort die beschreibenden Naturwissenschaften 
in den letzten Jahren genommen haben, glaubte ich den 
deutschen Zoologen eine interessante Bekanntschaft zu ver- 
schaffen. 

Es sei mir jedoch erlaubt, einige systematische Bemer- 
kungen der Abhandlung beizufügen. 

Agassiz bildet aus dieser Gattung eine eigene und 
neue Familie, wozu er grossentheils wohl durch die Bewun- 
derung der eigenthümlichen Fortptlanzungsweise angeregt 
wurde. Diese Fische sincl lebendig gebärend. Beispiele von 
lebendig gebärenden Fischen sind nicht selten, wir kennen 
sie bei den Cyprinodonten, bei den Blennioiden und Anderen. 
Jedoch nicht allein bei den Fischen, sondern auch bei ande- 
ren Thierklassen, Amphibien, Mollusken, Insecten, Echinoder- 
men u. s. w. finden sich Beispiele, dass nahe verwandte Gat- 
tungen eierlegend und lebendig gebärend sein können; ja 
zuweilen weichen einzelne Species von ihren eierlegenden 
Gattungsgenossen dadurch ab, dass sie lebendige Junge zur 
VTelt bringen. Unter solchen Umständen kann also der Fort- 
pflanzungsweise allein nicht der Werth beigelegt werden, eine 
Familie zu gründen, wenngleich es immer sehr bemerkens- 
werth bleibt , dass diese Jungen bei ihrer Geburt schon so 



Ueber die systematische Stellung der Galtung Embiotoca. 165 

sehr gross, und so auffallend weit entwickelt sind. Ueber- 
haupt hat man in neuerer Zeit der Entwickelungsgeschichte 
einen viel zu bedeutenden Einfluss auf die Systematik zuge- 
standen. 

Agassiz vergleicht die neue Familie zunächst mit den 
Percoiden und Sparoiden. Von beiden unterscheiden sie sich 
auffallend genug, von ersteren durch den Mangel der Gau- 
menzähne und der Bewaffnung der Kiemendeckelstücke, von 
letzteren durch die Cycloidschuppen. Dann fügt er hinzu, 
die dicken Lippen möchten an die Labroiden erinnern, geht 
aber kurz darüber fort, indem er sagt, die Schuppen der Em- 
biotoca seien weder verlängert, noch mit den charakteristi- 
schen verästelten Röhren dieser Familie versehen. 

Es hätte sehr nahe gelegen, bei der Entscheidung über 
die letzte Frage^ nämlich ob die Fische Labroiden seien, das 
wesentlichste Merkmal, welches J. Müller in die Verwachsung 
der unteren Schlundknochen gesetzt hat, und worauf er seine 
Unterordnung Pharyngognathi gründete, zu Rathe zu ziehen. 
Dies hat der Verf. bei seiner Charakteristik der Familie un- 
terlassen. Bei der Gatlungsdiagnose ist nur erwähnt, dass 
die Schlundzähne pflastersleinarlig seien, was auch bei den 
Labroiden der Fall ist. Bei der Beschreibung von E. Jack- 
soni steht jedoch ausdrücklich : „die Schlundzähne bilden oben 
zwei völlig bewegliche Platten, und eine dreieckige unten; 
die Zähne des unteren Schlundknochens seien wie die der 
oberen abgestutzt, nur die der hinteren Reihe seien länger 
und zugespitzt." Damit ist jeder Zweifel gehoben , und wir 
sind gezwungen, die Gattung Embiotoca in Müller's Unterord- 
nung Pharyngognathi zu setzen. 

Diese Abtheilung von Fischen beruht freilich nur auf 
einem Merkmale, nämlich der Verwachsung der unteren 
Schlundknochen , und ist daher eine künstliche. Ja es sind 
sehr verschiedene Fische, Stachelflosser und Weichflosser, in 
ihr vereinigt, während J. Müller nicht ganz consequent die 
Anacanthini von den Acanthopteri getrennt hat, nur weil jene 
Weichflosser, diese Stachelflosser sind. Möge man nun für 
Vereinigung der Scomberesoces mit den übrigen Pharyngo- 
gnalhen stimmen, oder sie voneinander als besondere Unter- 
ordnungen trennen, soviel bleibt gewiss, dass die Gattung 



166 Troschel: 

Embiotoca mit den Stachelflossern unter den Pharyngognathen 
in allernächster Verwandschaft steht, indem ausser den 
Schlundknochen auch die fleischigen Lippen , die Fähnchen 
an den Stacheln, die Agassiz bei Beschreibung der E. Jack- 
soni ausdrücklich erwähnt , nnd die Cuvier als ein wesentli- 
ches Merkmal seiner Labroidenfamilie ansah , sowie andere 
Charaktere darauf hinweisen. Sie darf nicht von ihnen ge- 
trennt werden. Wer etwa die Untersuchungen J. Müller's 
ausser Acht lassen wollte, müsste doch wenigstens die Gat- 
tung Embiotoca in die Cuvier-Valenciennes'sche Familie der 
Labroiden setzen; denn sie weicht auch in keinem einzi- 
gen Punkte von den Charakteren ab, welche Valenciennes 
in der grossen Hist. nat. des poissons XIII. p. 12. für sie 
aufstellte. Diese sind : Längliche Gestalt eines beschupp- 
ten Körpers ; eine einzige Rückenflosse , vorn mit Stachel- 
strahlen, meist mit Hautläppchen geziert; Kiefer von fleischi- 
gen Lippen bedeckt; Gaumen glatt und ohne Zähne; drei 
Schlundknochen, zwei obere und ein unterer: alle drei mit 
Zähnen besetzt, die bald steinpflasterförmig, bald plattenför- 
mig^ oder spitz sind; Darmkanal ohne Blinddärme und eine 
Schwimmblase. 

Durch J. Müller's Untersuchungen sind die Familienun- 
terschiede der Labroiden noch durch einige Charaktere ver- 
mehrt, und dadurch um so schärfer geworden. Dies geschah 
deshalb, weil es darauf ankam, die eigentlichen Labroiden 
(Labroidei cycloidei) von den Labroidei ctenoidei und Chro- 
mides zu unterscheiden. 

Die Chromiden *) sind Flussfische, haben meist Cte- 
noidschuppen, meist einfache Nasenlöcher, keine Nebenkie- 
men, vier vollständige Kiemen mit grosser Spalte hinter der 
letzten, mit unterbrochener Seitenlinie, mit Blindsack des Ma- 
gens; ohne Nebenkiemen. Alle diese Charaktere schliessen 
die Gattung Embiotoca aus. 

Unter den Labroidei ctenoidei wird sie wegen ihrer 
Cycloidschuppen , der steinpflasterartigen Schlundzähne , der 
ununterbrochenen Seitenlinie , und wegen des Mangels von 



1) J. Müller: Ucber den Bau und die Grenzen der Ganoiden 
p. 53. 



lieber die systematische Stellung der Gattung Embiotoca. 167 

Blindsack und Blinddärmen, keine Aufnahme finden können, 
obgleich das Vorhandensein vier vollständiger Kiemen mit 
sehr kleiner Spalte dahinter in Uebereinstimmung mit den La- 
broidei ctenoidei steht. 

Am grössten ist die Uebereinstimmung mit den La- 
broidei cycloidei; ja ich finde eigentlich nur eine wesentli- 
che DifTerenz von dieser Familie, nämlich die Beschaffenheit 
<ler Kiemen. Agassiz sagt bei der Schilderung der Familie : 
„Vier Kiemenbogen, deren jeder vier vollständige Kiemen, 
jede mit zwei Reihen von Kiemenblättern, trägt. Die Oeff- 
nung hinter dem letzten Bogen ist sehr klein.^^ Bei den La- 
broidei cycloidei sind nur 3y2 Kiemen vorhanden, die hin- 
tere Spalte fehlt ganz. Ich glaube, dass durch diesen Um- 
stand der Eintritt in diese Familie verhindert ist. Wir ha- 
ben zwar Beispiele, dass eine ähnliche Verschiedenheit der 
Kiemen, z. B. bei den Panzerwanzen, keine Familiendifferenz 
begründet, indessen solche Beispiele berechtigen noch nicht 
zu einer slrengen Consequenz. Bei den Labroidei cycloidei 
zeigt sich durch Uebereinstimmung einer grossen Reihe von 
Gattungen, dass dieses Organ hier eine systematische Bedeu- 
tung hat. 

Dazu kommen einige Abweichungen, die noch nicht als 
Familiencharaktere benutzt worden sind. Vielleicht die Be- 
schaffenheit der Schuppen, von denen gesagt wird, dass sie 
sich von den Labroiden unterscheiden, weil sie weder läng- 
lich , noch mit den charakteristischen verzweigten Röhren 
versehen sind, und die Schuppenscheide an der Rückenflosse, 
die durch einen nackten Raum von den Schuppen des Kör- 
pers getrennt ist. 

Dies Alles , verbunden mit dem Lebendiggebären die- 
ser Fische, führt zu dem Schluss, dass die Gattung Embio- 
toca eine eigene Familie unter den Pharyngognathen bilden 
werde, und zwar die zweite, welche zunächst mit den La- 
broidei cycloidei verwandt ist. 

Ihre Charaktere würden sich vollständig so stellen : 

Farn. Holconoti seu Embiotocoidae. Stachelflosser 
mit einer Rückenflosse, mit Haulläppchen hinter den Stachel- 
strahlen ; Bauchflossen unter den Brustflossen ; Kinnladen mit 
fleischigen Lippen bedeckt; Gaumen zahnlos; die untern 



168 



Troschel: Ueber die systematische Stellung etc. 



Schlundknochen zu einem Stück verschmolzen mit steinpfla- 
sterartigen stumpfen Zähnen; Magen ohne Blindsack, keine 
Blinddärme; Schwimmblase gross, einfach; Cycloidschuppen 
(breiter als lang?, ohne verzweigte Kanäle?); Rückenflosse 
kann in eine Schuppenscheide niedergelegt werden; 4 Kie- 
men, dahinter eine sehr kleine Spalte; Nebenkiemen. Sie ge- 
bären sehr entwickelte lebendige Junge, und sind Seefische. 
Eine generische Verschiedenheit der beiden Arten ver- 
mag ich aus den Beschreibungen nicht zu erkennen. 



lieber die IScIiwiminblase in der Familie 
Oyiiinotiiii. 

Von 

J. Reinliardt* 

Aus den videnskabelige Meddelelser fra den naturhisloriske Forening 
i Kjöbenhavn for Aaret 1852. Kjöbenhavn 1853. p. 135. übersetzt 

vom 
Heraitsg-ebe r* 



Wenn auch nicht so ganz wenige von den Formen, wel- 
che die Fisch-Familie Gymnotini bilden, bereits bekannt ge- 
worden , und in die Cataloge der Wissenschaft eingeführt 
sind, darf man doch wohl annehmen, dass diese Gruppe im 
Ganzen bisher zu den weniger erforschten gehört hat. Durch 
die synoptische Bearbeitung der hierher gehörigen Gattungen 
und Arten , welche J. Müller und Troschel ^) in der neue- 
sten Zeit mitgetheilt haben, ist freilich ein nicht unwesentli- 
cher Fortschritt in der Kenntniss dieser Fische geschehen; 
aber da diese verdienstvolle Arbeit sich ihrer Natur nach 
nur mit den äusseren Charakteren beschäftigt, ist man in Be- 
ziehung auf den Innern Bau der Gymnotinen noch immer auf 
die älteren hier und da zerstreuten Angaben angewiesen, und 
diese sind sowohl sparsam, als auch meist nur wenig genü- 
gend. Das Letzte gilt namentlich von einem Organ, welchem 
die neuere Systematik eine höhere Wichtigkeit beigelegt hat, 
nämlich von der Schwimmblase. Es liegen zwar ver- 



1) Horae ichthyologicae. Drittes Hpft. ßcxUn 18^9. 



170 Reinhardt: 

schiedene Untersuchungen über das Verhalten dieses Orga- 
nes bei verschiedenen Formen der Familie vor; aber obgleich 
sie grösstentheils von anerkannten w^issenschaftlichen Autori- 
täten herrühren, so sind sie doch seltsamer Weise theils un^ 
vollständig und ungenügend, theils einander vt^idersprechend. 
Diese Unsicherheit in der Kenntniss eines so wichtigen Or- 
ganes hat mich veranlasst eine Gelegenheit zu benutzen, um 
die Beschaffenheit der Schwimmblase bei verschiedenen Gym- 
notinen aus der Provinz Minas in Brasilien zu untersuchen. 

Bevor ich jedoch zur Darstellung der Resultate dieser 
meiner eigenen Untersuchungen übergehe, dürfte es passend 
sein, in der Kürze die wichtigeren der früheren selbstslän- 
digen Angaben anzuführen. 

Soweit ich es habe in Erfahrung bringen können, sind 
bisher drei Arten der Familie in Rücksicht auf die Schwimm- 
blase untersucht worden, nämlich Gymnotus electricus L., 
Sternopygus macrourus (Bl.) und Slernopygus aequilabiatus 
(Humb.). 

Die erste dieser Arten ist wegen ihrer merkwürdigen 
electrischen Eigenschaft öfters Gegenstand anatomischer Un- 
tersuchungen gewesen, die gewöhnlich auch die Schwimm- 
blase berührt haben. So erwähnt Hunter der Anwesenheit 
dieses Organes, ohne es jedoch näher zu beschreiben ^). 
Humbol dt, welcher reiche Gelegenheit hatte, die Zitteraale 
in ihrer Heimath zu studiren, beschrieb und zeichnete ^) nur 
eine einfache sehr lange Schwimmblase, die durch einen en- 
gen Kanal mit dem Magen in Verbindung stehen soll. Etwas 
früher als Humboldt halte der Schwede Fa hl b erg ein Exem- 
plar von diesem Fisch untersucht; auch er 3) schrieb ihm 
nur eine, sehr lange, fast bis zur Schwanzspitze reichende 
Schwimmblase zu; aus seiner Beschreibung sowohl wie aus 
der dieselbe begleitenden Figur geht es indessen hervor, dass 
er ausserdem eine andere mehr nach vorn gelegene Blase 



1) Philosophical Transactions 1775. Vol. LXV. p. 395. sqq. 

2) Recueil d'observations de Zoologie et d'anatoraie comparee. 
Vol.I. p.63., pl.X. Fig. 3. 

3) Koiigl. Yetenskaps Academ. nya Handlingar. Tom, XXH. för 
°r 1801. Pag. 143. et 149. 



Ueber die Schwimmblase in der Familie Gymnolini. 171 

gefunden hat; ja er beschreibt auch einen beide verbinden- 
den Kanal, und bildet ihn ab, aber, befangen in einigen un- 
erklärlichen Missdeutungen mehrerer innerer Organe, hat er 
nicht vermocht, in der vorderen Blase eine zweite Schwimm- 
blase zu erkennen; auch giebt er keine Verbindung zwischen 
einem der genannten Organe und dem Darmkanal an. Cu- 
vier scheint der erste zusein, der ausdrücklich dem Zitter- 
aal zwei Schwimmblasen zuschreibt; in der ersten Ausgabe 
des Regne animal ^) führt er nämlich das Vorkommen von 
zwei Schwimmblasen unter den Charakteren für „les gymnotes 
vraies^^ an, und da er in einer Note bemerkt, dass die hin- 
terste dieser Blasen nach Humboldts Untersuchungen bei Gym- 
notus aequilabiatus zu fehlen scheine, kann die Angabe, die 
unverändert in die Ausgabe von 1829 — 30 übergegangen ist, 
sich nur auf den Zitteraal beziehen. Cuvier erwähnt die 
Lage und Gestalt der Blasen, aber von einer Verbindung 
zwischen ihnen theilt er nichts mit, ebensowenig wie er 
sagt, ob sie mit dem Oesophagus communiciren oder nicht. 
In der neueren Zeit endlich hat Valentin einen neuen Bei- 
lrag zur Anatomie des Zitteraales gegeben 2) ; ich kenne 
diese Abhandlung nur aus einer Anzeige von J. Müller in 
seinem Archiv für Anatomie und Physiologie 3), aber daraus 
scheint hervorzugehen, dass unsere Kenntniss der Beschaf- 
fenheit der Schwimmblase kaum einen Fortschritt durch diese 
Arbeit gemacht kaben kann, da der Verfasser die vorderste 
Schwimmblase wohl gesehen, aber missdeutet hat. 

Ueber die Schwimmblase der beiden anderen der oben 
genannten Gymnotinen sind weniger Angaben. 

Bei Sternopygus macrourus (Bl.) hat v. Baer^) zwei 
durch einen ansehnlichen Zwischenraum getrennte Blasen ge- 
funden, von denen die vorderste einen Luftgang an ihrem 
hintersten Ende, die hinterste an ihrem vordersten Ende hat ; 



1) Tome IL p. 236. 

2) Neue Denkschr. d. allg. schweizer. Gesellschaft f. d. Natur- 
wissenschaft. Bd. VI. 

3) Jahrgang 1842. CCXXVIII. 

4) Untersuchungen über die Entwickelungsgeschichlc der Fische 
ct. p.43. 



172 Reinhardt; 

das ist die erste Angabe von zwei Luftgängen, die ich habe 
finden können, und wir werden im Folgenden zeigen , dass 
hier nur wenig fehlt , um das wirkliche Verhalten mit der 
nöthigen Bestimmtheit auszudrücken. 

lieber die Schwimmblase bei Sternopygus aequilabiatus 
liegen zwei Angaben vor. Humboldt, welcher auf seiner 
Reise diese Art im Magdalenenflusse entdeckte, legt ihr nur 
eine einzige ganz kleine Schwimmblase bei >), die im Gegen- 
satz zu der weit hinten liegenden Blase des Zitteraales im 
vorderslen Theil des Leibes liegt, und einen feinen Luftgang 
zum Magen sendet. Eine abweichende Darstellung findet 
sich in J a c o b i's Dissertation über die Schwimmblase der 
Fische; nach diesem Verfasser sollen sich bei Gymnotus ae- 
quilabiatus zwei Schwimmblasen finden, welche nicht in Ver- 
bindung mit einander stehen, und zwei Luftgänge, von wel- 
chen der vorderste von dem hintersten Ende der ersten 
Blase, der andere von dem vordersten Ende der hintersten 
Blase entspringt 2). 

Ich wende mich nun zu meinen eigenen Untersuchun- 
gen, zu denen ich Arten benutzen konnte, die zu dreien von 
den fünf Gattungen der Familie gehörten, nämlich: einen 
Carapus, den ich mich für jetzt ausser Stand sehe, mit Si- 
cherheit von der älteren Art zu unterscheiden; ferner zwei 
neue Arten der Gattung Sternopygus, von denen die eine, S. 
Marcgrami nahe mit S. macrourus (Bl.) verwandt ist, die an- 
dere, S. microstomus, zu der Gruppe ohne Augenlieder ge- 
hört, und endlich eine, wie ich glaube, neue Art Sternarchus 
brasiliensis m. Bei allen vieren habe ich die Schwimmblase 
nach demselben Typus gebildet gefunden. Bei ihnen allen ist 
dieses Organ doppelt; in dem vordersten Theil der Bauch- 
höhle findet sich nämlich dicht unter dem Rückgrat eine kleine 
Schwimmblase, welche hinten abgerundet und vorn in der 
Mitte etwas ausgerandet ist, indem sie mit zwei vorspringen- 
den stumpfen Hörnern versehen ist; an der Bauchseite der 



1) Rccucil d'observat. de zool. et d'anat. comp. Tom. I. p.47. 
pl. X. Fig. 2. 

2) De vesica aerea piscium cum appendice de vesica aerea cel- 
lulosa Erythrini. Berolini 1842. , 



lieber die Schwimmblase in der Familie Gymnotini. 173 

Blase laufen diese in eins mit der übrigen Oberfläche, aber 
an der Rückenseite bilden sie zwei gewölbte Hervorragun- 
gen, die durch eine Furche von dem dahinter liegenden Theii 
der Blase scharf abgegrenzt, und von einander durch einen 
vertieften Zwischenraum getrennt sind. Von den beiden 
Hautschichten dieser Blase ist die äussere dicii, seidenglän- 
zend und sehr elastisch, die innere ist ein dünnes, schlaffes 
und durchsichtiges Häutchen ohne eine Spur von Blutdrüse, 
und beide sind so lose verbunden, dass man mit Leichtigkeit 
die äussere Haut durch einen Schnitt öffnen und darauf die 
innere Blase herausnehmen kann, ohne dass sie irgend eine 
Beschädigung erleidet. 

In einiger Entfernung hinter dieser vorderen Schwimm- 
blase findet sich dann hinten in der Bauchhöhle eine mehr- 
mals grössere Blase, die mit ihrem vordersten Ende 
den hintersten Theil der Niere bedeckt, und übrigens dicht 
am Rückgrat liegt, jedoch nur lose an dieser Lagerstätte 
mittelst ihrer Peritoneal-Bekleidung befestigt ist; ihre äussere 
Haut ist beträchtlich dünner als die entsprechende an der 
vorderen Blase, schlaff und mehr oder weniger durchsichtig, 
und lässt sich nicht so wie jene von der inneren trennen. 

Diese beiden Blasen sind inzwischen nicht ganz ohne 
Verbindung mit einander. Von dem hinteren Ende der vor- 
deren entspringt nämlich ein feiner Kanal ') , welcher nach 
hinten mitten zwischen den Nieren gegen die hinterste 
Schwimmblase verläuft, um in grösserer oder geringerer Ent- 
fernung von ihr sich mit einem entsprechenden, von ihrem 
vorderen Ende entspringenden Gange zu vereinigen, der dann 
seinen Lauf nach vorn und etwas schräg abwärts fortsetzt, 



1) Es ist nicht ganz leicht zu erkennen , ob es ein Kanal ist, 
oder ein solider Strang, der von der vordersten Blase abgeht; ich 
glaube indessen, dass das erste der Fall ist; denn bei einer der un- 
tersuchten Arten (S. Marcgravii) ist es mir einmal gelungen, in einem 
feinen Strahl den von der vorderen Blase aufgesogenen Spiritus durch 
den abgeschnittenen Lufgang auszupressen, und bei S. microstomus 
habe ich unter dem Mikroskop innerhalb desselben Luftblasen und 
kleine Luftsäulen gesehen, die durch den eingesogenen Branntwein 
abgesperrt waren und sich vor- und rückwärts bewegten, wenn ich 
aussen auf den Luftgang drückte. 



174 Reinhardt: 

und sich endlich in die Rückseite dej* Wandung der Speise- 
röhre öffnet, nahe an deren Uebergang- in den Magen, durch 
eine kleine aber leicht ins Auge fallende Oeffnung. Da beide 
von den Blasen entspringenden Kanäle meist dieselbe Dicke 
haben, liegt die Vermuthung nahe, dass der von der vorder- 
sten Blase kommende im Grunde nichts anderes sei, als die 
Einschnürung zwischen den beiden Abtheilungen der Schwimm- 
blase bei den Karpfen und Characinen, welche hier zu ei- 
nem langen Rohr ausgezogen ist , von welchem dann der 
Luftgang entspringt, anstatt wie bei den obengenannten Fa- 
milien von der hintersten Schwimmblase auszugehen. Wenn 
ich dennoch nicht geglaubt habe, einer solchen Erklärung 
folgen zu müssen, so hat dies seinen Grund in dem Um- 
stände, dass bei der untersuchten Carapus-Art ein so gros- 
ses Missverhältniss zwischen der Weite der beiden Luftgänge 
stattfindet, dass es hier unverkennbar ist, dass der von der 
vordersten Blase kommende nicht die hinterste Schwimmblase 
erreicht, sondern wirklich in einem Abstände von ihr in den 
viel dickeren Luftgang einmündet, den sie aussendet. Es 
wäre jedoch möglich, dass das Verhältniss in einem sehr frü- 
hen Stadium ein anderes wäre , und mit völliger Gewissheit 
kann die Frage wohl kaum anders als durch die Enlwicke- 
lungsgeschichte gelöst werden. 

Wie ich bereits bemerkt habe, bleibt der oben beschrie- 
bene Typus der Schwimmblase im Wesentlichen derselbe bei 
allen untersuchten Formen ; in gewissen untergeordneten Be- 
ziehungen zeigen sich jedoch Modificationen, hauptsächlich 
in Betreff der Gestalt und Grösse der hinteren Schwimmblase, 
ferner in Hinsicht auf die Entfernung der Blasen von einan- 
der, die relative Dicke der Luftgänge, und endlich in Hin- 
sicht auf die Stelle, wo der vorderste Luftgang sich mit dem 
hintersten vereinigt, bald etwas näher bald etwas entfernter 
von seinem Ursprung. Wie jedoch auf diese Abweichungen 
schon an und für sich kein grosses Gewicht gelegt werden 
zu können scheint, ebenso ist es zweifelhaft, in wie fern 
sie sich mit äusseren Charakteren in Uebereinstimmung brin- 
gen lassen, so dass gewisse Modificationen gewissen Gattun- 
gen oder Gruppen eigenthümlich wären. 

Vergleicht man nun die oben gegebene Darstellung mit 



Ueber die Schwimmblase in der Familie Gymnotini. 175 

den älteren Angaben über die Schwimmblase bei andern For- 
men der Gymnotinen, so kann fürs Erste kaum ein Zweifel 
darüber stattfinden, dass dieses Organ auch bei Gymnotus 
electricus durchaus die von mir beschriebene Bildung hat. 
Nicht allein die Anwesenheit zweier Blasen ist hinlänglich 
constatirt ; sondern es geht ferner aus Fahlberg's Abhandlung 
hervor, dass die vorderste von ihnen ganz die eigenlhümli- 
che Gestalt hat, welche dieselbe bei den vier von mir un- 
tersuchten Gymnotinen auszeichnet; selbst eine Verbindung 
der beiden Blasen durch einen feinen Kanal ergiebt sich aus 
seiner Beschreibung und Abbildung '), und es ist so nur der 
zur Speiseröhre gehende Luftgang , welcher ihm enigangen 
ist; derselbe ist jedoch von Humboldt angezeigt, der dage- 
gen nicht nur den vordersten Luftgang , sondern auch die 
Blase, aus der er entspringt, übersehen hat. 

Auch in v. Baer's Beschreibung der Schwimmblase bei 
Sternopygus macrourus (Bl.) findet man denselben Typus 
wieder, und es fehlt nur eine Angabe über den Verlauf und 
die Vereinigung der beiden Luftgänge, damit das ganze cha- 
rakteristische Verhalten bereits von diesem Verfasser hervor- 
gehoben wäre. 

Zweifelhafter könnte es scheinen , ob man auch Hum- 
boldts Gymnotus aequilabiatus die oben beschriebene Bildung 
der Schwimmblase zuschreiben könnte , da er ausdrücklich 
angiebt, nur eine einzige Schwimmblase bei ihm gefunden 
zu haben; freilich haben wir schon oben gesehen, dass in 
Jacobi's Dissertation eine entgegengesetzte Angabe vorliegt, 
aber obgleich dieselbe in einige der neuesten Lehrbücher 
und Systeme der Zootomie übergegangen ist , zweifle ich 
doch sehr, dass man sich darauf verlassen darf. Es ist näm- 
lich schon auffallend, dass Jacobi in seiner Beschreibung der 
Schwimmblase bei dem erwähnten Fisch ^) mit keinem Wort 
die frühere abweichende Angabe erwähnt, und sich überhaupt 
so ausdrückt, dass man nicht ersehen kann, ob er an dieser 
Stelle eine eigene Beobachtung mitlheilen , oder sich bloss 
auf die Untersuchungen Anderer beziehen will. Weiterhin 



1) L. c. p. 144. Tab. II. 

2) De vesica aera piscium etc. p. 10. 



176 Reinhardt: 

in seiner Abhandlung i) erinnert er demnächst an v. Baer's 
Beobachtung von zwei Schwimmblasen bei Sternopygus ma- 
crourus, und weist bei der Gelegenheit auf seine erste An- 
gabe im §. 6. der Abhandlung hin , obgleich an der letzten 
Stelle von einem ganz anderen Fisch die Rede ist, als an 
der ersten. Fügt man nun hinzu, dass Jacobi's Beschreibung 
der Schwimmblase bei Gymnotus aequilabialus nicht das Min- 
deste mehr enthält, als was v. Baer bereits früher über die 
Bildung dieses Organs bei Sternopygus macrourus mitgetheilt 
hatte, so erscheint es mir wahrscheinlich , dass Jacobi auch 
an der ersten Stelle in seiner Dissertation nur die Absicht 
gehabt hat, v. Baer's Beobachtung über den letzteren Fisch 
anzuführen, und dass das Wort aequilabialus durch einen 
Schreibfehler eingeflossen ist; und diese Vermuthung dürfte 
noch an Wahrscheinlichkeit gewinnen, wenn man in Erwä- 
gung zieht, dass J. Müller und Troschcl noch im Jahr 1849 
die lelzlgenannle Art nur aus Humboldt's Beschreibung kann- 
ten, obgleich die erwähnte Dissertation in Berlin geschrie- 
ben, und zum Theil sogar nach dem Material ausgearbeitet 
ist, zu welchem J. Müller dem Verfasser den Zutritt ge- 
stattete. 

Aber wenn man somit scheinbar aus Jacobi's Angabe 
nichts schliessen kann , dürfte es doch nach Humboldt's ei- 
gener Beschreibung und Abbildung wahrscheinlich bleiben, 
dass auch Gymnotus aequilabialus in der Bildung der Schwimm- 
blase sich den übrigen Arten anschliesse. Die eine Schwimm- 
blase, welche er diesem Fisch zuschreibt, liegt nämlich nicht 
bloss ganz an derselben Stelle, \Ae die vorderste Blase bei 
den übrigen Gymnotinen, sondern man sieht zugleich aus 
der Beschreibung. und der beigegebenen Abbildung, dass sie 
ganz und gar die für diese erste Schwimmblase charakteri- 
stische Form hat, und ihren Luftgang genau von derselben 
Stelle wie diese aussendet. Wäre jedoch diese Art wirklich 
von der Natur bestimmt, nur eine einzige Schwimmblase zu 
besitzen, so ist es wenig wahrscheinlich, dass dieselbe als ein 
blosses Bruchstück des bei anderen Formen verdoppelten Or- 
gans aultreten, und als solches seiner Bestimmung entspre- 



1) L. c. p. 14. 



Ueber die Schwimmblase in der Familie Gymnotini. 177 

chen können sollte; man müfsle in solchem Falle unzwei- 
felhaft erwarten , die einzige Schwimmblase nach einem 
eigenen Typus und somit verschieden in Bau und Form 
von der ersten Schwimmblase der übrigen Gymnotinen zu 
finden. 

Ich glaube daher nicht, einen übereilten Schluss zu ma- 
chen, wenn ich annehme, dass die hinterste Schwimmblase 
bei Gymnotus aequilabiatus übersehen worden ist, und dass 
der oben beschriebene Typus für die Gymnotinen-Fa- 
milie allgemein gültig, und gleichsam charakteristisch 
für sie ist, wie die durch eine Einschnürung in zwei Abthei- 
lungen gelheilte Schwimmblase es für die Familien der Kar- 
pfen und Characinen ist. 

Es ist aber noch eine Bildung an der Schwimmblase der 
Gymnotinen, welche von grosser Bedeutung ist; die vor- 
derste Blase ist nämlich vermittelst sogenann- 
ter Gehörknöchelchen mit dem Ohre inVerbin- 
dung gebracht. Eine solche Verbindung hat v. Baer be- 
reits vor einer Reihe von Jahren bei Sternopygus macrou- 
rus (Bl.) ^) gefunden; aber seine Beobachtung scheint trotz 
ihrer Wichtigkeit bisher übersehen worden zu sein. Ich kann 
nun die Richtigkeit auch bei den Arten bestätigen, die ich 
untersuchen konnte, und es kann daher keinem Zweifel unter- 
worfen sein, dass diese „Gehörknöchelchen* einen der gan- 
zen Familie zukommenden Charakter bilden. 

Die Art, wie diese Verbindung der Schwimmblase mit 
dem Ohre zu Stande gebracht wird, ist im Wesentlichen die- 
selbe wie bei den Karpfen. Es findet sich an jeder Seite 
eine Reihe von drei Knöchelchen , von denen der hinterste 
mit seinem einen Ende unter einen stark entwickelten Fort- 
satz des vierten Wirbels sich erstreckt, auf dessen innere 
concave Seite sich die vorspringenden Zipfel der vordersten 
Schwimmblase stützen , während dieser kleine Knochen sich 
so mit dem einen Ende an die Schwimmblase anlehnt, ist er 



1) L. c. p. 43. : V. Baer berührt übrigens dies Verhältniss nur 
beiläufig, ohne sich auf eine nähere Beschreibung einzulassen; seine 
Worte sind: „(vordere) kleine Schwimmblase, an welche sich Gehör- 
knöchelchen anlegen." 

Archiv f. Naturgesch. XX. Jahrg. 1. Bd. 12 



178 Reinhardt: 

durch eine von seiner vordersten Spitze ausgehende Sehne 
mit dem mittelsten Gehörknöchelchen verbunden; dieses ist 
wieder durch eine Sehne an das vorderste geheftet, welches 
sich unmittelbar auf den Schädel stülzt. Selbst in der Gestalt 
der einzelnen Knöchelchen findet grosse Uebereinstimmung 
mit den Karpfen statt. Das hinterste, der sogenannte Ham- 
mer, ist ein flacher, halbmondförmiger Knochen, von dessen 
innerem concaven Rande ein Zapfen abgeht, mittelst dessen 
er in eine tiefe Grube an der Seite des dritten Wirbels ein- 
gelenkt ist: er hat eine etwas schräge Lage, und während 
sein hinterster Theil unter den erwähnten Querfortsatz am 
vierten Wirbel herabreicht, ruht sein vorderstes Ende auf dem 
gleichfalls stark entwickelten Querfortsalz am zweiten Wir- 
bel. Diese beiden Fortsätze sind bei einigen Arien durch 
Sehnenband vereinigt, bei anderen sogar theilweis verwach- 
sen; in beiden Fällen bilden sie zusammen einen Ring, der 
den Hammer umschliesst, und durch welchen derselbe herab- 
ragt, um sich an die Schwimmblase anzulehnen. Das mitt- 
lere Knöchelchen, der Amboss, ist das kleinste von allen, 
und theilt sich in drei Fortsätze ; durch zwei von diesen steht 
es mittelst Sehnen in Verbindung mit den beiden anderen 
Knöchelchen, durch den dritten befestigt es sich an den zwei- 
ten Wirbel. Das vorderste Knöchelchen, der Steigbügel, wen- 
det sich mit seiner vorderen ausgehöhlten Fläche gegen den 
Vorhof zu dem sogenannten Sinus impar, und ist mit einem 
kleinen Fortsalz in eine Vertiefung an der Oberseite des er- 
sten Wirbels eingelenkt '). Von den Wirbeln, mit denen die- 
ser Apparat von Knöchelchen in Verbindung steht, ist der 
erste sehr klein, und hat gleichwie der dritte keinen Proces- 
sus transversus, während der zweite und vierte Wirbel die- 
sen Fortsalz stark entwickelt haben, jedoch in verschiede- 



1) Den besonderen Ideinen Knochen, welcher bei den Karpfen 
und Welsen einen Theil der „Atria sinus imparis" deckt , habe ich 
nicht bei den Gymnotinen gefunden; da jedoch die Gehörlinöchelchen 
hier so sehr klein sind (ist bei einigen kaum ein halb Millimeter), 
und da ich diesen Theil der Untersuchung nicht bei mehreren Exem- 
plaren wiederholen konnte, so bin ich nicht ganz sicher, dass dieses 
„Claustrum« wirklich bei den Gymnotinen fehlt. 



Ueber die Schwimmblase in der Familie Gymnolini. 179 

nem Grade bei den verschiedenen Arten. Erst der fünfte Wir- 
bel trägt Rippen '). 

Wenn die oigenlhümliche Bildung der Schwimmblase 
künftig zu den Charakteren hinzugefügt wird , welche man 
bereits für die Gymnotinen geltend gemacht hat, so ergieht 
sich immer bestimmter , dass sie eine wohl begründete und 
scharf begrenzte natürliche Familie bilden ^) , aber zugleich 
entfernen sich diese Fische dadurch noch weiter von den Aa- 
len, und es bleiben hauptsächlich negative Charaktere übrig, 
namentlich der Mangel der Baiichflossen und Nebenkiemen, 
die sie noch an dieselben knüpfen, während sich sonst in al- 
len wichtigeren Organisalionsverhältnisscn Abweichungen und 
Unähnlichkeiten zeigen. Es bleibt von positiven Charakteren 
fast nur eine gewiss habituelle Aehnlichkeit in der Körper- 
form übrig, und selbst diese ist im Grunde nur bei dem Zit- 
teraal recht hervortretend, der nicht einmal zu den typischen 
Formen der Familie gehört, und der wohl nicht so lange als 
die Grundform der Gymnotinen gegolten hätte, wenn nicht 
seine electrische Eigenschaft von Anfang an die Aufmerksam- 
ke'd mehr auf ihn gelenkt hätte, als auf die übrigen verwand- 
ten Formen. Wenn daher Joh. Müller nach Entfernung der 
Gattungen Ophidium, Fierasfer und Ammodytes von den „ An- 
guilliformes^^ die übrigen Gattungen dieser Cuvier'schen Gruppe 
in drei coordinirte Familien: Muraenoidei, Symbranchii und 
Gymnotini vertheilt, so kann es schwerlich geleugnet werden, 
dass diese Familien einen sehr verschiedenen Werlh haben, 
indem die Verschiedenheit zwischen den Gymnotinen und je- 
der einzelnen der beiden anderen Familien weit grösser ist 
als die zwischen diesen beiden. W^ährend es augenschein- 
lich ist, dass eine nahe Verwandtschaft die Muraenoidei und 
Symbranchii vereinigt, scheinen die Gymnotini nach einem 



1) Bei den Karpfen ist dieses Verhalten etwas anders, denn da 
bat der dritte Wirbel einen grossen Processus transversus. 

3) Wo Gymnarchus endlich seinen Platz finden wird, ist wohl 
»ehr zweifelhaft; aber jedenfalls gehört er gewiss nicht zu den Gym- 
notinen, mit denen er im Skelet keine Aehnlichkeit hat; vergl. Erdl's 
Beschreibung des Skeletes von Gymnarchus niloticus ct. in den Ab- 
handl. der mathem. physical. Classc d. Königl. Bayerischen Acad. d. 
Wissensch. Y. Band. 



180 Reinhardt: 

ganz anderen Typus gebaut zu sein und durch ihre Schwimm- 
blase eine Art Annäherung an gewisse mit Bauchflossen ver- 
sehene Familien aus der Ordnung der Physostomen zu zei- 
gen, und etwa namentlich an die Characinen. Will man in- 
nerhalb der Ordnung der Physostomen eine Abtheilung Apoda 
beibehalten, so wäre es gewiss am richtigsten, wenn darin 
den Gymnotinen eine aus den Muraenoidei und Symbranchii 
gebildete Gruppe entgegengesetzt würde; zieht man es jedoch 
vor, die Abtheilung in ihrer gegenwärtigen Form mit den 
drei coordinirten Familien bestehen zu lassen, so darf man 
jedenfalls mit den Gymnotinen nicht schliessen 0^ sondern 
muss mit ihnen beginnen; und noch weniger ist es zulässig, 
dieselben zwischen die beiden anderen zu schieben 23. 



Ich füge nun eine kurze vorläufige Charakteristik der 
im Vorhergehenden angeführten neuen Arten hinzu : 

Sternopijgus Marcgravn Rh dt 3) 

Die Augen sind mit einem kreisrunden Augenliede ver- 
sehen, und der Kiemeudeckel ist mit einem Hautsaum an der 
Stelle eingefasst, wo die Kiemenhaut an ihm feslgewachsen 



1) Wie in der 3ten Ausgabe von Wiegmann's undRuthe's Hand- 
buch der Zoologie. Berlin 1848. S.243. 

2) So findet es sich in der Bearbeitung der Fische in Richard 
Schomburgk's Reisen in Britisch Guiana. 3. Theil. Versuch einer Fauna 
und Flora ct. Leipzig 1848. S.638. 

3) An merk, des Herausgebers. Scheint sich von St. ma- 
crourus nicht zu unterscheiden, da die Verschiedenheit lediglich auf 
einigen Maassen beruht, bei denen der Augendurchmesser als Einheit 
benutzt ist. Ich würde mehr Vertrauen auf die Artberechtigung ha- 
ben, wenn Verf. durch unmittelbare Vergleichung an Exemplaren diese 
Differenz in den Verhältnissen bemerkt hätte. Dies ist jedoch nicht 
der Fall gewesen ; Verf. hat nur mit den gedruckten Angaben ver- 
gleichen können, und eine wenig andere Auffassung des Augendurch- 
messers wird leicht Abweichungen in den Zahlen der Verhältnisse 
zulassen. Von dem Vorhandensein hecheiförmiger Zähne am Gaumen 
habe ich mich bei einem Exemplare des Bonner Museums überzeugt. 
Es ist ein länglicher Streifen jederseits. Carapus hat keine Gaumen- 
zähne. 



Ueber die Schwimmblase in der Familie Gymnotini. 181 

ist. Der Augendurchmesser ist ungefähr dreimal in der Ent- 
fernung der Augen, und viermal in der Entfernung des Au- 
ges von der Schnauzenspitze enthalten. Ausser den hechei- 
förmigen Zähnen im Zwischenkiefer findet sich jederseits am 
Gaumen eine Gruppe von 17 bis 20 kleinen Zähnen, die ziem- 
lich regelmässig in zwei bis drei Längsreihen geordnet sind. 
Die Länge des Kopfes (bis an den Nacken gerechnet) ist 
zehn- bis elfmal in der ganzen Länge enthalten. Der Ober- 
kiefer ragt kaum ein wenig über den Unterkiefer hervor. 

Die Afterflosse beginnt unter der Wurzel der Brustflossen ; 
die Anzahl ihrer Strahlen ist 231 bis 255 (nach der Unter- 
suchung von zehn Exemplaren). 

Der lebende Fisch ist einfarbig, dunkel chokoladenbraun 
ohne Spur von dunklen Flecken oder Zeichnungen; in Wein- 
geist bleicht die Farbe nur unbedeutend aus. 

Die gewöhnliche Grösse ist etwa 370Millim., doch habe 
ich Exemplare gesehen, die bis 462 Millim. lang waren. 

Im Rio das VelhaSj einem Nebenfluss des San Francisco. 

Da die früheren Verfasser keine Gaumenzähne bei der 
Gattung Sternopygus angeben, würde ich mehr Gewicht auf 
ihr Vorkommen bei der hier beschriebenen Art gelegt haben, 
wenn ich nicht zugleich auch dergleichen bei dem folgenden 
Sternopygus microstomus gefunden hätte, der in eine andere 
Gruppe von Arten gehört ; denn dadurch entsteht leicht die 
Vermuthung, dass sie vielleicht nur bei den älteren Arten 
übersehen sind, zumal da sie so äusserst klein sind, dass 
namentlich bei den kleinmäuligen Arten, eine äusserst sorg- 
fältige Untersuchung erfordert wird, um sie zu bemerken. 

Sternopygus microstomus Rhdt. i). 

Die Haut überzieht die Augen , ohne ein Augenlied zu 
bilden, und der Kiemendeckel hat keinen Hautsaum. Die Au- 
gen sind verhältnissmässig gross, ihr Durchmesser ist andert- 
halb mal in der Entfernung der Augen von einander enthal- 
ten. Der Mund ist ausnehmend klein; die Breite des aufge- 



1) Anmerk. des Herausgebers. Diese Art scheint mir 
von St. lineatus Müll. Trosch. nicht verschieden, aus denselben Grün., 
den, welche ich in der Kote «ur vorigen Art dargelegt habe. 



182 lleinhardt: 

sperrten Rachens ist kaum so gross wie der Augendurch- 
messer , und der Oberkiefer ist merklich kürzer als dieser. 
Die Gaumenzähne verhalten sich wie bei S. Marcgravii, sind 
jedoch noch kleiner. Die Entfernung der Schnauzenspitze 
vom Auge ist ungefähr gleich der Breite desselben. 

Der Körper ist sehr zusammengedrückt, bandförmig; 
seine grössle Höhe (die Afterflosse ungerechnet) fälltauf die 
Spitze der Brustflossen , und ist sieben bis sieben und ein 
halb mal in der ganzen Länge enthalten ; die Dicke an dieser 
Stelle beträgt nicht voll ein Drittel der Höhe. 

Die Afterflosse beginnt unter der hintersten Wurzelecke 
der Brustflossen und enthält 202 Strahlen. 

Die Grundfarbe ist weisslich , aber Rücken und Seiten 
bis eine Sirecke unter der Seitenlinie sind sehr dicht mitganz 
feinen Punkten übersäet, was diesen Theilen einen bräunli- 
chen Anstrich giebt. Die Seitenlinie bildet einen dunklen Strei- 
fen, ein ähnlicher findet sich längs der Wurzel der After- 
flosse, und ein dritter verläuft zwischen diesen beiden in der 
Nähe des untersten. 

Er erreicht eine Länge von 140 Millim. 

Im See Lagoa Santa dicht bei dem Dorfe gleiches Namens. 

in der Farbe gleicht er sehr dem S. lineatus M. T., 
unterscheidet sich aber von diesem besonders durch die ge- 
ringere Entfernung der Augen und den ausserordentlich klei- 
nen Mund. 

Siernarchus brasiliensis Rhdt. 

Der Körper sehr zusammengedrückt; der Kopf (bis zum 
Nacken gemessen) ist 9 bis lOmal in der ganzen Länge ent- 
halten; er ist von der Seite zusammengedrückt, und langge- 
streckt keilförmig. Die Mundöff'nung ist ziemlich kurz; in je- 
dem Zwischenkiefer findet sich eine kleine längliche Zahn- 
gruppe, die aus einigen wenigen kaum merklichen Zähnen 
besteht; im Unterkiefer sind die Zähne merklich grösser und 
in zwei Reihen geordnet, von denen die innerste schräg ein- 
wärts gerichtet ist. Die Augen sind sehr klein, und von der 
Haut überzogen; ihre Entfernung von einander ist wenig 
mehr als doppelt so gross, wie ihr Durchmesser. Der After 
liegt wenig weiter hinten als die Augen. Die Brustflossen 
haben 18 Strahlen, ihre Längte betrögt etwa ^jj dpr Kopflänge, 



Ueber die Schwimmblase in der Familie Gymnotini. 183 

Die Afterflosse beginnt wenig vor der Kiemenspalte, 
und enthält 177 bis 185 Strahlen (nach der Untersuchung von 
4 Exemplaren). — Die Schwanzflosse ist abgerundet und hat 
19 bis 20 Strahlen. 

Der ganze Fisch ist dunkel chokoladenfarbig; er erreicht 
eine Länge von 400 Millim., und findet sich im Rio das Velhas. 

Diese Art steht zwar Sternarchus albifrons sehr nahe; 
ich habe indessen doch nicht gewagt, sie mit ihm zu vereini- 
gen, weil das Auge kaum halb so gross ist wie es nach 
Pallas 's Beschreibung ') bei gleichgrossen Exemplaren der 
anderen Art sein soll; weil sich ferner bei der letzten Art 
bedeutend weniger Strahlen in der Afterflosse finden, und noch 
nicht hinlängliche Erfahrungen vorliegen , um zu bestimmen, 
in welchen Grenzen sich die Anzahl dieser Strahlen in einer 
und derselben Art hält; und endlich weil sich ein so auf- 
fallender Unterschied in der Farbe findet. Dürfte man ferner 
annehmen, dass Fallas's Abbildung ganz naturgetreu wäre, so 
würde die brasilianische Art eine merklich längere und spit- 
zere Schnautze haben, als die von Surinam. 

Ich kann diesen Fisch nicht verlassen, ohne den eigen- 
thümlichen vom Rücken entspringenden Anhang zu berühren, 
der noch immer unter die Galtungsmerkmale aufgenommen 
wird. Bereits Cuvier hat in der ersten Ausgabe des Regne 
animal 2) die Vermuthung ausgesprochen, dass er nur künst- 
lich von der übrigen Haut getrennt wäre, und diese Meinung 
ist vollkommen richtig; bei dem lebenden oder unlängst ge- 
tödteten Fisch habe ich niemals eine Spur davon gefunden, 
und erst wenn der Fisch einige Zeit in Spiritus gelegen hat 
und wiederholten Manipulationen ausgesetzt worden ist, lö- 
set sich der lange Hautstreifen, welcher den Anhang bildet. 
Selbst nachdem dies geschehen ist, wird er noch anfänglich 
an der Furche, in die er passt, mittelst sehr feiner Sehnen- 
fäden festgehalten; aber diese zerreissen leicht, und der An- 
hang löset sich dann ganz. Der Grund, dass dies so leicht 
und stets in derselben Weise geschieht, scheint darin zu lie- 
gen, dass die oberste Schuppenreihe am hintersten Theil des 



1) Spicilegia zoologica. Fasciculus septimus S.36. lab. VI. 

2) L. c. Tom.IIL S.238. in der Nole. 



184 ReinHardtt Ueb. d. Schwimmblase in d. Familie Gymttotini. 

Stark zusammengedrückten Körpers sich nicht genau an die 
entsprechende der entgegengesetzten Seite anschliesst, son- 
dern dass längs der schmalen Rückenfläche eine Furche zwi- 
schen ihnen übrig bleibt, die nach hinten immer schmaler 
wird, bis sie in einiger Entfernung vor der Schwanzflosse ganz 
verschwindet; die dünne Haut, welche hier wie überall die 
Schuppen bekleidet, setzt sich nun über diese Furche fort, 
und füllt sie aus, indem sie sich verdickt, aber gerade des- 
halb zerreisst sie desto leichter längs der Schuppenreihe und 
löset sich in Gestalt der langen Hautfaser ab, die so sehr 
die Aufmerksamkeit auf sich gezogen hat. 



Bescliroibiiiig: zweier neuer Siplioiiostomeii- 
Grattiiiig'eii. 

Von 
I>r« A. Oerstaecker. 

in Berlin. 
(Hierzu Taf. VIL). 



Unter einigen am Bord der Fregatte „Gefion^^ gesam- 
meilen und dem Berliner Museum übersandten Naturalien fan- 
den sich einige noch unbeiiannte Schmarotzerkrebse, welche 
auf einem erbeuteten Haifische angetroffen worden waren. 
Derselbe ward einige Grade nördlich vom Aequator an der 
Westküste Afrika's gefangen; aus Mangel an allen näheren 
Notizen lässt sich jedoch die Gattung, der er beizuzählen 
ist, nicht bestimmen. Uebrigens ist derselbe von Parasiten 
in einem Grade geplagt gewesen, wie man es gewiss selten 
antrifft; denn ausser den unten beschriebenen zwei neuen 
Galtungen und einer neuen Art von Siphonostomen, die sich 
zwischen seinen Kiemenblättern vorfanden, beherbergte er noch 
auf sainer Hauloberfläche den Pandarus dentatus Edw. und 
in seinen Eingeweiden zwei verschiedene Eingeweidewürmer, 
also im Ganzen sechs Schmarotzer-Gattungen. Die noch un- 
beschriebenen Siphonostomen sind folgende: 

1. lioncltidium 9 nov. gen. 

Diagn. Cephalothorax brevis, obcordatus, processu spi- 
niformi postico instructus, laminis frontalibus nullis: oculi 



186 Gerstaecker: 

distincti nulli: antennae multiarticulatae, anterior! cephalotho- 
racis margini inserlae : thorax annulis quatluor composilus, 
tribus anterioribus brevibus, quarto (in femina) Ovaria in- 
cludenle, longissimo ; abdoraen gracile, non articulatum, la- 
minis duabus lerminalibus instructum : pedurn maxillarium pa- 
ria tria, quorum tertium longissimum : branchialium paria quat- 
tuor, singulis bifidis, triarticulatis, setis ciliatis longis ornalis. 
Der Cephalothorax ist von umgekehrt herzförmiger Ge- 
stall, auf der Oberfläche massig gewölbt, mit einigen einge- 
grabenen Strichen, von denen die beiden vorderen den mitt- 
leren Kopftheil von den beiden Seitenlappen trennen (Fig. 1 a). 
Am Vorderrande des Kopftheiles und zwar auf seiner unteren 
Seite sind die Antennen befestigt (Fig. 2 a) ; sie entsprfngen 
dicht neben einander, gerade in der Mittellinie, und sind aus 
acht etwas undeutlich getrennten Gliedern zusammengesetzt. 
Die Glieder verschmälern sich nach der Spitze zu und sind 
mit vereinzelten Häärchen besetzt; das letzte trägt an der 
Spitze einen ganzen Büschel solcher Häärchen (Fig. 7.). — 
Organe , welche mit Sicherheit für Augen gehalten werden 
könnten, fehlen. — Am Hinterrande des Cephalothorax ent- 
springt aus dem Zwischenraum , welcher durch die beiden 
Seitenlappen desselben einerseits und den ersten Thoraxring 
andrerseits gebildet wird, ein langer etwas gebogener, nach 
hinten scharf zugespitzter Fortsatz, welcher aus einer Verei- 
nigung des oberen und unteren Blattes des Cephalothorax 
entsteht (Fig. 1 u. 2 z). An der Ursprungsstelle dieses Fort- 
satzes bildet das obere Blatt einen tieferen Einschnitt als das 
untere, so dass man von der Röckenseite aus durch die Lücke 
des oberen Blattes das untere zur Bildung jenes Organes nach 
hinten hervortreten sieht. Ueber den Zweck dieses eigen- 
thümlichen Stachelfortsatzes könnte man wohl nur durch Be- 
obachtung lebender Exemplare in's Reine kommen; für eine 
unwesentliche Bildung, die gleichsam nur zum Schmuck des 
Thieres da ist, kann ich ihn deshalb nicht halten, weil schon 
die Art, wie er mit dem Cephalothorax zusammenhängt, da- 
gegen spricht. An der Unterseite sieht man nämlich eine 
Art Gelenk , welches sich von der Basis des Dornes gegen 
die Mitte des Körpers hinzieht und Aehnlichkeit mit den Ba- 
saltheilen der vorderen Füsse hat ; auch deutet die Einschnü- 



Beschreibung zweier neuer SipHonQStomen-Gattungen. 187 

rung an seiner Ursprungsstelle darauf hin, dass er zur Be- 
wegung eingerichtet ist. Bei den Exemplaren, die ich zu 
untersuchen Gelegenheit halte, war seine Stellung verschie- 
den; bei den einen stand er in gleicher Ebene mit dem Ce- 
phalolhorax , bei anderen mehr oder weniger vertikal gegen 
dieselbe. Bei allen bisher bekannt gewordenen Siphonosto- 
men ist eine ähnliche Bildung noch nicht beobachtet worden. 

Von den drei Fusspaaren des Cephalothorax entspringt 
das erste nicht weit hinter den Antennen ; die Füsse sind sehr 
kräftig entwickelt und bestehen aus einem Basal- und einem 
Endgliede, welche beide ziemlich von gleicher Länge und 
Stärke sind ; das letztere ist mit zwei grossen scheerenförmi- 
gen Klauen, einer kleineren inneren und einer grösseren 
äusseren, etwas übergreifenden bewehrt (Fig. 3.)- Das zweite 
Fusspaar ist im Verhältniss zu den übrigen ausnehmend klein ; 
die beiden Glieder sind zart und gestreckt, das letzte mit 
einem etwas gekrümmten Haken versehen (Fig. 4.). Die 
Füsse des dritten Paares sind vorzüglich stark entwickelt, in- 
dem der Schenkeltheil derselben seitlich sogar die Breite des 
Cephalothorax überragt ; das zweite Glied ist etwas schlanker 
und an seiner Spitze mit einem kräftigen, stark gekrümmten 
und scharf zugespitzten Haken versehen (Fig. 5.). 

Der Rüssel liegt in der Mitte zwischen dem ersten und 
zweiten Fusspaar des Cephalothorax; er ist kurz und dick, 
im übrigen nach demselben Typus, wie bei den Siphonosto- 
nien im Allgemeinen, gebildet. Nahe seiner Basis entspringt 
jederseits eine aus zwei Gliedern gebildete Palpe (Fig. 8.). 

Der Thorax besteht aus vier deutlich von einander ge- 
trennten Ringen, von denen der letzte beim Weibchen etwa 
doppelt so lang ist als die drei vorhergehenden mit dem Ce- 
phalothorax zusammengenommen; er schliesst die sehr volu- 
minösen Ovarien ein, die zu jeder Seite des in der Mittelli- 
nie verlaufenden Darmkanals gelegen sind. Der erste dieser 
Ringe trägt auf der Unterseite zwei, die beiden folgenden je 
ein Kiemenfusspaar. Diese vier Fusspaare stimmen in ihrer 
Struktur sämmtlich mit einander überein, in der Grösse aber 
nehmen sie von vorn nach hinten zu, so dass das erste als 
das kleinste, das vierte als das grosseste erscheint. Die drei 
hinteren Fusspaare sind in der Gegend des Hüftgelenkes je- 



188 Gers ta eck er: 

derseits mit einem langen , nach hinten gerichteten Dorn be- 
waffnet. Der plumpe und kurze Schenkeltheil eines jeden 
dieser Kiemenfüsse trägt an seinem freien Ende zwei neben 
einander liegende Portionen, von denen jede aus drei Glie- 
dern besieht. Die innere ist die Pars branchialis (Fig. 6 a), 
die äussere die Pars gressoria (Fig. 6 b). Die Glieder der 
ersteren sind etwas breiter und kürzer als die der letzteren. 
Die beiden ersten Glieder der Pars gressoria tragen an der 
Verbindungsstelle mit dem folgenden Gliede nach aussen ei- 
nen Dorn, nach innen eine lange gefiederte Borste: das dritte 
Glied zeigt am Rande Einkerbungen, aus denen vier an Länge 
abnehmende, gefiederte und einige kleinere ungeüederte Bor- 
sten entspringen. Die Glieder der Pars branchialis sind an 
ihrem Aussenrande gewimpert; das erste und zweite tragen 
an der Verbindungsstelle mit dem folgenden Gliede nach in- 
nen eine lange, das dritte ebenfalls am Innenrande gekerbte 
vier an Länge abnehmende gefiederte Borsten. 

Der Hinterleib besteht aus einem einfachen langen, schma- 
len Gliede, an dessen hinterem Ende der After gelegen ist; 
zu beiden Seiten desselben ist ein kleines längliches Anhäng- 
sel befestigt, welches drei ungewimperte Borsten trägt. Die 
massig langen, deutlich geringelten Eiertrauben nehmen ih- 
ren Ursprung vom hinteren Ende des letzten Thoraxringes. 

Was die systematische Stellung dieser Galtung betrifft, 
so passt sie eigentlich genau in keine der von Milne Ed- 
wards aufgestellten Gruppen der Siphonostomen; während 
sie sich nämlich durch die fehlenden Stirnfortsätze und die 
vielgliedrigen Antennen der Gruppe der Dichelestinen zunächst 
anschliesst, tritt sie durch die Bildung der Kiemenfüsse in 
nähere Verwandtschaft mit den Caligiden. Ihrem allgemeinen 
Körperhabitus nach würde sie jedoch nach meiner Meinung 
eher zu den ersteren gezählt werden müssen, bei welchen 
ohnehin die Bildung der Kiemenfüsse sehr mannichfaltig er- 
scheint. In Rücksicht auf die hohe Entwickelung der letzte- 
ren könnte die Gattung also die Reihe der Dichelestinen er- 
öffnen, indem sie gleichsam das Verbindungsglied mit den Ca- 
ligiden abgiebt. 



Beschreibung zweier neuer Siphonostomen-Gattungen. 189 

Lonchidium aculeatum nob. 

Long-, 3 lin. 

Fem. cephalothorace dimidio fere latiore quam longiore, 
modice convexo, processu poslico aculeato longissimo: quarto 
thoracis annulo long-issimo , anterioribus brevibus: abdomine 
gracillimo, laminis duabus terminalibus oblongis ornalo. 

Mas ignotus. 

Der Cephalothorax des Weibchens ist massig gewölbf, 
etwa um die Hälfte breiter als lang, von verkehrt herzför- 
migem Umriss ; der dornartige Fortsatz (\qs Hinterrandes er- 
reicht mit seiner Spitze etwa die Mitte des zweiten Thorax- 
ringes. Von den drei ersten Thoraxringen ist der erste am 
breitesten, der dritte am schmälsten, und etwas länger als die 
vorhergehenden. Der vierte ist etwa doppelt so lang als die 
drei ersten mit dem Cephalothorax zusammengenommen, am 
Grunde etwa so breit wie der erste Ring, bis zu seiner Mitte 
breiter werdend und nach hinten sich wieder verschmälernd. 
Die länglichen Anhängsel des Abdomens tragen drei einfache 
Borsten an ihrer Spitze. Die Länge der Eierlrauben fand ich bei 
verschiedenen AVeibchen verschieden ; die längsten kommen 
ungefähr der halben Länge des vierten Thoraxringes gleich. 

Das Männchen ist unbekannt. 



2. Oang^liopus , nov. gen. 

Diagn. Cephalothorax magnus, laminis duabus frontali- 
bus instructus : antcnnae biarticulalae, laterales. Thorax an- 
nulis quattuor compositus, tribus anterioribus laminas binas 
dorsales ferentibus: abdomen sub ultimo thoracis articulo con- 
ditum, biarticulatum, foliolis duobus lateralibus nee non termina- 
libus ornatum. Pedes branchiales bifidi, pro parte biarticu- 
lali, articulis non ciiiatis : anteriores nodulis globosis instructi. 

Der Cephalothorax ist gross, von hufeisenförmiger Ge- 
stalt , von vorn nach hinten verschmälert, hinter der Mitte 
des Seitenrandes eingebuchtet; der Vorderrand trägt zwei seit- 
liche Stirnlamellen, an deren Unterseite nach dem Aussenrande 



190 Gerstaecker: 

ZU die Antennen befestigt sind. Diese bestehen aus zwei Glie- 
dern, einem breiteren Basal- und einem schmächtigeren End- 
gliede; das letztere trägt an seiner Spitze drei kurze Bor- 
sten (Fig. 15.)- — Organe, die mit Sicherheit für Augen an- 
gesprochen werden könnten, habe ich nicht aufgefunden. — 
Der Rüssel ist schmal und in eine sehr lange Spitze ausgezo- 
gen (Fig. 16.); er ist wie gewöhnlich aus einer Oberlippe (a), 
einer Unterlippe (b) und zwei sehr feinen, langgestreckten Kie- 
fern (d) zusammengesetzt; am Grunde sitzen zu jeder Seite 
die kurzen Palpen (c), welche aus zwei Gliedern bestehen. 

Die Füsse des ersten Paares am Cephalothorax (Fig. 10.), 
welche zu beiden Seiten der Basis des Rüssels entspringen, 
sind sehr kräftig entwickelt; sie bestehen aus einem breiten 
Basal- und einem schmaleren Endgliede, welches an seiner 
Spitze einen sehr kräftigen , stark gekrümmten Haken trägt. 
Die Füsse des zweiten Paares sind klein und zarter gebaut; 
ihr Endglied ist mit einem massig starken, schwach geboge- 
nen Nagel versehen. Die Füsse des dritten Paares haben 
ein schmales, langgezogenes Schenkel-, und dagegen ein sehr 
kurzes und plumpes Endglied, welches zwei starke, gekrümmte, 
einander zugewendete Klauen trägt; an den Hüften dieses 
Fusspaares ist beiderseits des Rüssels eine dreieckige Platte 
mit stark aufgeworfenem Aussenrande eingelenkt. 

Der Thorax besteht aus vier deutlich getrennten Ringen 
(Fig. 9) : die drei ersten tragen auf der Rückenseile zwei 
seitliche Lamellen , welche den hinter ihnen liegenden Tho- 
raxring zum Theil bedecken : der vierte ist quadratisch, ent- 
hält beim Weibchen die Eierstöcke, und trägt an seiner un- 
teren Seite das aus zwei Gliedern zusammengesetzte Abdomen 
(Fig. 10 X}. Ein jedes Abdominalglied trägt zwei seitliche 
Blättchen, welche am Rande nicht mit Borsten besetzt sind; 
die Blättchen des ersten Gliedes sind bedeutend grösser als 
die des zweiten. 

Die Kiemenfüsse, von denen die beiden ersten Paare 
am ersten, die beiden folgenden je am zweiten und dritten 
Thoraxringe befestigt sind, zeigen eine höchst eigenthümliche 
Construklion; sie bestehen nämlich nicht allein aus den bei 
den verwandten Siphonostomen - Gattungen gewöhnlich vor- 
kommenden blattartigen Gliedern, sondern tragen ausserdem 



Beschreibung zweier neuer Siphonostomen-Gattungen. 191 

noch gestielte Knöpfe, deren Zahl und Sitz bei den verschie- 
denen Fusspaaren verschieden ist. Das erste derselben (Fig. 
11.3 ist bedeutend kleiner als die folgenden und weicht von 
diesen dadurch ab, dass die nach aussen gelegene Pars gres- 
soria («/) nur eingliedrig ist; dieselbe ist an ihrer Spitze in 
einen lileinen Zapfen ausgezogen und auf jeder Seite dessel- 
ben mit drei kurzen Borsten versehen. Die innere Portion 
(Pars branchialis) ist zweigliedrig, das Endglied oval und 
mit kurzen Cilien gesäumt (Fig. 11 z). Der Schenkellheil zeigt 
4 knopfartige , auf einem kurzen Stiele sitzende Anschwel- 
lungen, von denen zwei nach oben und zwei mehr nach hin- 
ten gerichtet sind ; die grösste ist nach innen und oben ge- 
richtet. Ihre Stellung zu einander ist ersichtlich aus Fig. 1 1 a, 
welche den Schenkeltheil des Fusses von seiner unteren Kante 
aus gesehen darstellt. Die gewölbte Überfläche dieser knopf- 
artigen Organe ist mit sehr feinen und zahlreichen Poren 
versehen (¥\g. Hb) — Die Kiemenfüsse des zweiten und 
dritten Paares zeichnen sich dadurch aus, dass sie in der Mitte 
durch eine breite membranöse Platte mit einander verbunden 
sind. Beim zweiten Paar (Fig 12.) steigt die Anzahl der 
knopfförmigen Organe auf fünf; doch haben sie hier eine 
ganz verschiedene Anordnung. Zwei derselben befinden sich 
am Basaltheil des Fusses, und zwar ist das eine nach innen, 
das andere nach oben gerichtet; das dritte findet sich an der 
Stelle, wo die Pars branchialis eingelenkt ist, das vierte am 
Ende des ersten Gliedes der Pars gressoria und das fünfte 
an einem besonderen Lappen am Grunde der Pars gressoria. 
Das Endglied der Pars gressoria ist klein, länglich, nach in- 
nen mit kurzen Borsten besetzt; das zweite Glied der Pars 
branchialis ist bedeutend grösser, am Grunde breit, nach der 
Spitze hin schmaler werdend und gekrümmt. — Das dritte 
Fusspaar (Fig. 13.) zeigt nur eine knopfartige Erhabenheit und 
zwar am Ursprung des Basaltheiles jedes Fusses; von der 
Stelle, wo sich diese erhebt^ entspringt nach innen ein gros- 
ser herzförmiger, vom übrigen Fuss getrennter Lappen, der 
sich zunächst an die beide Füsse verbindende Lamelle anlegt. 
An der Pars gressoria ist das erste Glied auswendig mit Ci- 
lien besetzt, das zweite trägt nach innen drei starke kurze 
Borsten. Das bei weitem grössere Endglied der Pars bran- 



192 Gerstaeckert 

chialis ist nach innen gekrümmt und verschmälert sich nach 
der Spitze zu. — Am vierten Fusspaar (Fig. 14.) ist der Ba- 
saltheil weniger breit als bei den beiden vorigen; er trägt 
an seinem Grunde nur noch die Spur eines Knopfes und die 
nach innen gerichtete lappenartige Erweiterung ist nicht von 
ihm getrennt. Die Pars gressoria («/) besteht nur aus einem 
sehr langen Gliede, welches sich unter einem stumpfen Win- 
kel nach innen umbiegt, und an der Spitze drei kurze, dorn- 
artige Borsten trägt: die Pars branchialis (ä) ist ebenfalls nur 
eingliedrig und nach innen gebogen, und wird von der Ba- 
sis an allmählich breiter. — Diese Bildung der Kiemenfüsse ist 
eine von den bisher beobachteten Siphonostomen sehr abwei- 
chende: welche Bestimmung die erwähnten knopfförmigen Er- 
habenheiten haben mögen, kann ich nicht entscheiden; für 
Saugnäpfe möchte ich sie ihrer gewölbten Oberfläche wegen 
kaum halten, wiewohl ihre Struktur dies vermuthen Hesse. 

Die Gattung Gangliopus würde nach den blaltartigen An- 
hängen der Thoraxringe und der Bildung der Kiemenfüsse zu 
der Gruppe der Pandaliiien zu rechnen sein; in der nächsten 
Verwandtschaft steht sie mit der Gallung Phyllophora Edw. 
Von dieser unterscheidet sie sich durch den bedeutenderen 
Umfang des Cephalothorax im Vergleich zu den Thoraxrin- 
gen, und ausserdem durch die Bildung des zweiten und drit- 
ten Fusspaares des Cephalothorax (Siehe Milne Edwards, Hist. 
nat. des Crustac. pl. 38. fig. 14.). Bei Phyllophora ist nämlich 
das zweite Fusspaar durch zwei gleich lange Endhaken be- 
grenzt, und das dritte trägt nur eine grosse gekrümmte Klaue. 
— In wie weit die Construktion der Kiemenfüsse bei Phyl- 
lophora mit der unsrer Gattung übereinstimmt, lässt sich we- 
der aus der von Milne Edwards gegebenen Abbildung, 
noch aus seiner Beschreibung ersehen. 

Gangliopus pyriformis nob. 
Long. 4 lin. 

Fem. cephalothorace vix longiore quam latiore, postice 
anguslato, annulis thoracicis illo angustioribus, tribus ante- 
rioribus foliolis binis dorsalibus ornatis, quarto subquadralo, 
postice rolundato : abdominis articulo primo laminis duabus 
lateralibus ovatis, altero subrotundis, minutissimis instructo. 

Mas ignotus. 



Beschreibung zweier neuer Siphonostomen-Gattungen. -193 

Der Umriss des weiblichen Körpers ist birnförmig; die 
Länge des Cephalothorax kommt in der Mittellinie ungefähr 
der der vier Thoraxringe zusammengenommen gleich^ an den 
Seiten tritt jedoch ein zugespitzter Lappen viel weiter nach 
hinten. Etwas hinter der Mitte des Seitenrandes zeigt sich 
jederseits eine kleine Einbuchtung, von welcher auf der Rük- 
kenseite eine schwache Querfurche gegen die Mittellinie hin 
verläuft; ausserdem ist die Oberfläche noch durch mehrere 
kleine Furchen in verschiedene Felder getheilt (Fig. 9.). Die 
Thoraxringe nehmen von vorn nach hinten an Breite ab; die 
drei ersten tragen auf der Rückenseite je zwei seitliche La- 
mellen. Die des ersten sind mehr seitwärts gewendet und 
schliessen sich den nach hinten hervortretenden Lappen des 
Cephalothorax nach innen zu an ; die der beiden folgenden 
liegen dicht neben einander und bedecken zum Theil den 
nächstfolgenden Ring. Der vierte Thoraxring, welcher keine 
Blättchen trägt, ist quadratisch, hinten abgerundet und einge- 
buchtet. Das Abdomen ist sehr klein und nur von unten 
sichtbar. Sein erster Ring trägt an seinen Hinterecken zwei 
ovale Blättchen; der zweite bildet fast ein regelmässiges 
Viereck, das sich jedoch mit einer seiner Ecken dem ersten 
Ringe anschliesst^ so dass seine Diagonale in die Längslinie 
des Körpers fällt. Die kleinen rundlichen Blättchen, welche 
an seinen seitlichen Zipfeln befestigt sind, tragen, wie die 
des ersten Ringes, keine Spur von gefiederten Borsten. Die 
geringelten Eiertrauben nehmen ihren Ursprung vom hinteren 
Ende des vierten Thoraxringes, sind ziemlich dünn und etwa 
doppelt so lang als der Körper. 



3. Nogagus angustulus nob. 

Long. 3^2 lin- 

Mas cephalothorace ovato, lobis posticis anguslatis, acu- 
minatis: annulis thoracis tribus anterioribus inier se remo- 
tis, appendicibus lateralibus primi oblongis, secundi tertiique 
brevibus, subrotundis: quarto thoracis annulo subquadrato, 
laleribus emarginato, poslice in lobulos duos producto : abdo- 
mine biarticulato, laminis terminalibus setiferis admodum latis. 

Fem. ignota. 

Archiv f. Naturgesch. XX. Jahrg. 1. Dd. 13 



^194 Gerstaecker: 

Der Cephalothorax ist verhällnissmässig schmal, von ei- 
förmigem Umriss; die Stirnlamellen sind von massiger Breite, 
in der Milte schmal eingebuchtet; die seitlichen Lappen des 
hinteren Theiles des Cephalottiorax sind schmal und lang und 
endigen in eine stumpfe Spitze. Die Thoraxringe sind durch 
ziemlich breite Zwischenräume von einander getrennt und 
hängen nur durch einen Stiel mit einander zusammen. Der 
erste ist viereckig, breiter als lang und trägt an jeder Seite 
einen blattartigen Fortsatz, der sich zwischen die Lappen des 
Cephalothorax einzwängt und diesen an Länge gleich kommt. 
Die beiden folgenden sind elliptisch und tragen viel kürzere 
rundliche Blattfortsätze. Der vierte Thoraxring ist quadra- 
tisch, mit abgerundeten Vorderecken, an den Seiten merklich 
ausgebuchtet, hinten jederseits in einen kleinen Lappen er- 
weitert. Das Abdomen besteht aus zwei kurzen Gliedern, 
an deren letztem zwei sehr breite und kurze flossenförmige 
Lamellen eingelentit sind ; diese tragen an ihrem Hinterrande 
vier gebogene, starke und mit langen Wimpern besetzte Bor- 
sten, von denen die beiden mittleren bei weitem länger sind 
als die seitlichen. 

Das Weibchen ist unbekannt. 

In Fig. 18. ist der letzte Thoraxring mit dem Abdomen 
von unten stark vergrössert dargestellt. Zu beiden Seiten 
des Darnikanals (ic), welcher am Ende des Abdomens in den 
After (y) mündet, liegen im letzten Thoraxringe eingeschlos- 
sen die ovalen Hoden (z,^); sie gehen an dessen hinterem 
Ende in einen kurzen, dicken Ausfülirungsgang (o) über, wel- 
cher sich nach der Mittellinie hin krümmend, dicht vor dem 
Ursprung des Abdomens nach aussen mündet. Die OefTnung 
ist spaltenförmig und liegt jederseits der Mittelinie auf einem 
länglichen Wulste (."). 



Erklärung der Abbildungen, 



Fig. 1. Lonchidium aculealum fem. in starker Vergrösserung von oben 
gesellen, a. Cephalolliorax mit dem beweglichen dornarti- 
gen Fortsatz z. f. Antennen, b. erster, c. zweiter, d. drit- 
ter, e. vierter Thoraxring. ^f. Abdomen, h. Eiertrauben. 



Beschreibung zweier neuer Siphonostomen-Galtungen. 195 

Fig. 2. Dasselbe Thier von unten, a. Antennen, z. Dornartiger 

Fortsatz. 
Fig. 3. Erster Fuss des Cephalothorax. 
Fig. 4. Zweiter „ „ „ „ 

Fig. 5. Dritter „ „ „ „ 

Fig. 6. Einer der am Thorax sitzenden Kiemenfüsse. a. Pars bran. 

chialis. b. Pars gressoria. 
Fig. 7. Antenne. 
Fig. 8. Rüssel, a. Oberlippe, b. Unterlippe, c. Palpen. 

Fig. 9. Gangliopus pyriformis fem. stark vergrössert von oben gese- 
hen, ö. erster, b. zweiter, c. dritter, d. vierter Thoraxring. 

Fig. 10. Dasselbe Thier von unten, x. Abdomen. 

Fig. 11. Erstes Kiemenfusspaar. y. Pars gressoria. z. Pars branchia- 
lis. o. KnopfFörmige Anschwellungen. 

Fig. H.a. Der Basaltheil desselben Fusses von der unteren Kante aus 
gesehen, o. wie Fig. 11. 

Fig. 11.6. Eins der knopfförmigen Organe stärker vergrössert. 

Fig. 12. Kiemenfuss des zweiten Paares. 

Fig. 13. „ „ dritten „ 

Fig. 14. „ „ vierten „ 

(y und s wie Fig. 11.) 

Fig. 15. Antenne. 

Fig. 16. Rüssel, a. Oberlippe, b. Unterlippe, c. Palpe, d. Kiefer. 

Fig. 17. Nogagus angustatus mas. stark vergrössert von oben gesehen. 
a. erster, b. zweiter, c. dritter, d. vierter Thoraxring. e. Ab- 
domen. 

Fig. 18. Letzter Thoraxring nebst Abdomen desselben Thieres von 
unten gesehen, stärker vergrössert. x. Darmkanal, y. After. 
s,z. Hoden, o. Ausführungsgang derselben, n. Aeussere Ge- 
schlechtsöffnung. 



Bciträgfe zur Hctiutuiss der Pteropodcii« 

Vom 
Herausgrebe r« 

(Hierzu Taf. VIII— X.) 



Während eines mehnnonatlichen Aufenthaltes in Messina 
in den Monaten August, September, October und November, 
anfänglich in Begleitung des Herrn Geh. Med. Raths Jo ha n- 
nes Müller und des Herrn Dr. Max Müller, habe ich 
reiche Gelegenheit gehabt , Pteropoden zu untersuchen. In 
neuerer Zeit ist zwar die Kenntniss dieser Thiere durch Van 
Beneden, Eschricht, d'Orbigny und Soulcyet be- 
deutend erweitert worden; dennoch werden die Beobachtun- 
gen, welche ich im Folgenden initlheilen will , eines Theils 
manches Neue bringen, anderenlhcils Einiges berichtigen. 

Meine Beobachtungen beziehen sich nur auf die Fami- 
lien der Hyalaeaceen, Cymbuliaceen und nackten Pteropoden. 

Familie Hyalaeacea. 

Vor allen Dingen muss ich bemerken , dass alle Thiere 
dieser Abtheilung zwei ganz eigenthümliche Kiefer besitzen, 
welche ich von keinem Beobachter erwähnt finde, und wel- 
che diesen Thieren vonSouleyet ausdrücklich abgespro- 
chen werden '). Ich habe sie bei keiner Art vermisst. Je- 
derseils am Eingange in den Schlundkopf liegt eine Horn- 



1) Histoire naturelle des Pteropodes. Paris 1852. p. 16. 



Troschel: Beiträge zur Kenntniss der Pteropoden. 197 

platte, welche aus vier hintereinander geordneten Lamellen 
besteht. Bei den Kaubevvegungen zeigte sich, dass die Zunge 
nicht gegen die Kiefer reibt, sondern dass in dem Augen- 
blick, wenn die Zunge ihre einschöpfende Bewegung gemacht 
hat, die davor liegenden Kiefer mit ihren inneren Rändern 
seitlich gegen einander stossen (Vergl. als Beispiel Taf. VIII. 
Fig. 7.). Die Zunge ist von drei Längsreihen von Platten be- 
waffnet, und ist kurz, indem nur wenige^ 7 bis 12 Querrei- 
hen angetroffen werden. 

Meine Angaben müssen sich auf die Gattungen Hyalaea 
und Cleodora mitEinschluss von Creseis beschränken, da ich 
Thiere aus den Gattungen Cuvieria, Limacina und Spirialis 
nicht untersucht habe. 

Ueber den Werth und die Begrenzung der Gattungen 
Hyalaea, Cleodora und Creseis sind verschiedene Meinungen 
ausgesprochen worden. Die Gattung Cleodora Peron und 
Lesueur ist ziemlich allgemein von den späteren Schriftstel- 
lern als von Hyalaea verschieden anerkannt worden. D'Or« 
bigny ist der Meinung, dass die Charaktere diese Gattung 
nicht scharf von Hyalaea trennen , und er gesteht ihr daher 
nur den Werth eines Sous-genre zu '), indem er am Thiere 
keine generische Differenz, an der Schale nur allmählich in 
einander übergehende Verschiedenheiten auffinden konnte. 
Weiterhin, bei der Aufzählung der Arten 2), giebt jedoch d'O r- 
bigny vom Thiere als Unterschied an, es sei bei Hyalaea kurz 
und gewölbt, und habe ziemlich oft seitliche Anhänge, wäh- 
rend es bei Cleodora meist länglich, und niemals mit seitli- 
chen Anhängen versehen sei. — Souleyet-^) nimmt beide 
Gattungen als verschieden an, und hebt als Differenz in den 
Diagnosen besonders hervor, dass Hyalaea die seitlichen Man- 
telanhänge besitze, dass dieselben bei Cleodora fehlen. Frei- 
lich sagt er selbst gleich darauf (p.49.), dass C. cuspidata 
dergleichen besitze, und dass sie den seillichen Spitzen der 
Schale entsprechen. Das letztere beruht jedoch auf einem 



1) Yoyage dans l'Amerique meridionale. Mollusques p.84. 

2) L. c. p.89. und 111. 

3) L. c. p. 33. und 47. 



198 Troschel: 

Irrthume, indem die genannte Art keine verlängerte fadenför- 
mige Anhänge hat. 

Wenn man das Vorhandensein oder Fehlen dieser Man- 
telanhänge als Unterschied zwischen den Galtungen Hyalaea 
undCleodora festsetzt, so wird dadurch die Grenze zwischen 
beiden ein wenig verschoben, indem dann nicht bloss die Ar- 
ten mit gewölbter Schale, welche doch ursprünglich die Gal- 
tung bildeten, zu Hyalaea gezählt werden müssen, sondern 
auch einige ganz flache, die man ohne Berücksichtigung der 
Fäden zu Cleodora stellen würde. Ich bin daher geneigt, fol- 
gende vier Gruppen zu unterscheiden: 

I. Hyalaea Lam. mit gewölbter Schale, verengter Scha- 
lenmöndung, meist mit seitlichen Mantelanhängen. Dahin ge- 
hören folgende Arten ') : 

1. Hyalaea tridentata Lam. 

2. Hyalaea uncinata Rang. 

3. Hyalaea globulosa Rang. 

4. Hyalaea gibbosa Rang. 

5. Hyalaea quadridentata Lesueur. 

6. Hyalaea Orbignyi Rang. 

7. Hyalaea longirostris Lesueur. 

8. Hyalaea angulata Souleyet. 

9. Hyalaea labiata d'Orbigny. 
10. Hyalaea inflexa Lesueur. 

II. Hyalaea trispinosa Lesueur. 

H. Pleuropus Eschsch. mit flacher Schale, nicht vereng- 
ter Schalenmündung und mit seitlichen Mautelanhängen. Da- 
hin gehören : 

1. Pleuropus pellucidus Eschschollz. 

2. Pleuropus laevigatus Nob. (Hyalaea laevigata d'Or- 
bigny). 

3. Pleuropus depressus Nob. (Hyalaea depressa d'Or- 
bigny; von Souleyet mit Unrecht als Synonym zu 
H. inflexa Lesueur gestellt). 

4. Pleuropus longifilis Nob. nov. spec. 

1) Ich lasse mich hier auf eine Kritik der Synonymie Sou- 
leyet's nicht ein, da mir kein hinreichendes Material zu Gebote fleht. 



Beiträge zur Kenntniss der Pteropoden. 1^9 

in. Cleodora Peron et Lesueur mit flacher seitlich ge- 
kielter Schale, nicht verengter, zweilippiger Schalenmündang 
und ohne oder mit ganz kurzen, nicht aus der Schale her- 
vorragenden Mantelanhängeri. Dahin gehören folgende Arten : 

1. Cleodora cuspidata Quoy et Gaimard. 

2. Cleodora pyramidata Peron et Lesueur. 

3. Cleodora compressa Souleyet. 

4. Cleodora Chaptalii Souleyet. 

5. Cleodora curvata Souleyet. 

6. Cleodora balanlium Rang. 

7. Cleodora inflala Souleyet. 

8. Cleodora australis d'Orbigny. 

9. Cleodora trifilis Nob. nov. spec. 

IV. Creseis Rang mit rundlicher Schale, rundlicher Scha- 
lenmündung ohne Lippen und ohne oder mit ganz kurzen 
Mantelanhängen. Dahin: 

1. Creseis striata Rang. 

2. Creseis subulata Quoy et Gaimard. 

3. Creseis acicula Rang. 

4. Creseis virgula Rang. 

5. Creseis phaeosloma Nob. nov. spec. 

6. ? Creseis monotis Nob. nov. spec. 

Hyalaea Lam. 

Aus dieser Gruppe habe ich in Messina zwei Arten be- 
obachtet, nämlich H. tridentata Lam., und H. gibbosa Rang. 

1. Hyalaea tridentata Lam. mit ihrer grossen 
zierlichen Schale, aus der seitlich weisse, durchsichtige Lap- 
pen hervorragen , die sich nicht in lange Fäden zu verlän- 
gern vermögen, und mit ihren grossen bläulichen Flossen, ist 
l*ei Messina gar nicht selten, scheint es auch in anderen Mee- 
ren nicht zu sein. Daher kennt man wohl diese Art genauer 
als irgend eine andere aus dieser Familie. 

Jeder Kiefer besieht aus vier schmalen Streifen, die von 
vorn nach hinten an Länge etwas zunehmen, aber alle fast 
gleich breit sind; ihre Ränder sind äusserst fein, und ziem- 
lich unregclmässig gekerbt. Sie ^ind wenig durch die Farbe 



200 Troschel: 

von ihrer Umgebung ausgezeichnet , und um so leichter zu 
übersehen, als sie ausserdem klein, sehr zart sind, und an einer 
von zahlreichen Körnern braungefärbten Haut liegen. Ich 
hatte sie längere Zeit an frischen Exemplaren gleichfalls ver- 
misst, und habe sie erst später an Weingeist-Exemplaren auf- 
finden können. — Eine Abbildung der ZungenbewafTnung ken- 
nen wir bereits durch Loven ^). Mit seiner Abbildung 
stimmt meine Beobachtung so ziemlich überein, ich möchte 
nur noch hinzufügen, dass 8 bis 10 Querreihen von Platten 
vorhanden sind. Die Zunge ist also sehr kurz, und gleicht 
darin den übrigen schalentragenden Pteropoden vollkommen, 
was wohl Souleyet zu der Aeusserung Veranlassung gege- 
ben hat ^), die Zunge sei nur im rudimentären Zustande vor- 
handen. Der mittlere Zahn jeder aus drei Platten bestehen- 
den Querreihe zeigte mir eine Eigenthümlichkeit, die Loven 
nicht erwähnt hat: derselbe ist nach der Spitze hin compri- 
mirl, und am Ende schräg von oben nach unten abgestutzt, 
wodurch eine obere stumpfe und eine untere spitzere, weiter 
vorragende Spitze entsteht. 

2. Von Hyalaea gibbosa Rang habe ich nur zwei 
Exemplare in Messina, und zwar am 14ten October, erhalten, 
und diese mehrere Stunden lebend beobachtet. Das Thier 
schimmert tief dunkel braunroth durch, die Flossen sind durch- 
scheinend, am Grunde braunroth ; Fäden hingen an der Seite 
nicht hervor. Ich theile hier eine Beobachtung, die ich an 
den beiden Thieren gemacht habe, unter der ausdrücklichen 
Bemerkung mit, dass ich den Vorgang nur einmal gesehen 
habe , und daher nicht weiss , was dem Zufall dabei zuzu- 
schreiben ist. Während ich die beiden Thierchen betrachtete, 
die dicht neben einander in einem Glasnäpfchen lagen, und 
von denen das eine zwei grell gelbe eiförmige Körper in 
sich, oder wenigstens zwischen seinen Schalen hatte, gab das 
andere von ihnen einige Flocken von sich, die ich sogleich 
unter dem Mikroskop untersuchte und als Samenlhierchen er- 
kannte, welche in äusserst lebendiger Bewegung waren, und 
aus ziemlich langen Fäden mit deutlichem Knopf bestanden. 



1) Öfvers. Kongl. Yetensk.-Akad. Förhandl. 1847. p. 188. 

2) Hist. nat. des Ftöropodes p. 16. 



Beiträge zur Kenntniss der Pteropoden. 201 

Als ich nun wieder nach den Thieren sah, war der eine gelbe 
Körper aus dem Thiere hervorgetreten, das andere, welches 
die Flocken unter meinen Augen von sich gegeben halte, nahm 
den gelben Körper zwischen seine Flossen, während es diese 
bewegte. Als ich nun auch den gelben Körper fortgenom- 
men hatte, war das lebhafte Exemplar, welches die Flocken 
ausgeworfen hatte, eifrig bejnüht, sich dem anderen trägen, 
fast ganz zurückgezogenem Individuum zu nähern, und zwar 
mit Auswahl, da auch andere Pteropoden in dem Glasnäpf- 
chen sich befanden. Es schlug mit den Flossen an dasselbe. 
Bald wurde auch der zweite grellgelbe Körper entleert, lei- 
der auch in einem Momente, wo ich den Austritt selbst nicht 
beobachtete.— Die gelben Körperchen waren völlig undurch- 
sichtig, eiförmig, von einer zarten durchsichtigen Hülle um- 
geben. Beim Pressen quoll eine grosse Menge sehr kleiner 
Körperchen hervor, die ganz den Dotterkügelchen der Schnek- 
keneier glichen, und sich an einer einzelnen Stelle zitternd 
bewegten. 

Dass dieser Vorgang mit den Geschlechtsfunctionen in 
Beziehung stand, geht aus der Anwesenheit von Samenthier- 
chen hervor, deren Auswerfen übrigens, wie ich bestimmt 
versichern kann, ein freiwilliges war. Das Thier war dabei 
durchaus nicht alterirt, ich beobachtete es während des Vor- 
ganges mit der Lupe. Dass die beiden gelben Körperchen, 
die zwar sehr klein , doch gross genug waren, um mit der 
Lupe deutlich wahrgenommen werden zu können , Eier wa- 
ren, steht zu vermuthen. Freilich finde ich nirgends eine 
Angabe über die Beschaffenheit von Hyalaeen-Eiern. Es ist 
mir nicht unwahrscheinlich, dass ich in diesem Vorgange eine 
Art Copulation beobachtet habe. Es würde , falls sich diese 
Vermuthung bestätigen sollte , die Befruchtung eine äussere 
sein, bei welcher das Ei unmittelbar nach dem Ablegen mit 
dem männlichen Samen in Berührung käme. Ob das Ei zu- 
fällig zwischen die Flossen des als Männchen fungirenden In- 
dividuums gekommen sei, oder ob das letztere seine Thätig- 
keit bei diesem Geschäfte auch dahin ausdehnt, das Ei in Be- 
wegung zu setzen, und dadurch mit den Spermatozoen in 
nähere Berührung zu bringen, muss dahin gestellt bleiben, 
bis es durch wiederholte Beobachtung festgestellt werden kann. 



202 Troschel: 

— Auffallend bleibt diese freiwillige Samenenlleerng immer, 
da diese Thiere einen Penis besitzen und man daher auch 
eine wirkliche Begattung erwarten sollte. Durch das Aus- 
werfen der Samenflocken wurde ich sogleich an die einzige 
von Muscheln bekannte Begattung erinnert, die WilP) be- 
schrieben hat. Hier ^varf ein Männchen von Teilina planata 
Flöckchen von Spermatozoen aus, die das Weibchen durch 
die Athemröhre einsog. 

Möchten doch andere Beobachter ihre Aufmerksamkeit 
im October auf diese Thierchen richten. Mir selbst gelang 
es nicht, diese Beobachtung zu wiederholen, da keine Exem- 
plare von dieser Art mehr in meinen Besitz kamen. 

PIeuropu§ Eschsch. 

Die Schale dieser Gruppe unterscheidet sich von Hyalaea 
auffallend genug dadurch, dass sie flach ist und dass die Mün- 
dung keine Verengung zeigt; sie bildet einen Uebergang zur 
Gruppe Cleodora. Gerade die hierhergehörigen Arten sind 
es, welche die Grenze zwischen Hyalaea und Cleodora unsi- 
cher gemacht haben. PI. peliucidus und die gleich zu be- 
schreibende neue Art PI. longifilis besitzen jederseits zwei 
lange fadenförmige Mantelanhänge. Ob auch die beiden an- 
deren Arten, die ich wegen der Aehnlichkeit der Schale hier- 
her zu ziehen keinen Anstand nehme, H. laevigata und de- 
pressa d'Orb., gleichfalls mit solchen Fäden versehen sind, ist 
nur zu vermuthen. Von depressa kennt d'Orbigny das Thier 
gar nicht, von laevigata ist das Thier ohne Mantelanhänge 
abgebildet, aber Verf. sagt in der Beschreibung zu wenig, als 
dass daraus mit Bestimmtheit auf die Abwesenheit dieser Or- 
gane geschlossen werden könnte. 

Pleuropus longifilis nov. spec. Taf.VHI. Fig. 1 
— 3. Testa subtriangularis, antice rotundata, postice uncinata, 
depressa, pellucida, nitida, laevissima, fragilissima ; aperlura 
transversa, satis aperta,Iabrisrotundatis, supero inferum longe 
superante, spini laterales nulli, cuspis postica longa, recta, ad 
apicem superne hamala. — Animal pinnis roseis, trilobatis, 



1) Froriep's Notizen XXIX. p.57. J844. Vergl. auch dies Ar« 
chiv 1845. II. p.322. 



Beiträge zur Kenntniss der Pteropoden. 203 

appendicibus pallii utrinque binis, longissimis, fuscis. Long. 
7 mill., Lat. 5 mill. 

Diese Art scheint bei Messina gar nicht selten zu sein, 
mir sind acht Exemplare vorgekommen, von denen ich noch 
sechs in Weingeist bewahre. Um so schwerer habe ich mich 
entschliessen können , sie als neu anzusehen. Ich finde je- 
doch keine Art, mit der ich sie in Uebereinstimmung zu brin- 
gen vermöchte. Gewiss ist sie von früheren Beobachtern 
mit Hyalaea laevigata d'Orbigny verwechselt worden. 

Die Schale ist flach, vollkommen durchsichtig, glatt, glän- 
zend und so zerbrechlich, dass es schwer hält, ein Exemplar 
unverletzt aufzubewahren. An der äussersten Spitze ist die 
Schale hakenförmig umgebogen, sonst aber gerade. Sie er- 
weitert sich von dieser hakigen Spitze nach vorn anfangs 
wenig, weiterhin aber sehr bedeutend, so dass jederseits eine 
stark gebogene Linie von der Spitze zur Seitenecke der Schale 
verläuft. Die Oeffnung der Schale bildet eineQuerspalte von 
ziemlicher Weite. Beide Lippen sind abgerundet, die dor- 
sale oder Oberlippe ist jedoch viel weiter vorgezogen als die 
ventrale oder Unterlippe. Von Leisten oder Erhabenheiten 
auf der Oberfläche der Schale ist keine Spur vorhanden, sehr 
zarte Anwachsstreifen erzeugen eine Art unregelmässiger 
Querstreifung an der Schale, die jedoch nur bei Vergrösse- 
rung wahrgenommen werden kann. 

Das Thier macht sich sehr kenntlich durch die rosen- 
farbigen Flossen, die am Rande zweimal eingekerbt, also drei- 
lappig sind. Jederseits tritt aus der Seitenecke der Schale 
ein langer fadenförmiger Fortsatz des Mantels hervor, der 
von dunkelbrauner Farbe ist, und die Schale an Länge bei 
weitem übertrifft. Diese Fäden flimmern in ihrer ganzen 
Länge. Sie sind platt und in ihrer Mitte verläuft eine hellere 
Stelle, die im Leben des Thieres wie ein Gefäss aussieht. Ich 
glaube jedoch, dass dies die Stelle ist, wo die zwei Fäden 
jederseits aneinander haften, da ich bei allen Exemplaren in 
Weingeist zwei deutlich von einander getrennte Fäden wahr- 
nehme, während das lebende Thier mir nur einen platten und 
breiten Faden gezeigt hat. Die Oberfläche dieser Fäden ist 
rauh durch zahlreiche sehr kleine Schläuche von dunkelbrau- 
ner Farbe; wenn man sie presst, entleeren sie eine gelbe 



204 Troschel: 

Flüssigkeit. Die Fäden wickeln sich ganz unregelmässig auf, 
sind äusserst contractu, machen sich nach Delieben sehr kurz, 
und andererseits wieder ausnehmend lang. Sie scheinen als 
Fangfäden zu dienen. Abgerissen behalten sie noch lange 
selbstständige Bewegung. — Es sind jederseits zwei Kiefer 
vorhanden, deren jeder aus vier bandförmigen, am Vorder- 
rande sehr fein gekerbten Platten, von vorn nach hinten bei 
gleicher Breite an Länge zunehmend, besteht. Die Zunge 
besteht aus sieben oder acht Plattenreihen, jede mit drei Plat- 
ten. Die Mittelplatte tritt nach hinten in eine grosse Spitze 
vor; die Seitenplatten bilden ebenfalls kräftige etwas nach 
innen gewendete Spitzen, welche die Mittelplatte noch ein we- 
nig überragen. Im Magen sind fünf knorplige Stücke vorhan- 
den, welche an manchen Stellen ihrer inneren Oberfläche mit 
vorragenden Erhabenheiten pflasterartig besetzt sind. 

Die Gehörbläschen sind sehr deutlich, und enthalten viele 
Otolithen. 

Meine Weingeistexemplare haben eine grosse Aehnlich- 
keit mit Eschscholtz's Pleuropus pellucidus ') , so dass 
beide Arien gewiss in dieselbe Gattung gehören, deren Cha- 
raktere Eschscholtz darin setzt, dass die Schale vorn breit, 
platt, hinten zugespitzt sei, und dass vom Mantel jederseits 
zwei Fühlfäden heraushängen. Jedenfalls hatSouleyet Un- 
recht, wenn er den Pleuropus pellucidus als identisch mit 
Cleodora cuspidata ansieht. Die citirte Abbildung scheint nach 
Weingeistexemplaren angefertigt zu sein. Unterschieden ist 
die Art von der unsrigen durch die hinreichend abweichende 
Gestalt der Schale. Eschscholtz beobachtete seine Art in 
der Sudsee, was gleichfalls für specifische Verschiedenheit 
spricht. 

Cleodora Per. Les. 

Aus dieser Gruppe habe ich in Messina zwei Arten be- 
obachtet: 

1. Cleodora pyramidata Per. Les., die nicht zu 



1) Isis 1825. p. 735.Taf. Y. Fig. 2. ; — Zoologischer Atlas Heft 
3. p. 16. Taf. XV. Fig. 1.; — Rang et Souleyet Bist. nat. des Ptero- 
podes pl.X. Fig. 8. copirl. 



Beiträge zur Kenntniss der Pteropoden. 205 

verkennen und von den verschiedenen Schriftstellern gut be- 
schrieben und abgebildet ist. 

2. Cleodora trifilis n. sp. (Taf. VIII. Fig. 4.). Te- 
sta elongata, triangularis , depressa, antice rolundata, apice 
tuinida, pellucida, subtiliter striata. Animal diaphanum, pin- 
nis bilobatis, appendicibus pallii utrinque tribus, diaphanis, 
brevibus. Long. 1 Millim. 

Die Schale ist flach, länglich dreieckig, vorn abgerundet^ 
mit wenig vorstehenden Rändern, hinten stumpf und gerade, 
nicht hakenförmig gebogen und äusserst fein quergestreift. 
Die Flossen sind deutlich zweilappig. Sie ist sehr klein, höch- 
stens Vi Linie lang. 

Der Mund ist rundlich und von einer Wulst umgeben. 
Zwei Kiefer sind vorhanden ; jeder besteht aus vier braunen 
Stücken, von denen die vorderen drei bandförmig, das hin- 
terste von dreieckiger Gestalt und verhältnissmässig gross ist; 
das vorderste ist auff'allend klein. Die Zunge enthält fünf 
Querreihen. Die JVlittelpIalle bildet einen grossen Zahn, die 
seitlichen sind fast dornförmig. Sowohl die Mundmasse wie 
der Schlund sind farblos und enthalten nichts von dem brau- 
nen Pigmente der folgenden Art. Der kleine Magen liegt vor 
der Mitte der Länge, hinter ihm die Leber; der Darm begiebt 
sich nach vorn und öffnet sich rechts im After. Das Herz 
liegt rechts hinter dem Magen. Am Rande des Mantels lie- 
gen jederseils drei kurze contractile Fäden , die nach vorn 
gerichtet sind, und nur wenig aus der Schale hervorgeslreckt 
werden können. Die Gehörbläschen enthalten viele Otolithen. 

Diese Art lässt sich nach der Gestalt der Schale am er- 
sten mitHyalaea rugosa d'Orb. ') und Cl. curvata Souleyet ^) ver- 
gleichen, welche der letztere für identisch hält. Indessen 
die fein gestreifte, hinten nicht gekrümmte Schale, sowie die 
drei Mantelfäden unterscheiden sie von ihnen, auch ist die 
Schale weniger spitz und mehr langstreckig. 

Ich habe nur ein Exemplar am 23. September 1853 be- 
obachtet. 



1) Voy. dans l'Amcr. merid. Alollusques p. 118. pl. 8. ßg. 12— 14, 

2) Hist. nat. des Pleropodes p.52. pl. 13. fig. 5— 10. 



206 Troschel: 

Creseis Rang. 

1. Creseis phaeostoma Nob. nov. spec. cTaf.VIII. 
Fig. 5 — 7). Testa conica, fragilissima, recla, transversim re- 
gulariter striata, apertura subcirculari. Animal pinnis sub- 
quadrangularibus , bllobis, flavimaculatis ; massa buccali et 
oesophago fuscis. Long. 1 Mill. 

Von dieser leicht kenntlichen Art habe ich am 22. Sep- 
tember und am 4. October Exemplare beobachtet. Zuweilen 
hatte das Thier gar keine Schale, ein Zeichen, dass dasselbe 
sie leicht verliert, in anderen Fällen war die Schale vorhan- 
den, doch nicht ganz vollständig; sie ist äusserst zerbrechlich. 

Die Schale scheint kurz zu sein, wofür auch die kurze, 
hinten abgestutzte Form des Thierkörpers spricht. Die Schale, 
wie ich sie beobachtet habe, und die zerbrochen und wohl 
nicht ganz vollständig war, war konisch, und hatte ringför- 
mige Querstreifen, welche als sehr feine Wülste hervortraten, 
Ihre Gestalt war kegelförmig und erweiterte sich von der 
Spitze, welche verletzt war, ziemlich schnell; die Mündung 
war rundlich. Eine Krümmung der Schale war nirgends zu 
bemerken. (Fig. ö.) 

Sicherere Charaktere für die Unterscheidung gab der 
Bewohner dieser Schale selbst. Ich zähle dahin die fast vier- 
eckigen Flossen, mit geradem Vorderrande und einer Ein- 
kerbung am Seitenrande, auf deren jeder zwei schwefelgelbe, 
verwaschene, grössere Flecken sichtbar sind, und namentlich 
die dunkelbraune Färbung der ganzen Mundmasse und des 
Schlundes , welche ich bei keiner anderen Creseis wahrge- 
nommen , oder in den Beschreibungen Anderer angedeutet 
finde; letztere Eigenschaft hat mich zu dem Namen veranlasst. 
Cleodora pyramidata hat auch diese braune Färbung des Mun- 
des und Schlundes. 

Die Flossen sind fast viereckig. Der Vorderrand ist 
geradlinig ; der Aussenrand hat auf ein Drittel seiner Länge 
einen tiefen Einschnitt, wodurch die Flosse zweilappig wird. 
Der hinlere dieser beiden Lappen ist bei weitem der grös- 
sere und dehnt sich nach hinten in eine grosse Abrundung 
aus, wodurch die Flossen fast so lang wie breit werden. 
Die Flossen sind ganz durchsichtig und farblos, doch zeich- 
nen sich auf jeder zwei grössere schwefelgelbe Flecken aus, 



Beiträge zur Kenntniss der Pteropoden. 207 

die den beiden Flossenlappen entsprechen, und die nach der 
Mitte der Flosse sich verwaschen, und ohne scharfe Grenze 
ins Farblose übergehen. Die Flossen sind mit sehr feinen 
kleinen Borsten oder Dornen auf der ganzen Oberfläche be- 
selzt. Hinten liegt zwischen beiden Flossen eine dickere, 
weniger durchsichtige Masse, welche in ihrer ganzen Aus- 
dehnung flimmert. 

Die Mundmasse und der Oesophagus sind durch sehr 
zahlreiche dunkelbraune kleine Flecke, die ihr eingestreut sind, 
braun gefärbt. 

Die Mundmasse ist länglich eiförmig (Taf. VIII. Fig. 7.) ; 
an ihr liegt vorn ein Eingang, der sich in eine obere Spalte 
fortsetzt, die man bis auf die Hälfte der Mundmasse deutlich 
sehen kann. Jederseits neben dem vorderen Eingange liegt 
ein Kiefer. Derselbe besteht aus vier querliegenden bandför- 
migen Streifen, die so hinter einander liegen , das der vor- 
derste der kleinste, der hinterste der grosseste ist; übrigens 
sind alle diese Streifen gleich breit, rechtwinklig und unter- 
scheiden sich von einander nur durch ihre Länge. Ihre Rän- 
der sind glatt. Beim Druck Hessen sich die Streifen ein 
wenig von einander trennen; sie sind also nicht zu einem 
Stuck verwachsen. An den einzelnen Streifen lassen sich 
einzelne unregelmässige Querlinien unterscheiden, als wenn 
jeder durch Verschmelzung mehrerer an einander gereihter 
Stücke entstanden wäre. Weiter hinten in der Mundmasse, 
am Ende der oberen Spalte beginnend, liegt eine umgrenzte 
runde Masse, die Stütze der Reibmembran, welche sehr be- 
weglich und verschiebbar ist, so dass sie die Kiefer zuweilen 
erreicht. Auf ihrer Mitte liegt die Reibmembran, oder die 
mit Platten bewaff'nete Zunge, Diese besteht aus 7 bis U 
Querreihen, deren jede drei Platten enthält. Die Mittelplat- 
ten sind breit, vorn concav, hinten convex, an den Seiten ab- 
gerundet; jede erhebt sich in einen grossen nach hinten ge- 
richteten ganzrandigen Zahn. Die Seitenplatten sind dorn- 
förmig , nach innen und hinten gekrümmt und haben eine 
etwas verdickte Basis. 

Hinter der Zunge habe ich einmal sehr deutlich etwa 
ein Dutzend hinten abgerundeter kleiner Schläuche erkannt, 
die mit ihren vorderen Enden convergirend der Zunge zu- 



208 Troschel: 

gewendet waren. Es mögen Schleimdrüsen sein, welche ih- 
ren Inhalt in den Mund ergiessen. 

Der Schlund geht unter den beiden Gehörbläschen hin- 
durch nach hinten, wendet sich ein wenig nach rechts und 
mündet in den Magen. Dieser ist länglichrund und enthält 
vier Knorpelstücke, die an der inneren Fläche mit stumpfen 
Erhabenheiten steinpflasterähnlich besetzt sind. Aus dem hin- 
teren Ende des Magens tritt der Darm aus, macht zwei Win- 
dungen in der Leber, steigt dann an der linken Seite des 
Körpers nach vorn, wendet sich über dem Magen nach rechts, 
und öffnet sich an der rechten Seite des Halses. Die Leber 
liegt dicht hinter dem Magen, und bildet eine braune läng- 
liche Masse, etwa ebenso breit wie der Magen. 

An den beiden grossesten Schlundganglien liegen die 
Gehörbläschen , welche viele Otolithen enthalten. Ich habe 
bei dieser Art recht deutlich zwei Nervenstämme verfolgen 
können, welche sich von diesen Ganglien nach vorn bege- 
ben , sich bald mehrfach theilen und die Flossen mit einem 
grossen Nervenreichthum versehen. 

i2. Creseis striata Rang, Von dieser Art habe 
ich nur die Zunge untersucht. Es sind lO Querreihen von 
Platten vorhanden, deren jede aus drei Platten besteht. Die 
Mittelplatten sind breit, am Hinterrande gezähnt. Drei Zähne, 
von denen der mittlere der grosseste ist, zeichnen sich aus, 
dazwischen stehn viele ungemein kleine Zähnchen. Die Sei- 
tenplatten sind dornförmig, ganzrandig. Obgleich ich keine 
Abbildung dieser Zunge gebe, mir eine solche für einen an- 
deren Ort vorbehaltend, wollte ich doch nicht unterlassen, 
zu erwähnen, wie sehr diese Art in der Zungenbewaffnung 
von den übrigen Arten derselben Gattung abweicht. 

3. Creseis monotis n. sp. (Taf. VIH. Fig. 8. 9^). 
Diese sehr kleine neue Art, welche nur 72 mill. lang ist, 
will ich anführen, obgleich ich sie nur ohne Schale gefun- 
den habe (am 5. October), um künftige Beobachter darauf 
aufmerksam zu machen, ihr Körper ist kurz, hinten wie ab- 
gestutzt. Die Flossen sind am Aussenrande zweilappig; ihr 
Vorderrand ist an der innern Hälfte in einen abgerundeten 
Lappen vorgezogen, und daher eigenthümlich geschweift ; sie 
sind durchaus farblos. Die Mundmasse hat keine Spur von 



lieilrägc zur KdintiusS der Fleiopoden. 209 

brauner Färbung. Die aus vier Streifen bestehenden Kiefer 
sind farblos. Die Zunge enthält 5 Querreihen von Platten. 
Am auffallendsten sind mir die Gehörbläschen gewesen, weil 
sie, ganz abweichend von den übrigen Pleropoden , nur ei- 
nen einzigen Otolilhen enlhalten. An der Stelle, wo der Nerv 
an das Bläschen tritt, besitzt dasselbe einen eigenthümlichen 
inneren Ausschnitt (Taf. Vlll. Fig. 9.). Es mag sich hier 
leicht die Vermuthung aufdrängen, dass das Vorhandensein ei- 
nes einzigen Otolithen nur einem jugendlichen Zustande des 
Thieres angehöre, und dies mochte als Einwand gegen die 
Eigenthümlichkeit der Art benutzt werden. Bei oberflächli- 
cher Behandlung des Gegenstandes könnte man auch vielleicht 
meinen, dass die Beobachtungen von Frey') an Limnaeus 
stagnalis die Erwartung rechtfertigten , dass auch bei unse- 
rer Hyalaea später noch mehrere Otolilhen sich ausbilden wür- 
den. Bei reiflicher Ueberlegung kann ich einer solchen An- 
sicht jedoch nicht zustimmen. Erstens ist unser Thier ein 
völlig entwickeltes, das vom Embryonenzustande nichts mehr 
übrig hat, und es lässt sich annehmen , dass auch hier, wie 
sonst überall bei den Mollusken, die Gehörorgane sich sehr 
früh ausbilden. Dafür sprichtauch, dass selbst die kleinsten 
mir zu Gesicht gekommenen Exemplare anderer Arten be- 
reits sehr viele kleine Otolilhen besassen. Zweitens ist der 
einzige Otolilh bei Hyalaea monotis im Verhältnisse zum Ge- 
hörbläschen sehr gross, und es ist nicht einmal für einen 
zweiten Otolithen Platz vorhanden. Es könnte im Falle der 
Vermehrung der Otolithen nur an eine Zerspallung des einen 
gedacht werden. Dagegen sprechen jedoch die eben erwähn- 
ten Beobachtungen Frey's an Limnaeus, der es sehr wahr- 
scheinlich gemacht hat, dass die Entstehung neuer Otolithen 
auf einem Herauskrystallisiren aus dem flüssigen Inhalt des 
Gehörbläschens beruhe. Drittens spricht die kugelrunde Form 
des Otolithen dafür, dass er einsam bleibe, da in allen Fäl- 
len, wo nur ein Otolith vorhanden ist, wie bei den Hetero- 
poden und bei Muscheln, derselbe eine kugelige Gestalt hat. 
Viertens endlich ist es nicht ohne Beispiel , dass sehr ver- 
wandte Thiere mit vielen oder nur einem Otolithen versehen 



1) Dies Archiv 1845. I. p. 217. TaMX. 
Archiv f. Naturgesch. XX. Jahrf . 1. Bd. 14 



^10 Troschel: 

sein können; ich erinnere namentlich an die Angaben von 
Hancock und Ernblelon'), der bei Aeolis aiirantiaca, 
olivacea, picta und exigiia nur einen Otolilhen fand, während 
andere Arten deren viele besitzen. 

6. Cr es eis acicula Rang* ist mir häufig vorgekom- 
men. Ich habe einmal in jedem Gehörbläschen zwei Otoli« 
ihen beobachtet, halte jedoch vorher zu wenig darauf geach- 
tet, als dass ich die Besländigkt^it dieses Verhaltens behaup- 
ten könnte. 

Familie CymbaHacea. 

Die Gattung Cymbulia Peron Lesueur ist von Quoy und 
Gaimard in der Voyage de l'Astrolabe um drei Arten be- 
reichert worden. Die eine derselben ist in der That eine 
Cymbulia, nämlich C. ovata (1. c. pl. 27. fig. 25—30.). Von 
den beiden anderen, G. radiata (ib. fig. 33. 34.) und punctata 
(ib. fig. 35.36.) hat schon Krohn-^) die Vermuthung ausge- 
sprochen, sie möchten Tiedemannien sein. So uley et ^j hat 
die erstere , C. radiata , in der Galtung Cymbulia gelassen 
die zweite dagegen als T. punctata in die Gattung Tiedeman- 
nia versetzt. Ich sehe mich in dem Falle, vollkommen der 
K r h n'schen Ansicht beitreten zu müssen. 

Man hat anfanglich geglaubt, die Gattung Tiedemannia 
unterscheide sich von Cymbulia durch den Mangel der Schale, 
durch einen stark hervorragenden Rüssel, und die Verwachsung 
der Flossen zu einer einzigen Scheibe. Dass der Mangel der 
Schale auf falschen Angaben beruhe, hat zurersl Krohn (I.e.) 
nachgewiesen, und die Schale von Tiedemannia abgebildet; 
ich kann ihr Vorhandensein aus eigener mehrfacher Beob- 
achtung bestätigen. Es ist jedoch auch in der Schale ein in 
die Augen fallender Unterschied übrig: bei Cymbulia ist sie 
mit hervorragenden Spitzen besetzt (daher gehört auch C. 
ovata Quoy und Gaimard unzweifelhaft in diese Gattung), bei 
Tiedemannia ist sie glatt, und geht sehr leicht verloren. Der 
hervorragende Rüssel ist mehr oder weniger lang, die Ver- 



1) Annais natural history Vol. III. 1849. p. 196. 

2) Dies Archiv 1847. I. p.37. 

3) Rang et Souleyel Hist. nat. des l'teropodts p. 68. und 70. 



Bfilväge zur Kenn!niss der Pleropodeo. 211 

wachsung der Flossen zu einer Scheibe lässt einen Ueber- 
gang zu, indem beiT. radiata, Scylla und Charybdis ein mitt- 
lerer Schwanzlappen hervorsteht, der durch Einschnitte von den 
Flossen abgesetzt ist. 

Ausser allen Zweifel wird nun nach meinen Beobach- 
tungen die Verschiedenheit beider Gattungen dadurch gesetzt, 
dass Cynibulia zwei Kiefer und eine Zunge hat, während bei 
Tiedemannia beide Organe durchaus fehlen. Mir ist es we- 
nigstens trotz sorgfältiger Nachsuchung unter dem Mikro- 
skop an lebenden Exemplaren von T. neapolitana, Scylla und 
Charybdis nicht gelungen, eine Mundbewaffnung zu entdek- 
ken. Dafür, dass auch Cymbulia radiata Quoy und Gaimard 
eine Tiedemannia sei, sprechen namentlich die strahlenförmi- 
gen Punklstreifen auf den Flossen, welche ich bei Tiedeman- 
nien ganz ähnlich wiedergefunden habe, von denen ich jedoch 
bei Cymbulia nichts habe bemerken können. 

Cyin1)ul££i Per. Lcs. 

Cymh ulia Peronii Cuv. ist mir einigemale in Mes- 
sina vorgekommen. Ich habe ihre Mundfheile untersucht. 
Van Beneden hat diesem Thiere jede Bewaffnung des Mun- 
des abgesprochen, er hat sie übersehen'). Ebenso C an- 
tra ine 2). Souleyet hat 3) angegeben, dass drei Reihen 
nach hinten gekrümmter Haken vorhanden seien, was ziem- 
lich ungenau ist. Von den Kiefern heisst es daselbst, es 
seien zwei kleine Hornstücke, ein wenig in sich selbst ge- 
krümmt , und durchlaufen von Querleisten. Abbildung und 
Beschreibung sind ungenügend. — Ich habe die Mundlheile 
am Eingange in den Nucleus gefunden. Sie bestehen aus zwei 
Kiefern und einer Zunge. Die Kiefer liegen vor der Zunge 
und seitlich; jeder besteht aus fünf Leisten, die so hinter ein- 
ander geordnet sind, dass sie von vorn nach hinlen allmäh- 
lich kleiner werden. Die einzelnen Leisten oder Streifen 
sind unregelmässig zerspalten, und am Vorderrande gekerbt. 



1) Exercices zootomiques. Fascicule deuxieme. Bruxelles 1839» 
p. 15. 

2) Nouv. Mein, de l'Acad. de Biuxelles. Vol. XIH. 1841. 

3) Voyage de la Bonite Zoologie li. Mollnsques pl. Ij^/s Fig. 34. 



212 Troschel: 

Diese Kiefer, welche ganz nach dem Typus der Hyalaeen ge- 
baut sind, zeigen recht deutlich, dass die Cymbulien den Hya- 
laeaceen näher verwandt sind , als den nackten Pteropoden. 
Die Zunge ist dunkelbraun gefärbt und nur wenig durchsich- 
tig, sie enthält 8 bis 11 Querreihen von Platten; in jeder sind 
drei Platten vorhanden. Die Mittelplatte ist breit, vorn in 
die Höhe gerichtet und so umbogen , dass ein freier, nach 
hinten gewendeter Rand entsteht. Dieser umgebogene Theil 
der Platte ist durch feine vertiefte Linien ausgezeichnet; der 
freie Hinterrand trägt sechs spitze, etwas gekrümmte Zähne. 
Die Seitenplalten sind viereckig, ihr Vorderrand krempt sich 
um, und bildet so einen kräftigen Zahn. Eine Abbildung be- 
halte ich mir für einen anderen Ort vor. 

Die Gehörbläschen (Taf. IX. Fig. 16.) enthalten viele Oto- 
lithen. An ihnen fiel es mir auf, dass die einzelnen ellipti- 
schen Otolilhen einen rundlichen Kern enthalten. Solche 
Otolithen mit Kern sind von Hancock und Embleton ') 
von Aeolis papulosa und coronataan gegeben worden; Ae. au- 
rantiaca und olivacea sowohl, wie picta und exigua, besitzen 
nach der Angabe derselben Verfasser nur einen grossen Oto- 
lithen, der auch die Anzeichen eines Kerns hat. Sonst er- 
innere ich mich nicht von Otolilhen mit Kern gelesen zu haben. 

Tiedemannia Van Beneden. 

Wie schon oben bemerkt ist, hat die Gattung Tiedeman- 
nia keine Kauwerkzeuge, weder Kiefer noch eine bewaffnete 
Reibmembran an der Zunge; das halte ich für einen voll- 
ständigen Beweis für die generische Verschiedenheit von 
Cymbulia. 

Auf die Note in Ersch und Gruber Allgem. Encycl. Sect, 
I. Bd. 20. p. 420., wo es heisst: „aus der von Lesueur in 
seiner handschriftlichen Monographie angeführten neuen Art 
von Martinique, Cymbulia parva, will derselbe eine neue Gat- 
[ung, Argivora ^ gebildet wissen, weil ihr die Schale fehll^S 
ist nach meiner Meinung keine weitere Rücksicht zunehmen. 
Der Gattungsname kann auf keine Berechtigung Anspruch ma- 
chen, weil die Gattung nicht einmal auf einem richligen Cha- 



1) Annais natural hislory Vol. III. 1849. p. 196. 



Beiträge zur Kenntniss der Pleropoden. 213 

rakter basirt ist, und die Species wird nimmer zu bestimmen 
und zu unterscheiden sein. Man sieht aus dieser Note nur, 
dass es bei Martinique ein kleines Thier giebt, welches aller 
Wahrscheinlichkeit nach in die Gattung Tiedemannia gehört. 
In dem neusten Werke über die Pteropoden hat Sou- 
leyet ') nur zwei Arten dieser in vieler Beziehung interes- 
santen Gattung angeführt. Ihm sind die Abhandlungen von 
Krohn in diesem Archive nicht bekannt gewesen. Ich 
glaube, dass sich die Zahl der Arten bereits auf sechs beläuft, 
wenn ich zwei von mir bei Messina entdeckte kleine Tiede- 
mannien hinzufüge. Es sind folgende, deren Synonymie ich 
vervollständige: 

1. Tiedemannia neapolitana Delle Chiaje (Taf. 
IX. Fig. 1—9.). 

Gleha cordata Forskai Fauna arabica Tab. 43. D. Copirt in 

Bruguieres Tableau encyclop. et method. pl.89. fig. 4. 
Tiedemannia napolitana Van Beneden Exercices zootomi- 

ques Fase. 2. p.22. pl. 2. 1839. (Mem. de l'Acad. de 

Bruxelles Tom. XII.). Angezeigt in der Isis 1843. 

p. 636. ; copirt in Gray's Figures of Molluscous Animals 

Vol. III. Tab. 252. Fig. 4. 1850. 
Tiedemannia 9iapolitana Delle Chiaje Antologia di Scienze 

naturali publicata da R. Piria ed A. Scacchi. Napoli 

1841. p.81. (Angezeigt in Menke's Zeilschr. für Ma- 

lakozoologie. 1844. p. 78.). 
Tiedexaannia cristallina Delle Chiaje Animali senza Verle- 

bre della Sicilia citeriore Tom. I. p. 96. Tab. 32. Fig. 

4-7. 1841. 
Cymbulia proboscidaea Krohn Giornale di gabinetto di 

Messina. 
Tiedemannia neapolitana Philipp! Enum. Mollusc. Sicil. II. 

p.215. 1844. 
Tiedemannia creniptera Krohn Archiv, für Naturg. 1844.1. 

p. 324. Fig. A. — Copirt bei Gray Molluscous Animals 

III. Tab. 254. Fig. 5. 1850. 
Tiedemannia creniptera Philippi in Menke Zeitschr. fürMa- 

lakozoologie 1844. p. 104. 

1) Rang et Souleyet Hiat. iiat, des Mollusqiies Pleropodes p.69. 



214 TroschcJ: 

Tiedemannia neapoUfana Krohn Archiv für Nalurgeschichte 

1847. I. p.36. Taf. II. Fig A-C. 
Tiedemannia napoUtana Rang et Souleycl Hist. nal. des 

MoIIusques Pleropodes p.70. pI.XV. Fig. 8. copirt nach 

Van Beneden. 

Alle Exemplare, welche ich in Messina zu beobachten 
Gelegenheil halte, besessen die Einkerbungen am Rande der 
grossen Flossen, gehörten also zu der Form, auf welche 
Krohn seine T. creniptera gründete, deren Uebereinslimmung 
mit T. neapolitana er jedoch selbst anerkannt hat. Ich er- 
wähne dies für den Fall^ dass sich dennoch beide Arten als 
verschieden herausstellen sollten. 

Die Schale habe ich auch gefunden; sie stimmt vollstän- 
dig mit der Krohn'schen Abbildung übercin , ist ungemein 
durchsichtig, daher leicht zu übersehen und mit glatter Ober- 
fläche. Sie hat sehr wenig Festigkeit, ist biegsam, und legt 
sich an den Finger, oder an die Glasplatte, auf der man sie 
ruTien lässt, an. DasThier ist nur sehr lose mit ihr verbun- 
den, so dass sie sehr leicht, und schon bei der leisesten Be- 
rührung, sich abtrennt. Am vordem Ende der Schale, wel- 
ches zugleich das dickste ist, wird die Verbindung mit dem 
Thiere hergestellt. Dieser Theil , in der vorderen Ausbucht 
zwischen den Flossen des Thieres gelegen, ist nämlich noch 
von einer gewölbten, sehr zarten Haut überzogen , die wie 
eine Kappe Thier und Schale vorn umfasst. Diese Haut ist 
elliptisch oder rundlich, und besitzt an der Oberfläche viele 
Chromatophoren '). Die ganze vordere Partie löset sich als 
eine dünne durchsichtige kappenförmige Masse leicht ab, so 
dass mit ihr die Chromatophoren abgehen. Dieselben waren 
übrigens als solche nicht zu verkennen. Dass Van Beneden 
sie übersehen hat, ist leicht daraus zu erklären, dass er nur 
Weingeist-Exemplare benutzte, und dass an ihnen die er- 
wähnte Haut bereits verloren gegangen war. 



1) Chromatophoren bei Pleropoden hat zuerst Herr H. Möller 
(Zeitscbr. für wissensch. Zoologie von v. Siebold und Kölliker IV. p. 
332.) an einem Thier beobachtet, welches er für Cymbulia radiala Q. 
et G. hält, das aber gewiss eine der unten von mir aufgestellten neuen 
Arien von Tiedemannia ist. 



ßcilräge zur Keniiluiss der Tlejopoden. 215 

Auf den grossen Flossen finden sich Züge von Punkten, 
welche slrahlig vom Cenlrum desThiercs zur Peripherie hin- 
laufen; dieselben sind ziemlich unregeltnässig geordnet. Aus- 
serdem sind einzelne solche Punkte am Rande der Flossen 
verlheilt (Taf. IX. Fig. 9.). Alle sind sehr klein. Bei hinrei- 
chender Vergrösserung sieht man, dass alle diese Punkte ei- 
nen centralen Fleck besitzen , von dem strahlenförmig aber 
sehr unregelmässig Linien ausgehen, die sich in verschiede- 
ner Weise krümmen und verästeln. Es scheint, als ob dies 
hohle Räume wären, in denen eine braune Masse enthalten 
ist, die bei Erweiterung heller und durchsichtiger, bei Con- 
Iraclion dunkler und undurchsichliger würden. Es lassen sich 
daher diese Punkte vielleicht mit den Chromatophoren ver- 
gleichen, sind aber etwas Anderes als die oben erwähnten, 
da ich im Leben keine Veränderungen an ihnen wahrnahm. 

Der Rand der Flossen ist von einem sehr eigenthümli- 
chen schmalen Saum umgeben. Derselbe besieht aus einer 
einfachen Reihe sehr zahlreicher Röhrchen, welche am freien 
Ende mit einer runden Oeffnung versehen sind , am unteren 
Ende, wo sie dem Flossenrande anhängen, geschlossen er- 
scheinen. Ein Stück dieses Saumes habe ich nach einem 
Weingeistexemplar von Tiedemannia chrysosticta , die darin 
von T. neapolitana nicht abweicht, abgebildet (Taf. IX. Fig. 11.). 

Der Rüssel (Fig. \a und Fig. 2.) bildet eine fast senk- 
recht vom Körper abstehende Röhre, welche durchsichtig und 
am Grunde cylindrisch ist , sich aber gegen ihr Ende ver- 
flacht und verbreitert. Dieses Ende (Fig. 2.) besteht aus zwei 
auf einander liegenden Häuten , die beide von einem etwas 
verdickten, wulstigen, gefärbten Rande gesäumt sind. Es 
lässt sich eine vordere und eine hintere Haut unterscheiden. 
Beide sind in der Milte tief ausgebuchtet, wodurch zwei vor- 
springende Lappen entstehen, ein rechter und ein linker. Die 
beiden erwähnten Häute sind grossenthells mit einander ver- 
bunden, nur an dem inneren Theil jedes Lappens bleiben sie 
von einander getrennt. Wenn die Häute der Lappen ausge- 
spannt liegen, bemerkt man darin kleine Fleckchen, die we- 
gen ihrer Durchsichtigkeit nur undeutlich zu sehen sind. Bei 
sehr starker Vergrösserung zeigt sich, dass diese Fleckchen 
eiförmige oder runde Körperchen (wohl Hautdrüsen) sind, 



^16 Troschel: 

von sehr zaiier Membran umgeben, und meist drei , zuwei- 
len auch wohl zwei oder vier grnnulirte Körperchen einschlies- 
send; die Membran scheint einen Ausführungsgang- zu besit- 
zen. Diese Drüsen sind jedoch nur da sichtbar , wo beide 
Häute mit einander verbunden sind; wo man nahe dem In- 
nenrande jedes Lappens bei zurückgeschlagenem Rande nur 
ein Häutchen sieht, zeigt sich eine geringe Streifang, die von 
sehr feinen Muskelfasern herrührt. Die wulstigen Ränder 
selbst sind muskulös^ und setzen sich am Innenrande der Lap- 
pen in Muskeln fort, die längs dem ganzen Rüssel hinlaufen; 
am Aussenrade geht der Randwulsl der hinteren Haut in den 
der vorderen Haut über. Der Randwulst der vorderen Haut 
macht am Innenrande jedes Lappens eine Falte, oder eine 
Art Schleife, wodurch ein tenlakelartiger Vorsprung entsteht. 
In der Mitte zwischen beiden Lappen am Ende des Rüssels 
findet sich eine Ocffnung , der Mund. Ich konnte mit einer 
Nadel in denselben eingehen, und so durch den Rüssel ohne 
irgend welche Hemmung bis in die spindelförmige Eingewei- 
demasse gelangen. Kiefer und Zunge fehlen ganz. 

Der spindelförmige Nucleus (Fig. 3.), in welcher der 
Schlund einmündet, ist völlig undurchsichtig, und von einer 
glänzenden Haut umgeben. Im Innern scheint eine mittlere 
Höhlung zu sein. Zunächst unter der überziehenden Haut liegt 
eine Schicht von dunkelbraunen, fast schwarzen Körnern, die 
Leber. Unmittelbar beim Eintritt in die Lebermasse erwei- 
tert sich der Schlund zu einer Art Vormagen (gesier Van Be- 
neden), der muskulös ist; die Muskeln bilden viele Längsstrei- 
fen an diesem Theil des Nahrungsschlauches (Fig. 4 a). Hier- 
auf folgt der eigentliche Magen (Fig. 4. h), der eine weissli- 
che Farbe hat, ziemlich festwandig ist, und der vier Knor- 
pelstücke (Fig. 5 und 6.) in sich einschliesst. Letztere sind 
von unregelmässig eiförmiger Gestalt und erheben sich in ei- 
nen beträchtlichen Vorsprung, neben welchem wohl noch eine 
zweite unregelmässigere Erhabenheit vorkommt. Diese Knor- 
pelstücke sind nicht völlig einander gleich. Hinter dem Ma- 
gen liess sich noch ein Stück Darm (Fig. 4 c) verfolgen. 
Dieser tritt aus einer OefTnung, die schon äusserlich an dem 
Nucleus sichtbar ist (Fig. 3.- a), und die ziemlich weit nach 
vorn, etwa auf ein Viertel der Länge, liegt. Die weitere Fort- 



Beilräge zur Kennlniss der Fleropoden. 217 

Setzung des Darmes habe ich wegen grosser Durchsichtigkeit 
aller Theile nicht wahrnehmen können. Im Innern des Nu- 
cleus findet sich noch ein Sförmig gebogener Schlauch von 
brauner Farbe (Fig. 8.), der zahlreiche Ouerfalten auf seiner 
Oberfläche hat, die dunkler gefärbt sind. Derselbe dürfte nach 
der Analogie mit den Hyalaeen für den Eierstock zu neh- 
men sein. 

Von den Geschlechtstheilen habe ich ausserdem nur die 
Rulhe (Fig. 7.) gefunden. Sie liegt unterhalb des Schlundes, 
nahe dem Schlundringe, und ist ein gewundener zusammen- 
gekrümmter Körper, der sich leicht in die Länge strecken 
lässt. Sie sitzt mit dem dünneren Ende fest^ das andere keu- 
lenförmig verdickte Ende ist frei. Am freien Ende liegt eine 
kleine Oefl'nung, von der strahlenförmig feine Linien ausge- 
hen^ die bis zu einer das keulenförmige Ende umgebenden 
Kreislinie reichen. 

An der Stelle, wo der Rüssel von der Körperscheibe 
abtritt, liegt die Centralmasse des Nervensystems. Der Schlund- 
ring besitzt zwei grössere Ganglien, die nach hinten gelegen 
sind, und an sie lehnen sich die Gehörbläschen an. Diesel- 
ben quellen als nicht unbedeutende Blasen an der Oberfläche 
der Ganglien hervor, und sind nicht in die Nervenmasse ein- 
gesenkt. Sie sind gelb gefärbt und haben einen starken Glanz, 
so dass sie durch die Lupe betrachtet wie zwei goldene Kü- 
gelchen erscheinen. Sie enthalten eine sehr grosse Menge 
von Ololithen. Vor diesen beiden Ganglien, die nur durch 
eine kurze Commissur verbunden sind, liegen noch vier oder 
fünf kleinere Ganglien. Augen sind nicht vorhanden. — Von 
jedem der beiden grossen, ohrtragenden Ganglien gehen zwei 
Nervenfäden ab (Fig. 1.). Der vordere geht gerade nach der 
Seite, senkrecht auf die Längslinie des Thieres, und theil 
sich bald in zwei Aeste, von denen der vordere die Verlän- 
gerung des Stammes bildet, und wieder nach vorn einen Ast 
abgiebt. Die so entstandenen drei Aeste theilen sich wieder 
in je zwei Zweige, so dass, soweit ich es habe mit Hülfe 
von Acidum chromicum , weiches die Nerven sehr deutlich 
macht, ermitteln können, der vordere Nervenstamm mit sechs 
Zweigen an die Peripherie der Flosse tritt. Der zweite hin- 
lere Nervenstamm nimmt seine Richtung schräg nach hinten, 



^18 Troschel: 

theill sich vor dem dritten Tlieil seines Weges in zwei Aeste, 
und weiterhin verzweigt sich jeder Ast wieder, so dass von 
diesem hintern Nervenslamm jederseits vier Zweige an die 
Peripherie der Flossenscheibe treten. 

2. Ti edemannia chrysostict a Krohn MS. 
Archiv f. Naturgesch. 1847. I. p. 37. 

An dem eben cilirten Orte unseres Archives hat Krohn 
erwähnt, dass er gewisse Tiedemannien als besondere Art un- 
terscheide , die einen kürzeren Küssel besitzen, und deren 
Flossen sich durch einen goldgelben Teint auszeichnen. Auch 
mir ist in Messina eine solche Tiedemannia vorgekommen, 
die ich in Liqueur conservateur aufbewahrt habe, und die sich 
ganz vortrefflich gehalten hat. Einen Namen hat Krohn 
dieser Art a. a. 0. nicht gegeben. In einem Verzeichnisse 
von niederen Thieren des Mitlelmeeres, welches dieser sorg- 
fällige Naturforscher mir vor meiner Abreise nach Messina 
mitzutheilen die Freundschaft hatte, ist diese Art jedoch mit 
dem sehr passenden Namen T. chrysoslicla bezeichnet, wel- 
chen ich daher beibehalte. 

Auch bei meinem Exemplar ist der Rüssel kürzer als 
bei den von T. neapolitana untersuchten Exemplaren. Das 
am meisten in die Augen fallende Merkmal sind jedoch die 
gelben Flecke. Diese sind dicht und zahlreich über die ganze 
Ober- und Unterfläche der Flossen verlheilt, sind viel grös- 
ser, und viel reicher verzweigt, als bei der vorigen Art. 
Ich habe auf Taf. IX. Fig. 10. einen solchen Punkt vergrös- 
sert abgebildet. In den verästelten Röhren ist ein Farbesloff 
enthalten, welcher heller oder dunkler erscheint, je nachdem 
er hier oder da mehr condensirt ist. So kommt es, dass 
manche Zweige kaum mit den übrigen oder mit dem Kern 
zusammenzuhängen scheinen, weil ein Thcil derselben last 
leer und farblos ist. 

Auch diese Art hat, wie es schon bei der vorigen be- 
merkt ist, einen den Flossenrand umgebenden Saum, welcher 
aus zahlreichen kleinen einfach aneinander gereihten Röhr- 
chen besteht, deren unteres Ende geschlossen, deren oberes 
freies Ende mit einer kreisrunden Oefl'nung versehen ist (Taf. 
IX. Fig. 11.). üeber die Redeutung dieses zierlichen Organes 
vermag ich keine Vermuthung auszusprechen. 



Beiträge zur Kennlniss der Plcropoden. 219 

3. Tiedemannia punctata Soul. 

Cymbulia punctata Quoy et Gaim. Voy. de l'AslrolabeTom. 

II. p.377. pl. 27. Fig. 35. 36. — Copirt bei Gray Mol- 

luscous Animals III. Tab. 253. Fig. 1.2. 
Vergl. Krohn Archiv f. Nalurgesch. 1847. I. p.37. Note. 
Tiedemannia punctata Soul. Rang et Souleyct Hist. nal. des 

Pteropodes p. 70. pl. XI. Fig. 11. 12. Copie nach Quoy 

et Gaimard. 
Vaterland : Neu Irland 

4. Tiedemannia r adiata. 

Cymbulia radiata Quoy et Gaim. Voy. d'Astrolabe t. II. 

p. 375 pL 27. Fig. 33. 34. Copirt bei Gray Molluscous 

Animals III. Tab. 253. Fig. 4. 
Vergl. Krohn Archiv für Nalurgesch. 1847. I. p.37. Note. 
Cymbulia radiata Souleyet Hist. nat. des Pteropodes p. 68. 

pl.XI. Fig. 9. 10. Copie nach Quoy et Gaimard. 
Vaterland : Amboina. 

5. Tiedemannia Scylla Nob. n. spec. (Taf. IX. 

Fig. 12. 13.). 
? Cymbulia radiata Kölliker undH. Müller Zcitschr. für wiss. 
Zool. IV. p.332. 

Bei Messina habe ich eine kleine Tiedemannia beobach- 
tet, welche ich für eine neue Art halte. Sie ist 10 Mill. breit, 
wenn die Flossen ausgespannt sind, und hat dabei eine Länge 
von 7 Mill. Der Rüssel vorn zwischen den beiden Flossen 
gelegen, wie bei den übrigen Tiedemannien, ist kurz und 
dick. Die Flossen umgeben nicht den ganzen Körper, son- 
dern lassen hinten einen beträchtlichen mittleren Vorsprung 
frei, so dass das Ganze, abgesehen vom Rüssel, eine drei- 
lappige Scheibe darstellt. Das ganze Thier ist breiter als 
lang, und jede Flosse ist ebenfalls breiter als sie lang ist. 
Jede Flosse hat einen vorderen spitzen Winkel, der sogar 
einen oder zwei spitze Zähnchen trägt; der Seitenrand der 
Flosse geht in einem Bogen in den Ilinterrand über. Auf je- 
der Flosse finden sich vier Streifen schwarzer Punkte, wel- 
che den Mitlellheil des Thieres nicht erreichen. Auf dem 



220 Troschel: 

Scliwanzlappen verläuft in der Mitte eine Linie von Punkten, 
die jedoch nur bis auf die Hälfte der Länge des Schwanzlap- 
pens reicht. 

Von T. neapolilana weicht diese Art durch den vor- 
spring-enden Schwanzlappen und durch die vordere Flossen- 
spitze ab. Grosse Aehnlichkeit hat sie mit T. radiata; bei 
dem verschiedenen Yaterlande stehe ich jedoch nicht an, sie 
auch von dieser verschieden zu halten , da letztere Flossen 
besizt, welche überall abgerundet sind. Ob Kolli ker und 
H. Müller 1. c. diese oder die folgende Art gesehen haben, 
muss ich unentschieden lassen. 

Von der Anatomie dieses Thierchens habe ich nur Ei- 
niges beobachtet. Der Schlundring des Nervensystems be- 
steht aus 5 Ganglien; an den beiden grösseren liegen die 
Gehörbläschen an. Sie enthalten eine sehr grosse Zahl von 
Otolilhen. Augen, Kiefer und bewafTnete Zungenmembran 
sind nicht vorhanden. Der Magen enthält vier Knorpelstücke. 

6. Tiedemannia C har yb dis ^oh,n,s]^. (TsiLlX, 
Fig. 14. 15.). 

Eine andere Form derselben Gattung habe ich ebenfalls 
in Messina beobachtet. Sic wurde, wie die vorige, mit dem 
feinen Netz an der Oberfläche des Meeres gefangen. Ihre 
Breite beträgt 4'/, Mill. , bei einer Länge von 4 Mill. Sie 
stimmt mit der vorigen Art in dem Vorhandensein eines 
Schwanzlappens überein, auch besitzt sie die strahlenförmigen 
Punktstreifen. Die Breite des ganzen Thieres übertrifft die 
Länge nur um ein Geringes. Die Flossen sind auffallend län- 
ger als breit, und überall abgerundet. Vorn zwischen den 
Flossen war ein abgerundeter Vorsprung, der viele Chromato- 
phoren enthielt. Dies ist die Haut, welche eine Verbindung 
des Thieres mit der Schale vermittelt, wie ich es schon bei 
T. ncapolitana geschildert habe. Die Chromatophoren sind 
schwarze Punkte, grösser als die Punktstreifen auf den Flos- 
sen. Sie werden grösser und kleiner. Zuweilen sah ich sie 
sich plötzlich so bedeutend erweitern, dass der ganze Mittel- 
theil des Thieres braun wurde, worauf sie sich oft plötzlich 
wieder zusammenzogen. Auf jeder Flosse sind fünf Punkt- 
streifen vorhanden. Der vordere Streifen erstreckt sich vom 



Beiträge zur Kcnntniss der Fteropoden. 221 

Nucleus zum vorderen Flossenrande, die übrigen entspringen 
vom Centrum des Thicres hinter dem Nucleus, wie es auf der 
Abbildung dargestellt ist. Von diesem Centrum erstreckt sich 
auch eine einfache Punktreihe bis in die Spitze des Schwanz- 
lappens. Dicht vor dem Nucleus schlug das Herz sehr deutlich; 
es zeigte sich wie eine rundliche Blase. 

Dass die beiden letzleren Arten verschieden sind^ dar- 
über habe ich keinen Zweifel. Möglicherweise könnte sich 
jedoch ergeben, dass der Schwanzlappen nur der Jugend an- 
gehörte, später verkümmerte; und dann könnte wohl T.Scylla 
eine Entwickelungsstufe von T. neapolitana, T. Charybdis eine 
solche von T. chrysosticta sein. Dies kann jedoch nur durch 
eine directe Beobachtung der Entwickelung dieser Thiere fest- 
gestellt werden. Ich habe jedoch die Veröffentlichung die- 
ser beiden Formen nicht zurückhalten wollen, weil auch in 
diesem als möglich hingestellten Falle eine nicht uninteres- 
sante Entwickelungsstufe der beiden grösseren Arten vorlie- 
gen würde, durch welche ein neuer Anhalt für die Verschie- 
denheit jener beiden Arten gegeben wäre. 

GryitiiiosoBiiata. 

Tn der Abtheilung der nackten Pteropoden finden sich 
zwei Typen, die so verschieden von einander sind, dass sie 
zur Aufstellung zweier Familien berechtigen. 

Die Gattung Clione Fall, besitzt keine äusseren Kiemen, 
keine mit Saugnäpfen besetzte vorstreckbare Arme, statt de- 
ren vorstreckbare tentakelartige Organe in verschiedener Zahl, 
und zwei Kiefer mit langen Zähnen kammarlig besetzt. 

Die Gattung Pneumodermon Cuv. besitzt äussere Kiemen 
am hinteren Körperende, besitzt zwei mit deutlichen Saug- 
näpfen besetzte vorstreckbare Arme, und zwei lange mit Zäh- 
nen besetzte vorstreckbare Röhren, und ausserdem sehr kleine 
Kiefer. 

Um diese beiden Typen gruppiren sich mehrere Formen, 
die als Gattungen unterschieden werden müssen. In wie weit 
sich Cliodila und Pelagia Quoy et Gaimard von Clio gene- 
risch unterscheiden lassen, kann sich erst nach näherer Kennl- 
niss, namentlich der anatomischen Verhältnisse, ergeben. In 
naher Verwandtschaft mit Clio (Clione Fall.) steht ein Thicr- 



222 Troschel: 

chen, welches bei Messina vorkommt, und auf welches ich 
schon durch meinen werlhen Freund Kro h n aulmerksam ge- 
macht worden war. Das Thier hat in vielen Punkten eine 
völlige Uebereinstimmung mit Clio, unterscheidet sich jedoch 
von ihr durch drei Kiefer, den Mangel der aus dem 
Munde hervortretenden sogenannten Kop fk egel us. w. Ich 
kann nicht umhin, das Thier für den Typus einer neuen Gat- 
tung zu nehmen, die ich, um die nahe Verwandtschaft mit 
Clio anzudeuten, Cliopsis nenne. Der Art gebe ich den 
Namen des verdienten Beobachters Dr. A. Krohn. 

Cliopsis liroliiiii IVoh. nov. spec. 

Am 5ten November 1853 kamen in Messina zwei Exem- 
plare eines kleinen nackten Pteropoden in meinen Besitz, die 
ich sogleich als neu erkannte und sie so genau untersuchte, 
wie es die Umstände zuliessen. 

Das Thierchen hat eine Länge von 4 — 5 Linien, und in 
der Mitte des Körpers gegen 2 Linien im Durchmesser; im 
Querdurchschnitt ist es kreisrund. Fig. l. stellt es in natür^ 
lieber Grösse dar, während es in den Figuren 2, 3 und 4 
etwas vergrössert, durch die Lupe und in den verschiedenen 
Körperlagen betrachtet ist. 

Vorn tritt ein rundlicher Vorsprung, der Kopf, hervor, 
der beliebig ganz zurückgezogen und mehr oder weniger weit 
vorgestreckt werden kann. In der Mille und vorn liegt an 
demselben der Eingang in den Mund, der sich zuweilen, von 
oben oder von unten betrachtet, als eine geringe Einkerbung 
zu erkennen giebt. Mundpapillen oder Kopfkegel, wie sie die 
bekannten Arten von Clio besitzen, habe ich niemals wahr- 
nehmen können, und ich zweifle, dass dergleichen vorhan- 
den sind; auch Krohn versichert, dass er sie nie gesehen 
habe. Diese Mundpapillen entsprechen den mit Saugnäpfen 
besetzten Anhängen von Pneumodermon , und ihre Zahl va- 
riirt nach den Species , indem bekannilich Clio borealis de- 
ren 3 jederseits besilzt , während Clio longicaudata Sou- 
loyet nur zwei an jeder Seite aus dem Munde hervorslreckt. 
Neben dem Munde befindet sich jederseits ein kleiner Tenta- 
kel, der zuweilen als ein winziger hakenförmiger Anhang her- 
vorlrilt, andrerseits aber auch vollständig zurückgezogen und 



Beiträge zur Kenntnlss der Fleropoden. 223 

verborgen werden kann (F'ig'. 3, 4. a). Diese vorderen Ten- 
takeln haben grosse Aehnlichkeit mit denen von Clio und 
Pneumodermon. Dasselbe gilt von den hinteren Tentakeln, 
welche zwischen beiden Flossen liegen und welche von Esch- 
richt') für Augen genommen wurden. Ich sah sie nur im 
eingestülpten Zustande, wo sie zwei Grübchen darstellen. Ich 
komme später wieder auf sie zurück, wenn ich die Sinnes- 
organe zur Besprechung bringen werde. 

Eine eigenlhümliche Einschnürung zwischen Kopf und 
Rumpf ist nicht vorhanden, der Kopf ist jedoch viel schma- 
ler als der Rumpf, und daher deutlich vom Rumpfe geschie- 
den. An dieser Grenze liegt unterhalb in der Mitte zwischen 
den Flossen der Anhang, welchen Esc bricht mit dem Na- 
men des Halskragens belegt, der aber mit Recht als das Ru- 
diment des Fusses von den Neueren angesehen wird. Er ist 
saltelförmig, in der Mitte vertieft, und jedcrseits in einen 
dicken fleischigen Lappen erhoben, dessen Ränder sich vorn 
zu einer Bucht vereinigen (Fig 3, 4. 6). Jederseits neben 
diesem Bauchhöcker liefen die kleinen Flossen, die in eine 
Höhlung völlig zurückgezogen werden können. Wenn sie 
ganz hervorgestreckt sind^ wie es beim Schwimmen geschieht, 
und seillich ausgebreitet liegen, dann überragen sie mit ihren 
Enden kaum die grosseste Breite des Thieres. Sie sind et- 
was breiter als lang, haben einen convexen Vorderrand, und 
einen concaven Hinterrand. 

Der eiförmige Rumpf des Thieres ist hinten stumpf ab- 
gerundet und ebenso wie der Kopf und die Flossen, weiss- 
lich und durchsichtig. Mit der Lupe nimmt man auf der Ober- 
fläche sehr feine Pünktchen wahr, die über den ganzen Rumpf 
unrcgelmässig zerstreut liegen und nur vor dem gleich zu 
erwähnenden Wimperkranze einen Kreis um den Körper bil- 
den. Ich halte sie für Hautdrüsen. 

Bei dem ersten Exemplare, welches ich uniersuchte, war 
gegen das hintere Ende ein zierlicher Wimperkranz von lan- 
gen lebhaft flimmernden Wimpern vorhanden; an dem zwei- 
ten Exemplare fehlte derselbe. 



1) Annlomische Untersuchungen über die Clione borcalis. Ko- 
penhagen 1838 p. 7. 



224 Troschel: 

Der Körper enthält im Innern eine spindelförmige dunkle 
Stelle, denNucleus, den man beim Schwimmen des Thieres 
im Wasser , wegen der Durchsichtigkeit der übrigen Theile, 
fast allein wahrnimmt. 

Die Thierchen schwammen im klaren Seewasser mun- 
ter umher , und ihr specifisches Gewicht ist dem des Was- 
sers wohl sehr nahe, da sie selbst bei völliger Ruhe ihrer 
Flossen in demselben schwebten, oder doch nur sehr lang- 
sam zu Boden sanken. Meist halten sie den Kopf nach oben 
gerichtet. Das eine Exemplar habe ich mehrere Tage lebend 
beobachtet. 

Nach dieser allgemeinen Schilderung der äusseren Be- 
schaffenheit wende ich mich nun zu der näheren Betrachtung 
der inneren Organisation. 

Die Körper Wandung. 

Die eigentliche Leibeshöhle ist verhältnissmässig klein. 
Sie erstreckt sich vom Munde gegen das hintere Körperende, 
und ist von einer durchsichtigen Körperschicht umgeben, die 
viel dicker ist als die Eingeweidehöhle selbst. Dabei ist je- 
doch zu bemerken, dass nur die Ernährungs- und Geschlechts- 
organe in ihr Platz nehmen, während Herz und Niere ausser 
ihr liegen. In dieser dicken Körperwandung bemerkt man 
viele feine Längsmuskeln, wenige Quermuskeln. Bei Clione bo- 
realis sind nach Eschricht die Quermuskeln vorherrschend. 

Die Oberfläche der Haut ist völlig glatt, ohne Erhaben- 
heiten oder Vorsprünge. Man bemerkt jedoch schon mit der 
Lupe an der Oberfläche des Körpers sehr feine Pünktchen, 
welche überall am Rumpfe zerstreut liegen, und in denen 
keine Ordnung zu erkennen ist. Wie schon oben erwähnt 
ist, bilden sie nur in geringer Entfernung vor dem Wimper- 
reifen einen Kreis um den Körper. Auch am hinteren Kör- 
perende, hinter dem Wimperreifen finden sich einige solche 
Pünktchen. Bei stärkerer Vergrösserung sieht man, dass je- 
des dieser Pünktchen aus einem Haufen grösserer und kleine- 
rer Bläschen besteht, die unregelmässig neben einander lie- 
gen. Mit seltenen Ausnahmen findet sich in jedem solchen 
Haufen eine (niemals mehrere) kugelrunde Blase mit doppel- 
ten Conturen, die eine ölartige Flüssigkeit zu enthalten scheint; 



Beiträge zur K!enntniss der Pteropoden. 2*5 

neben ihr liegen dann einige Blasen von gleicher Grösse aber 
länglicher Gestalt, und ausserdem viele äusserst kleine Bläs- 
chen (Vergl. Fig. 5 ). Diese Organe sind offenbar ölbildende 
Hautdrüsen. Das Exemplar, welches den Wimperreifen bereits 
verloren hatte^, enthielt eine weit geringere Zahl dieser Haut- 
drüsen; es sind jedoch deren mehrere vorhanden. Als Ur- 
sache dieser Abweichung sind drei Fälle möglich: entweder 
ist das mehr oder minder häufige Vorkommen rein individuell, 
oder diese Drüsen vermindern sich mit vorschreitender Enl- 
wickelung und mit dem Alter, oder endlich sie sind in die- 
sem Falle verkümmert, weil das Thier vier Tage in ganz kla- 
rem Seewasser ohne Nahrung gelebt hat. Die Entscheidung 
darüber ist nach den zwei Exemplaren nicht möglich, wird 
aber von Anderen, die mehrere zu untersuchen Gelegenheit 
haben, leicht getroffen werden können. Ich wollte nicht un- 
terlassen, darauf aufmerksam zu machen. 

J. Müller beobachtete in der Haut seiner Pneumoder- 
mon-Larven ästige violette Pigmentflecke und am mittlem und 
hintern Theil des Körpers auch grosse Zellen, ein Oeltröpfchen 
enthaltend, die ringförmig um den Körper gestellt waren. Da 
diese letzteren neben den Pigmentflecken vorhanden sind, so 
darf man auch nicht annehmen, dass die Hautdrüsen unseres 
Thieres etwa den Büchsen, wie sie E seh rieht in der Haut 
von Clione borealis fand, und diemitrothem öligen Pigmente 
gefüllt sind, entsprechen, oder sich in sie umwandeln. Von 
einem Pigmente in der Haut hat sich nirgends auch nur eine 
Spur gezeigt. 

Bewegungsorgane. 

Zunächst fällt äusserlich der Wimper r ei fen ins Auge, 
der fast mit blossen Augen, sehr deutlich mittelst einer Lupe 
gesehen werden kann. Er liegt nahe dem hinteren Ende des 
Körpers, umgiebt denselben rundum und trennt so einen klei- 
nen kuppeiförmigen Theil vom Körper. Die Wimpern waren 
stets in einer lebhaften zierlichen Bewegung. Von einem an- 
deren Wimperkranze war keine Andeutung vorhanden. An 
dem zweiten gleich grossen Exemplare fehlte auch dieser eine 
Wimperreifen gänzlich. Als ich das erste Exemplar mit dem 
Wimperreifen allein beobachtete, und zugleich wahrnahm, dass 

Archiv f: Naturgescb. XX. Jahrg. 1. Bd. 15 



226 Troscliel: 

(las Thier geschlechtsreif war, auch alle übrigen Organe sich 
so vollständig entwickelt zeigten, stieg in mir die Vermuthung 
auf, dass ich es mit einem Thier zu thun habe, bei welchem 
der Wimperreifen, der früher nur an Larven nackter Ptero- 
poden beobachtet war, hier permanent sei. Glücklicherweise 
kam ich sogleich auch in den Besitz eines zweiten Exempla- 
res, welches bei gleicher Grösse den Wimperreifen schon 
vollständig verloren hatte, und wurde so vor einer irrlhüm- 
Ijchen Behauptung bewahrt. Meine Beobachtung dieser beiden 
Thiere bildet auch einen Baustein zur Kennlniss der Entwik- 
kelung der nackten Pteropodcn. Joh. Müll er 2) beobach- 
tete zuerst die Larven eines nackten Pteropoden , die er we- 
gen der Bündel von Saugnäpfen am Kopfe und wegen den 
violetten Farbe auf Pneumodermon mediterraneum Van Bene- 
den bezog, und sagte über die Wimperreifen der Jungen, wel- 
che höchstens 1 Linie lang waren, Folgendes : „Die ringför- 
migen Räderorgane verhalten sich in allen angeführten Grös- 
senstufen der Larven gleich, auch die kleinsten von mir ge- 
sehenen Exemplare hatten keine Spur eines Kopfsegels. Das 
Junge hat 3 Wimperreifen. Der erste umgiebt den Kopf. So- 
wohl die Stelle des Kopfes, aus welcher der grosse Rüssel 
hervortritt, als die Tentakeln und die Saugnäpfe liegen schon 
vor diesem Reifen, d,er Wimperreifen liegt aber noch vor den 
am Halse befindlichen Flügellappen und vor dem vordem der 
beiden intermediären Lappen, auch vor der Stelle, wo die 
Gehörbläschen ihren Sitz haben. Das zweite ringförmige Rä- 
derorgan liegt in den jüngsten gegen die Mitte der Körper- 
länge, in älteren hinter der Mitte, so dass der After noch 
vor diesem Ringe gelegen ist. Das dritte liegt kurz vor dem 
hintern Ende des Thiers, welches Ende bei dem ganz ausge- 
bildeten Thier durch die terminalen Kiemen ausgezeichnet ist.« 
Da es wohl wahrscheinlich ist, dass alle nackten Pteropoden 
darin übereinstimmen werden, dass sie in früher Jugend drei 
Wimperreifen besitzen, so spricht meine Beobachtung dafür, 
dass der hintere Wimperreifen sich am längsten erhält, und 
dass er erst dann verschwindet, wenn das Thier bereits alle 
seine Qcgan^ völlig ausgebildet hat und geschlechtsreif, also 



1) Monatsberichte der Akademie zu Berlin. October 1852. 



Beiträge zur Kenntniss der Pleropoden. 227 

woH auch ausgewachsen ist. Weitere Beobachtungen müs- 
sen lehren, ob eine solche Uebereinstimmung zwischen allen 
nackten Pteropoden statt findet. 

Es ist nicht dem geringsten Zweifel unterworfen , dass 
die von Eschscholtz^ beschriebene Gattung Trichocyclus 
nur der Jugendzustand einer anderen nackten Pteropodengat- 
tung sei, wie es bereits Philippi 2) vermuthete; es lässt 
sich jedoch nicht zur Entscheidung bringen, ob diese Gattung 
mehr mit Clio oder Pneumodermon verwandt sei. Auch un- 
ser Thier bewegt sich, wie die von Müller beobachteten 
Larven, ohne Rotation um die Achse. 

Als Hauptbewegungsorgan müssen die Flossen betrach- 
tet werden. Sie sind klein, und können vollständig in das 
Innere des Körpers zurückgezogen werden. Ihr innerer Rand, 
mit welchem sie dem Körper angewachsen sind, ist der kür- 
zeste; der vordere ist der längste, er ist convex, der hintere 
ist concav; der Aussenrand ist fast geradlinig, ein wenig 
convex, und zeichnet sich vor den übrigen Rändern dadurch 
aus, dass an ihm viele Dörnchen oder kleine Borsten hervor- 
ragen, die starr sind und nicht wimpern (Fig. 6.). Müller 
erwähnt von seinen Pneumodermon -Larven gleichfalls diese 
steifen Wimpern, es bleibt jedoch unerwähnt, ob sie auf den 
äusseren Rand beschränkt sind. Die Rückenfläche der Flossen 
ist glatt, die Bauchfläche ist mit zahlreichen, sehr kleinen spit- 
zen Dörnchen besetzt. Zahlreiche Muskeln kreuzen sich in 
den Flossen so, dass eine Lage von innen nach aussen^ die 
andere schräg von innen nach vorn verläuft. Die ersleren, 
die Quermuskeln, gabeln sich gegen den Aussenrand der Flosse 
hin, erreichen jedoch den Flossenrand nicht, oder werden 
wenigstens so zart, dass man sie hier selbst bei sehr starker 
Vergrösserung nicht mehr sehen kann. Beide Muskellagen hän- 
gen an der Flossenbasis so zusammen, dass je zwei Muskeln 
in einander übergehen, oder die queren Muskeln wenden sich 
an der Insertion der Flossen um, und werden zu schrägen 
(Fig. 7.). Wenngleich ein muskulöser Zusammenhang der bei- 



1) Isis 1825. p.735. 

2) Handbuch der Conchyliologie und Malacozoologie. Halle 1853. 
p. 297. 



228 Troschel: 

den Flossen unzweifelhaft vorhanden ist^ so habe ich mich 
doch von einem Uebergehen der einzelnen Quermuskeln in 
die andere Flosse, wie es bei Esc bricht von Clione bo- 
realis beschrieben und abgebildet ist, nicht überzeugen kön- 
nen. Bei unserem Thier scheinen daher die einzelnen Flos- 
sen eine grössere Selbstständigkeit zu besitzen. 

Der Bauchhöcker, welcher unterhalb mitten zwischen den 
Flossen liegt, ist recht entwickelt (Fig. 8.). Er ist sattelför- 
mig gestaltet und besteht aus zwei fleischigen Lappen, die 
vorn in einander übergehen. So entstehen zwei freie Hin- 
terränder, einer jederseits und zwei freie Unterränder, die sich 
vorn mit einander vereinigen und so einen Bogen bilden. Die 
Oberfläche dieses Organs ist glatt , und ohne Flimmern, die 
Ränder dagegen sind mit sehr feinen Wimpern besetzt, die in 
der Richtung nach vorn flimmern. Einen hinter diesem Haupt- 
theil gelegenen Lappen habe ich nicht beobachtet, weil in den 
meisten Lagen der Bauchhöcker überhaupt von den Flossen 
verdeckt war, und weil unter einer Glasplatte gedrückt, diese 
Theile nur sehr undeutlich zu sehen waren. Es kann jedoch 
möglicherweise ein solcher hinterer Lappen vorhanden gewe- 
sen sein. 

Nervensystem und Sinnesorgane. 

Der Schlundring (Fig. 9r.) besteht aus drei Ganglien- 
paaren, einem oberen, einem seitlichen und einem unteren, 
und liegt noch hinter den Flossen, wenigstens dann, wenn 
die Mundmasse zurückgezogen ist und ihre Lage zwischen den 
Flossen hat. Der Schlundring liegt hinter der Mundmasse, und 
umgiebt in einiger Entfernung von derselben den Schlund. 
Wenn die Mundmasse nach der vorderen Mundöff'nung bewegt 
wird, was ohne Zweifel bei der Einnahme von Nahrung ge- 
schieht, dann mag auch der Schlundring etwas mehr nach 
vorn vortreten. 

Die beiden oberen Ganglien berühren einander; mit den 
seitlichen sind sie durch ziemlich lange fadenförmige Commis- 
suren verbunden; ähnliche Commissuren verbinden auch die 
seitlichen mit den unteren Ganglien ; die letzteren stehen un- 
ter sich durch eine kurze Commissur in Verbindung. Ob auch 
die seillichen Ganglien durch eine untere Commissur inVer- 



Beiträge zur Kenntniss der Pteropoden. 229 

bindung stehen, habe ich nicht durch Beobachtung festgestellt, 
doch ist es wegen der Analogie mit dem durch Eschri cht 
beschriebenen Nervensystem von Clione borealis vorauszu- 
setzen, mit dem eine allgemeine Uebereinstimmung in der An- 
ordnung statt findet. Ein Zerfallen der seitlichen Ganglien 
in zwei jederseits habe ich bei unserem Thiere nicht bemerkt; 
die kürzeren Commissuren bei Es c h ri c h t können wohl darin 
ihre Erklärung finden, dass derselbe seine Untersuchung an 
Weingeist-Exemplaren anstellte. 

Von jedem der oberen Ganglien treten, ausser einigen 
feineren, drei sehr deutliche Nerven ab, und verlaufen nach 
vorn. Das vorderste Paar tritt zu den vorderen Tentakeln 
neben der MundöfTnung; zu den hinleren Tentakeln treten je 
zwei Fäden. Die vorderen und hinteren Tentakeln jeder Seite 
sind ausserdem durch einen Nervenfaden verbunden. 

Die vorderen Tentakeln (Fig. 9^) erscheinen im vorge- 
streckten Zustande als dünne, etwas gebogene Vorsprünge, 
im Contrahirten Zustande sind sie dreieckige, minder durch- 
sichtige Körper. Sie können ganz zurückgezogen werden. 
Nach der Analogie mit den übrigen Mollusken sieheich nicht 
an, sie für die Riechorgane zu erklären. Dafür sprichtauch, 
dass das vorderste Nervenpaar zu ihnen tritt. 

Die hinteren Tentakeln (Fig. 9 i') sind den vorderen sehr 
ähnlich; sie können zurückgezogen werden, und erscheinen 
dann als dreieckige Organe von minderer Durchsichtigkeit, 
die nach innen in eine Spitze auslaufen, au welche sich der 
dritte Nerv anfügt. An der Oberfläche des Thieres zeigt sich 
die Basis in diesem zurückgezogenen Zustande als ein keines 
Grübchen. Sehr zu beachten ist ein durchsichtiges, rundes 
und sehr kleines Bläschen (Fig. 9. o), welches im zurückge- 
zogenen Zustande des hinteren Tentakels dicht bei ihm sicht- 
bar wird, und welches eine Bedeutung haben muss, weil zu 
ihm ein besonderer Nerv tritt. Wenngleich kein Pigment an 
diesem Bläschen vorhanden ist, so glaube ich doch, es für 
ein rudimentäres Auge betrachten zu dürfen. Eschri ch,t 
beschrieb die hintern Fühler geradezu als Augen, S o u 1 e y e t ') 
erklärt dies für einen Irrthum, und nennt die im Nacken ge- 



1) Voyage de la Bonitc, Zoologie II. p.277. 



230 Troschel: 

legenen Organe hinlere Fühler, an denen er keine Augen hat 
entdecken können. Van Beneden i) meint, der Nervenfa- 
den bei Pneumodermon violaceum, welcher zu dem hinteren 
Fühler tritt und sich an seinem Ende verdickt, sei als Seh- 
nerv anzusehen, vreil Eschscholtz bei Pleuropus die Au- 
gen abgebildet habe ^); er selbst hat keine Augen gesehen. 
Bei der Winzigkeit des erwähnten Bläschens ist es sehr be- 
greiflich, dass Souleyet und Van Ben e den es übersehen 
konnten, selbst wenn es die von ihnen untersuchten Thiere 
besitzen. Sein Vorhandensein bei unserem Thier, dessen Durch- 
sichtigkeit die Wahrnehmung desselben möglich gemacht hat, 
lässt jedoch vermuthen, dass es auch bei den anderen ver- 
wandten Thieren sich finden lassen werde, und so möchte leicht 
eine Vermittelung der sich widersprechenden Ansichten E sch- 
rieb t's und Souleyet's angebahnt werden können. Die 
hinteren Fühler sind zwar nicht Augen , jedoch ist ein sehr 
kleines Auge in enger Beziehung zu ihnen. 

An den seitlichen Ganglien sind die sehr deutlichen Ge- 
hörbläschen befestigt und enthalten eine grosse Anzahl von 
Otolithen. 

Verdauungsorgane. 

Der Mund liegt am vorderen Ende des Kopfes, in der 
Mitte zwischen den beiden vorderen Tentakeln. Er führt in 
einen langen Gang, an dessen Ende, zwischen und selbst 
hinter den Flossen der Schlundkopf mit den Kauwerkzeugen 
liegt. Unzweifelhaft kann der Schlundkopf nach vorn bis zur 
Mundöffnung vorgestreckt werden , wenn das Thier Nahrung 
zu sich nehmen will. Ich habe ihn nur im zurückgezogenen 
Zustande unter dem Mikroskop gesehen. Weder die Bündel 
von Saugnäpfen, welche die Gattung Pneumodermon auszeich- 
nen, noch die Mundpapillen oder Kopfkegel, welche Clio aus 
dem Munde hervorslreckt, habe ich auffinden können. 



1) Recherches anatomiques sur le Pneumodermon violaceum d'Orb. 
MQller's Archiv für Anat. ct. 1838. p.296. 

2) Die von Eschscholtz im Zoolog. Atlas lab. XV. Fig. 1. als Au- 
gen gedeuteten Funkte sind ohne Zweifel die durchschimmernden Ge- 
hörbläschen. 



Beiträge zur Kennlniss der Fteropoden. 231 

Die Mundmasse oder der Schluntikopf ist von eiförmiger 
Gestalt, vorn schmaler als hinten, und enthält drei Kiefer 
und die Zunge. 

Die Kiefer (Fig. 10.) lassen sich mit den Kiefern von 
Clio vergleichen. Jeder von ihnen besteht aus einer grossen 
Zahl ungefähr gleich grosser zahnarliger Stacheln, die unre*- 
gelmässig neben einander gestellt, einen Haufen bilden. Die 
Spitze der einzelnen Stacheln ist oft ausgeschweift. Ein sehr 
bemerkenswerther, und wie ich nach meinen bisherigen Er^ 
fahrungen annehmen muss, generischer Unterschied von Clio 
liegt in der Zahl dieser Kiefer. Clio hat deren entschieden 
nur zwei. In der ganzen Thierwelt ist mir kein Beispiel be- 
kannt, dass man Thiere mit zwei und mit drei Kiefern in ei- 
nem Genus vereinigt hätte. Dazu kommt die BeschafFenheit 
und Anordnung der einzelnen den Kiefer bildenden Stacheln. 
Diese sind bei Clio von sehr verschiedener Länge, indem die 
vordersten sehr kurz, die hintersten sehr lang sind, auch nicht 
unregelmässig auf einer Fläche neben einander stehen, son- 
dern in regelmässigen Reihen geordnet sind. 

Die Zunge besteht aus ungefähr zwanzig Querreihen von 
Platten. In jeder Querreihe liegen neun Platten. Die Mittel- 
platten haben einen gebogenen Vorderrand, der in seitliche 
Spitzen, die nach hinten uud aussen sehen, ausläuft. Zwischen 
diesen stehen noch drei zahnartige Vorragungen am Hinter- 
rande der Platte. Die vier seitlichen Platten sind dornförmig, 
ihre Spitze ist nach innen und schräg nach hinten gerichtet, 
und sie haben eine schmale Basis, die mit den Dornen selbst 
etwa einen rechten Winkel bildet. Diese Platten liegen ziem- 
lich eng an einander und sind einander an Länge und Ge- 
stalt ziemlich gleich. — Die Abbildung, welche Eschricht 
1. c. Fig. 22. von der Zunge von Clione geliefert hat, so wie 
seine Beschreibung p. 1 1 zeigen, dass er sie nicht ganz rich- 
tig verstanden und z. B. die Mittelplalten übersehen hat. Sehr 
gut ist dagegen die Abbildung Loven's^ von demselben 
Thiere, wie ich es aus eigener Beobachtung bestätigen kann. 
Diese Zunge weicht von der von Cliopsis Iheils durch die Ge- 



l) Öfvers. af Kongl. Vetensliaps - Akad. Förhandl, 1847. p. 188. 
Tab. 3. 



232 Troschel: 

stalt der Mittelplatte ab, die statt der drei hintern Zähne nur 
zwei rundliche Vorsprünge trägt, theils durch die Zahl (12 je- 
derseits) der Seitenplatten. 

Bisher habe ich die Anzahl der Längsreihen von Plat- 
ten auf der Zunge bei den Mollusken stets constant gefunden, 
und ich muss der Ansicht sein , dass das Wachslhum der 
Zunge nur durch Hinzubildung neuer Querreihen am hintern 
Ende derselben geschehe. Die Zahl der Längsreihen über- 
wiegt daher an Werlh die Zahl der Querreihen entschieden. 
Bei dem näheren Studium der Pteropoden stossen jedoch in 
dieser Beziehung Bedenken auf, die ich hier zur Sprache brin- 
gen muss, weil sie von grossem Einflüsse auf die Erkennung 
der Jugendzustände der nackten Pteropoden sein müssen. Dies 
wird um so wichtiger, als in nächster Zeit voraussichtlich der 
Entwickelungsgeschichte der nackten Pteropoden besondere 
Aufmerksamkeit gewidmet werden wird. Clio borealis hat 
nach Loven 1. c. zwölf Dornenreihen jederseits , unser in 
Rede stehendes Thier hat deren vier^ bei einer sehr jungen 
Larve mit drei Wimperreifen, die gleichfalls farblos war, fand 
Herr Dr. Max Müller i) nur eine Reihe jederseils, als er 
sie in Messina beobachtete. Alle diese sind mit Miltelplalten 
versehen. Die Gattung Pneumodermon hat keine Mittelplattcn. 
Pneumodermon Peronii hat nach Souleyet^) vier Seiten- 
platten jederseils, ebenso Pneumodermon violaceum nach Van 
Beneden ^); bei dem Pneumodermon, welches bei Messina 
vorkommt, habe ich sechs Seitenplatten jederseits gefunden. 
Von Euribia endlich erwähnt Souleyet^), dass die Zunge 
nur mit zwei Hakenreihen (also einer Reihe jederseits) bewaff- 
net wäre. Nicht zu übersehen ist es, dass J.Müller in sei- 
ner Abhandlung über die Entwickelungsformen einiger nie- 
deren Thiere ^) sagt, die Zähne der Zunge seiner in Triest 
beobachteten jungen Pneumodermen bilden zwei Reihen zak- 
kiger Platten, und zwischen ihnen in der Mitte eine leicht zu 



1) aiuller's Archiv 1854. p. 72. 

2) Voyage de la Bonite Zoologie II. p. 254. pl. 15. fig.22. 23. 

3) Möller's Archiv 1838. p. 300. Taf. X. fig. 12. 

4) Voyage de la Bonite. Zoologie II. p. 246. pl. 15. fig. 5. 6. 

5) Monatsberichte der Akad. zu Berlin. October 1852. 



Beiträge zur Kenntniss der Pteropoden. 233 

Übersehende Reihe kleinerer Plättchen mit vier kleinen Zak- 
ken. Die erwachsenen Pneumodermen haben keine Miltelplat- 
ten. Dass diese später verschwinden sollen, ist kaum anzuneh- 
men. Es wird nun zu ermitteln sein , ob wirklich die Zahl 
der Längsreihen bei einer und derselben Art mit dem Alter 
zunehmen kann; bis dieser Nachweis g-eführt ist, muss ich 
aber derartige Verschiedenheiten mindestens für specifische 
ansehen. 

Von der Mundmasse führteinzartwandiger Schlund (Fig. 
9. s) nach hinten durch den Schlundring zu dem Magen. Am 
Schlünde hängen zahlreiche kleine Bläschen und Zollen an. 
Speicheldrüsen habe ich nicht gesehen, vermuthe aber, dass 
deren vorhanden sind. 

Der Magen (Fig. 9.w) liegt weit hinten in der Leibes- 
höhle, hat eine spindelförmige Gestalt, und ist vorn und hin- 
ten zugespitzt; sein hinteres Ende ist in der Abbildung durch 
die Zwilterdrüse verdeckt. Er liegt in der Längsrichtung des 
Körpers. Die Farbe des Magens ist bräunlich, was seine Ur- 
sache darin hat, dass er an seiner ganzen Oberfläche von der 
dünnen Leber überzogen ist. Der Schlund mündet in den 
Magen ein wenig hinter der vorderen Spitze an der linken Seite. 

Von dem Magen tritt, etwa in der Mitte seiner Länge, 
an der rechten Seite der enge Darm (Fig. 9. rf} aus, der sich 
ohne Windungen zu machen, nur bei Verkürzung des Kör- 
pers etwas geschlängelt, schräg nach vorn begiebt, und sich 
rechts hinter der Flosse öff'net. Der Dorn war ganz leer bei 
beiden untersuchten Exemplaren. Der After (w) liegt in der 
Mitte einer vertieften , und von einer Art Wall umgebenen 
Grube, die das Thier mehr oder weniger einziehen kann. Bei 
Clionesoll sich der After an der Bauchseite desThieres öffnen. 

Girculations Organe. 

Rechts neben der hinteren Hälfte des Magens sieht man 
deutlich das Herz schlagen. Es besteht aus einer Vorkam- 
mer (Fig. 9. f) und einer Herzkammer (Fig. 9.Ä). Die Vor- 
kammer ist breit und kurz, und mit mehreren Muskeln nach 
hinten zu festgeheftet. Es scheint, als wenn sie hinten weit 
offen wäre. Die Herzkammer hat eine flaschen- oder birn- 
förmigc Gestalt, ist hinten abgerundet und vorn verschmälert. 



234 Troschelr 

Sie ist durchsichtig, und macht beständige und kräftige Pul- 
sationen. 

Von dem vorderen Ende der Herzkammer geht die Aorta 
(Fig. 9. a), ab, die am Anfange sogar noch ein wenig wei- 
ter ist, als die Herzspitze, verschmälert sich dann, und lässt 
sich als ein immer noch beträchllich weiter Schlauch bis in 
die Gegend des Schlundringes verfolgen. Hier nahm ich schwa- 
che Pulsationen derselben wahr. Sie ist auch hier noch ziem- 
lich weit, weiter als der Darm, und in ihrer ganzen Länge 
vollkommen glashell und durchsichtig. 

Gleich an dem Grunde dieser Aorta tritt aus ihr ein 
ebenfalls ziemlich weites Gefäss aus, und zwar an ihrer rech, 
ten Seite, wendet sich jedoch gleich nach links, geht unter 
der Aorta fort, und verläuft geradlinig als ein kurzer Schlauch 
zum Magen, an den sie an derselben Stelle tritt, wo der Darm 
austritt. Dieses Gefäss ist ebenfalls völlig durchsichtig. Es 
zeigt sich von verschiedener Weite, je nach den Contractio- 
nen des Tliieres. Wenn sich das Thier verkürzt, entfernt das 
Herz sich mehr vom Magen, und dann ist das Gefäss enger 
und länger. 

Im engen Zusammenhange mit den Circulationsorganen 
fiteht ein Organ,, welches mit grosser Wahrscheinlichkeit neuer- 
lich als Niere gedeutet ist. Es ist die „Poche pyriforme« von 
Souleyet'3, welche J. Müller ^3 bei Cleodora für Niere 
erklärt, und welche Herr Gegenbaur^) anfänglich für eine 
Art Respirationsorgan zu halten geneigt war, weil er Was- 
ser in ihre Oeffnung einströmen sah, später jedoch "♦) ihr die 
Funclion eines nierenarligen Excretionsorganes zugesteht^ ihr 
gleichzeitig die Besorgung von Wasseraufnahme zuschreibend, 
um solches dem Blute beizumischen. 

Dieses Organ (Fig. 9. n} habe ich bei unserem Thier sehr 
deutlich beobachtet; es ist von beträchtlicher Ausdehnung. 
Obgleich es von sehr zarten und vöUi-g durchsichtigen Wän- 



1) Voyage de la Bonite 2oologieVoI.il. 1852. —Rang et Sou- 
leyet Hist. nat. des Pteropodes. Paris 1852. 

2) Monatsberichte der Berliner Akademie. October 1852. 

3) V. Siebold u. Kölliber Zeitschr. f. wiss. Zool. IV. p.335. 1853. 

4) Ebenda V. p. 113. 1853. 



Beiträge zur Kennlniss der Pteropodeii. 235 

den umgeben ist, so habe ich diese doch in ihrem ganzen Um- 
fange wahrnehmen können. Es liegt an der rechten Seite des 
Thiores, neben dem Herzen, ist ein weiter und langer Schlauch, 
und erstreckt sich vom Hinterende des Thieres bis vorn ge- 
gen den After hin. Dieser Schlauch ist in seinem hinteren 
Theile nach links gewendet, sonst entspricht er der Längsrich- 
tung des Thieres. Hinten ist er gerade abgestutzt und ge- 
schlossen. Er ist nicht überall gleich weit, namentlich ist er 
in seiner Mitte, vor dem Herzen, in eine nach links gerich- 
tete Spitze ausgezogen, und an einem zarten Faden befestigt. 
Ein wenig hinler dieser vorspringenden Spitze findet sich ein 
zartes Gefäss, durch welches er mit dem Herzbeutel zu com- 
municiren scheint, und zwar vor der Herzkammer an der 
Stelle, wo aus der Aorta das Gefäss zum Magen tritt (Vergl. 
die Abbildung Fig. 9.). Nach vorn verengt sich das Organ 
allmählich und mündet sich neben und ein wenig hinler dem 
After in einer OefTnung nach aussen, die klein aber doch 
noch etwas grösser ist als der After. DieOefFnung liegt mit 
dem After in derselben Verliefung, hart an der hinteren Wulst, 
und wird mit dem After zurückgezogen und vorgestreckt. 
Solche Wahrnehmungen, welche auf die Function dieses Or- 
ganes ein helleres Licht werfen könnten, habe ich nicht ma- 
chen können, halte jedoch wegen der Beziehung zu den Cir- 
culationsorganen und wegen der Oeffnung in der Afternähe 
die Deutung als Niere für sehr wahrscheinlich. 

Noch ist hier eines sehr eigenthümlichen Organes Er- 
wähnung zu thun, üb^r dessen Function ich aber kaum eine 
Andeutung zu geben vermag. Es ist so eben erwähnt wor- 
den, dass After und Harnöffnung in einer Vertiefung liegen, 
die von einem wulstigen Rande, einer Art Wall, umgeben ist» 
Ihr oberer Rand verlängert sich nach vorn bis an die Basis 
der Flosse hin. Dieser ganze obere Rand flimmert stark, und 
die Haulfläche, welche sich links an ihn anschliessl, zeichnet 
sich dadurch von der übrigen Körperoberfläcke aus, dass viele 
drüsige Bläschen, eng aneinander liegend, in ihr eingebettet 
sind. Zunächst drängle sich mir die Vermuthung auf, dass 
diese flimmernde Stelle der Alhmung dienen, und als Kieme 
zu deuten sein möchte, da nirgends sonst ein Alhmungsorgan 
aufzufinden ist; dagegen spricht jedocli die Lage des Herzens, 



236 Tioschel: 

dessen Vorkammer nach hinten gerichtet ist, wodurch es an- 
gedeutet ist, dass auch hier, wie bei Pneuinodermon und bei 
Spongiobranchaea, der Sitz der Respiration am hinteren Kör- 
perende zu suchen sei. Ich halte es nicht für überflüssig, 
hier der Beobachtung Erwähnung zu thun, welche ich an der 
Niere vonPterotrachea mutica gemacht habe, welche, wie es 
auch Souleyet I.e. richtig abbildet, ohne es genauer zu be- 
schreiben, und wie es Herr Gegenbaur I.e. V. p. 115. er- 
wähnt, zwischen Nucleus Herz und Kieme liegt. Die linke 
oder innere Wandung der Niere ist muskulös, die rechte oder 
äussere Wandung enthält viele kleine zerstreute Drüsenkör- 
per, welche denen unseres flimmernden Organes sehr ähnlich 
sind. Ich lasse es dahingestellt, ob eine Analogie zwischen 
ihnen statt findet. 

Geschlechtsorgane. 

Am wenigsten vollständig habe ich die Geschlechtsor- 
gane mir klar machen können, was hauptsächlich darin sei- 
nen Grund hat, dass die beiden einzigen mir zu Gebote ste- 
henden Exemplare bei der Untersuchung der übrigen Organe 
schon zu sehr alterirt waren, um den ganzen Zusammenhang 
der Geschlechtsorgane genau erkennen zu lassen. 

Der Eierstock (Zwitterdrüse?) liegt ganz hinten in der 
engen Leibeshöhle, und verdeckt den hinteren Theil des Ma- 
gens von oben her (Fig. 9. e). Er hat eine länglich eiförmige 
Gestalt und ist in der Mitte dunkler gefärbt als an den Sei- 
ten. Von seinem vorderen Ende entspringt ein ziemlich schma- 
ler dunkelbraun gefärbter Gang, der bald eine Windung macht, 
die sich gewiss bei völliger Ausstreckung desThieres gerade 
zieht. Hierauf erweitert sich der Eileiter beträchtlich, und 
bildet einen schwach Sförmig gebogenen Körper, der auf sei- 
ner dunklen Oberfläche viele helle Pünktchen zeigt. Dann ver- 
schmälert er sich wieder und tritt mit einem dünnen Stiel 
zu einem unregelmässig kugligen Organ (Fig. Q.gf), welches 
aus verschiedenen Drüsen und aufgewickelten Schläuchen 
besteht und das ich der Kürze wegen als Geschlechtsknäuel 
bezeichnen will. Von ihm geht nach vorn ein weiter Kanal 
ab, den ich nicht vollständig habe verfolgen können, von 
dem ich jedoch vcrmuthe, dass er mit einer dunklen längli- 



Beiträge zur Kennlniss der Pteropoden. 237 

chen Masse^ die unter der rechlen Flosse gelegen ist, in Ver- 
bindung stehe; hier muss die Geschlechtsöffnung (die männ- 
liche?) in der Nähe des Bauchhöckers liegen. Ich habe sie 
nicht als Oeffnung beobachten können. 

An dem Geschlechtsknäuel nimmt man unregelmässige 
Windungen wahr, die von der gleich zu beschreibenden Ruthe 
herrühren. Als ich eine kleine Glasplatte auf das Thierchen 
legte, um den Zusammenhang der verschiedenen inneren Or- 
gane näher erforschen zu können, war ich erstaunt zu sehen, 
dass bei einigem Druck der grosseste Theil des Geschlechts- 
knäuels verschwand , und als ein sehr langer Schlauch aus 
dem Körper hervortrat. Er war mehr als dreimal so lang 
wie das ganze Thier. Leider konnte ich den Ort, an welchem 
er aus dem Körper austrat, an dem etwas gequetschten Thier 
nicht unterscheiden ; ich glaubte anfänglich, er trete aus dem 
Munde hervor. Dieser lange Schlauch ist die Ruthe. Ab- 
gesehen von ihrer bedeutenden Länge, lässt sie sich wohl mit 
den Beschreibungen von Eschricht^) und Souleyet^) 
von Clio vergleichen. 

Die Ruthe (Fig. IL) ist ein überall, soweit sie aus dem 
Körper hervorragt, gleich weiter Schlauch und endet in einer 
keulenförmigen Anschwellung. Diese besteht hauptsächlich 
aus sehr feinen Quermuskeln. Der Theil des Schlauches un- 
mittelbar hinter der keulenförmigen Anschwellung hat mich 
am meisten in Erstaunen gesetzt; hier nämlich sah ich in 
einer Länge, die etwa der keulenförmigen Anschwellung gleich 
kam, ein Phänomen von äusserster Zierlichkeit. Es Hess sich 
in der Mitte ein sehr enger Längscanal wahrnehmen, der von 
einer dicken Wandung umgeben war. Diese Wandung ent- 
hielt zahllose kleine, spindelförmige, an einem Ende zugespitzte 
Körperchen, die sich äusserst lebhaft zitternd durch einander 
bewegten (Samenthierchen); der enge innere Längskanal gab 
den Anschein, als ob sich feine Körperchen äusserst schnell 
nach vorn bewegten, was wohl von einer sehr lebhaften Flim- 
merung herrührte. Vor und hinter dieser Abtheilung des 



1) Anatomische Untersuchungen über die Clione borealis p. 14. 
Fig. 24. 

2) Voyage de la Uonite. Zoologie IL pl. X5bis fig. 15. 



238 Troschel: 

Schlauches zeigte sich davon keine Spur, an beiden Enden 
war diese Abtheilung scharf begrenzt. Der nun nach hinten 
zu folgende Theil des Schlauches war drüsig, und weiter nach 
hinten gingen diese Drüsen in Zotten über, die die innere 
Fläche auskleideten. 

Der Theil des Geschlechtsknäuels , welcher nach dem 
Austritt derRuthe im Körper zurückgeblieben war, hatte eine 
röthlich braune Färbung. 

Entwickelung. 

Leider habe ich zu wenig Exemplare zu meiner Verfü- 
gung gehabt, denn sonst wäre es mir wohl gelungen. Einiges 
über die Entwickelungs - Geschichte dieses Thieres zu erfah- 
ren. Ich hatte nämlich gleich am ersten Tage, den 5. No- 
vember 1853, das eine noch mit dem hinteren Wimperkranze 
versehene Exemplar untersucht, und dabei zerstört. Das 
zweite Exemplar bewahrte ich in einem Glase mit reinem See- 
wasser, welches ich täglich erneuerte. Schon am dritten Tage, 
den 7. November, fand ich Morgens in seinem Glase einen 
rundlichen Haufen gallertartiger Masse schwimmen, und be- 
merkte schon mit der Lupe zerstreute Pünktchen in diesem 
Haufen. Er war von Grösse des Thieres. Da ich Tages zu- 
vor das Thier in demselben Wasser stundenlang beobachtet 
halte, und so mit der Lupe gewiss in alle Theile der Flüssig- 
keit geblickt hatte, so schien es mir unmöglich, dass ich diese 
schwimmende Masse hätte übersehen sollen. Sie muss daher 
von dem Thiere, welches einzig dieses Wasser bewohnte, her- 
rühren, und am vorigen Abend oder in der Nacht abgelegt 
sein. Es waren seine höchstens 18 Stunden alten Eier. 

Die einzelnen Eier (Fig. 12.) liegen zerstreut in der kry- 
stallhellen, vollkommen durchsichtigen, eiweissartigen, zähen 
Masse, nicht eben nahe bei einander. Sie sind kugelrund, 
und von einer so äusserst feinen Membran umgeben, dass man 
dieselbe unter dem Mikroskop kaum wahrnimmt; nur bei ge- 
wissem zweifelhaften Licht wird die Linie sichtbar. In den 
Eiern lag ein Dotter, bereits zerklüftet in viele Kügelchen, 
von denen sich meist drei durch ihre Grösse und scharfe Be- 
grenzung auszeichneten. Bei durchgehendem Licht sind diese 
Dotter durchscheinend, fast farblos; bei auffallendem Lichte 



Beiträge zur Kehnlniss der Pteropoden. 239^ 

sind sie silberglänzend. Ausser der Dolterinasse fanden sich 
in jedem Ei zwei sehr kleine, einander berührende Bläschen, 
welche an der Eihaut liegen, und die sich wohl mit den von 
Fried r. Müller *) beschriebenen Richtungsbläschen der 
Schneckeneier vergleichen lassen. 

Weiler Hess sich vorläufig an diesen Eiern nichts be- 
merken. Der Eihaufen war aber durch die Behandlung so 
beschädigt worden, dass keine Aussicht auf Erfolg bei wei- 
terer Aufbewahrung vorlag. Ich glaube jedoch, dass es mir 
gelungen sein würde, diese Eier zur Entwickelung zu brin- 
gen, wenn ich mehrere Eihaufen besessen hätte. 

Pneumodermoa Cuv. 

Aus dieser Galtung kommt eine Art bei Messina nicht 
selten vor. Zuweilen sind sie mir in grösserer Zahl von Kna- 
ben gebracht worden, woraus sich schiessen lässt , dass sie 
sich truppweise halten. Von den Arten, welche in dem mehr- 
fach citirten Werke von Rang etSouleyet aufgezählt sind, 
ist die unsrige jedenfalls specifisch verschieden. Wahrschein- 
lich ist es jedoch Pn. mediterraneum. Aus den Angaben von 
Van Beneden 2) lässt sich nichts mit Sicherheit schliessen. 
Souleyet bringt diese Art, ich weiss nicht aus welchen 
Gründen, zu Pn. Peronii, was wenigstens für die von mir be- 
obachteten Exemplare unrichtig ist. Die nähere Charakteri- 
stik des Pn. mediterraneum, wie sie Verany ^} gegeben 
haben soll, ist mir leider^ Dank der Schwierigkeit des Italie- 
nischen Buchhandels, noch nicht zugänglich. Meine Exem- 
plare sind recht gross, im lebenden Zustande etwa 15—20 
Millim. lang , schön violett gefärbt^ und zeichnen sich beson- 
ders dadurch aus, dass an jedem der beiden aus dem Munde 
hervorragenden Arme nur fünf Saugnäpfe vorhanden sind, 
vier grosse und ein kleinerer. Auf der Zunge sind, wenig- 
stens an ihrem vorderen Theile^ jederseits sechs Längsreihen 
von Platten vorhanden, die an Gestalt von denen der Galtung 
Clio, Cliopsis den Pneumodermon-Arten nicht wesentlich ab- 



1) Archiv für INaturgesch. 1848. 1. p. 3. 

2) Exercices zootomiques I. p. 53. 

3) Catologo degli animali invertebrati marini del Golfo di Genova 
e Nizza 1846. 



240 Troschel: 

weichen. Bernerkenswerth jerscheint es mir, dass ich vor der 
Zunge eine rudimentäre Kieferbildung gefunden liabe, woraus 
ich den Schluss ziehe, dass die beiden bekannten vorstreck- 
baren Röhren, die auf der ganzen Oberfläche mit vielen klei- 
nen Stacheln bewaffnet sind ^ nicht den Kiefern der Galtung 
Clio und Cliopsis analog sind. 



Erklärung der Abbildungen. 



Taf. VIII. 



Fig. 1. Pleuropus longifilis n. sp, mit dem Tiiier^ etwas vergrössert. 

Fig. 2. Schale desselben in natürlicher Grösse. 

Fig. 3. Schale desselben von der Seite gesehen, etwas vergrössert. 

Fig. 4. Cleodora trifilis n. sp. vergrössert. g. Gehörbläschen, h. Herz, 
m. Magen, o. Mund, to. After. 

Fig. 5. Creseis phaeostoma n. sp. vergrössert. 

Fig. 6. Schale desselben Thieres, vergrössert. 

Fig. 7. Mundmasse und Anfang des Schlundes von demselben Thiere, 
stark vergrössert. 

F'ig. 8. Creseis monolis n. sp. a. Kiefer, b. Zunge, c. Mittlerer 
Iheil der Flossen, welcher auf der ganzen Oberfläche flimmert. 

Fig. 9. Gehörorgane von Creseis monotis , nur einen Ololithen ent- 
haltend. 

Taf. IX. 

Fig. 1. Tiedemannia neapolitana Van ßencd. um die Verzweigung der 
Nerven zu zeigen, a. Der Rüssel. 

Fig. 2. Erweiterung am Ende des Rüssels von derselben. 

Fig. 3. Nucleus desselben Thieres. a. Austritt des Darmes. 

Fig. 4. Darmkanal von Tiedemannia neapolitana. a. Vormagen, b. Ma- 
gen, c. Darm. 

Fig. 5. und 6. Knorpelstücke aus dem Magen von Tiedemannia neapo- 
litana. 

Fig. 7. Ruthe von derselben. 

Fig. 8. Ein Theil des Eierstockes von derselben. 

Fig. 9. Zwei stark vergrösserte Punkte von der Oberfläche der Tie- 
demannia neapolitana. 

Fig. 10. Ein gelber Fleck von der Oberfläche von Tiedemannia chry- 
sosticla Krohn. 



Beiträge zur Kenntniss der Pleropoden. 24 1 

Fig. 11. Stück des eigenlhümlichen Saumes, der die Flossenränder der 

Tiedemannia chrysosticla unigiebt. 
Fig. 12. Tiedemannia Scylla n. sp. nalärliche Grösse. 
Fig. 13. Dieselbe, etwas vergrössert. 
Fig. 14. Tiedemannia Charybdis n. sp. natürliche Grösse. 
Fig. 15. Dieselbe, etwas vergrössert. 
Fig. 16. Gehörbläschen mit Otolithen von Cymbulia Peronii ; sehr stark 

vergrössert. 

Taf. X. 

Alle Figuren beziehen sich auf Cliopsis Krohnii n. gen. 

Fig. 1. Natürliche Grösse des Thieres. 

Flg. 2. Das ganze Thier, ein wenig vergrössert, vom Rücken gesehen. 

Fig. 3. Das Thier, etwas vergrössert, von der Seite gesehen, a. Vor- 
derer Tentakel, b. Der ßauchhöcker oder rudimentäre Fuss. 

Fig 4. Das Thier, etwas vergrössert, von der Bauchseite gesehen, a. 
Die vorderen Tentakeln. 6. Der Bauchhöcker. 

Fig. 5. Drei Gruppen von Ooldrüsen aus der llauloberfläche. 

Fig. 6. Ein Flosse, vergrössert, 

Fig, 7. Basis der Flosse, um die Lage der Muskeln zu zeigen. 

Fig. 8. Der Bauchhöcker, von der Seile gesehen, vergrössert 

Fig 9. Das ganze Thier, vergrössert, um den inneren Bau deutlich zu 
machen, a. Aorte, b. ßauchhöcker, d. Darm, e. Zwitterdrüse, 
f. Flosse, g. Geschlechtsknäuel , h. Herz, m. Magen, von der 
Leber umhüllt, n. JNiere, o. rudimentäres Auge?, r. Schlund- 
ring, s. Schlund, t. vordere Tentakeln, ('. hintere Tentakeln, v. 
Vorkammer des Herzens, w. AfteröIFnung. 

Fig. 10. Die drei Kiefer, sehr stark vergrössert. 

Fig. 11. Die Rulhe, stark vergrössert. 

Fig. 12. Zwei Eier von Cliopsis Krohnii. 

Bonn, im Juni 1854. 



Archiv f. Naturgesch. XX. Jahrg. 1. Od. 16 



£inig:es über die Mundtlieile der saiig-eiiden 
Iiisecteii. 

Resultate aus Gerslfeld's Abhandlung über diesen Gegenstand. 

Von 
Prof. Dr. Ed. Orube. 

(Briefliche Mittheilung an den Herausgeber.) 



Die zur Aufnahme flüssiger Nahrung bestimmten Mund- 
theile der Insecten, eben so mannigfach gestallet als combi- 
nirtj sind seit längerer Zeit so wenig Gegenstand einer um- 
fassenden Revision gewesen, dass mir eine solche sehr wün- 
schenswerlh schien, und ich Herrn Gerstfeld aufforderte, 
sich dieser Arbeit zu unterziehen. Insbesondere aber empfahl 
ich ihm die Mundtheile der Pediculiden, in deren Beschreibung 
ich nach eigener Untersuchung von Haematopinus suis nur 
ßurmeister, nicht aber Erichs on und Simon beipflich- 
ten konnte^, auf's genaueste zu prüfen, und hier wie bei allen 
streitigen Punkten nicht nur die selbst gewonnene Ansicht 
ausführlich zu entwickeln, sondern auch wo möglich zu er- 
mitteln, was zu dem Irrlhum der Gegner Veranlassung gege- 
ben haben möchte. Wie weit dies Herrn Gerstfeld gelun- 
gen sei, werden Sie aus seiner Magisterschrift „Ueber die 
Mundtheile der saugenden Insecten" (im Verlag von Herrn Rey- 
her in Mitau), am besten selbst ersehen. Hier erlaube ich mir 
nur eine kurze Zusammenstellung ihrer verschiedenen Com- 
binationen zu geben , wie sie aus dieser Arbeit hervorgeht, 
und zur bequemeren Uebersicht geeignet ist. 

Indem der Verfasser die Theile der Unterlippe auf die 
der Maxillen zurückführt, parallelisirt er das an dem Kopf ein- 



Grube: Einiges über die Mundtheilfc der saugenden Insecten. 243 

gelenkte Submentum Newport (Mentutn Erichs., Fulcrum Kirby) 
der Unterlippe der Aogel (Cardo) der Maxillen, das darauf 
sitzende Mentum Newp., das die Taster und Laden trägt, den 
Slipites der Maxillen , die eigentliche Lippe Languette Latr., 
oft Zunge genannt, den Laden, welche bekanntlich in äussere 
und innere zerfallen können : die äussern der Unterlippe bil- 
den die Paraglossen , die Innern gewöhnlich verschmolzenen 
die Ligula, von der man strenge den Hypopharynx zu unter- 
scheiden hat, das Gegenstück zumEpipharynx. Nur der Hy- 
popharynx kann als Stechborste auftreten, und der Verfasser 
möchte ausschliesslich für diesen den deutschen Ausdruck 
Zung e beibehalten. 

A. Es existiren 2 von einander getrennte 
Saugröhren, eine rechte und eine linke 
und der Oesophagus beginnt gabiig. 

Dieser Fall findet nur bei wenigen meist im Wasser le- 
benden Larven statt und die Lippen betheiligen sich an der 
Bildung der Röhren gar nicht. 

a. Jede Röhre besteht aus einer obern und 
einer untern Hälfte, welche sich eng an 
einander legen und so einen Kanal bil- 
den; die obere ist die Mandibel, die untere die Ma- 
xillenlade. 

1. Die Röhren sind gerade und nicht zugespitzt, Taster 
fehlen: Larve von Sisyra. 

2. Die Röhren stellen spitze, gegen einander gebogene 
Haken dar, welche zum Verwunden dienen. Labial- 
taster 4-glie(Jrig, Maxillentaster fehlen: Larve von 
Hemerobius und Myrmecoleon. 

b. Jede Röhre wird nur von einer kanalarlig durchbohr- 
ten Mandibel gebildet, die kurzen Maxillen sitzen da- 
neben und tragen 4-oliedrige , die kleine Unterlippe 
nur 2-gliedrige Taster. Die Mandibeln sind schlanke 
gegen einander gekrümmte Haken, die zum Verwun- 
den dienen : Larven der Dytisciden. 

B. Es existirt nur l (mittlere) Saugröhre. 

a. Ohne ste chende Theile. Die hieher gehörigen 
Thiere saugen Blumensäfte. 



244 Grube: 

a. Die Röhre wird von den mehr oder minder faden- 
arlig verlängerten, rinnenarlig ausgehöhlten und ge- 
nau an einander passenden Maxillenladen gebildet, 
und pflegt spiralförmig eingerollt zu sein. DieMa- 
xillentaster fehlen nicht, sind 2- oder 3-gliedrig, 
jedoch viel kürzer als die 2- selten 3-gliedrigen 
Lippentasler. Oberlippe, Mandibeln und Mentum kurz; 
Lepidopteren. 

ß. Sie wird von der röhrenartigen verlängerten Ligula 
gebildet, welche die Paraglossen, die Lippentaster 
und Maxillen umhüllen, die Lippentaster 4-, die Ma- 
xillenlaster 1- bis 6-gliedrig, um so kürzer je län- 
ger die Maxillenladen. Epi- und Hypopharynx vor- 
handen, Oberlippe ziemlich gross, Mandibeln kräftig : 
Meliliden. 

y. Ein kurzer weichhäutiger Schnabel, der aus der ver- 
längerten unten rinnenartig ausgehöhlten Oberlippe 
und der an ihrem Basaltheil mit den Maxillen ver- 
schmolzenen Unterlippe besteht. Die Maxillenladen 
selbst 2-gliedrig, ihre Taster 2- bis 5-gliedrig, die 
Lippenlaster 3-gliedrig. Mandibeln aussen sitzend, 
winzig oder fehlend: Phryganidae. 

b. Mit Stechborsten. 

In diesem Fall besteht die eigentliche Röhre, in welcher 
die Stechborsten liegen^ hauptsächlich aus der Unterlippe (ent- 
weder aus ihren verwachsenen Laden oder ihren getrennt blei- 
benden Tastern) und es zeigt sich weiter darin ein Unter- 
schied, ob die Maxillen borstenförmig und mit in die Röhre 
aufgenommen sind, oder äusserlich liegen, und als schützende 
Aussenhülle dienen. 

of. Bildung der Röhre ähnlich wie bei den Phryganeen, 
aber die Mandibeln darin verborgen, borstenförmig. 
Maxillen und Mentum verwachsen, Lippentaster 2- oder 
1-glicdrig: Thysanoptera. 

ß. Die Saugröhre wird von den mit einander zu einer 
Halbrinne verwachsenen Laden der Unterlippe gebil- 
det, aufweiche sich die Oberlippe legt. Lippentaster 
fehlen. 



Einiges über die Mundlheile der saugenden Insecten. 245 

1. Auch die Maxillentaster fehlen: die von der Unter- 
lippe gebildete Halbrinne ist gegliedert (3-, 4- sel- 
ten 5-gliedrig), die Zahl der Stechborsten 4 oder 
scheinbar 3, indem die Maxillenborsten enger an ein- 
ander schliessen als die Mandibelborsten: Rhynchota. 

2. Maxillentaster vorhanden, 1- bis 5-gliedrig; Saug- 
röhre ungegliedert in zwei Polsterchen auslaufend. 
Die Zahl der Slcchborsten schwankt zwischen 1 und 
5 oder, wenn man die zuweilen sehr dünne und spitze 
Oberlippe mitrechnet, 6 : Hypopharynx, Maxillen und 
Mandibeln: Diplera ovipara. Von diesen Borsten fehlt 
nie der Hypopharynx, selten die Maxillen, häuGg die 
Mandibeln. So besitzen : 

nur 1 Stechborste (Hypopharynx) die Museiden. 

„2 „ (Hypopharynx und borstenför- 

mige Oberlippe) die Tipuliden. 

Die meisten von ihnen, freilich nur schwache (zuweilen 

mit Spuren von noch 2Sintenborslen), Ceratopogon aber und 

Simulia, ebenso wie dieConopiden und Stomoxyden stärkere, 

zum Stechen geeignete: 

3 Stechborsten (Hypopharynx und Maxillen): Asilus, 

Syrphus. 

4 „ (Hypopharynx, Maxillen , Oberlippe) : 

Xylophagus, Stratiomys, Empis, Leptis, 
Anthrax, Bombylius. 
6 5, Die Culiciden und Tabaniden (wenig- 

stens im weiblichen Geschlecht). 
y. Die Saugröhre entsteht durch das Aneinanderlegen 
der 4- oder 5-gliedrigen Lippentaster, zwischen wel- 
chen 3 Stechborsten (Hypopharynx und Mandibeln) und 
wird von aussen noch geschützt durch die schmal drei- 
seitigen verlängerten Maxillenladen mit ihrer 4- oder 
5-gliedrigen Tastern (früher für Antennen gehallen. 
Die Laden der Unterlippe sind ebenso wenig zur Aus- 
bildung gekommen, wie die Oberlippe : Pulicidac. 
J. Die eigenthümliche Saugröhre, nur 1 Slechborsle, 
den Hypopharynx enthaltend, wird von der Ober- und 
Unterlippe zusammengesetzt, aber noch seillich ge- 



246 Grube: 

schützt von den rinnenförmig ausgehöhlten, an ihrer 
Basis von einem fleischigen Ringwulst umgebenen Ma- 
xillenladen. Mandibeln, Maxillen- und Lippentaster 
fehlen: Diptera pupipara. 
£, Die Saugröhre ist vorstreckbar und gänzlich zurück- 
ziehbar, der Ringvi^ulst, aus dem sie hervortritt, aus- 
stülpbar, (wo er dann mit winzigen Häkeken oder 
schräg nach hinten gerichteten Erhabenheilen besetzt 
erscheint) und ebenfalls vollkommen einstülpbar. Die 
Saugröhre besteht aus 2 an einander liegenden Halb- 
rinnen (Mandibeln?), und enthält 2 gleichfalls anein- 
ander liegende Borsten (Maxillen), Taster fehlen : Pe- 
diculidae. 

Dorpat, den 20. Februar 1854. 



IVacliträg^c zu den MBemcrkiiiig^eii über die 
Phyllopodeu'' % 

^ Von 

Prof. K. Orulie. 



1. Auch in diesem Frühjahre (1853) hatte ich verge- 
bens darauf gehofft, Eierchen von Lymnetis brachyurus zu 
erhalten und das Ausschlüpfen der Jungen zu beobachten, 
doch erhielt ich jüngere Zustände als in dem verflossenen 
Jahre. Die ersten kamen mir am 3. Mai (21. April) zu Ge- 
sichte; ihre Länge betrug 0,011 Zoll oder 0,132 Lin., ihre 
Breite 0,0095 Zoll oder 0,1 14 Lin., das keinste Thierchen mass 
nur 0,0097 Zoll in der Länge. Alle zeigten dieselbe Form, 
den flachen Rückenschild, die Lippenplatte und die beiden 
Paare der Ruderorgane, welche die jüngsten Zustände der er- 
sten Beobachtung besassen, nur finde ich die seitlichen Kopf- 
stacheln stark nach hinten gekrümmt, mehr oder minder dem 
Schalenrande concentrisch, und an der Basis des Stirnkegels 
(etwa in der Breite des Auges) jederseits ein keulenförmiges 
unbewegliches Körperchen am Rande, welches die übrigen 
Spitzchen, mit denen er besetzt ist, an Grösse übertrilTi; und 
einigermassen an die später auftretenden untern Fühlerchen er- 
innert. Der Darm, dessen Wände sich stark bewegten, ent- 
hielt noch lauter Dotter und zwar von gelber Farbe. 

Bei einer Larve, welche eine Länge von 0,0127 Zoll 



1) Dieser Tfachtrag ist vom Juni 1853 dalirt, jedoch durch einen 
eigenthümlichen Zufall erst jetzt, Juni 1854, in meine Hände gekom- 
men. Yerf. hatte geglaubt, dieAenderungen könnten noch im Texte 
(vergl. den vorigen Jahrgang) angebracht werden, derselbe war je- 
doch schon damals im Drucke vollendet. Der Herausgeber. 



248 Grube: Nachträge zu d. Bemerk, üb. d. Phyllnpoden. 

oder 0,1524 Lin. erreicht halte, beobachtete ich eine Häu- 
tung — vielleicht ist es überhaupt die erste, die bei diesen 
Crustaceen vorkommt. Darnach halte das Thierchen genau 
die von mir abgebildete Form des frühesten im Jahr 1852 
beobachteten Zuslandes. Die Kopfstacheln waren ganz seit- 
lich fortgestreckt, die keulenförmigen Körperchen des Stirn- 
kegels nicht mehr vorhanden, die winzigen Stachelchcn des 
Rückenschildes mehr in Maschen geordnet, während sie vor- 
hin mehr in Längsreihen standen. Der Darm enlhielt auch 
jetzt noch Dotter, bald darauf aber sah ich in ihm schon von 
aussen her aufgenommene Nahrung; neben demselben lagen 
jederseils 4 bis 5 kleine runde farblose Zellen von 0,0004 Zoll 
mit einem excentrischen Kern, die sich mit ihm hin und her 
bewegten. Die von dem Afterdarm zur Leibeswand gehen- 
den Stränge sind sehr deutlich, die Afterhörnchen schienen 
mir stärker ausgeschnitten. Die Häutung beginnt am Kopf 
und geht bei den Ruderexlremiläten sehr langsam vor sich, 
so dass der ganze Act wohl einige Minuten dauert. 

2. Ueberall stall ßranchipus Josephinae ist zu lesen: 
Brauch ipus Josephinus. 

3. Den Fundorten von Esthcria cycladoides p. 153 ist 
hinzuzufügen : 

Schlesien bei Breslau in stehenden, während des Som- 
mers austrocknenden Gewässern (v. Siebold 2lcr Be- 
richt über die Arbeiten der enlomologischen Seclion 
der Schlesischen naturf. Gesellschaft 1850. p. 20.) 

4. Desgleichen unter Limnetis brachyurus p. 156: 
Polen bei Warschau (Waga Annales de la socicte 
entomologique de France Tom. VI. 1837. p. XI. nach 
Siebold's Angabe 2. Bericht über die Arbeiten der 
entomolog. Sect. der Schles. naturf. Gesellschaft 1850. 
p. 22.) 



Zur ifiähcrci K.eaBiitiilss clor !§ip8ioiioi>lioroii 

von IVszza« 

Von 

R u d* li e 11 c U a. r t , 

in Giessen. 

(Hierzu Taf. XI~XIII.). 



Als ich im Laufe des vergangenen Sommers meine Un- 
tersuchungen über den Organismus der Siphonopboren oder 
Schwimmpolypen, wie diese Thiere heuligen Tages häufig ge- 
nannt werden, namentlich über den Bau und die Entwicklung 
der einzelnen Anhänge, publicirle (zoologische Untersuchun- 
gen, erstes Heft), da war es meine Absicht, später eine aus- 
führliche zoologische Charakteristik der in Nizza von mir be- 
obachteten Arten folgen zu lassen. Die Publicationen von 
Kölliker (die Schwimmpolypen oder Siphonopboren von 
Messina), Gegenbaur (Beiträge zur nähern Kcnnfniss der 
Schwimmpolypen, aus der Zeitschr. für wiss. Zool. Bd. V. bes. 
abgedruckt) und Vogt (Rech, sur les anim. infer. de la Me- 
diterranee, lere mem. Sur les Siphonophores de la mer de 
Nice), die in rascher Folge nach meiner Abhandlung erschie- 
nen, haben mich dieser Arbeit, wenigstens in ihrer ursprüng- 
lich beabsichtigten Ausdehnung, enthoben. Fast alle die von 
mir beobachteten Arten finden sich in der einen oder andern 
dieser Abhandlungen beschrieben und abgebildet, so dass ich 
mich jetzt darauf beschränken kann, dieselben kurz zu cha- 
rakterisiren und an diese Charakteristik, je nach ßedürfniss, 
eine Reihe von mehr oder minder ausführlichen Bemerkun- 
gen anzuknüpfen. Ueberhaupl dürfte es wohl an der Zeit sein, 
die Beobachtungen über den Bau der Siphonophoren, die uns 
das letzte Jahr gebracht hat, mit einander zusammenzustellen, 



250 LeucRarl: 

die Verschiedenheiten^ die zwischen denselben obwalten, her- 
vorzuheben und wo möglich zu einer Ausgleichung zu brin- 
gen. Auch aus systematischen Gründen ist eine solche Zu- 
sammenstellung nothwendig; die Beobachtungen, um die es 
sich handelt, sind unabhängig von einander angestellt und fast 
gleichzeitig veröffentlicht, die einzelnen beobachteten Thier- 
formen, zum grossen Theile wenigstens, unter sehr verschie- 
denen Bezeichnungen aufgeführt. 



Dass die Siphonophoren als zusammengesetzte Thiere zu 
betrachten sind, die in den Hauptverhältnissen ihres Baues 
mit den sogenannten Hydroidpolypen übereinstimmen und sich 
zunächst und hauptsächlich nur durch eine mehr oder min- 
der freie Beweglichkeit (Besitz von Schwimmapparaten) von 
denselben unterscheiden , können wir gegenwärtig wohl als 
ausgemacht ansehen 0. Die Bezeichnung „Schwimmpo- 
lypen (polypi nechalei)" möchte desshalb strenggenommen, 
auch wohl bezeichnender sein /als der Eschscholtz'sche 
Namen„Röhrenquallen (Siphonophorae)," doch der letz- 



1) Wenn ich bei dieser Gelegenheit nochmals hervorhebe, dass 
ich wohl der Erste gewesen bin , der über die früher so sehr ver- 
kannten Siphonophoren diese Ansicht ausgesprochen hat , so ge- 
schieht das nur, um die Behauptung von Herrn Vogt zurückzuwei- 
sen, dass ich diese Ansicht von ihm entlehnt hätte (1. c. p. 129 : „Mr. 
Leuckart se saisit de cette idee, exprimee par moi — «). Früher be- 
schränkte sich die Behauptung des Herrn Vogt darauf, dass er sie 
von mir nicht entlehnt habe (Zeitschr. für wiss. Zool. III. S. 522), 
jetzt mit einem Male hat sich das Blatt gewendet. Herr Vogt beruft 
sich beide Male auf seine naturhistorischen Reisebilder „Ocean und 
Mittelmeer"; aber diese sind weder im Jahre 1847, wie es zuerst 
hiess, noch viel weniger 1846, wie jetzt angegeben wird, erschienen, 
sondern erst im März 1848, während meine ersten Untersuchungen über 
die Siphonophoren, in denen bereits das obige Resultat niedergelegt 
ist, in den Göttingischen Gelehrten Anzeigen 1847. S. 1917 zu le- 
sen sind. Im Grunde genommen ist es freilich gleichgültig, von wem 
ursprünglich eine Ansicht herrührt, wenn sie sich überhaupt nur be- 
stätigt ; lässt man sich aber einmal auf die historische Entwickelung 
irgend einer Anschauung ein, so soll man hübsch bei der Wahrheit 
bleiben und einem Jeden das Seine gönnen. 



Zur nähern Kenntniss der Siphonophoren von Nizza. 251 

tere hat jedenfalls das Recht der Priorität und dürfte auch wohl 
beibehalten werden müssen , da er der Nalur unserer Thiere 
keineswegs vollkommen widerspricht. Die Röhrenquallen oder 
Siphonophoren bilden mitsammt den Hydroiden und den ech- 
ten Scheibenquallen eine gemeinschaftliche Classe, die man 
mit Herrn Vogt als die Classe der Hydromedusae bezeichnen 
kann, wenn man es nicht vorzieht^ derselben die Cuvier'- 
sche Benennung Acalephae zu lassen, wie ich früher (zool. 
Unters. S.91.) vorgeschlagen hatte. Mit den Rippenquallen 
und echten Polypen (ohne Bryozoen) gehören diese Hydro- 
mediisen in eine gemeinschafiliche, sehr natürliche Abthei- 
lung, die ich schon vor längerer Zeit mit dem Namen „Coel- 
enterata^^ bezeichnet und von den Echinodermen abgetrennt 
habe *). 

Ueber die Organisation der Siphonophoren lässt 
sich im Allgemeinen etwa Folgendes bemerken. 

Die Schwim mapparate, die unsere Thiere so auf- 
fallend auszeichnen, sind zweierlei Art, Luftblasen, die als hy- 
drostatische Elemente wirken 2) ^ und Schwimmglocken, die 
bald zugleich mit den Luftblasen, bald aber auch allein ge- 
funden werden. Die ersteren sind in einfacher Anzahl be- 
ständig in das blind geschlossene obere Ende des Körperstam- 
mes eingelagert, bei den verschiedenen Arten aber von einem 
ausserordentlich wechselnden Umfang (und Werthe). Die 
Schwimmglocken stehen gleichfalls am obern Ende des Kör- 
perstammes zu einer mehr oder minder ansehnlichen Menge 
zusammengruppirt. Sie sind im Allgemeinen nach dem Typus 
des Medusenkörpers gebildet, d, h. sie bestehen aus einem ela- 
stischen Mantel von glockenförmiger, manchfach modificirter 
Gestalt, der im Innern von einer contractilen Muskellage 



1) Dass die Cuvier'sche Abtheilung der Radiata auch in dem 
raodificirten Sinne der späteren Zoologen nicht länger beibehalten 
werden könnte, dürfte jetzt wohl ziemlich allgemein anerkannt sein. 
Sars, Forbes, Milne Edwards, J. Müller, Huxley, V. Ca- 
rus u. A. haben sich bereits entschieden in diesem Sinne ausge- 
sprochen. 

2) Daher die Cuvier'sche Benennung „Acalephes hydrostatiques,« 
die freilich nicht für alle Siphonophoren passt , auch für die Diphyi, 
den von Cuvier nicht gebraucht wurde. 



252 Lcuckarl: 

(Schwimmsack) ausgekleidet ist ^). Auf der äussern Fläche 
des Schwimmsackes verläuft ein System von vierRadialgefäs- 
sen , die im Umkreis der Mantel-Ocffnung in ein Ringgefäss 
einmünden und auf dem Scheitel der Glocke zu einem unpaa- 
ren Centralstamme zusammenkommen, um sich von da durch 
den Stiel der Schwimmglocke hindurch mit der allgemeinen 
Körperhöhle zu vereinigen. Auch die übrigen Anhänge des 
Siphonopliorenkörpers enthalten ohne Ausnahme ein mehr oder 
minder complicirtes Gefässsystem, das mit der gemeinschaft- 
lichen Körperhöhle zusammenhängt. Diese letztere durchsetzt 
die ganze Länge des Körperslammes , der bald cylindrisch 
und gestreckt (aber nie verästelt) , bald auch in verschiede- 
nem Grade, mitunter selbst scheibenförmig, abgeplattet ist. 
Die MundöfTnungen lier Polypen sind die einzigen Stellen, an 
denen diese Körperhöhle mit der Aussenwelt zusammenhängt. 
Durch die Thätigkeit dieser Anhänge wird die Körperhöhle 
mit einer Ernährungsflüssigkeit gefüllt, die von da (zum Theii 
mit Hülfe von Flimmerhaaren) durch die eben erwähnten Ge- 
fässe in die übrigen Anhänge hinübertrilt. 

Die Bildung dieser Anhänge zeigt mancherlei Verschie- 
denheilen, die wir später zumTheil noch im Speciellen ken- 
nen lernen werden. Einstweilen wollen wir nur bemerken, 
dass die Polypen der Siphonophorenstöcke niemals (wie die 
der Hydroiden) mit Tentakeln im Umkreis der Mundöffnung 
versehen sind. Die Polypenleiber (Schluckmäuler oder Saug- 
röhren) sind einfache Cylinder, die aus drei hinter einander 
gelegenen Abschnitten zusammengesetzt werden, einem äus- 
serst conlraclilen Endslücke, dem Rüssel, der die mannichfach- 
slen Formen annehmen kann ~), einem bauchigen Millelslücke 
mit mehr oder minder slark entwickelten Leberstreifen, dem 
eigentlichen Magen, und einem hügligen ßasalstück mit dik- 
ken und zelligen Wandungen. Die Fan ga ppa rate erschei- 



1) Die Muskelfasern dieses Sackes .sind während des Lebens 
nur schwierig wahrzunehmen, werden aber durch Behandlung mit 
Reagentien (Spiritus u. s. w.) gewöhnlich sehr deutlich. Ich sehe 
sie jetzt bei meinen conservirten Exemplaren auch da , wo ich sie 
früher vermisste. 

2) Für die Muskelfasern dieser Anhänge gilt dasselbe, wie für 
die des Schwiramsackes. 



Zur nähern Kenntnis s der Siphonophoren von Nizza. 253 

nen besländig* als isolirte Anhänge ') und stehen in der Re- 
gel an der Wurzel der Polypenleiber , bald unmillclbar auf 
dem Stamm, bald auch zugleich mit den Polyprn auf einer meist 
kurzen und slielförmigen Aussackung des Stammes. In den mei- 
sten Fällen sind die Fangapparale der Siphonophoren einzelne 
lange und dünne Fäden mit zahlreichen und unverästeKen 
Seitenzweigen, seltner einfache Fäden oder kürzere Cylinder. 
In allen Fällen sind dieselben aber mit einer Unzahl grösse- 
rer und kleinerer Angelorgane (Nesselkapseln) besetzt, die 
namentlich in den Fangfäden mit Seitenzweigen eine sehr 
regelmässige und constantc Gruppirung einhalten und durch 
massenhafte Anhäufung dann die sog. Nesselknöpfe bilden, 
die wegen ihrer lebhaften (gelben^ rofhen) Pigmentirung ge- 
wöhnlich leicht auffallen. Die Gesch lechts anhä nge der 
Siphonophoren wiederholen im Allgemeinen, wie die Schwimm- 
glocken, die Form und Bildung der Medusen-). Sie beste- 
hen aus einem glockenarligen Mantel (mit Gefässen) und ei- 
nem mehr oder minder ansehnlichen Kerne, der die Ge- 
schlechtsstoffe (Samenkörperchen oder Eier) trägt und klöpfel- 
artig, wie der Mundstiel der Medusen, von dem Scheitel der 
Glocke herabhängt. Durch Verkümmerung des Mantels und 
der Gefässe wird die Medusenform dieser Anhänge allerdings 
mitunter verwischt, aber daneben giebt es auch Siphonophoren, 
in denen diese Anhänge vollkommene kleine Medusen (mit Mund- 
öffnung) darstellen, die sich dann schon frühe, wie bei der 
Aufammung an Hydroiden, loslösen und erst später, während 
des freien Lebens, geschlechtsreif werden. Auch die übrigen 



1) Ich kenne keinen einzigen Fall , in dem diese Gebilde an 
den Polypenleibern selbst anhingen. Herr Vogt behauptet allerdings 
(p. 47), dass die Fangfäden von Physophora zwischen Magen und Ba- 
salstück angebracht seien, man kann sich indessen leicht davon über- 
zeugen, dass das, v\as Herr Vogt als Magen beschreibt, in Wirklich- 
keit schon das Basalstück dieser Polypen darstellt. 

2) Auch Herr Vogt nennt jetzt ohne Weiteres, als ob sich das 
von selbst verstände, die Geschlechtsorgane der Siphonophoren „geni- 
mes medusiformes« — und doch hatte er noch vor kurzer Zeit (Zeit- 
schr. f. w. Zool. III. S. 524) ausdrücklich gegen mich behauptet : „diese 
Schwimrakapseln der Eier und Hoden gleichen den Schirniquallen 
nicht einmal in ihrer Gestalt, gar nicht im Bau" u. s. w. 



254 Leuckart: 

Geschlechtsanhäng-e trennen sich gewöhnlich von ihrer Bil- 
dungsstätte, aber erst nach der Reife der GeschlechlsstofFe. 
Ausser den bisher beschriebenen Anhängen, die bei kei- 
ner Siphonophore fehlen, giebt es noch einige andere, die 
ein beschränktes Vorkommen haben. Zu diesen gehören vor 
allen Dingen die sogenannte Deckstücke oder Deckblät- 
ter, die sich zum Schutze der übrigen Organe entwickelt 
haben und sich durch ihre Festigkeit auszeichnen. Die Be- 
wegungen dieser Anhänge sind auf den Stiel beschränkt; 
sie bestehen aus einem abwechselnden Heben und Senken, 
das durch die Contraction des Stieles vermittelt wird '). Die 
Form ist wechselnd und, wie die Form der Schwimmstücke, 
von grossem systematischen Werthe. Eine zweite Gruppe 
dieser inconstanlen Anhänge bilden die sog. Taster oder 
Fühler, cylindrische oder wurmförmige Gebilde, die sich durch 
ihre Formverhällnisse im Allgemeinen an die Polypcnleiber 
anschliessen und von den frühern Beobachtern gewöhnlich als 
Flüssigkeitsbehälter ^} bezeichnet wurden. Ueber die physio- 
logische Bedeutung dieser Apparate sind wir noch nicht voll- 
kommen im Reinen, doch scheint es wohl, dass die ausneh- 
mende Beweglichkeit derselben den Namen rechtfertigt, den 
man ihnen neuerdings gegeben hat. Ob das Tastgeschäfl 
freilich ihre einzige Aufgabe sei, stehet dahin. An der Wur- 
zel dieser Taster findet sich gewöhnlich auch noch ein ein- 
facher dünner Fangfaden ohne Seitenzweige und Nesselknöpfe, 
obgleich immer noch mit einer ganz erklecklichen Menge von 
Ckleinen) Angelorganen versehen, mit Gebilden, die aber auch 
— freilich meist nur in geringer Anzahl — auf den übrigen 
Anhängen des Siphonophorenkörpers, besonders am äusser- 
sten Ende derselben, beobachtet werden. Wo solche acces- 
sorische Fangfäden vorkommen, da mögen die Taster auch 
wohl dazu dienen, gelegentlich ihren Inhalt in den Fang- 
faden hinüber zu treiben und diesen dadurch zur Entfaltung 
zu bringen. 

1) Ich habe solche Bewegungen bei allen Siphonophoren mit 
Deckstücken, wenigstens bei allen Physophoriden , wahrgenommen 
und glaube nicht, dass sie irgend wo fehlen. 

2) Herr Vogt hielt dieselben bis auf die neueste Zeit für junge 
und unvollständig entwickelte Polypenleiber. 



Zur nähern Kenntniss der Siphonophoren von Nizza. 255 

Das Körperparenchym der Siphonophoren ist von 
derselben wasserreichen und durchsichtigen Beschaffenheit wie 
das der Medusen und Rippenquallen^, d.h. es hat ungefähr die 
specifische Schwere des Wassers , so dass also ein verhält- 
nissmässig geringer Impuls für die Bewegung ausreicht i). Nur 
einzelne wenige Anhänge (Schwimmglocken, Deckstücke) ha- 
ben aus Gründen, die mit ihrer functionellen Bestimmung zu- 
sammenhängen, eine derbere, pergament- oder lederarlige 
Beschaffenheit. Das sog. Skelet oder die Schale, die man bei 
einigen Siphonophoren ohne Schwimmglocken antrifft, ist die 
Wand des Luflsackes, die in solchen Fällen mitunter eine 
grosse Festigkeit besitzt. 

Mit der Natur dieses Körperparenchymes hängt es zu- 
sammen, dass die Siphonophoren in einem so ganz ausseror- 
dentlich hohen Grade die Fähigkeit der Contraction besitzen. 
Eine ellenlange Colonie mit vielen Tausenden von Anhängen, 
die auch in dem grossesten Poeale keinen Raum zum Entfallen 
ihres Körpers findet, kann sich beim Berühren fast bis auf 
Faustgrösse zusammenziehen. In viellen Fällen wird die Con- 
tractionsfähigkeit dieser Thiere noch dadurch erhöhet, dass die 
langen und fadenförmigen Theile des Körpers (Fangfäden, 
Körperstamm) durch eine eigene Einrichtung (förmliche Glie- 
derung) befähigt sind, sich in zickzackförmiger Biegung oder 
spiraliger Windung mit ihren einzelnen Theilen dicht aufein- 
ander zu legen. 

So Vieles über die Organisation der Siphonophoren im 
Allgemeinen. Es enthält die Resultate der Untersuchungen, die 
in den Eingangs genannten neueren Werken enthalten sind. 

Was nun die Systematik unserer Thiere betrifft, 
so lassen sich die mit leidlicher Sicherheit bis jetzt bekannt 
gewordenen Arten in fünf Familien vertheilen , in die der 
Velelliden , Physaliden , Rhizophysiden , Physophoriden und 
eine fünfte mit den Diphyiden und einigen verwandten For- 
men (Hippopodius und Vogtia), für die ich hier den Namen 



1) Dieselbe Beziehung zur Ortsbewegung erkennen wir auch 
in der Form der ganzen Colonie, der Zusammenhäufung der Loco- 
motiven, der Anordnung der Fangfäden u. s. w. Yergl. R. Leuckart, 
über den Polymorphismus, S. 14. 



256 Leuckart: 

Calycophoriden vorschlagen möchte ^). Aus Nizza kennen 
wir bis jetzt nur Repräsentanten von dreien dieser Familien; 
Rhizophysiden sind daselbst bis jetzt noch ebenso wenig- auf- 
gefunden ^) , als Physaliden, obgleich auch diese im Mittel- 
meere — Gegenbau r beobachtete (freilich nur ein ein- 
ziges Mal) die Physalia Caravella in Messina ^ einheimisch 
zu sein scheinen. 

A. Calycoplioridae Lt. 

Die Familie der Calycophoriden enthält Siphonophoren 
mit cylindrischcm Stamme und einigen wenigen, meist nur 
zweien, Schwimmglocken, die alternirend am obern blindge- 
schlossenen Ende des Siphonophorenstammes angebracht sind 
und niemals durch einen Luftsack in ihrer Action unterstützt 
werden^). Die übrigen Anhängo sind gruppenweise in ziem- 
lich gleichmässigen Absländen am Stamme verthcilt und nur 
am obern Ende, unter den Schwimmglocken, wo sie hervor- 
knospen, in einer continuirlichen, dichten Reihe hinter einan- 
der angebracht. Taster fehlen ; die Anhänge bestehen — ab- 
gesehen von den Schvvimmglocken — aus Polypenleibern 
mit Fangfäden und Geschlechtsknospen^ die dicht neben ein- 
ander befestigt sind und gewöhnlich auch noch von einem 
schirm- oder Irichlerförmifren Deckblatte umhüllt werden. Nur 
bei einigen wenigen Formen mit retraclilem Stamme fehlen 
diese Deckschilde, die, wenn sie vorhanden sind;, beständig 
einen Gefässapparat mit mehr oder minder symmetrisch ent- 
wickelten Seitenzweigen einschliessen. Die Polypen bleiben 
klein — wie denn überhaupt die betreffenden Thiere die klein- 

1) Von y.dXv^, Becher (für Schwimmgloclce) und (fiQSir, tra- 
ten — um anzudeuten, dass die Bewegungsorgane dieser Gruppe aus- 
schliesslich auf die Schwimmglocken beschränkt sind. (Früher hatte 
ich für die Bezeichnung dieser Gruppe den Kamen Diphyiden ge- 
braucht, doch dieser passt zunächst nur für die Calycophoriden mit 
zwei Schwimmglocken). 

2) Die Rhizophysa filiformis, die nach Bis so (hist. nat. de 
l'Eur. meridion. T. Y. p. 303) um Nizza vorkommt , ist unsere Galeo- 
laria filiformis. 

3) Auch nicht bei Hippopodius , dem Herr Vogt noch immer 
eine Luftblase, wenn auch gegenwärtig (p. 97) — wie früher den 
Diphyiden ohne Ausnahme — eine „inconstante« zuschreibt. 



Zur nähern Kennlniss der Siphonophoren von Nizza. 257 

stenSiphonophorenformen darstellen — und meistens nur mit 
wenig- entwickelten Leberstreifen versehen. Die Seitenzweige 
der Fangfäden tragen nackte Nesselknöpfe von unbedeutender 
Grösse und nierenförmiger Bildung, die an der Basis der Fä- 
den in einfacher Reihe, aber grosser Menge hinter einander 
hervorknospen und Angelorgane von ziemlich übereinstimmen- 
der stäbchenförmiger Gestalt einschliessen. Die Geschlechts- 
anhänge sind für Samen und Eier ganz gleichmässig gebaut, 
mit vollständigem, meist mit abstehendem Mantel und regel- 
mässigem Gefässapparat. Der Stempel, der die Geschlechts- 
stoffe trägt, enthält eine weite Höhle, die in der Kuppel des 
Mantels mit den Radialgefässen zusammenhängt. Sie stehen 
einzeln oder doch nur in geringer Menge an der Basis der 
Polypen und sind mit ihren verschiedenen Geschlechtern auf 
verschiedene Anhangsgruppen, häufig auch auf verschiedene 
Stämme vertheilt. 

Bei der Entwicklung aus der flimmernden Larve oder 
Amme entsteht zuerst (nach den schönen Beobachtungen von 
G e g e n b a u r , S. 48. ff., an Diphyes) die Schwimmglocke, der 
dann später die ernährenden Polypenleiber und andern An- 
hänge nachfolgen. 

a. Mit zwei Schwimm gl ocken und Deckstücken 
(Diphyidae). 

a. Beide Schwimmglocken pyramidal und in merklich 
verschiedener Höhe über einander angebracht, nichts desto 
weniger aber in einer Weise entwickelt, dass ihre Längsdurch- 
messer mit dem Körperstamm parallel sind und ihre Oeffnun- 
gen nach derselben Seile hinsehen. Das Stielgefäss des vor- 
dem — in manchen Fällen auch das des hintern — Schwimm- 
sackes tritt (in verschiedener Höhe) seitlich an denselben hinan, 
nicht an die Kuppel, wie sonst gewöhnlich. Ausserdem ent- 
hält die vordere Schwimmglocke meist noch einen eigenen 
geräumigen Flüssigkeitsbehäller, der an der innern, dem Kör- 
perstamme zugekehrten Seite in den Mantel eingelagert ist 
und mit dem obcrn Ende des Stammes zusammenhängt '). 



1) Die Innenfläclie dieses Saftbehälters trägt eine dicke Lage 
grosser heller Zellen und einen Fliinmerbcsatz. Das obere Ende des- 
Archjv f. Naturgesch. XX. Jahrg. 1. Bd. 17 



258 Leuckarl: 

Gen. Abyia Eschsch. (Abyla Q. et G. Calpe Q. et G.). 

Der vordere Schwimmsack ist besträchllich kleiner, als 
der hintere und mitsammt einem stark verkürzten Saflbehäller 
in einen dicken seillich abgeflachten Mantel (Saugröhrenstück) 
eingeschlossen. Die innere^ d. h, dem Stamm zugekehrte, Wand 
dieses Mantels verlängert sich nach unten in einen hohlen Fort- 
salz, der zur Aufnahme des vordem Stammendes und der 
stielförmig verlängerten Kuppel der hintern Schwimmglocke 
(Schwimmstück) bestimmt ist. An der Innenfläche der letz- 
tern eine Längsleiste, die klappenarlig über eine Rinne hin- 
läuft und dadurch einen Kanal zur Aufnahme und zum Durch- 
lass des retraclilen Körperstammes bildet. Die Deckstücke 
entstehen erst in der hinlern Hälfte des Stammes, nachdem 
die Polypen schon längst ihre vollkommene Gestalt erreicht 
haben ') und bilden im entwickelten Zustande eine flächenhaft 



selben enthält in der Regel einen grossen Fetttropfen (mitunter auch 
mehrere kleinere), die von den frühern Beobachtern, auch noch von 
Herrn Vogt und, freilich weniger bestimmt, von Kölliker — mit 
Unrecht, wie man noch an Spiritusexemplaren und hier noch ent- 
schiedener, als während des Lebens, sehen kann — für ein Luftbläs- 
chen gehalten wurde. Die functionelle Bedeutung dieses Apparates 
ist noch nicht gehörig festgestellt, möchte aber wohl vorzugsweise 
die eines Wahrungsreservoires sein. Damitist jedoch nicht gesagt, dass 
sich die Bedeutung desselben auschliesslich hierauf beschränkt. Der 
Saftbehälter der Diphyiden wird gewiss auch für die Ernährung des 
Mantels nicht ganz werthlos sein (trotz seiner Weite und der davon 
abhängenden geringen Ausdehnung der Contactfläche), vielleicht auch, 
nach Art der Mark- und Lufthöhlen im Knochensysteme, als ein Mit- 
tel zur Verringerung des Gewichtes in Betracht kommen. Dass dieser 
Saftbehälter weder als das obere Ende des Körperstammes aufzufas- 
sen sei, noch auch morphologisch mit den übrigen Saftgefässen im 
Mantel der Schwimmglocken zusammengehöre, habe ich früher schon 
behauptet, und ist neuerlich durch die schönen Beobachtungen von G e- 
genbaur über die Entwickelung der Diphyiden (a. a. 0. S. 53) 
noch wahrscheinlicher geworden. In genetischer Beziehung soll der 
Saflbehälter der Diphyiden mit seinem grosszelligen Inhalte den Rest 
des ursprünglichen Larvenleibes darstellen. 

1) Daher ist es denn auch erklärlich, dass diese Deckstücke von 
den frühern Beobachtern, noch von Kölliker, übersehen werden 
Konnten. 



Zur nähern Kennlniss der Siphonophoren von Nizza. 259 

begrenzte Umhüllung der einzelnen Anhangsgruppen. Die letz- 
ten und reifsten dieser Gruppen lösen sich aus dem frühe- 
ren Verbände und führen dann als sogenannte Eudoxien ein 
freies und selbstständiges Leben '). 

Abyla pentagona (Quoy et Gaim.) Eschsch. 

Das hintere Schwimmstück mit fünf vorspringenden Fir- 



1) Eschscholtz, der die Eudoxien für eigene „monogastrische 
Diphyidenformen« hielt, betrachtete das Deckstück dieser frei leben- 
den Anhangsgruppen als „Saugröhrenstück" und das medusenförmige 
Geschlechtsorgan als „Schwimmstück." Das Höhlensystem des Deck- 
stückes wurde dabei als „Saftbehälter" gedeutet, und in derThat hat 
dasselbe auch histologisch mit dem Saftbehälter der vordem Schwimm- 
glocke eine auffallende Aehnlichkeit , aus der wir freilich wohl nur 
auf eine Gleichheit der physiologischen Bedeutung zurückschliessen 
dürfen. Ein zweiter kleinerer Geschlechtsanhang, der häufig (mit- 
unter auch, nach meinen Beobachtungen, zugleich mit einem unent- 
wickelten dritten) neben dem ausgebildeten Schwimmstück beob- 
achtet wird, wurde von Eschscholtz als „ Schvvimmhöhle des 
Saugröhrenstückes" gedeutet und zum Charakter eines besondern Ge- 
nus Ersaea gemacht, Eudoxien mit flächenhaft begrenztem Mantel 
hat Eschscholtz übrigens nicht beobachtet. Sie wurden von Quoy 
und Gaimard (Isis XXI. S. 335.) als Cuboides , Enneagonum und 
Cymba beschrieben, als Thiere, die Eschscholtz irrthümlicher Weise 
den polygastrischen Diphyiden zuzählte. Die Eudoxien und Ersaeen 
von Eschscholtz sind, wie die Lesson'schen Genera Cucubalus, 
Cucullus u. a. , ohne Ausnahme mit einem glockenförmigen 3Iantel 
(Deckstück) versehen und wahrscheinlich die Abkömmlinge gewisser 
Diphyesarten. Man vergl. hierüber namentlich Leuckart a. a. 0. 
S. 41 ff. und Gegenbaur S. 3ff. Auch Herr Vogt hat die abge- 
lösten Einzelgruppen von Abyla als Eudoxien erkannt und die Ver- 
muthung ausgesprochen, dass alle monogastrischen Diphyiden eines ähn- 
lichen Ursprungs seien (p. 126). Indessen scheint es, als wenn der- 
selbe über die Eudoxien und die verwandten Formen eine nur sehr 
unklare Vorstellung hatte. TNicht bloss dass er das Eschscholtz'sche 
Genus Aglaisma mit den Eudoxien zusammenstellt, obgleich es sich 
nach Form und Ursprung sehr auffallend von denselben unterscheidet 
(vergl. Leuckart a. a. 0. S. 50.) — er beschreibt auch die um 
Kizza vorkommenden Eudoxien mit glockenförmigem Mantel (Eudoxia 
campanula Lt.) als junge und unentwickelte Colonien einer später 
noch näher zu berücksichtigenden Diphyidenform, der Galeolaria fili- 
formis (Suculceolaria 4-valvis}. 



260 Leuckart: 

slen und Spitzen; die Eiidoxien von würfelförmiger Gestalt, 
mit einem Schirmfortsatze, wie eine Uhlanenmütze. 

Die einzige genauer bekannte Art, über die ich hier 
namentlich auf die Beobachtungen von Kölliker (a. a. 0. 
S. 40.) und mir (a. a. 0. S. 56. Tab. III. Fig. 1—9.) ver- 
weisen kann. Herr Vogt hat wahrscheinlich dieselbe Art 
zur Untersuchung gehabt, obgleich er sie (p. 120) als Abyla 
trigona beschreibt und abbildet. Freilich erwähnt er an der 
hintern Schwimmglocke nur drei Längsleisten und Zahnfort- 
sätze (statt fünf, unter denen sich allerdings drei durch ihre 
Grösse besonders auszeichnen), freilich giebt er auch von 
den Eudoxiengruppen seiner Form eine Darstellung (nament- 
lich Tab. XX. Fig. 7), die für Abyla pentagona sehr unge- 
nau sein würde, allein nichts desto weniger glaube ich 
doch die Identität unserer Arten behaupten zu dürfen. Ein- 
mal zeigt die Abyla trigona des Herrn Vogt mit unserer 
Ab. pentagona — abgesehen von den eben hervorgehobenen 
Verhältnissen — eine sehr verdächtige Uebereinstimmung, 
namentlich auch in der Bildung der vordem Schwimmglocke, 
die doch nach der Beschreibung von Quoy und Gaimard 
mancherlei abweichende Charaktere darbieten müsste. So- 
dann ist die Abyla pentagona in den ruhigen Buchten von 
Nizza und Villa franca so häufig, dass sie Herrn Vogt, der 
ja fast zwei Jahre in Nizza zubrachte, wohl schwerlich un- 
bekannt bleiben konnte, selbst wenn man annehmen wollte (wie 
es Herr Vogt nach seiner Bemerkung auf p. 164 ') von mir 



1) An die Freundlichkeiten des Herrn Vogt gewöhnt, hat mich 
auch das Urtheil, welches derselbe an dieser Stelle über meine oben 
angeführten „zoologischen Untersuchungen" ausgesprochen hat, nicht 
im Geringsten überraschen können. Ich bedaure nur, dass er dasselbe 
nicht weiter begründet hat, als durch das Gewicht seiner Persönlich- 
keit , das in diesem Falle vielleicht nicht vollkommen ausreichen 
dürfte, wenigstens nicht für Solche, die da wissen , dass ich fast auf 
jeder Seite meiner Untersuchungen Gelegenheit fand, den Angaben 
und Beobachtungen meines Vorgängers entgegen zu treten. Das Urtheil 
des Herrn Vogt ist freilich äusserst hart; es lautet dahin, dass ich 
schlecht beobachtet und fast nur bekannte Sachen breit getreten 
hätte — bevor es indessen nicht im Speciellen begründet wird, 
werde ich es meinerseits eben so wenig der Beachtung für werth 



Zur nähern Kenntniss der Siphonophoren von Nizza. 261 

ZU vennulhen scheint) , dass er sich das Material für seine 
ünlersuchungen ganz einfach von einem Fischer habe auf 
das Zimmer bringen lassen. Auf der anderen Seite kann 
ich aber versichern, dass ich, trotz einiger vierzig Excursionen 
um Nizza, von Ab. trigona auch niemals eine Spur gefun- 
den habe. 

Ich verzichte darauf, hier eine vollständige Beschreibung 
unserer Abyla zu geben , ich wurde sonst nur wiederholen 
müssen, was ich an dem oben erwähnten Orte bereits mitge- 
theilt habe. Aber unterlassen kann ich es nicht, auf einige 
Controverspuncte und Differenzen in den Angaben unserer 
Beobachter hier näher einzugehen. Meine erste Bemerkunof 

O CS 

betrifft den Gefässapparat der Schwimmsäcke, namentlich den 
des vordem. Dass dieser Schwimmsack mit zweien schlin- 
genförmig verlaufenden Seitengefässen versehen sei , die in 
ein Ringgefäss einmünden, darüber sind alle Beobachter ei- 
nig, aber in anderer Beziehung weichen die Angaben aus- 
einander. Herr Vogt behauptet, dass diese Seitengefässe 
ungefähr in der Mitte ihres Verlaufes einen nach vorn auf- 
steigenden Zweig abgeben, der mit dem entsprechenden Zweige 
der andern Seite sich vereinigte, während K Olli k er ausser 
den beiden Seitengefässen noch zwei andere Gefässe be- 
schreibt, die geraden Weges von ihrem Ursprünge aus dem 
Stielgefässe nach unten zum Ringgefässe hinabliefen. Nach 
meiner eignen Darstellung finden sich gleichfalls vier Radial- 
gefässe, wie es Kölliker angiebt , aber ausser den beiden 
Seitenstämmen noch zwei mediane, die in der Mitte zwischen 
diesen bis zum Ringgefässe hinlaufen, und zwar der eine ge- 
raden Weges nach hinten, der andere aber bogenförmig über 
die Kuppel des Schwimmsackes hinüber, wie es auch bei den 
von Gegenbaur beobachteten Arten des Gen. Diphyes der 



halten, als die Aeusserungen anderer unberufener Personen, die kei- 
nen Anstand nehmen über den „Werth des innern Gehaltes« bei einem 
Werke abzuurtheilen, dessen Gegenstand ihnen notorischer Weise voll- 
kommen unbekannt ist. Meine Leser aber hoffe ich jedenfalls davon 
zu überzeugen, dass Herr Vogt von Allen am wenigsten berech- 
tigt war, als ein so sehr gestrenger Herr über meine Arbeiten zu 
GerlcU; ^u sitseii. 



262 LeucUarl; 

Fall ist. Die Gefässe der hintern Schwimmglockc, die von 
Herrn Vogt nicht erwähnt werden, konnte ich mit aller 
Bestimmtheit bis zum Ringgefässe verfolgen. 

Ausser den beiden ausgebildeten Schwimmglocken fin- 
det sich übrigens bei Abyla — und Gleiches gilt für Diphyes 
— ganz constant auch noch eine dritte unausgebildete , die 
am vordem Ende des Stammes aufsitzt und offenbar zum 
Ersatz der nicht selten verloren gehenden hintern Schwimm- 
glocke bestimmt ist. KöUiker hat diese Ersatzglocke 
gleichfalls gesehen (es ist die von demselben S. 44. beschrie- 
bene birnförmige Knospe), ihre wahre Bedeutung aber nicht 
erkannt. Ich fand sie in der Regel auf dem von mir Tab. XI. 
Fig. 1. abgebildeten Stadium, wo man bereits die spätem 
Canäle — auch das Ringgefäss — und die Schwimmhöhle im 
Innern erkennen kann, wo aber letztere noch nicht nach 
Aussen geöffnet ist. In einigen seltenen Fällen habe ich 
auch vor dieser Knospe noch eine zweite Ersatzglocke in 
Form eines einfachen Beutelchens mit einem Divertikel im 
Innern unterscheiden können. 

Den vonKölliker erwähnten rothen Pigmentfleck, der 
sich am Vorderende des Abylastammes finden soll, habe ich 
nicht gesehen. Möglich, dass derselbe eine inconstante Bil- 
dung ist. 

Was die Fangfäden unserer Abyla betrifft, so giebt Kol- 
li k er (S. 45) an, dass er je an der Basis eines einzigen 
Polypen deren zwei gefunden habe. Wenn ich die Richtig- 
keit dieser Angabe in Zweifel ziehe, so berufe ich mich da- 
bei zunächst und vorzugsweise auf meine Untersuchungen 
über die Entwickelungsgeschichte der einzelnen Anhänge, die 



1) Bei einem solchen Verluste wird sehr häufig auch der kurze 
Stamm bis auf den obern geschützten Anfangstheil eingebüsst. Ich habe 
(Z. U. S. 50.) nachgewiesen, dass das von Eschsch ol tz aufgestellte 
Genus Aglaisma, eine sogenannte monogastrische Diphyide, nach der- 
artigen verstümmelten Colonien aufgestellt wurde. Dass die Aglais- 
maformen mit der normalen und regelmässigen Entwickelung unserer 
Abylaarten Wichts zu thun haben, geht auch aus der Beobachtung von 
Gegenbaur hervor, dass sich bei den Diphyiden die hintere Schwimm- 
glocke früher am Larvenkörper entwickelt als die vordere, die bei 
den Aglaismaartea beständig vorhanden ist. 



Zur nähern Kenntnis^ der Siphonophoren von Nizza. 263 

man am vordem Ende des Stammes beständig an einem rei- 
chen Maleriale sludiren kann. Nicht, dass ich die Unter- 
suchung- der Fangfäden an den entwickelten Polypen unter- 
lassen hätte; aber diese ist bei der ausserordentlich grossen 
Contractilität der Fäden und der zahlreichen Menge entwik- 
kelter und unentwickelter Nesselknöpfe zu trügerisch, als dass 
sie zu irgend einem bestimmten und unbestreitbaren Resul- 
tate hinführen könnte. An der Basis der Polypenknospen 
sieht man aber mit aller Entschiedenheit die Bildung des 
Fangfadens und der Nesselknöpfe ganz in derselben Weise 
vor sich gehen , wie ich sie früher (a. a. 0. S. 24) im All- 
gemeinen für die Siphonophoren beschrieben und für Praya 
abgebildet habe. Der Fangfaden ist Anfangs, während der 
Polyp noch ein geschlossenes und einfaches Bläschen dar- 
stellt — die Entwickelung der Polypen geschieht bei Abyla 
gleichfalls in ganz derselbe Weise, wie bei Praya u. s.w. — 
eine kurze Aussackung (Tab. XI. Fig. 2.), die allmählich in 
einen hornförmig gekrümmten Cylinder auswächst und dann 
die einzelnen Nesselknöpfe in einfacher Reihe dicht hinter 
einander auf der convexen Fläche hervorknospen lässt (ibid. 
Fig. 3). Niemals sah ich bei einem Polypen mehr als ein 
einziges solches Hörnchen. Wenn die Angabe von Kölli- 
k er richtig wäre, dann müsste der zweite Fangfaden erst 
in einer spätem Zeit gebildet sein, aber auch von solcher 
spätem Bildung habe ich niemals, weder bei Abyla, noch bei 
einer andern Siphonophore, eine Andeutung gefunden. Nach 
der Beschreibung von Gegenbaur sollen die Fangfäden 
auch bei den übrigen Diphyiden in mehrfacher Anzahl neben 
der Basis der Polypen befestigt sein. Sie sollen z. B. bei 
Praya (8.23) ein ganzes Büschel bilden, das aus einigen, 
zwei bis vier, entwickelten Fangfäden und zahlreichen blind- 
darmartigen Sprossen zusammengesetzt werde , die (wie an 
einer andern Stelle bemerkt wird) dazu bestimmt seien , die 
erstem im Falle eines Verlustes zu ersetzen. Diese „blind- 
dannarligen Sprossen^^ sind mir sehr wohl bekannt (Tab. XI. 
Fig. 4. auch Fig. 16 von Galeolaria) — so gut, dass ich sie 
mit aller Bestimmtheit nicht als Ersatzfangfäden, sondern als 
Ersatznesselknöpfe, die das ganze Leben hindurch beständig 
neu gebildet werden, in Anspruch nehmen kann. In densel- 



264 Leuckart; 

ben Irrthum ist auch Kölliker bei Stephanomia und andern 
Physophoriden gefallen. Man braucht nur die jungen Ersatz- 
fangfaden, wie sie von letztenn auf Tab. XIL Fig. 8. und 9. 
(von Forskalia) abgebildet sind, mit den Abbildungen zu ver- 
gleichen, die ich (Z. U. Tab. I. Fig. 25.) oder auch Herr 
Vogt (Tab. VIII. Fig. 6} von der Entwickelung der Nessel- 
knöpfe (bei Agalma rubra) gegeben haben, um die vollstän- 
dige Uebereinstimmung der betreffenden Anhänge augenblick- 
lich zu erkennen. 

Ich wiederhole nochmals , dass ich niemals, weder bei 
Abyla, noch bei irgend einer andern Siphonophore mehr als 
einen einzigen Fangfaden für je einen Polypen habe beobach- 
ten können^). Ein Verlust dieses Fangfadens, wie ihn Ge- 
gen bau r anzunehmen scheint, findet wohl schwerlich je- 
mals statt. Allerdings gehen die Nesselknöpfe bei dem Ge- 
brauche fortwährend verloren (sie können nur beim Zerreis- 
sen ihre Wirksamkeit entfalten), aber dafür findet sich auch 
an der Wurzel der Fäden ein beständiger Nachschub solcher 
Fangapparate. Beständig, wie bei der ersten Bildung, knos- 
pen hier Anhänge hervor, die Anfangs, wie ich es früher 
beschrieben habe 2) und auch bei Abyla vorfand, einfache 
Bläschen sind, sodann blinddarmartig in die Länge wachsen 
und dabei durch eine ringförmige Einschnürung in zwei Ab- 
schnitte zerfallen (Fig. 5). Der vordere Abschnitt wird zum 
eigentlichen Nesselstrang, der hinlere, der in eigenthüinlicher 
Weise durch Entwickelung einer immer tiefer greifenden 
Spiralfurche sich in einen zusammengewundenen dünnen An- 
hang auflöst, der Endfaden des Nesselorganes. Der Stiel ent- 
steht erst später, indem sich die Anheltungsstelle des Nessel- 
stranges auszieht. 

Die Angelzellen in den Nesselknöpfen der Diphyiden 
(und Gleiches gilt auch für die meisten andern Siphonopho- 
ren mit Nesselknöpfen) zeigen bekanntlich eine dreifache Form 
und Grösse. Die einen und zwar die kleinsten sind auf den 



1) Auch Herr Vogt beschreibt überall bei den Siphonophoren nur 
einen einzigen Fangfaden mit Nesselknöpfen und Kesselknopfknospen. 
2) Ganz ähnlich ist die Beschreibung der knospenden Nessel- 
knöpfe (Praya) bei Herrn Vogt p. 104. 



Zur nähern KenntnisB der Siphonophoren von Nizza. 265 

Endfaden beschränkt, wo sie, wenn der Faden gestreckt ist, 
eine Doppelreihe zusammensetzen, während die beiden andern 
Formen in dem sogenannten Nesselstrange neben einander 
vorkommen und hier eine eben so auffallende wie constanle 
Gruppirung einhalten (Fig. 6). Der grösste Theil dieser An- 
gelzellen steht senkrecht auf der Längsachse des Nesselslran- 
ges, aber nur in der einen Seitenhälfle des Stranges, so dass 
Batterie, die durch die Zusammenhäufung dieser Waffen ge- 
bildet ist, gewissermaassen als eine excentrische Verdickung 
erscheint. 

Bei unserer Abyla besteht eine solche Batterie aus etwa 
80 — 90 Columnen, von denen eine jede wiederum aus acht 
an einander gereihcten Nesselzellen gebildet ist. Das äus- 
sere Ende dieser Zellen, die im Allgemeinen eine stäbchen- 
förmige Gestalt haben, ist abgestumpft und ragt durch die 
ziemlich feste, aber vielfach durchlöcherte Oberhaut nach 
aussen hervor. Es ist dasselbe Ende, aus dem späterhin, 
wie es scheint, durch Aufspringen der festen Kapselhaut, 
der eingeschlossene Angelfaden hervortritt. Das andere nach 
der Längsachse des Nesselstranges zugewandte Ende unserer 
Zellen verjüngt sich allmählich und zeigt eine leichte säbel- 
förmige Krümmung, die namentlich in den äussersten Reihen 
der Batterie ganz unverkrennbar ist. Zu den Seiten dieser 
die Batterie entdeckt man die dritte Form der Nesselzellen, 
lange und gerade Stäbchen von spindelförmiger Gestalt, die mit 
der Längsachse des Stranges parallel liegen. 

In den hellen Wänden des Kanales, der sich hinter der 
Angelzellenbatterie durch den Nesselstrang hinzieht und auch 
den Endfaden durchsetzt , findet sich ein ejgenthümliches 
band- oder fadenarliges Gebilde, das ich bereits in meiner frü- 
heren Abhandlung erwähnt und mit dem Namen des Angel- 
bandes bezeichnet habe cZ. U. S. 20). Den übrigen Beob- 
achtern ist das Vorkommen dieses Gebildes unter den Di- 
phyiden nur bei Praya (vergl. Kolli ker S. 35, Vogt p. 103) 
bekannt geworden, obgleich es wahrscheinlicher Weise kei- 
nem Thiere dieser Gruppe abgeht und, wie ich glaube, für den 
Gebrauch der Nesselknöpfe von grossester Bedeutung ist. Die 
Entwickelung dieses Bandes, das ich — wenn auch in Stärke, 
Anordnung und Structur inanchfach modificirt — ■ bei Abyla, 



266 Leuckartt 

Dipliyes, Galeolaria, Pi aya und Hippopodlus aufg-efunden habe, 
richtet sich im Allgemeinen nach der Grösse des Nesselkno- 
pfes. Unter den von mir untersuchten Diphyiden ist es ohne 
Frage bei Abyla, die auch die grossesten Nesselknöpfe hat, 
am meisten, bei Praya und Hippopodius (mit den kleinsten 
Nesselknöpfen) am wenigsten ausgebildet. 

Als ich meine Abhandlung über den Bau der Siphono- 
phoren publicirte — es geschah dies aus mancherlei Gründen 
unmittelbar nach meiner Rückkehr aus Italien, zu einer Zeit, 
in der meine Vorräihe noch nicht bei mir eingetroffen wa- 
ren, in der ich also auch noch keine Gelegenheit gefunden 
hatte, die Resultate meiner frühern Beobachtungen , so weit 
das überhaupt an Exemplaren in Spiritus oder Liqueur con- 
servatoire angeht, zu prüfen — hatte ich über dieses Gebilde 
eine nur ungenügende Kenntniss. Durch meine spätem Un- 
tersuchungen habe ich demselben indessen einige neue und, 
wie mir dünkt, richtigere Gesichtspunkte abgewonnen. Zu- 
nächst bin ich zu der Ueberzeugung gelangt, dass dieses 
Angelband wirklich, wofür es auch Kölliker, zum Theil 
auch Herr Vogt erkannt hatte, von muskulöser Beschaffen- 
heit ist. Es stellt bei unseren Diphyiden einen einfachen, 
aber ansehnlich starken und scharf contourirten Muskelfaden 
dar, der zickzacklormig gefaltet ist und an der hintern Fläche 
des Nesselknopfkanales liegt, zum Theil auch seitlich densel- 
ben überdeckt (Fig. 6. a) und dann fast spiralig um densel- 
ben herumgewunderi scheint '). Das obere Ende verläuft sich 
allmählich in den Stiel des Nesselknopfes, während das un- 
tere bis an den Anfang des Endfadens hinabreicht. Bei 
Praya und Hippopodius zeigt dieser Faden einen Durchmes- 
ser von etwa y^oo'" und eben keine besondere Verschieden- 
heiten von den Muskelfäden in den übrigen Theilen des Kör- 
pers, namentlich im Stamme, obgleich man an demselben 
bisweilen eine leichte Querstreifung erkennen kann. Bei Di- 
phyes und noch mehr bei Abyla verdickt sich aber dieser 



1) Herr Vogt beschreibt den Faden als eine quergefaltete 
Muskelhaut (membrane nmsculaire plissee en spirale , 1. c. p. 103). 
Eine Zusammensetzung des Fadens, wie sie Kölliker bei Praya 
erwäljnt, habe ich nicht auffinden können. 



Zur nähern Kennlniss der Siphonoplioren von Nizza. 267 

Muskelfaden allmählich während seines Verlaufes, bei Abyla 
sogar um ein sehr Beträchtliches (bis zu yao"')? ^^^ nimmt 
dabei dann eine sehr deutliche Querslreifung an, so dass man 
ihn, namentlich bei Abyla den schönsten quergestreiften Mus- 
kelfäden dreist an die Seite stellen kann. 

Scheide und Inhalt lassen sich in diesem Faden eben 
so wenig unterscheiden, wie Kerne. Es sieht aus, als wenn 
die Querstreifung durch eine förmliche Gliederung bedingt 
werde, indem selbst die Ränder des Fadens, der Einschnü- 
rung zwischen den einzelnen Gliedern entsprechend, von Zeit 
zu Zeit (in Abständen von '/'soo'") vollkommen gekerbt sind. 
Bei Abyla ist dieser Muskelfaden übrigens nur wenig abge- 
plattet und durch den Druck der dicht aufeinander liegenden 
Falten an vielen Stellen dreikantig. Sieht man unter dem 
Mikroskope nun zufällig gerade auf eine solcher Kanten , so 
kann man durch die Querstreifung leicht zu der Ansicht ge- 
führt werden^ dass in. den Faden zwei Reihen querslehender 
Stäbchen eingelagert wären , wie ich früher auch wirklich 
(7j. ü. S. 233 für Abyla u. a. angegeben hatte. 

Was nun die Bedeutung dieses Muskelbandes betrifft, 
so tritt diese wahrscheinlicher Weise erst bei dem Gebrauche 
des Nesselknopfes hervor ')• Hat sich der Endfaden des- 
selben irgend wo befestigt, und bekanntlich geschieht das so 
leicht, dass man sich fast versucht fühlt, den Faden für kle- 
brig zu halten , so zerreisst der Stiel des Nesselknopfes, sei 
es nun durch eine Bewegung des Fangfadens oder der fest- 
gehaltenen Beute, bis auf das Band, dessen Bildung und La- 
gerung wir so eben kennen gelernt haben. Durch Hülfe 
dieses Muskelbandes bleibt der Nesselknopf mit der Colonie 
auch noch dann in Verbindung, wenn sich der Gefangene, 
trotz seiner Bande, vielleicht noch eine Strecke weit ent- 
fernen sollte. Die einzige Folge eines solchen Fluchtversu- 
ches ist die, dass der Muskelfaden sich allmählich, wie das 



l) Die folgenden Bemerkungen über die Bedeutung des Nes- 
selbandes stützen sich freilich nicht auf Beobachtungen an lebenden 
Thieren, lassen sich aber auch noch an conservirten Exemplaren leicht 
mit der Nadel prüfen. 



268 Leuckart: 

Seil einer Harpune abrollt, ein Umstand, der für die Beute 
unserer Siplionophoren um so verhängnissvoller wird, als die 
Nesselzcllenbatlerie dabei zerreisst und ihren Inhalt über den 
Gefangenen ausstreuet. Durch Verkürzung des Fadens kann 
dann sonder Zweifel die Beute dem Polypen zugeführt wer- 
den '}. 

Die Eudoxiengruppen unserer Abyla sind wahrschein- 
lich schon von Q u o y und G a i m a r d beobachtet und (Okens 
Isis 1828. S. 335) unter dem Namen Cuboides vitreus als ei- 
gene Thierchen beschrieben worden, lieber ihre Organisa- 
tion und Bildung verweise ich auf die fast in allen Punkten 
genau übereinstimmenden Darstellungen von mir (Z. U. S. 49) 
und Gegenbaur (S. 10). 

Gegenbaur macht darauf aufmerksam, dass die Form 
der Safthöhle im Innern des cubischen Deckstückes oder Man- 
tels mancherlei Verschiedenheiten darbiete. Mir sind solche 
DifTerenzen gleichfalls vorgekommen; .aber die bei Weitem 
gewöhnlichste Form war in Nizza die von mir beschriebene. 
Neben der ausgebildeten Geschlechtsglocke mit weit abste- 
hendem, vierkantigem Mantel und ausgesprochener Medusen- 
form kommt fast beständig eine zweite 2), in manchen Fällen 
auch noch eine dritte unvollständiger entwickelte Glocke vor, 
die dazu bestimmt ist, die erstere nach ihrer Reife und Ab- 
stossung vom Eudoxienstamme zu ersetzen 3). Man darf wohl 



1) Kölliker hat über die Bedeutung des Fadens eine andere Ansicht 
ausgesprochen. Er soll einen zugleich elastischen und contractilen 
Apparat darstellen, der den unverletzten Nesselknopf von dem Fang- 
faden entferne und demselben annähere. Solche Bewegungen sieht 
man allerdings häuflg; sie sind aber, wie ich glaube, von unserem 
Apparate ganz unabhängig. Sie hängen, meiner Meinung nach, theils 
von den Muskelfasern im Stiele des Wesselknopfes, theils auch von 
dem Injectionszustande des im Innern enthaltenen Canales ab. Nach 
Herrn Vogt soll der betreffende Apparat den INesselstrang in seiner 
Kapsel (?) festhalten. 

2) Hier und da habe ich eine solche zweite (natürlich ganz 
unreife) Geschlechtsknospe schon vor der Abtrennung an den Eudo- 
xiengruppen unserer Abyla unterscheiden können. 

3) Busch, der bei seinen Eudoxien gleichfalls diese Ersalz- 
glocke beobachtete (Untersuchungen u. s. w. S. 12), stellt die Ueber- 



Zur nähern Kenntnis^ der Siphonophoren von Nizza. 269 

annehmen, dass die Neubildung solcher Geschlechtsglocken 
das ganze Leben über andauert. Das Geschlecht dieser Glok- 
kcn ist übrigens beständig dasselbe: dieEudoxien sind ohne 
allen Zweifel eingeschlechtliche Tliiere. Die Entwickelung 
der Geschlechtsglocken ist leicht und bestimmt zu beobachten; 
sie ist ganz genau dieselbe, wie ich sie (a. a. 0. S. 45) zu- 
nächst für Galeolaria s. Suculceolaria beschrieben habe. (Zur 
Vergleichung mit Tab. IL Fig. 17 d — von Galeolaria — - 
habe ich hier Tab. XI. Fig. 7. eine junge und unvollständig 
entwickelte männliche Glocke abbilden lassen.) 

Die Beobachtungen, die ich undGegenbaur über die 
Eudoxien von Abyla pentagona publicirt haben, weichen nur 
in einem einzigen Punkte von einander ab, aber dieser ist, 
wie es mir scheint, nichts weniger als unerheblich. Er be- 
trifft die Anheflung der Eudoxien an dem gemeinschaftlichen 
Stamme der Diphyide, oder, was so ziemlich auf dasselbe 
hinaus kommt, die Entwickelungsgeschichte der Eudoxien. 
Nach meiner Darstellung bildet sich die erste Anlage des 
Deckslückes ungefähr zu derselben Zeit, in der das spätere 
Geschlechtsorgan hervorknospet, Beide Knospen stehen dicht 
über einander an der Basis des Polypen und Fangfadens und 
haben im Anfang ganz dieselbe einfache Bläschenform. Spä- 
ter geht diese Uebereinstimmung indessen immer mehr ver- 
loren. Während die Geschlechtsknospe sich allmählich in ge- 
wöhnlicher Weise nach Art der knospenden Medusen umformt, 
durchläuft das Deckstück einen sehr verschiedenen Entwicke- 
lungsgang (Tab. XI. Fig. 8). Die erste Veränderung dessel- 
ben besteht darin, dass es sich abplattet und eine dreilappige 
kleeblattartige Gestalt annimmt (Fig. 9). Später krümmen 
sich die beiden Seitenlappen sattelförmig um den Stamm der 
Colonie dicht oberhalb der Geschlechtsknospe und des Po- 
lypen zusammen, sie verschmelzen dann endlich mit ihren 
freien Rändern und bilden somit über den ebengenannten An- 
hängen eine Hülle, die allmählich die spätere Gestalt des Eu- 
doxienmantels immer mehr hervortreten lässt. Die Höhle, die 



einstimmung derselben mit dem ausgebildeten Geschlechtsorgan , mit 
anderen Worten die Bedeutung derselben „als Ersatzglocke" unrich- 
tiger Weise in Abrede. Yergl. Leuckart und Gegenbaur 11, cc. 



270 Leuckart: 

das ursprüngliche Bläschen in sich einschliesst, hal an diesen 
Veränderungen theilgenommen. Ihre Seilenlappen verwandeln 
sich in die zvveilappige Hauplhöhle des Eudoxienmantels, 
während der mittlere Lappen sich in den Mediankanal des 
spätem Schirmes auszieht. Der kleine zipfelförmige Fortsatz, 
der diesem Canale gegenüber zwischen den Lappen der 
Haupthöhle hervorkommt und nach oben hin gerichtet ist^ 
erscheint erst später als eine Ausstülpung (vgl. Z. U. Tab. IIL 
Fig. 1). 

In diesem Zustande verharrt das Deckschild sammt den 
übrigen Anhängen seiner Gruppe eine Zeitlang in seinem ur- 
sprünglichen Zusammenhang mit den übrigen Theilen der Di- 
phyitle , bis schliesslich bei einer lebhaften Bewegung oder 
einer plötzlichen Conlraction des Stammes der letztere dicht 
oberhalb der äussersten Anhangsgruppe abreisst, und diese 
dann als sogenannte Eudoxia ein neues und selbslstäntliges 
Leben anfängt. Die Veränderungen dieser Gruppe nach der 
Abtrennung beschränken sich — abgesehen von einem ziem- 
lich ansehnlichen Wachsthum — darauf, dass der anhängende 
Theil des ursprünglichen Diphyicienstammes bis auf einen 
kleinen Rest (aus dem die Anhänge unserer Eudoxia hervor- 
kommen) verloren gehl und das vordere, früher noch trich- 
terförmig vertiefte Ende des Deckslückes sich ausfüllt. 

So war meine Darstellung in den Zool. Unters. S. 58. , 
während sich Gegenbaur anfänglich (a. a. 0. S. 13) ganz 
einfach auf die Bemerkung beschränkte , dass die Anheflung 
einer Eudoxiengruppe an dem gemeinschaftlichen Stamme dicht 
an der Basis des Saflbehälters stattfinde. Nach der Abtren- 
nung, so wird ferner bemerkt , sei nicht die geringste Spur 
der früheren Anheflung mehr vorhanden. Ich gestehe offen, 
dass ich beim Durchlesen der Ge g enbaur'schen Abhand- 
lung kaum einmal auf die Differenzen aufmerksam wurde, 
die unsere beiderseitigen Angaben involvirten, am allerwe- 
nigsten aber vermulhen konnte, dass Gegenbaur diesen 
Punkt später noch einmal in einer von meiner Darstellung 
ganz abweichenden Weise zur Sprache bringen und mich ei- 
nes Irrlhums zeihen werde (Zeitschrift für wissensch. Zool. V. 
S. 451). Nach diesen weiteren Bemerkungen soll sich nun 
das Deckstück der Einzelgruppen niemals um die ganze Pe- 



Zur nähern Kennlniss der Siphonophoren von Nizza. 271 

ripherie des Stammes herumbilden , wie ich behauptet hatte, 
sondern auf jene Seite des Stammes beschränken, an der es 
zuerst in Form einer Knospe zum Vorschein kam. Die aus- 
gebildete Eudoxie sei an ihrer vertieften Basalfläche, da, 
wo Geschleclitsknospe, Magenstück und Fangfaden entsprän- 
gen, mit dem Diphyidenstamme in Verbindung, so dass die 
obere Fläche des Würfels von dem Stamme am meisten ab- 
stehe, der Längsdurchmesser der Eudoxie also nicht, wie es 
nach meinen Angaben der Fall sei , mit dem des Stammes 
zusammenfalle. 

Es war natürlich , dass mich diese Bemerkungen von 
Gegenbaur zu einer erneuerten Prüfung meiner früheren 
Beobachtungen aufforderten , besonders da derselbe angiebf, 
sich durch die Untersuchung seiner Vorräthe nochmals von 
der Richtigkeit seiner Darstellung überzeugt zu haben. Aus 
leicht begreiflichen Gründen ist die Untersuchung solcher 
Objecte freilich immer etwas misslich, wenn dieselben auch 
noch so schön conservirt sind; nichts desto weniger machte 
ich mich aber alsbald nach Empfang der Gegenbaur'schen 
Notizen an die Arbeit. Ich habe wohl ein Dutzend von Aby- 
lastämmen vorgenommen und auf das Sorgfältigste "untersucht 
— aber keine einzige Anschauung gewonnen, die mich ver- 
anlassen könnte, meine frühere Darstellung zu verwerfen oder 
auch nur zu modificiren. Im Gegentheil sind mir Präparate 
vorgekommen, die die Richtigkeit meiner Angaben mir von 
Neuem zur sichersten Ueberzeugung gebracht haben. Ein 
solches Präparat (mit vier Eudoxiengruppen und Geschlechts- 
glocken) habe ich hier zur nochmaligen Stütze meiner Beob- 
achtung in Fig. 10 abbilden lassen. 

So steht nun Beobachtung gegen Beobachtung. Ein spä- 
terer Forscher wird über dieselben entscheiden. Einstwei- 
len kann ich aber doch nicht unterlassen, hier noch auf ei- 
nige Punkte aufmerksam zu machen , die , wie ich glaube, 
zur Empfehlung meiner Darstellung nicht ganz werthlos sein 
möchten. Dass meine Darstellung viel mehr ins Detail geht 
und die ganze Enlwickelungsgeschichte der Eudoxiengruppe 
vorführt, die spätem Zustände also aus den vorhergegan- 
genen erklärt, während Gegenbaur vorzugsweise nur die 
fertigen Eudoxien und ihr Verhältniss zu dem Diphyiden- 



272 Leuckart: 

stamme ins Auge fasst , will ich nicht ein Mal geltend ma- 
chen, obgleich ich kaum annehmen kann, dass sich auf al- 
len Entvvickelungsstufen der Eudoxienginppe bei mir derselbe 
Irrlhum wiederholt habe. Was ich zu Gunsten meiner Dar- 
stellung bemerken will, ist Folgendes. 

Einmal ist es die Analogie mit der Bildung der Deckstücke 
bei der übrigen Diphyiden ohne Ausnahme, namentlich mit den 
Deckstücken beiDiphyes. Auch diese stellen ja, wicGegen- 
baur selbst ganz richig (Beiträge S. 18) bemerkt, ein „um 
den Stamm herumgevvickeKes ') Blättchen" dar, das aller- 
dings (Fig. 11) eine trichterförmige Gestalt hat und weniger 
solide ist, ffis das Deckstück von Abyla, sich aber doch, wie 
ich schon früher (a. a. 0. S. 65.) erwähnte und später noch 
einmal hervorheben werde, in einer wesentlich ganz gleichen 
Weise aus einem ursprünglich einfachen Bläschen hervorbildet. 
Freilich findet sich auch darin ein Unterschied, dass die Sei- 
tenlappen des Deckstückes bei Abyla mit einander verschmel- 
zen, bei Diphyes aber (wenigstens so lange die Vereinigung 
mit dem gemeinschaftlichen Stamme dauert) getrennt bleiben, 
indessen darauf kann man doch unmöglich ein grosses Ge- 
wicht legen : Sehen wir es doch so häufig, dass gewisse 
paarige Theile — und die Seitcnlappen des Deckstückes sind 
solche paarige Gebilde — bald mit einander verschmelzen, 
bald aber auch, vielleicht bei einem sonst ganz nahe stehen- 
den Thiere, in ihrem früheren isolirten Zustande verharren. 

Sodann ist es der Zusammenhang der einzelnen An- 
hänge derEudoxiengruppe, auf den ich hier hinweisen möchte. 
Nach den Angaben von Gegen baur kann man sich aller- 
dings ein Bild von der Entwickelung und der Abtrennung 
des Deckstückes machen; wie aber kommt es, so möchte 
ich fragen , dass der Polyp mit Fangfaden und Geschlechls- 
knospe, die doch nicht an dem Deckstücke, sondern an dem 



1) Gegenbaur scheint das vergessen zu haben, wenn er 
(Zeitschr. f. w. Z. S. 451) gegen meine Angabe, dass das Deckblatt 
von Abyla allmählich den Stamm umwachse, anführt, dass dasselbe 
„bei allen Siphonophoren" auf die eine Seite des Stammes beschränkt 
bleibe. Es gilt dieses nur von den Physophoriden , während die Di- 
phyiden dagegen wahrscheinlich ohne Ausnahme durch eine Bildung 
der Deckblätter charakterisirt sind, wie sie Gegenbaur hier leugnet. 



Zur nähern Kenntniss der Siphonophoren von Nizza. 273 

Stamme ansitzen, später nach der Abtrennung des Deckstük- 
kes mit diesem vereinigt sind? Gegenbaur beschreibt, 
wie ich^ im Innern des Deckstückes einen gemeinschaftlichen 
Körper, einen „Stamm" , in dem alle die einzelnen Anhänge 
der Eudoxien , auch das Höhlensystem des Deckslückes , wur- 
zeln; was kann dieser Stamm wohl anders sein, als ein 
Ueberrest des frühern Diphyidenstammes , und wie kann er 
anders in die Eudoxie übergegangen sein , als durch eine 
Zerreissung ? 

Man sieht, einstweilen kann ich bei aller Achtung vor 
den Untersuchungen und Angaben von Gegenbaur die Po- 
lemik desselben nicht für gerechtfertigt halten. 

Ich habe früher angeführt, dass die Zahl der ausgebil- 
deten Eudoxiengruppen beständig nur gering sei. Es giebt 
selbst Stämme, an denen dieselben vollkommen fehlen. In 
anderen Fällen ist die Zahl derselben aber auch grösser, als 
ich früher beobachtete; ich habe unter den hier untersuchten 
Stöcken ein Exemplar mit acht vollkommenen Eudoxiengruppen 
angetroffen. Soweit sich die Geschlechlscontenla dieser Grup- 
pen mit Bestimmtheit erkennen lassen, sind sie beständig in 
demselben Sinne entwickelt; die Abyla pentagona ist nach 
meinen Untersuchungen eine diöcische Siphonophorenkolonie. 
Herr Vogt, der dieselbe Bemerkung gemacht hat, aber auf- 
fallender Weise bloss männliche Stämme zu Gesicht bekam, 
folgert daraus, dass es keine weiblichen Abylaformen gebe. 
Er betrachtet (p. 125) unsere Abyla als den männlichen Thier- 
stock der um Nizza einheimischen Diphyes, von der er durch 
einen eben so seltsamen Zufall keine männlichen Colonien 
auffinden konnte! 

Gen. Dipliyes Cuv. 

Das vordere Schwimmslück von einer kegelförmigen 
oder pyramidalen Geslalt und in der Regel grösser, als das 
hintere '), das mit dem Anfangslheile des gemeinschaftlichen 



1) Herr Vogt wird sich wohl inzwischen davon überzeugt ha- 
ben, dass dieses hintere Schwimmstück kein blosses Deckstück ist, wie 
er früher (Zeitschr. f. wiss. Zool. III. S. 524) behauptete, sondern 
eben so gut, ja noch ausschliesslicher als das vordere, das ja noch 
den Flüssigkeitsbehälter einschliesst, zur Ortsbewegung dient. 
Archiv, f. Naturgesch. XX. Jahrg. 1. Bd. lg 



274 Leuckart: 

Körperslamnies in einer mehr oder minder ansehnlichen Ver- 
tiefung an dem Innenrande des vordem Schwimmslückes be- 
festigt ist und zu diesem Zwecke einen eigenen slielförmigen 
Fortsatz trägt. Ist diese Vertiefung höhlenartig, dann liegt 
sie, wie bei Abyla^ in einem besondern zapfenförmigen An- 
hange des vordem Schwimmstücks. Der Saftbehäller ist spin- 
delförmig und in der Verlängerung des Körperstammes gelegen, 
so dass er leicht für das vordere Ende desselben ') gehalten 
werden könnte. (Bei D. turgida Gegenb. fehlt der Saftbe- 
häller.) Die Innenfläche der hintern Schwimmglocke ist zum 
Durchlass des Körperstammes rinnenförmig ausgehöhlt oder 
auch mit zwei parallelen Längsleisten versehen, deren freie 
Ränder sich nicht selten zur Bildung eines Canales mit ein- 
ander vereinigen. Im letzten Falle kann der Körperslamm 
vollständig in diesen Canal zurückgezogen werden. Die Deck- 
slücke haben eine trichterförmige Gestalt und erreichen schon 
frühe ihre vollständige Ausbildung. Auch unter den Diphyes- 
arten giebt es wahrscheinlicher Weise einige, deren Anhangs- 
gruppen sich nach ihrer Reife ablösen und als Eudoxien mit 
kegelförmigem oder glockenförmigem Mantel selbslsländig 
existiren. 

Diphyes acuminata Leuck. 
Die Schwimmstucke schlank, das vordere stark zuge- 
spitzt und in contrahirtem Zustande nach Aussen etwas ge- 
bogen, wie eine Grenadiermütze. Ein ganz ansehnlicher Fort- 
salz zur Aufnahme und Befestigung des hintern Schwimm- 
slückes, das mit einem geschlossenen Längscanale zum Durch- 
lass des Körperstammes versehen ist. Neben der Mündung 
des untern Schwimmsackes zwei scharfe, mehr oder minder 
parallele Zacken, von denen der rechte (den Schwimmsack 
nach unten gedacht ) beständig etwas kürzer ist , als der 
linke. 



1) So sagt u. A. Kolli k er (a. a. 0. S. 39) ; „icli halte dieses 
Organ — den Saftbeliälter — analog dem erweiterten und lufthalti- 
gen obern Ende des PhysopboTidenstammes" — gewiss mit Unrecht, 
wie schon in einer früheren Anmerkung hervorgehoben wurde. Auch 
die Structur des Luftsackes ist von Kölliker nicht richtig erkannt. 
Durch die Contouren der grossen Zellen im Innern verführt, glaubte 
er in dem Saftbehälter ein weitmaschiges Netzwerk vor sich zu sehen. 



Zur nähern Kennlniss der Siphonophoren von Nizza. 275 

Eine ausführliche Beschreibung dieser auch von Herrn 
Vogt erwähnlen und (sehr wenig ähnlich) abgebildeten, 
aber nicht weiter untersuchten Diphyide findet sich in meinen 
zoologischen Untersuchungen 1. S. 61. Tab. III. Fig. 11. Sie 
ist der von Kölliker und Gegenbau r beobachteten D. 
Sieboldii Köll. (D. gracilis Gegenb.) ausserordentlich ähn- 
lich, so dass ich sie anfangs für dieselbe Art hielt, bis ich 
später, namentlich durch die Darstellung von Gegenbaur 
(a. a. 0. S. 27), auf die Verschiedenheiten zwischen beiden 
aufmerksam wurde. Die Hauptauszeichnung meiner Art be- 
steht in der Anwesenheit eines geschlossenen Durchlasska- 
nales am hintern Schwimmstücke. Diph. Sieboldii besitzt 
hier anstatt des Kanales eine offene von zwei zarten La- 
mellen begrenzte Rinne. 

Herr Vogt (p. 127) nennt die Deckblätter unserer Art 
„lanzettförmig", aber mit grossem Unrecht, da sie nach mei- 
nen Untersuchungen, die ich hier nochmals bestätigen kann, 
einen trichter- oder glockenförmigen Mantel im Umkreis des 
Körperstammes darstellen (Fig. 11). Es ist das eine Form, 
die wahrscheinlicher Weise bei allen Diphyesarten den Deck- 
schildern zukommt '). Das Höhlensystem dieser Deckschil- 
der ist sehr rudimentär, so dass Kölliker und Gegen- 
baur die Deckschilder von Diphyes geradezu solide heissen. 
Den Beobachtungen des lelztern ist dieses Höhlensystem frei- 
lich nicht entgangen ; er beschreibt an der Ansalzstelle der 
Deckschilde bei seinen Diphyesarten (D. Sieboldii und D. tur- 
gida) eine quere Verdickung, resp. Erweiterung des Stammes, 
von ringförmiger Gestalt, die ihrer Lage und Gestalt nach 
mit dem Höhlensystemo in den Deckschiluern von D. acumi- 
nala übereinstimmt. So lange die Deckschilder an dem Stamme 
befestigt sind, kann man diesen Apparat auch wirklich leicht 
in dem Sinne, wie ihn Gegenbaur aufgefasst hat, deuten, 
untersucht man aber die abgetrennten Deckstücke, so wird 
man, glaube ich, mit aller Entschiedenheit sich davon über- 
zeugen, dass die scheinbare Erweiterung des Stammes dem 



1) Kö 11 ik er beschreibt bei D. Sieboldii (S.40) freilich „schau- 
feiförmige" Deckblätter, doch konnte Gegenbaur auch hier die 
trichterförmige Bildung mit Bestimmtheit beobachten. 



276 Leuckart: 

Deckblatte zugehört. Zu demselben Resultate kommt man 
durch die Untersuchung der unausgebildeten Deckstücke, bei 
denen die Höiile verhältnissmässig sehr viel grösser ist. Bei 
der ersten Bildung stellt das Deckstück auch bei Diphyes 
(vergl. hierüber meine Darstellung a. a. 0. S. 65, Tab. HI. 
Fig. 14), wie bei den übrigen Siphonophoren ohne Ausnahme 
ein einfaches Bläschen dar (Fig. 12*»'j, das sich erst später 
abplattet und durch Entwickelung der Seilenflügel (die sich 
freilich niemals so scharf, wie bei Abyla, gegen das Mittel- 
stück absetzen) um den Stamm herumwächst. Eine Verschmel- 
zung dieser Seitenflügel findet nicht statt , wenigstens nicht 
so lange, als man die Schicksale des Deckstückes am Diphyi- 
denstamme verfolgen kann. 

In Betreff der Geschlechlsverhällnisse von D. acuminata 
kann ich nur nochmals wiederholen , was ich schon früher 
bemerkte. An den Stämmen von D. Sieboldii und D. turgida 
hat Gegenbaur inzwischen ein monöcisches Verhalten nach- 
gewiesen; unsere D. acuminata ist indessen bestimmt ein ge- 
trennt geschlechtlicher Thierstock '). Ich habe mich nicht 
selten in 8 und 10 und mehr hinter einander liegenden An- 
hangsgruppen von der Uebereinstimmung der Geschlechts- 
contenta überzeugen können, an den Stämmen mit weiblichen 
Knospen aber niemals eine männliche oder umgekehrt an de- 
nen mit männlichen Knospen eine weibliche angetroff'en. Was 
die Entwickelung dieser Geschlechtsknospen betriffst, so ist 
diese, wie es auch Gegenbaur darsteflt, der Entwicke- 
lungsweise bei Abyla ganz conform, nur mit dem Unter- 
schiede, dass der Mantel auch an den letzten Knospen (Fig. 13) 
noch ziemlich dicht auf dem stempeiförmigen Kerne mit den 
GeschlechtsstofTen aufliegt, wie es bei Abyla bekanntlich nur 
auf einer früheren Entwicklungsstufe vorkommt. Ich habe 
zum Theil aus diesem Umstände früher den Schluss gezogen, 
dass die Geschlechtsknospen unserer Thiere nicht an ihrer 
ursprünglichen Bildungsstätte, sondern unter andern Verhält- 
nissen zur vollständigen Reife gelangten, dass die Diphyiden, 



1) Nach den Beobachtungen vonHuxley (Müller's Arch. 1851. 
S. 381) sollte man ein solches Verhalten für Diphyes fast als das ge- 
wöhnliche ansehen. 



Zur nähern Kennlniss der Siphonophoren von Nizza. 277 

ganz wie die Abylaarten, Eudoxienbildende Siphonophoren 
seien. Gegenbaur hat nun freilich inzwischen nachge- 
wiesen (Zeitschr. für wiss Zool. V. S. 446), dass es Diphyi- 
den giebt, deren Geschlechtsknospcn an ihrem Stamme her- 
anreifen und auch im reifen Zustande eine noch unvollstän- 
dio^ere Bilduno- haben, als ich sie bei l). acuminata beobach- 
lete '), allein nichtsdestoweniger ist meine Vermuthung durch 
diesen einen Umstand, glaube ich, noch nicht widerlegt wor- 
den. Auch die Goschlechtscontenta meiner Diphyes schie- 
nen mir, selbst in den reifsten Knospen, immer noch hinler 
ihrer vollkommenen Ausbildung zurückgeblieben zu sein. 

Dazu kommt, dass ich in Nizza eine Eudoxienform be- 
obachlete (Eudoxia campanula Lt., beschrieben Z. U. S. 43), 
die möglichenfalls, wie ich nachzuweisen versuchte (ebendas. 
S. 66}.) von meiner Diphyes acuminata abstammen könnte. Die 
Verschiedenheiten, die in der Gestalt und Bildung des Man- 
tels zwischen dieser Eudoxie und den Deckstücken unserer 
Diphyes obwalten, sind allerdings nicht zu verkennen — ich 
glaube indessen , und habe mich a. a. 0. weitläufiger hier- 
über ausgesprochen, dass sie noch immerhin eine Ausglei- 
chung zulassen. Auch die Bedenken, die Gegen baur (a. 
a. 0. S. 452) gegen meine Vermuthung anführt, können mein 
Urheil hierüber nicht ändern , besonders da ich nach den 
obigen Bemerkungen über die Eudoxienbildung beiAbyla die 
früher angezogene Analogie mit diesem Vorgange noch heule 
als gerechtfertigt ansehen darf. 

Der Umstand, dass es Diphyiden giebt, die keine Eu- 
xien produciren, lässt sich natürlich gegen meine Behauptung 
nicht anführen; die Eudoxien verhalten sich zu den Anhangs- 
gruppen am Diphyidenstamme, wie die frei lebenden Pro- 
gloltiden zu den Gliedern einer Bandwurmketle; wie es ne- 
ben den Bandwürmern, die ihre Glieder auf einer mehr oder 
minder frühen Entwickelungsstufe abstossen, auch andere giebt, 
bei denen diese beständig zu einer gemeinschaftlichen Colo- 

1) Nach Gegenbaur besitzt der Mantel an den Geschlechts- 
kapseln von D. turgida trotz der gewöhnlichen Ausbildung des Ge- 
fässapparates eine keulenförmige Gestalt und keine OefFnung im Cen- 
trum des Ringgefässes. Erst bei der Knileerung der Geschlechtsstoffe 
soll derselbe aufbrechen (Vergl. Zeitschr, u. s. w. S. 446). 



278 Leuckart: 

nio vereinigt bleiben, so mögen aucli Diphyiden mit und ohne 
Eudoxienbildiing in unserem Systeme immerbin dicht neben 
einander stehen. 

Wenn es übrigens richtig ist, dass dieEudoxia campa- 
nula von Diphyes acuminata abstammt , so werden die Ver- 
änderungen der abgestossenen Anhangsgruppen zum Zweclie 
der Eudoxienbildung jedenfalls grösser sein müssen, als bei 
Abyla. Die frühere Deckschuppe wird sich (unter Verschmel- 
zung ihrer bis dahin noch freien Ränder) zunächst nur in 
den untern schirmartigen Theil des Eudoxienmantels umwan- 
deln, der dann durch Wucherung seiner Masse nach oben 
in die spätere solide Glocke auswächst. Ich mache hier noch- 
mals auf den flachen bandartigen Streifen aufmerksam, der, 
wie es scheint, bei allen Eudoxien mit glockenförmigem Man- 
tel an der niedrigsten Stelle der Glocke herabläuft , und der 
wenigstens auf mich noch immer den Eindruck macht, als 
wenn er einer unvollständigen Ausfüllung den Ursprung ver- 
danke. Dieser Streifen entspricht genau derjenigen Stelle, 
an der der Körperstamm der Diphyiden von dem Anfangstheile 
des Deckstückes (der sogenannten Handhabe) frei bleibt, an 
der das Deckstück also gewissermaassen , wenn wir es uns 
als eine geschlossene Glocke denken , eine Lücke hat , die 
bei der Wucherung der Handhabe nur unvollständig ausge- 
füllt wird. 

Dass endlich auch die Entwickelung des Saftbehälters 
im Mantel unserer Eudoxia eine Reduction auf das Höhlen- 
system der Deckschuppe erlaubt, glaube ich gleichfalls nach- 
gewiesen zu haben. An den ausgebildeten Deckstücken sehe 
ich zwischen den beiden Bogenschenkeln dieses Apparates 
einen kleinen senkrechten Zapfen (Fig. U'"*)? der, wenn er 
an der Vergrösserung der Handhabe theilnimmt, leicht in den 
weiten und senkrechten kegelförmigen Hohlraum des Saftbe- 
hälters auswachsen könnte. 

Wie die Sachen gegenwärtig stehen , handelt es sich 
bei der Frage nach dem Ursprünge der Eudoxien mit glok- 
kenförmigem Mantel um Muthmassungen und Wahrscheinlich- 
keiten — ich möchte meine Hypothese nur vor dem Vor- 
wurfe retten , als sei dieselbe ohne gehörige Kenntniss und 
Erwägung der vorliegenden Verhältnisse aufgestellt worden. 



Zur nähern Kenntniss der Siphonophoren von Nizza. 279 

Wie ich schon oben bemerkte, ist die Eudoxia campa- 
nula auch von Herrn Vogt beobachtet, aber gänzlich ver- 
kannt cp, 117). Herr Vogt hält dieses Geschöpf für eine 
junge Galeolaria, die später zu einer ganzen Colonie ausvvach- 
sen würde. Wie das freilich möglich ist, wird nicht ange- 
deutet — es möchte auch schwer sein, aus unserm Geschöpfe, 
selbst durch die gewagtesten Voraussetzungen, wiederum eine 
ausgebildete Diphyidencolonie herauszuconstruiren ^). Auch 
die Abbildung dieser Thiere ist nicht ganz genau. Die An- 
gabe, dass die Uadialgefässe des medusenförmigen Geschlechls- 
organes in ihrem Verlaufe durch Queranastomosen verbunden 
seien (dafür aber des untern Ringgefässes entbehrten) beruht 
auf einem Irrthume. 

Oen. Oaleolaria Les. (Beroides Q. et G. Sucul- 
ceolaria Blainv., Epibulia Vgt — früher — u. Lt.). 

Das vordere Schvvimmstück wie bei Diphyes, an der Be- 
rührungsstelle mit dem hintern aber nicht ausgehöhlt, sondern 
abgeflacht. Das hintere ohne Stiel und an der Innenfläche mit 
zwei parallelen Längsleisten versehen, die eine liefe für den 
Körperstamm bestimmte Rinne zwischen sich nehmen und mit 
ihren obern lappenförmig entwickelten Ecken eine Strecke 
weit neben dem vordem Schwimmstück emporragen. Der 
Saftbehälter ist schlank und gefässartig; die Deckstücke ha- 
ben eine sattelförmige Gestalt. An der Mündung der Schwimm- 
säcke, namentlich am Innern Rande, eine wechselnde Anzahl 
von ansehnlichen klappenartigen Fortsätzen. 



1) Ich glaube , wir können — das Folgende in Bezug auf die 
von Kölliker S. 78 angeregten Fragen — mit aller Bestimmtheit 
behaupten, dass die Eudoxiengruppen zeitlebens bleiben, was sie von 
ihrer Trennung an waren, sich wenigstens eben so wenig zu Diphyiden- 
stöcken ergänzen, wie die getrennten Proglottiden zu Kettenwürmern. 
Erst aus den Eiern der Eudoxien wird wiederum eine Diphyidencolo- 
nie hervorgehen. Von einem Generationswechsel kann dabei nicht 
mehr und nicht weniger die Rede sein, als bei den übrigen Sipho- 
nophoren, denn die den Eudoxien entsprechenden' Anhänge finden sich 
bei allen diesen Thieren. üb dieselben sich ablösen oder befestigt 
bleiben, ist für unsere Frage ganz gleichgültig. 



280 L e u c k a r t : 

Galeolaria filiformis (Delle Ch.) Lt. 

Die Klappen des vordem Schwiminslückes klein , ein 
inneres und ein äusseres Paar; die Klappen des hinteren 
Schwimmstückes ähnlich, aber sehr viel grösser, namentlich 
die Klappen des Innern Paares. An dem hintern Schwimm- 
stück sehr gewöhnlich auch noch ein Paar Seitenklappen. 

Das Thier^ das ich hier mit dem voranstehenden Namen 
bezeichne, hat, wie viele andere Siphonophoren^ das Schick- 
sal gehabt, auf das Manchfachste von den Zoologen gedeu- 
det und benannt zu werden. Der Erste, der dasselbe, mei- 
nes Wissens, auffand, war Delle Chiaje, der (Descriz. e 
notom. etc. T. V. p. 135) eine unverkennbare Beschreibung 
davon lieferte — nebst einer sehr viel schlechtem Abbildung, 
die Herrn Vogt verführt hat das betreffende Thier für Praya 
diphyes zu hallen — , dasselbe aber irrthümlicher Weise für 
die Forskalsche Physophora fdiformis (Rhizophysa) ausgab. 
Die Thiere, die Delle Chiaje beobachtete, waren verstüm- 
melt; sie entbehrten der hintern Schwimmglocke , die über- 
haupt sehr leicht, noch leichter, als bei Diphyes und Abyla, 
verloren geht. Dem zweiten Beobachter Lesueur ist es 
noch übler ergangen ; er bekam nichts anderes zu Gesicht, 
als überhaupt nur die Schwimmglocken, die er beide für 
selbstsländige und verschiedene Thierformen ansah. Die Be- 
obachtungen von Lesueur, die in Nizza angestellt wurden, 
sind nur theilweise durch Blainville bekannt geworden. Das 
vordere Schwimmstück bildet hier den Typus eines Gen. Ga- 
leolaria Les., das Blainville den Rippenquallen annähern 
möchte, während das hinlere Schwimmstück den Genusnamen 
Suculceolaria erhielt. Von erslerem unterschied Lesueur 
zwei Arten: G. bilobata und G. Rissoi , von letzterem drei: 
S. quadrivalvis, S. biacuta und S. minuta — Arten, deren 
Deutung kaum möglich sein dürfte , da wir nur von S. 
quadrivalvis durch eine Abbildung (Bla in vil le , Aclino- 
zool. All. PI. VL Fig. 6) etwas Näheres erfahren haben, ich 
habe keine Gelegenheit gehabt, diese Abbildung zu verglei- 
chen, nach den Aeusserungen von Krohn (in Gegenbaur's 
Beiträgen S. 33) und der kurzen Beschreibung in Lesson's 
Hist. natur. des Acalephes dürfte dieselbe aber mit Recht bei 
unserer Gal. filiformis angezogen werden können. Quoy und 



Zur nähern Kenntniss der Siphonophoren von Nizza. 281 

Gaimarcl haben die vordem Schwimmslücke von Galeola- 
rien gleichfalls aufgefischt und zwar im Indischen Ocean '), 
und nach denselben anfangs , bevor sie die Beschreibungen 
von Blainville kannten, das Genus Beroides aufgestellt 
(vergl. L e s s n 1. c. p. 140). 

Die erste vollständige Galeolaria ist von Herrn Vogt 
beobachtet und als Epibulia aurantiaca n. sp. (später, Tab. 
XVIII., Galeolaria aurantiaca) beschrieben worden. Es ist 
dieselbe, für die ich hier mit Rücksicht auf die ganz unzwei- 
felhafte Darstellung von Delle Chiaje den Namen Gal. 
filiformis gewählt habe. In meinen zoologischen Untersuchun- 
gen ist dieselbe als Epibulia filiformis bezeichnet, da ich 
damals die Beziehungen der Genera Galeolaria und Sucul- 
ceolaria zu unserem Thiere noch nicht kannte. Gegen- 
baur beschreibt (Tab. XVI. Fig. 8) dasselbe Thier, mit Bei- 
behaltung des Blainville'schen Speciesnamens quadrivalvis als 
eine Diphyes und ist der Meinung (Zeitschr. für wiss. Zool. 
1853. S. 449), dass das Gen. Galeolaria oder Suculceolaria 
überhaupt einzuziehen sei. Ich kann diese Ansicht nicht 
theilen und berufe mich dabei namentlich auf die Verschie- 
denheiten, die — wenigstens nach meinen Untersuchungen — 
in der Zusammenfügung der beiden Schwimmslücke zwischen 
unserm Thiere -) und den echten Diphyiden obwalten. Ue- 
brigens will ich gerne zugeben, dass Galeolaria dem Gen. Di- 
phyes ausserordentlich nahe steht, besonders der von Ge- 
genbaur beschriebenen D. turgida, die dafür aber auch von 
den übrigen Diphyesarten mehrfach abweicht und sich (in der 
Form der Schwimmsäcke, dem Gefässverlaufe , dem Besitze 
von Klappen an der OefTnung der Schwimmsäcke , sogar in 
der Färbung des Kerns an den männlichen Geschlechtsknos- 
pen) an die Galeolarien anschliesst. 



1) Ich besitze ein solches (durch R. A. Philippi) auch von der Grön- 
ländischen Küste. Es ist dem vordem Schwimmstück unserer Art in 
Form und Bildung (Flüssigkeitsbehälter, Gefässverlauf) ganz ausser- 
ordentlich ähnlich, aber nur mit zwei sehr grossen Klappen versehen, 
die an der InnenQäche stehen und mit den beiden grossen Klappen 
am hintern Schwimmstücke von G. fdiformis übereinstimmen. 

2) Dasselbe gilt auch für die oben erwähnte Grönländische Art. 



282 L e u c k a r t : 

lieber die Form und Bildung unseres Thieres kann ich 
auf die Beschreibungen von Gegen bau r (Beiträge S. ^3) 
und Vogt cl. c. p. HO) verweisen, mit denen meine Unter- 
suchungen im Allgemeinen übereinstimmen, obgleich sich im 
Einzelnen mancherlei Differenzen ergeben haben. Die voll- 
kommene Ausgleichung dieser Differenzen muss ich allerdings 
hier, wie überhaupt bei allen untersuchten Arten, einer spä- 
tem Zeit überlassen; die Untersuchungen, um die es sich 
hier handelt , sind ja bekanntlich alle ganz unabhängig von 
einander angestellt. Erst ein späterer Beobachter, der die 
vorhandenen Darstellungen vergleicht, wird über unsere Dif- 
ferenzpunkte ein entscheidendes und letztes Urtheil fällen 
können. 

Eine wesentliche Abweichung ergeben meine Untersu- 
chungen, wie ich schon oben angedeutet habe, in Bezug auf 
den Zusammenhang der beiden Schwimmstücke. Während Ge- 
genbaur dieselben im Ganzen ebenso, wie bei Diphyes dar- 
stellt, also angiebt, dass das hintere Schwimmstück in eine Ver- 
liefung des vordem eingefalzt sei , möchte ich vielmehr das 
Gegenlheil behaupten , dass dasselbe das vordere '} umfasst. 
Die beiden Längsleisten , die den rinnenförmigen Halbkanal 
zum Durchlass des Körperstammes bilden ^) sind am oberen 
Ende des hintern Schwimmstückes (Fig. 14. ^J in ein Paar 
ansehnliche blatt- oder lappenförmige Fortsätze ausgezogen, 
zwischen welche die Basis des vordem Schwimmstückes hin- 
eingesenkt ist. Diese Basis (Ibid. A) ist abgeflacht , wenn 
auch nicht ganz eben und gegen eine entsprechende Abfla- 
chung des vordem Schwimmstückes eingelenkt. Die Uneben- 



1) Die Bezeichnung „vordere" und „hintere" Schwimmglockc 
beruht vorzugsweise auf der morphologischen Uebereinstimmung mit 
den gleichnamigen Schwimmglocken bei den übrigen verwandten Di- 
phyiden. In der Ruhe wird die hintere Schwimmglocke mit ihrer 
OefFnung nach oben gekehrt, so dass die vordere dann nach hinten 
gerichtet ist und mit dem Körperstamme einen spitzen Winkel bil- 
det. In dieser Haltung sind die Galeolarien von Herrn Vogt abge- 
bildet (1. c. Tab. XVIII.). 

2) Herr Vogt hat auffallender Weise diese Bildung übersehen. 
Er spricht (p. 112) von einer scharfen Leiste (une arete presque tran- 
chante) die an der innern Fläche der hintern Schvrimmglocke hinliefe. 



Zur nähern Kenntniss der Siphonophoren von Nizza. 283 

heilen dieser Berührungsfläche kommen daher , dass die 
äussere, an die Oeff'nung des Schwimmsackes angrenzende 
Hälfte derselben mit einer leistenförmigen Längserhebung ver- 
sehen ist, die nach innen zu ziemlich steil abfällt. Auf sol- 
che Weise entsteht nun vor dieser Leiste eine Art Vertie- 
fung, aber sie existirt doch nur im Verhältnisse zu der da- 
hinter liegenden Erhebung, so dass ich es kaum für gerecht- 
fertigt halten kann , wenn man hier genau dieselbe Bildung 
wie bei Diphyes (und Abyla) zu erkennen glaubt. Eine ge- 
wisse Aehnlichkeit wird Niemand in Abrede stellen ; es han- 
delt sich bloss um die Frage, ob die hier vorkommenden 
Modifikationen gross genug sind, um die Aufstellung eines 
besondern Genus zu rechtfertigen. Ich glaube diese Frage 
bejahen zu dürfen, besonders da die belreffende Bildung viel 
weniger in's Auge fällt, als die oben erwähnte Einsenkung 
der vordem (kleinern) Schwimmglocke zwischen die Blätter 
der hintern, die freilich weder von Herrn Vogt, noch auch 
von Gegen baur erwähnt ist. Die Vertiefung, auf die ich 
oben aufmerksam gemacht habe , dient übrigens auch hier, 
bei Galeolaria , zur Aufnahme des vordem Stammendes und 
einer entsprechenden leistenförmigen Erhebung an der Be- 
rührungsfläche der hintern Schwimmglocke. 

Ich habe oben bei Abyla und Diphyes darauf aufmerksam 
gemacht, dafs neben den beiden ausgebildeten Schwimmglok- 
ken in der Regel (oder wohl immer) auch noch ein drittes 
— und selbst viertes -- unausgebildetes Schwimmstück am 
vordem Stammende angetroffen werde. Dasselbe gilt auch, 
und sogar in einem noch viel höhern Grade, von Galeolaria. 
Hier finden sich nicht bloss ganz constant 2—3 Ersatzglok- 
ken neben den ausgebildeten; man beobachtet auch nicht sel- 
ten , wie diese Knospen noch bei Anwesenheit der Haupt- 
schwimmstücke ihre weitere Entwicklung beginnen. Ersatz- 
glocken von 1'" und darüber (Fig. 15.) sind keineswegs sel- 
ten , wie aurh Gegenbaur bemerkt hat. Ich beobachtete 
sogar ein Exemplar mit drei vollkommen ausgewachsenen 
Schwimmstücken, einem vordem und zweien hintern, die kei- 
nerlei Unterschied in Grösse und Ausbildung erkennen Hessen. 
Leider gelang es nicht, den Zusammenhang der dreiLocomo- 
tiven genauer zu beobachten, du die eine (vordere) der hin- 



i>84 Leuckarl: 

lern Schwimmglocken bei der Berührung augenblicklich sich 
abtrennte. Ich kann nur so viel bemerken, dal's die betref- 
fenden beiden Schwimmglocken hinter einander standen und 
das vordere Ende der letzten zwischen die Leisten der vor- 
hergehenden Schwimmglocke eingekeilt war. Auch die un- 
entwickelten Ersatzglocken stehen beständig reihenweis hinter 
einander, die kleinsten am meisten nach vorn. 

In Bezug auf die Klappenapparate an der Mündung der 
Schwimmglocken (Fig. 14.) bin ich im Wesentlichen zu dem- 
selben Resultate gelangt, wie Gegenbaur, nur sah ich bei 
allen untersuchten Individuen die Klappen am äussern und In- 
nern Rande der vordem Schwimmglocke (die Herr Vogt 
übersehen hat) in der Medianlinie gespalten, also paarig, wie 
die entsprechende Klappe der hintern Schwimmglocke. Ebenso 
fand ich an dem Aussenrande der grofsen schaufeiförmigen 
Klappen, die bei unserer Art nur an der hintern Schwimm- 
glocke vorkommen, ziemlich conslant noch einen eignen klei- 
nen Fortsatz, der von den Seitenklappen, die übrigens eine 
sehr ungleiche Entwicklung besitzen und mitunter gänzlich 
fehlen, getrennt ist. Contractile Spitzen, wie sie Herr Vogt 
noch ausser den (nur unvollständig beschriebenen) Klappen 
der hintern Schwimmglocke aufgefunden haben will, sind mir 
niemals aufgefallen. 

Der Gefässapparat unserer Schwimmstücke ist gleichfalls 
von Gegenbaur sehr vollständig beschrieben worden, wäh- 
rend sich Herr Vogt auf die Bemerkung beschränkt, dafs 
die hintere Schwimmglocke vier Längscanäle und ein Ring- 
gefäss besitze, wahrscheinlich also weder die Eigenthümlich- 
keiten des Verlaufes, noch auch die Gefässe der vordem 
Schwimmglocken und den Saftbehälter beobachtet hat. Den 
Bemerkungen von Gegenbaur habe ich nur eins hinzuzu- 
fügen, und dieses betrifft eine sehr aussergewöhnliche (sonst 
nirgends von mir beobachtete) Anastomose zwischen den Ge- 
fässstämmen des vordem Schwimmstückes, die ich auch bei 
der oben angeführten Grönländischen Galeolaria ganz deut- 
lich erkennen kann '). Die vier Gefässe dieser Schwimm- 



1) Gegenbaur hat diese Anastomose ebenfalls gesehen, wie 
seine Abbildung zeigt. 



Zur nähern Kenntniss der Siphonophoren von Nizza. 285 

glocke verlaufen im Allgemeinen, wie bei Abyla; es finden 
sich zwei schlingenförmig gewundene Seitengefässe und zwei 
Mediangefässe, von denen das innere, wegen der tiefen Inser- 
tion des Stielgefässes fast verschwindend kurz ist, während 
der äussere in einem desto längern Bogen über den Gipfel 
des Schwimmsackes hinübertritt. Bald nach dem Ursprung 
dieses letztem Gefässes, also noch an der Innern Fläche des 
Schwimmsackes und noch vor der Mitte dieser Fläche, ent- 
springt vorn aus demselben rechts und links ein Seilenzweig, 
der schräg nach aussen emporsteigt und in den aufsteigenden 
Stamm des anliegenden Seilengefässes hineinführt (Fig. 14. ^*''*). 

Die Länge des Körperstammes wird von Gegenbaur 
auf 4—6 Zoll im ausgedehnten Zustande, die Zahl der An- 
hangsgruppen auf 20 — 30 angegeben. Die Exemplare, die mir 
und auch Herrn Vogt in Nizza zur Untersuchung kamen, wa- 
ren sehr viel gröfser. Ich habe Galeolarien gesehen, die im 
ausgedehnten Zustande über 2 F'uss massen und mehrere hun- 
dert Anhangsgruppen trugen, also Grössenverhältnisse zeig- 
ten, wie sie bei den echten Diphyesarlen ganz unerhört sind. 

Ueber die Anhangsgruppen unserer Galeolaria will ich 
mir nur einige wenige Bemerkungen erlauben. Sie sitzen nicht 
unmittelbar, wie bei den übrigen Diphyiden auf dem Stamme 
der Colonie, sondern auf einer Aussackung dieses Stammes, 
in der ich eine deutliche Flimmerbekleidung unterschieden habe. 
Das Deckblatt beschreibt Gegenbaur als einen Trichter, wie 
bei Diphyes, ich gestehe indessen, dass ich ebenso wenig, 
wie Herr Vogt (p. 114), an denselben ein Uebergreifen der 
freien Ränder beobachtet habe. Der Trichter , der bei dem 
Gen. Diphyes ganz geschlossen ist, schien hier gewissermaas- 
sen (Fig. 17} dem Ansatzpunkte gegenüber der Länge nach 
gespalten ; die Form der Deckslücke also — bei horizonta- 
ler Lage des Stammes gedacht — mehr eine sattelförmige, 
als eine trichterförmige. Die Gefässe des Deckblattes sind 
ausserordentlich deutlich und im ausgebildeten Zustande, wie 
auf den früheren Phasen der Enlwickelung schon früher von 
mir beschrieben (Z.U. S. 29. Tab. !I. Fig. 8. 9). Herr Vogt 
hat nur die Wurzel dieses Gefässapparates dargesleltt, wäh- 
rend Gegenbaur auf seiner Abbildung nur eine Erwei- 
terung des Körperslammes zeichnet, wie er sie auch bei Di- 



286 L eu cka r t: 

phyes statt eines eigentlichen Gefässapparates vorgefunden 
zu haben glaubt. 

Männliche und weibliche Geschlechlsknospen sind be- 
kanntlich auf verschiedene Stän»me verlheilt und von einer 
exquisiten Mediisenform mit weit abstehendem Mantel. Ich 
habe die Entwickelung dieser Anhänge in meinen Untersu- 
chungen ausführlich beschrieben (Fig. 17); sie ist ganz die- 
selbe, wie bei den übrigen Diphyiden. Ein Gleiches gilt auch 
für die anatomische Bildung der Glocken, obgleich Herr Vogt 
bei den ausgebildeten weiblichen Glocken weder des Gefäss- 
apparates im Mantel, nach der weilen Höhle im stempeiför- 
migen Träger der GeschlechtsslofFe Erwähnung thut. 

ß. Diphyiden, deren Schwimmglocken in einer fast glei- 
chen Höhe und parallel neben einander angebracht sind und 
eine im Wesentlichen symmetrische Bildung haben. Der Cen- 
tralkanalderSchwimmglocken tritt an die Kuppel des Schwimm- 
sackes. 

Gen. Praya Blaiuv. 

Die Schwimmstücke von einer ansehnlichen Grösse und 
bohnen- oder nierenförmigen Gestalt, mit einem weichen und 
gallertartigen, aber ausserordentlich dicken Mantel, so dass 
die eigentliche Schwimmhöhle auf einen kleinen Raum in der 
hinlern Hälfle der Schwimmstücke beschränkt wird. Zur Er- 
nährung des Mantels dient ein eigener Gefässapparat , der 
sich aus dem Stielgefässe der Schwimmglocken abzweigt '}. 
Die Deckslücke und der Mantel der Geschlechtsorgane be- 
sitzen dieselbe physikalische BeschafFenheil und dieselbe Dicke, 
wie der Mantel der Schwimmglocken. Die Form der Ge- 
schlechtsorgane ist glockenartig, der Stempel im Innern der- 
selben, der die Geschlechlsstoffe trägt, so klein, dass er leicht 
übersehen werden kann. 

Praya cymbiformis (Delle Ch.) Lt. 
Das Schicksal des Thieres, mit dem wir uns hier be- 
schäftigen, ist nicht anders gewesen, als das des vorherge- 



1) Nacti K Olli k er und Vogt sollen diese Mantelgefässe frei- 
lich (wie Saftbehälter) isolirt aus dem vordem Stammende ihren Ur- 
sprung nehmen, doch dürfte diese Angabe wohl auf einem Beobach- 
tungsfehler beruhen. 



Zur nähern Kenntniss der Siphonophoren von Nizza. 287 

henden. Gleichfalls von Delle Chiaje entdeckt und im 
verslümmelten Zustande (mit einer einzigen Schwimmglocke) 
als Physalia cymbiformis ') beschrieben (Descriz. etc. T. V. 
p. 134), ist es späterhin, bis auf Herrn Vogt (Zool. Briefe 
S. 140), nur bruchstücksweise beobachtet und in diesem Zu- 
stande zum Repräsentanten verschiedener Genera von unsi- 
cherer Stellung gemacht worden. Quoy und Gaimard, 
die solche Bruchstücke (wahrscheinlich von unserer Art) bei 
Gibraltar auffanden, bildeten aus denselben das Gen. Rosacea 
und beschrieben die isolirte Schwimmglocke mit dem Anfangs- 
theile des Stammes als R. plicata, eine isolirte Anhangsgruppe 
als R. ceutensis (vergl. Isis a. a 0.). Später beobachteten 
dieselben Naturforscher auf ihrer Entdeckungsreise von Neuem 
die isolirten Schwimmglocken einer Praya , die sie jetzt — 
ohne die Beziehungen zu dem früher aufgestellten Gen. Ro- 
sacea zu würdigen — als eine Diphyes, D. prayensis und du- 
bia bezeichneten. Diese letztern waren es, die Blainville 
Gelegenheit zur Aufstellung des Gen. Praya gaben , das wir 
hier beibehalten, obgleich eigentlich dem Genusnamen Rosa- 
cea 2) die Priorität gebührte. 

Gegenbau r, dem wir eine vortreffliche Darstellung 
unseres Thieres verdanken (Beiträge S. 19. Tab. XVi. Fig. 1) 
unterscheidet zwei Arten des Gen. Praya, die Praya maxima 
Geg., die mit unserer Art identisch ist, und Praya diphyes Bl. 
(Diphyes prayensis Q. et G. , die an den Inseln des grünen 
Vorgebirges aufgefunden worden). Bei letzterer verweist er 
auf Vogt, der dieselbe bei Nizza beobachtet habe (Rech. p. 
09. Tab. XVI) , und auf Kölliker, dessen Praya diphyes 
(S. 33. Tab. IX.) im Wesentlichen mit der Vogt'schen Form 
übereinstimmt , aber nur in einem einzigen Exemplare zur 



1) Freilich ist die Beschreibung und Abbildung von Delle 
Chiaje nur wenig genau und kenntlich, doch glaube ich sie nichts- 
destoweniger auf unsere Praya beziehen zu dürfen. Schon die Hal- 
tung, in der sie Delle Chiaje abbildet, spricht dafür. Ich habe un- 
sere Praya nach Verlust einer Schwimmglocke sehr gewöhnlich in 
derselben (mit horizontal stehender Glocke und senkrecht herabhän- 
gendem Körperstamme) angetroffen. 

1) Eschschollz rechnet die Arten des Gen. Rosacea, freilich 
nur vermuthungsweise, zu Abyla. 



288 Leuckart: 

Beobachtung kam. Die unterscheidenden Charaktere dieser 
beiden Arten sind nach Gegenbaur (Zeitschrift für wiss. 
Zool. V. S. 453) folgende : 

Pr. diphyes BI. 

Schwimmslücke nur lose mit einander verbunden, in je- 
dem Schwimmstücke ein bläschenförmig endender Canal, der 
mit dem Stamme in Verbindung steht. Gefässverlauf auf den 
Schwimmstücken gerade, vom hintern Ende derselben bis zum 
Ringcanale an der Mündung. 

Pr. maxima Geg. 

Schwimmstücke ungleich gross. Das kleinere wird vom 
grössern theilweise umfasst. Nur im kleinern Schwimmstücke 
ein blind endender Fortsatz des Stammes. Die beiden seit- 
lichen Gefässe verlaufen auf den Schwimmstücken in vielfa- 
chen Biegungen. 

Ich weiss nicht, ob Gegenbaur ausser der Pr. ma- 
xima auch die Pr. diphyes genauer untersucht und mit der 
Pr. maxima verglichen hat. Sollte dem so sein, so zweifle 
ich allerdings nicht im Geringsten , dass diese beiden Arten 
sich unterscheiden lassen und gute Arten sind '). Bis dahin 
aber möchte ich mir doch erlauben , über die Zulässigkeit 
derselben einige Bedenken zu äussern. Ich habe in Nizza fast 
täglich Exemplare von Praya gesehen und gefangen, aber alle, 
die ich untersuchte, zeigten eine Vereinigung und einen Ge- 
fässverlauf an den Schwimmstücken, wie es Gegenbaur 
von Pr. maxima als characteristisch angiebt. Auch unter mei- 
nen Vorräthen, einigen und vierzig Schwimmslücken, findet 
sich kein einziges Exemplar, welches nicht jetzt noch die un- 
verkennbaren Zeichen dieser Vereinigungsweise an sich trüge. 
Wenn neben dieser Pr. maxima wirklich noch eine zweite 
Art in Nizza vorkommt, wenn also die Angaben des Herrn 
Vogt über die lose Vereinigung der Schwimmstücke bei den 
von ihm beobachteten Exemplaren auf keinem Beobachtungs- 



1) In diesem Falle ist nur zu bedauern, dass Geg. uns nicht 
eine vollständige Beschreibung der Fr. diphyes mitgetheilt hat, da die 
Darstellungen von Vogt und auch von Koplik er am Ende doch 
noch Manches zu wünschen übrig lassen. 



Zur nähern Kenntniss der Siphonophoren von Nizza. 289 

fehler beruhen ^), so muss dieselbe zur Zeit meines Aufent- 
haltes in Nizza entweder gänzlich gefehlt haben oder doch 
sehr einzeln vorgekommen sein, während es dann gerade zu 
jener Zeit, in der Herr Vogt seine Untersuchungen anstellte, 
umgekehrt der Fall war ^). 

Ausser den oben angemerkten unterscheidenden Charak- 
teren der Pr. diphyes führt Gegenbaur übrigens gelegent- 
lich bei seiner Darstellung der Pr. maxima noch einige an- 
dere minder hervorstechende an, und unter diesen finde ich 
einen, den ich gleichfalls beobachtet habe. Er betrifft den 
Verlauf des Nesselknopfkanales, der bei Pr. maxima gerade, 
bei Pr. diphyes aber in vielfachen queren Windungen verlau- 
fen soll (S. 25.). Unter meinen Zeichnungen habe ich nur 
einige, die (Fig. 18.) diese Windungen deutlich erkennen las- 
sen ; doch gestehe ich, dass ich bei der Beobachtung keinen 
besonderen Werth auf diese Eigenthümlichkeit gelegt habe, 
einmal weil ich die Windungen bald mehr bald minder aus- 
gebildet fand , also Uebergänge zwischen dem geraden und 
dem gewundenen Verlaufe beobachtet zu haben glaubte, sodann 
aber auch desshalb, weil mir auch die Entwicklung der Nes- 
selknöpfe im Ganzen, ihre Form wenigstens, mancherlei kleine 
Verschiedenheiten (namentlich in dem Grade ihrer Krümmung) 
darbot. Unter solchen Umständen habe ich denn auch nicht 
darauf geachtet , ob dieser Charakter vielleicht nur an den 
Nesselknöpfen gewisser Exemplare, und zwar an allen Nes- 
selknöpfen derselben , zu beobachten war und mit gewissen 
Eigenlhümlichkeiten in der Bildung der Schwimmglocken co- 
incidirte. 

Die beiden Schwimmglocken, die, wie schon oben be- 



1) Ueber den Gefässverlauf an den Schwimmsäcken von Pr. di- 
phyes erfahren wir von Herrn Vogt auch nicht das Geringste. Auch 
die Angaben von Köllilier erscheinen nur unvollständig. Er giebt 
an (S. 34), dass zwei Gefässe in leichtgebogenem Verlaufe an den 
Grund der Schwimmhöhle hinantreten, um hier, in zwei Aeste gespal- 
ten, an den Seitentheilen gegen die Mündung hin zu verlaufen und, wie 
es schien, mit einem Ringgefässe zu endigen. 

2) Die eine von Herrn Vogt gegebene Abbildung (Tab. XYI 
Fig' 3) glaubt Gegenbaur auch wirklich auf Pr. maxima beziehen 
zu müssen. 

Archiv f. Naturgesch. XX. Jahrg. 1. Bd. 19 



590 Leuckart: 

merkt, im Ganzen eine gleiche Entwicklung und übereinstim- 
mende Bildung besitzen, lassen nichts desto weniger bei nä- 
herer Belrachlung manche constante Verschiedenheiten 'erken- 
nen. Zunächst ist die eine dieser Schwimmglocken (Fig. 19.) 
beständig, wie auch Herr Vogt bemerkt hat, kleiner oder 
vielmehr richtiger kürzer, als die andere. Wir wollen diese 
kürzere Schwimmglocke die vordere nennen, theils wtü 
sie in morphologischer Hinsicht (Beziehung zum Stamme 
U.S.W.) der vordem Schwimmglocke bei den Diphyiden mit 
ungleich hohen Schwimmglocken entspricht, theils auch, weil 
sie mit ihrem vordem Ende die andere Schwimmglocke et- 
was überragt, obgleich der Unterschied vielleicht nur sehr 
gering ist. Die Gestalt der beiden Schwimmglocken lässt sich 
am besten mit einer Niere vergleichen, zumal auch die in- 
nere dem Körperslamme anliegende Fläche derselben in ih- 
rer ganzen Länge von einem tiefen und rinnenlörmigen Hi- 
lus durchzogen ist. Offenbar entspricht diese Rinne dem 
Durchlasskanale, den w^ir sonst bei den Diphyiden an der 
hintern Schwimmglocke vorfinden, obgleich die Seitenfirsten, 
die ihn zwischen sich nehmen, weniger eine aufsitzende La- 
melle, als eine unmittelbare Fortsetzung des Mantels darstel- 
len. Herr Vogt, der diese Rinne gleichfalls beschreibt, giebt 
an, dass die Ränder derselben sich auf einander legen, um 
einen Canal zum Schutze des vordem Stammendes zu bil- 
den ^); ich finde indessen bei den von mir näher untersuch- 
ten Exemplaren eine sehr abweichende Anordnung, wie sie 
nach Gegenbaur nur bei Pr. maxima vorkommen und für 
diese charakteristisch sein soll. Mit kurzen Worten lässt 
sich diese Anordnung als eine Einsenkung der vordem und 
kleinern Schwimmglocke in die Längsrinne der grössern und 
äussern bezeichnen (Fig. 19) , als eine Bildung, wie wir sie 
schon bei Galeolaria angedeutet sahen. Betrachtet man die 
beiden Schwimmglocken genauer, so findet man, dass die seit- 
lichen Begrenzungen der Längsrinne an der kleinern Schwimm- 



l) Aehniich sagt Kolli ker, dass die „halbkugelförmigen" 
Schwimmstücke von Pr. diphyes mit ihren ebenen Flächen sich an 
einander legen und zugleich mit ihrer leicht vertieften Mitte das 
obere Ende der Leibesachse aufnehmen. 



Zur nähern Kenntniss der Siphonophoren von Nizza. 391 

glocke in der vorderen Hälfte sich mit ihren Lippen an ein- 
ander legen und (ier innern Fläche dadurch eine etwas keil- 
förmige Gestalt mittheilen (Fig. 20.^). Mit Hülfe dieses Kei- 
les nun ist die kleinere Schwimmglocke in die klaffende 
Längsrinne der grösseren (Fig, 20. jB) hineingeschoben, so 
dass die Ränder derselben sich an die Seitenflächen der er- 
stem anschmiegen. Die Einkeilung der kleinern Schwiram- 
glocke beschränkt sich übrigens vorzugsweise, wie ich er- 
wähnte, auf die vordere Hälfte der Schwimmglocken ; in der 
hintern Hälfte liegen die Ränder der beiden Längsrinnen wirk- 
lich, wie es Herr Vogt beschreibt, mehr oder minder dicht 
auf einander ^ die beiden Schwimmglocken sind daher auch 
nicht so streng parallel, wie es Gegenbau r abbildet, son- 
dern nach unten digergirend — , um einen Kanal zur Auf- 
nahme des obern Körperstammes zu bilden. Der Antheil, den 
die Längsrinne des grössern (hintern und äussern) Schwimm- 
slückes an der Bildung dieses Kanales nimmt ^ wird immer 
kleiner, je weiter derselbe nach vorn oder oben vorrückt, 
bis der Kanal endlich nur noch in dem keilförmig gebildeten 
Theile von der kleinern Schwimmglocke umschlossen wird. 
In diesem vordem Ende liegt der Anfangslheil des gemein- 
schaftlichen Körperstammes ^) mit einer zahllosen Menge von 
jungen und hervorknospenden Anhängen (Fig. 20. ^). 

Den Verlauf der Gefässe im Mantel und an der Schwimm- 
giocke habe ich schon früher in wesentlich übereinstimmen- 
der Weise mit Gegen bau r beschrieben 2). Ich habe nur 
zu bemerken, dass die früher von mir mitgetheilte Abbildung 
(Z. U. Tab. I. Fig. 4) einem Exemplare entnommen ist, bei 
dem der Verlauf der Seitengefässe an der Schwimmglocke 



1) Daher Icommt es denn auch, dass bei einer Verstümmelung 
unseres Thieres gewöhnlich die äussere Schwimmglocke zuerst ver- 
loren geht. 

2) Gegenbaur wirft mir vor (Zeitschr. für wiss. Zool.V. 
S. 450), dass ich den Schwimmapparat meiner Praya unvollständig be- 
schrieben habe — es lag früher aber überhaupt nicht in meiner Ab- 
sicht, eine vollständige Beschreibung dieses Apparates zu liefern. 
Eine solche halte ich mir für die speciellcrc zoologische Darstellung 
vorbehalten. 



ij9^ Leuckart: 

eine einfache Doppelschlinge bildete, während in der Regel 
der vordere Bogen dieser Schlinge nochmals (vgl. Fig. 19 u. 
20.) eine kleine Einbiegung nach oben zeigt. Was ferner 
die Bemerkung von Gegenbaur betrifft, dass der Mantel 
der grössern Schwimmglocke des obern blinden Gefässforl- 
satzes entbehre, so muss ich die Richtigkeit derselben in Ab- 
rede stellen. Ich habe den Gefässverlauf im Mantel der bei- 
den Schwimmglocken beständig ebenso übereinstimmend ge- 
funden, wie den Gefässverlauf auf den Schwimmstücken (Fig. 
19.)} und mich durch die Untersuchung meiner in Liqueur 
conservatoire autbewahrten Schwimmstücke nochmals von der 
Richtigkeit dieser Bemerkung überzeugt. Die Gefässe des 
Mantels sind ihrer Weite wegen so deutlich und bestimmt 
wahrzunehmen, dass hierbei kaum ein Irrthum möglich ist. 
In dieser Hinsicht findet sich also keinenfalls ein Unterschied 
zwischen Pr. maxima und Pr. diphyes 0» wenn wir wenigstens 
annehmen, was gewiss erlaubt sein wird, dass der untere Ge- 
fässfortsatz für den Mantel von Kölliker und Vogt über- 
sehen sei. 

Am vordem Ende des Stammes trifft man beständig, 
wie bei Galeolaria, einige kleine, mehr oder minder knospen- 
artige Ersatzschwimmglocken, von denen die hinterste nicht 
selten schon vor einem etwaigen Verluste zur Entwicklung 
kommt. Ich fand dieselben häufig von der Länge einer Li- 
nie, ein Mal vier Linien lang, ein ander Mal vollkommen 
ausgebildet, wie es oben auch für Galeolaria bemerkt wurde. 
Die überzählige Schwimmglocke war in diesem Falle eine 
vordere. Sie stand neben der andern und war mit ihr zu- 
sammen in die stark ausgeweitete Rinne der hintern Schwimm- 
glocke hineingesenkt. Anomalien in der Bildung der Schwimm- 
glocken gehören überhaupt bei unsermThiere, wie es scheint, 
nicht zu den Seltenheiten. So beobachtete ich eine Praya, 
deren äussere Schwimmglocke mit ihrer Oeffnung nicht nach 
hinten sah, wie die vordere, sondern vielmehr nach vorn, 



1) Auch die knopfförmige Anscliwellung am blinden Ende der 
vordem Mantelgefässe, die von Vogt und Kölliker beschrieben 
\vird, scheint kaum ein Unterschied zu sein, da sich diese auch bei 
Pr. cymbiforrais angedeutet findet. 



Zur nähern Kennlniss der Siphonophoren von Nizsa. 293 

also in entgegengesetzter Richtung entwickelt war, nichts desto 
weniger aber doch ihre vollkommne Ausbildung zeigte. Wie- 
derum in einem andern Falle sahen beide Schwimmglocken, 
eine ausgewachsene innere und eine 5 — 6'" lange äussere, 
nach vorn, so dass der Durchlasskanal sich hier also am 
Scheitel der Schwimmglocken öffnete; eine Anomalie, die 
wohl darin ihre Erklärung finden dürfte, dass hier nach dem 
Verluste der äussern Schwimmglocke, vielleicht auch durch 
denselben Zufall, der diesen Verlust herbeiführte, der Stamm 
in eine falsche Lage gebracht war und zwar in eine solche, 
die der normalen entgegengeselzt war. Wenn die kanalför- 
mige Höhle, in welcher der Stamm befestigt ist, geschlossen 
wäre, dann würde eine solche Lagenveränderung allerdings 
unmöglich sein, aber diese Höhle ist ja eigentlich , wie wir 
wissen, nichts anderes, als eine Rinne mit zusammengeboge- 
nen Rändern , die am Scheitel des Schwimmstückes ebenso 
gut (wenn auch durch eine bei weitem kleinere Oeffnung) 
nach aussen führt, als am entgegengesetzten Ende. 

Die Entwicklung der Polypen und Fangfäden von Praya 
habe ich in meinen zoologischen Untersuchungen (Tab. L 
Fig. 15.) dargestellt; sie ist ganz genau dieselbe, wie bei den 
übrigen Siphonophoren, und namentlich den Diphyiden (zur 
Vergleichung mache ich auf Fig. 2. 3. 4. 12 in Tab. XL der 
vorliegenden Abbildungen aufmerksam). Auch die Form die- 
ser Anhänge im ausgebildeten Zustande zeigt eben keine be- 
merkensvverlhe Eigenlhümlichkeiten. Ich verweise für die- 
selben auf die Beschreibungen von Gegen bau r, Vogt und 
Kölliker und begnüge mich mit der Bemerkung, dass der 
Kopf der Nesselknöpfe gewöhnlich ziemlich stark (Fig. 18.) 
nach innen eingebogen ist, und der muskulöse Angelfaden 
sich auf das obere Ende des Nesselknopfes beschränkt, auf 
jene Stelle , an der man nicht selten die oben erwähnten 
Windungen des eingesclilossenen Kanales wahrnimmt. Die 
Form und Bildung der Nesselorgane ist von Gegenbaur 
sehr genau dargestellt worden. 

Dasselbe gilt von den Deckstücken unserer Praya, die 
eine sehr eigenlhümliche Gestalt haben. Sie gleichen gewis- 
sermaassen (Fig. 24.) einer liegenden Bohne mit einer stär- 
ker gewölbten obern Fläche, die rund um den Stamm herum- 



Ö94 Leuckart: 

gekrümmt ist, so dass die Enden sich berühren, und einen 
flachen und kappenförmigen, aber ausserordentlich dickwandi- 
gen Trichter darstellt. Das eine freie Ende dieses Deckstückes 
ist vollkommen solide, das andere aber anseinerinnern, dem 
Stamme zugekehrten Fläche mit einer tiefen Grube versehen, 
die zur Aufnahme der Geschlechtsglocke und übrigen An- 
hänge bestimmt ist und zwischen zw^eien Lamellen, einer 
obern und einer untern, eingeschlossen wird. Unter solchen 
Umständen kann man die Deckstücke unserer Praya auch, 
wie von Herrn Vogt und Kölliker geschieht, mit einem 
Helme vergleichen, aber nicht mit einem aufrecht stehenden, 
sondern vielmehr mit einem liegenden, wobei denn das so- 
lide Ende der Deckschuppe gewissermaassen den Kopftheil, 
die beiden Lamellen des andern Endes die Backenfortsätze 
darstellen würden. Im Innern dieses Deckstückes unterschei- 
det man (Fig, 24.) vier blindschlauchartige Gefässvcrlänge- 
rungen, die etwa in der Mitte des Deckstückes durch Hülfe 
eines gemeinschaftlichen Stammes aus dem Reproductionska- 
nale hervorkommen ; ein Gefäss für das solide Kopfende, ei- 
nes für je einen lamellösen Seitenfortsatz und endlich ein vier- 
tes Gefäss , das etwa in der Mitte zwischen den eben ge- 
nannten, wenn auch meistens den letztern mehr angenähert, 
herabläuft, hier und da auch wohl erst aus dem einen der 
beiden letztern Gefässe hervorkommt. Das blinde Ende die- 
ser Gefässe ist nicht selten etwas keulenförmig erweitert, 
doch habe ich diese Erweiterung niemals in einem solchen 
Grade beobachtet wie Herr Vogt. In der Regel zeigen auch 
die Gefässe für die zwei lamellösen Seitenfortsätze einen ge- 
knickten Verlauf. 

So auffallend nun übrigens auch diese Bildung ist, so 
lässt sich doch durch Hülfe der Entwicklungsgeschichte der 
Nachweis liefern, dass sie nur eine Modification der bei den 
Diphyiden ganz gewöhnlichen Form der Deckstücke darstellt. 
Die ersten Phasen der Entwicklung haben, wie ich mich über- 
zeugte, eine frappante Aehnlichkeit mit den Vorgängen in 
der Bildung der Deckstücke bei Abyla. Wie hier , ist das 
Deckstück von Praya Anfangs ein einfaches Bläschen dicht 
oberhalb der Geschlechtsknospe, das sich später abplattet und 
eine klceblaltartige Gestalt annimmt (Fig.2I.> Die Seiten- 



Zur nähern Kenntniss der Siphonophoren von Nizza. 295 

läppen, die ein Dive^itikel des ursprünglich ganz einfachen 
Höhlenapparates in sich einschliessen, umwachsen dann spä- 
ter die Basis der Geschlechtsknospe und der übrigen An- 
hänge mitsammt dem Stamme , an dem dieselben befestigt 
sind. Natürlich geschieht dieses unter beständiger Grössen- 
zunahme, auch unter einer Formveränderung, so fern wenig- 
stens die Grenze zwischen den einzelnen Lappen des Deckstük- 
kes dabei immer mehr und mehr verschwinden. Noch be- 
vor übrigens die Umwachsung vollständig ist, entsteht an der 
untern Fläche und zwar an der Basis des rechten Seitenlap- 
pens — von demßefestigungspunkte aus gesehen — eine neue 
Aufwulstung, die gleichfalls ein Divertikel des Höhlensyste- 
mes in sich einschliesst (Fig. 23.). Diese letzte Aussackung 
wird zu dem untern Seitenfortsatze *), der darüberliegende 
(rechte) Lappen zum obern, während sich der linke Lappen, 
der beständig einfach bleibt, in den Kopf des Deckstückes 
verwandelt. Unter solchen Umständen glaube ich denn auch 
nicht, dass man den Deckstücken unseres Thieres mit Recht 
eine jede Symmetrie absprechen kann. Die Symmetrie unse- 
rer Deckslücke ist allerdings durch die Entwicklung eines drit- 
ten Seitenlappens gestört, im ausgebildeten Zustande auch 
sonst vielleicht (durch asymmetrische Lage des mittlem Ge- 
fässslammes) getrübt, aber nichts desto weniger auf das Be- 
stimmteste nachweisbar. 

Ueber die Geschlechtsverhältnisse unserer Praya sind 
wir durch G egen baur aufgeklärt. Wir erfahren durch 
die Beobachtungen desselben, dass die von Herrn V o gt be- 
schriebenen „Specialschwimmglocken" die neben den einzel- 
nen Polypen ansitzen, Geschlechtsglocken sind, wie bei den 
übrigen Diphyiden. Herr Vogt beschreibt nun freilich ne- 
ben diesen „Specialschwimmglocken'' noch besondere Ge- 
schlechtsorgane (p. 106), sogar männliche und weibliche, es 
ergiebt sich indessen, dass diese Gebilde nur unvollständig 
beobachtete junge und knospenartige Geschlechtsglocken dar- 
stellen, die, wie bei der Mehrzahl der Diphyiden, an der Ba- 

1) In meinen zool. Untersuchungen I. S. 23 habe ich über die 
Bedeulung dieses untern SeiUnfortsatzes eine nicht ganz richtige An- 
sicht geäussert. 



296 Leuckarl: 

sis der ausgebildeten Geschlechtsorgaiie ansitzen und dazu 
bestimmt sind, diese letztern zu ersetzen, wenn dieselben nach 
erlangter Reife von ihrer Bildungsstätte sich abtrennen. Die 
Eier, die Herr Vogt im Innern dieser Geschlechtsglocken, 
der weiblichen wenigstens, beschreibt und zeichnet, mögen 
auch wirklich in manchen Fällen Eikeime gewesen sein — 
in andern (Tab. XVII. Fig. 11) sind sie es entschieden nicht 
— die Spermatozoen aber, die in den sogenannten männli- 
chen Organen vorkommen sollen und, wie beschrieben wird, 
aus der Innern Höhle hervorwachsen und schliesslich sich 
abtrennen, sind die schon von W i 11 gesehenen fadenförmigen 
„Eingeweidewürmer", die seither von allen Beobachtern bei 
allen Siphonophoren in Menge aufgefunden wurden und in 
den Anhängen zur Untersuchung kamen. Ich habe schon 
an einem andern Orte meine Ansicht über diese Gebilde aus- 
gesprochen (Unters. I. S. 11) und kann dieselben auch heute 
noch nicht für individuell belebte Thiere 0» sondern nur für 
colossale frei gewordene Flimmerhaare hallen,, obgleich K Ol- 
li ker und auch Gegenbaur die thierische Natur derselben 
ohne Weiteres anzunehmen scheinen. Bei dieser Gelegen- 
heit erfahren wir auch von Herrn Vogt (p. 109), dass die 
Samenfäden bei den Diphyiden wurmförmig , nicht steckna- 
delförmig seien, wie bei den Physophoriden, doch diese An- 
gabe ist nicht minder unrichtig, wie die Deutung jener Flim- 
merhaare. 

Durch die Untersuchungen von Gegenbaur ist die 



1) Beiläufig will ich hier bemerken, dass die Siphonophoren 
sehr häufig von einem kleinen, durchsichtigen Distomum heimge- 
sucht werden. HerrVogt erwähnt desselben bei Hippopodius (p.973, 
Kölliker (S. 19) bei Apolemia, Philippi (Müller's Arch. 1843. 
S. 56) bei Physophora; mir ist es bei den verschiedensten Arten der 
Siphonophoren, so viel ich mich erinnere, bei allen, die ich unter- 
suchte, aufgestossen. Ueberhaupt muss dieses Thier sehr weit ver- 
breitet sein. Ich fand es auch bei andern pelagischen Geschöpfen, 
bei den Firoloiden (Firola fredericiana, Firoloides Lesueurii) bei Sa- 
gitten, Salpen (S. democratica) u. s. w. , und zweifle kaum daran, 
dass es mit den schon von Forskai, Eschscholtz, Will u. A. 
bei verschiedenen Akalephen beobachteten Würmern identisch sei. 
Vgl. hierzu die Bemerkungen von Bus eh a. a. 0. S. 99. 



Zur nähern Kennlniss der Siphonophoren von Nizza. 297 

Natur der sogenannten Specialschwimmglocken bei Praya jetzt 
in einer Weise festgestellt, wie ich es schon früher einmal, 
zu einer Zeit, wo ich die Praya nur aus der Abbildung in 
den zoologischen Briefen des Herrn Vogt kannte, vermuthet 
halte (Zeitschr. für wiss. Zool. IIL S.208). Mir selbst ist 
es leider nicht geglückt , diese Vermulhung zur Geltung zu 
bringen , zumal ja Herr Vogt so sehr entschieden darüber 
abgeurtheilt halte. Allerdings war es mir nicht entgangen, 
dass von dem Scheitel der „Specialschwimmglocke" ein klei- 
nes Knöpfchen mit einem Divertikel im Innern in die weile 
Schwimmhöhle hineinragte (Z. U. S. 9) , wie bei den Ge* 
schlechtsanhängen, dass auch die Entwicklung derselben ohne 
irgend erhebliche Verschiedenheit mit der Entwicklungsweise 
der Geschlechtsknospen übereinstimmte (S. 12u. 31), aber es 
wollte mir nicht gelingen, die Geschlechlsstoffe, Eier und Sa- 
menfäden, in den Wandungen jenes stempeiförmigen Knöpf- 
chens aufzufinden. Noch heute weiss ich nicht, was hier- 
von die Schuld trägt, ob irgend ein unglücklicher Zufall oder 
allzugrosses Vertrauen auf die Untersuchungen des Herrn 
Vogt, der mich ja specicll auf die „ausser jenen Schvvimm- 
glocken noch vorhandenen Geschlechtsknospen" hingewiesen 
hatte. Dass dadurch meine Aufmerksamkeit von den grossen 
und ausgebildeten Glocken abgezogen und vorzugsweise auf 
die von Herrn Vogt hervorgehobenen Gebilde gelenkt wurde, 
ist wohl erklärlich ; allein ich fand hier, an der Wurzel der 
„Specialschwimmglocken^^ nichts Anderes als Knospen, deren 
Entwickelung, wie ich mich überzeugte, mit der der Special- 
schwimmglocken übereinstimmte (S. 33). Für die geschlecht- 
liche Natur derselben ergaben sich keine andern Andeutun- 
gen, als dieEigenthümlichkeit der Entwicklung, die ich auch 
schon bei den sogenannten Specialschwimmglocken hervor- 
gehoben halte. Somit lag mir nur die Alternative vor, ent- 
weder einen Irrthum von Seite des Herrn Vogt zu vermu- 
then, oder anzunehmen, dass meine Exemplare trotz ihrer 
Grösse nicht geschlechlsreif seien. Dass ich mich mit der 
letztem Annahme beruhigte, war allerdings ein Fehler, den 
ich nur mit dem Hinweis auf die Fülle des Beobachtuujsfs- 
materiales entschuldigen will, das den Naturforscher an den 
fernen Seeküslen in Anspruch nimmt. Später, als ich die 



298 Leuckart: 

Verhältnisse ruhiger überlegen konnte , erkannte ich selbst, 
wie wenig- wahrscheinlich die Behauptung von Herrn Vogt 
sei. Noch auf S. 70 meiner Abhandlung habe ich die Ver- 
muthung ausgesprochen , dass die kleinen Knospen an der 
Basis der sogenannten Specialschwiminglocken zum Ersätze 
derselben dienten und diese letztern die eigentlichen Ge- 
schlechtsanhänge darstellten, wie es von Gegenbaur ge- 
genwärtig nachgewiesen ist ')• 

Bei unserer Praya ist es übrigens wirklich leicht mög- 
lich, die eigentlichen Träger der Geschlechtsorgane und da- 
mit denn auch die GeschlechtsstofFe im Innern des Mantels 
zu übersehen, da der Mantel sehr weit, der betreffende Stem- 
pel aber verhältnissmässig ganz ausserordentlich klein ist. 
Was dagegen die Gefässe der Geschlechtsglocken betrifft, 
so sind diese sehr deutlich entwickelt, von Herrn Vogt 
aber in sofern irrthümlich beschrieben, als er nicht nur, wie 
auch Kölliker, den Stempel mit seinem Divertikel ganz un- 
beachtet lässt, sondern (p. 103) auch behauptet, dass der Ca- 
nalapparat sowohl durch das Stielgefäss, wie gewöhnlich, in 
den Reproductionskanal, als auch daneben noch in das Ge- 
fässsystem der Deckstücke einmünde. 

Männliche und weibliche Geschlechtsglocken fand Ge- 
genbaur an demselben Stamme vereinigt; die Praya ist 
also, wie manche andere Diphyiden,monöcischen Geschlechtes. 

b. Mit einem zweizeiligen Schwimmkegel, 
der aus mehrern in einander gefügten Schwimm- 
glocken gebildet wird, und an einer eigenen 
Achse befestigt ist. Der Körperstamm, der am 
obernEnde mitdieserAchse zusammenhängt, ist 
retractil und ohne Deckstücke. {Hippopodiidae). 

Gen. Hippopodiiis Q. et G. 

Schwimmstücke hufeisenförmig, zu einem ziemlich fe- 
sten Hohlkegel in einander gefügt. 



1) Ich darf mich desshalb auch wohl gegen die Aeusserung 
von Gegenbaur verwahren, dass ich die geschlechtlichen Verhält- 
nisse von Praya, „verkannt" hätte (Zeitschr. u. s. w. S. 450). Das 
kann man allerdings von Herrn Vogt sagen — über meine Angaben 
darf man wohl kaum mehr urtheilen , als dass ich die betreffenden 
Verhältnisse nicht vollständig erkannt hätte. 



Zur nähern Kenntniss der Siphonophoren von Nizza. 299 

Hippopoclius gleba Li. 

Schwimmkegel mit einer mehr oder minder abgerunde- 
ten Spitze und ziemlich parallelen Seitenflächen. 

Unter den zahlreichen schönen Entdeckungen über Si- 
phonophoren, die in den Descriptiones animalium von Fors- 
kal niedergelegt sind, findet sich auch die unseres Hippopo- 
dius (Gleba hippopus Forsk.). Leider existirt von demselben 
nur eine Abbildung, die noch dazu, wie man sich bald über- 
zeugen wird, nach einem unvollständig beobachteten Exem- 
plare entworfen ist. Späterhin (Act. Acad. Caes. Leopold. 
Vol. XXXVIII. p. 309) beschrieb Otto die Schwimmglocken 
unseres Thieres unter dem Namen Gleba excisa als selbst- 
ständige Geschöpfe, die nach Art der Salpen aneinanderge- 
reihet seien und einzeln eine vollkommne Organisation, Mund, 
Verdauungsapparate u. s. w. besässen ^). Andere Beobach- 
ter haben unsern Hippopodius genauer untersucht und auch 
als eine Siphonophore erkannt, wie namentlich Delle C h i a j e , 
der denselben in seiner Descrizione bald als Hippopus exci- 
sus, bald auch als Hippopodius luteus aufführt, und Quoy et 
Gaimard, die unter dem Namen Hippopodius luteus wahr- 
scheinlich ganz dieselbe Art (Elephantopus neapolitanus Less.) 
beschrieben. Unter den neuern Beobachtern erwähne ich 
Kölliker (S. Q8. Tab.VLFig. 1) und Vogt (p. 93. T. XV.), 
von denen der erslere sein Thier als Hippopodius neapolita- 
nus, der andere als H. luteus bestimmt hat. 

Wenn man die Abbildungen dieser beiden Beobachter 
vergleicht, so sollte man meinen, dass sie zwei verschiedene 
Arten zur Untersuchung gehabt hätten. Der Hippopodius nea- 
politanus von Kölliker hat, wie der Delle Chiaje'sche 
H. excisus, einen stark gewölbten halbkugelförmigen Schwimm- 
kegel, während der H. luteus des Herrn Vogt einen Schwimm- 
kegel besitzt, der sehr viel schlanker und nach oben mehr 
zugespitzt ist. Ich habe um Nizza Exemplare angetroffen, 
die sich ganz genau an diese beiden Formen anschliessen, 
und bin auch wirklich früher (noch in meinen zoologischen 



1) Ebenso geschieht es an derselben Stelle mit der abgelösten 
hintern Schwimmglocke von Abyla (Pyramis telragona). 



298 Leuckart: 

Verhältnisse ruhiger überlegen konnte , erkannte ich selbst, 
wie wenig wahrscheinlich die Behauptung von Herrn Vogt 
sei. Noch auf S. 70 meiner Abhandlung habe ich die Ver- 
muthung ausgesprochen , dass die kleinen Knospen an der 
Basis der sogenannten Specialschwimmglocken zum Ersätze 
derselben dienten und diese letztern die eigentlichen Ge- 
schlechtsanhänge darstellten, wie es von Gegenbaur ge- 
genwärtig nachgewiesen ist '). 

Bei unserer Praya ist es übrigens wirklich leicht mög- 
lich, die eigentlichen Träger der Geschlechtsorgane und da- 
mit denn auch die Geschlechtsstoffe im Innern des Mantels 
zu übersehen, da der Mantel sehr weit, der betreffende Stem- 
pel aber verhältnissmässig ganz ausserordentlich klein ist. 
Was dagegen die Gefässe der Geschlechtsglocken betrifft, 
so sind diese sehr deutlich entwickelt, von Herrn Vogt 
aber in sofern irrthümlich beschrieben, als er nicht nur, wie 
auch Kolli ker, den Stempel mit seinem Divertikel ganz un- 
beachtet lässt, sondern (p. 103) auch behauptet, dass der Ca- 
nalapparat sowohl durch das Stielgefäss, wie gewöhnlich, in 
den Reproductionskanal, als auch daneben noch in das Ge- 
fässsystem der Deckstücke einmünde. 

Männliche und weibliche Geschlechtsglocken fand Ge- 
genbaur an demselben Stamme vereinigt; die Praya ist 
also, wie manche andere Diphyiden, monöcischen Geschlechtes. 

b. Mit einem zweizeiligen Schwimmkegel, 
der aus mehrern in einander gefügten Schwimm- 
glocken gebildet wird, und an einer eigenen 
Achse befes tigt ist. Der Körperstamm, der am 
obernEnde mitdieserAchse zusammenhängt, ist 
retractil und ohne Deckstücke. (Eippopodiidae). 

Gen, Hippopodius Q. et G. 

Schwimmstücke hufeisenförmig, zu einem ziemlich fe- 
sten Hohlkegel in einander gefügt. 

1) Ich darf mich desshalb auch wohl gegen die Aeusserung 
von Gegenbaur verwahren, dass ich die geschlechtlichen Verhält- 
nisse von Praya, „verkannt" hätte (Zeitschr. u. s. w. S. 450). Das 
kann man allerdings von Herrn Vogt sagen — über meine Angaben 
darf man wohl kaum mehr urtheilen, als dass ich die betreffenden 
Verhältnisse nicht vollständig erkannt hätte. 



Zur nähern Kenntniss der Siphonophoren von Nizza. 299 

Hippopodius g leb a Lt. 

Schwimmkegel mit einer mehr oder minder abgerunde- 
ten Spitze und ziemlich parallelen Seitenflächen. 

Unter den zahlreichen schönen Entdeckungen über Si- 
phonophoren, die in den Descriptiones animalium von Fors- 
kal niedergelegt sind, findet sich auch die unseres Hippopo- 
dius (Gleba hippopus Forsk.). Leider existirt von demselben 
nur eine Abbildung, die noch dazu, wie man sich bald über- 
zeugen wird , nach einem unvollständig beobachteten Exem- 
plare entworfen ist. Späterhin (Act. Acad. Caes. Leopold, 
Vol. XXXVIII. p. 309) beschrieb Otto die Schwimmglocken 
unseres Thieres unter dem Namen Gleba excisa als selbst- 
ständige Geschöpfe, die nach Art der Salpen aneinanderge- 
reihet seien und einzeln eine vollkommne Organisation^ Mund, 
Verdauungsapparate u. s. w. besässen ^). Andere Beobach- 
ter haben unsern Hippopodius genauer untersucht und auch 
als eine Siphonophore erkannt, wie namentlich D e 1 1 e C h i a j e , 
der denselben in seiner Descrizione bald als Hippopus exci- 
sus, bald auch als Hippopodius luteus aufführt, und Quoy et 
Gaimard, die unter dem Namen Hippopodius luteus wahr- 
scheinlich ganz dieselbe Art (Elephantopus neapolitanus Less.) 
beschrieben. Unter den neuern Beobachtern erwähne ich 
Kölliker (S. Q8. Tab.VLFig. 1) und Vogt (p. 93. T. XV.), 
von denen der erstere sein Thier als Hippopodius neapolita- 
nus, der andere als H. luteus bestimmt hat. 

Wenn man die Abbildungen dieser beiden Beobachter 
vergleicht, so sollte man meinen, dass sie zwei verschiedene 
Arten zur Untersuchung gehabt hätten. Der Hippopodius nea- 
politanus von Kölliker hat, wie der Delle Chiaje'sche 
H. excisus, einen stark gewölbten halbkugelförmigen Schwimm- 
kegel, während der H. luteus des Herrn Vogt einen Schwimm- 
kegel besitzt, der sehr viel schlanker und nach oben mehr 
zugespitzt ist. Ich habe um Nizza Exemplare angetroffen, 
die sich ganz genau an diese beiden Formen anschliessen, 
und bin auch wirklich früher (noch in meinen zoologischen 



1) Ebenso geschieht es an derselben Stelle mit der abgelösten 
hintern Schwimmglocke von Abyla (Pyramis telragona). 



300 Leuckarl: 

Untersuchungen) der Ansicht gewesen, dass man dieselben 
als zwei besondere Arten unterscheiden könne. Gegenwär- 
tig habe ich indessen diese Ansicht aufgegeben, nachdem 
ich mich durch die Untersuchung meiner zahlreich gesam- 
melten Exemplare davon überzeugt habe, dass sich die schein- 
baren Verschiedenheiten durch Zwischenformen auf das 
Vollständigste ausgleichen. Die Exemplare mit schlankem 
Schwimmkegel sind allerdings in der Regel auch (bei gleicher 
Anzahl der Schwimmglocken) die kleinern , doch das kann 
sich möglicher Weise ja auch noch auf andere Weise erklä- 
ren lassen, als durch die Annahme zweier besonderer Arten. 

Dass ich für unsere Art den alten Forskarschen Namen 
— wenn auch etwas verändert — restituirt habe, bedarf wohl 
keiner Rechtfertigung. Die Benennungen von Delle Chi a je 
und Quoy et Gaimard haben zunächst nur eine Beziehung 
zu einzelnen Hauptformen unserer Species und müssen um 
so eher fallen, als sie nicht nur sehr viel jünger, sondern 
auch sehr viel weniger bezeichnend sind, als die Benennung 
von Fors k al. 

Was die Form der Schwimmslücke bei unserm Thiere 
betrifft, so lässt sich diese in der That mit Nichts besser 
vergleichen, als mit einem Pferdehufe, dessen unlere Fläche 
nach oben gekehrt ist. Die Schwimmstücke unseres Hippo- 
podius sind keilförmig abgestulze Kegelschnitte, an denen man 
(vgl. die Profildarstellung auf Tab. XII. Fig. 3) eine obere dia- 
gonal auf die Längsachse des Schwimmkegels stehende Flä- 
che, eine weniger stark geneigte untere Fläche und eine huf- 
eisenförmige gekrümmte Seitenfläche unterscheiden kann. Die 
erste dieser Flächen, die der Achse des Schwimmkegels zu- 
gekehrt ist und der Innern Fläche an den Schwimmstücken 
von Praya u. s. w. entspricht, ist, wie diese, mit einer liefen 
Längsrinne versehen (Tab. XII. Fig. 2). Die Ränder, die sie 
rechts und links begrenzen, sind in zwei starke, nach innen 
eingebogene Firsten ausgezogen, die sich nach unten immer 
mehr erheben und schliesslich am untern und Innern Rande 
des Schwimmslückes in zwei stumpfe Fortsätze auslaufen, 
zwischen denen ein bogenförmiger Ausschnitt vorspringt. 
Die untere kleinere Fläche der Schwimmstücke .(Tab. XII. 
Fig. 1) trägt eine kreisrunde grosse Oeffnung, die, bis an die 



Zur nähern Kenntniss der Siphonophoren von Nizza. 30l 

Ränder derselben hinanreicht und in einen flachen Schwimm- 
sack hineinführt. Am vordem Kande des Schwimmsackes er- 
hebt sich die Firste zwischen der untern und der seitlichen 
oder vordem Fläche des Schwimmstückes in vier aboferun- 
dete symmetrisch entwickelte Höcker, die durch bogenför- 
mige Ausschnitte von einander getrennt sind und auf der 
vordem Seitenfläche des Schwimmstückes allmählich nach 
oben zu verstreichen. Der obere Rand dieser Fläche zeigt 
gleichfalls einigehöckerförmige Erhebungen, zwei seitliche und 
eine mittlere, die nach Grösse und Entwicklung den Ausschnit- 
ten zwischen den Höckern des untern Randes entsprechen. 

Die Beschreibung, die ich hier mitgetheilt habe, passt 
für die Schwimmstücke unseres Hippopodius ohne Ausnahme. 
Nichts desto weniger finden sich aber mancherlei Diff'erenzen 
in der speciellen Bildung dieser Anhänge; Diff'erenzen, die 
Iheils von der Grösse des Schwimmkegels und der Entfer- 
nung der Schwimmstücke von der Spitze desselben abhän- 
gen, theils auch mehr individueller Natur sind. Bald sind die 
Schwimmstücke länger und schmaler, bald kürzer und ge- 
krümmter; bald ist die vordere Seitenfläche derselben höher 
oder gewölbter, bald niedriger oder flacher; bald endlich er- 
scheinen die Höcker an den Firsten dieser Fläche sehr stark 
entwickelt , bald fast gänzlich fehlend. Natürlicher Weise 
sprechen sich solche Verschiedenheiten schliesslich auch in 
der Form des Schwimmkegels aus — und derartige Verschie- 
denheiten eben sind es, die uns z. B. in den Abbildungen von 
Vogt und Kölliker entgegentreten. 

Bekanntlich ist die Substanz^ aus der die Schwimmstücke 
von Hippopodius bestehen, von einer ziemlich consistenten^ 
fast knorpelartigen Beschaffenheit und einem opaken Ausse- 
hen, sehr verschieden namentlich von jener gallertartigen 
Masse, die wir in den Schwimmstücken von Praya aufgefun- 
den haben. Indessen muss ich doch bemerken, dass in Con- 
sistenz und Aussehen auch bei Hippopodius zahlreiche Ver- 
schiedenheiten obwalten und mitunter Exemplare (namentlich 
unter den kleinern Formen von H. luteus) vorkommen^ bei 
denen sich die Schwimmstücke durch ihre physikalischen 
Eigenschaften nur wenig von den Schwimmstücken bei den 
übrigen Siphonophoren unterscheiden. 



302 Leuckart: 

Die Zahl der Schwimmslücke, die in die Bildung- eines 
Schwimmkegels eingehen , ist vielfachen Schwankungen un- 
terworfen. Kolli ker giebt dieselbe auf 5 — 9 an; es kom- 
men aber auch Exemplare von 12 und noch mehrSchwimm- 
slücken vor. Die unlern Schwimmstücke sind beständig die 
grossesten; die Neubildung geschieht an der Spitze des 
Schwimmkegels, wo man jederzeit eine nicht unbeträchtliche 
Anzahl junger Knospen auf den verschiedensten Stadien der 
Entwicklung antrifft. Die Verbindung der einzelnen Schwimm- 
stücke wird durch die rinnenförmig ausgehöhlte obere oder 
innere Fläche vermittelt, und zwar in ähnlicher Weise, wie 
bei vielen andern Siphonophoren, durch Einkeilung. Zwi- 
schen die Seitenleislen dieser Fläche senkt sich einmal das 
hinlere etwas zusammengedrückte Ende der zunächst vorher- 
gehenden Schwimmglocke der gegenüberliegenden Seite und 
sodann die unlere Fläche der darüberstehenden Schwimm- 
glocke hinein (Fig. 3). Die letztere nimmt natürlicher Weise 
den vordem Raum der betreffenden Fläche in Anspruch und 
zwar so vollständig, dass dabei die Forlsätze am obern 
Rande der vordem Seitenfläche in die Ausschnitte zwischen 
ilen entsprechenden untern Fortsätzen der darüberliegenden 
Schwimmglocke hineingreifen. Auf solche Weise kommt es 
nun, dass die Seilenflächen des Schwämmkpgcls ausschliess- 
lich von den Seitenflächen der einzelnen Schwimmstücke ge- 
bildet werden. Nur dieSchwimmsäcke der beiden untersten 
Glocken sind frei und unbedeckt, während die übrigen eine 
sehr versteckte Lage haben. Ob die letztern nun aber bei 
dieser ihrer Lage für die Ortsbewegung des Hippopodius ohne 
alle Bedeutung sind, will ich dahingestellt sein lassen, dar- 
über kann jedoch wohl kein Zweifel sein, dass ihre locomo- 
torische Bedeutung, wenn sie überhaupt existirt, nur sehr 
beschränkt ist. Der Raum, in den sie hineinmünden, com- 
municirt mit dem Meerwasser nur durch die engen Spalten 
zwischen den einzelnen Schwimmstücken. Aber dieser Raum 
communicirt auch mit dem kegelförmigen Innenraume in der 
Achse des Schwimmapparales, der durch die in einander 
greifenden Längsrinnen der einzelnen Schwimmstücke zusam- 
jnengesetzt wird und zur Aufnahme des relractilen Körper- 
Stammes bestimmt ist. Vielleicht, dass die Aufgabe dieser 



Zur nähern Kenntniss der Siphonophoren von Nizza. 303 

obern Schwimmglocken überhaupt nicht in der Erzeugung 
einer Bevvegungskraft zu suchen ist, sondern vielmehr in ei- 
ner Wasserzufuhr nach Innen, die gerade bei unserem Hip- 
popodius um so bedeutungsvoller sein dürfte, als der Kör- 
perstamm desselben fast beständig in dem Innenraume des 
Schvvimmkegels versteckt liegt i). 

Die Schvvimmbewegung unseres Hippopodius ist sehr 
langsam, ein Umstand, der theils aus derBildung des Schwimm- 
kegels im Ganzen, theils aber auch aus der Organisation 
der einzelnen Schwimmstücke und zwar vornämlich der 
Schwimmsäcke resultiren möchte. Die Schwimmsäcke sind 
nicht nur ausserordentlich flach (und weit), sondern auch so 
dünn und wenig muskulös, dass Kölliker die Anwesenheit 
einer eignen Auskleidung in den Schwimmhöhlen überhaupt 
in Abrede stellen konnte. Der Saum, der, wie bei den übri- 
gen Siphonophoren ohne Ausnahme , den Eingang in den 
.Schwimmsack umgiebt, ist in der hintern (oder untern) Hälfte 
^ehr schmal, am vordem (oder obern) Rande dagegen von 
einer nicht ganz unbeträchtlichen Breite. Diese vordere 
Hälfte des Randsaumes hat etwa eine sichelförmige Gestalt; 
jsie ist dasselbe Gebilde , das Herr Vogt als beweglichen 
Deckel (couvercle mobile) an der OefFnung des Schwimm- 
sackes beschrieben hat ^). 

Was den Zusammenhang des Schwimmkegels mit dem 
Körperstamme betrifft, so ist dieser im höchsten Grade ei- 
genthümlich und abweichend von dem Verhalten bei den 
übrigen Siphonophoren mit einer sogenannten Schwimmsäule. 
Bei den letztern sind die Schwimmstücke unmittelbar an dem 



1") Kölliker hat den Körperstamm von Hippopodius sogar nie- 
mals hervorgestreckt gesehen, obgleich er viele Exemplare beobach- 
tete. Wie es scheint, geschieht das Hervorstrecken desselben nur 
zum Zwecke der Nahrungsaufnahme. Der Schwimmkegel steht dabei 
senkrecht, und eben so senkrecht wird dann auch der Körperstamm 
mit seinen Anhängen herabgelassen, wie es Quoy und Gaimard 
abbilden. Herr Vogt zeichnet den Körperstamm seines Hippopodius 
in einer diagonalen Haltung, wie es etwa während der Schwimmbe- 
Viregung der Fall sein würde, doch habe ich den Hippopodius nur mit 
zurückgezogenem Stamme sich bewegen sehen. 

2) Nach Herrn Vogt soll dieser Deckel die üeffnung des 
Schwimrasackes vollständig verschliessen können. (?) 



306 Leuckart: 

derende des Körperstammes und zwar ohne alle Grenzen, so 
dass man die kleinsten Schwimmstücke mit gleichem Rechte 
als Anhänge des Körperstammes , denn als solche der eben 
beschriebenen Achse betrachten kann. Bei den jüngsten 
Exemplaren von Hippopodius lässt sich überhaupt noch keine 
gesonderte Achse für den Schwimmkegel unterscheiden; ich 
habe in meinen zoologischen Untersuchungen einen Hippo- 
podius mit nur zweien Schwimmstücken abgebildet (Tab. IL 
Fig. 24, 25) , bei dem die Gefässe dieser Schwimmstücke in 
ganz ähnlicher Weise , wie bei den Diphyiden , aus dem 
obern Ende des gemeinschaftlichen Körperstammes hervor- 
kommen. Auch die Vereinigungsweise der beiden Schwimm- 
stücke zeigte hier ganz analoge Verhältnisse. Die untere 
Schwimmglocke war zugleich die äussere, wie beiPraya. Die 
Rinne an der innern Fläche war ihrer ganzen Länge nach 
von dem zweiten Schwimmstücke in Anspruch genommen. 
Erst bei der Ausbildung der dritten Schwimmglocke , die 
sich zwischen beide einschiebt und die obern Enden der- 
selben aus einander drängt, wird das spätere Verhalten her- 
vortreten. 

Durch die Entwicklung einer eigenen Schwimmkegel- 
achse wird es nun möglich, den Befestigungspunkt des Kör- 
perstammes, gegen den derselbe im Augenblicke der Con- 
traction sich zurückzi<;hl, in das äusserste Ende des Schwimm- 
kegels zu verlegen. Nur auf diese Weise wird es möglich, 
den ganzen , keineswegs unansehnlichen Körperstamm mit 
seinen zahlreichen Anhängen im Innern dieses Apparates zu 
verbergen. Ich habe Exemplare von Hippopodius gesehen, 
bei denen der ausgestreckte Stamm reichlich einen halben 
Fuss mass und immerhin einige 20—30 ausgebildete Polypen 
trug, ungerechnet die zahlreichen Knospen, die im Innern 
des Schwimmkegels versteckt blieben. Die Gestalt der aus- 
gebildeten Polypen ist äusserst schlank und fast wurmförmig. 
Der Rüssel trägt im Innern ganz ausserordentlich lange Wim- 
perhaare , die nach Innen zu wedeln, wie man sehr deutlich 
unterscheiden kann. AuflPallend war es mir, dass die letz- 
ten dieser Polypen nicht seilen eine auffallend geringere 
Grösse zeigten, als die vorhergehenden, während es doch 
sonst als allgemeine Regel gilt^ dass die Entwiklung und 



Zur nähern Kenntniös der Siphonophoren von Nizza. a07 

Grösse der Polypen nach dem freien Ende des Körperstam- 
mes hin zunimmt. Wahrscheinlicher Weise ist übrigens 
diese Grössenverschiedenheit nur zufällig. Auch bei den 
übrigen Siphonophoren kommt es nicht selten vor, dass die 
Polypen eine etwas verschiedene Grösse haben; es hängt das 
von der Grösse der Nahrungszufuhr ab, wie man wenigstens 
daraus schliessen kann, dass das Volumen dieser Thiere 
bei längerem Hungern sehr beträchtlich einschrumpft. Schon 
nach 24 Stunden ist dieser Grössenunterschied mitunter ganz 
auffallend. 

Jeder einzelne Polyp trägt an seiner Anheftungsstelle, 
wie gewöhnlich , einen Fangfaden mit Nesselknöpfen ^) , die 
kurzgestielt und äusserst zahlreich, aber noch kleiner sind, 
als sonst gewöhnlich bei den Calycophoren, auch kleiner, 
als bei Praya und Galeolaria, die ihrerseits schon in dieser 
Beziehung hinter Diphyes und Abyla zurückbleiben. Sonst 
übrigens ist die Bildung der Nesselknöpfe (auch die Form 
und Gruppirung der Angelzellen ) ganz dieselbe , wie bei 
den nahe verwandten Diphyiden. Man könnte höchstens 
hervorheben, dass die Nesselknöpfe sehr gewöhnlich eine 
kürzere und mehr rundliche Gestalt haben. Nach Gegen- 
baur (S. 41) soll an dem Endfaden der Nesselknöpfe auch 
noch ein contractiles Bläschen von rundlicher Form anhän- 
gen, das bei der Conlraction seinen Inhalt in den Endfaden 
hineintreibt und diesen dadurch ausdehnt. Mir selbst ist die 
Anwesenheit eines solchen Apparates (auch Vogt und Kol- 
li k er) entgangen. 

Die Entwicklung der Polypen, Fangfäden und Nessel- 
knöpfe ist genau dieselbe (Fig. 4), wie bei den übrigen ver- 
wandten Thieren, so dass die Bildung der letzten als Beispiel 
für die Genese der nierenförmigen Nesselknöpfe von mir be- 



1) KöUiker beschränkt die Zahl der Fangfäden irrthümlicher 
Weise auf 2—3 (bei 6—9 Polypen) und lässt dieselben — laut Ab- 
bildung auf Tab. VI. — in einer grösseren Entfernung von den Poly- 
pen aus dem Körperstaram hervorgehen. Ich habe mich dagegen — 
auch durch Untersuchung der Entwickelungsweise, die mit den frü- 
her geschilderten analogen Vorgängen ganz übereinstimmt (Fig. 4) — 
von der constanten Anwesenheit eines Fangfadens an jedem Polypen 
auf das Bestimmteste überzeugen können. 



308 Leuckart: 

schrieben werden konnte {Z. U. S. 24). Der ausgebildete 
Fangfaden erreicht eine sehr beträchtliche Länge und wird 
beim Aufwinden gewöhnlich (am constanteslen an der Wur- 
zel) spiralig zusammengelegt. 

Was die Geschlechtsverhältnisse unseres Hippopodius 
betrifft, so ist dieser, wie Kölliker (S. 31) und ich (S. 
36) in übereinstimmender Weise gezeigt haben — Herr Vogt 
hat keine Geschlechtsorgane auffinden können — monöcischen 
Geschlechtes. Die Geschlechtsorgane haben eine ganz an- 
sehnliche Grösse und sind sehr auffallend gebildet, indem 
nämlich (Fig. 5) der Mantel nicht bloss eng an dem stempei- 
förmigen Kerne anliegt, sondern auch von dem letzlern sehr 
weit überragt wird. In der Regel bildet der Mantel nur eine 
kleine kragenförmige Aufwulstung an der Wurzel der mit 
Sperma oder Eiern angefüllten Beutel. Das Gefässsystem des 
Mantels (und Stempels) ist aber nichts desto weniger ganz 
vollständig entwickelt. 

Nach Kölliker soll beständig bei unserm Hippopodius 
eine männliche und eine weibliche Kapsel und zwar in der 
Nähe der Polypen beisammensitzen; ich muss indessen be- 
merken, dass mich meine Untersuchungen in diesem Punkte 
zu einem abweichenden Resultate geführt haben. Einmal 
finden sich die Geschlechtskapseln keineswegs in der gan- 
zen Länge des Stammes, sondern nur in der obern Hälfte 
desselben, besonders in demjenigen Theile, der auch bei dem 
hervorgestreckten Stamme in der Höhle des Schwimmkegels 
verborgen liegt. An der Basis eines jeden Polypen steht 
hier eine Gruppe von 3, 4 und noch mehr Geschlechtsan- 
hängen auf den verschiedensten Stufen der Entwicklung, 
Knospen und ausgebildete, aber niemals männliche und weib- 
liche Anhänge in derselben Gruppe vereint. Die männlichen 
Anhänge stehen unterhalb der weiblichen und sind überdiess 
in einer geringern Anzahl vorhanden. 

Die erste Bildung der Geschlechtsknospen erfolgt schon 
ausserordentlich frühe, zur Zeit, wo die zugehörigen Po- 
lypen noch einfache und geschlossene Bläschen darstellen. 
Während diese sich allmählich entwickeln , gelangen auch 
die Geschlechtsknospen allmählich zur Ausbildung, so dass 
man etwa an den ersten Polypen mit MundölTnung auch die 



Zuf nähern Kennlniss der Siphonophoren von Nizza. 309 

ersten reifen Geschlechtsknospen antrifft. Die speciellen Vor- 
gänge der Entwicklung sind übrigens im Wesentlichen so 
vollständig dieselben, wie bei den Diphyiden , dass man die 
Geschlechtsknospen unseres Thieres bis zum Aufbrechen des 
Mantels von denen der Galeolaria, Abyla u. s. w. kaum un- 
terscheiden kann (vgl. Tab. XII. Fig. 5 mit Tab. XI. Fig. 13, 7). 
Erst später bilden sich die Eigenthümlichkeiten hervor, die 
die Geschlechtskapseln unseres Thieres auszeichnen. Der Man- 
tel bleibt in seiner Entwicklung zurück, während der stem- 
peiförmige Träger der Geschlechtsstoffe aus der Oeffnung 
des Mantels immer weiter hervorwächst. Auch bei den rei- 
fen Geschlechtsanhängen findet man übrigens in der relati- 
ven Entwicklung dieser Theile mancherlei Verschiedenheiten. 
Ich habe Geschlechlskapseln, namentlich weibliche Geschlechts- 
kapseln, gesehen, deren Stempel bis weit über die Hälfte 
von dem Mantel bedeckt war. Flimmerung und Bewegung, 
die Kölliker an den Geschlechtskapseln von Hippopodius 
vermisste , wurden beide von mir auf das Entschiedenste 
wahrgenommen , die erstere (bei reifen Anhängen) an dem 
Stempel, der auch sonst wohl ziemlich allgemein mit einem 
Flimmerbesatz versehen ist, die letztere an dem Mantel. Frei- 
lich war dieselbe nur schwach und zu einer Fortbewegung 
der Kapsel nicht ausreichend; sie äusserte sich darin, dass 
der Mantel sich von Zeit zu Zeit in einer fast wellenförmi- 
gen Contraction noch enger an den Stempel anschloss , als 
es sonst in der Ruhe der Fall war. 

B. Pliysoplioridae Eschsch. 

Von der Familie der Calycophoriden unterscheidet sich 
die der Physophoriden — abgesehen von der sehr viel be- 
trächtlichem Durchschnittsgrösse der einzelnen Formen — 
vorzugsweise durch den Besitz eines Luftsackes , eines klei- 
nen ovalen Bläschens 0? <ias mit Luft gefüllt und fest in das 



1) Herr Vogt meint freilich (p. 95), dass man auf die Anwe- 
senheit dieses Apparates keinerlei systematischen Werth legen könne, 
allein diese Meinung stützt sich nur auf eine ganz unvollständige 
Kenntniss desselben. Herr Vogt weiss nicht, dass der Lufttropfen 
(bulle d'air) im vordem Ende des Physophoridenstammes von einer 



310 Leuckart: 

vordere blindgeschlossene Ende des Körperstammes eingela- 
gert ist ')• Bßi ^^^ (y^^ ""^ untersuchten) echten Physo- 
phoriden hat dieser Luftsack eine flaschenförmige Bildung; 
er ist an seinem untern Ende in den Reproductionskanal hin- 
eingesenkt und mit einer Oeffnung versehen 2) , aus der ge- 
wöhnlich ein Theil der eingeschlossenen Luft , wie ein Tro- 
pfen, hervorhängt 3). Ausser diesem Luftsacke finden sich 
in der Regel auch Schwimmglocken und zwar, wenn sie vor- 
handen sind , beständig in einer beträchtlichen Anzahl , zu 
einer Schwimmsäule zusammengehäuft. Sie stehen am vor- 
dem Ende des Stammes, dicht unter der Luftkammer, wo 
sie in einer einfachen Reihe hinter einander hervorknospen, 
obgleich sie in der ausgebildeten Schwimmsäule eine schein- 



eigenen und noch dazu von einer ausserordentlich festen und horn- 
artigen Tasche umschlossen ist ; er glaubt vielmehr (eben so auch 
Kolli k er, der gleichfalls den eigentlichen Luftsack übersehen hat), 
dass er ganz nackt und lose im Innern des Stammes enthalten sei und 
Hess ihn früher sogar, gleich einem Otolithen, sich zitternd im Kreise 
drehen. Allerdings spricht Herr Vogt dabei von einer „festen und 
durchsichtigen Kapsel", in der die Luftblase liege, aber diese Kapsel 
ist (wie die „Schwimmblase« von Kölliker) nur das obere et- 
was abgesetzte Ende des Physophoridenstammes, in welches der 
Schwimmsack eingelagert ist. In meinen zool. Untersuchungen S. 6. 
habe ich diese Bildung näher auseinander gesetzt; ich will nur noch 
hinzufügen , dass dieses obere Ende des Physophoridenstammes, die 
„Luftkammer«, aus einer ziemlich festen und homogenen Substanz be- 
steht. Die Muskelfasern des Stammes nehmen erst hinter der Luft- 
kammer ihren Ursprung. 

1) Ueber den Modus dieser Einlagerung vergl. Gegenbau r 
(S.43) bei Rizophysa. Ich habe mich davon überzeugt, dass derselbe 
bei den echten Physophoriden in ganz ähnlicher Weise wiederkehrt. 
Der Luftsack der Physophoriden (Tab. XII. Fig. 6) wird von einer 
Duplicatur der Luftkammer umgeben und in seiner Lage erhalten 
(Apolemia, Forskalia). 

2) Das Gen. Rhizophysa, das man gewöhnlich den Physophori- 
den zurechnet , hat allerdings einen geschlossenen Luftsack (vergl. 
Gegenbaur a. a. 0.); ich glaube indessen und habe schon oben 
bemerkt, dass man dieses sonderbare Thier am besten zum Repräsen- 
tanten einer eigenen kleinen Familie macht. 

3) Vogt und Kölliker sprechen in solchen Fällen von einer 
doppelten Luftblase, einer obern und einer untern. 



Zur nähern Kenntniss der Siphonophoren von Nizza- 311 

bar sehr abweichende zweizeilige oder spiralige Gruppiriing 
einhalten i). Die Form der Schwimmstücke wechselt nach 
den einzelnen Arten; es lässt sich von denselben im Allge- 
meinen nur so viel bemerken, dass ihr Höhendurchmesser 
mehr oder minder senkrecht zu der Achse der Schwimmsäule 
steht , so dass die Befestigung an dem (meist abgestumpf- 
ten) Scheitel stattfindet. Der Schwimmsack ist in der Regel 
sehr geräumig und von beutet- oder flaschenförmiger Bil- 
dung, mit erweitertem Grunde und verengtem Halse. Die 
Oeffnung des Schwimmsackes ist verhältnissmässig klein und 
nimmt beständig nur einen Theil der untern (oder äussern) 
Fläche der Schwimmglocke in Anspruch. Auch die übrigen 
Anhänge des Physophoridenkörpers sind weit zahlreicher, als 
bei den Calycophoriden. Nicht bloss dass in den Zwischen- 
räumen zwischen den Polypenleibern beständig eine Anzahl 
von wurmförmigen Tastern befestigt ist , die bei den Calyco- 
phoriden fehlen , auch die Zahl der Deckschilder — freilich 
giebt es auch einige Arten ohne Deckschilder — und der 
Geschlechtsanhänge ist beträchtlich vermehrt worden. Die 
Taster tragen an ihrer Wurzel in der Regel einen einfachen 
Fangfaden mit kleinen Angelorganen. Im Allgemeinen schrei- 
tet übrigens auch hier die Entwickelung dieser Anhänge von 
vorn nach hinten fort , nur dass die Taster und Deckschilde 
und Geschlechtsanhänge nicht ausschliesslich am vordem 
Stammende unter der Schwimmsäule , sondern auch später in 
den Zwischenräumen der einzelnen Polypen durch Neubildung 
vermehrt und ergänzt werden. Eine gruppenweise Vereini- 
gung der verschiedenen Anhänge, wie bei den Calycophori- 
den, findet sich nur in einigen wenigen Fällen, und auch in 
diesen ist die Vereinigung niemals so eng und abgeschlos- 
sen, wie dort. In der Regel stehen die Anhänge ohne alle 
auff*allende und regelmässige Absätze in der ganzen Länge 
des Stammes unter einander. 

Auch in der Form und Bildung dieser Anhänge finden 



1) Diese Verschiedenheit in der Gruppirung der Schwimmglok- 
ken beruht, wie bei Hippopodius, auf einer Spiraldrehung der Achse, 
was freilich von Kölliker — aber ganz bestimmt mit unrecht — 
bcaiweifelt wird (S. 80). 



312 Leuckarl: 

sich manche bemerkenswerthe Verschiedenheilen von den Ca- 
lycophoriden. Die Polypen sind von einer beträchtlichen 
Grösse und meistens mit stark entwickelten, gewöhnlich auch 
lebhaft gefärbten Leberslreifen versehen; sie tragen an ih- 
rer Basis einen Fangfaden mit zahlreichen und ansehnlichen 
Nesselknöpfen, die nicht nur durch eine mehr oder minder 
auffallende Schraubenform, sondern auch häufig durch eine 
verschieden entwickelte Umhüllung und eine bauchige, meist 
bohnenformige Gestalt der grossen seitlichen Angelorgane 
sich auszeichnen. Was die Deckschilder betrifft, so erschei- 
nen diese beständig als lanzettförmige Schuppen oder Keulen 
mit einem einfachen Medianstamme. Männliche und weibliche 
Geschlechtsanhänge sind an demselben Stamme vereinigt, im 
ausgebildeten Zustande aber auffallend verschieden gebaut. 
Die männlichen Geschlechtsanhänge sind mehr oder minder 
medusenartig, wie bei den Calycophoriden, die weiblichen 
dagegen weit einfacher, klein und beinahe bläschenförmig, 
mit einem einzigen Ei, das den ganzen Kern in Anspruch 
nimmt und von einem knapp anliegenden Mantel mit einem 
oft unvollständigen Gefässapparate umhüllt wird. Männliche 
und weibliche Anhänge stehen beständig in grösserer An- 
zahl, nicht selten auch (namentlich die letztern) traubenför- 
mig zusammengruppirt neben einander. 

Bei der Entwickelung entsteht anfangs ein einziger Po- 
lypenleib mit Fangfaden und Luftsack, während die übrigen 
Anhänge, auch die Locomotiven, erst später hervorknospen. 

a. Physophoriden mit langer Leibesachse, 

Schwimmstücken und Deckschildern. (Stepha- 

n m i d a e) . 

a. Schwimmstücke zu einer zweizeiligen Schwimmsäule 
mit einander vereinigt. 

Gen. Apolemia Eschsch. 

Die Schwimmstücke haben eine ganz ansehnliche Grösse 
und einige Aehnlichkeit mit einem Topfe, oder einem kurzen 
Cylinder, der sich allmählich nach seiner Oeffnung zu verengt 
und an der Basis in zwei Paar Fortsätze auszieht. Die übri- 
gen Anhänge des Stammes sind gruppenweis hinter einander 



Zur nähern Kennlniss der Siphonophoren von Nizza. 313 

aufgereiht, wie bei den Calycophoriden, und zwar dergestalt, 
dass eine jede dieser Gruppen aus einer grössern Menge von 
Deckstücken besteht, unter denen zahlreiche (30—40) wurm- 
förmige Taster mit einem einzigen oder einigen wenigen Po- 
lypenleibern ihren Ursprung nehmen. Nesselknöpfe fehlen 5 
die Fangfäden erscheinen als unveräslelte Stränge, finden sich 
aber nicht nur an der Basis der Polypen , sondern in der- 
selben Weise auch an der der Taster. 

Apolemia uvaria (Les.) Eschsch. 

Mit keulenförmigen Deckstücken und Tastern zwischen 
den Glocken der Schwimmsäule. 

Die einzige bisher beobachtete Art eines Genus , das 
Eschscholtz nach einigen von ihm aufgefischten Bruch- 
stücken , gewiss mit vollkommenem Rechte , aus der zuerst 
von Lesueur (Journ. phys. 1813. P. I.) als Stcphanomia 
uvaria beschriebenen Siphonophore gebildet hat. Mit den 
übrigen unter dem Genusnamen Stephanomia vereinigten Thie- 
ren kann unsere Apolemia eben so wenig zusammengestellt 
werden, wie mit den Arten des Gen. Agalma, obgleich Herr 
Vogt noch neuerlich eine solche Vereinigung vorgeschlagen 
hat, indem er die längst bekannte und benannte Apolemia als 
Ag. punctata aufführt (p. 83. Tab. XII). Die beste und ausführ- 
lichste Beschreibung dieses Thieres verdanken wir Gegen- 
baur (a. a. 0. S. 37. T. XVIII.'Fig. 1), der dasselbe bei Mes- 
sina mehrfach in ziemlich vollständigen Colonieen antraf, 
während Herr Vogt um Nizza nur ein einziges Individuum 
auffand und K ö 1 1 i k e r endlich nur eine abgerissene Schwimm- 
säule zu Gesicht bekam. Ich selbst habe während meines 
Aufenthaltes in Nizza gleichfalls nur ein einziges vollständi- 
ges Exemplar von Apolemia beobachtet, ausserdem aber noch 
häufig und zu verschiedenen Zeiten die einzelnen isohrten 
Anhangsgruppen, die, wie es scheint, leicht abreissen und 



1) Sie wurden wenigstens von mir (S. 19) und Gegenbaur 
(S. 37) nicht ^wahrgenommen, während Herr Vogt, der sonst un- 
ser Thier nur sehr flüchtig untersucht hat, behauptet, sie in Form, 
von kleinen Schrauben, wie bei Agalma rubrum, gesehen zu haben 
(p.84). 



314 Leuckart: 

dann noch lange (nach Art der Eudoxien) fortleben, un- 
tersuchen können. Was ich hier beobachtete und in mei- 
nen zoologischen Untersuchungen schon früher grossentheils 
veröffentlicht habe, stimmt im Wesentlichen so vollkommen 
mit den Angaben von Gegenbaur überein, dass ich nur 
noch einige kurze Bemerkungen hinzuzufügen weiss. 

Das einzige vollständige Exemplar von Apolemia , das 
ich auffand, trug bei einer Länge von etwa einem Fusse 
(Gegenbaur beobachtete ein Exemplar von 6') eine Anzahl 
von 1 1 Schvvimmglocken , von denen aber nur die sechs 
obern eine regelmässig gebildete zweizeilige Schwimmsäule 
zusammensetzten , während die untern fünf ohne bestimmte 
Ordnung neben einander standen und nach den verschieden- 
sten Richtungen hinsahen. Dass solches übrigens eine bloss 
individuelle und zufällige Eigenthümlichkeit meines Exempla- 
res sei, habe ich niemals bezweifelt; meine Vermuthung ist 
durch die ßeobachlungen vonKölliker, Gegenbaur und 
Vogt, die bei ihren Exemplaren eine ganz regelmässige 
Schvvimmsäule antrafen, zur Gewissheit geworden. Die ein- 
zelnen Schwimmstücke dieser Säule sind von einer sehr an- 
sehnlichen Grösse und haben annährungsweise nach allen 
Richtungen denselben Durchmesser (6— 8"0- Ich habe die 
Gestalt derselben oben mit einem Topfe verglichen, der sich 
nach seiner Oeffnung hin verjüngt; ich muss aber noch hin- 
zufügen, dass die der Oeffnung gegenüberliegende Fläche, die 
der Achse der Schwimmsäule zugekehrt ist, mit einer tiefen 
Längsfurche versehen ist, deren Seitenränder an den Ecken, 
namentlich an der obern Ecke, flügeiförmig vorspringen (Tab. 
XIL Fig. 7). Die untern Fortsätze sind zu einer keilförmigen 
Masse einander genähert, so dass die Längsfurche, in welcher 
die Achse der Schwimmsäule verläuft, zu einem kanalförmi- 
gen Räume geschlossen wird, während die Spalte zwischen 
den obern Flügeln so weit klafft, dass sie die untern Fort- 
sätze der zunächst gegenüberliegenden, wie der vorherge- 
henden Schwimmglocke in sich aufnimmt. Auf solche Weise 
fügen sich die einzelnen Schwimmstücke zu einer zusam- 
menhängenden, gewissermaassen gegliederten Säule in ein- 
ander. 

Der Gefässverlauf in den Schwimmslücken ist ausser^ 



Zur nähern Kenntniss der Siphonophoren von Nizza. 315 

ordentlich deutlich und schon mit blossem Auge sichtbar. 
Kölliker und Gegenbaur beschreiben denselben genau 
so, wie ich ihn früher (Z. U. S. 9. Tab. I. Fig. 2. 3) darge- 
stellt habe, nur hat letzterer die kleinen und zottenförmigen 
Gefässausstülpungen übersehen , die auf dem ersten Bogen 
der schlingenförmig verlaufenden Seitengefässe aufsitzen und 
die Stelle besonderer Mantelgefässe zu vertreten scheinen 
(Tab. XII. Fig. 7). 

Der Luftsack unseres Thieres ist von einer verhältniss- 
mässig sehr ansehnlichen Grösse; er niaass bei meinem Ex- 
emplare fast 2'", w^ährend er in den grossesten Exemplaren 
von Forskalia nur eiw2L V2'" betrug. Die untere Oeffnung 
desselben, die in den Reproductionskanal hineinfuhrt, ist nur 
klein, so dass man sie leicht übersehen könnte, und auf einem 
kurzen und halsförmigen Aufsatz gelegen. Gegenbaur 
scheint über den Luftsack unseres Thieres keine besondern 
Untersuchungen angestellt zu haben ; er w^ürde sonst gewiss 
auf das Deutlichste beobachtet haben , dass derselbe in ganz 
gleicher Weise durch eine Duplicatur der äusseren Bedeckun- 
gen in dem obern Ende des Körperstammes aufgehängt ist, 
wie er es bei dem (geschlossenen) Luftsacke von Rhizophysa 
beschrieben hat '). Ich habe mich noch jetzt an meinem 
Exemplare ganz entschieden von dieser Befestigungsweise 
überzeugen können (Fig. 6). 

Unterhalb der Schwimmsäule zeigt der Körperstamm von 
Apolemia eine Anzahl von leichten Spiralwindungen, die selbst 
im gestreckten Zustande nicht völlig verschwinden. ' Die An- 
hänge stehen ausschliesslich auf der äussern convexen Fläche 
dieser Windungen und zwar eine jede Gruppe auf einer eige- 
nen slielförmigen Erweiterung. Zu oberst kommt ein Hau- 
fen von 10 — 12 Deckstücken, deren Gestalt und Bildung schon 
von Eschscholtz ganz richtig beschrieben ist. Esch- 
scholtz irrte nur darin, dass er eine Ausmündung des cen- 
tralen Höhlensystemes nach Aussen annahm , wie von mir 



1) Von den fingerförmig verästelten Anhängen, die, nach Ge- 
genbaur, bei Rhizophysa im Umkreis des Luttsackes oder vielmehr 
seines äussern Mesenteriumartigen Ueberzuges vorkommen, habe ich 
bei keiner meiner Physophoridcn eine Spur gefunden. 



316 Leuckart: 

(S. 28) und G e g e n b a 11 r (S. 38) in übereinstimmender Weise 
schon früher hervorgehoben wurde. Uebrigens fand ich sonst 
die Bildung dieses Höhlensystemes genau von der Form, wie 
es Eschscholtz beschrieben hat , auch die kleine röhren- 
oder zapfenartige Aussackung, die dem erweiterten Ende des 
Canals aufsitzt und gegen die innere ausgehöhlte Fläche des 
Deckstückes gerichtet ist (Tab. XII. Fig. 8). Die Entwicke- 
lung der Deckslücke ist sehr einfach und leicht zu beobach- 
ten, weil man zwischen den ausgebildeten Deckstücken (von 
5—6"') beständig eine grössere Anzahl von jungen Knospen 
antrifft (Fig. 9). 

Die Polypen, die Eschs c holtz für Flüssigkeitsbehäl- 
ter gehalten hat , haben eine sehr ansehnliche Grösse und 
messen auch im contrahirten Zustande noch reichlich einen 
halben Zoll. Die einzelnen Abschnitte , die sie zusammen- 
setzen, sind nur wenig verschieden, namentlich die beiden 
letzteren, indem der Rüssel kaum mehr ist, als das muskulös 
verdickte vordere Ende des Magensackes. Der Basallheil 
erscheint klein, aber mit den gewöhnlichen charakteristischen 
Zellen im Innern. Wie Gegenbaur, zählte ich meist sechs 
vorspringende Leberwülste, nur beobachtete ich ferner noch, 
dass ein jeder dieser Wülste durch eine Längsrinne, die auf 
ihm hinläuft , in einen Doppelwulst verwandelt ist und im 
Grunde des Magens zu einer ganz ansehnlichen ovalen oder 
keulenförmigen Masse anschwillt. Die sechs Anschwellungen 
zusammen zeigen ein ganz zierliches rosettenartiges Ausse- 
hen. Die „hellen Zellen" im Innern der Wülste, die nament- 
lich in der eben erwähnten Anschwellung vorkommen, schei- 
nen mir keine Zellen, sondern Vacuolen zu sein, wie ich 
sie auch bei andern Physophoriden in den Leberwülsten auf- 
gefunden zu haben glaube. Die Bildung und Entwickelung 
der Fangorgane habe ich schon früher (Z. U. S. 19 und 24) 
beschrieben; die Angaben von Gegenbaur sind nur in so- 
fern abgewichen, als derselbe (S. 40) bemerkt, dass der ei- 
gentliche dünne Fangfaden nicht an der Spitze seines (zu- 
erst gebildeten) Basalstückes , sondern an der Wurzel des- 
selben hervorkomme. Trotz dieser abweichenden Angabe 
muss ich übrigens bei meiner früheren Darstellung verharren 
(Tab. XII. Fig. 11); ich möchte fast vermuthen, dass Gegen- 



Zur nähern Kenntniss der Siphonophoren von Nizza. 317 

baur einen jungen Polypen oder Taster mit erster Anlage 
des Fangfadens (Basalslück) für einen isolirten und hervor- 
knospenden Fangapparat (Basalslück und Nesselfaden) gehal- 
ten hat. Im ausgestreckten Zustande misst der Faden viele 
Zolle, doch kann sich derselbe nicht bloss sehr beträchtlich 
verkürzen, sondern auch zugleich spiralig aufrollen. Die 
Nesselzellen, die eine kurze und gedrungene, fast runde Ge- 
stalt haben (Vso'")? Hegen in diesem Zustande ausschliesslich 
in der äussern convexen Wand des Fadens eingeschlossen; 
sie zeigen eine nur einseitige Gruppirung, wie die Angelor- 
gane der Nesselknöpfe, und eine paarweise Aufreihung. Im 
Innern des Kanales , der durch den Fangapparat hindurch 
läuft, gelang es eine deutliche Flimmerbewegung zu beob- 
achten. 

Die Taster, welche bei Apolemia in einer fast unerhör- 
ten Anzahl vorkommen und, wie die Arme den Leib einer 
Actinia, die Polypenleiber umgeben, haben eine ausserordent- 
lich schlanke und wurmförmige Gestalt, zeigen aber nichts 
desto weniger in den allgemeinen Verhältnissen ihres Baues 
mit den Polypenleibern eine so auffallende Uebereinstimmung, 
dass man schon dadurch auf das Vollkommenste von der mor- 
phologischen Identität dieser beiderlei Anhänge überzeugt wird. 
Auch bei den Tastern unterscheidet man auf das Deutlichste 
(Fig. 10) ein Basalstück, einen mittlem erweiterten Abschnitt 
und einen conisch zugespitzten Rüssel; auch bei ihnen findet 
man neben der Anheltungsstelle einen Fangfaden , der mit 
dem des Polypen — bis auf eine etwas geringere Länge — 
vollständig übereinstimmt. (Nur an den Tastern der Schwimm- 
säule '3, die büschelweise, zu 3 oder 4 zwischen den ein- 
zelnen Glocken stehen und im ausgestreckten Zustande weit 
über dieselben hervorragen, habe ich keine Fangfäden auf- 
gefunden.) Allerdings zeigt das Basalstück des Tasters eine 
sehr viel beträchtlichere Länge, als das der Polypen; aller- 
dings ist der mittlere Abschnitt schlanker und kürzer, der 
Rüssel auch ohne Mundöffnung, allein nichtsdestoweniger kann 



1) Die Anwesenheit dieser Organe ist durch die übereinstim- 
menden Untersuchungen von Köllilc er, mir und Gegen baur aus- 
ser Zweifel gestellt. Nur Herr Vogt hat dieselben übersehen. 



318 Leuckart: 

Über die hervorgehobene Analogie kein Zweifel sein. In 
dem mittleren Abschnitte, der dem Magen der Polypen ent- 
spricht, findet man sogar die Andeutungen der Leberwülsle, 
sechs schmale Streifen von zelligem Baue, die in das Innere 
des betreffenden Abschnittes vorspringen. Die functionelle 
Bedeutung der Taster ist freilich von der der Polypen be- 
trächtlich verschieden; das kann unser Urtheil über die mor- 
phologische Natur derselben aber natürlich nicht im Gering- 
sten beeinträchtigen. In morphologischer Beziehung erschei- 
nen die Taster als unvollständig entwickelte Polypen, wie ich 
schon früher behauptete, und auch Hr. Vogt in seiner neue- 
sten Abhandlung mehrfach hervorhebt '). Ich brauche kaum 
hinzuzufügen, dass die Entwickelungsgeschichte diese Ansicht 
bestätigt. Taster und Polypen entstehen auf ganz dieselbe Weise 
(wie die Polypen der übrigen Siphonophoren) und lassen sich 
erst in den letzten Stadien der Entwickelung von einander 
unterscheiden. 

Unter den Tastern der einzelnen Büschel fand ich (Zool. 
Unters. S. 17) ziemlich constant ein Paar Anhänge, die sich 
durch eine bräunliche Pigmentirung und einen dichten Ue- 
berzug von Nesselkapseln, (wie sie Gegenbaur S. 39 be- 
schrieben hat) vor den übrigen auszeichneten. Gegenbaur 
hat diese eigenlhümliche Bildung, wie es scheint, übersehen. 
Er erwähnt allerdings, dass die Spitzen der Taster sehr all- 
gemein mit dichtstehenden Nesselzellen bedeckt sei , wie ich 
ebenfalls beobachtete; in den hervorgehobenen Fällen erstreckte 
sich dieser Ueberzug aber über die ganze äussere Oberfläche 
des Tasters. Bei Apolemia findet man die Nesselzellen über- 
haupt an den verschiedensten Anhängen in Menge verbrei- 
tet, viel häufiger und conslanter , als das wohl bei anderen 
Siphonophoren der Fall ist. So bestehen namentlich die 
weisslichen Warzen, die an der äussern Fläche der Schwimm- 
glocken und der Deckstücke (Fig. 8) schon von Esch- 
scholtz beobachtet wurden, und die, nach Herrn Vogt 
(p.84) „mineralische Concretionen" enthalten sollten, nach den 
übereinstimmenden Beobachtungen von Gegenbaur (8.39} 



1) Früher glaubte Herr Vogt sogar, dass die Taster der Phy- 
sophoriden überhaupt nur junge und unausgewachsene Polypen seien. 



Zur nähern Kenntniss der Siphon ophoren von Nizza. 319 

und mir (S. 12 und 29) aus Zusammenhäufungen derartiger 
Nesselzellen. 

lieber die Geschlechtsverhältnisse unserer Apolemia 
herrscht immer noch einiges Dunkel^, obgleich dieselbe nach 
allem Vermuthen im Wesentlichen gewiss ebenso sind, wie 
bei den übrigen Physophoriden. Bei meinem Exemplare habe 
ich, wie Gegenbaur und die übrigen Beobachter ohne 
Ausnahme, vergeblich nach ausgebildeten Geschlechtsanhän- 
gen gesucht. Dagegen bin ich so glücklich gewesen, an 
mehrern isolirt aufgefischten Anhangsgruppen unseres Thie- 
res ganz unverkennbare und auch ausgebildete weibliche An- 
hänge aufzufinden. Wie ich schon früher (S. 37) beschrie- 
ben habe, sind diese Anhänge in Träubchen zusammengrup- 
pirt und zwischen den Tastern zerstreut, zumTheil, sogar an 
der Basis besonderer unentwickelter Taster angebracht (Tab. 
XII. Fig. 11). Ich beobachtete wenigstens mehrfach, dass 
die Geschlechtstraube beim Zerreissen der Tasterbüschel an 
der Wurzel eines kleinen, noch bläschenförmigen Tasters (mit 
unentwickeltem Fangapparate) anhing. Eine jede Traube 
besteht aus einem ziemlich langen , in der Regel aber nur 
wenig verästelten Hauptstamme, an dem die einzelnen An- 
hänge, wie gestielte Beeren, in der ganzen Länge ansitzen. 
Stamm und Stiel zeigen einige Contractilität und ein zelliges 
Gefüge. Was die Anhänge selbst betrifft , so sind diese in 
allen Entwickelungsstufen neben einander angebracht. Im 
ausgebildeten Zustande haben sie (etwa Yö'") eine deutlich 
glockenförmige Gestalt, wie gewöhnlich aber einen dicht 
anliegenden Mantel. Das vordere Ende dieses Mantels ist 
abgeplattet und mit einer OefPnung versehen^ deren Rand 
in einige kleine und warzenartige Höcker sich auszieht. Die 
äussere Oberfläche ist mit einem Flimmerüberzuge bekleidet, 
dessen Elemente im Umkreis der Mantelöffnung zu einer 
nicht unbeträchtlichen Grösse heranwachsen. Der Gefäss- 
apparat des Mantels war beständig von einer rudimentären 
Entwickelung und namentlich ohne Ringgefäss, Die Radial- 
gefässe kurz, wenn auch in einem verschiedenen Grade, so 
dass vielleicht das eine bis zu der Mantelöffnung herabreichte, 
während die andern schon in der Mitte des Mantels aufhör- 
ten oder wohl (theilweise wenigstens) gänzlich fehlten. Eine 



320 Leuckart: 

eigentliche Cenlralhöhle lässt sich im Stempel nicht mehr un- 
terscheiden; der Kern des Mantels besteht, wie bei allen 
Physophoriden , aus einem einzigen Ei, das in der Kuppel 
des glockenförmigen Mantels nach Art des Stempels befestigt 
ist und den ganzen Innenraum ausfüllt. In Bezug auf die 
Entvvickelung dieser Anhänge will ich hervorheben, dass sie 
anfänglich ganz einfache und geschlossene Bläschen darstel- 
len, die ein Divertikel des gemeinschaftlichen Höhlensystemes 
im Innern einschliessen. Das Ei entsteht schon ausserordent- 
lich frühe^ wenn der Anhang etwa y^ö"' "^isst und zwar am 
untern freien Pole des Bläschens, wo sich die Substanz der 
Wand schon früher etwas verdickt hat. Das Höhlensystem 
wird durch die Bildung dieses Eies auf den ßasaltheil des 
Anhanges beschränkt, und wächst von da dann zu den Sei- 
ten des Eies in unregelmässige Verlängerungen aus. Die 
Isolirung des Kernes von dem Mantel und die OefFnung des 
letztern geschieht erst spät und die erstere beständig nur un- 
vollkommen. 

Gen. jigaima Eschsch. (Agalmopsis Sars). 

Die Schwimmslücke sind cubisch, von oben nach unten 
zusammengedrückt und mit zwei Paar Endfortsätzen verse- 
hen , einem obern Paare und einem untern , von denen das 
letztere eine sehr ansehnliche Grösse und eine keilförmige 
Beschaffenheit besitzt Ausser den Gefässen des Schwimm- 
sackes finden sich noch eigne Manlelgefässe mit einem bo- 
genförmigen Verlauf. Die übrigen Anhänge zeigen eine 
gleichmässige Verlheilung und stehen in einer fortlaufenden 
Reihe unter einander. Zwischen den einzelnen Polypenlei- 
bern finden sich etwa je 4 — 8 Taster auf verschiedenen Ent- 
wicklungsstufen. Die Fangfäden der Polypen mit Nesselknö- 
pfen, die eine verschiedene Form haben, bald nackt, bald 
aber auch mit einer glockenförmigen Umhüllung versehen 
sind. Der Stamm ist spiralig gewunden, wenn auch bei den 
einzelnen Arten in verschiedenem Grade, und zwar der Art, 
dass die Anhänge auf der äussern convexen Fläche der Win- 
dungen aufsitzen. Im völlig ausgedehnten Zustande sind diese 
Windungen nur wenig wahrnehmbar, während der Contraction 
aber meist sehr auffallend; sie legen sich dann so dicht auf 



Zur nähern Kenntniss der Siphonophoren von Nizza. 321 

einander, dass die Deckschilder der einzelnen Windungen 
schindelförmig, wie die Schuppen eines Tannzapfens, über ein- 
ander greifen und einen zusammenhängenden Kegel bilden, 
in dessen Innenraum die übrigen Anhänge zurücligezogen 
sind ')• 

* Mit nackten, schraubenförmig gewundenen Nesselknö- 
pfen und ziemlich gestrecktem Stamme (Agalmopsis Lt.). 

Agalma rubrum ~) Vogt. 

Die Nesselknöpfe von einer sehr ansehnlichen Grösse 
(im aufgewundenen Zustande — mit sieben Umgängen — 
reichlich l'") und hochrother Färbung. Die Schwimmstücke 
breit und verhältnissmässig kurz^ mit unbedeutenden obern 
Fortsätzen. Die untern Fortsätze sind abgestumpft. Deck- 
stücke schuppenförmig, nach den Rändern zu verdünnt, aber 
ohne Firste. Sie laufen am Ende in eine scharfe Spitze aus, 
neben welcher rechts und links meist noch eine kleinere 
zahnförmige Spitze vorspringt. 

Eine schöne grosse, von Herrn Vogt entdeckte und 
(Tab. VII) abgebildete Art ^}, die Kölliker auch bei Mes- 
sina gefunden und als Agalmopsis punctata (S. 15. Tab. IV) 
beschrieben hat. Sie scheint im Mittelmeere eben nicht sehr 



1) Eschscholtz (Akaleph. S. 150) glaubte daher auch, dass 
die Schuppen zu einer festen Röhre in einander gefügt seien, die 
nur aus ihrem untern Ende die Anhänge hervortreten Hesse. Er 
suchte darin sogar den Unterschied seines Gen. Agalma von Stepha- 
nomia Per. , deren erster , nur bruchstückweise bekannt gew^ordener 
Repräsentant (St. amphitritis) wahrscheinlich gleichfalls ein Agalma 
Eschsch. ist. (Die Gattung Agalmopsis Sars , deren Charakter sich 
nur auf eine richtigere Deutung der Structurverhältnisse bezieht, muss 
daher, wenigstens im Sinne von Sars, eingehen, wie Herr Vogt ge- 
wiss mit' Recht hervorgehoben hat.) 

2) Das Wort dyd\ua ist ein Neutrum — ich habe es desshalb 
hier auch als solches gebraucht. 

3) Möglicher Weise gehört hieher freilich, wie Herr Vogt 
hervorhebt, die von Quoy undGaimard im Mittelmeere ganz ver- 
stümmelt aufgefundene Stephanomia cirrosa , die wenigstens mit ro- 
then und schraubenförmigen Nesselknöpfen versehen ist, wie un- 
ser Agalma (aber auch wie die Arten des Gen. Forskalia). 

Archiv f. Naturgesch. XX. Jahrg. 1. Bd. 21 



&^ Leuckart: 

selten zu sein, wenigstens Winters, wo sie von Herrn Vogt 
bisweilen in ganzen Schaaren angetroffen wurde. Ich selbst 
beobachtete nur einige wenige Exemplare und auch diese nur 
in der ersten Zeit meines Aufenthaltes (Anfangs April). Das 
grosseste Exemplar, das ich antraf, trug dreizehn Paare aus- 
gebildeter Schwimniglocken und maass im ausgestreckten Zu- 
stande reichlich IV2', während Herr Vogt Exemplare von 
drei Fuss und darüber beobachtete , die eine Schwimmsäule 
von dreissig Paar Glocken trugen. 

Die Schwimmglocken (Tab. XIl. Fig. 12, 13), die, wie 
bei allen Agalmaarten, etwas nach unten zu geneigt auf der 
Achse der Schwimmsäule aufsitzen, messen, bei einer Breite 
von etwa 5 Linien, 4V2 Linien in der Länge. Auf die gros- 
sen und abgestumpften untern Fortsätze kommen davon reich- 
lich l'^'"» während die obern Fortsätze nur ein Paar kleine 
und höckerförmige Erhebungen darstellen, die bei einer Pro- 
filansicht (Fig. 13) kaum einmal über dieContouren der untern 
Fortsätze vorspringen. Der Ausschnitt, der in der Mitte zwi- 
schen den Fortsätzen beider Paare herabläuft und namentlich 
zwischen den mittlem Fortsätzen eine ziemlich ansehnliche 
Breite hat, dient zur Aufnahme der Schwimmsäulenachse, so 
dass die Fortsätze rechts und links dieselbe überragen. Na- 
türlich gilt dieses vorzugsweise für die längern untern Fort- 
sätze, die sich überhaupt nur zum Zwecke einer innigem Ver- 
bindung entwickelt zeigen und keilförmig zwischen die bei- 
den gegenüberliegenden Schwimmglocken hineinsenken, wo- 
bei dann zugleich die obern Fortsätze der untern Schwimm- 
glocke von ihnen umfasst werden. So weit diese keilförmi- 
gen Fortsätze reichen, ist die obere Fläche der Schwinim- 
glocke im Umkreis der hier angebrachten höckerförmigen 
Erhebungen mit einer weiten und muldenförmigen Verliefung 
versehen. 

Der Gefässapparat unserer Schwimmglocken zeigt eine 
sehr vollständige Entwickelung, Mantelgefässe und Schwimm- 
sackgefässe. Die ersleren, die sowohl von Kölliker, als 
auch von Herrn Vogt übersehen sind, verlaufen (Fig. 13) 
in der Medianebene der Schwimraglocke bogenförmig nach 
oben und unten, wie wir es schon bei Hippopodius und Praya 
gefunden haben. Sie entspringen aus dem Centralkanale so- 



Zur nähern Kennlniss der Siphonophoren von Nizza. 323 

gleich nach dem Eintritte desselben in den Mantel und sind 
oben, wie unten, in ganz übereinstimmender Weise entwickelt. 
Die Schwimmsackgefässe (Ibid.) bestehen aus den gewöhn- 
lichen Radialgefässen und einem Ringgefässe, die ich auch 
im ausgebildeten Zustande ganz deutlich unterscheiden konnte. 
Die beiden seitlichen Radialgefässe bilden, wie bei Apolemia, 
eine schön geschwungene Doppelschlinge mit einem abstei- 
genden und einem (grössern) aufsteigenden Bogen. Herr 
Vogt, der, wie KöUiker, nur die beiden Mediangefässe 
des Schwimmsackes gesehen hat, beschreibt ausser dem vor- 
dem Ringgefässe noch ein zweites ähnliches Gefäss (un autre 
canal presque circulaire, p. 65), das etwa in der Mitte des 
Schwimmsackes vorkommen soll. Ich glaube die Anwesen- 
heit eines solchen Gefässes mit aller Entschiedenheit in Ab- 
rede, stellen zu können und zweifle nicht daran , dass sich 
Herr Vogt durch die Schlingen der Seitengefässe hat täu- 
schen lassen. 

Die Entwickelung der Schwimmglocken ist von mir (Z. 
U. S.IO. Tab.I. Fig. 5— 7), Kölliker (S. 16) und Vogt 
(p. 66) in einer wesentlich übereinstimmenden Weise beschrie- 
ben worden, so dass ich hier darüber hinweggehen kann. 
Sie ist ganz genau dieselbe, wie bei den andern Siphono- 
phoren, auch bei den Diphyiden u. s. w. , lässt s\dh aber 
sehr viel leichter und vollständiger beobachten, weil man 
oberhalb der Schwimmsäule beständig eine grosse Menge von 
jungen Knospen auf den verschiedensten Stufen der Entwicke- 
lung neben einander antriff't (Fig. 14). Die Bildung der Fort- 
sätze an den Schwimmglocken bezeichnet die letzte Entwicke- 
lungsstufe; bis dahin haben die Schwimmstücke eine einfache 
glockenförmige Gestalt und einen Mantel, der auch an der 
hintern Fläche eine nur unbedeutende Dicke zeigt. Die Man- 
telgefässe fehlen noch zu dieser Zeit; sie bilden sich erst 
später mit den Fortsätzen und zwar durch Ausstülpung aus 
dem Stielgefässe , das schon ziemlich frühe seine bleibende 
Länge hat. Die jungen Schwimmglocken zeigen daher auch 
vor der Entwickelung ihrer Fortsätze einen langen Stiel, der 
erst später durch Aufwulstung des Mantels verloren geht. 

Die Achse der Schwimmsäule ist, wie bei allen Physo- 
phoriden mit Schwimmstücken, sehr viel zartwandiger und 



324 Leuckart: 

dünner als der übrige Stamm, obgleich sie nicht eine beson- 
dere Bildung, sondern nur den vordem Abschnitt dieses 
Stammes darstellt und auch histologisch damit vollkommen 
übereinstimmt. Bei den von mir beobachteten Exemplaren 
war der Luftsack, der in das Ende dieser Achse eingelagert 
ist und eine massige Grösse hat, ohne Pigmenlfleck, wie bei 
Apolemia. Herr Vogt will allerdings einen rothen Fleck 
auf dem Scheitel beobachtet haben, allein Herr Vogt hat 
mit seinem Agalma rubrum noch eine zweite Form zusammen- 
geworfen, die ganz bestimmt von demselben verschieden ist 
und mit einem constanten Pigmentflecke angetroffen wird. 
Ich weiss nicht, ob Herr Vogt etwa den Pigmenlfleck dieser 
Art auf das echte A. rubrum übertragen hat ( er bildet auf 
Tab. Vll ein unzweifelhaftes A. rubrum mit Pigmentfleck ab), 
oder ob auch letzteres wirklich dann und wann mit einem 
Pigmentflecke behaftet ist. 

In Bezug auf die Polypen (Fig. 18) will ich bloss be- 
merken, dass sie eine sehr ansehnliche Grösse besitzen und 
in ziemlich gleichmässigen Entfernungen (von etwa 1") hin- 
ter einander angebracht sind. Die Leberwülste, die weit in 
das Innere hinein vorspringen, sah ich, wie Herr Vogt, von 
einer röthlichen Färbung. Der Basaltheil der Polypen (der 
an den unvollständig entwickelten vordem Polypen mehr als 
die Hälfte der ganzen Länge ausmacht, während er später 
hinter dem eigentlichen Magen sehr weit zurückbleibt), sitzt 
mit seinem Fangfaden beständig auf einer kurzen cylindri- 
schen Ausstülpung des Stammes , wie ich es in meinen Un- 
tersuchungen (Z. U. Tab. 1. Fig. 1 1) abgebildet habe. Die 
Zahl der ausgebildeten Nesselknöpfe ist nicht sehr beträcht- 
lich; ich zählte seilen an einem Fangfaden mehr als 4 — 6 
Stück, die bei zurückgezogenem Fangfaden gewöhnlich iso- 
lirt hervorgestreckt werden und ein Spiel beginnen , wie es 
Herr Vogt so treff'end beschrieben hat. Kölliker scheint 
den eigentlichen Fangfaden (Fig. 15) vollständig übersehen 
zu haben; er beschreibt die Nesselknöpfe mit ihrem Stiele 
und Endfaden als „Fangfäden," die in mehrfacher Anzahl 
an der Basis der Polypen befestigt seien, obgleich er doch 
sonst mit diesem Namen nur den fadenförmigen Stamm be- 
zeichnet, an dem die Nesselknöpfe hinter einander aufge-« 



Zur nähern Kenntniss der SJphonophoren von Nizza. 325 

reihet sind. Die Spiralwindungen des Nesselstranges können 
sich übrigens leicht von einander entfernen; der Strang streckt 
sich dann um ein beträchtliches (bis 4"')5 aber nur um spä- 
terhin seine Umläufe wieder zu nähern. 

Im Wesentlichen ist die Bildung dieses Apparates übri- 
gens ganz dieselbe, wie bei den Calycophoren; der eigent- 
liche Nesselstrang ist eine Batterie von Nesselzellen, die ex- 
centrisch in die Wand des Fadens eingelagert sind. Die 
grössere Anzahl dieser Nesselzellen steht senkrecht; sie ha- 
ben dieselbe säbelförmige Bildung, wie bei Abyla u. s. w., 
sind aber im Ganzen grösser und springen an ihrem äussern 
stumpfen Ende mit Hülfe eines vollständigen Deckels auf '), 
wie schon von Herrn Vogt ganz richtig (p. 72) bemerkt isJ. 
Auch die ansehnlichen bohnenförmigen Angelorgane, die 
sich rechts und links in einfacher Reihe, wie eine Perlschnur, 
an dem Nesselslrang (wenigstens der obern Hälfte dessel- 
ben) hinziehen, sind mit einem solchen Deckelapparate ver- 
sehen. Die Zahl der Angelorgane, die den Nesselstrang 
zusammensetzen, ist übrigens, wie bei allen Physophoriden, 
ausserordentlich gross. Die Querreihen darf man auf wenig- 
stens 6 — 700 schätzen, und eine jede derselbe enthält 
etwa 30 Angelorgane. Die äussere Bedeckung des Nesselstran- 
ges, aus der die Köpfe dieser Angelorgane hervorragen, zeigt 
eine derbe Beschaffenheit, namentlich im Umkreis der regel- 
mässig , in einem dichten Quincunx, angeordneten Oeffnun- 
gen, so dass sie einen sehr zierlichen Anblick gewährt. 

An der convexen Fläche des Nesselstranges verlaufen 
zwei breite paarig angeordnete Bänder von sehr eigenthüm- 
licher BeschalTenheit. Sie sind platt und fest, von ausseror- 
dentlicher Elaslicität und scheinen auf den ersten Blick, na- 
mentlich bei Untersuchung frischer Objecte, mit zahlreichen 
stäbchenförmigen Einlagerungen im Innern versehen zu lein. 
Eigentlich stellt übrigens ein jedes dieser beiden Bänder für 
sich wiederum ein Doppelband dar ; es trägt in seiner Mitte 



1) Das Hervortreten des Nesselfadens ist überhaupt bei allen 
Angelorganen von einem Aufspringen der äussern festen Hülle be- 
gleitet und zwar dicht neben derjenigen Stelle, an welcher der Fa- 
den dieser Hülle anhöngt. 



326 Leuckart: 

eine tiefe Längsrinne und läuft auch am obern Ende in 
zwei Zipfel aus, während es am entgegengesetzten Ende mit 
dem Bande der andern Seite sich schlingförmig vereinigt. 
Die Einlagerungen wiederholen sich in einer jeden Hälfte; 
ich habe sie früher als feste Stäbchen beschrieben (Z. U. 
S. 23) , die den Angelorganen verwandt seien '), muss diese 
Deutung aber heute, nach wiederholten sorgfältigen Unter- 
suchungen, als eine irrthümliche bezeichnen, obgleich ich in- 
zwischen gesehen habe, dass Herr Vogt (p. 74) derselben 
Ansicht ist. Die scheinbaren Stäbchen glaube ich jetzt mit 
Recht als die Segmente einiger zickzackförmig gefalteten hel- 
len Muskelfasern in Anspruch nehmen zu dürfen. Der be- 
treffende Apparat schliesst sich auf solche Weise an die ge- 
falteten Muskelbänder an, die auch sonst gewöhnlich an den 
Nesselknöpfen vorkommen; der einzige Unterschied besteht 
darin, dass die Muskelfasern hier bei unserm Agalma nicht 
frei zu Tage liegen, sondern von einer ausserordentlich der- 
ben und elastischen Scheide umhüllt sind. Bisweilen sieht 
man in dieser Scheide eine zarte, aber deutliche Strichelung, 
wie in den Chitinmembranen. Die Striche verlaufen in dia- 
gonaler Richtung nach beiden Seiten, als wenn sie von zwei 
verflochtenen Spiralsystemen feiner Fasern herrührten. 

Herr Vogt beschreibt ausser diesen beiden elastisch- 
muskulösen Bändern {le double cordon gris) noch ein drittes 
strangförmiges Band von abweichender Bildung (cordon trans- 
parent), das neben denselben herabliefe. Ich glaube mit Be- 
stimmtheit behaupten zu dürfen, dass solch ein Band 2) nicht 
existirt. Aus dem schlingenförmig vereinigten unterm Ende 
der beiden Bänder nimmt allerdings ein kurzer und dicker 
Muskelstrang seinen Ursprung, aber dieser liegt in der Ver- 
längerung der vorhergehenden elastischen Muskelbänder und 

1) Es finden sich überhaupt bei den Siphonophoren ausser den 
echten Angelorganen nicht selten (namentlich in den Wandungen der 
Fangfäden und den Stielen der Nesselknöpfe) kleine feste , fast kern- 
artige Körperchen, die nach ihrem Aussehen und auch nach ihrem 
Verhalten gegen Reagentien den Angelorganen sehr nahe zu stehen 
scheinen, obgleich sie nicht geradezu als derartige Gebilde betrach- 
tet werden können. 

2) Nach Herrn Vogt soll dieses unpaare Band gleichfalls mit 
festen Einlagerungen versehen dein. 



Zur nähern Kenntniss der Siphonophoren von Nizza. 327 

ist überhaupt nichts Anderes, als die scheidenlose Forlsetzung 
derselben ')• Auch das vordere Ende verlängert sich in un- 
verkennbare nackte Muskelfasern, die sich allmählich den Mus- 
kelfasern des Nesselknopfstieles beimischen und unter denselbe 
sich verlieren. Beide Verlängerungen bestehen aus mehre- 
ren zickzackförmig zusammengelegten glatten Fasern, die sich 
jedoch leicht von einander abtrennen und aufwickeln, wie wir 
es oben von dem einfachen, aber in der Regel viel stärkern, 
quergestreiften Mulkelfaden der Diphyiden angemerkt haben 

Neben den beiden elastischen Bändern findet man übri- 
gens rechts und links noch einen feinen (gleichfalls gefalte- 
ten) Muskelfaden , der aus dem untern Ende des unpaaren 
Stranges hervorkommt und an den Seitenrändern der Nes- 
selzellenbatterie emporsteigt. Auch dieser Seilenfaden lässt 
sich mit äusserster Leichtigkeit abwickeln. 

In solcher Weise ist nun der Nesselknopf unseres Agalma 
mit einem ziemlich complicirten Muskelapparate ^} ausgestattet, 
der nicht bloss die oben erwähnten Bewegungen ausführt, 
auch nicht bloss dem ganzen Organe Halt und Festigkeit giebt, 
sondern auch bei dem Gebrauche dieselben Vortheile ge- 
währt, die wir schon oben bei den Diphyiden hervorzuheben 
Gelegenheit fanden. 

Neben den ausgebildeten Nesselknöpfen findet man übri- 
gens an der Wurzel der Fangfäden, wie gewöhnlich, noch 
eine zahlreiche Menge von jungen und unausgebildeten Knö- 
pfen, deren Entwickelung von mir (Z. U. S. 24. Tab. I. Fig. 25) 
und Herrn Vogt (p. 73) in ffanz übereinstimmender Weise 
beobachtet worden. Ich will hier nur noch hinzufügen, dass 
sich die Spiralwindung des Nesselslranges zunächst an dem 
freien Ende desselben hervorbildet und von da erst allmäh- 
lich nach dem Stiele hin fortschreitet. 

Der Endfaden der Nesselorgane trägt kleine bohnen- 
förmige Angelorgane. 

Was die Taster betrifft, so sind diese gleichfalls, wie 



1) Nichts destoweniger glauhe ich übrigens, dass der „cordon 
gris" des Herrn Vogt mit diesen Gebilden identisch ist. 

2) Die Muskelfasern, die Kölliker (Tab. IV. Fig. 7) in der 
Nesselknöpfen unseres Agalma erwähnt, entsprechen den beiden ela- 
stischen Böndern, deren eigenihüralche Bildung übersehen wurdcv 



328 Leuckart! 

die Polypen, auf einer slielförmigen kleinen Ausstülpung des 
Körperstammes angebracht. Sie sind (Fig. 15) schlank und 
ohne vorspringende Wülste, gleichen aber sonst den jungen 
und unausgebildeten Polypen, namentlich auch in den Pro- 
portionen der einzelnen Abschnitte , die sich hier gleichfalls 
unterscheiden lassen. Die Fangfäden der Taster sind dünn 
und ohne Nesselknöpfe , wohl aber mit zahlreichen kleinen 
Angelorganen versehen. Herr Vogt beschreibt dieselben 
als gegliedert (p. 74) , während sie mir ganz einfache cy- 
lindrische Fädchen zu sein schienen, die nur im ausgestreck- 
ten Zustande durch die in bestimmten Intervallen und paar- 
weise eingelagerten Angelorgane von Zeit zu Zeit eine kleine 
Anschwellung darboten. 

Die Deckschilder (Tab. XII. Fig 16) sind schuppenför- 
mig, etwa 8'" lang und 3 '72'" breit. Sie bestehen aus einer 
vollkommen durchsichtigen Substanz , so dass sie sich im 
Wasser nur schwer erkennen lassen, haben aber nichts de- 
stoweniger eine ziemlich derbe Beschaffenheit. Ihre Mitte 
ist etwas verdickt, ohne jedoch in Form einer Firste vorzu- 
springen; die untere dem Stamme zugekehrte Fläche etwas 
ausgehöhlt. Der Canal, der die Mitte durchsetzt, reicht bis 
in das zugespitzte Ende , ist aber der untern Fläche etwas 
mehr angenähert, als der obern. Die Seitenzähne sind mehr 
oder minder entwickelt und fehlen in manchen Fällen gänz- 
lich. Der mittlere Endfortsatz trägt fast ganz constant einige 
Angelorgane. Die Entwickelung ist leicht zu verfolgen und 
ganz genau dieselbe, wie ich sie früher bei Ag. punctatum 
(A.Sarsii) dargestellt habe; sie geht übrigens nicht bloss, wie 
Kölliker angiebt (S. 17), dicht unterhalb der Schwimmsäule 
vor sich, sondern auch — wie die Entwickelung der Taster 
— zwischen den bereits gebildeten Anhängen. Auch möchte 
ich hier nochmals bemerken, dass die Deckstücke nicht etwa, 
wie man nach Kölliker's Angaben für Ag. Sarsii (S. 15, 
und seiner Zeichnung auf Tab. IV. Fig. 9) vermuthen könnte, 
mit ihrem obern Ende an dem Körperstamme befestigt sind, 
sondern (wie überhaupt die Deckschilder bei allen Siphono- 
phoren) durch einen eigenen Stiel , der eine Strecke hinter 
dem obern Ende an der Innenfläche hinantritt , wie ich das 
in meinen Untersuchungen (S. 28) dargestellt habe. Das obere 



Zur nähern Kennlnisa der Siphonophoren von Nizza. 329 

Ende der Deckstücke ist frei und solide und namentlich bei 
unserm Ag. rubrum von einer ganz ansehnlichen, fast keulen- 
förmigen Entwickelung. 

Die Geschlechtsanhänge unseres Agalma , die von mir 
und Herrn Vogt beschrieben worden sind, bestehen (Fig. 15) 
aus medusenartigen männlichen Glocken von ganz ansehnli- 
cher Grösse (bis fast 3"'3 und traubenförmig zusammengrup- 
pirten weiblichen Kapseln, die mit Hülfe eines gemeinschaftli- 
chen Stieles, gleich den einzelnen männlichen Anhängen, an 
dem Körperstamme zwischen den Tastern befestigt sind '). 
Die männlichen Anhänge gleichen in allen wesentlichen Zü- 
gen den Geschlechtsanhängen von Galeolaria, Abyla und an- 
dern Calycophoren ; besitzen auch ganz den Gefässapparat 
dieser Anhänge, obgleich Herr Vogt denselben vollkommen 
übersehen zuhaben scheint. Freilich giebt Herr Vogt auch 
an, dass das Sperma ^) in dem Innern Höhlenraume des slem- 
pelförmigen Sackes enthalten sei, während es doch, wie ge- 
wöhnlich, in die Wandungen desselben eingebettet ist, und der 
innere Hohlraum dieses Sackes sich mit grossester Leichtig- 
keit zur Anschauung bringen lässt. Sobald man den Kern 
nur einem massigen Drucke aussetzt , sieht man sogar ganz 
deutlich die Flimmerhaare, die auf der scharf begrenzten 
Innenwand des Hohlraums aufsitzen. Die Gefässe des Man- 
tels sind übrigens wirklich sehr dünn und zart , besonders 
bei den ausgebildeten Glocken, aber doch unzweifelhaft vor- 
handen und auf den frühern Entwickelungsstufen leicht nach- 
zuweisen (Flg. 17). Ueberhaupt ist die Entwickelung dieser 



1) Obgleich Herrn Vogt ganz richtig angiebt, dass die Ge- 
schlechtsanhänge direct mit dem Körperstamme in Verbindung stän- 
den, bezeichnet er doch die Taster als Geschlechtsthiere (individus 
proliferes), deren Aufgabe darin bestehe, die Geschlechtsanhänge zu 
bilden. Er will sich auch bei einem jungen Exemplare unseres Agalma 
davon überzeugt haben, dass die Anhänge ursprünglich an den Tastern 
entstehen. Dass ein solches Verhältniss bei gewissen Siphonophoren 
vorl%pmnit, ist gewiss; dass unser A. rubrum aber zu diesen gehöre 
ist ganz gewiss unrichtig. Ich habe die Entwickelung der Geschlechts- 
anhänge sorgfältig verfolgt und niemals gesehn , dass dieselben mit 
den Tastern im Zusammenhange stehen. 

2) Der Schwanzfaden der Spermatozoen , den Herrn Vogt ver- 
ver missle, habe ich ganz bestimmt beobachten können. 



330 Leuckart: 

männlichen Anhänge ganz dieselbe, wie bei den Calycopho- 
ren , und (Fig. 18) keineswegs so einfach, wie Herr Vogt 
behauptet, wenn er (p. 78) angiebt, dass das ursprüngliche 
Bläschen sich in einen äussern und innern Sack trenne, von 
denen der erstere an der Spitze sich offene , während der 
andere sich mit Sperma anfülle *). 

Uebrigens stehen die männlichen Anhänge, wenn sie 
auch keine Trauben bilden , wie die weiblichen , doch nicht 
ganz isolirt. Ich fand sie vielmehr beständig gruppenweise, 
bis zu sechs und acht, neben einander, freilich meistens auf 
verschiedenen Entwicklungsstufen. Der Insertionspunkt der 
einzelnen Anhänge zieht sich während der Grössenzunahme 
allmählich in einen ziemlich langen und contractilen Stiel aus 
(Fig. 17). 

Bei den weiblichen Knospen bildet sich an der Befe- 
stigungsslelle gleichfalls allmählich eine stielförmige Aussak- 
kung des Mantels, aber diese erreicht eine sehr viel beträcht- 
lichere Grösse und trägt auch beständig eine grosse Menge 
von Anhängen , die am Ende des Stieles zu einer kugligen 
oder kopfarligen Masse zusammengruppirt sind. Die Wandun- 
gen des Stieles zeigen deutliche Längsmuskelfasern und tra- 
gen auf der äussern und auch auf der innern Fläche einen 
Ciliarbesatz. Nach der Darstellung des Herrn Vogt (p. 76) 
sollen die Flimmerhaare der innern Fläche in Form von Ring- 
wülsten zusammengruppirl sein; ich glaube indessen, wie 
früher , so auch heute noch behaupten zu dürfen , dass es 
die innere Auskleidung des Stieles ist, die das eigenthüinliche 
Aussehen dieses Innenraumes bedingt, und dass die Flim- 
merhaare die ganze innere Fläche in gleichmässiger Weise 
auskleiden (Fig. 20). 

Auch darin kann ich Herrn Vogt nicht beistimmen, dass 
die weiblichen Geschlechtsknospen geschlossene Bläschen seien; 
ich habe an denselben vielmehr oftmals eine äussere Oeffnung 
unterscheiden können, wie es bei Apolemia und auch nach 
Kölliker bei Ag. Sarsii vorkommt. Ueberhaupt hallÖ' ich 
dafür, dass die Form der weiblichen Anhänge, die KöUi- 

1) Eben so unrichtig ist sonder Zweifel die gleichlautende Dar- 
stellung von der Entwickelung der männlichen Geschlechtsanhänge bei 
Fbysophora hydroslatica (p. 54). 



Zur nähern Kenntnis» der Siphonophoren von Nizza. 331 

k e r bei letzterer Art beschreibt, nicht bloss für Agalma, son- 
dern überhaupt für alle Physophoriden die normale ist. Frei- 
lich finden sich häufige Abweichungen, namentlich in dem 
Verlaufe der Gefässe, wie ich es schon bei Apolemia ange- 
geben habe und auch hier wiederholen muss. Sehr häufig 
bei unserm Ag. rubrum ist namentlich eine unregelmässige 
Verästelung und Netzbildung des Gefässapparates , wie sie 
von Herrn Vogt und auch von mir bereits an einem andern 
Orte (Z. U. S. 37. Tab. II. Fig. 19) dargestellt wurde. Frei- 
lich ist dieses Verhalten nicht das einzige, wie man viel- 
leicht nach der Darstellung des Herrn Vogt vermuthen könnte; 
es kommen auch Geschlechtsanhänge mit regelmässigem Ver- 
laufe (Fig. 19) und solche mit sehr verkümmerten Gefässen vor, 
und zwar oftmals alle neben einander in derselben Traube. 

**"* Mit eingehüllten Nesselknöpfen und starker Spiral- 
windung des Stammes. Am Ende des Nesselstranges zwei 
kurze Fäden ') mit einem Flüssigkeitsbehälter (Agalma Lt.}. 

Agalma Sarsii Köll. 

Die Nesselknöpfe mit einem glockenförmigen Mantel 
und drei Umläufen , wenigstens im ausgebildeten Zustande, 
während in der Jugend dafür kleine und nierenförmige 
Nesselknöpfe ohne Mantel und Endfaden vorkommen. Die 
Schwimmslücke ziemlich schlank , mit zugespitzten unteren 
Fortsätzen. Deckschilder schuppenförmig mit einer mittlem 
und zwei seitlichen firstenförmigen Erhebungen. Der Schei- 
tel des Luftsackes trägt einen rothen Pigmentfleck. 

Unter dem Namen Agalmopsis Sarsii hat Kölliker 
(S. 10. Tab. V) eine Agalmaart beschrieben , in der ich die 
von mir provisorisch als Ag. punctatum bezeichnete und unter 
diesem Namen auch in meinen Untersuchungen aufgeführte 
Physophoride wiedererkenne. Uebrigens vermulhet Kölli- 
,ker, dass seine Art nicht eigentlich neu sei, sondern mit 
der von Sars (Fauna litt. Norveg. I. S. 32) an der Norwe- 
gischen Küste beobachteten und so trefflich beschriebenen 

1) So sagt auch Eschscholtz von seinen Agalmaarten : „clava 
apice bicuspidata« — eine Angabe, die Herr Vogt freilich (p. 61) für 
eine irrthümliche bält, und auf den cont 
Eschscholtz untersuchten Arten schiebt. 



332 Leuckart: 

Agalmopsis elegans zusammenfalle; eine Vermiithung", die 
mir um so wahrscheinlicher ist, als ich durch die Untersu- 
chung der Nesselknöpfe zu Resultaten gekommen bin, die mit 
den Angaben von Sars über seine Ag. elegans vollkommen 
ubereinsfimmen. Freilich ist es immerhin möglich, dass der- 
artige Verhältnisse auch bei andern Agalmaarten obwalten, 
allein einstweilen liegen hierüber noch keine weitern An- 
gaben vor. Trotz dieser wahrscheinlichen Identität der Arten 
habe ich übrigens den Kolli ke r'schen Namen beibehalten, 
theils weil diese Identität nicht ausser allem Zweifel ist, 
theils auch desshalb, weil Sars möglicherweise unter seiner 
Ag. elegans mehrere verschiedene Arten zusammengefasst hat. 

In der ersten Zeit meines Aufenthaltes in Nizza fand 
ich unsere Art ganz ausserordentlich häufig, aber die Exem- 
plare waren nur jung und klein (von iy2'"— 1%")) zum 
Theil sogar noch ohne Schwimmglocken oder nur mit weni- 
gen und kleinen Schwimmglocken versehen. Das von mir 
beobachtete jüngste Exemplar, das eigentlich nur aus einem 
einzigen Polypen mit Fangfaden und Luftblase bestand (aus- 
serdem auch noch verschiedene unvollständig entwickelte Kno- 
spen trug) habe ich in meinen zool. Untersuchungen S. 39. 
Tab. II. Fig 23 beschrieben. Auch Herr Vogt hat solche 
junge Exemplare aufgefunden '), dieselben aber theils (Tab. VI. 
Fig. 24) als junge Physophoren beschrieben, theils auch (Tab. 
X. Fig. 32 u. 35) als Jugendzustände dem Ag. rubrum ange- 
reiht, obgleich man sich vergebens nach den Gründen einer 
solchen Deutung umsieht '0- 

Später habe ich nur selten und immer nur einzeln ein 
Ag. Sarsii aufgefischt, namentlich noch in den letzten Tagen 
meines Aufenthaltes ein Exemplar von etwa 4—5", das gros- 
seste, welches mir zu Gesicht kam. Kölliker beobachtete 
Exemplare von mehr als Fusslänge; nach den Angaben von 

1) Vielleicht auch Gegenbaur, der wenigstens Tab. XVII. 
Fig. 11 eine junge Physophoride abbildet, die leicht ein junges Ag. 
Sarsii sein könnte. 

2) Zu letzterm rechnet Herr Vogt die älteren Exemplare, die 
bereits Deckstücke tragen, zu den erstem ein Exemplar ohne Deck- 
stücke und Schwimmglocken, ganz auf derselben Untwickelungsslufe, 
wie ich es (1. c. Tab. II. Fig. 23) abgebilde habe. 



Zur nähern KenntnißS der Siphonophoren von Kizza. 333 

Sars würde die Grösse unseres Thieres noch sehr viel be- 
heträchllicher werden. 

Die Schwimmsäule des eben erwähnten Exemplares be- 
stand aus acht Paar ausgebildeten Glocken , von denen eine 
jede 3'" lang und 2 V2'" breit war. Bei den kleinern Exempla- 
ren waren diese Glocken von sehr viel geringerer Grösse ; bei 
Exemplaren von r/2" (lab. Xlil. Fig. 1), die doch schon eine 
förmliche Schwimmsäule mit drei bis vier Paar Glocken be- 
sassen, 1 V2'" lang» 1'" breit. Der Zusammenhang der Glok- 
ken (Tab. XII. Fig. 21) und die Form derselben (Fig. 22} ist 
im Wesentlichen ganz wie bei Ag. rubrum, nur sind die Glok- 
ken nicht bloss verhällnissmässig etwas schlanker, sondern 
auch mit stärker entwickelten obern und mit zugespitzten un- 
tern Fortsätzen versehen. Auch ist der Ausschnitt zwischen 
den letztern, namentlich in der Tiele, weniger breit, die Con- 
cavität der obern Fläche (zur Aufnahme der Keilfortsätze) 
weniger auffallend. Was den Gefässverlauf betrifft , so keh- 
ren ganz dieselben Verhältnisse wieder, wie bei A. rubrum. 
Manlelgefässe und Schwimmsackgefässe zeigen eine vollkom- 
men übereinstimmende Bildung, auch die zwei Seitengefässe, 
die keineswegs, wie Kölliker vermuthet, bei der Entwick- 
lung allmählich verloren gehen. Die Ursprungsstelle der 
Schwimmsackgefässe ist (wie mir scheint, auffallender, als 
bei Ag. rubrum) der untern Fläche zugekehrt. Die Entwick- 
lung genau wie bei Ag. rubrum. 

Das grosseste meiner Exemplare zeigte vier ausgebil- 
dete Polypen mit zahlreichen JNesselknöpfen, und zwischen 
je zwei Polyen 4—5 lange und wurmtörmige Taster. Jeder 
Polyp und jeder Taster war (Fig. 23) — und eben so ver- 
hält es sich sonder Zweifel bei Ag. rubrum — mit einem Deck- 
schilde versehen, so dass also die Zahl dieser Anhänge im 
Allgemeinen — hier und da findet sich auch einmal ein su- 
pernumeräres Deckstück — mit der Zahl der Taster und Po- 
lypen übereinstimmt '). Auch die kleinen und unausgebilde- 



1) Der Insertionspunkt der Deckschilder liegt dicht oberhalb 
der Polypen und Taster; die Deckschilder knospen mit den übrigen 
Anhängen in derselben Längsreihe hervor , nicht an der entgegengc 
setzten Fläche des Stammes, wie es Herr Vogt furAg. rubrum (p. Ö8) 



334 Leuckart: 

len Taster, die in den Zwischenräumen zwischen den andern 
auf den verschiedensten Entwicklungsstufen angetroffen wer- 
den, liessen befeils ein (freilich gleichfalls nur unvollständig 
entwiclieltes) Decliblättchen neben sich erkennen. Geschlechts- 
organe wurden nicht aufgefunden, doch geht aus der Dar- 
stellung von Kölliker auch in dieser Hinsicht eine sehr 
wesentliche Uebereinstimmung mit Ag. rubrum hervor. Auf- 
fallend ist es mir übrigens, dass Kölliker die Anwesen- 
heit eines accessorischen Fangfadens bei den Tastern in Ab- 
rede stellt. Ich habe allerdings viele abgerissene Taster ohne 
Fangfaden gesehen, auf der andern Seite mich aber auch 
häufig (auch durch Untersuchung junger und unausgebildeter 
Taster) ganz entschieden von der Anwesenheit derselben 
überzeugen können. Die Bildung dieses Fadens ist genau 
wie bei Ag. rubrum. Die Eigenthümlichkeiten unserer Art be- 
schränken sich somit im Wesentlichen auf die Bildung der 
Deckschilder und der Nesselknöpfe. 

Die Deckschilder sind freilich schuppenförmig, wie bei 
Ag. rubrum, aber nichts destoweniger leicht von denselben 
zu unterscheiden, namentlich so lange sie noch klein sind 
und ihre charakteristische Form besitzen. Sie messen im aus- 
gewachsene» Zustande 5'" bei einer Breite von 4"', sind 
also sehr viel breiter, als bei der vorigen Art, mitunter selbst 
eben so breit, als lang. Dazu kommt noch, dass (Fig. 24) 
ihre Seitenränder viel stärker herabgekrümmt sind, die Con- 
cavität der untern, dem Stamme zugekehrten Fläche also be- 
trächtlicher ist. Der hintere Rand trägt beständig drei Zähne, 
einen grossen mittlem Zahn und zwei kleinere Seitenzähne, 
die an der Uebergangsstelle in den Seitenrand entwickelt sind. 
In der Mitte der äussern Fläche verläuft eine Längsfirste, die 
bis zur Endspitze hinreicht, und neben dieser rechts und 
links eine zweite und dritte, die von der Insertionsstelle des 
Stieles ihren Ursprung nimmt und in geschwungenem Ver- 
laufe zu den beiden Seitenspitzen hinführt. Die Fläche, die 



behauptet Die Angabe von Kölliker (S, 15), dass die Deckschilder 
„in vielen unregelmässigen Querreihen zu 5 bis 6 um den Stamm 
herumsitzen" beruht wohl eben so wenig auf einer richtigen Beob- 
achtung. 



Zur nähern Kenntniss der Siphonophoren von Nizza. 335 

ausserhalb dieser beiden Seitenfirsten liegt , ist ziemlich ab- 
schüssig; sie bildet gewissermaassen (Fig. 25) eine dachför- 
mig abfallende Seitenfläche, während der von ihnen begrenzte 
miniere Theil (abgesehen natürlich von den Erhebungen der 
Firsten) ziemlich flach und eben ist. Die Firsten und Rän- 
der unserer Schuppen sind im jüngeren Zustande mitunter ge- 
zähnelt, noch constanter aber mit zahlreichen kleinen ('/soo'") 
runden Körperchen versehen, die nach ihrem optischen Ver- 
halten an Angelorgane erinnern , aber keinen Faden im In- 
nern einschliessen. Noch früher triff't man auf dem mittlem 
Zahnforlsatze nicht selten (wie bei der vorigen Art auch 
auf den ausgebildeten Deckstücken) einige grössere Angel- 
organe (Fig. 2c5). 

Der Bau der Nesselknöpfe ist von mir und Kölliker 
bereils an einem andern Orte (Z. U. Tab. I. Fig. 19) darge- 
stellt. Er stimmt genau mit den Angaben von Sars über 
die zweite von ihm beobachtete Form dieser Apparate überein 
und entfernt sich in sehr auff'allender Weise von der bei Ag, 
rubrum vorkommenden Bildung. Die Verschiedenheit zwi- 
schen beiden erstreckt sich sogar bis auf die Angelorgane, 
wenigstens die grössern, die hier, gleich den kleinern dicht 
stehenden Angelorganen des Nesselstrauges, eine säbelförmige 
Gestalt haben und eine sehr colossale Grösse C/iiv'") be- 
sitzen. Auch beschränkt sich das Vorkommen dieser Gebilde 
nur auf die erste Windung des Stranges, an der sie (ober- 
halb der kleinern Angelorganej eine Reihe von etwa 20 senk- 
rechten Parallelstäbchen zusammensetzen. Die Kapsel der 
Angelorgane springt an dem dünnern nach unten gerichteten 
Ende auf, wo sich schon im unverletzten Zustande ein Deckel 
unterscheiden lässt. Der Angelfaden, dessen Windungen man 
deutlicher, als sonst gewöhnlich durch die Kapsel hindurch- 
schimmern sieht, trägt zahlreiche Widerhaken. An der äus- 
sern Fläche des Nesselstranges beobachtete ich ein Flimmer- 
kleid, wie es v/olil überall hier vorkommt.- Auf der glocken- 
förmigen Kapsel habe ich es dagegen mit Kölliker verge- 
bens gesucht. Was die Muskulatur des Nesselstranges be- 
triff't, so stellt sich in sofern eine Uebereinstimmung mit Ag. 
rubrum heraus, als sich auch bei Ag. Sarsii ganz deutlich die 
beiden elastischen Bänder wiederfinden, die wir oben be- 



336 Leuckart: 

schrieben haben. Es sind dieselben „wasserhellen Bänder«, deren 
scheinbare Einlagerungen Sars als „Knorpelringe" beschrieben 
hat. Ueber die wahre Natur dieser Bänder kann hier übrigens 
nicht der geringste Zweifel mehr obwalten; sie sind zickzack- 
fönnig gefaltete Muskelstränge, die von einer festen, ganz 
durchsichtigen und platten Scheide umhüllt werden ^). 

So eigenthümlich auch die Form dieser Nesselknöpfe ist, 
so übereinstimmend ist die Entwickelung derselben mit dem 
Schema, das wir auch bei Ag. rubrum gefunden haben. Der 
einzige Unterschied besteht, wie ich schon in meinen Zool. 
Unters. S. 24 angegeben habe, darin, dass der Endfaden 
gleich nach seiner Bildung durch Längsspaltung in zwei ne- 
ben einander liegende Zipfel zerfällt, zwischen denen dann 
das contractile Bläschen hervorkommt (Fig. 26). Die glok- 
kenförmige Umhüllung bildet sich erst später, während der 
Nesselstrang sich aufrolll, und zwar durch Aufwulstung und 
Faltenbildung in der Scheide des Nesselknopfes, dicht über 
.dem Nesselstrange (Fig. 27). 

Nach der Beschreibung von Sars sollen bei Agalmo- 
psis elegans dreierlei Formen von Nesselknöpfen vorkommen. 
Kölliker beschreibt dagegen bei seiner Ag. Sarsii nur eine 
einzige Form, dieselbe, die wir so eben noch mit einigen 
Worten hier berücksichtigt haben. Auch das von mir be- 
obachtete ziemlich ausgewachsene Exemplar zeigte eine 
solche Uniformität in der Gestaltung der Nesselknöpfe, aber 
bei kleinern und unausgewachsenen fand ich ausserdem noch 
ziemlich constant eine zweite Nesselknopfform ohne Kapsel 
und Endfaden (Z. U. Tab. 1. Fig. 20)^, ganz wie sie Sars von 
seiner Ag. elegans beschrieben hat ^). Bei den kleinsten 
Exemplaren waren diese Nesselknöpfe (und eben so verhalten 



1) Kölliker beschreibt diese Bänder auch ganz einfach als 
„Muskelbänder", wie bei den übrigen Siphonophoren ; die Anwesenheit 
einer eigenen Scheide, die diese Muskelbändern bei Agalma so auf- 
fallend auszeichnet, ist von demselben übersehen. 

2) Die dritte Form, die Sars beschreibt, unterscheidet sich 
von der erstem nur durch die Einfachheit des Enrifadens und die Ab- 
wesenheit der contractilen Blase. Ich habe sie bei unserm Ag. Sarsii 
niemals beobachtet. 



Zur nähern Kenntniss der Siphonophoren von Nizza. 337 

sich auch die von Herrn Vogt abgebildeten Exemplare) aus- 
schliesslich vorhanden; bei solchen, die etwas grösser wa- 
ren , fanden sie sich nur an der Basis der obersten , also 
jüngsten Polypen (Tab. XIII. Fig. 1). Ich möchte aus diesen 
Erfahrungen beinahe erschliessen, dass die Fangfäden nach 
ihrer ersten Bildimg überhaupt nur solche kleinere und ein- 
fachere Nesselknöpfe produciren und denselben erst später 
jene grösseren und vollkommneren Apparate folgen lassen. 
Freilich ist es mir nicht gelungen, beiderlei Formen an dem- 
selben Fangfaden aufzufinden (wie esGegenbaur bei Rhi- 
zophysa darstellt) , allein ich will auch offen gestehen , dass 
ich erst später auf die Wahrscheinlichkeit einer solchen pro- 
visorischen Natur der kleinern Nesselknöpfe aufmerksam ge- 
worden bin. 

Diese kleinern Nesselknöpfe zeigen eine auffallende Aehn- 
lichkeit mit den Nesselknöpfen der Calycophoren , obgleich 
sie ohne Endfaden sind. Sie haben dieselbe Gestalt, dieselbe 
Anordnung der Nesselzellen, dieselbe Bildung des muskulösen 
Angelbandes. Nur sind die grossen Nesselkapseln, die seil- 
lich neben dem Canale des Nesselstranges gelegen sind, von 
einer mehr bauchigen Form C'/öo'") ""d die kleinern, senk- 
recht dem eben erwähnten Canale aufsitzenden Zellen am 
untern Ende des Bogens zu einer ganz ansehnlichen kopfar- 
tigen Masse zusammengehäuft. Das äusserste Ende der Nes- 
selknöpfe zeigt in der Regel eine Anzahl kurzer und steifer 
borstenartiger Haare, von denen ich unentschieden lassen 
will, ob sie als hervorgeschnellte Nesselfäden oder als blosse 
Verlängerungen der äussern Bedeckungen ^) zu betrachten 
^ein möchten. 

Agalma clavatum nov. sp. 

Mit dicken , keulenförmigen Deckstücken und kappen- 
artig entwickeltem Mantel an den Nesselknöpfen ^ die nur in 



1) Diese äussern Bedeckungen stehen gewöhnlich etwas weiter 
von dem Nesselstrange ab, als bei den Diphyiden, lassen abernichts- 
destoweniger keinen Zwischraum zwischen beiden erkennen, so dass 
man sie wohl kaum mit der Kapsel der ausgebildeten Wessclorgane 
vergleichen kann, wie ich das früher, in meinen zoolog. Untersu- 
chungen S. 24. gethan habe. 

Archiv f. Naturgesch. XX, Jahrg. 1. Bd. 22 



338 Leuckart: 

ihrer obern Hälfte und auch hier nicht einmal constant eine 
Spiralwindung erkennen lassen. 

Eine kleine, kaum mehr als zolllange Art, die in ih- 
rer äussern Bildung eine grosse Aehnlichkeit mit den un- 
ausgewachsenen Exemplaren von Ag. Sarsii hat und auch 
lange Zeit von mir damit verwechselt wurde, bis ich auf die 
Constanten Eigenthümlichkeiten in der Gestaltung der Deck- 
stücke und der Nesselknöpfe aufmerksam wurde. Die Ge- 
schlechtsanhänge, die ich gleichfalls aufTand, rechtfertigen die 
Annahme, dass die betreffenden Exemplare, trotz ihrer Klein- 
heit, so ziemlich ausgewachen seien. 

Polypen und Taster haben eine nur unbedeutende Grösse, 
zeigen aber sonst die gewöhnlichen Verhältnisse , nur dass 
ich die Fangfäden der Taster vergebens nachzuweisen mich 
bemühte. Auch ist mir aufgefallen, dass die Höhle des Ta- 
sters nicht bis in die Spitze reicht, wie sonst, sondern schon 
eine ansehnliche Strecke vor derselben aufhört. Die Zahl der 
Polypen beträgt selten mehr als drei oder vier, die der Schwimm- 
glocken meist acht. Die Deckstücke (2'" lang , Vj'" breit) 
zeigen eine auffallend bauchige Beschaffenheit (Tab. XHI. 
Fig. 2 — 4) und eine ovale Form ohne alle Zähne oder Spi- 
tzen. Ihr oberes Ende ist schnabelförmig von den Seiten zu- 
sammengedrückt und dem Stamme zugekrümmt, so dass man 
dasselbe gewissermaassen als den Kopf des Deckblättchens 
betrachten darf, zumal der Stiel , wie gewöhnlich , sich erst 
unterhalb desselben ansetzt. Die Seitenräncler haben eine 
dicke und wulstige Bescliaffenheit. Auf der äussern Fläche 
unterscheidet man in der Regel fünf Reihen kleiner rundli- 
cher Körperchen , wie sie auch bei Ag. Sarsii vorkommen, 
eine Mittelreihe (oberhalb des Mediancanales) und zwei Sei- 
tenreihen in ziemlich gleichen Entfernungen daneben. 

Die Nesselknöpfe, die etwa '/ö'" messen und eine gelb- 
liche Färbung besitzen , während Ag. Sarsii rothe Nessel- 
knöpfe trägt, zeigen nur höchstens eine einzige Spiralwin- 
dung, und zwar an der Basis des Nesselstranges, da wo die 
grossen und bauchigen, fast bohnenarligen Angelzellen (yso"') 
in denselben eingelagert sind. Die grössere Hälfte des Nessel- 
stranges hängt senkrecht herab und hat eine einfache sichel- 
förmig gekrümmte Bildung, wie ich schon früher in meinen 



Zur nähern Kenntniss der Siphonophoren von Nizza. 339 

Untersuchungen abg-ebildet habe (Tab I. Fig. 36). Es giebt 
selbst Nesselknöpfe, die ohne alle Spiralwindung sind, nichts 
desto weniger aber kaum eine beträchtlichere Länge besitzen, 
als die Nesseiknöpfe mit aufgerolltem Strange (Tab. Xlll. Fig. 5). 
Eben solche oder doch ähnliche Verschiedenheiten zeigen 
sich auch in der Entwickelung des Mantels, der den Nes- 
selstrang umgiebt. In der Mehrzahl der Fälle ist derselbe 
vollständig, so dass der Nesselslrang davon verhüllt wird, 
obgleich das untere Ende beständig schräg abgestutzt ist, der 
Mantel also an der einen Seite viel weniger hoch erscheint, 
als an der andern, an der er sich gewissermaassen in eine 
schirmartige Verlängerung fortsetzt. In andern Fällen (und 
so sah ich es namentlich an den säbelförmigen Nesselsträn- 
gen ohne Spiralwindung , Fig. 5) ist der Mantel dagegen so 
rudimentär, dass er kaum mehr als eine schirm- oder zipfel- 
förmige Verlängerung darstellt, die an der einen Seile des 
Nesselstranges herabfällt, jedoch ohne denselben zu umhüllen. 
Es entsteht dadurch eine Bildung , die in einem auffallenden 
Grade an die Form der Nesselknöpfe bei Athorybia erinnert, 
mit der uns Kölliker (S. 27) bekannt gemacht hat. (ich 
zweifle auch wirklich nicht im Geringsten, dass die „Blase", 
die' hier an der Wurzel des gleichfalls sichelförmigen Nes- 
selstranges ansitzt, in morphologischer Beziehung mit dem 
glocken- oder kapseiförmigen Mantel an den Nesselknöpfen 
anderer Physophoriden übereinstimme und als ein Schutzap- 
parat für den Nesselstrang zu betrachten sei.) Die Entwicke- 
lung des Mantels und überhaupt des Nesselknopfes ist genau 
dieselbe, wie bei Ag. Sarsii, so dass man die frühern Zu- 
stände kaum von einander unterscheiden kann. 

Männliche und weibliche Anhänge stehen gruppenweise 
neben einander. Die letztem bilden Trauben, d. h. sie be- 
festigen sich mit Hülfe eines gemeinschaftlichen Stieles, aber 
dieser Stiel ist nur kurz und viel weniger entwickelt , als 
bei Ag. rubrum. Der Gefässapparat der weiblichen Anhänge 
(Fig. 7) zeigt in der Regel eine nur rudimentäre Entwicke- 
lung, ohne Ringgefäss, obgleich sich die Oeffnung des Man- 
tels am vordem Ende bestimmt unterscheiden lässt. Die 
männlichen Anhänge verhalten sich, wie bei Agalnia rubrum, 
sind aber nur klein (kaum VV") ""^ beständig — so viel 



340 Leuckart: 

ich beobachten konnte — mit ziemlich dicht anliegendem 
Mantel (Fig. 5). Der Höhlenapparat des Mantels und Stem- 
pels zeigt die gewöhnliche Bildung. 

ß. Schwimmstücke zu einer kegelförmigen Säule mit 
dichte Spiralläufen zusammengruppirt. 

Gen. Forskalia Köll. (Stephanomia M. Edw.). 

Der Körperstamm zeigt in seiner ganzen Länge zahl- 
reiche weite Spiralwindungen ') , die sich wohl von einan- 
der entfernen, aber niemals vollkommen strecken können. 
Schwimmslücke flach und keilförmig, ohne eigentliche Fort- 
sätze, obgleich am Ende bisweilen ausgeschnitten. Mantel- 
gefässe fehlen. Die Polypen mit ihrem Fangfäden stehen auf 
langen und dünnen Stielen, die, gleich dem Stamme, mit 
einer dichten Menge schuppcnförmiger Deckstücke besetzt 
sind. Nesselknöpfe nackt und schraubenförmig gewunden. 
Die Taster sind im ausgebildeten Zustande beständig zu zwei 
und mehrern zusammengruppirt. Auf solche Weise entstehen 
gewissermaassen Zwillingstasler, die, wie die Polypen, mit Hülfe 
eines gemeinschaftlichen Stieles am Stamme befestigt sind 
und in mehrfacher, wenn auch wechselnder Anzahl, zwi- 
schen den Polypen vorgefunden werden. Die männlichen und 
weiblichen Anhänge sitzen gruppenweise an der Basis der 
ZwilHngstaster neben einander. 

For skalia. contorta (U. Edw.) Lt. 

Die Schwimmglocken sind an ihrem Insertionspunkte 
tief eingeschnitten und tragen in der Substanz des Mantels, 
oberhalb des Schwinmisackes , einen brennend rothen Pig- 
mentfleck. Nesselknöpfe und Leberwülste sind gleichfalls leb- 
haft rolh gefärbt. Deckstücke bald schuppenförmig, bald auch 



1) Ich sah solche Spiralwindungen ganz entschieden (wenn- 
gleich sehr viel schwächer , als im übrigen Stamme) auch an der 
Achse der Schwimmsäule, die Kölliker ausdrücklich — er sieht 
darin sogar einen Charakter des Gen. Forskalia — als gestreckt an- 
giebt. Solche Spirahvindnngen sind gewiss auch bei der Kölliker'schen 
Art vorhanden, wie sich schon aus der spiraligen Bildung der Schwimm- 
jsäule erschliessen lässt. 



Zur nähern Kenntniss der Siphonophoren von Nizza. 341 

keilförmig-, mit einem dicken und einem dünnen Rande und 
einem geknickten Centralkanale. 

Die schöne Physophoride, die ich im Vorstehenden zu 
charakterisiren versucht habe, ist von Milne Edwards 
entdeckt und unter dem Namen Stephanomia contorta be- 
schrieben worden (Ann. des sc. natur. 1841. T. XVI. p. 217}. 
Allerdings ist der Speciesnamen, den Milne Edwards un- 
serem Thiere gegeben hat, nicht eben sehr bezeichnend, da 
dieSpiralwindungen des Stammes, auf die er sich bezieht, bei 
allen Arten dieses Genus vorkommen, indessen habe ich doch 
geglaubt, ihn beibehalten zu müssen, obgleich Lesson den- 
selben bereits in St. (Apol£mia) Edwardsii verwandelt hat. 
Auch Herr Vogt beschreibt unser Thier (p. 85. Tab. XIII) 
als Apolemia contorta, während ich es früher, wo ich die 
St. contorta von Milne Edwards in einer andern, sehr 
viel grössern Art wiedererkannt zu haben glaubte, unter dem 
provisorischen Namen St. excisa aufführte. Die Forskalia 
Edwardsii, die K Olli k er bei Messina beobachtet hat (S. 2. 
Tab. I.), scheint wiederum verschieden und eine dritte, der 
F. contorta freilich ausserordentlich nahe siehende Art zu sein. 

Bei den grossesten Exemplaren, die ich auffand, betrug 
die Länge des Körpers im entwickelten Zustande kaum mehr 
als eine Spanne, obgleich die Schwimmsäule von einer ver- 
hältnissmässig sehr beträchtlichen Grösse war und fast ein 
Dritttheil der ganzen Körperlänge für sich in Anspruch nahm. 



1) Ueber das Gen. Stephanomia, wenigstens über die erste und 
typische Form dieses Gen. vergl. die frühere Anmerkung auf S. 321. 
Sie ist wahrscheinlich eine Agalma Eschsch. Später hat man dem 
Gen. Stephanomia die verschiedensten Formen zugerechnet (bei Les- 
son z. B. enthält dasselbe ausser der Steph. contorta auch noch die 
Apolemia uvaria !) , so dass man in der That eigentlich nicht weiss, 
welche Arten man mit diesem Genusnamen bezeichnen soll. Ich 
würde denselben übrigens für die Arten des Kölliker'schen Genus 
Forskalia beibehalten haben, wenn es einmal ausgemacht wäre, dass 
die St. Amphitritidis wirklich ein Agalma sei und sodann von K Ol- 
li ker nicht gerade eine Bezeichnung gewählt wäre, die dem Anden- 
ken des ersten genauem Siphonophorenbeobachters ein wohl ver- 
dientes Denkmal setzt. (Freilich ist der Kamen Forskalia auch schon 
an eine Pflanze vergeben.) 



342 Leuckarl: 

(Ebenso bei den Exemplaren des Herrn Vogt.) In der 
Schwimmsäule dieser Exemplare zählte ich etwa acht oder 
neun Umläufe, auf welche nach oben noch einige kleinere 
und weniger bestimmt hervortretende Touren folgten. In den 
untern Umläufen beträgt die Zahl der Schwimmglocken etwa 
9 — 10, so dass eine solche Colonie also etwa von 80—90, 
vielleicht auch von 100 ausgewachsenen Schwimmglocken be- 
wegt wird. Die obersten Schimmglocken sind nur unvoll- 
ständig entwickelt und gehen durch alle möglichen Ueber- 
gänge, wie gewöhnlich bei den Physophoriden, schliesslich in 
die kleinsten Knospen über. Daher kommt es auch, dass die 
Schwimmsäule sich nach oben allmählich verjüngt ') und eine 
äusserst zierliche Kegelform besitzt. Der Durchmesser des 
Kegels beträgt an der Basis etwa 1". 

Die charakteristische Form der Schwimmstücke ist schon 
oben von mir erwähnt worden. Sie ist den frühern Beob- 
achtern entgangen, namentlich Mi Ine Edwards, der offen- 
bar — auch nach der Abbildung der Schwimmsäule — die 
Schwimmglocken unseres Thieres nur an einem verstümmel- 
ten Exemplare untersucht hat, bei dem die ausgebildeten An- 
hänge dieser Art bereits verloren gegangen waren. Die Jün- 
gern Schwimmstücke (bis zu 2"'} sind lang gestielt, wie es 
Milne Edwards abbildet und um so länger, je jünger sie 
sind. Wie bei Agalma geht dieser Stiel aber allmählich ver- 
loren und zwar in demselben Verhältnisse, als der Mantel 
zur Ausbildung kommt. (Die Entwickelung der Schwimm- 
glocken geht überhaupt — vergl. Fig. 12 und Zool. Unters. 
Tab. I. Fig. 9 — in derselben Weise vor sich^, wie bei Agalma 
und den übrigen Siphonophoren, nur dass ich niemals in den 
jungen Knospen die Angelorgane aufgefunden habe, die 
doch sonst gewöhnlich im Umkreis der Mündung bei den un- 
entwickelten Schwimmglocken vorkommen.) Die Substanz des 
Mantels wächst rechts und links neben dem Stiele (Fig. 11) 
zu einem blatt - oder keilförmigen Fortsatze aus, dessen Flä- 
chenausdehnung mit der Quersachse der Schwimmglocke zu- 



1) Bei den von mir (und Herrn V o gt) beobachteten Arten ge- 
schieht dieses übrigens sehr viel allmählicher, als es KöUiker für 
seine F. Edwardsii angiöbt. , fr>../i 



Zur nähern Kennlniss der Siphonophoren von Nizza. 343 

sammenfällt, bis schliesslich die Form der ausgebildeten Glocken 
daraus hervorgeht. Der Ausschnitt , der zwischen diesen 
beiden Fortsätzen bleibt und zum Umfassen des Stammes 
dient, ist bei den einzelnen Glocken freilich verschieden tief, 
im Allgemeinen aber sehr ansehnlich, so dass er sich leicht 
bemerklich macht. Die Fortsätze, die er von einander trennt, 
sind in der Regel (Fig. 8) von einer ungleichen Grösse und 
am Ende mehr oder minder zugespitzt. Mitunter kommen 
selbst Schwimmglocken vor , bei denen der eine Fortsatz 
ganz rudimentär ist. Der Querschnitt der ausgebildeten 
Schwimmglocken (Fig. 10) ist so ziemlich rautenförmig; die 
Schwimmglocken sind von oben nach unten stark deprimirt 
(die grosseste Höhe beträgt etwa 3'", die grosseste Länge 
7—9'" — bis zum Ausschnitte 6'" — , die grosseste Breite 
7'") und nach den Rändern, wie nach der Spitze zu (Fig. 9) 
verdünnt. In der contrahirten Schwimmsäule greifen die 
Glocken der einzelnen Umläufe in einander, so dass die Längs- 
reihen, die sich in der Säule unterscheiden lassen, auf das 
Regelmässigste alterniren, während sich sonst die Zahl die- 
ser Reihen auf die Hälfte reducirt, indem die Glocken der 
einzelnen Umläufe dann über einander rücken. 

Der Schwimmsack ist nur wenig tief, aber mit stark 
entwickelten Seitenflügeln versehen (Fig. 8). Er zeigt die 
gewöhnlichen vier Radialgefässe, zwei Mediangefässe und 
zwei Seitengefässe, die hier ohne irgend erhebliche Windun- 
gen verlaufen. Das Ringgefäss ist eben so deutlich, als die 
Radialgefässe , in denen ich hier und da auf das Bestimm- 
teste (wie auch bei Galeolaria) eine schwingende Wimper 
unterscheiden konnte. Der Mantel ist ohne Gefässe; ein Um- 
stand, der sich durch seine starke Abplattung und die ge- 
ringe Grösse seiner Masse wohl hinreichend erklären lässt. 
Das Stielgefäss durchsetzt den Mantel geraden Weges von 
dem Ausschnitt an der Spitze bis zum Grunde des Schwimm- 
sackes. Bevor es aber an diesen herantritt, wird es (Fig. 8*) 
von einem brennend rothen Pigmentfleck umlagert, der fast 
eine Linie im Durchmesser hat und eine rundliche Scheibe 
darstellt, die mit der Richtung der Höhenachse zusammen- 
fällt. Herr Vogt beschreibt gleichfalls einen C:, schwefelgel- 
ben'«} Pigmentfleck bei unserer Forskalia , verlegt ihn aber 



344 Leuckart: 

(p. 88) an die Mündung des Schwimmsackes (siir le bord 
interne du canal droit superieur) , wo auch Kölliker bei 
seiner F. Edwardsii eine solche Pigmentirung beschrieben 
hat. Es ist kaum anzunehmen, dass Herr Vogt und ich den- 
selben Pigmentfleck beobachtet haben, da sich die Lage des- 
selben, wenigstens des von mir beobachteten Fleckes, eben 
so leicht als bestimmt lixiren lässt. Ich muss übrigens hin- 
zufügen^, dass ich diesen Fleck, der sonst ganz constant vor- 
kam, bei einem meiner Exemplare (unter 6—8) vermisste. 

Der Luftsack, der mit seiner Kammer bald nach aussen 
über die Schwimmsäule hervorragt, bald auch zurückgezogen 
und zwischen den jüngsten Schwimmglocken versleckt ist, 
hat , wie bei allen Forskalien , eine verhältnissmässig sehr 
unbedeutende Grösse und eine schlanke Bildung. Einen Pig- 
mentfleck habe ich niemals an demselben aufgefunden, wäh- 
rend die folgende Art (auch F. Edwardsii Köll.) ganz con- 
stant damit versehen ist. Die Körperachse, in deren oberes 
Ende der Luftsack eingelagert ist, und die Stiele, die davon 
abgehen, zeigen eine eigenthümliche weingelbe (nach Herrn 
Vogt rosarothe) Färbung, die den äusseren Bedeckungen 
und zwar den Muskelschichten zu inhäriren scheint, aber von 
keinerlei geformtem Pigmente herrührt. Dieselbe Färbung 
zeigt die folgende Art, wahrscheinlich auch F. Edwardsii, 
der Kölliker, wie Herr Vogt unserer F. contorta , einen 
„blassröthlichen" Stamm giebt Als abweichend wird von 
Kölliker auch noch der Umstand hervorgehoben, dass der 
Centralkanal des Stammes nicht, wie sonst gewöhnlich, in 
der Mitte desselben herabläuft , sondern der Innern concaven 
Fläche angenähert ist ; ich möchte auch noch weiter hinzu- 
fügen, dass der Stamm unserer Forskalia nach eben dieser 
Fläche zu seitlich etwas abgeplattet ist, auf dem Querschnitte 
also kein völlig rundes, sondern ein mehr keilförmiges Aus- 
sehen hat. 

Was die Polypen betrifft, so zähle ich bei meinen Ex- 
emplaren deren etwa 40 — 50. Sie haben eine wechselnde 
Grösse, von 3 bis 5 oder 6'" und stehen am Ende eines dün- 
nen und langen Stieles, der reichlich einen halben Zoll und 
darüber (bis 10'") misst und durch zahlreiche schindelför- 
mig sich deckende, aber ausserordentlich durchsichtige Deck- 



Zur nähern Kenntniss der Siphonophoren von Nizza. 345 

blätter nicht bloss geschützt ^ sondern auch in einer Weise 
gestützt wird, dass er beständig, gleich einem starren und 
festen Stabe , gestreckt ist. Wenn die Deckblätter verloren 
gehen , so zieht sich der Stiel bis auf einen Stumpf von 1 
oder IV2'" zusammen, der dann aber nicht bloss sehr viel 
dicker ist, als im gestreckten Zustande, sondern auch an sei- 
ner obern Fläche einen krausenartig gefalteten Kamm trägt, 
in welchem man bei näherer Untersuchung die aufeinander 
gerückten, nach aussen etwas vorspringenden Insertionspunkle 
der Deckschilder erkennen wird. ( Ganz dasselbe gilt von 
der Achse der Schwimmsäule nach Verlust der Schwimm- 
stücke.) Die Deckschilder stehen in einer einfachen und 
geraden Linie , obgleich sie bei vollkommener Integrität den 
ganzen Stiel umgeben und namentlich auch im Umkreis der 
Polypen eine blumenkronenartige Umhüllung bilden, deren Ele- 
mente sich über den Polypen, wenn er sich contrahirt, zu- 
sammenlegen können. Die scheinbare radiäre Gruppirung der 
Deckstücke beruhet , wie die Bildung der Schwimmsäule , auf 
einer leichten Spiraldrehung der Achse , an der sie befe- 
stigt sind. 

Bei F. Edwardsii sollen die gleichfalls sehr dünnen und 
langen Stiele der Polypen nach der Beschreibung von Köl- 
liker nur mit zwei Deckblättern versehen sein, doch muss 
ich gestehen, dass ich einigen Zweifel in die Richtigkeit 
dieser Angabe setze. Die Deckblätter, um die es sich han- 
delt, sind so durchsichtig und dabei so hinfällig, dass man 
sich nur durch die sorgfältigsten Untersuchungen von den 
Verhältnissen ihres Vorkommens mit Sicherheit unterrichten 
kann. Auch M iln e Edward s beschrieb bei unserer F. con- 
torta nur einige sehr wenige Deckblätter; er kannte nur die 
jüngsten, die in der Nähe der Polypen befestigt sind und 
weniger leicht abfallen, während die Zahl derselben doch an 
einem ausgebildeten Stiele wenigstens 25 — 30 (bei F. ophiura 
noch weit mehr) beträgt. Die Anhänge, die ich eben er- 
wähnt habe, stehen, gleich den übrigen Anhängen ohne Aus- 
nahme, an der äussern convexen Fläche des Körperstammes 



1) Auch hier sind die Insertionspunkle der Anhänge zu einem 
kleinen und überdiess flimmernden Forlsalze ausgezogen. 



346 Leuckart: 

und zwar in ziemlich regelmässigen Entfernungen , so dass 
sie, wie Radien, nach den verschiedensten Richtungen hin- 
sehen und einen kegelförmigen Körper von ansehnlichem 
Durchmesser zusammenselzen. Beim Hervorziehen aus dem 
Wasser gleicht solch ein Kegel einem durchsichtigen Tann- 
zapfen, dessen Oberfläche mit vielen Hunderten einzelner 
Deckblätter besetzt ist Das hintere Ende des Zapfens ist 
zugespitzt , weil die Stiele der letzten Polypen sich immer 
mehr neigen und schliesslich mit der Achse, an der sie be- 
festigt sind, einen sehr spitzen Winkel bilden. 

Die Polypen, die in der Ruhe meist senkrecht von dem 
Ende ihrer Stiele herabhängen, sich aber von da nach allen 
Richtungen tastend bewegen können, zeigen auf das Bestimm- 
teste die drei schon mehrfach erwähnten Abschnitte. Eine 
ausführliche Beschreibung derselben liegt nicht in meiner Ab- 
sicht; ich würde nur wiederholen müssen, was Kolli k er 
bei seiner F. Edwardsii hierüber bemerkt hat, und beschränke 
mich desshalb auf die Angabe, dass die 8 — IQ Leberwülste 
des Magens eine sehr ansehnliche Entwickelung haben und 
um so eher auffailen, als sie durch ein rostrothes Pig- 
ment ausgezeichnet sind. Die gefärbten Längsbinden, die 
dadurch entstehen, fliessen am Grunde des Magens zu einem 
rosettenförmigen Flecke in einander. Im Innern der Magen- 
wülste findet man ausser einer Anzahl grösserer Vacuolen 
auch zahlreiche Fetttröpfchen. Die rippenförmigen kleinen 
Wülste, die an der Innenwand des Rüssels vorspringen und 
schon von Kölliker erwähnt werden, finde ich in ziemlich 
grosser Anzahl, bis zu 12. 

Die Nesselknöpfe der grossen Fangfäden wiederholen 
im Kleinen ganz dieselbe Bildung, die wir früher bei Ag. 
rubrum kennen gelernt haben. Sie sind (Fig. 13) nackt und 
schraubenförmig gewunden, mit 3— 4 Umläufen — Herr Vogt 
behauptet freilich, dass sie gewöhnlich nur eine einzige Win- 
dung beschrieben — und, namentlich an der Basis, mit einer 
brennend rothen Färbe gezeichnet. Die grossen Angelorgane, 
die rechts und links sich in einfacher Reihe bis an das Ende 
des Nesselstranges hinziehen , besitzen eine bohnenförmige, 
sehr bauchige Form (y^o"' lang , %5o breit), während die 
übrigen schlank und säbelförmig (V^q lang, y^oo breit) »ind, 



i 



Zur nähern Kenntniss der Siphonophoren von Nizza. 347 

wie gewöhnlich. Die kurzen und bohnenförmigen Nessel- 
kapseln des Endfaclens messen y,8o"'- Der Muskelapparat 
ist übrigens sehr viel einfacher gebaut, als bei Ag. rubrum, 
wie schon nach der geringern Grösse der Nesselknöpfe (höch- 
stens yj", im gestreckten Zustande IV2'") sich erwarten 
lässt. Er besteht aus zwei Paar Muskelslrängen, deren Fa- 
sern die gewöhnliche quere Faltung zeigen und sich leicht 
isoliren und abrollen lassen. Eine elastische Scheide, wie bei 
Agalma, wurde nicht beobachtet. 

An der Basis des Fangfadens (tigelle M. Edw.) findet 
man beständig eine grosse Anzahl junger und unreifer Nes- 
selknöpfe auf allen Stadien der Entwickelung , die genau in 
derselben Weise vor sich gehet, als bei Ag. rubrum. Milne 
Edwards beschreibt diese Anhänge als „filaments tentacu- 
laires'^; es ist schon früher ein Mal erwähnt worden, dass sie 
von Kölliker (auch bei Agalma) irrthümlicher Weise als 
unentwickelte Ersatzfangfäden gedeutet wurden. 

Zwischen den Polypen sind nun, wie bei Agalma, die 
Taster (organes pyriformes M. Edw.) angebracht und zwar 
gleichfalls mit Hülfe besonderer Stiele, die aber nicht bloss 
nackt (ohne Deckblätter), sondern auch nur kurz und weit 
sind , und den Aussackungen des Stammes gleichen , die ja 
bekanntlich sehr häufig bei den Siphonophoren an der Inser- 
tionsslelle der Körperanhänge entwickelt sind. Bei F. Edwardsii 
soll in den Zwischenräumen zwischen den Polypen je ein 
Zwillingstaster und ein einfacher Taster ansitzen; bei un- 
serer F. contorta — und eben so ist es auch bei der fol- 
genden Art — finde ich in diesen Zwischenräumen indessen 
meist eine grössere Anzahl (bis vier) von Tastern, die ohne 
Ausnahme Zwillings - und Drillingstaster sind oder doch we- 
nigstens zu solchen sich entwickeln. Bei der ersten Bildung 
sind die Taster durchgehends einfach; der zweite (und dritte) 
Anhang des Stieles entwickelt sich erst später, häufig erst 
dann , wenn der erste bereits vollkommen ausgebildet ist. 
Daher kommt es denn auch, dass die einzelnen Taster einer 
solchen Gruppe (Drillingstaster werden übrigens weder von 
Kölliker noch von Herrn Vogt erwähnt, obgleich sie bei 
den von mir beobachteten Arten sehr häufig sind) in der 
Regel auf einer verschiedenen Entwickelungsstufe neben ein- 



348 Leuckart: 

ander stehen. Namentlich gilt solches von dem dritten Ta- 
ster, obgleich auch dieser nicht selten in derselben Grösse, 
wie die beiden andern^ angetroffen worden. 

Die Taster sind, wie überall, äusserst beweglich und im 
ausgestreckten Zustande , wo sie bis 2" messen , von einer 
wurmförmigen Beschaffenheit und vollkommen durchsichtig. 
Nur die Spitze hat ein opakes Aussehen , bei den grösseren 
Tastern nicht selten auch eine brennend rothe Farbe. Nach 
den übereinstimmenden Beobachtungen von Kölliker (S. 8) 
und mir (S. 17) rührt diese Farbe von einem Secrete her, 
das in der Spitze der Taster und zwar in einem eignen von 
dem übrigen Höhlensysteme abgeschlossenen Räume gebildet 
wird und eine bläschenförmige Beschaffenheit hat. Es wird 
durch Berstung der äusseren Hülle entleert, sobald man un- 
sere Thiere unsanft berührt, und färbt dann das Wasser mit 
einer blutrothen Tinte. Die Fangfäden der Taster sind wie 
gewöhnlich einfach und mit zahlreichen zu vier oder fünf 
zusammengruppirten kleinen und rundlichen Angelorganen 
CAoo'") versehen. 

Trotz der immensen Anzahl, in der die Deckstücke an 
dem Körper unserer Forskalia vorkommen^ ist es doch aus- 
serordentlich schwer, eine gehörige Anschauung von der 
Form derselben zu gewinnen. Zum Theil mag die Durch- 
sichtigkeit und die geringe Solidität dieser Gebilde daran 
Schuld sein, andern Theils zeigt aber auch die Gestalt der- 
selben so vielfache Verschiedenheiten , dass man in Verle- 
genheit kommt, wenn man den Versuch macht, die zufälli- 
gen Abweichungen von der Norm zu unterscheiden. Zahl- 
reiche Deckstücke erscheinen als mehr oder minder unregel- 
mässigen Schuppen mit einer Endspitze und einer starken 
buckeiförmigen Krümmung, aber andere, und, wie mir schien, 
die Mehrzahl, besitzen eine sehr abweichende und auffallende 
Gestaltung. Sie gleichen gewissermassen (Fig. 14. ) einem 
dreieckigen Keile oder einer Schaufel , mit zwei stark ver- 
dickten kürzern Seitenrändern und einem dritten längern und 
verdünnten, fast schneidenden Rande. Der längere Durch- 
messer dieses Körpers (der etwa 5 — 6'" misst) entspricht 
offenbar dem Längendurchmesser der übrigen Schuppen, denn 
der Kanal, der den Apparat versorgt, verläuft in dieser Rieh- 



Zur nähern Kenntniss der Siphonophoren von Nizza. 349 

tung; aber erläuft nicht in der Mitte des Blattes, sondern 
in der Nähe des verdickten Randes, und nicht gestreckt, son- 
dern mit einem auffallenden Winkel, der die Form des ver- 
dickten Randes wiederholt. 

Dass die jüngsten Deckblätter beständig an der Spitze 
der Polypenstiele angebracht sind , ist schon oben erwähnt 
worden; ich habe nur noch zu bemerken, dass man auch bei 
den längsten und ältesten an dieser Stelle einen ganzen Hau- 
fen von jungen Knospen mit allen Uebergängen zu den aus- 
gebildeten Deckstücken antrifft. Die Entwickelung derselben 
zeigt keinerlei Eigenthümlichkeiten ; sie ist eben so einfach, 
als bei den Deckstücken der übrigen Siphonophoren. Die 
Knospe, die anfangs eine ovale Gestalt hat, plattet sich ab, 
und verwandelt sich (Fig. lö} durch Wucherung ihrer äussern 
Hülle in ein Blatt, das von einem Centralkanale durchsetzt wird 
und in diesem Centralkanale das Rudiment der in der Knospe 
vorhandenen Höhle besitzt. Die ganze eigenthümliche Bildung 
scheint durch eine sehr starke seitliche Compression entstan- 
den zusein. Der geknickte dicke Rand entspricht der Rücken- 
fläche, der schneidende Rand der Innern Bauchfläche der 
gewöhnlichen schuppenlörmigen Deckstücke. 

üebrigens beschränkt sich das Vorkommen der Deck- 
schilder nicht ausschliesslich auf die Stiele der Polypen. Sie 
finden sich auch — was Kolli ker entgangen ist — un- 
mittelbar am Stamme und zwar in grösserer Anzahl zwischen 
den übrigen Anhängen, die hier angebracht sind. 

Wie bei allen Siphonophoren und namentlich bei den 
grössern und reichern Physophoriden,. trägt das vordere Ende 
des Körperstamrnes unterhalb der Schwimmsäule einen dich- 
ten Haufen von unentwickelten Anhängen. Bei unserer Fors- 
kalia bestehen diese Anhänge ausschliesslich, wenigstens im 
übern Theile des Haufens, aus jungen Polypen, die sich eben 
so entwickeln, wie ich es für Praya u. s. w. in meinen Un- 
tersuchungen dargesteflt habe. Anfangs erscheinen diese An- 
hänge als einfache Bläschen, deren erste Veränderung in der 
Bildung eines Tentakelrudimentes an der Wurzel besteht (Fig. 
16). Während nun der Polyp und der Tentakel sich in be- 
kannter Weise weiter entwickelt, zieht sich der Insertions- 
punkt des Polypen allmählich in einen Stiel aus^ dessen obere 



350 Leuckart: 

Fläche si€h mit einer Anzahl kleiner Knospen bedeckt^, die 
eine hinter der andern hervorkommen und in Deckstücke 
auswachsen (Fig. 17). Man kann die Form dieser Deckstücke 
schon zu einer Zeit ganz deutlich erkennen, in der die Po- 
lypen noch geschlossen und ihre Nesselknöpfe noch knospen- 
artig sind 

Während dieser Veränderungen sind die Polypen allmäh- 
lich etwas weiter auseinander gerückt , aber nur, um eine 
neue Brut von Knospen zwischen sich entstehen zu lassen, 
anfangs nur eine einzige, bis die Zahl derselben zu 3, 4 und 
mehr heranwächst. Die Anhänge, die auf solche Weise ent- 
standen sind, verwandeln sich in Deckstücke, zu denen sich 
weiter nach unten noch ein Taster hinzugesellt und zwar 
anfangs ein ganz einfacher Taster, der erst später seinen 
Zwillingsanhang hervortreibt. In der Regel geschieht dieses 
erst zu einer Zeit, in der bereits ein zweiter Taster neben 
dem ersten sich hervorgebildet hat. 

Die Geschlechtsanhänge von Forskalia sind zum Theil 
schon von M ilne Edwards ganz richtig erkannt und neuer- 
dings von Kölliker (S. 9) und mir (S. 38) — die Angaben 
des Herrn Vogt sind in dieser Beziehung^ wie überhaupt 
über unsere Forskalia, sehr dürftig und unvollständig — ganz 
übereinstimmend beschrieben worden , so dass ich alles nä- 
here Detail hier übergehen kann. Sie sind bekanntlich grup- 
penweise zusammengehäuft und zwischen der Wurzel der 
Taster angebracht, so dass man diese bei unserer Forskalia 
mit vollem Rechte auch als „proliferirende Anhänge« bezeich- 
nen kann, obgleich damit wohl noch keineswegs die ganze 
Bedeutung dieser Gebilde erschöpft wird. Männliche und 
weibliche Anhänge bilden übrigens ihre besondern Gruppen, 
die je mit Hülfe eines kurzen Stieles befestigt sind. Mitun- 
ter beschränkt sich die Zahl dieser traubenförmigen Gruppen 
auf zwei, eine weibliche und eine männliche, so dass es 
fast scheinen könnte, dass ein jeder Anhang des Zwillings- 
tasters seine eigene Gruppe trüge; in andern Fällen habe ich 
aber auch 3—6 Gruppen unterscheiden können. Freilich ist 
diese Unterscheidung nicht immer ganz leicht , da die An- 
hänge sehr dicht gedrängt stehen und vielfach verschränkt 
sind. Die Vermehrung ist übrigens ganz constant auf Seiten 



Zur nähern Kennlniss der Siphonophoren von Nizza. 351 

der weiblichen Gruppen , wie denn die weiblichen Anhänge 
überhaupt beständig in einer sehr viel grössern Menge vor- 
handen sind als die männlichen, obgleich es, wenigstens für 
unsere F. contorla , wohl etwas zu gering angeschlagen ist, 
wenn K Olli k er die Zahl der männlichen Anhänge an den 
Zwillingstastern nur auf vier beschränkt. Auch ist noch zu 
berücksichtigen , dass neben den reifen männlichen Anhän- 
gen , die durch ihre Grösse, ihre oblonge Form und ihre 
gelbe Farbe leicht auffallen, immer noch einige unreife (roth- 
gefärbte) und junge, eben hervorknospende Anhänge dieser 
Art vorhanden sind. 

Die männlichen Anhänge (Fig. 18) sind vor denen von 
Agalma dadurch ausgezeichnet, dass ihr Mantel ganz dicht 
auf der Oberfläche des Kernes aufliegt, wie bei den weibli- 
chen Anhängen. Die Bewegungen beschränken sich auf das 
äusserste Ende des Mantels, namentlich den Saum, der die 
Oeffnung umgiebt. Zu einer Ortsbewegung sind dieselben un- 
fähig; es scheint, als wenn sie ihre Aufgabe in der Veran- 
staltung eines raschern Wasserwechsels im Umkreis des Ker- 
nes fänden. Ich überzeugte mich wenigstens — und eben 
so wohl bei weiblichen , als auch bei männlichen Knospen 
(Kölliker hat an den erstem keine Contractionen wahrge- 
nommen) — ganz deutlich, dass bei jeder Contraclion des 
Mantels ein ziemlich starker Wasserstrahl aus der Oeffnung 
hervortrat. 

Das Gefässsystem der männlichen Anhänge ist beslän- 
dig regelmässig und auch im ausgebildeten Zustande noch 
nachzuweisen, obgleich es in den Jüngern Knospen, wie bei 
allen Siphonophoren, sehr viel deutlicher ist. Die weiblichen 
Knospen zeigen gleichfalls häufig einen regelmässigen Ge- 
fässapparat in ihrem Mantel, aber fast eben so häufig trifft 
man auf verkümmerte Gefässe, auf Verästelungen, Anasto- 
mosen u. s. w. Ich habe auch einzelne Anhänge (ganz eben 
so wie bei der folgenden Art) angetroffen, die statt vier 
Radialgefässe deren sechs oder acht enthielten, sonst aber 
ganz regelmässig entwickelt waren. 

Forskalia ophiura (Delle Ch.) Lt. 

Mit keilförmigen Schwimmglocken ohne Ausschnitt und 
Pigmentfleck, mit zimmetbraunen Leberwülsten und rosaro- 



352 L e u c k a r t : 

then Nesselknöpfen. Der Scheitel der Luftblase ist röthlich- 
braun gefärbt. Zwischen den untern Schwimmglocken stehen 
einzelne Taster. Deckslücke schuppenförmig. 

Eine riesengrosse, bis vierFuss lange Art, die ich weit 
häufiger, als die vorhergehende um Nizza — eines Tages in 
mehr als 12 Exemplaren — angetroffen und in meinen zool. 
Untersuchungen als Slephanomia conlorta bezeichnet habe. Ob- 
gleich der echten F. contorla sehr nahe verwandt^ ist sie 
doch ganz bestimmt von derselben verschieden, so dass ich 
niemals, auch nicht bei einem verstümmelten Exemplare^ in 
Zweifel sein konnte , ob dasselbe dieser oder der vorherge- 
henden Species angehörte. Uebrigens , glaube ich, ist diese 
Form schon früher beobachtet. Ob die Steph. prolifera von 
Milne Edwards dahin gehöre, wage ich freilich nicht zu 
entscheiden, dagegen finde ich bei Delle Chiaje (I. c. 
p. 134. Tab. 149. Fig. 7) eine Steph. ophiura, die mir ein 
freilich ganz verkanntes und auch verstümmeltes Exemplar 
meiner Art zu sein scheint. Ich habe desshalb auch den Na- 
men von Delle Chiaje beibehalten, und zwar um so lieber, 
als er in der That recht treffend und bezeichnend ist. Auch 
mein Fischer nannte unsere F. ophiura, die er sehr wohl von 
der F. contorta unterschied, ,,serpent«. 

Uebrigens giebt es wohl kaum eine Siphonophore, die 
sich an Schönheit und Fülle mit unserer Art messen könnte. 
Mit den vielen Tausenden dicht gedrängter Anhänge, die an 
der gemeinschaftlichen Achse angereiht sind, bildet sie, wenn 
sie im Wasser sich schaukelt, eine höchst elegante, reiche 
und dicke Guirlande, aus der neben den zartesten und durch- 
sichtigsten Tinten von Zeit zu Zeit die intensivsten Farben 
hervorleuchten. Dazu die Manchfaltigkeit der Anhänge, die 
Regelmässigkeit , in der sie gruppirt sind, die Schönheit ih- 
rer Formen — es ist Alles vereint, das Bild eines solchen 
Thieres zu einem unvergesslichen Eindrucke zu verweben. 

In archileclonischer Beziehung stimmt unsere F. ophiura 
(Fig. 18) vollkommen mit der F. contorla überein, nur dass 
die Zahl der einzelnen Anhänge sehr beträchtlich vermehrt ist. 
Ich habe Exemplare gesehen, deren Schwimmglocken eine Säule 
von reichlich 4" C"i»t einigen 20 Umläufen) zusammensetz- 
ten, während die Zahl der Polypen sich auf wenigstens 4—500 



Zur nähern Kenntniss der Siphonophoren von Nizza. 353 

belief. Die Grösse der Polypen beträgt auch im contrahirten 
Zustande reichlich drei Viertheile eines Zolles, die Länge ih- 
rer Stiele bis IV2". Die Zahl der Deckblätter am Stiele mag 
sich wohl auf 100 belaufen. Der einzige bemerkenswerlhe 
architeclonische Unterschied besteht darin, dafs in dem un- 
tern Dritlthcile der Schwimmsäule zwischen den Schwimm- 
glocken sehr allgemein einige (einfache) Taster vorkommen, 
wie bei Apolemia. Fangfäden wurden an diesen Tastern 
nicht wahrgenommen , auch wurden sie niemals ausserhalb 
der Schwimmsäule gesehen, obgleich man in den Zwischen- 
räumen der einzelnen Glocken ihre tastenden Bewegungen 
sehr deutlich beobachten konnte. Zwillingstasler sind ver- 
hällnissmässig seltener, als bei F. contorta; die meisten Ta- 
ster sind Drillingstaster, auch Vierlings - und Fünflingstaster 
gehören eben nicht zu den Seltenheiten (Fig. 21). 

Die sonstigen Unterschiede unserer F. ophiura sind in 
der voranstehenden kurzen Diagnose bereits hervorgehoben. 
Sie beschränken sich im Wesentlichen auf die Form der 
Schwimmglocken und Deckstücke. 

Die ersteren (Fig. 19) sind vollkommen keilförmig, d. 
h. sie entbehren des Ausschnittes an der Eintrittsstelle des 
Stielgefässes. Die beiden Fortsätze, die durch diesen Aus- 
schnitt sonst abgetrennt werden, sind hier zu einem mittlem 
Zapfen mit einander verschmolzen , der das Slielgefäss an 
seiner Spitze aufnimmt. 

Was den Apparat der Deckschilder betrifft, so besteht 
dessen Eigenthümlichkeit nur darin, dass ich bei unserer F. 
ophiura jene auffallenden , keilförmig gestalteten Blätter, die 
bei F. contorta so häufig sind , vermisst habe. Die Deck- 
stücke unserer F. ophiura sind, wenn auch hier und da ein- 
mal unregelmässig, doch beständig (Fig. 20) schuppenförmig, 
mit geradem Centralkanale und einer Endspitze. Mitunter 
findet sich auch ein Paar kleinerer Seitenspilzen , wie bei 
Ag. rubrum. Die Mitte der Deckschilder ist ziemlich dick, 
hier und da auch, namentlich an den Jüngern Schildern, zu 
einer mehrfach gezahnten Firste erhoben. 

Der Unterschied in der Färbung der Polypen und Nes- 
selstränge ist , so weit meine Erfahrungen reichen , so con- 
stant, dass er allein schon hinreicht, beide Arten mit Be- 
Archiv f. Naturgesch. XX, Jahrf . 1. Bd. 23 



354 Leuckart: 

stimmtheit zu diagnosficiren. Weniger gilt das von dem 
Pigmentfleck des Luftsackes, den icti in einzelnen Exemplaren 
vermisst habe. 

In allen andern Beziehungen ist die üebereinstimmung 
unserer Art mit F. contorta so gross , dass ich ganz einfach^ 
um eine Wiederholung bis in's Detail zu vermeiden, auf letz- 
tere verweisen kann. Nur das will ich noch bemerken , dass 
die Geschlechtsanhänge etwas grösser sind, als bei F. con- 
torta. Die ausgebildeten weiblichen Anhänge sind in der 
Jugend gestielt (Z. U. Tab. II. Fig. 20), im ausgebildeten Zu- 
stande geht aber dieser Stiel verloren , indem der Scheitel 
des Mantels sich stark verdickt (Z. U. Tab. II. Fig. 21) und 
die ganze Länge des Stieles dabei in Anspruch nimmt ')• 
Wo der Stiel in den Mantel übergeht, finden sich in der Ju- 
gend ziemlich constant einige Angelorgane, obgleich das Vor- 
kommen dieser Gebilde sonst gewöhnlich auf den äussern 
Rand des Mantels beschränkt ist. Die Anordnung der Man- 
telgefässe zeigt denselben Wechsel, auf den wir oben, bei 
F. contorta, hingewiesen haben. 

b. Physophoriden mit verkürzter Leibes- 
achse. 

Gen. Pliysopliora Forsts. 

Oberhalb der verkürzten Leibesachse eine zweizeilige 
Schwimmsäule 2). Deckstücke fehlen. Die Leibesachse bil- 
det einen Sack, dessen unlere Fläche zuäusserst einen Kranz 
von Tastern, und sodann einen Kranz von Polypen trägt ^), 
Die Taster sind ohne Tentakel; die Nesselknöpfe schrauben- 
förmig gewunden und in einen kapseiförmigen Mantel einge- 
geschlossen. 



1) Ob das auch bei F. contorta vorkommt, muss ich dahin ge- 
stellt sein lassen ; ich habe die weiblichen Anhänge dieser Art be- 
ständig gestielt gesehen. 

2) Die Pli. telrasticha Phil, mit einer vierzeiligen Schwimm- 
säule dürfte wohl mit Recht ein eigenes Genus oder Subgenus bilden. 

3) Die frühern Beubachter hielten die Taster irrthümmlicherWeise 
für Polypen (Saugröhren) , die wirklichen Polypen für Flüssigkeits- 
behälter. 



Zur nähern Kenntniss der Siphonophoren von Nizza. 355 

Pkysophora hydrostatica Forsk. 

Mit roth gefärbten Tastern und schlanken Gelchlechts- 
trauben, die je zu zweien, eine weibliche und eine männli- 
che, zwischen den Polypen und Tastern ansitzen. Der Luft- 
sack trägt einen braunrothen Pigmentfleck. 

Eine Art, die^ wie es scheint, im Mitlelmeere und auch 
im allantischen Ocean ziemlich weit verbreitet ist, und unter 
den verschiedensten Namen, neuerlich von KöUiker auch 
als Ph. Philippii (p. 19), beschrieben wurde. Möglicher Weise 
bezeichnet der eine oder andere dieser Namen (Ph. disticha, 
Ph. muzonema, Ph. Forskalii) übrigens auch wirklich eine 
eigene, von der echten Ph. hydrostatica abweichende Species; 
allein es dürfte nach den bis jetzt vorliegenden Beschreibun- 
gen unmöglich sein , diese mit Sicherheit von einander zu 
unterscheiden. Die Verschiedenheiten , die bei den einzel- 
nen Formen hervorgehoben werden , beziehen sich fast aus- 
schliesslich auf die Zahlenverhältnisse, in denen die Anhänge, 
Schwimmglocken, Taster, Polypen und Fangfäden, vorkom- 
men; wir wissen indessen zur Genüge, dass wir darauf bei 
unsern Thieren nur äusserst wenig zu geben haben. Ich 
glaube desshalb auch , dass die Kölliker'sche Ph. Philippii 
(Tab. V.) von der Vogt'schen Ph. hydrostica (Tab. III) nicht 
verschieden ist, obgleich die letztere eine sehr viel reichere 
Form darstellt. Freilich finden sich auch sonst in den Dar- 
stellungen der beiden Beobachter mancherlei Differenzen, 
doch dürfte erst zu entscheiden sein, ob diese auch wirk- 
lich constant und durchgreifend sind. So stattet KöUiker 
z. B. die Nesselknopfkapseln seiner Art mit einer sckwanz- 
artigen Endspitze aus, die von Herrn Vogt nirgends erwähnt 
ist; so giebt KöUiker an, dass Polypen und Taster in ver- 
schiedener Anzahl neben einander vorkämen , während Herr 
Vogt für seine Art ausdrücklich eine Uebereinstimmung in 
der Zahl dieser Anhänge hervorhebt u. s. w. Die Schwimm- 
slücke, deren Form und Bildung vielleicht noch am ersten 
die Frage nach der Identität oder Verschiedenheit der be- 
treffenden Arten entscheiden könnte, sind von beiden Beob- 
achtern leider nicht mit einer ausreichenden Vollständigkeit 
und Genauigkeit beschrieben worden. Sie sollen mit denen 



356 L e u c k a r t : 

von Agalma übereinslimmen ') — aber auch die einzelnen 
Arten des Gen. Agalma zeigen bekanntlich Verschiedenheiten 
in der Gestalt der Schwimmglocken. 

Um Nizza scheint unsere Physophora ziemlich selten zu 
sein, da Herr Vogt (der dieselbe früher als Ph. Corona n. sp. 
beschrieben) nur zwei Exemplare, ich selber aber^ trotz allen 
Nachstellungen, kein einziges antraf. Natürlicher Weise kann 
ich unter solchen Umständen mir auch kein Urlheil über die 
Angaben von Kölliker und Vogt erlauben; ich kann es 
aber doch nicht unterlassen, hier ein Paar Punkte zur Sprache 
zu bringen, über welche diese beiden Beobachter verschie- 
dener Ansicht sind. 

Der eine dieser Punkte betrifft die Bildung der ver- 
kürzten Leibesachse, die Kölliker in Uebereinstimmung mit 
den frühern Beobachtern als eine sackförmige beschreibt und 
durch einfache Verkürzung und Erweiterung aus der gewöhn- 
lichen langgestreckten Leibesachse der übrigen Physophori- 
den hervorgehen lässl. Herr Vogt (p. 44) betrachtet diesen 
Körperstamm dagegen nicht eigentlich als einen Sack , son- 
dern als einen stark verdickten Cylinder, der sich, abgese- 
hen von seiner Kürze , noch dadurch auszeichne, dass er in 
einen horizontalen (fast scheibenförmigen) Bogen zusammen- 
gewunden sei. Die Concavität des Bogens soll durch einen 
Ausschnitt angedeutet werden, wie ihn auch Philipp i bei 
der Ph. tetrasticha beschrieb , aber irrthümlicher Weise als 
,,Mund" deutele ^). Ich habe leider, wie gesagt ^ keine Ge- 
legenheil gehabt, diese Angabe zu prüfen, aber ich muss 
offen gestehen , dass ich durch die Behauptung des Herrn 
Vogt noch nicht im Geringsten überzeugt bin. Allerdings 
giebt Herr Vogt an, dass die Entwickelung der Anhänge 
nach dem eben erwähnten Ausschnitte hin in einer be- 



.1) Die Seitengefässe der Schwimmglocken sind überselien, ebenso 
auch die Mantelgefässe , die gewiss vorhanden sind, w^enn diese Ue- 
bereinstimmung so gross ist, wie namentlich Kölliker angiebt. 

2) Die Ansicht, welche Philipp i (Müllers Arch. 1843. S.63) 
über die Organisation der Physophoriden aussprach, hat sich als gänz- 
lich verfehlt ergeben und bedarf gegenwärtig keiner weitern Wider- 
legung. 



Zur nähern Kennlniss der Siphonophoren von Nizza. 357 

sllmmten Richtung- zunehme , dass also der Vegetationspunkl 
dieser Anhänge am entgeg-engesetzten Ende der Scheibe zu 
suchen sei, allein Herr Vogt behauptet ganz dasselbe auch 
von den Anhängen (Tentakeln) der Velella, bei der ich mich 
entschieden von der Unrichtigkeit dieser Behauptung über- 
zeugt habe. Sollte diese Angabe übrigens für Physophora 
vielleicht bestätigt werden (Kölliker hat es leider unter- 
lassen, auf die Wachsthumverhällnisse der Anhänge Rücksicht 
zu nehmen), so würde sich dadurch allerdings ein gewich- 
tiger Grund für die Richtigkeit der Vogt'schen Auffassung 
ergeben. Einstweilen darf man aber , wie gesagt , hieran 
noch zweifeln, um so mehr, als die Darstellung der Entwick- 
lungsverhältnisse, die Herr Vogt von den betreffenden An- 
hängen giebt, keineswegs hinreichen möchten, diese Zweifel 
zu verscheuchen. Dazu kommt , dass — auch nach Herrn 
Vogt — diese Anhänge in verschiedenen (kreisförmigen) 
Reihen neben einander stehen , was doch sonst bei den Si- 
phonophoren mit gestreckter Leibesachse (nach mir und 
Gegenbau r) nirgends der Fall ist, auch nicht bei Agalma 
rubrum, bei dem die Insertionspunkte der Schuppen mit de- 
nen der Polypen und Taster , wie überall in eine einfache 
Reihe hinter einander fallen, mag die Richtung der ausge- 
bildeten Anhänge auch noch so verschieden sein. Herr Vogt 
giebt freilich für letztere Art gerade das Gegentheil an; er 
behauptet, dass die Deckslücke an der der Insertionsstelle der 
Polypen entgegenliegenden Fläche des Körperstammes befestigt 
seien (p. 69) , und glaubt desshalb sogar die Taster unserer 
Physophora — auch die Tentakel der Velella ! — als „Deck- 
stücke" in Anspruch nehmen zu können ! Gegen diese letz- 
tere Behauptung werden wir uns freilich immer aussprechen 
müssen, selbst dann, wenn die Analogie des Ag. rubrum mit 
völligem Rechte von Herrn Vogt angezogen wäre. Dass die 
Taster der Physophora — auch die Tentakel von Velella — 
mit den Deckstücken morphologisch übereinstimmen (freilich 
auch mit den Polypen und andern Anhängen der Sipho- 
nophoren) , darüber kann wohl nach meiner Ansicht kein 
Zweifel sein; dass sie aber Deckslücke vorstellen, wird 
wohl schwerlich Jemand (ausser Herrn Vogt) im Ernste 
behaupten können. Die Charaktere eines Deckstückes, wie 



358 L e u c k a r l : 

die eines Tasters, liegen in der Form und der Function — man 
muss der vorgefassten Meinung wirklich ein grosses Opfer 
bringen, wenn man alle diese Charaktere mit einem Worte 
für nichtig erklärt. Am Ende wird Herr Vogt auch die Ta- 
ster zwischen den Schwimmglocken bei Apolemia und Fors- 
kalia ophiura für Locomotiven in Anspruch nehmen , da er 
ja von seinem Gesichtspunkte aus Alles, was an der Schwimm- 
säule knospet, für Schwimmglocken halten muss. 

Die eigenthümliche Bildung der Nesselknöpfe, die un- 
sere Physophoraarlen auszeichnet, schliesst sich, nach meiner 
Ansicht , unmittelbar an die oben bei Agalma Sarsii näher 
beschriebene Form an. Denken wir den glockenförmigen 
Mantel dieser Nesselknöpfe bis auf eine kleine Oeffnung in 
der Nähe des Stieles geschlossen, lassen wir dann den dop- 
pelten Endfaden mit der contractilen Blase ausfallen, so ha- 
ben wir die Bildung, um die es sich hier handelt. Dass der 
Stielkanal des Nesselknopfes, wie Herr Vogt angiebt (p. 50), 
mit dem Innenraume des Mantels in offener Communication 
steht , möchte ich sehr bezweifeln. Es ist wenigstens nach 
der Analogie mit den übrigen Physophoriden sehr viel wahr- 
scheinlicher, dass sich derselbe nach hinten in den Nessel- 
slrang fortsetzt, der mit seinen schraubenförmigen Windun- 
gen im Innern liegt und (nach Vogt) mit seinem obern Ende 
in der unmittelbaren Nähe des Stieles und der Oeffnung fest- 
geheftet ist. Natürlicher Weise kann dieser Nesselstrang auch 
nach Aussen hervorgestossen werden , vielleicht durch Con- 
traction des Mantels, der eine innere muskulöse Auskleidung 
zu tragen scheint. Die Form und Anordnung der Nesselor- 
organe ist, wie bei Agalma, vielleicht auch die Bildung der 
Muskelbänder, die jedenfalls eine beträchtliche Stärke zu be- 
sitzen scheinen. 

C. Velellidae Eschsch. 
Eine kleine Gruppe scheibenförmiger Thiercolonieen '), 



1) Auch Herr Vogt hat jetzt — freilich stillschweigend, wie 
in vielen andern Punkten — zugegeben, dass die Velelliden zusam- 
mengesetzte Thiere seien, obgleich er, im Gegensatze gegen diese 
meine Auffassung (Zeitschrift für wiss. Zool. a.a.O. S. 211), noch vor 
Kurzem die einfache Natur derselben behauptet hatte (Ebendas. S, 525). 



Zur nähern Kenntniss der Siphonophoren von Nizza. 359 

die sich in mehrfacher Beziehung von den übrigen Siphono- 
phoren, auch von den Physaliden, denen sie sonst noch am 
nächsten stehen, sehr auffallend unterscheiden. Schwimm- 
glocken fehlen; die Bewegungsapparate bestehen ausschliess- 
lich, wie bei den Physaliden , in einem sehr ansehnlichen 
Luftsacke, aber dieser Luftsack (Schale) ist scheibenförmig 
von oben nach unten abgeplattet, von einer festen fast ske- 
lelartigen Beschaffenheit und im Innern durch eine Anzahl 
concentrischer Scheidewände in Kammern getheilt. Die An- 
hänge , die an der untern Fläche der Körperscheibe ange- 
bracht sind (vergl. die halbschematische Abbildung auf Tab. 
XIIL Fig. 21) , bestehen aus einem grossen Centralpolypen 
(a) mit einer stark entwickelten braunen Leber, aus zahlrei- 
chen kleinern proliferirenden Polypen (&) , die denselben nach 
allen Seiten umgeben und schliesslich aus einem peripheri- 
schen Kranze von tasterartigen Fangfäden (c). Die Geschlechts- 
anhänge entwickeln sich zu förmlichen kleinen Medusen mit 
Mundöffnung und Bandfäden, die sich schon frühe von ihren 
Mutterthieren abtrennen und erst nach der Abtrennung ge- 
schlechsreif werden. Dazu kommt , dass die gemeinschaftli- 
che Körperhöhle, mit der die Anhänge communiciren, bei den 
Velelliden keinen einfachen Hohlraum darstellt , sondern in 
ein System radiärer Kanäle zerfallen ist (rf), das sich viel- 
fach verästelt und eben so vielfach mit seinen Zweigen ana- 
stomosirt ^). Die Hauptstämme dieses Gefässsystemes ent- 
springen im Magengrunde des Centralpolypen und verbreiten 
sich von da in radiärem Verlaufe. Die Velelliden verhallen 
sich in Bezug auf die gemeinschaftliche Körperhöhle zu den 
übrigen Siphonophoren ganz eben so, wie die Scheibenqual- 
len zu den Hydroiden und Polypen ^y, denken wir uns die 
Scheibe der Velelliden (wie es in der schematischen Ab- 



1) Die Ansicht von der morpholcgischen Uebereinstimmung die- 
ser sogenannten Saftgefässe mit der gemeinschaftlichen Leibeshöhle der 
übrigen Siphonophoren ist bereits von Herrn Vogt (p. 35) ausge- 
sprochen. 

2) lieber das Verhällniss dieser Thiergruppen vergl. man meine 
Bemerkungen in den Beiträgen von Frey und Leuckart S. 32 und 
Morphol. der wirbellosen Thiere S. 17 ff. 



360 L e u c k a r t : 

bildung auf Tab. XIII. Fig. 22 gezeichnet) zu einem cylindri- 
schen Stamme ausgezogen, wie bei den übrigen Siphonopho- 
ren, so werden die radiären Gefässc allmählich in einen ge- 
meinschaftlichen Centralkanal zusammenfliessen. An diesem 
Stamme werden dann die Anhänge des Velellidenkörpers über 
einander befestigt sein, gleichfalls wie sonst gewöhnlich bei 
den Siphonophoren, zuunterst der grosse Centralpolyp, der 
älteste der ganzen Colonie , zuoberst die Tentakeln. Das 
obere, blindgeschlossene Ende des Stammes wird dann auch 
hier den Luftsack enthalten. Uebrigens ist auch der Luflsack 
der Velelliden nicht vollkommen geschlossen, wie es vielleicht 
auf den ersten Anblick scheinen möchte. Aus der untern 
Fläche entspringt eine Anzahl von dünnen tracheenartigen 
Luftgefässen, die an die einzelnen Anhänge hinantreten und 
hier (namentlich an den proliferirenden Polypen) in einer 
noch nicht ermittellen Weise endigen ^). Ausserdem trägt 
die obere Fläche der Luftblase eine Anzahl von kleinen spalt- 
förmigen Oeffnungen, die d(!n äussern Körperüberzug durch- 
brechen und eine directe Communication zwischen dem Luft- 
räume und der äussern Atmosphäre herstellen. 

Gen. VelelHa Lam. 

Die Körperscheibe hat eine ovale Gestalt und trägt ei- 
nen diagonalen — von oben und rechts nach unten und links 
oder umgekehrt verlaufenden — kammförmigen Aufsatz (Se- 
gel) , der im Innern durch ein eigenes mit dem Luftsacke 
zusammenhängendes Hornblatt gestützt wird. Die Fangfäden 
sind einfache cylindrische Anhänge. Der radiäre Bau ist 
durch die Körperform in mehrfacher Beziehung (Form des 
Centralpolypen , Gruppirung der Oeffnungen für die Saffge- 
fässe im Grunde des Magensackes u. s. w.) modificirt Avor- 
den. Die Luftlöcher liegen neben der Wurzel des Segels, 
in der einen Hallte des Körpers auf der rechten, in der an- 
dern auf der linken Seite. Die Luftgefässe kommen in ge- 



1) Ich möchte diese Luftgefässe mit dem halsförmigen Aufsatze 
an dem Luftsacke der Physophoriden vergleichen, und das morpho- 
logische Yerhältniss dieser beiderlei Gebilde in derselben Weise auffas- 
sen, wie das der Saftgefässe und der canalförmigen Leibeshöblc bei 
den meisten übrigen Siphonophoren. 



Zur nähern Kenntniss der Siphonophoren von Nizza, 36l 

ringer Anzahl aus dem Mittelpunkte der Körperscheibe her- 
vor. Die Luftkauimern stehen unter sich in Communication. 

Velella spirans Forsk. 

Die Scheibe der Luftblase ist schmal, im Centrum ke- 
gelförmig- erhoben und mit einem sehr ansehnlichen , von 
oben und rechts nach unten und links verlaufenden ') Kamme 
versehen, der in der Mitte sich in eine Spitze auszieht und 
mit seinen abgerundeten Seitentheilen über den Rand der 
Luftblase vorspringt. Die Zahl der Luftlöcher beträgt 13; 
das mittelste derselben communicirt mit der Centralkammer. 
Der Rand der Körperscheibe, der über den Rand der Luft- 
blase herabfällt, und die Tentakeln sind blau gefärbt. 

Obgleich die Velellen oftmals in der wärmern Jahres- 
zeit (vom Mai an) zu unermesslichen Schaaren an der Küste 
um Nizza erscheinen, bin ich doch nicht so glücklich gewe- 
sen', diese Thiere lebendig beobachten zu können. Nichts 
desto weniger mag es mir aber erlaubt sein, einige Worte 
über diese interessanten Geschöpfe hier anzumerken. Der 
Güte meines verehrten Freundes V erany verdankeich zahl- 
reiche wohlerhaltene Exemplare dieses Thieres, die mir we- 
nige Wochen nach meiner Abreise von Nizza hieher nach- 
gesendet wurden und mir Gelegenheit gaben , durch eigene 
Untersuchungen eine ziemlich vollständige Einsicht in den Or- 
ganismus und die Structurverhältnisse unserer Thiere zu ge. 
winnen. Bin ich auch ausser Stande, den Beobachtungen 
von K ö 1 1 i k e r (S. 46. Tab. XI) und V o g t (p. 5. Tab. I) et- 
was Neues von Erheblichkeit hinzuzufügen, so wird doch, 
wie ich hoffe , die Bestätigung der einen oder andern An- 
gabe nicht ganz ohne Werth sein. 

Dass die sogenannte Schale oder das Skelet unseres 
Thieres, wie überhaupt der Velelliden, als Analogon des Luft- 
sackes zu betrachten sei , scheint mir ausser Zweifel und 
wird durch die Uebereinslimmung in den allgemeinen mor- 
phologischen Verhältnissen zur Genüge bewiesen. Es kann 

1) So wenigstens, wenn der breite Rand der Scheibe dem Be- 
obachter zugekehrt ist. Eschscholtz scheint die Bestimmung bei 
der Lage mit dem schmalen Rande gegen den Beobachter vorgenom« 
men zu haben. 



362 Leuckart: 

nur da bestritten werden, wo man übersehen hat, dass auch 
bei den Physophoriden ein eigenes BehäKniss für die Auf- 
nahme des Lufltropfens vorhanden ist. Ich glaube mich so- 
gar davon überzeugt zu haben , dass die physikalische und 
chemische Beschaffenheit der Luftblasenwand in beiden Grup- 
pen vollkommen übereinstimmt. 

Uebrigens habe ich schon früher einmal darauf auf- 
merksam gemacht (Zeitschrift für wiss. Zool. III. S. 193) , 
dass man die Substanz der Yelellenschale mit Unrecht ge- 
wöhnlich als „knorplich" bezeichnet, da sie weit eher eine 
hornige Beschaffenheit habe. Herr Vogt bemerkt nun frei- 
lich (p. 12) gegen diese meine Angabe, dass er keinen Cha- 
rakter in der histologischen Zusammensetzung von Ho/n und 
Knorpel kenne, der überall und namentlich auch „bei so dün- 
nen und homogenen Lamellen«, wie in dem Skelet der Velel- 
len, zur Unterscheidung ausreiche, allein er scheint dabei zu 
vergessen, dass es, wenigstens nach unserem gegenwärtigen 
Wissen, keinen homogenen Knorpel giebt. Gerade die 
Homogeneität , die Herrn Vogt diese Scrupel gemacht zu 
haben scheint, ist wohl ein sicheres Zeichen, dass die Luft- 
blase der Velellen nicht aus Knorpel bestehe. Sollte Herr 
Vogt übrigens trotzdem über die Natur der Luftblasenwand 
noch im Zweifel geblieben sein, so würden wohl die einfach- 
sten Manipulationen dazu hingereicht haben, die Verschieden- 
heit von dem Knorpelgewebe zu constatlren. Die Velellen- 
schale giebt beim Kochen keinen Leim, sie bleibt in kausti- 
schem Kali selbst nach wochenlanger Maceration und vielfa- 
chem Kochen unverändert, während sie in kochender Schwe- 
felsäure sich mit Leichtigkeit auflöst — kurz sie zeigt, wie 
ich schon an einem andern Orte (dieses Arch. 1852. L S. 26) 
hervorgehoben habe, die chemischen Reaclionen des Chitin- 
gewebes. Ich kann hier diese Angabe nach erneuter Prüfung 
— auch trotz der widersprechenden Aeusserung vonKölli- 
ker (S. 49) — nur nochmals bestätigen und freue mich 
jetzt auch die Autorität von Prof. Schlossberger dafür 
anführen zu können. Letzterer, dem ich einige dieser sog. 
Knorpel zur Untersuchung mittheilte, hat sich ferner noch 
davon überzeugt , dass die betreffende Substanz nicht etwa 
Cellulose ist, sondern zu den stickstoffhalligen Verbindungen 



Zur nähern Kenntniss der Siphonophoren von Nizza. 363 

gehört, aber schon wegen der vollständigen Abwesenheit 
von Schwefel weder den leimgebenden Geweben , noch den 
Proteinkörpern zugerechnet werden darf. 

lieber die Luftgefässe unserer Velella herrscht beiKöl- 
liker und Vogt einige Verschiedenheit. Nach Ersterem 
sollen dieselben mit etwa 10 — 15 unverästelten Stämmen aus 
den 5— 6 innersten Luflkammern hervorkommen (S. 55), wäh- 
rend Herr Vogt nur vier Hauptstämme annimmt, die mit 
kreuzweis gestellten OefFnungen aus dem Mittelpunkte der 
Schale ihren Ursprung nehmen und, wie es auch Krohn, 
der Entdecker dieses Apparates, beschrieben hatte, während 
des Verlaufes sich vielfach verästelten, lieber den Ursprung 
dieser Gefässe bin ich durch meine Untersuchungen zu kei- 
nem entscheidenden Resultate gekommen, doch scheint es 
mir fast, als wenn die Angabe des Herrn Vogt die richti- 
gere wäre. Jedenfalls gilt dieses in Bezug auf die Veräste- 
lungen der Luftgefässe, die ich mehrfach auf das Entschie- 
denste beobachtet habe. 

Eben so unbedingt kann ich aber auch die Angabe von 
Kölliker über die Existenz der Luftlöcher auf der obern 
Fläche der Velellenscheibe bestätigen. Wie ich schon frü- 
her die Stigmata der Schale auffand (Z. U. S. 5) , so habe 
ich jetzt auch die entsprechenden Oeffnungen in den Weich- 
theilen gesehen und zwar so constant und leicht , dass ich 
mich in der That darüber wundern muss , wie Herr Vogt 
trotz seiner Bekanntschaft mit dem Kölliker'schen Funde, dar- 
über im Ungewissen bleiben konnte. Der Rand der Mantel- 
Öffnungen ist aufgewulstet , doch ohne Muskelfasern, die ich, 
wie Kölliker, nur in dem Rande des Mantels unterscheiden 
konnte. (Herr Vogt bezeichnet den ganzen Mantel als mus- 
kulös.) Die flaschenförmigen Drüsen in der äussersten Pe- 
ripherie dieses Mantelrandes sind noch an Spiritusexemplaren 
sehr bestimmt zu erkennen. 

Der grosse (sterile) Centralpolyp besteht eigentlich nur 
aus zwei Abschnitten, aus dem Rüssel und dem Magensacke, 
aus dessen Grunde die Saftgefässe mit zwei Längsreilien 
querstehender Spalten, die nach den Enden zu immer kleiner 
werden, ihren Ursprung nehmen 0. Die Leber umlagert den 

1) Lesson iäs3t diese Gpfässe irrlhümlicher Weise aas den 



3ö4 L e u c k a r t : 

Anfangstheil dieser Saftgefässe — die Kölliker desshalb 
auch, so weit sie von den Leberzellen umschlossen werden, 
als „Lebergefässe" bezeichnet — und bildet eine ziemlich 
scharf begrenzte Masse von spindelförmiger Gestalt, deren 
Secret durch die Saftgefässe dem Cenlralpolypen (wohl auch 
den peripherischen kleinen Polypen) zugeführt wird. Ueber 
die Anordnung und den Bau dieser Gefässe verweise ich auf 
die Darstellungen von Kölliker und Vogt. Im Allgemei- 
nen lässt sich nur so viel von denselben bemerken, dass sie 
einen peripherischen Verlauf einhalten und theils (vgl. Fig. 21) 
in den Rand des Mantels eintreten, theils auch um den Rand 
des Luftsackes herum auf die obere Fläche des Mantels ge- 
langen, um hier, gleichfalls in radiärer Anordnung, nach dem 
Mittelpunkte hinzulaufen. Der Kamm erhält seine eigenen 
Gefässe, zwei seilliche und zwei mittlere, die eine ansehnli- 
che Weite besitzen. 

Die peripherischen Polypen sind sehr viel kleiner , als 
der Centralpolyp und aus den gewöhnlichen drei Abschnitten 
zusammengesetzt , obgleich der Basaltheil eine abweichende 
stielförmige Bildung hat und auch im Innern (nach Unter- 
suchungen an Spiritusexemplaren) jener grossen und hel- 
len Zellenlage entbehrt, die man sonst ganz allgemein bei 
den Siphonophoren in diesem Abschnitte antrifft. Ebenso 
scheinen auch die Zellenwülste des Magensackes zu fehlen. 
Die äussere Fläche dieser Polypen trägt zahlreiche runde An- 
gelorgane, die gruppenweis neben einander gelagert sind und 
warzenförmig nach aussen vorspringen. Der Mund ist im 
geschlossenen Zustande schwer wahrzunehmen, so dass man 
früher die Existenz desselben vollkommen in Abrede stellen 
konnte , aber doch unzweifelhaft vorhanden , wie ich mich 
jetzt gleichfalls überzeugt habe. 

Der Zusammenhang der peripherischen Polypen (und 
Tentakel) mit den Saftgefässen ist leicht zu conslatiren. Von 
den zugespitzten Enden des grossen mittlem Polypen sah ich 
dagegen niemals solche Anhänge abgehen , auch nicht von 



(zugespitzten) Enden des Magensackes hervorgehen, der bekanntlich 
einen spindelförmigen, in der Längsrichtung der Scheibe verlaufenden 
Anhang darstellt. 



Zur nähern Kenntniss der Siphonophoren von Niiza. 365 

der Leber, die, nach Kölliker (S. 52), gleichfalls bisweilen 
mit proliferirenden Polypen besetzt ist. 

Die Tentakel sind einfache , aber ausserordentlich be- 
wegliche Cylinder oder kurze Fäden von ziemlicher Weite, 
deren Nesselorgane, wie Kölliker ganz richtig angiebt, 
zwei breite — bei Velella oblonga? aus der Südsee vier 
schmälere — Streifen zusammensetzen, die von der Basis bis 
zur Spitze hinziehen und hier in einander fliessen. Die Form 
der Nesselorgane ist dieselbe , wie an den peripherischen 
Polypen. 

Ueber die Geschlechtsverhältnisse unserer Velellen sind 
wir besonders durch Gegenbaur (Zeitschr. f. wiss. Zool. V. 
S. 370) und Vogt (p. 54), auch schon früher durch Hux- 
ley (Müller's Arch. 1851. S. 383) aufgeklärt worden. Die 
kleinen gestielten Knöpfchen, die an dem Stiele der peripheri- 
schen Polypen ansitzen und sich nach den Untersuchungen 
von Vogt und Kölliker wesentlich ganz in derselben Weise 
entwickeln, wie die Geschlechtsanhänge der übrigen Sipho- 
nophoren, verwandeln sich in förmliche Scheibenquallen, die 
sich von ihrer Bildungsstätte abtrennen, bevor sie geschlechts- 
reif sind und auch nach ihrer Abtrennung (vergl. Gegen- 
baur a. a. 0.) sich noch mehrfach verändern. Leider fehlt 
es bis jetzt noch an einer genauem Darstellung dieser Vor- 
gänge. Wir wissen nur, dass die ausgebildeten Velellen. 
quallen zwei Randfäden und 16 Radialgefässe (bei ihrer Ab- 
trennung nur 4) besitzen und an dem kurzen stumpfkoni- 
schen Magen vier Geschlechtsorgane tragen. 

Die Jugendzustände unserer Velelle sind wahrscheinlich 
schon von dem alten Forskai beobachtet worden. Es sind 
dieselben Formen, die von Eschscholtz später als Typen 
eines eignen Genus Rataria aufgestellt wurden. Bestätigt sich 
diese Vermuthung, so bestehen die jungen Velellen anfangs nur 
aus dem spätem Cenlralpolypen mit (einfachem) Luflsack und 
Tentakeln. So viel ist jedenfalls gewiss, dass noch Velellen von 
3_4'" den Ratarien nicht unähnlich sehen, auch erst eine 
geringe Anzahl von peripherischen Polypen (ohneQuallenknos- 
pen) , Tentakeln und Luftkammern besitzen. Was die Ver- 
mehrung der erstgenannten Anhänge betrifft, so soll diese, 
nach Herrn Vogt, wie beiPhysophora, an einer ganz genau 



366 Leuckart: 

fixirten Stelle vor sich gehen (p. 34). Der Kranz, den die 
Fühler zusammensetzen, soll nämlich an einer bestimmten 
Stelle unterbrochen sein und zwar der Art, dass der eine 
Schenkel desselben nach Innen etwas ausweicht. An dem 
Ende dieses Schenkels (und ausschliesslich hier) soll nun die 
Neubildung der Tentakel , nach Innen davon auch die der 
peripherischen Polypen vor sich gehen. Kölliker schweigt 
über diesen Punkt; ich muss indessen gestehen, dass es mir 
unmöglich war, das von Herrn Vogt beschriebene Verhält- 
niss aufzufinden. Dagegen glaube ich mich mit aller Be- 
stimmtheit davon überzeugt zu haben , dass die Neubildung 
der Tentakel aller Orten zwischen den ausgebildeten vor sich 
gehet. Man sieht die kleinen fast zottonförmigen Tentakel 
überall zwischen den alten und ausgebildeten und zwar ge- 
wöhnlich nach Aussen umgeschlagen , so dass man auf den 
ersten Blick vielleicht vermuthen könnte , sie seien vor den 
alten, nicht zwischen denselben eingepflanzt. Aehnliches gilt 
für die proliferirenden Polypen, die, zum Theil wenigstens, 
gleichfalls zwischen den altern Einzelthieren, zum Theil aber 
auch in der Peripherie derselben hervorkommen. 

Was die Lebensweise der Velellen betrifft, so giebt 
Kölliker an (S. 55), dass er diese Thiere nie anders, als 
mit herabhängendem Segel und aufwärts gekehrten Anhängen 
an der Oberfläche des Wassers schwimmend gesehen habe. 
Die früheren Beobachter theilen gerade dasGegentheil mit; sie 
stimmen ohne Ausnahme darin überein, dass die Velellen den 
horizontalen Kamm ihres Körpers nach oben tragen und zwar 
ausserhalb des Wassers, so dass er die Rolle eines förmli- 
chen Segels übernehmen kann. Herr Vogt beschreibt diese 
Haltung gleichfalls als die normale und Verany hat mir 
über die Locomotion unserer Thierchen dasselbe mitgetheilt. 
Wahrscheinlicher Weise ist hier also von Seiten KöUiker's 
ein Irrthum untergelaufen , vielleicht durch die Beobachtung 
gefangener oder halbtodler Exemplare. Uebrigens wird man 
gewiss gerne mit Kölliker darin übereinstimmen, dass un- 
sere Kenntnisse über die Lebensverhältnisse der Velellen noch 
keineswegs abgeschlossen sind. Ob dieselben durch die Bil- 
dung ihres pneumatischen Apparates zeitlebens an die ober- 
sten Schichten des Wassers gefesselt sind, ob sie durch Aus- 



Zur nähern Kennlniss der Siphonophoren von Nizza. 367 

treibung" oder auch vielleicht durch Compression der Luft 
— möglichenfalls könnten hierbei ja die Luftgefässe, die so 
vielfach ein contracliles Gewebe durchsetzen, eine Rolle spie- 
len — eine Veränderung ihrer Hallung herbeiführen können, 
das Alles sind Fragen, die erst bei fortgesetzter Beobachtung 
ihre Erledigung finden können. Freilich habe ich kaum die 
Hoffnung, dass die Bemerkungen, dieKölliker an seine 
Behauptung anknüpft, in dieser Beziehung unsere Kenntnisse 
wesentlich fördern werden. 

Gen, Porpita Lam. 

Mit kreisrundem Körper ohne Kamm und längern mit 
Nesselknöpfen besetzten Fühlern, die in zwei oder drei Rei- 
hen stehen. Luftlöcher und Luftgefässe sehr zahlreich und 
in radiärer Gruppirung. Die Luftkammern sind von einander 
abgeschlossen »)• 

Porpita medi terra nea Esch. 

Mit massig breitem Rande und kurzgestielten Nessel- 
knöpfen, die die keulenförmig verdickte äussere Hälfte der 
Tentakel besetzen. Rand und Tentakel blau gefärbt. 

Ueber diese Siphonophore weiss ich Nichts anzugeben. 
Sie ist weder von mir, noch von Herrn Vogt beobachtet, wird 
aber vonVerany (Catalogo degli anim.) unter den Nizzaer 
Siphonophoren aufgeführt ~). Den Untersuchungen von Kölli- 
ker (ß. bl. Tab. XII) verdanken wir bekanntlich eine eben 
so interessante , als wichtige Anatomie dieses Thieres , auf 
die ich hier hinweise. Die wesentlichen Verhältnisse des 
Baues sind übrigens, wie bei Velella. 



Ich habe am Eingange meiner Abhandlung bemerkt, dass 
über die zusammengesetzte Natur der Siphonophoren ^) nicht 

1) Mit Unrecht giebt Eschscholtz seinen Porpitaarten eine 
„Kalkschale.« Der Luftsack dieser Thiere hat nach KöUiker (S.57) 
dieselbe physikalische Beschaffenheit, wie bei Velella. 

2) Die Porpita nioneta Risso ist keine Siphonophore, sondern 
der nach der Auflösung der Weichtheile übrig gebliebene Glaskörper 
einer Cunina, die man nicht selten um Kizza auffischt, 

3) Von Lesueur, Lamarck, Delle Chiaje und Milne 



368 Leuckart: 

länger ein Zweifel mehr obwalten könne. Wir brauchen 
uns nur die eine Thatsache der Eudoxienbildung zu verge- 
genwärtigen — und der Beweis für die Richtigkeit unserer 
Behauptung ist geliefert. In der Tliat stimmen die neueren 
Beobachter der Siphonophoren ohne Ausnahme in diesem 
Punkte mit einander überein. Aber an diese Erkenntniss 
knüpft sich sogleich eine neue und weitere Frage. Es han- 
delt sich ferner um die Entscheidung, ob ausschliesslich die 
Polypen der Siphonophorencolonie als „Thiere," die übrigen 
Anhänge dagegen als „Organe" zu betrachten sind^ oder ob 
gar Alles, was an dem Stamme hervorsprosst ^ mag seine 
Form und Aufgabe auch noch so verschieden sein, in gene- 
tischer Beziehung die Bedeutung eines Individuums besitze. 
Betrachtet man den Organismus einer fertigen Eudoxie, 
so möchte man vielleicht noch einer andern dritten Ansicht 
den Vorzug geben und annehmen, dass nicht etwa dieser 
oder jener einzelne Theil des Siphonophorenkörpcrs, sondern 
jedesmal ein Complex von Theilen, wie er in einer Eudoxia 
uns vorliegt, Magens^ack mit Fangapparat, Deckschild und Ge- 
schlechtsanhang, ein Individuum darstelle. Von dieser An- 
sicht wird man indessen zurückkommen, wenn man sich über- 
zeugt, dass alle die Theile, die hier zu einem gemeinsa- 
men Körper zusammenhängen, anfangs von einander voll- 
kommen isolirt sind und auch bei der Mehrzahl der Siphono- 
phoren beständig als isolirte Anhänge und in ganz überein- 
stimmender Weise an dem Stamme befestigt bleiben. Aber ge- 
rade dieses gleichmässige Verhälfniss der einzelnen Anhänge 
zum Körperstamme drängt uns auf der andern Seite, wie ich 
glaube, zu der Ansicht, dass dieselben vom genetischen Stand- 
punkte aus vollkommen gleichwerlhig seien. Gebilde, die unter 
ganz denselben Verhältnissen hervorknospen , die bei ihrer 
ersten Anlage formell mit einander übereinstimmen und auch 
noch im entwickelten Zustande eine gewisse, mehr oder min- 
der auffallende Analogie ') besitzen , solche Gebilde dürfen 
wir wohl für morphologisch gleichwerlhige Theile ansehen. 

Edwards wurde schon früher die zusammengesetzte IVatur einzelner 
Siphonophoren behauptet. 

1) Diese Analogie der einzelnen Anhänge erstreckt sich auch auf 
^ie histologische Entwickelung der Knospen, über wel- 



Zur nähern Kenntniss der Siphonophoren von Nizza, 369 

Können wir beweisen, dass das eine dieser Gebilde ein In- 
dividuum darstellt, so ist damit auch die individuelle Natur 



che sich im Allgemeinen etwa Folgendes angehen lässt. Bei dem er- 
sten Auftreten sind die Knospen glashell und structurlos ; die neu 
gebildeten Knospen bestehen aus einem homogenen Blastem, in dem 
man keinerlei geformte Elemente unterterscheiden kann. Aber dieser 
Zustand der primitiven Indifferenz hat nur kurze Dauer; nach einiger 
Zeit nimmt die Substanz der Knospe eine liörnige und bald darauf auch 
eine deutlich zellige Beschaffenheit an. (Es ist sehr unrichtig, wenn 
Herr Vogt, Bilder aus dem Thierleben S. 160 behauptet, dass die 
Knospen der Siphonophoren „stets nur eine einförmige Substanz ohne 
Spur von Zellenmembran und Zellenkernen" unterscheiden Hessen, wenn 
er aus dieser seiner Beobachtung dann ferner den Schluss zieht, dass die 
Gewebe der Siphonophoren nicht aus Zellen hervorgingen.) Wiederum 
vergeht eine kurze Zeit, und die Zellenmasse der Knospen zerfällt in 
zwei ziemlich dicke Schichten, in eine äussere un dinnere, die beide auf 
ihrer freien Fläche mit Flimmerhaaren bedeckt sind. Wie es scheint, 
wird diese Trennung dadurch hervorgerufen , dass eine dünne Schicht 
von structurloserHyalinsubstanz sich zwischen beide ablagert. In vielen 
Knospen bleibt diese Ablagerung sehr beschränkt, in andern wächst 
sie dagegen (wie die Hyalinsubstanz — Cellulose — im Älantel der 
Salpen, die auf demselben Wege ihren Ursprung nimmt, vgl. Zool. 
Unters. II. S. 59) sehr beträchtlich, so dass sie schon nach kurzer 
Zeit den grössern Theil der ganzen Knospe ausmacht. Das letztere 
geschieht namentlich bei den Deckblättern und Schwimmglocken, bei 
denen diese Hyalinsubstanz den spätem festen und elastischen Mantel 
darstellt und die äussere Zellenschicht allmählich fast vollkommen ver- 
drängt. Der Rest dieser Zellenschicht bildet eine Epitheliallage auf der 
Oberfläche, die sich namentlich bei den jungen Anhängen sehr deut- 
lich erkennen lässt. Die innere Zellenlage der Knospe verwandelt 
sich in die Epithelialbekleidung des Höhlensystemes. Dasselbe ge- 
schieht mit der innern Zellenlage bei den übrigen Knospen, die we- 
niger reich an Hyalinsubstanz sind, während dagegen die äussere 
Zellenlage dieser Anhänge nicht bloss in einer Epitheliallage , son- 
dern auch in Muskelfasern, Nesselzellen u. s. w. auswachsen. Die 
letztern sind anfangs sehr zart und hell und entbehren eine längere 
Zeit hindurch der äussern festen Kapsel, die sich gleich der Cellulo- 
seschicht auf dem Primordialschlauche der Fflanzcnzellen erst später 
durch Ablagerung zu bilden scheint. Was die Schwimmhöhle der 
Locomotiven und die Mantelhöhle der medusenformigen Geschlechts- 
anhänge betrifft, so lässt diese gleichfalls (auch in den Schwimmglocken 
vonHippopodius) eine Zellenauskleidung erkennen, die sich später in 
den muskulösen Schwimmsack, verwandelt. 

Archiv, f. Naturgesch. XX. Jahrg. J. Bd. 24 



^7^ Leuckarl; 

der übrigen bewiesen. Freilich wird man fragen , wo dann 
etwa die Aehnlichkeit zwischen einer Schwimmglocke und 
einem Polypenleibe und Taster sei ? Ich gebe zu , diese 
Aehnlichkeit fällt nicht sogleich in die Augen , aber nichts 
desto weniger ist sie vorhanden. So gewiss als eine Schei- 
benqualle in den allgemeinsten Zügen ihres Baues mit dem 
Hydroidpolypen übereinstimmt, an dem sie hervorkommt, eben 
so gewiss findet sich auch eine solche Uebereinslimmung 
zwischen der Schwimmglocke und dem Taster einer Siphono- 
phore. Wir brauchen den Taster nur durch Depression der 
Längsachse in eine Scheibe zu verwandeln , diese Scheibe 
glockenförmig zu krümmen, um beide Gestalten mit einander 
in Zusammenhang zu setzen. Die Centralhöhle des Tasters 
wird dann in eine Reihe radiärer Canäle zerfallen — wie 
die Leibeshöhle bei den Velelliden — , um eine möglichst 
grosse und gleichmässige Contactfläche für die ernährende 
Flüssigkeit zu gewinnen ; es wird auch der innere Bau dieser 
Anhänge die morphologische Uebereinstimmung documenliren. 
Auch in physiologischer Beziehung herrscht zwischen 
den einzelnen Anhängen des Siphonophorenkörpers eine ge- 
wisse Uebereinstimmung. Es wird vielleicht Niemand Be- 
denken tragen, die Magensäcke oder Polypen als Individuen 
in Anspruch zu nehmen, weil sie sich nach Art eines Indi- 
dividuums selbstständig ernähren — aber ernähren diese In- 
dividuen denn nicht auch eben so gut die übrigen Anhänge, 
die den Siphonophorenkörper zusammensetzen? Sind sie 
in dieser Beziehung nicht eben so gut Organe der Gesammt- 
colonie, als die Taster, Deckblätter, Schwimmglocken u. s. w., 
die mit den Ernährungsthieren an dem gemeinschaftlichen Kör- 
perslamme anhängen und hervorknospen und mit ihnen zu- 
sammen sich in die verschiedenen Aufgaben des Lebens ge- 
theilt haben? 

ich gestehe, es scheint mir ziemlich wenig consequent, 
wenn man nur den einen oder andern Anhang des Siphonopho- 
renkörpers, vielleicht nur die Polypen, als Individuen will gel- 
ten lassen, und die übrigen als Organe betrachtet. Der eine 
dieser Anhänge ist nicht mehr Organ, aber auch nicht we- 
niger, als der andere. Es giebt bei den Siphonophoren kei- 
nen einzigen bleibenden Körperanhang, der alle die Functio- 



Zur nähern Kenntniss der Siplionophoren von Nizza. 371 

nen und Aeusserungen des thierischen Lebens, die wir sonst 
gewöhnlich in einem Individuum sich vollenden sehen, verei- 
nigte. Alle die einzelnen Anhänge des Siphonophorenkör- 
pers repräsenliren für sich nur Bruchstücke des thierischen 
Lebens, die sich erst gegenseitig zu einem Gesammtbilde er- 
gänzen. 

Von diesem Standpunkte aus habe ich schon seit mei- 
nen Mittheilungen über den Bau unserer Thiere in der Zeit- 
schrift für wiss. Zool. III. S, 189 behauptet, dass die Sipho- 
nophorcn nicht blosse Thicrcolonieen , sondern polymor- 
phe Thiercolonieen seien, deren einzelne Anhänge 
nach dem Gesetze der Arbeitstheilung, das in der Thierwelt 
bekanntlich so vielfältige Anwendung findet (ich verweise 
hierbei namentlich auf meinen Art. Zeugung in Wagner's 
HWß. der Physiologie) , in die Aufgaben des Lebens sich 
getheilt und darnach in verschiedener Weise sich entwickelt 
hätten. Meine Ansicht hat manchen Beifall , aber auch 
manchen Widerspruch gefunden. Reichert (monogene Fort- 
pflanzung), V. Carus (Morphologie), AI. Braun (das In- 
dividuum in der Pflanzenwell), neuerdings auch Hr. Schultz- 
Schultzenstein (Verjüngung im Thierreiche) haben sich 
derselben ganz unbedingt angeschlossen. Gegenbaur giebt 
gleichfalls zu (Generationswechsel der Medusen und Polypen 
S. 49), dass man nicht nur die Polypen und Geschlechtsan- 
hänge, sondern auch andere Theile des Siphonophorenkör- 
pers, Schwimmstücke und Deckblätter, als Individuen betrach- 
ten könne 2), glaubt aber, dass ich zu weit gehe, wenn 
ich solches auch für die Fangapparate behaupte. In einem 
noch beschränktem Sinne spricht sich Herr Vogt für den 
Polymorphismus der Siphonophoren aus, freilich ohne diesen 
Namen zu nennen oder überhaupt nur meiner Ansicht direct 



1) Zur weitern Begründung derselben verweise ich hier na- 
mentlich auf meine Zool. Untersuchungen S. 70 ff. 

2) Gegenbaur scheint nur Bedenken zu tragen (Beiträge u. 
s. w. S.56), diese Anhänge Individuen zu nennen — es ist das 
im Grunde sehr gleichgültig, wenn man sich nur darüber verständigt 
hat, dass sie (in genetischer Beziehung, denn der Begriff des Indi- 
viduums ist zunächst, obgleich man das gewöhnlich vergisst, ein ge- 
netischer) wirklich Individuen sind. 



372 Leuckart: 

ZU erwähnen *)• Er erklärt ausser den Polypen auch noch 
die Taster und die Geschlechtsanhänge für Individuen, we- 
nigstens die schwärmenden Geschlechtsanhänge, erklärt auch 
auf p. 58 die Möglichkeit, dass man bei fortgesetzten Unter- 
suchungen vielleicht später noch einmal die Schwimmglocken, 
Deckstücke und bläschenförmigen Eikapseln als Individuen 
werde erkennen lernen, hält es aber nichts destoweniger an 
einer andern Stelle (p. 136) für einen Verstoss gegen den 
gesunden Menschenverstand Q„ce serait choquer le bon sens^O? 
die letzteren für Individuen auszugeben. Die beerenartigen 
Eikapseln seien und bleiben „Organe" — als ob nicht auch die 
schwärmenden Geschlechtsanhänge, nicht auch die sogenann- 
ten Polypen mit gleichem Rechte Organe genannt werden 
könnten! Herr Vogt scheint nicht zu wissen oder nicht 
wissen zu wollen, dass diese kapselartigen Geschlechtsanhän- 
ge durch die manchfaltigsten Zwischenformen allmählich zu 
den Geschlechtsanhängen mit exquisiter Medusenform hinfüh- 
ren^ dass sie nur eine niedrigere (d. i. weniger selbstständige) 
Entwickelungsform derjenigen Gebilde darstellen, die bei den 
Velellen als vollständige Scheibenquallen sich ablösen. 

Auch Kölliker scheint diesen Umstand nicht gehörig 
gewürdigt zu haben , wenn er — der einzige unter den 
neuern Beobachtern — den Polymorphismus der Siphonopho- 
ren vollkommen in Abrede stellt und die vielgeslaltelen An- 
hänge dieser Thiere ohne Ausnahme als Organe der Polypen 
ansieht. Nimmt er doch sogar Anstand (S. 73), die Velellen 
als „Ammen" zu betrachten, obgleich es ihm (durch die Un- 
tersuchungen von Huxley und Gegenbau r) bekannt war, 
dass sich die Geschlechtsknospen dieser Thiere zu Medusen 
entwickeln. Wenn man freilich auch bei den Hydroiden den 



1) Hr. Vogt pflegt meinen Namen überhaupt nur bei solchen Gele- 
genheiten zu nennen, wo er glaubt, mir Etwas versetzen zu können. So 
figurire ich — abgesehen von dem sehr schmeichelhaften Postscriptum 
auf p. 164 — nur an dreien Stellen seines grossen Siphonophorenwer- 
kcs, bei Gelegenheit der Frage nach der IN'atur der Schwimmblasen-. 
wand bei den Velellen (p. 12) und der sogenannten Spccialschwimm- 
glocken bei Praya (p. 104), wobei ich natürlich mit meinen Behaup- 
tungen vollkommen im Unrecht bin, und bei der Frioritätsrcdamation auf 
p. 12P. 



Zur nähern Kenntniss der Siphonophoren von Nizza. 373 

Generationswechsel leugnet, wenn man die Quallensprösslinge 
dieser Thiere nur für eine besonders hoch organisirte Form 
von Geschlechtsorganen ausgiebt, die^ wenn auch eine Zeitlang 
frei umherschwimmend , doch nicht wirklich als Individuen 
anzusehen seien und kein eigentlich individuelles Leben füh- 
ren, dann wird es allerdings ganz natürlich scheinen, dass 
auch die Geschlechtsthiere der Velellen blosse Organe sind, 
wie die Geschlechtskapseln der übrigen Siphonophoren. Giebt 
man aber einmal die Individualität der aufgeammten Medusen 
zu (und ich glaube kaum , dass man dieselbe ernstlich in 
Zweifel ziehen kann), so folgt daraus auch zunächst mit lo- 
gischer Nolhwendigkeit die Individualität der übrigen soge- 
nannten Geschlechtsanhänge, die nach ihrer Entwickelungs- 
geschichte und ihrer Organisation sich an diese Medusen an- 
schliessen. Gegenbaur ist desshalb auch gewiss in vollem 
Rechte, wenn er nicht bloss den Velelliden, sondern den Si- 
phonophoren ohne Ausnahme einen Generationswechsel zu- 
schreibt, wie ich das, nach dem Vorgange von Sars, schon 
längst gethan hatte. Aber Gegenbaur fühlt auch sehr 
wohl^ dass zwischen dem Generalionswechsel bei den Sipho- 
nophoren und der gewöhnlichen Form dieses Vorganges ein 
gewisser Cwenn auch nur gradueller) Unterschied obwaltet: 
er nennt den Generationswechsel unserer Thiere — natürlich 
mit Ausschluss der Velelliden — einen „unvollkommenen'« und 
bezeichnet damit im Grunde genommen ganz dasselbe, was 
ich mit der Idee meines „Polymorphismus" auszudrücken ge- 
dachte. Wo die Geschlechtsthiere bei dem Generationswech- 
sel, wie in unserm FallC;, zu keiner völligen Selbstständigkeit 
gelangen, und blosse (mehr oder minder emancipirte) Anhänge 
am Körper ihrer Ammen darstellen , da beschränkt sich die 
Aufgabe derselben ausschliesslich auf die Vermittelung der Fort- 
pflanzung ^3. Die Ammengeneration, die sonst nur eine unterge- 
ordnete Rolle zu spielen pflegte, ist in solchen Fällen nicht bloss 
für die Entwickelung, sondern auch für das spätere Leben 
dieser ^^Geschlechtsthiere" nothwendig 2) ; sie repräsentirt ein 

1) Gegenbaur nennt die Geschlechtsthiere in solchen Fällen 
eine „unvollkommene zweite Generation.« 

2} Ich möchte desshalb auch nicht gerade dem Ausspruche von 



S74 Leuckart: 

weit grösseres Stück Lebensgeschichte, als die Generation der 
Geschlechtsthiere, die wir doch sonst gewöhnlich als die Haupt- 
repräsentanten der einzelnen Arten zu betrachten gewohnt sind 
sie stellt mit den Geschlechtslhieren zusammen eine polymorphe 
Colonie dar. 

Sind nun aber die Geschlechtsanhänge der Siphonopho- 
ren in Wirklichkeit Individuen (wenn auch immerhin , wie 
Mancher vielleicht lieber möchte, unvollkommene Individuen), 
so kann meiner Meinung nach darüber kein Zweifel obwal- 
ten, dass auch die Schwimmglocken, die sich eigentlich nur 
durch die Abwesenheit der Geschlechtsstoffe von denselben 
unterscheiden , als Individuen zu betrachten sein dürften 0« 
Die Entwickelung und der Bau der Schwimmglocken ist ja 
wesentlich mit diesen Anhängen übereinstimmend , eben so 
übereinstimmend, wie die Entwickelung und der Bau bei den 
Polypen, den Ernährungsthieren, und den mundlosen Tastern. 
Von den Tastern zu den Deckstücken und auch den Fangfä- 
den und Nesselknöpfen scheint mir kein eben sehr gewagter 
üebergang, ich kann mich, trotz aller Bedenken, nicht von 
der Ansicht lossagen, dass alle diese Anhänge, Alles, was 
an demSiphonophorenkörper sprosst und keimt, die morpho- 
logische Bedeutung eines Individuums besitze. In functioneller 
Beziehung mögen diese Individuen immerhin als „Organe" 
bezeichnet werden ; der Begriff des Wortes Organ knüplt zu- 
nächst nur an die Verwendung eines Gebildes für die Zwecke 
einer höheren Einheit an, mag nun dieses „Organ", wie in 
der Mehrzahl der Fälle, das Bruchstück eines Individuums, 
oder , wie bei unsern Siphonophoren, ein ganzes Individuum 
darstellen ^). Ist man einmal darüber klar geworden, dass 



Gegenbaur beipflichten, dass solche Ammen eine „unvollkommene" 
erste Generation darstellen. 

1") Dasselbe geht aus den Beobachtungen von Gegenbaur 
über die Entwickelung derDiphyiden hervor — oder wollte man hier 
etwa die Bildung und Action eines „Organes" (Schwimmglocke) der 
Bildung und dem Leben des zugehörenden Individuums (Polypen) vor- 
ausgehen lassen? 

2) Wenn ich fürchten könnte, dass es mit dieser Behauptung 
mir ginge, wie mit einer andern , die man durch Hindeutung auf den 
scheinbar feststehenden Begriff eines bekannten Wortes (Embryo, Me- 



Zur nähern Kenntniss der Siphonophoren von Nizza. 375 

„Organ« und „Individuum« nicht Begriffe sind, die sich unter 
allen Verhältnissen gegenseitig ausschliessen, dann wird man 
es nicht mehr wagen, die consequente Durchführung der Idee 
des Polymorphismus eine Beleidigung des gesunden Men- 
schenverstandes zu heissenl 



Erklärung der Abbildungen. 



Taf. XI. 

Fig. 1. Eine junge Schwiramglocke von Abyla pentagona. 

Fig. 2. Ein junger und unentwickelter Polyp desselben Thieres mit 
knospendem Fangfaden. 

Fig. 3. u. 4. Weitere Entwicklungszustände dieses Polypen mit Nes- 
selknöpfen auf verschiedenen Bildungsstufen. 

Fig. 5. Entwicklung der Nesselknöpfe bei Abyla pentagona. 

Fig. 6. Ausgebildeter Nesselknopf von Abyla mit dem muskulösen 
Angelbande*. 

Fig. 7. Männlicher Geschlechtsanhang von Abyla vor seiner vollstän- 
digen Ausbildung. 

Fig. 8. Geschlechtsknospe mit kleeblattförmigem Deckslucke von dem- 
selben Thiere. 

Fig. 9. Dasselbe Deckstück von der Fläche aus gesehen. 

Fig. 10. Vier an dem gemeinschaftlichen Stamm aufgereihete Anhangs- 
gruppen (Eudoxien) von Abyla. 

Fig. 11. Anhangsgruppe von Diphyes acuminata. Bei * das Höhlen- 
system der trichterförmigen Deckschuppe. 

Fig. 12. Ein junger Polyp von Diphyes acuminata mit erster Anlage 
des Fangfadens und Deckstückes. 

Fig. 13. Weiblicher Geschlechtsanhang von Diphyes mit anhängender 
Ersatzknospe. 

Fig. 14. Vorderende von Galeolaria filiformis in natürlicher Grösse; A. 
vordere, B. hintere Schwimmglocke. 



tamorphose) hat widerlegen wollen, so würde ich an die zu beherzi- 
genden Worte von Gegen baur erinnern (Generationswechsel u. s. w. 
S. 48) : „dass in der Naturforschung die einzelnen Begriffsbestimmun- 
gen nicht a priori construirt , sondern, als Resultate der Forschung 
selbst, mit jeder Feststellung einer neuen Thatsache und jedem da- 
durch neu gewonnenen Gesichtspunkte sich modificiren , und eben 
diesen neuen Forschungsweisen sich adoptiren müssen". 



376 Leuckart: 

¥ig. 15. Junge (hintere) Schwimmglocke desselben Thieres. 

Fig. 16. Ausgebildete!' Polyp mit Fangladen und Kesselknöpfen. 

Fig. 17. Deckstück desselben Thieres. 

Fig. 18. Nesselknopf von Praya cymbiformis. 

Fig. 19. Vorderes Leibesende von Praya cymbiformis in natürlicher 

Grösse. 
Fig. 20. A vorderes, B hinteres Schwimmstück desselben Thieres, von 

der hintern Fläche gesehen. 
Fig. 21. Geschlechtsknospe mit Anlage des Deckstöckes. 
Fig. 22. Dasselbe Deckstück, von der Fläche gesehen. 
Fig. 23. Spätere Entwicklungsstufe des Deckstückes. 
Fig. 24. Ausgebildetes Deckstück von Praya cymbiformis in naturlicher 

Grösse. 

Taf. XII. 

Fig. 1. Schwimmstück von Hippopodius gleba von vorn gesehen. 
Nat. Gr. 

Fig. 2. Dasselbe Schwimmstück von hinten. 

Fig. 3. Schwimmkegelachse von Hippopodius zum Theil noch mit an- 
hängenden (aus einander gezogenen) Locomoliven. 

Fig. 4. Gruppe männlicher Geschlechtsanhänge auf verschiedener Ent- 
wicklungsstufe. 

Fig. 5. Luftkammer und Luftsack von Apolemia uvaria. 

Fig. 6. Schwimmglocke von Apolemia, in naturlicher Grösse, von hin- 
ten gesehen. 

Fig. 7. Deckstück von Apolemia in nat. Gr. 

Fig. 8. Unentwickeltes Deckslück. 

Fig. 9. Taster von Apolemia mit Fangfaden. 

Fig. 10. Weibliche Geschlechtstraube von Apolemia mit jungen (un- 
entwickelten) Tastern. 

Fig. 11. Schwimmglocke von Agalma rubrum, von oben gesehen. Na- 
türliche Grösse. 

Fig. 12. Dieselbe Schwimmglocke im Profil. 

Fig. 13. Schwimmglockenknospe. 

Fig. 14. Anhangsgruppe von Agalma rubrum (ohne Deckstücke): Taster, 
Polyp, weibliche, männliche Anhänge in nat. Grösse. 

Fig. 15. Deckstück von Ag. rubrum in nat. Grösse. 

Fig. 16. Unvollständig entwickelter männlicher Geschlechtsanhang. 

Fig. 17. Männliche Geschlechtsknospe. 

Fig. 18. Weiblicher Anhang mit regelmässig entwickeltem Gefässap- 
parat. 



Zur nähern Kenntniss der Siphonophoren von Nizza. 377 

Fig. 19. Stiel der weiblichen Geschlechislraube. 
Fig. 20. Schwimmsäule von Agalma Sarsii. 

Fig. 21. Schwimmglocke desselben Ihieres von oben gesehen, Natur- 
liche Grösse. 
Fig. 22. Junger Taster mit unentwickelter Deckschuppe. 
Fig. 23. Deckstück von Agalma Sarsii ; nat. Grösse. 
Fig. 24. Querdurchschnitt desselben. 
Fig. 25. Unentwickelter INesselknopf von Ag. Sarsii. 
Fig. 26. Nesselknopf mit unvollständig entwickeltem Mantel. 

Taf. XIII. 

Fig. 1. Ein junger Stock von Agalma Sarsii. 

Fig. 2. Deckstück von Agalma clavata. Nat. Grösse. 

Fig. 3. Dasselbe im Profil. 

Fig. 4. Dasselbe im Querdurchschnitt. 

Fig. 5. Kesselknopf von Ag. clavata. 

Fig. 6. Männlicher, Fig. 7. weiblicher Anhang desselben Thieres. 

Fig. 8. Schwimraglocke von Forskalia conlorta mit Pigmentfleck ♦. 
Nat. Gr. 

Fig. 9. Dieselbe im Profil, Fig. 10 von vorn gesehen. 

Fig. 11. Junge Schwinimglocke, vor Entwicklung der Forlsätze. Na- 
türliche Grösse. 

Fig. 12. Ein früherer Entwicklungszustand desselben Anhanges. 

Fig. 13. Nesselknopf von Forskalia contorta im aufgerollten Zustande. 

Fig. 14. Keilförmiges Deckslück von F. contorta. 

Fig. 15. Eine solche Deckslückknospe. 

Fig. 16. Ein sehr junger Polyp mit knospendem Fangfaden. 

Fig. 17. Späterer Enlwickelungszustand mit Nesselknopfknospen und 
Deckschuppen. 

Fig. 18. Stock von Forskalia ophiura in nat. Grösse. 

Fig. 19. Schwimmslück von F. ophiura in nat. Grösse. 

Fig. 20. Deckslück desselben Thieres. Nat. Gr. 

Fig. 21. Vierlingstaster mit Geschlechtstrauben in nat. Grösse. 

Fig. 22. Halbschematische Darstellung vom Bau der -Velella spirans. 
a Centralpolyp ; h peripherische Polypen mit Geschlechlsknos- 
pen; c Fangläden; d Saflgefässe. 

Fig. 23, Ideale Darstellung desselben Thieres mit ausgezogenem, cy- 
lindrischen Stamme. 



Druckfehler. 



S.4. Z. 7. V. u. 1. einem statt meiuem. — S. 36. Z. 14 v. u. 1, 
für die statt die für die. — S. 36. Z. 9. v. u. 1. den Theil statt dem 
Theil. — S.37. Z. 8. v. u. 1. Zotten statt Zellen. — S.44. Z. 9. v.o. 
1. Fehlen statt Fühlen. — S.49.Z. 10. v. o. 1. -fallende statt -allende. 
— S.49. Z. 17. V. 0. I.Seite stattSeiten. — S.49. Z. 11. v. u. 1. Glas- 
plättchen statt Glasblättchen. — S. 54. Z. 12. v. u. 1. begriffenen statt 
begriffener. — S. 56. Z. 6. v. u. 1. bandförmige statt banförmige. — 
S.58. Z.4. V. u. 1. zwei statt drei. — S. 59. Z. 12. v. u. 1. innerhalb 
statt innerhald. — S. 61. Z.7. v. o. 1. hat statt ist. 

S. 209. Z. 15. V. 0. und 15. v. u. 1. Creseis statt Hyalaea. 



Bonn, gedruckt bei Carl Georgl 



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